CE 02

An der Pflege von Menschen in kurativen Prozessen mitwirken

مواقف

Herr Brandt — der Auftrag: Pflegeprozess und ABEDL„Schreib ihm eine Pflegeplanung. Fang heute an.“ Herr Brandt, 76, lag zehn Tage im Bett. Womit fängst du an? Und wo schaust du überall hin?Herr Brandt — das Problem: PÄSR und Ressourcen„Er klingelt alle zwanzig Minuten. Das ist sein größtes Problem.“ Ist es das? Aus Beobachtungen werden Pflegeprobleme nach PÄSR. Und Herr Brandt bringt mehr mit, als im Bogen steht.Herr Brandt — das Ziel: SMART und realistisch„Am Wochenende bin ich wieder zu Hause.“ Herr Brandt hat ein Ziel. Du brauchst eins, das er am Freitag erreichen kann: SMART, und vor allem realistisch.Herr Brandt — die Maßnahme: handlungsleitend„Herrn Brandt mobilisieren“: Die Kollegin im Spätdienst weiß nicht, was du meinst. Maßnahmen nach den W-Fragen, Floskel gegen Handlung, und zu jedem Ziel die Maßnahme, die dorthin führt.Herr Brandt — die ganze Planung: Fehler findenVier ABEDL, alle Felder voll. Und fünf Einträge sind falsch. Ein Problem, das der Kollegin gehört, ein Ziel mit Hilfsverb, eine Floskel als Maßnahme. Findest du sie?Frau Ott — die ganze Kette, mit weniger Hilfe„Die braucht für alles ewig, und nachts klingelt sie dauernd.“ Frau Ott, 83: Du übernimmst ihre Planung, vom ersten Gespräch bis zur Evaluation. Und sie will den Rollator nicht.Herr Brandt — Freitag: die EvaluationFreitag. Im Plan stehen 20 Meter. Herr Brandt schafft zwölf. Ziel senken, Ziel streichen, abhaken? Erst die Gründe. Und einer davon liegt nicht bei ihm.Die ganze Planung — selbst gelegtZwei neue Menschen, kein Hinweis mehr: Frau Yilmaz' Planung in Reihenfolge und in sechs Feldern, Herrn Lindners Planung auf Fehler geprüft. Und Herrn Brandts Abschied.Schreib es selbst — Problem, Ziel, Maßnahme, EvaluationEin leerer Planungsbogen für Herrn Lindner. Diesmal schreibst du jedes Feld selbst. Danach vergleichst du mit vier Möglichkeiten, wie du es schreiben kannst.Herr Aydın — das Risiko erkennen: Screening, Faktoren, Stellen„Schätz bei ihm das Dekubitusrisiko ein.“ Herr Aydın, 77, hatte vor drei Tagen einen Schlaganfall. Und er kann dir nicht sagen, wo es drückt.Herr Aydın — die Haut beurteilen: Fingertest, Kategorien, Abgrenzung„Sag mir, was das ist. Und was es nicht ist.“ Eine Rötung über dem Kreuzbein, ein Schorf an der Ferse, eine zweite rote Stelle in der Gesäßfalte.Herr Aydın — handeln: Bewegen, Intervall, Position, Ferse, Unterlage„Wie bekommst du den Druck weg? Und zwar heute?“ Die Matratze ist bestellt, Emine Aydın hat Franzbranntwein dabei, und er ist im Bett nach unten gerutscht.Herr Aydın — planen, anleiten, evaluieren: der Bewegungsplan für die Reha„Schreib ihm einen Bewegungsplan für die Reha. Und nimm seine Frau mit ins Boot.“ Ein Entwurf mit vier Fehlern, eine Nacht, in der er sich wehrt, und die Frage, ob die Prophylaxe wirkt.Frau Hartmann — den Ernährungszustand erfassen: Wiegen, Screening, Mangel, Durst„Schau dir ihren Ernährungszustand genau an.“ Frau Hartmann, 80, lebt seit einem Monat im Haus am Kanal. Ihre Hose sitzt locker, und Hunger hat sie keinen.Frau Hartmann — Essen und Trinken am Tisch: wählen, sitzen, anreichen, trinken„Begleite sie diese Woche bei den Mahlzeiten.“ Ein Speiseplan, ein Schnabelbecher, eine Tochter, die nachschiebt, und ein Glas, das abends stehen bleibt.Herr Aydın — das Schlucken: erkennen, helfen, unterstützen„Achte genau darauf, wie er schluckt.“ Herr Aydın, 77, Tag 3 nach dem Schlaganfall. Eine Suppe, ein Räuspern, ein Stück Brot und ein Joghurt von zu Hause.Herr Aydın — wenn es über den Mund nicht reicht: Sonde, Beobachtung, Bilanz„Heute gibst du mit mir die Sondennahrung.“ Eine Sonde in der Nase, eine Flasche im Kühlschrank und ein Durchfall. Dazu ein Bilanzbogen mit Lücke und ein Honiggebäck, das warten muss.Frau Hartmann — nachts findet sie den Weg nicht: Scham, Einschätzung, Weg, Profil, Training„Ab heute bekommt sie nachts eine Windel.“ Frau Hartmann, 80, lebt seit zwei Monaten im Haus am Kanal. Im Schrank liegen zwei nasse Nachthemden.Frau Hartmann — Vorlage, Haut und ihr Wille: Hilfsmittel, IAD, Selbstbestimmung, Evaluation„Damit es sicher hält.“ In Frau Hartmanns Vorlage liegt zusätzlich eine Binde, die Haut darunter ist gerötet. Und ihre Tochter will am Telefon alles wissen.Frau Hartmann — ein Magen-Darm-Infekt im Haus: Ekel, Erbrechen, Diarrhö, Stuhl, StuhlinkontinenzVier Bewohner sind über Nacht erkrankt. Frau Hartmann, 81, hat erbrochen und Durchfall, und heute Morgen erkennt sie dich nicht.Herr Engel — der Katheter: assistieren, Material, 500 ml, Katheterpflege, Entfernen„Das macht hoffentlich der Arzt.“ Herr Engel, 82, kann seit dem Morgen kein Wasser lassen. Er bekommt einen Blasenkatheter, und du assistierst.Frau Schmidt — sie rutscht ans Fußende: Bewegungsmangel, Leitfrage, Massen, Ansage, im Bett gehen„Komm, wir ziehen sie zu zweit hoch.“ Frau Schmidt, 85, ist wieder ans Fußende gerutscht. Seit drei Tagen bewegt sie sich kaum.Frau Schmidt — zum ersten Mal auf den Beinen: Knochen tragen, Bett, Hilfsmittel, Führen und Folgen, dein Rücken„Meine Beine tragen mich nicht mehr.“ Frau Schmidt, 85, darf heute zum ersten Mal aufstehen. Das Bett steht hoch, und der Nachtschrank hat Rollen.Frau Goldberg — der Morgen im betreuten Wohnen: Gewohnheiten, Würde, Ohren, Waschbecken, Haut„Nicht er!“ Frau Goldberg, 88, sieht und hört schlecht und wohnt seit zwei Wochen im betreuten Wohnen. Heute Morgen will sie sich nicht von deinem Kollegen waschen lassen.Paul — Zähne putzen und anziehen: selbst machen lassen, KAI, Technik, Mund, Ankleiden„Fertig! Allein!“ Paul, 13, hat eine Trisomie 21 und liegt mit einer Lungenentzündung in der Kinderklinik. Seine Zähne putzt er am liebsten selbst, nach einer halben Minute ist er fertig.

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المحتوى · 101 وحدات
  1. Der Pflegeprozess
  2. Die 13 ABEDL nach Krohwinkel
  3. Das Pflegeproblem nach PÄSR
  4. Ressourcen
  5. Pflegeziele SMART
  6. Nahziele und Fernziele
  7. Pflegemaßnahmen handlungsleitend formulieren
  8. Schritt 6: Evaluation
  9. Strukturmodell
  10. Aufbau der Haut
  11. Dekubitusrisiko einschätzen
  12. Risikofaktoren
  13. Prädilektionsstellen
  14. Dekubituslokalisation
  15. Mobilität
  16. Assessmentinstrumente zur Risikoeinschätzung
  17. Fingertest
  18. Dekubitusentstehung
  19. Dekubituskategorien
  20. Tiefe unbekannt
  21. Beobachtung verschieden stark pigmentierter Haut
  22. Inkontinenz-assoziierte Dermatitis
  23. Haut beobachten und beurteilen
  24. Bewegungsförderung
  25. Positionierung
  26. Makropositionswechsel
  27. Scherkräfte
  28. Pflegerituale
  29. Ursachen für Druck und Scherkräfte
  30. Hohllage/Freilage
  31. Druckverteilende Hilfsmittel
  32. Maßnahmenplanung
  33. Mikropositionswechsel
  34. Hautpflege
  35. Ernährung
  36. Schulungen und Übungen
  37. Autonomie und Selbstbestimmtheit
  38. Evaluation
  39. Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien
  40. Medizinprodukte
  41. Den Ernährungszustand einschätzen
  42. Screening und Assessment
  43. Mangelernährung
  44. Ernährung im Alter
  45. Dehydratation
  46. Essen anbieten
  47. Position zum Essen
  48. Essen anreichen
  49. Trinken anreichen
  50. Dehydratationsprophylaxe
  51. Maßnahmen bei Mangelernährung
  52. Verdauungssystem und Schluckakt
  53. Dysphagie
  54. Aspiration
  55. Bei Dysphagie unterstützen
  56. Medikamente bei der Nahrungsaufnahme
  57. Künstliche Ernährung
  58. Sondennahrung verabreichen
  59. Bei Sondenernährung beobachten
  60. Flüssigkeitsbilanz
  61. Kultur und Religion
  62. Ablehnung, Nahrungskarenz, Sterbephase
  63. Harnwege und Kontinenz
  64. Scham und Sprache
  65. Die Kontinenzsituation einschätzen
  66. Den Toilettengang möglich machen
  67. Miktionsprotokoll und Kontinenzprofil
  68. Toiletten- und Blasentraining
  69. Aufsaugende Hilfsmittel
  70. Haut unter der Vorlage
  71. Selbstbestimmung
  72. Ziele und Evaluation
  73. Ekel
  74. Hilfe beim Erbrechen
  75. Diarrhö
  76. Stuhl beobachten
  77. Stuhlinkontinenz behandeln
  78. Beim Katheterlegen assistieren
  79. Blasenkatheter: Grundlagen
  80. Abbruch und 500-ml-Regel
  81. Harnwegsinfekt und Katheterpflege
  82. Katheter entfernen und Alternativen
  83. Bewegungsmangel
  84. Die Leitfrage der Kinästhetik
  85. Massen und Zwischenräume
  86. Anleiten mit Sprache
  87. Gehen über Gewichtsverlagerung
  88. Funktionale Anatomie
  89. Die Umgebung
  90. Hilfsmittel
  91. Führen und Folgen
  92. Selbstschutz
  93. Gewohnheiten erfragen
  94. Würde und Initialberührung
  95. Augen, Ohren, Nase
  96. Teilwäsche am Waschbecken
  97. Haut beobachten
  98. Zähneputzen
  99. Die Putztechnik
  100. Den Mund beobachten
  101. An- und Auskleiden
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Der Pflegeprozess

Herr B., 76, soll nach zehn Tagen im Bett wieder auf die Beine kommen. Deine Praxisanleiterin sagt: „Schreib ihm eine Pflegeplanung.“ Wo fängst du an?

Der Pflegeprozess ist ein Arbeits- und Problemlösungsprozess, der systematisch und zielgerichtet abläuft. Gemeinsam mit dem Pflegeempfänger erhebst du seine individuellen Pflegebedürfnisse und den Pflegebedarf, der sich daraus ableitet. Und du legst fest, welches Ergebnis die Pflege erreichen soll. Die Gestaltung des Pflegeprozesses ist nach § 4 PflBG eine Vorbehaltstätigkeit: Nur Pflegefachpersonen dürfen sie umsetzen.

Im deutschsprachigen Raum ist das 6-schrittige Modell nach Fiechter und Meier verbreitet. Die Schritte bauen aufeinander auf. Du durchläufst sie nacheinander, als Regelkreis:

  1. 1 · Informationssammlung

    Informationen sammeln: über den Menschen und seinen Pflegebedarf.

  2. 2 · Pflegediagnosen und Ressourcen

    Pflegediagnosen (früher: Pflegeprobleme) und Ressourcen des zu Pflegenden erkennen und erfassen.

  3. 3 · Pflegeziele

    Die Pflegeziele festlegen, im Idealfall zusammen mit dem Menschen, den du pflegst.

  4. 4 · Pflegemaßnahmen planen

    Geeignete Pflegemaßnahmen auswählen, mit denen das Pflegeziel erreicht werden soll.

  5. 5 · Durchführung

    Die geplanten Pflegemaßnahmen durchführen.

  6. 6 · Evaluation

    Beurteilen, wie die Pflegemaßnahmen gewirkt haben, und bei Bedarf neu anpassen.

Die Pflege kann nach dem sechsten Schritt beendet sein. Dafür müssen alle Pflegeprobleme zufriedenstellend gelöst sein, und es besteht kein weiterer Pflegebedarf. In der Praxis ist das eher selten. Häufig bestehen Pflegeprobleme weiter. Deshalb durchläufst du den Pflegeprozess meist mehrfach. Jeder Durchlauf baut auf dem Wissen der vorherigen auf.

قاعدة عملية

Nach Fiechter und Meier hat der Pflegeprozess sechs Schritte. Sie bauen als Regelkreis aufeinander auf: Informationssammlung → Pflegediagnosen und Ressourcen → Pflegeziele → Maßnahmen planen → Durchführung → Evaluation.

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Die 13 ABEDL nach Krohwinkel

Du sitzt mit dem Aufnahmebogen vor Herrn B. Wo schaust du überall hin, damit dir nichts durchrutscht? Das Gehen, das Waschen, das Essen, die Nacht, die Tochter?

Monika Krohwinkel hat das „Modell fördernder Prozesspflege“ entwickelt. Ihr ist wichtig: Der pflegerische Blick richtet sich nicht nur auf Probleme und Defizite. Auch die Fähigkeiten und Potenziale des Menschen gehören in den Pflegeprozess. Kern des Modells sind die ABEDL: Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens. Es sind 13, hier im Wortlaut nach Krohwinkel:

  • 1 Kommunizieren können
  • 2 Sich bewegen können
  • 3 Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können
  • 4 Sich pflegen können
  • 5 Sich kleiden können
  • 6 Ausscheiden können
  • 7 Essen und trinken können
  • 8 Ruhen, schlafen, entspannen können
  • 9 Sich beschäftigen, lernen, sich entwickeln können
  • 10 Die eigene Sexualität leben können
  • 11 Für eine sichere/fördernde Umgebung sorgen können
  • 12 Soziale Kontakte und Beziehungen sichern und gestalten können
  • 13 Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen und sich dabei entwickeln
Strukturierungshilfe, keine Checkliste

Die 13 ABEDL werden vielfach als Strukturierungshilfe genutzt. Mit ihnen erfasst und dokumentierst du den Pflegebedarf in der Informationssammlung. Dabei achtest du darauf, sie nicht checklistenartig abzuhaken. Du erfasst, wie die Bedürfnisse zusammenhängen und aufeinander wirken. Viele Pflegefachpersonen nutzen die Formulierungen der ABEDL als Gedächtnisstütze für die Pflegeplanung. Manche Bildungszentren geben das in der Übungsphase vor.

قاعدة عملية

Die 13 ABEDL nach Krohwinkel sind eine Strukturierungshilfe für die Informationssammlung. Du hakst sie nicht als Checkliste ab, sondern erfasst die Zusammenhänge und Wechselwirkungen der Bedürfnisse. Dabei siehst du nicht nur Probleme, sondern auch Fähigkeiten.

معرفة تمريضية

Das Pflegeproblem nach PÄSR

„Herr B. klingelt alle zwanzig Minuten“, seufzt eine Kollegin bei der Übergabe. Ist das sein Pflegeproblem oder ihres?

Eine Pflegediagnose (früher: Pflegeproblem) beschreibst du mit dem PÄS(R)-Schema. Es heißt auch PESR-Schema, mit E für Einflussfaktoren. Die Bestandteile sind international definiert. Das gilt, egal ob du mit einer Pflegeklassifikation arbeitest oder mit eigenen Worten formulierst:

  • P = Pflegeproblem: eine aktuelle Beeinträchtigung der Person oder eine potenzielle Beeinträchtigung, also ein Risiko. Es hängt mit dem Gesundheitszustand oder der Behandlung zusammen. Die Person kann es nicht eigenständig bewältigen. Es schränkt ihre Unabhängigkeit ein.
  • Ä = Ätiologie: die ursächlichen oder beeinflussenden Faktoren. Sie verursachen das Problem oder halten es aufrecht. Beispiele: Krankheiten, Zustände wie eine Bewegungseinschränkung, Wissensdefizite, Motive wie Angst oder Schamgefühl, Gewohnheiten.
  • S = Symptome: wahrnehmbare Indikatoren, Merkmale und Äußerungen der Person. Sie bestätigen die Pflegediagnose. Dazu zählen auch verbale Äußerungen zum Problem und Risikofaktoren.
  • R = Ressourcen: Fähigkeiten oder Verhaltensweisen der Person und Faktoren in ihrem sozialen Umfeld. Sie helfen, das Problem zu bewältigen.

Formuliere Pflegediagnosen so kurz und präzise wie möglich. Ein festes Schema wie PÄS(R) hilft dabei.

Wer hat das Problem?

Ein Pflegeproblem gehört immer dem Betroffenen. Was Pflegefachpersonen mit einem pflegebedürftigen Menschen für ein Problem haben, ist kein Pflegeproblem. „Herr D. klingelt alle paar Minuten“ ist ein Problem der Pflegefachperson: Sie hat deswegen viel Arbeit. Bei der Planung geht es aber um Herrn D. Hat er vielleicht Schmerzen? Langeweile? Gesprächsbedarf? Sein Problem könnte lauten: Herr D. hat einen hohen Gesprächsbedarf, weil er ein traumatisches Ereignis erlebt hat. Du erkennst das daran, dass er häufig Kontakt zum Pflegepersonal aufnimmt.

قاعدة عملية

PÄSR (PESR) hat vier Teile:P: PflegeproblemÄ: Ätiologie (Einflussfaktoren)S: SymptomeR: RessourcenDas Problem gehört immer dem Betroffenen, nie der Pflegefachperson.

معرفة تمريضية

Ressourcen

Herr B. kann nicht allein gehen. Aber er dreht sich im Bett allein, setzt sich auf und will unbedingt nach Hause. Und seine Tochter kommt jeden Nachmittag. Was davon gehört in die Planung?

Du erfasst die Pflegeprobleme. Ebenso wichtig ist es, die Ressourcen zu erfassen. Erst damit ist eine aktivierende Pflege möglich. Ressourcen sind Fähigkeiten oder Verhaltensweisen der Person und Faktoren in ihrem sozialen Umfeld. Du beziehst sie gezielt in jeden Schritt des Pflegeprozesses ein. Denn sie können entscheidend für die passende Auswahl der Pflegemaßnahmen sein. Ressourcen lassen sich einteilen in:

  • körperliche Ressourcen: zum Beispiel im Zimmer allein laufen zu können, die Körperpflege selbst durchzuführen, selbstständig zu trinken, sich allein vom Bett zum Stuhl zu transferieren
  • kognitive/psychische Ressourcen: zum Beispiel eine positive Grundhaltung, Motivation, die eigene Gesundheit zu verbessern, ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein
  • räumliche Ressourcen: zum Beispiel barrierefreier Wohnraum, ein Hausnotruf
  • soziale Ressourcen: zum Beispiel ein Netz aus Bezugspersonen, familiäre Unterstützung
  • ökonomische Ressourcen: zum Beispiel die finanziellen Möglichkeiten für pflegeprofessionelle Unterstützung oder Leistungen der Pflegeversicherung, auf die ein Anspruch besteht
  • spirituelle Ressourcen: zum Beispiel Kraft und Halt durch Religiosität. Oder eine hohe Resilienz: die Fähigkeit, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit als belastende Lebenssituation auszuhalten und zu bewältigen, indem die Person ihr Verhalten anpasst

Ressourcen sind nicht immer offensichtlich. Oft hilft es, dich in den Betroffenen hineinzuversetzen. Ein eingegipster Arm juckt, schmerzt und macht unbeweglich. Gleichzeitig kann ein junger Patient mit dem anderen, unverletzten Arm vieles kompensieren.

قاعدة عملية

Ressourcen sind Fähigkeiten oder Verhaltensweisen der Person und Faktoren in ihrem sozialen Umfeld. Es gibt sechs Arten:körperlichekognitive/psychischeräumlichesozialeökonomischespirituelleDu beziehst sie in jeden Schritt des Pflegeprozesses ein. Sie können für die Auswahl der Maßnahmen entscheidend sein.

معرفة تمريضية

Pflegeziele SMART

„Herr B. soll wieder mobiler werden.“ So steht es im Entwurf deiner Mitschülerin. Woran würdest du am Freitag erkennen, ob das Ziel erreicht ist?

Ein Pflegeziel beschreibt einen Zustand: Die zu pflegende Person soll ihn innerhalb einer vorgegebenen Zeit erreichen. Das geschieht durch eine Pflegemaßnahme oder mehrere. Wo immer möglich, legst du es mit dem Pflegeempfänger zusammen fest. Pflegeziele sind die Grundlage für die Auswahl der Maßnahmen. Zugleich sind sie die messbare Größe: An ihnen beurteilst du später die Wirksamkeit der Pflege. Du formulierst sie positiv und SMART:

  • S = spezifisch: individuell auf diese Person zugeschnitten
  • M = messbar: der Grad der Zielerreichung lässt sich nachweisen, überprüfen oder messen
  • A = akzeptiert: die Person ist mit dem Ziel einverstanden, es ist für sie relevant
  • R = realisierbar: das Ziel ist überhaupt möglich und erreichbar, also nicht zu anspruchsvoll gesetzt
  • T = terminierbar: das Ziel ist bis zu einem festgelegten Tag oder Zeitpunkt erreichbar

Drei Beispiele aus den Lehrbüchern:

kein brauchbares Ziel
SMART formuliert
negativ
Herr D. bekommt keinen Dekubitus.
Herr D. hat eine intakte Haut.
Schlagwort
größtmögliche Selbstständigkeit: ein Schlagwort. Es gilt für jeden Patienten und hilft bei der Auswahl der Maßnahmen nicht.
Herr Kaiser geht in zwei Wochen (mit konkretem Datum) in Begleitung zur Toilette.
nicht messbar
Herr D. ist beweglicher.
Herr D. beugt das rechte Kniegelenk bis zum Ende der Woche schmerzfrei um 90 Grad.

Ein Ziel ist kein Eintrag im Pflegebericht: Dort steht Tatsächliches, im Ziel steht der Soll-Zustand. Dass Herr Kaiser das Bett heute noch nicht verlassen kann, darf dich beim Ziel nicht irritieren. Hilfsverben wie „sollen“, „müssen“ oder „können“ sind in der Zielformulierung nicht sinnvoll.

قاعدة عملية

Ein Pflegeziel beschreibt positiv einen Soll-Zustand. Es ist SMART:spezifischmessbarakzeptiertrealisierbarterminierbarEs steht ohne Schlagwörter und ohne „soll“, „muss“, „kann“.

معرفة تمريضية

Nahziele und Fernziele

„Am Wochenende bin ich wieder zu Hause, allein, wie immer“, sagt Herr B. Er lag zehn Tage im Bett. Heute schafft er fünf Meter mit Rollator und Begleitung. Was vereinbarst du mit ihm?

Ziele sollten realistisch formuliert werden, zum Beispiel als Teilschritte. Dafür unterscheidest du zwei Reichweiten:

Nahziel
Fernziel
Zeitraum
kurz und definierbar, zum Beispiel innerhalb weniger Tage
länger, zum Beispiel über den gesamten Pflegeprozess hinweg
Formulierung
ein konkreter Zustand
eher abstrakt
Beispiel Herr M.
Herr M. legt 5 Tage nach der Operation eine Wegstrecke von 20 Metern zurück, mit Rollator und in Begleitung einer Pflegefachperson.
Herr M. hat 3 Monate nach der Operation seine volle Selbstständigkeit beim Gehen zurück.

Nahziele sind die Etappen zum Fernziel. Nahziele sind in absehbarer Zeit erreichbar. Deshalb erkennen Pflegefachperson und zu pflegende Person den Fortschritt leichter und können rasch Erfolge feststellen. Das fördert die Motivation aller Beteiligten. Welche Art von Ziel angebracht ist, entscheidest du je nach Setting und Pflegediagnose, und sofern möglich gemeinsam mit der Person.

قاعدة عملية

Realistisch wird ein Ziel als Teilschritt. Ein Nahziel beschreibt einen konkreten Zustand in einem kurzen Zeitraum, etwa in wenigen Tagen. Hilfsmittel und Begleitung können darin stehen, zum Beispiel ein Rollator. Nahziele sind die Etappen zum Fernziel. Das Fernziel ist über einen längeren Zeitraum gesteckt und eher abstrakt.

معرفة تمريضية

Pflegemaßnahmen handlungsleitend formulieren

Im Plan steht: „Herrn B. mobilisieren.“ Die Kollegin im Spätdienst liest das. Sie weiß nicht: Soll sie ihn an den Bettrand setzen oder mit ihm über den Flur gehen?

Pflegemaßnahmen sind alle direkten und indirekten Handlungen, die Pflegefachpersonen für oder mit der zu pflegenden Person im Pflegeprozess durchführen. Du leitest sie aus Pflegediagnose und Pflegeziel ab. Sie sollten die Person näher an das Ziel führen. Alle im Team sollen sie korrekt und einheitlich ausführen können. Deshalb formulierst du sie handlungsleitend, als Antwort auf die W-Fragen:

  • Wer führt die Handlung durch?
  • Was für eine Pflegemaßnahme?
  • Wie bzw. mit welchem Unterstützungsgrad, zum Beispiel: Den Oberkörper wäscht die Person selbst mit Anleitung, den Unterkörper übernimmt die Pflegefachperson vollständig
  • Wann, zum Beispiel morgens um 9:00 Uhr
  • Wie häufig, zum Beispiel 1 × täglich
  • Womit, zum Beispiel sitzend am Waschbecken, Waschlotion sparsam

So knapp wie möglich, so ausführlich wie nötig. Floskeln leiten niemanden an, etwa „psychische Betreuung“ oder „Angst nehmen“. Handlungsleitend ist zum Beispiel: „den Patienten zu jeder Mahlzeit an den Tisch setzen“. Grundsätze, die immer gelten, schreibst du nicht eigens auf. Ein Beispiel ist die Händedesinfektion vor Beginn.

Schritt 6: Evaluation

Am Ende prüfst du systematisch drei Dinge: Haben die Pflegemaßnahmen wie gewünscht gewirkt? Sind die Pflegeziele erreicht? Sind neue Pflegediagnosen, Komplikationen oder Abweichungen vom Plan aufgetreten? Die Evaluationszeitpunkte legst du individuell fest. Ein abschließender Blick auf die Planung hilft immer. Dazu stellst du drei Fragen: Passen Ziele und Probleme zusammen? Bearbeiten die Maßnahmen die Probleme, und erreichen sie die Ziele? Bezieht sich jede Maßnahme und jedes Ziel auf das Problem?

قاعدة عملية

Eine Pflegemaßnahme beantwortet die W-Fragen:werwaswie (Unterstützungsgrad)wannwie häufigwomitSo knapp wie möglich, so ausführlich wie nötig. Die Evaluation prüft danach, ob das Ziel erreicht ist.

معرفة تمريضية

Schritt 6: Evaluation

Freitag. Im Plan steht: „Herr B. geht am Freitag mit Rollator und Begleitung 20 Meter über den Flur.“ Er schafft zwölf. Was heißt das für den Plan? Und was heißt es nicht?

Evaluation heißt: Du beurteilst, wertest aus und überprüfst systematisch jeden einzelnen Schritt des Pflegeprozesses. Du prüfst seine Wirksamkeit und ob die Pflegeziele erreicht sind. Dabei erfasst du auch zwei Dinge: Hat sich der Zustand der Person verändert? Gibt es neue Informationen, die eine Anpassung im Pflegeplan erfordern? Zu prüfen ist unter anderem:

  • Reaktion: wie die Person auf deine Pflegeinterventionen reagiert
  • Wirkung: ob die Pflegemaßnahmen wirken wie gewünscht und die Pflegeziele erreicht sind
  • Neues: ob zusätzliche Pflegediagnosen oder Bedürfnisse aufgetreten sind
  • Komplikationen: ob Komplikationen aufgetreten sind
  • Abweichungen: ob vom ursprünglichen Pflegeplan abgewichen werden musste
  • Ressourcen: ob alle Ressourcen der Person und ihres sozialen Umfelds genutzt wurden

Die Evaluationszeitpunkte legst du individuell fest: nach Setting, nach der Situation der Person und nach Veränderungen ihres Pflegebedarfs. Wenn ein Ziel nicht erreicht ist, suchst du die Gründe: War das Ziel realistisch gesetzt? Hat die Person genug Ressourcen eingebracht? Sind alle Pflegemaßnahmen durchgeführt worden, oder gab es häufige Abweichungen? Typische Gründe und die passende Lösung:

Grund für den Misserfolg
Lösung
Informationen
Nicht alle Informationen lagen vor.
Wiederhole und aktualisiere die Informationssammlung.
Zeit
Für die Zielerreichung war zu wenig Zeit angesetzt.
Führe die Maßnahme wie geplant weiter, über längere Zeit.
Zielhöhe
Das Ziel war von Anfang an zu hoch.
Setze ein realistischeres Nahziel.
Zustand
Der Zustand des Pflegeempfängers ist plötzlich anders: schlechter oder besser.
Setze ein anderes Ziel, das zum neuen Zustand passt.
Strukturen
Die Strukturen lassen keine kontinuierliche Durchführung der Maßnahmen zu.
Plane andere Maßnahmen, die in die vorhandenen Strukturen passen.
Umsetzung
Die geplanten Maßnahmen wurden nicht umgesetzt: Es blieb keine Zeit, oder der Pflegeempfänger lehnte sie ab.
Verändere den Zeitplan. Wenn der Pflegeempfänger ablehnt, finde die Gründe heraus.

Eine einzelne Anpassung betrifft zumeist mehrere Schritte. Wenn du ein Pflegeziel neu formulierst, musst du auch Planung und Durchführung der Pflegemaßnahmen anpassen. Deshalb gilt der Pflegeprozess als spiralförmig. Häufig kann er nicht als abgeschlossen gelten. Die laufende, zum Beispiel tägliche Auswertung heißt formative Evaluation. Der rückblickende Gesamtblick am Ende eines Versorgungsauftrags heißt summative Evaluation.

Schritt 6: Evaluation

Zu vorab vereinbarten Zeitpunkten gleichst du regelmäßig ab: Was war als Pflegeziel geplant? Und was hat die zu pflegende Person gemeinsam mit dir tatsächlich erreicht? Wenn sie die Ziele nicht erreicht hat, suchst du nach den Ursachen. Oft führt das Ergebnis der Evaluation zu einer Anpassung des Pflegeplans, etwa zu neuen oder anderen Pflegediagnosen. Mit ihnen passen sich alle folgenden Schritte an. So wird der Pflegeprozess spiralförmig fortgeführt.

قاعدة عملية

Evaluation heißt: In vereinbarten, regelmäßigen Abständen gleichst du das Ziel mit dem Erreichten ab. Wenn das Ziel nicht erreicht ist, suchst du erst die Gründe:zu kurze Zeitzu hohes Zielveränderter Zustandfehlende Informationenabgelehnte oder nicht umgesetzte MaßnahmenOft passt du danach den Plan an.

معرفة تمريضية

Strukturmodell

Im Pflegeheim-Einsatz suchst du in der Akte nach PÄSR und SMART. Du findest Themenfelder, eine Risikomatrix und einen Maßnahmenplan ohne Ziele. Niemand hat etwas vergessen: Das ist das Strukturmodell.

Vor allem in der Langzeitpflege, der Tagespflege und der Kurzzeitpflege spielt das Strukturmodell eine Rolle. Es wurde 2015 eingeführt, zusammen mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II). Der Zweck: den hohen bürokratischen Aufwand bei der Dokumentation senken und mehr Zeit für Pflege und Betreuung gewinnen. Es folgt dem vierphasigen Pflegeprozess der WHO und hat vier Elemente:

  • Element 1: Strukturierte Informationssammlung (SIS). Das Kernstück. Sie ist die Basis aller weiteren Schritte
  • Element 2: individueller Maßnahmenplan, mit Intervallen und Uhrzeiten, auf Grundlage der SIS
  • Element 3: Berichteblatt. Eine Verlaufsdokumentation. Sie konzentriert sich auf Abweichungen von SIS und Maßnahmenplan
  • Element 4: Evaluation, aus den Erkenntnissen der Elemente 1 bis 3

Die SIS entsteht in einem gemeinsamen Gespräch von Pflegebedürftigem, Bezugspersonen und Pflegefachperson. Sie hat vier Teile:

  • A: allgemeine Daten
  • B: die Situation aus Sicht des Betroffenen, wortwörtlich notiert („Was bewegt Sie im Augenblick? Was können wir für Sie tun?“)
  • C1: sechs Themenfelder. Sie lehnen sich an das Neue Begutachtungsassessment (NBA) an: 1 Kognition und Kommunikation, 2 Mobilität und Bewegung, 3 krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen, 4 Selbstversorgung, 5 Leben in sozialen Beziehungen, 6 Haushaltsführung
  • C2: die Matrix zur Risikoeinschätzung. Sie setzt fünf Themenfelder in Beziehung zu Schmerz, Dekubitus, Sturz, Ernährung und Inkontinenz

Jedes Themenfeld erfasst vier Dinge: Fähigkeiten, Unterstützungsbedarfe, biografische Daten und Gesundheitsrisiken.

Pflegeprozess nach Fiechter und Meier
Strukturmodell mit SIS
Schritte
sechs Schritte als Regelkreis
vier Phasen nach dem WHO-Modell (Yura und Walsh)
Informationssammlung
zum Beispiel entlang der 13 ABEDL
SIS mit Teil A, B, C1 (sechs Themenfelder) und C2 (Risikomatrix)
Probleme und Ressourcen
eigene Pflegediagnose nach PÄSR
kein eigenes Dokument — sie stehen in den C1-Feldern, im Zusammenhang von Lebensgeschichte, aktueller Situation und Wünschen
Ziele
zu jedem Problem ein Pflegeziel, SMART
keine Einzelziele je Maßnahme; die übergeordneten Ziele ergeben sich aus Feld B — den Wünschen und Prioritäten der Person
Maßnahmen
handlungsleitend nach den W-Fragen
Maßnahmenplan mit Intervallen und Uhrzeiten, dazu Risikomanagement und Behandlungspflege
Bericht
Pflegebericht
Berichteblatt: nur Abweichungen, akute Ereignisse, Beobachtungen
Evaluation
zum vereinbarten Zeitpunkt
anlassbezogen; kleiner Kreis (einzelne Maßnahmen) oder großer Kreis (Neuausrichtung, neue SIS)

Die Evaluation geschieht anlassbezogen, etwa bei veränderter Risikobewertung. Meist passt du einzelne Pflegemaßnahmen an (kleiner Evaluationskreis). Bei gravierenden Veränderungen, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt, kann eine komplette Neuausrichtung der Pflege nötig sein. Dann erstellst du auch eine neue SIS. Das ist der große Evaluationskreis.

Dasselbe Ziel, andere Form

Das Strukturmodell ist keine Alternative zum Pflegeprozess. Es ist eine Form, ihn zu dokumentieren. Probleme, Ressourcen und Ziele fallen nicht weg: Sie stehen in der SIS, nicht in eigenen Feldern. Wer PÄSR und SMART beherrscht, liest eine SIS mit demselben Blick: Was kann die Person, was braucht sie, was will sie, welches Risiko besteht?

قاعدة عملية

Das Strukturmodell hat vier Elemente: SIS, Maßnahmenplan, Berichteblatt, Evaluation. Die SIS trägt sechs Themenfelder und die Risikomatrix. Probleme, Ressourcen und Ziele stehen darin, nicht in eigenen Feldern.

معرفة تمريضية

Aufbau der Haut

Frau Goldberg zeigt auf ihre Hände: „Früher war meine Haut viel glatter.“
Hautblock im Querschnitt: oben die Oberhaut (Epidermis) mit Haaren, darunter die Lederhaut (Dermis) mit Drüsen und Gefäßen, die bis an die Grenze zur Oberhaut reichen, unten die Unterhaut (Subkutis) mit Fettgewebe. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.1234
  1. 1 Oberhaut (Epidermis)
  2. 2 Lederhaut (Dermis)
  3. 3 Unterhaut (Subkutis) mit Fettgewebe
  4. 4 Gefäße an der Grenze Oberhaut/Lederhaut

Kein Organ des Körpers ist größer als die Haut. Vor äußeren Einflüssen zu schützen, ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben:

  • Schutz vor Unterkühlung bzw. Überwärmung
  • Schutz vor Austrocknung
  • Schutz für Strukturen, die darunter liegen, etwa die Gefäße
  • Schutz davor, dass Krankheitserreger eindringen
  • Schutz vor Strahlung, etwa Sonnenstrahlung, oder vor Chemikalien

Außerdem dient die Haut der Wahrnehmung von Berührung, Druck und Temperatur.

Die Haut besteht aus drei Schichten:

  • Oberhaut (Epidermis): ein mehrschichtiges, verhornendes Plattenepithel. Ihre Zellen heißen hornbildende Zellen (Keratinozyten). Wenn sie absterben, bilden sie die Hornschicht.
  • Lederhaut (Dermis): Sie besteht aus Bindegewebe und macht die Haut fest und elastisch. In ihr liegen die meisten Sinnesrezeptoren.
  • Unterhaut (Subkutis): Ihr größter Anteil ist Fettgewebe.

Oberhaut und Lederhaut heißen zusammen Kutis.

Kleine Arterien und Venen versorgen die Haut. Sie reichen bis dorthin, wo Oberhaut und Lederhaut aneinandergrenzen. Dort bilden sie ein ausgedehntes Gefäßnetz. Eigene Gefäße hat die Oberhaut nicht: Sie wird über dieses Gefäßnetz mitversorgt. Das Gefäßnetz dient auch der Regulation des Wärmehaushalts.

Dekubitusprophylaxe

Bei Druck auf die Haut werden an dieser Stelle Blutgefäße abgedrückt, und zwar in der Lederhaut und im subkutanen Gewebe. Die Haut wird dort schlechter durchblutet. Wenn die Minderdurchblutung länger anhält, kann die Haut geschädigt werden (Dekubitus).

Mit dem Alter kann die Haut immer weniger Wasser binden. Deshalb verliert sie an Elastizität, und es bilden sich Falten. Auch eine übermäßige Lichtexposition kann dafür verantwortlich sein.

قاعدة عملية

Die Haut hat drei Schichten: Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut. Die Gefäße reichen bis dorthin, wo Oberhaut und Lederhaut aneinandergrenzen. Drückt etwas lange auf die Haut, werden sie abgedrückt.

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Dekubitusrisiko einschätzen

Ein neuer Patient kommt auf Station. Noch bevor du weißt, wie beweglich er ist, steht der erste Schritt fest: einschätzen, ob überhaupt ein Risiko besteht.

Die Risikoeinschätzung läuft in zwei Stufen.

  • Zuerst kommt das initiale Screening, sobald der Mensch in den Pflegeprozess eintritt. Du prüfst, ob Druck und Scherkräfte wirken können. Du inspizierst die Haut am ganzen Körper, besonders an den Prädilektionsstellen. Auch Deformitäten prüfst du auf mögliche Druckstellen. Deformitäten sind Verformungen, zum Beispiel ein Rundrücken (Kyphose) oder Kontrakturen. Bei einer Kontraktur ist ein Gelenk steif: Der Mensch kann es wegen verhärteter Muskulatur gar nicht oder nur eingeschränkt beugen oder strecken. Auch du kannst es nur eingeschränkt bewegen. Du fragst außerdem: Liegt ein Dekubitus vor, oder ist einer kürzlich verheilt?
  • Wenn du dabei ein Risiko bejahst, folgt die vertiefte Einschätzung (differenziertes Assessment). Dann suchst du alle weiteren individuellen Risikofaktoren. Grundlage sind deine direkte Beobachtung, die subjektiven Angaben des Menschen und Informationen anderer Berufsgruppen. Die individuellen Risikofaktoren und eine Hautinspektion stehen dabei im Mittelpunkt. Wenn bereits ein Dekubitus vorliegt, gehst du immer von einer Dekubitusgefährdung aus.
  • Du schätzt in individuell festgelegten Abständen neu ein. Das heißt Reassessment. Du schätzt außerdem immer sofort neu ein, wenn sich Mobilität, Durchblutung oder Hautzustand ändern. Das gilt auch, wenn Schienen, Katheter und Sonden gelegt oder entfernt werden.

Du dokumentierst das Ergebnis, damit alle an der Versorgung Beteiligten es sehen können.

قاعدة عملية

Die Dekubitus-Risikoeinschätzung läuft zweistufig: Erst kommt ein initiales Screening bei Aufnahme. Wenn das Screening ein Risiko bejaht, folgt die vertiefte Einschätzung (differenziertes Assessment).

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Risikofaktoren

Zwei Patienten, gleiches Alter. Der eine steht mehrmals am Tag auf. Der andere sitzt seit einer Woche im Rollstuhl und hat kalte Füße. Das Risiko ist nicht dasselbe.

Drei Faktoren tragen das Dekubitusrisiko: eine beeinträchtigte Mobilität, eine gestörte Durchblutung und ein beeinträchtigter Hautzustand.

Dazu kommen zwei Kräfte. Druck wirkt von außen nach innen, zum Beispiel durch eine harte Sitzfläche. Er wirkt auch von innen nach außen, wenn ein Knochenvorsprung gegen die Hautschichten drückt. Scherkräfte kommen hinzu. Je stärker und je länger beide wirken, desto eher entsteht ein Dekubitus.

Weitere Faktoren erhöhen das Risiko zusätzlich:

  • ein bestehender oder früherer Dekubitus
  • Diabetes mellitus
  • Bewusstseinsstörungen
  • Sensibilitätsstörungen an den Prädilektionsstellen
  • feuchte Haut
  • erhöhte Körpertemperatur
  • ein schlechter Ernährungs- und Immunzustand

Auch das Lebensalter zählt dazu, und zwar an beiden Enden. Bei sehr jungen Menschen, vor allem Frühgeborenen, und im höheren Alter ab 75 Jahren steigt das Risiko.

Auch Medikamente zählen dazu. Beruhigungsmittel (Tranquilizer und Sedativa) können dazu führen, dass jemand seine Position nicht mehr ohne fremde Hilfe verändert. Dasselbe gilt bei Bewusstseinseinschränkung und bei Schmerzen.

Häufig lässt sich später nicht sagen, welcher Faktor der entscheidende war. Deshalb schätzt du das Risiko immer individuell ein.

قاعدة عملية

Die drei Hauptrisikofaktoren für einen Dekubitus sind:beeinträchtigte Mobilitätgestörte Durchblutungbeeinträchtigter Hautzustand

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Prädilektionsstellen

Du deckst bei einer Ganzkörper-Hautinspektion auf: Kreuzbein, Fersen, Knöchel. Beim Säugling im Nachbarzimmer schaust du zuerst woanders hin: an den Hinterkopf.

Das Unterhautfettgewebe (Subkutis) polstert Druck ab. An manchen Körperstellen ist diese Schicht dünn. Dort entsteht ein Dekubitus bevorzugt. Diese Stellen heißen Prädilektionsstellen.

Bei Erwachsenen und älteren Menschen liegen sie vor allem über Knochenvorsprüngen oder an Stellen mit dünner Unterhautschicht. Das sind Kreuzbein (Sakrum), Ferse, Sitzbein, Knöchel und Trochanter. Der Trochanter ist der Knochenvorsprung seitlich am Oberschenkel.

Bei Kindern sind es andere Stellen: vor allem der Hinterkopf und der Bereich um eine Sonde in der Nase. Der Hinterkopf ist besonders zwischen null und zwei Jahren gefährdet. Früh- und Neugeborene können schon einen Dekubitus bekommen, zum Beispiel durch aufgeklebte Elektroden.

Bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern achtest du außerdem auf etwas anderes. Die Kinder nehmen nicht örtlich wahr, wo der Druck sitzt. Sie können es dir auch nicht genau sagen. Der Druck-Schmerz-Mechanismus meldet sich hier also nicht. Ein erstes Anzeichen ist stattdessen: Das Kind reagiert empfindlicher auf Schmerz, sobald du seinen Kopf berührst, etwa am Hinterkopf.

An Nasenrücken, Ohr, Hinterkopf und Knöchel fehlt die Subkutis. Dort ist selbst ein tiefer Dekubitus flach.

قاعدة عملية

Prädilektionsstellen für einen Dekubitus liegen dort, wo wenig Unterhautfettgewebe zwischen Knochen und Haut liegt. Bei Erwachsenen sind das vor allem Kreuzbein und Ferse, bei Kindern der Hinterkopf und der Naseninnenbereich.

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Dekubituslokalisation

Du hast jemanden von der Rückenlage in die Seitenlage gebracht. Damit hast du nicht nur entlastet. Du hast auch eine neue Liste gefährdeter Stellen aufgeschlagen.
Ein Mensch in Rückenlage, von der Seite gesehen, mit sechs Punkten an den Stellen, die auf der Unterlage aufliegen: Hinterkopf, Schulter, Wirbelsäule, Ellenbogen, Kreuz- und Steißbein, Ferse.123456
  1. 1 Hinterkopf
  2. 2 Schulter
  3. 3 Wirbelsäule
  4. 4 Ellenbogen
  5. 5 Kreuz-/Steißbein
  6. 6 Ferse

Welche Körperstellen gefährdet sind, hängt davon ab, wie der Mensch gerade liegt oder sitzt. Nach jedem Positionswechsel schaust du deshalb woanders hin.

  • Rückenlage (von Kopf zu Fuß): Hinterkopf, Schultern, Ellenbogen, Wirbelsäule, Kreuz- und Steißbein, Fersen.
  • Seitenlage: Ohrmuschel, Ellenbogen, Trochanter major (der große Rollhügel seitlich am Oberschenkel), Knie und Fußknöchel.
  • Sitzen: Hinterkopf, Wirbelsäule, Sitzbeinhöcker, Oberschenkelrückseite, Fersen und Fußballen.
  • Bauchlage: Stirn, Rippen, Ellenbogen, Beckenknochen, Kniescheiben und Zehen.

Gemeinsam ist allen: Dort liegt zwischen Haut und Knochen kaum Muskulatur oder Unterhautfettgewebe.

Ein Beispiel für die Folgen: Wer nach einer Hüftendoprothese rechts nicht auf der rechten Seite liegen darf, kann nur noch links und auf dem Rücken positioniert werden. Damit halbiert sich die Zeit, in der sich eine gefährdete Hautstelle erholen kann.

قاعدة عملية

Welche Körperstellen für einen Dekubitus gefährdet sind, wechselt mit der Position. Rückenlage, Seitenlage, Sitzen und Bauchlage haben jeweils eine eigene Liste.

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Mobilität

„Ist der Patient mobil?“ Diese Frage bringt dich nicht weiter. Vier konkretere Fragen schon.

Mobilität meint die Eigenbewegung eines Menschen. Sie einzuschätzen ist der Zugang zum Hauptrisikofaktor. Vier Fragen machen das prüfbar.

  • Kann der Mensch sich aus der Seitenlage auf den Rücken drehen oder zurück? Oder kann er wenigstens das Gesäß oder eine Schulter minimal versetzen?
  • Kann er im Sitzen das Gesäß aktiv versetzen oder eine Gesäßhälfte minimal anheben? Gemeint ist nicht das Herunterrutschen.
  • Kann er auf beiden Füßen stehen oder kurz den Stand übernehmen? Oder kann er beim tiefen Transfer den Oberkörper so weit nach vorne neigen, dass sich das Gesäß hebt?
  • Nimmt er die Transfersituation wahr? Kann er seine Bedürfnisse mitteilen und verstehen, etwa mit seinem Hörgerät? Ist er bereit mitzuhelfen? Diese Bereitschaft mitzuwirken heißt Adhärenz.

Dazu kommt: Ist ein passendes Hilfsmittel da und richtig eingestellt? Gibt es Zu- und Ableitungen, die beim Bewegen beachtet werden müssen? Nimmt er Medikamente, die die Eigenbewegung hemmen? Erfassen die Bezugspersonen, dass Mobilisation nötig ist? Können sie ihn bei der Mobilität unterstützen, kognitiv und körperlich?

قاعدة عملية

Mobilität schätzt du nicht mit der Frage „ist er mobil?“ ein, sondern mit vier Fragen. Kann der Mensch:sich aus der Seitenlage auf den Rücken drehen oder auch nur minimal Gesäß oder Schulter versetzen?im Sitzen das Gesäß aktiv versetzen oder eine Gesäßhälfte minimal anheben?auf beiden Füßen stehen oder beim tiefen Transfer zumindest den Oberkörper nach vorn bringen?seine Bedürfnisse mitteilen und verstehen und beim Transfer mithelfen?

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Assessmentinstrumente zur Risikoeinschätzung

Auf Station wird eine Risikoskala ausgefüllt. Die Punktzahl sagt „kein Risiko“. Der Patient bewegt sich seit gestern nicht mehr. Wem glaubst du?

Für die Einschätzung des Dekubitusrisikos gibt es standardisierte Skalen, zum Beispiel die Braden-Skala. Sie ist verbreitet, und für Kinder gibt es die ergänzende Braden-Q-Skala.

Ein Punktwert allein reicht aber nicht. Der Expertenstandard stellt fest: Für keine Skala ist ein Nutzen für die Pflegeempfänger belegt. Er empfiehlt für Kinder ebenso wenig wie für Erwachsene eine bestimmte Skala. Die internationale Leitlinie sagt: Wenn du ein Instrument benutzt, ergänzt du es um die Erhebung weiterer Risikofaktoren. Das Ergebnis beurteilst du klinisch.

Beide sagen damit dasselbe: Die Einschätzung ist am Ende eine klinische Entscheidung auf Basis von Fachwissen. Eine Skala darf dabei helfen. Sie nimmt dir die Entscheidung nicht ab.

Für dich als Auszubildende gilt aber eine wichtige Umkehrung. Die Expertengruppe empfiehlt Berufsanfängern ausdrücklich, ein standardisiertes Einschätzungsverfahren zu benutzen. Skalen sind genau für die gedacht, die noch keine ausreichende Erfahrung haben. Nicht empfohlen ist eine *bestimmte* Skala. Der Grund: Für keine Skala gibt es endgültige Belege zu Validität und Reliabilität. Validität heißt: Die Skala misst, was sie messen soll. Reliabilität heißt: Sie misst zuverlässig.

Am besten untersucht sind die Braden-, die Norton- und die Waterlow-Skala. Welche Skala eine Einrichtung einsetzt, entscheidet sie selbst. Sie muss die Wahl aber begründen, und die Skala muss zur Zielgruppe passen. Pflegefachpersonen brauchen für die Anwendung einer Skala eine ausreichende Schulung.

Praktisch heißt das: Warte nicht auf einen vollständigen Skalenwert. Den Hauptrisikofaktor „eingeschränkte Mobilität“ schätzt du schon bei der Pflegeanamnese ein und beginnst mit ersten Maßnahmen. Ein Beispiel: Bei einem bewusstlosen Menschen forderst du gleich ein spezielles Matratzensystem an. Die Kriterien einer Skala kannst du erst einigermaßen sicher beantworten, wenn du den Menschen über 24 Stunden beobachtet hast. Die Einschätzung gilt erst als beendet, wenn du ihn im Tagesverlauf beobachten konntest, spätestens nach 48 Stunden.

قاعدة عملية

Berufsanfängern wird ein standardisiertes Einschätzungsverfahren ausdrücklich empfohlen, eine bestimmte Risikoskala aber nicht. Der Punktwert allein entscheidet nie.

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Fingertest

Nach 90 Minuten Rückenlage ist keine Rötung zu sehen. Also verlängerst du das Intervall auf zwei Stunden. Nach zwei Stunden ist eine Rötung da. Jetzt brauchst du den Fingertest.

Beim Fingertest drückst du mit dem Finger auf eine gerötete Hautstelle. Alternativ nimmst du eine durchsichtige Scheibe. Das ist die transparente Scheibenmethode.

  • Die Stelle wird unter dem Druck weiß und nimmt danach ihre Farbe wieder an: Dann ist der Fingertest negativ. Der Stoffwechsel zwischen Gewebe und Kapillaren funktioniert noch, die Minderdurchblutung ist umkehrbar. Ein Dekubitus liegt noch nicht vor. Aber die Stelle braucht mehr Aufmerksamkeit. Die Position sollte so oft gewechselt werden, dass Rötungen gar nicht erst entstehen.
  • Die Stelle bleibt rot: Dann ist der Fingertest positiv. Gefäße und Gewebe sind bereits geschädigt. Das ist ein Dekubitus Kategorie I. Jetzt musst du häufiger entlasten, aktiv oder passiv.

Der Fingertest ist derzeit die beste Methode, um zu bestimmen, wann der nächste Positionswechsel spätestens fällig ist.

قاعدة عملية

Beim Fingertest gilt:Die gerötete Stelle blasst unter Druck ab: Der Test ist negativ. Der Mensch hat noch keinen Dekubitus, ist aber kurz davor.Die Stelle bleibt rot: Der Test ist positiv, und es besteht schon ein Dekubitus der Kategorie I.

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Dekubitusentstehung

Ein Patient liegt seit dem Frühdienst fast unbewegt auf dem Rücken. Am Nachmittag ist die Haut über seinem Kreuzbein gerötet, und die Rötung geht nicht weg.

Ein Dekubitus (auf Deutsch Druckgeschwür) ist ein örtlich begrenzter Schaden an der Haut und am Gewebe darunter. Er entsteht meist über einem Knochenvorsprung, wenn Druck einwirkt. Oft wirken Scherkräfte mit.

Im Gewebe läuft dabei Folgendes ab: Der Druck presst die Kapillaren zusammen. Das sind die kleinsten Blutgefäße, die Haargefäße. Das Gewebe bekommt zu wenig Sauerstoff. Dieser Zustand heißt Ischämie. Nährstoffe kommen nicht mehr an. Kohlendioxid und Abbauprodukte (sogenannte Schlackenstoffe) bleiben liegen. Das Gewebe übersäuert. Das ist eine Azidose. Um die Minderdurchblutung auszugleichen, weiten sich die Gefäße, vor allem die venösen Kapillaren. Das heißt Vasodilatation. Genau dadurch wird die Stelle von außen sichtbar rot, obwohl die Haut noch unversehrt ist. Zellen sterben ab. Es entsteht abgestorbenes Gewebe, eine Nekrose.

Auch Nervenzellen sterben ab. Damit verliert der Betroffene den Reiz, der ihn sonst zum Umsetzen und Drehen auffordert. Dieser Reiz heißt Druck-Schmerz-Mechanismus. Der Betroffene spürt den Druck irgendwann nicht mehr und verlagert sein Gewicht nicht mehr von selbst.

Über die gestörte Durchblutung braucht das Stunden. Wenn die Zellen direkt verformt werden, kann ein Dekubitus schon nach Minuten beginnen.

قاعدة عملية

Ein Dekubitus entsteht, weil anhaltender Druck die Kapillaren zusammenpresst. Das Gewebe bekommt deshalb keinen Sauerstoff mehr. Diese Minderdurchblutung heißt Ischämie.

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Dekubituskategorien

In der Übergabe fällt der Satz: „Da ist was am Steißbein.“ Das reicht nicht. Wer den Befund weitergibt, muss sagen können, wie tief der Schaden reicht.
Gewebe über einem Knochenvorsprung im Schnitt: oben die Hautoberfläche mit einer geröteten Stelle, darunter die Haut, das Unterhautfett, der Muskel und der Knochen. Vier Punkte markieren, bis in welche Schicht ein Dekubitus der Kategorien I bis IV reicht.1234
  1. 1 Kategorie I
  2. 2 Kategorie II
  3. 3 Kategorie III
  4. 4 Kategorie IV

Wie schwer ein Dekubitus ist, hängt davon ab, bis in welche Gewebetiefe der Schaden reicht. Es gibt vier Kategorien. Andere Texte, Dokumentationen und Prüfungsaufgaben sagen statt Kategorie auch Grad oder Stadium.

  • Kategorie I: Die Haut ist intakt, aber gerötet. Die Rötung lässt sich nicht wegdrücken.
  • Kategorie II: Die Epidermis (Oberhaut) und Teile der Dermis (Lederhaut) sind zerstört. Sichtbar ist ein flaches offenes Ulkus, also ein Geschwür, mit rotem oder rosafarbenem Wundbett ohne Beläge. Möglich ist auch eine Blase mit klarer Flüssigkeit, geschlossen oder aufgeplatzt (rupturiert). Die sauren Stoffwechselprodukte machen die Gefäßwände durchlässiger. Das heißt: Die Gefäßpermeabilität steigt. Flüssigkeit tritt aus dem Blut ins Gewebe über. An der Stelle bilden sich Ödeme, also Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe. Die Kapillaren werden dadurch zusätzlich zusammengedrückt und geschädigt. Es entstehen Gefäßthrombosen.
  • Kategorie III: Alle Hautschichten sind zerstört. Subkutanes Fett liegt frei. Es gibt Beläge. Taschen und Unterminierungen können vorliegen. Muskeln, Sehnen und Bänder sind noch nicht sichtbar.
  • Kategorie IV: Der Gewebeverlust ist vollständig. Knochen, Sehnen oder Muskeln liegen frei. Auch Beläge, Schorf, Taschen und Unterminierungen sind erkennbar. Dabei kann eine Knochenentzündung entstehen (Osteomyelitis).

Wie tief eine Kategorie aussieht, hängt vom Ort ab. An Nasenrücken, Ohr, Hinterkopf und Knöchel fehlt Unterhautfett. Dort wirkt selbst ein Kategorie-IV-Dekubitus flach.

قاعدة عملية

Die vier Dekubituskategorien richten sich nach der Tiefe:I: eine Rötung bei unversehrter Haut, die sich nicht wegdrücken lässtII: Verlust von Oberhaut und Teilen der LederhautIII: Verlust aller HautschichtenIV: freiliegende Knochen, Sehnen oder Muskeln

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Tiefe unbekannt

An der Ferse sitzt ein trockener, harter, dunkler Schorf. Er lässt sich nicht einordnen. Und du darfst ihn auch nicht einfach entfernen.

Zwei Befunde lassen sich keiner Kategorie zuordnen.

Der erste: Tiefe unbekannt. Der Gewebeverlust reicht durch alle Schichten. Aber Beläge in Gelb, Hellbraun, Grau, Grün oder Braun oder ein Schorf verdecken den Wundgrund. Solange der Grund nicht sichtbar ist, lässt sich die Kategorie nicht bestimmen.

Ein stabiler Schorf an der Ferse ist dabei ein Sonderfall: Er wirkt als körpereigener biologischer Schutz und bleibt liegen. Stabil heißt: trocken, festhaftend, intakt, ohne Rötung und ohne Fluktuation. Fluktuation heißt: Unter dem Schorf ist Flüssigkeit tastbar. Fehlt eines dieser vier Merkmale, ist der Schorf nicht stabil. Auffällige Hautveränderungen meldest du unverzüglich der Ärztin oder dem Arzt.

Der zweite: vermutete tiefe Gewebeschädigung. Die Haut ist noch intakt, aber livide (bläulich-violett) oder rotbraun verfärbt. Manchmal zeigt sich eine blutgefüllte Blase. Das Gewebe fühlte sich vorher oft breiig oder matschig an, war schmerzhaft und anders temperiert.

قاعدة عملية

Ein stabiler Fersenschorf bleibt als körpereigener Schutz liegen. Stabil heißt: trocken, festhaftend, intakt und ohne Rötung oder Fluktuation.

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Beobachtung verschieden stark pigmentierter Haut

Du drückst auf eine Stelle am Kreuzbein und wartest auf das Abblassen. Bei dunkel pigmentierter Haut siehst du es nicht. Das heißt nicht, dass alles in Ordnung ist.

Der Fingertest stützt sich darauf, dass Haut beim Druck weiß wird und danach ihre Farbe zurückbekommt. Bei dunkel pigmentierter Haut ist dieses Abblassen oft nicht eindeutig zu erkennen. Ein Dekubitus Kategorie I wird dadurch leicht übersehen.

Deshalb beurteilst du bei dunkel pigmentierter Haut zusätzlich vier Dinge:

  • die Hauttemperatur im Seitenvergleich, also wärmer oder kälter als das Gewebe daneben;
  • die Konsistenz des Gewebes, also härter oder weicher als die Umgebung;
  • ob die Stelle schmerzt;
  • und die Farbe selbst: Sie weicht von der übrigen Hautfarbe des Menschen ab.

Willst du die Durchblutung insgesamt beurteilen, nimm Stellen mit wenig Pigment. Eine Blässe, also eine Minderdurchblutung, siehst du besser an den Handinnenflächen oder an der Innenseite der Augenlider. Eine Zyanose ist die bläuliche Verfärbung bei Sauerstoffmangel. Sie zeigt sich gut an den Mundschleimhäuten, an der Innenseite der Lippe und auf der Zunge. Im Zweifel hilft der Vergleich mit der Hautfarbe von Angehörigen.

Eine dunkelrote, violette oder bräunlich-rote Verfärbung ist kein Dekubitus Kategorie I. Sie spricht für eine tiefe Gewebeschädigung.

قاعدة عملية

Bei dunkel pigmentierter Haut ist die Rötung kein verlässliches Zeichen für einen Dekubitus. Beurteile stattdessen:HauttemperaturGewebekonsistenzSchmerzdie Abweichung von der übrigen Hautfarbe

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Inkontinenz-assoziierte Dermatitis

Eine Frau mit Harninkontinenz hat eine großflächige Rötung am Gesäß. Sie liegt nicht über dem Knochen, sondern in der Hautfalte. Das ist kein Dekubitus.

Nicht jede rote Stelle am Gesäß ist ein Dekubitus. Die Kategorie II darf ausdrücklich nicht verwendet werden für:

  • die Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD): eine Hautentzündung durch längeren Kontakt mit Urin oder Stuhl;
  • die Intertrigo: eine Hautentzündung in Hautfalten (Intertrigines) durch Reibung zusammen mit Feuchtigkeit. IAD und Intertrigo sind beide Formen der irritativen Kontaktdermatitis. Das ist eine Hautentzündung durch einen reizenden Stoff, der die Haut berührt;
  • Hautschäden durch medizinische Klebematerialien (englisch medical adhesive-related skin injury, kurz MARSI);
  • Skin Tears: Einrisse, bei denen sich die Epidermis von der Dermis löst, vor allem an Armen und Beinen bei dünner Altershaut;
  • Mazeration und Exkoriation, also aufgeweichte und abgeschürfte Haut.

Der Unterschied liegt in der Ursache. Ein Dekubitus entsteht durch Druck und Scherkräfte, meist über einem Knochenvorsprung. Feuchtigkeitsschäden entstehen durch Nässe und Reibung, oft großflächig und in Hautfalten.

Diese Unterscheidung ist keine Formsache. Sie entscheidet darüber, ob du druckentlastest oder die Haut vor Feuchtigkeit schützt.

قاعدة عملية

Ein Dekubitus entsteht durch Druck und Scherkräfte über einem Knochenvorsprung. Eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis, eine Intertrigo oder ein Skin Tear entstehen durch Feuchtigkeit und Reibung und sind kein Dekubitus.

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Haut beobachten und beurteilen

Beim Waschen, beim Umlagern, beim Anziehen: Jedes Mal siehst du die Haut. Die Frage ist nur, wonach du schaust.

Gesunde Haut ist rosig, warm und damit gut durchblutet, elastisch, trocken und intakt. Davon ausgehend beurteilst du vier Dinge.

  • Hautkolorit, also die Farbe: Rot zeigt sich zum Beispiel bei Bluthochdruck, Fieber, Ekzemen oder Entzündungen. Blass oder fahl zeigt sich bei niedrigem Blutdruck oder einer Blutarmut (Anämie). Bläulich heißt Zyanose und damit Sauerstoffmangel. Gelblich heißt Ikterus, etwa bei Versagen der Leberfunktion.
  • Hauttemperatur (auch Körperschalentemperatur genannt): Sie liegt normalerweise bei 28 bis 33 Grad. Das sind drei bis vier Grad unter der Körperkerntemperatur. An Armen und Beinen ist sie oft niedriger. Kühl und blass deutet auf weniger Durchblutung, heiß und rot auf mehr.
  • Hautoberfläche: intakt, trocken und geschmeidig ist gesund. Fettig, zu trocken oder schuppig sagt etwas über Flüssigkeitshaushalt, Hormone, Mangelzustände oder einen Pilzbefall (Mykose).
  • Hautturgor, also die Spannung: Du nimmst die Haut locker zwischen zwei Finger. Bleibt die Falte stehen, spricht das für eine Austrocknung (Dehydratation). Am Handrücken ist das ein einfacher Test. Bei alten Menschen gilt er allerdings nicht. Den Hautturgor darfst du bei älteren Menschen nicht zur Beurteilung des Flüssigkeitsstatus verwenden.

Höre auf das, was der Mensch über Druck und Schmerz sagt, auch dann, wenn du ihn eben erst bewegt hast. Warte aber nie darauf. Wer in der Wahrnehmung gestört ist, spürt Schmerz nur abgeschwächt oder gar nicht. Das betrifft zum Beispiel Menschen mit einer Polyneuropathie bei Diabetes mellitus oder mit einer Halbseitenlähmung. Genau sie sind besonders gefährdet.

Die Einschätzung des Dekubitusrisikos gehört immer zur Beurteilung des Hautzustands dazu. Gesunde Haut ist weniger anfällig, weil ihr Stoffwechsel normal läuft und sie geschmeidig und gut durchblutet ist.

قاعدة عملية

Du beurteilst die Haut nach vier Kriterien:HautkoloritHauttemperaturHautoberflächeHautturgorGesunde Haut ist rosig, warm, elastisch, trocken und intakt.

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Bewegungsförderung

Eine Wechseldruckmatratze ist bestellt, und alle sind beruhigt. Genau da liegt der Denkfehler.
  • Die Reihenfolge der Dekubitusprophylaxe steht fest: Zuerst förderst du die Eigenbewegung, so weit es geht. Erst wenn sie nicht oder nicht ausreichend möglich ist, kommen druckverteilende Hilfsmittel dazu. Sie kommen zusätzlich, nicht stattdessen.
  • Technik und Hilfsmittel unterstützen sinnvoll. Sie ersetzen aber nicht die Förderung, Anleitung und Unterstützung der körpereigenen Bewegung.
  • Weichlagerungs- und Wechseldrucksysteme senken den Auflagedruck, heben ihn jedoch nicht auf. Sie haben zudem eine Kehrseite: Wer zu lange darauf liegt, verliert Körperwahrnehmung, und die Immobilität nimmt zu. Je weicher eine Matratze ist, desto weniger Eigenbewegung ist möglich. Prüfe deshalb regelmäßig, ob das Hilfsmittel noch gebraucht wird.
  • Die Eigenbewegung solltest du immer fördern, bei Kindern zum Beispiel mit Mobilitätsanreizen wie Musik oder Spielzeug. Wenn Eigenbewegung gar nicht oder nur bedingt möglich ist, muss die Position regelmäßig passiv gewechselt werden. Das Ziel bleibt dabei immer, den Menschen zur Eigenbewegung anzuregen.
  • Hilfsmittel wie Gehwagen, Gehbock, Rollator oder Unterarmgehstützen (UAGS) fördern Aktivität und Mobilität. Du solltest sicherstellen, dass der Mensch damit umgehen kann, auch an Schwellen und Stufen (Sturzprophylaxe). Welches Hilfsmittel das beste ist, entscheidet er mit. Gehhilfen sollten in den Alltag eingebunden werden, zum Beispiel beim Toilettengang oder bei der Körperpflege.
  • Sicherheit geht vor: Wenn jemand unkonzentriert und noch wackelig auf den Beinen ist, aber schnell zur Toilette will, solltest du das einfachere Hilfsmittel wählen, zum Beispiel den Gehwagen statt der Unterarmgehstützen. Beim Aufstehen, Gehen und Hinsetzen begleitest oder leitest du ihn an.
  • Ungeeignet sind Ringe für Hinterkopf, Sitz oder Ferse. Am Rand eines solchen Rings steigt der Druck sogar an. Wattepolster und Wattverbände sind kontraindiziert, weil sie ihre Form nicht halten.
قاعدة عملية

In der Dekubitusprophylaxe kommt die Förderung der Eigenbewegung zuerst. Druckverteilende Hilfsmittel kommen zusätzlich dazu und ersetzen die Bewegung nie.

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Positionierung

„Alle zwei Stunden umlagern“ hörst du auf vielen Stationen. Diese Regel gilt nicht mehr.

Feste Zeitintervalle gehören der Vergangenheit an. Wie oft du die Position wechselst, ergibt sich aus vier Dingen: der Haut- und Gewebetoleranz, dem allgemeinen medizinischen Zustand, den Behandlungszielen sowie Komfort und Schmerzempfinden des Menschen.

  • Die Spanne ist groß. Wenn jemand selbst druckentlastende Bewegungen ausführt, kann das Intervall bis auf sechs Stunden verlängert werden. Manche Menschen können sich kaum selbst bewegen, und ihre Haut reagiert empfindlich auf Druck und auf Scherkräfte. Sie haben also eine geringe Gewebetoleranz. Dann musst du die Position unter Umständen jede halbe Stunde wechseln.
  • Ein praktischer Einstieg: Du kannst mit einem Zwei-Stunden-Intervall beginnen und es je nach Wirkung verlängern oder verkürzen. Zwei Stunden sind dann ein Startwert, keine Regel.
  • Das richtige Intervall findest du durch Ausprobieren und Nachschauen: Position wechseln, nach der geplanten Zeit die Haut inspizieren, bei Rötung den Fingertest einsetzen und das Intervall verkürzen.

Damit das Intervall im Alltag eingehalten wird, helfen Erinnerungshilfen, zum Beispiel ein Timer.

قاعدة عملية

Es gibt keine feste Zwei-Stunden-Regel für den Positionswechsel. Das Intervall reicht von einer halben Stunde bis zu sechs Stunden. Es hängt ab von der Gewebetoleranz (wie viel Druck Haut und Unterhautfettgewebe aushalten) und von der Eigenbewegung.

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Makropositionswechsel

Du hast jemanden in 30-Grad-Seitenlage gebracht. Eine Stunde später liegt er wieder auf der Seite, wie er immer schläft. Er hat sich selbst befreit, und das ist erst mal gut.

Jede Position entlastet etwas anderes.

  • 30-Grad-Lage auf der rechten Seite: Entlastet ist die linke Körperhälfte, vor allem das linke Schulterblatt, der linke Anteil des Sakrums (Kreuzbein) und die linke Ferse. Das linke Sitzbein und der linke Trochanter werden etwas mehr entlastet als die rechten.
  • 135-Grad-Lage: Sie nimmt den Druck von der ganzen linken Seite, einschließlich Ohr und Ellenbogen, dazu vom gesamten Sakrum und von beiden Fersen.
  • Bauchlage: Die komplette Körperrückseite ist entlastet.
  • Sitzen: Der Hinterkopf ist frei. Sitzt jemand aufrecht, kommen Schulterblätter und Sakrum dazu. Das ändert sich, wenn der Mensch mit dem Becken zur Stuhlkante rutscht.
  • Schiefe Ebene: Die vertikale schiefe Ebene entlastet Hinterkopf und Schulterblätter. Weil der Körper dabei herunterrutschen kann, solltest du vorbeugen, zum Beispiel mit einem Fußkissen, Decken um die Sitzbeine und einer Rutschbremse aus Handtüchern. Die horizontale schiefe Ebene nach rechts entlastet die linke Körperhälfte wie die 30-Grad-Lage.
  • 90-Grad-Lage auf der rechten Seite: Entlastet sind die ganze linke Körperhälfte, das gesamte Sakrum und die Fersen. Das linke Knie ist mittig und außen entlastet.

Empfohlen wird die 30-Grad- gegenüber der 90-Grad-Seitenlage, weil der Druck besser verteilt ist. Das Kopfteil des Bettes bleibt so flach wie möglich. Eine dauerhafte Bauchlage vermeidest du, wenn sie nicht medizinisch nötig ist. Für Kinder wird ausdrücklich die 30- bzw. 40-Grad-Seitenwechsellage empfohlen. Für viele Menschen ist die 90-Grad-Seitenlage die natürliche Schlafposition. Dabei steht aber die Haut über dem Trochanter unter relativ großem Druck. Deshalb gilt die Lage in der Dekubitusprophylaxe oft als ungeeignet. Manchmal muss ein Mensch eine bestimmte Position einhalten, zum Beispiel eine halbe Oberkörperhochlage bei erhöhtem Hirndruck. Dann können druckverteilende Hilfsmittel wie Wechseldrucksysteme oder kleine Hilfsmittel zur Mikropositionierung eingesetzt werden, um den Druck zu entlasten.

Vorlieben zählen dabei mit. Wer sich aus der 30-Grad-Lage in seine gewohnte Schlafposition zurückbewegt, hat sich bewegt. Das ist erwünscht. Die 90-Grad-Lage kannst du außerdem schrittweise entschärfen: Du ziehst die Rolle im Rücken nach und nach hervor und verkleinerst so den Winkel.

Manchmal fällt eine Seite weg, zum Beispiel nach einer Hüft-TEP rechts. Dann unterstützt du den Menschen in die Linksseiten- oder Rückenlage. Die gefährdeten Hautbezirke haben dadurch aber nur noch die halbe Erholungszeit. Die Bauchlage oder die 135-Grad-Lage akzeptiert nicht jeder. Achte auch darauf, dass der Mensch in seiner Position genug positive Reize aus der Umgebung bekommt. Er sollte nicht unnötig auf eine reizarme Wand oder an die Zimmerdecke starren. Das gilt auch für ein Fernsehprogramm, das er nicht ändern kann.

قاعدة عملية

Beim Positionswechsel wird die 30-Grad-Seitenlage der 90-Grad-Seitenlage vorgezogen, weil der Druck dabei besser verteilt ist. Die Vorliebe des Menschen zählt trotzdem mit.

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Scherkräfte

Ein Patient ist im Bett nach unten gerutscht. Der schnellste Griff wäre, ihn an den Achseln wieder hochzuziehen. Genau dabei entstehen Scherkräfte.

Scherkräfte entstehen, wenn sich Hautschichten gegeneinander verschieben. Dabei quetschen oder verletzen sie Blutgefäße. Der Stoffwechsel im betroffenen Areal gerät dadurch aus dem Takt.

Typische Auslöser: das unsachgemäße Hochziehen im Bett, das Herunterrutschen im Bett oder im Rollstuhl und die Seiten- oder Rückenlage.

Deshalb ziehst du nicht, sondern arbeitest mit Hilfsmitteln, die Reibung und Scherkräfte verringern. Das sind zum Beispiel Gleitmatte, Rollbrett oder Hebegurt. Beim Anfassen und Mitdrehen baust du so wenig Druck und Scherkräfte wie möglich auf.

Auch die Reihenfolge beim Hochstellen des Bettes zählt:

  • erst das Fußteil betätigen, sodass Knie und Hüften angewinkelt sind
  • dann das Bett insgesamt hochfahren und in Beintieflage bringen
  • falls nötig das Fußteil nachjustieren, damit Hüft- und Kniegelenke noch mehr gebeugt sind (Flexion)
  • danach das Kopfteil hochfahren

So rutscht niemand nach unten, und im Kreuzbeinbereich entstehen keine Scherkräfte. Anschließend das Bett wieder herunterfahren, damit beim Aussteigen kein Sturz aus der Höhe passiert. Für die Oberkörperhochlage sollten nur Matratzen und Betten verwendet werden, die für das Sitzen geeignet sind. Sie sollten außerdem einen physiologischen Hüftknick zulassen. Die Hüftgelenke liegen parallel zum Hüftknick des Bettes. Wenn der Mensch ein Hohlkreuz hat, legst du ihm ein Handtuch oder ein kleines Kissen zusätzlich in den unteren Rücken. Unter die Sitzbeine sollten flächig gelegte Handtücher kommen.

Menschen mit einer Hüftendoprothese können sich im Bett selbst kopfwärts bewegen. Dafür entlasten sie abwechselnd eine Gesäßhälfte und schieben sie ein Stück in die gewünschte Richtung. Im Liegen geht das genauso mit einer Seite des Rumpfes. Diese Schlängelbewegung, der „Schinkengang“, bringt die Hüftgelenke genau in den Hüftknick des Bettes und entlastet so den Steißbereich.

قاعدة عملية

Scherkräfte entstehen, wenn Hautschichten gegeneinander verschoben werden. Deshalb ziehst du einen Menschen im Bett nie hoch, sondern bewegst ihn mit Gleitmatte, Rollbrett oder Hebegurt. Er selbst darf sich sehr wohl hochziehen, das ist sogar erwünscht.

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Pflegerituale

Auf manchen Stationen wird die gerötete Stelle geföhnt, mit Franzbranntwein eingerieben oder massiert. Das sind Rituale, und sie schaden.

Einige Maßnahmen wurden lange geübt. Für sie ist nachgewiesen, dass sie das Dekubitusrisiko nicht senken und den Menschen unter Umständen mehr schaden als nützen.

  • Kein Eisen und Föhnen. Es wirkt nicht und erhöht sogar die Infektionsgefahr, weil der Föhn Keime auf die Haut bläst. Bei falscher Anwendung drohen zusätzlich Kälteschäden und Verbrennungen.
  • Kein Franzbranntwein. Er verbessert die Hautdurchblutung nicht. Der Alkohol entfettet die Haut und macht sie gegen Druck weniger widerstandsfähig.
  • Keine Massage und keine hyperämisierenden, also durchblutungsfördernden Einreibungen, auch keine ätherischen Öle. Sie steigern die Hautdurchblutung nicht dauerhaft.
  • Keine Salben und Cremes, die die Poren verschließen und die Hautatmung behindern. Dazu zählen Vaseline, Zinkpaste und Melkfett.
  • Keine vorbeugenden Desinfektionsmittel. Die Keime der Haut sind normal und halten den Platz besetzt. Ein Antiseptikum zerstört diese natürliche Hautflora mit.
  • Kein Gummi und kein Plastik unter dem Menschen. Nicht atmungsaktive Unterlagen hindern die Haut daran, ihren Feuchtigkeitsgehalt selbst zu regeln.

Ebenfalls ungeeignet als Hilfsmittel: ringförmige Auflagen, Wattepolster und Wattverbände sowie luft- oder wassergefüllte Handschuhe.

Von flüssigkeits- oder luftgefüllten Hilfsmitteln zur Dekubitusprophylaxe wird bei Kindern und Erwachsenen abgeraten. Der Grund: Oft ist nicht gewährleistet, dass sich der Druck unter den Prädilektionsstellen großflächig und gleichmäßig verteilt. Bei Gelkissen prüfst du deshalb, ob sie den Druck so verteilen, bevor du sie dauerhaft einsetzt.

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Diese Maßnahmen senken das Dekubitusrisiko nicht und schaden unter Umständen mehr, als sie nützen:Eisen und FöhnenFranzbranntweinMassagenporenverschließende Salben

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Ursachen für Druck und Scherkräfte

Die Matratze ist gut, die Position stimmt, das Intervall passt. Und trotzdem entsteht eine Rötung. Der Grund: Unter dem Rücken liegt die Fernbedienung.

Druck wirkt von zwei Seiten. Von innen drückt ein Knochen gegen die Haut, wenn dazwischen kaum Muskel- oder Fettpolster liegt. Von außen drückt alles, was zwischen Haut und Unterlage gerät.

Diese äußeren Quellen sind der Teil, den du direkt beseitigen kannst:

  • eine zu harte Matratze;
  • Falten im Bettlaken;
  • Krümel im Bett;
  • Gegenstände, die im Bett oder auf dem Stuhl liegen bleiben, zum Beispiel eine Fernbedienung oder ein Hörgerät;
  • ungepolsterte Lagerungsschienen, ebenso Verbände, Prothesen und Schienen, die zu fest sitzen oder verrutscht sind;
  • Schuhe;
  • Katheter, Sonden und Tuben, die auf der Haut aufliegen, auch nasale und endotracheale Tuben.

Dazu kommt eine Situation statt eines Gegenstands: eine länger dauernde Operation.

Deshalb gehört zu jeder Positionierung: das Laken ausstreichen und die Liegefläche abtasten. Du suchst nach Falten im Laken, Krümeln, einer vergessenen Fernbedienung oder einem Hörgerät. Es kostet Sekunden und nimmt eine ganze Gruppe von Druckquellen weg.

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Druck entsteht nicht nur durch die Unterlage, sondern durch alles, was zwischen Haut und Bett gerät:Falten im LakenKrümeleine Fernbedienungein Hörgerätein aufliegender Katheter

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Hohllage/Freilage

Fersen und Füße inspizierst du besonders akribisch. Tief im Gewebe kann der Schaden schon da sein, während die Hautoberfläche noch nichts zeigt.
  • Bevor du eine Ferse hochlagerst, beurteilst du die Durchblutung von Beinen, Fersen und Füßen. Das gehört sowohl zur Hautbeurteilung als auch zur Risikoeinschätzung.
  • Danach entlastest du die Ferse vollständig. Weicher betten reicht nicht. Diese komplette Freipositionierung heißt Hohllage oder Freilage. Dafür gibt es eigens entwickelte Produkte, es gehen aber auch Kissen oder Schaumstoffkissen. Das Gewicht des Beins verteilst du entlang der Wade. Dabei darf kein Druck auf die Achillessehne und auf die Kniekehlenvene entstehen. Mit einer breiten Auflagefläche vermeidest du, dass an anderer Stelle mehr Druck oder Scherkraft entsteht.
  • Achte darauf, dass die Knie nicht durchhängen. Die Knie müssen mitgestützt werden. Häufig eignet sich ein gefaltetes Handtuch besser als ein Kissen, weil es den Kniewinkel weniger verändert. Das Handtuch kann brezelförmig liegen: Du rollst die Enden nach außen, sodass die Ferse in der weichen Mitte zu liegen kommt.

Bisher ist keine Methode der Fersenfreilagerung einer anderen überlegen.

قاعدة عملية

Vor dem Freilagern beurteilst du die Durchblutung von Beinen, Fersen und Füßen. Dann wird die Ferse vollständig freigelagert. Das Gewicht des Beins liegt auf der Wade, und es entsteht kein Druck auf Achillessehne und Kniekehlenvene. Das Knie wird dabei mitgestützt.

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Druckverteilende Hilfsmittel

Zwei Betten, zwei Systeme. In einem sinkt der Körper tief ein, im anderen füllen sich Luftkammern abwechselnd. Beide heißen „Antidekubitus“. Sie tun aber Verschiedenes.

Es gibt zwei Wirkprinzipien.

  • Ein Weichlagerungssystem arbeitet reaktiv, also durch kontinuierliche Weichlage: Es vergrößert die Auflagefläche und senkt dadurch den Auflagedruck. Der Preis: Der Körper sinkt ein und büßt dabei Halt, Stabilität und Beweglichkeit ein. Je weicher die Matratze, desto weniger Eigenbewegung ist möglich. Das kann bis zum Verlust der Körpergrenzen gehen. Der Mensch spürt dann nicht mehr, wo sein eigener Körper aufhört. Achte deshalb darauf, dass der Mensch auf der Matratze noch genügend Halt findet.
  • Ein Wechseldrucksystem arbeitet aktiv, also durch intermittierende Entlastung: Die Kammern der Matratze füllen sich abwechselnd mit Luft. Der dekubitusprophylaktische Effekt ist durch Studien nachgewiesen. Er tritt aber nur ein, wenn die Prädilektionsstelle mittig auf einer Kammer liegt. Liegt sie falsch, drückt die gefüllte Kammer genau auf die gefährdete Stelle. Bei Kindern muss das System laut Herstellerangaben dem Körpergewicht des Kindes entsprechen.

Die Auswahl: Bei Dekubitusgefährdung wird ein Weichlagerungssystem der Standardmatratze vorgezogen. Kann jemand aus gesundheitlichen Gründen kaum bewegt werden, kommt stattdessen ein Wechseldrucksystem infrage. Mit hinein spielen Immobilitätsgrad, Größe und Gewicht, Anzahl und Ort vorhandener Dekubitus, das Mikroklima sowie Geräuschempfindlichkeit. Auch die Präferenzen und Wünsche des Menschen selbst zählen. Für die Positionierung eignen sich 30 bis 40 Grad besser als 90 Grad. Das Bett muss breit genug sein, damit sich jemand drehen kann, ohne an die Bettgitter zu stoßen.

Menschen mit Querschnittlähmung sollten beim Sitzen grundsätzlich eine druckverteilende Unterlage nutzen. Auf dem Operationstisch bekommt jeder Mensch mit Dekubitusrisiko eine druckverteilende Auflage.

قاعدة عملية

Ein Weichlagerungssystem senkt den Druck, indem es die Auflagefläche vergrößert. Ein Wechseldrucksystem entlastet, indem sich seine Luftkammern abwechselnd füllen.

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Maßnahmenplanung

Heute läuft jemand noch am Rollator. Übermorgen kommt die Operation, danach liegt er. Wer erst dann plant, plant zu spät.

Für jeden dekubitusgefährdeten Menschen wird ein individueller Bewegungsplan erstellt. Der Expertenstandard nennt das Bewegungsförderungsplanung. Darin steht:

  • wie die Eigenbewegung gefördert wird
  • wann welche Position gewechselt wird
  • welche Körperstellen freigelagert werden

Du planst zwei Tage im Voraus und rechnest den erwarteten pflegerischen und medizinischen Verlauf ein. Fünf Fragen helfen dabei:

  • Wohin entwickelt sich die Mobilität in den kommenden Tagen? Welche Stressoren treffen dabei Haut und Gewebe?
  • Über welche eigenen Ressourcen und welche Hilfsmittel verfügt der Mensch bereits, die sich für mehr Mobilität und für die Dekubitusprophylaxe einsetzen lassen?
  • Was wünscht er sich? Stören ihn die geplanten Zeiten für den Lagewechsel oder einzelne Positionen beim Schlafen? Verstärken sie eine Dyspnoe (Atemnot), oder machen sie ihm übel?
  • Welchen Einfluss hat das Körpergewicht auf Art und Häufigkeit von Gehversuchen und Positionswechseln?
  • Kann er Eigenbewegungen durchführen, oder wird er es in den nächsten Tagen können? Welche Auflagefläche eignet sich dann für ihn, zum Beispiel Weichlagerung oder Wechseldruck?

In den Plan gehören auch die Stressoren auf der Haut, zum Beispiel Zu- und Ableitungen.

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Für jeden dekubitusgefährdeten Menschen wird ein individueller Bewegungsplan erstellt, und zwar zwei Tage im Voraus mit dem erwarteten Pflege- und Therapieverlauf.

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Mikropositionswechsel

Ein kreislaufinstabiler Patient verträgt kein gründliches Umlagern. Trotzdem muss sich etwas bewegen, nur eben sehr wenig.

Bei der Mikropositionierung bewegst du einzelne Gliedmaßen sanft und minimal. Das fördert Beweglichkeit und Durchblutung.

  • Wichtig ist die Grenze: Mikropositionierungen erreichen keine vollständige Druckentlastung. Sie ersetzen den regelmäßigen Makropositionswechsel nicht, also den kompletten Wechsel der Körperposition. Sie kommen dazu.
  • Besonders sinnvoll sind sie bei Menschen mit Schmerzen. Auch in der Nacht können sie förderlich sein. Sinnvoll sind sie auch bei kritisch Kranken mit instabilem Kreislauf, denen eine gründliche Lageveränderung zu sehr zusetzen würde.
  • Schwerkranke Menschen mikropositionierst du deutlich häufiger, als du sie makropositionierst. Übelkeit, Atemnot und Schmerzen lassen bei schlechtem Allgemeinzustand oft keine häufige Makropositionierung zu.
  • Geeignet sind kleine Schaumstoffkissen, Gelkissen oder Handtücher. Im Idealfall wechselt die Mikroposition im Uhrzeigersinn alle 10 bis 20 Minuten. In Rückenlage mikropositionierst du alle 30 Minuten abwechselnd rechts und links mit Kopfdrehung. Wenn du ein gefaltetes Handtuch unter eine Beckenseite legst, wandert das Gewicht vom Kreuzbein fort. Ein klein gerolltes Handtuch unter dem Bein entlastet die Ferse.

Die Technik der Mikropositionierung kannst du auch beim Positionieren nutzen. Ein zusammengerolltes Handtuch statt einer weichen Decke im Rücken gibt mehr Widerstand für Eigenbewegung. Oder du faltest eine Unterstützung im Rücken, ein Handtuch oder eine Decke, vierfach längs. Nach einer Weile ziehst du sie in eine zweifache Faltung. Das ahmt eine Mikrobewegung nach und eignet sich vor allem nachts, weil viele Menschen die kleine Bewegung verschlafen. Anfangs kontrollierst du, ob für die Haut diese minimale Druckentlastung ausreicht. Meist gilt das für stabile, noch recht mobile Menschen.

Bei instabilen Kranken gilt außerdem: langsam und schrittweise drehen. So haben Kreislauf und Sauerstoffsättigung Zeit, sich anzupassen.

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Eine Mikropositionierung fördert Beweglichkeit und Durchblutung, erreicht aber keine vollständige Druckentlastung und ersetzt den regelmäßigen Makropositionswechsel nicht.

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Hautpflege

Nach dem Waschen wird die gerötete Stelle am Kreuzbein kräftig trockengerieben. Das ist gut gemeint und genau falsch.

Zur Dekubitusprophylaxe gehört ein Hautpflege-Regime mit vier Bestandteilen:

  • die Haut sauber und angemessen feucht halten
  • sie nach einer Inkontinenzepisode zeitnah reinigen
  • alkalische Seifen und Reinigungsmittel meiden
  • die Haut mit einem Barriereprodukt vor Feuchtigkeit schützen
  • Eine Regel ist besonders wichtig: Gefährdete Haut reibst du nicht kräftig. Du tupfst statt zu reiben, beim Reinigen wie beim Trocknen. Möglichst nimmst du klares, lauwarmes Wasser oder pH-hautneutrale Produkte und weiche Einmalwaschlappen. Achte darauf, ob der Mensch die Waschlappen akzeptiert, und erkläre ihm wenn nötig die Vorteile. Möglichst nutzt du Produkte, die nicht ausgespült werden (no-rinse oder leave-on). Danach tupfst du die Haut mit einem weichen Tuch trocken.
  • Bei Inkontinenz schützen Produkte mit hoher Saugstärke die Haut. Textilien mit geringem Reibungswiderstand können zusätzlich helfen.
  • Ergänzend zählen eine eiweiß- und vitaminreiche Kost und ein Ernährungsscreening bei Menschen mit Dekubitusrisiko dazu. So bleiben Hautstruktur und Ernährungszustand intakt.
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Haut, die für einen Dekubitus gefährdet ist:wird nicht kräftig geriebenwird sauber und angemessen feucht gehaltenwird mit einem Barriereprodukt vor Feuchtigkeit geschützt

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Ernährung

Ein Mann isst seit Tagen kaum etwas und trinkt wenig. Die Wechseldruckmatratze steht schon im Zimmer. Der Ernährungszustand kommt trotzdem zuerst.

Ernährung ist Teil der Dekubitusprophylaxe, nicht ein Nebenthema. Eine eiweiß- und vitaminreiche Kost hält die Hautstruktur intakt und funktionsfähig.

  • Bei jedem Menschen mit Dekubitusrisiko wird ein Ernährungsscreening durchgeführt. Wenn das Screening ein Risiko für Mangelernährung ergibt, folgt eine ausführliche Einschätzung des Ernährungszustands. Dann wird ein individueller Ernährungsplan erstellt.
  • Zur Flüssigkeit gehört ebenfalls eine bewusste Entscheidung. Du bietest eine ausreichende Trinkmenge an und förderst sie, soweit sie zu den Behandlungszielen und zum Zustand des Menschen passt.
  • Bei Neugeborenen und Kindern wird altersgerecht gescreent und eingeschätzt.

Für Erwachsene, die bereits einen Dekubitus haben und mangelernährt oder davon bedroht sind, nennt die Leitlinie Richtwerte: 30 bis 35 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht und Tag sowie 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Ab Kategorie II kommen Nahrungsergänzungen mit Arginin, Zink und Antioxidantien infrage. Diese Werte gelten nicht pauschal für jeden Menschen mit Dekubitusrisiko. Die Bedingung „mangelernährt oder gefährdet“ gehört dazu.

Verordnet wird die Ernährungstherapie ärztlich. Eine Ernährungsfachkraft führt sie im Rahmen delegierter ärztlicher Leistungen durch. Das sind Diätassistentinnen, bei vergleichbarer Qualifikation auch Oecotrophologen oder Ernährungswissenschaftlerinnen, und ebenso Pflegefachpersonen mit entsprechender Weiterbildung. Deine Aufgabe ist, das Risiko zu erkennen, zu melden und die Umsetzung zu unterstützen. Du solltest auch wissen, in welcher Größenordnung sich die Werte bewegen.

قاعدة عملية

Bei jedem Menschen mit Dekubitusrisiko gehört ein Ernährungsscreening dazu, weil eine eiweiß- und vitaminreiche Kost die Hautstruktur intakt hält.

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Schulungen und Übungen

Ein Angehöriger fragt: „Was kann ich denn tun?“ Das ist der Moment, in dem Prophylaxe wirksam wird, nicht nur höflich.

Beratung ist eine wirksame Maßnahme, keine Nettigkeit. Einzel- und Gruppenschulungen für Betroffene und Bezugspersonen verhindern das Auftreten eines Dekubitus.

  • Du klärst über drei Dinge auf: die Ursachen eines Dekubitus, die gefährdeten Körperstellen und die Prophylaxe selbst samt ihrer Auswertung. Du beziehst den Menschen in die Maßnahmenplanung ein.
  • Hilfreich sind bebilderte Broschüren oder Handouts. Speziell geschulte Pflegefachpersonen sind Ansprechpartner für Betroffene und ihre Bezugspersonen (engl. link nurses). Dazu eignet sich auch ein „Notfall-Set“, das alle wichtigen Maßnahmen in Kurzform enthält. Am meisten bringen praktische Übungen: Mikropositionierung einüben, scherkraftarm bewegen lernen und Knochenvorsprünge richtig entlasten.
  • Wer lange sitzt, lernt, sich selbst zu entlasten. Dazu leitest du aktiv an. Zwei Dinge machen es leichter: eine zurückgestellte Rückenlehne mit angehobenen Beinen und eine Sitzneigung, die das Vorrutschen verhindert. Wenn jemand aufrecht sitzt, brauchen die Füße festen Halt, auf dem Boden oder auf den Fußstützen.
  • Einen Dekubitus verhindern nur Maßnahmen, die kontinuierlich durchgeführt werden. Deshalb müssen alle Beteiligten wissen, dass die Maßnahmen zuverlässig durchgeführt werden müssen. Dazu gehören auch die Mitarbeitenden in Röntgenabteilung, Endoskopie, Arztpraxen und Transportdienst. Du hast hier eine wichtige Aufgabe: Du informierst und berätst.
قاعدة عملية

Schulung und Anleitung von Betroffenen und Bezugspersonen verhindern das Auftreten eines Dekubitus und sind damit eine Prophylaxe-Maßnahme wie das Umpositionieren.

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Autonomie und Selbstbestimmtheit

Eine Frau möchte nachts nicht mehr gedreht werden. Sie ist wach, orientiert und weiß, was das bedeutet. Ihre Entscheidung gilt.

Autonomie und Selbstbestimmung schließen ein, dass ein Mensch sich gegen einzelne prophylaktische Maßnahmen entscheiden kann. Diese Entscheidung gilt.

  • Sie entbindet dich aber nicht von deinen Aufgaben. Du schätzt das Dekubitusrisiko weiterhin ein. Du informierst den Menschen (oder seinen gesetzlichen Vertreter) über das Risiko und über geeignete Maßnahmen. Die Entscheidung über die passenden Maßnahmen trefft ihr gemeinsam. Dass jemand ablehnt, bedeutet außerdem nicht, dass ein Dekubitus zwangsläufig unvermeidbar wäre.
  • Am Lebensende wägst du gut ab, welche Maßnahmen der Dekubitusprophylaxe du einsetzt. Guter Schlaf und Schmerzfreiheit zum Beispiel haben Vorrang vor dem Umpositionieren, außer der Mensch äußert es anders. Dafür wägst du Vor- und Nachteile jeder Maßnahme ab. Umpositionieren entlastet den Druck, kann aber Schmerzen, Atemnot (Dyspnoe), Unruhe, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel auslösen.
  • Es gibt Zwischenwege: eine Bedarfsmedikation vor dem Umpositionieren, ein mit dem Menschen abgesprochenes Intervall oder Mikropositionierung statt großer Lageveränderung. Sprich mit ihm, solange er dazu in der Lage ist. Sonst achte genau auf Mimik und Gestik bei Ansprache und Maßnahmen.
قاعدة عملية

Ein Mensch darf einzelne Maßnahmen der Dekubitusprophylaxe ablehnen. Einschätzung, Information und gemeinsame Entscheidung bleiben trotzdem deine Aufgabe.

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Evaluation

Das Intervall steht, die Matratze liegt, der Plan ist geschrieben. Offen ist die wichtigste Frage: Wirkt es überhaupt?

Eine Maßnahme einzusetzen ist nur die halbe Aufgabe. Der Expertenstandard verlangt ausdrücklich, die Wirksamkeit der Prophylaxe zu beurteilen. Das geschieht gemeinsam mit dem betroffenen Menschen.

Du beurteilst sie über den Hautzustand. Ihn begutachtest du in individuell festgelegten Zeitabständen. Das Werkzeug dafür kennst du: Hautinspektion an den Prädilektionsstellen, bei Rötung der Fingertest.

Das Ergebnis steuert die Maßnahme. Ein Beispiel: Nach 90 Minuten ist keine Rötung zu sehen. Also verlängerst du das Intervall auf zwei Stunden. Nach zwei Stunden zeigt sich eine Rötung. Also gehst du zurück auf 90 Minuten. Wenn die Rötung trotzdem bleibt, wechselst du stündlich und ergänzt Mikropositionierung.

Genau das ist Evaluation: messen, ob die gewählte Maßnahme reicht, und sie anpassen, wenn sie es nicht tut. Auch die Aufklärung des Menschen umfasst, wie die Maßnahmen ausgewertet werden.

قاعدة عملية

Die Dekubitusprophylaxe ist erst vollständig, wenn ihre Wirksamkeit am Hautzustand beurteilt und die Maßnahme daraufhin angepasst wird.

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Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien

„Wir arbeiten nach dem Expertenstandard“ steht in jedem Leitbild. Was der Standard tatsächlich verlangt, ist in drei Ebenen sortiert. Nicht alles davon liegt bei dir.

Ein Expertenstandard des DNQP ist in drei Ebenen aufgebaut.

  • Strukturkriterien beschreiben, was vorhanden sein muss, damit gute Pflege überhaupt möglich ist. Beispiel auf Personalseite: Die Pflegefachkraft kennt den aktuellen Wissensstand zur Entstehung eines Dekubitus und kann das Risiko einschätzen. Beispiel auf Einrichtungsseite: Es existiert eine schriftliche Verfahrensregelung zur Dekubitusprophylaxe.
  • Prozesskriterien beschreiben, was getan wird. Beispiel: Die Pflegefachkraft unterstützt die Eigenbewegung, so weit das jeweils geht.
  • Ergebniskriterien beschreiben, was dabei herauskommen soll. Beispiel: Der gepflegte Mensch bleibt ohne Dekubitus.

Die Verantwortung ist geteilt. Betriebsleitung und Pflegemanagement stellen die Verfahrensregelung und die materiellen und personellen Ressourcen. Sie schaffen auch die Gelegenheit, Wissen und Können aufzubauen. Pflegefachkräfte verantworten es, ihr Wissen und Können aufzubauen und die Maßnahmen im Alltag umzusetzen.

Das ist praktisch wichtig: Fehlt ein Wechseldrucksystem, ist das ein Strukturproblem der Einrichtung. Wird eines vorgehalten und nicht eingesetzt, ist es ein Prozessproblem der Pflege. Wer die Ebenen unterscheidet, kann benennen, woran es hakt.

قاعدة عملية

Ein Expertenstandard ist in drei Arten von Kriterien gegliedert:Strukturkriterien: was vorhanden sein mussProzesskriterien: was getan wirdErgebniskriterien: was herauskommen soll

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Medizinprodukte

Ein Beatmungsschlauch liegt quer über dem Oberschenkel. Ein Katheterschlauch verschwindet unter dem Gesäß. Beides sind Druckstellen in Entstehung.

Zu- und Ableitungen liegen neben dem Körper, nicht darauf. Dazu zählen Drainagen und Sonden ebenso wie Schläuche für Infusion, Perfusion und Katheter. Ihre Lage kontrollierst du mindestens alle zwei bis vier Stunden. Bei stark beeinträchtigter Haut und bei Früh- oder Neugeborenen mit unreifer Haut reicht schon der Aufliegedruck allein für einen Dekubitus.

  • Auch die Spannung der Befestigung prüfst du regelmäßig. Frag den Menschen, ob es drückt, wenn er das mitteilen kann. Die Haut unter und um Medizinprodukte gehört in jede Hautbeurteilung.
  • Kabel und Schläuche lagerst du vom Körper weg, Aufliegestellen von Medizinprodukten polsterst du unter. Täglich prüft und besprecht ihr im Team, ob ein Gerät, ein Kabel oder eine Drainage überhaupt noch nötig ist. Was nicht mehr gebraucht wird, soll so früh wie medizinisch vertretbar entfernt werden. An den Eingangs- und Austrittsstellen ergreifst du Hautschutzmaßnahmen, und zur Druckverteilung nutzt du polsternde Auflagen.
  • Bei Früh- und Neugeborenen sowie Kindern sind Medizinprodukte das größte Dekubitusrisiko überhaupt. Weil die Haut von Kindern noch unreif und sehr empfindlich (vulnerabel) ist, beachtest du notwendige Sonden und Drainagen besonders. Dort sollte sofort abgepolstert werden, mit geeignetem Material und ohne viel Haut zu verkleben. Bei Sauerstofftherapie kann zwischen gut sitzender Maske und Nasenprong gewechselt werden, wenn das sicher möglich ist.
قاعدة عملية

Zu- und Ableitungen liegen neben dem Körper statt darauf, und ihre Lage wird mindestens alle zwei bis vier Stunden kontrolliert.

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Den Ernährungszustand einschätzen

Bei der Aufnahme stehst du mit Herrn S. an der Waage. Seine Hose sitzt locker. „Die war früher mal eng“, sagt er.

Den Ernährungszustand schätzt du über mehrere Beobachtungskriterien ein:

  • äußeres Erscheinungsbild und klinische Symptome
  • Körpergröße
  • Körpergewicht und Gewichtsverlauf
  • Body-Mass-Index (BMI)
  • Taillenumfang, auch im Verhältnis zum Hüftumfang (Waist-to-Hip-Ratio)
  • Ernährungsgewohnheiten und Ernährungsverhalten, die du erfragst

Erscheinungsbild: In einem guten Ernährungszustand ist die Haut intakt, die Schleimhäute sind rosig und die Haare glänzen. Unterhautfettgewebe ist vorhanden, weder zu viel noch zu wenig. Knochenvorsprünge treten nicht auffällig hervor. Die Haut liegt straff über dem Körper. Der Mensch ist vital, kraftvoll und leistungsfähig. Auf einen schlechten Ernährungszustand weisen unter anderem hin:

  • zu weite Kleidung, ein ausgezehrter Körper
  • schlaffe Hautfalten an Armen, Bauch (Abdomen) und Gesäß
  • hervorstehende Knochen, wo sonst Muskeln und Fettpolster sind, etwa im Gesicht, an Wirbelsäule, Becken und Rippen
  • eingefallene, tief liegende Augen
  • schuppige und trockene Haut, eine blasse Hautfarbe
  • Risse oder wunde Stellen im Mund
  • Müdigkeit, Mattigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Apathie

Körpergewicht: Mit dem Gewicht schätzt du den Ernährungs- und Gesundheitszustand ein. Das Gewicht ist auch wichtig, um viele Arzneimittel genau zu dosieren, zum Beispiel Narkotika, Antibiotika oder Schmerzmittel. Bei der Aufnahme wird fast jeder Patient gewogen. So gibt es einen Ausgangswert. Je nach Krankheit und Therapie wird er regelmäßig kontrolliert, zum Beispiel bei Herzinsuffizienz. Das betrifft vor allem über- und untergewichtige Menschen und Menschen mit Essstörungen, Diabetes, Tumoren oder Herz- oder Nierenerkrankungen. Auch Kinder und Säuglinge werden regelmäßig gewogen, unter anderem zur Kontrolle ihrer Entwicklung. Wenn keine gravierende Herz- oder Nierenerkrankung vorliegt, sagt der Gewichtsverlauf mehr als eine einzelne Gewichtsangabe. Jede unbeabsichtigte Gewichtsabnahme ist bei älteren Menschen ein wichtiges Warnsignal. Frühere Gewichtsverluste lassen sich oft schwer ermitteln. In der Praxis hilft die Frage, ob Rock oder Hose zuletzt spürbar zu weit geworden sind.

Vergleichbar sind die Werte nur, wenn du immer unter denselben Bedingungen wiegst:

  • dieselbe Waage: Sie muss geeicht sein, prüfe deshalb zuerst das Eichdatum. Eine digitale Waage steht vor dem Wiegen auf 0.
  • dieselbe Tageszeit: am besten nüchtern am Morgen, mit leerer Harnblase nach dem Toilettengang
  • ohne Schuhe, in derselben und in möglichst wenig Kleidung. Säuglinge wiegst du in der Regel unbekleidet.
  • Der Untergrund der Waage sollte eben, gerade und fest sein, und sie sollte nicht wackeln. Die Angaben des Herstellers beachtest du immer.
  • Ab- und Zuleitungen wie Infusionen und Sekretbeutel hebst du beim Ablesen kurz an.
  • Weichen die Bedingungen ab, dokumentierst du das.

Meist gibt es eine Stehwaage, eine Sitzwaage, eine digitale Bettwaage oder einen Patientenlifter mit integrierter Waage. Spezielle Säuglings- und Inkubatorwaagen gibt es für Neugeborene und Säuglinge.

Wenn das Gewicht innerhalb weniger Tage um mehrere Kilogramm schwankt, liegt das in der Regel an einer Störung des Wasserhaushalts, nicht am Körperfett. Bei älteren Menschen berücksichtigst du beim Deuten des Gewichts besonders Ödeme, Aszites (Bauchwassersucht) oder eine Exsikkose, also Störungen im Wasserhaushalt.

Body-Mass-Index (BMI): Für den BMI teilst du das Körpergewicht (in kg) durch das Quadrat der Körperlänge (in m). Laut WHO gilt als normalgewichtig, wer als Erwachsener einen BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m² hat. Unter 18,5 liegt Untergewicht (Dystrophie) vor, ab 25 Übergewicht. Wenn der Kräfteverfall sehr ausgeprägt ist und der BMI unter 15 liegt, liegt eine Kachexie (Auszehrung) vor. Je älter ein Mensch ist, desto höhere BMI-Werte werden akzeptiert. Über 65 Jahren besteht schon bei einem BMI unter 24 ein erhöhtes gesundheitliches Risiko. Bei Kindern hängt der Körperfettanteil stark von Alter und Geschlecht ab. Achte besonders auf das Gewicht eines Kindes, wenn es deutlich unter seine bisherige Perzentilenkurve fällt. Es könnte eine Gedeihstörung vorliegen.

Deine pflegerische Beobachtung ersetzt der BMI nicht. Er gibt nur einen Anhalt. Ödeme durch eine Herz-, Lungen- oder Niereninsuffizienz können ihn verfälschen. Wer viele Muskeln hat, wiegt mehr, denn Muskeln wiegen mehr als Fettgewebe. Ein gutes Mittel ist deshalb auch, die Silhouette einzuschätzen. Bei einer stark verkrümmten Wirbelsäule ist der BMI nicht aussagekräftig, weil sich die Körpergröße nicht exakt bestimmen lässt. Bei einer Amputation wird das Gewicht für die Berechnung korrigiert, bei einem amputierten Bein zum Beispiel um 15 %.

Umfänge: Viel Bauchfett ist ein Risikofaktor, zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus. Den Taillenumfang misst du etwa auf Nabelhöhe, also zwischen oberem Beckenkamm und unterster Rippe, in der Mitte. Bei europäischen Männern sollte er unter 94 cm liegen, bei europäischen Frauen unter 80 cm. Darüber ist das Krankheitsrisiko erhöht. Statt des Taillenumfangs kann auch das Taille-Hüft-Verhältnis (Waist-to-Hip-Ratio) ermittelt werden. Bei Männern sollte es unter 0,9 liegen, bei Frauen unter 0,85. Wenn der Wadenumfang unter 31 cm liegt, kann das zusätzlich auf eine Mangelernährung hinweisen. Der Oberarmumfang ist ein Kriterium im Mini Nutritional Assessment (MNA). Werte über 22 cm gelten dort als normal. Umfangs- und Hautfaltenmessungen eignen sich eher für Aussagen im Verlauf. Um den Ernährungszustand allein zu bestimmen, reichen sie auf keinen Fall aus.

قاعدة عملية

Ohne gravierende Herz- oder Nierenerkrankung sagt der Gewichtsverlauf mehr als ein einzelner Wert. Deshalb wiegst du immer unter gleichen Bedingungen: dieselbe Waage, dieselbe Tageszeit, dieselbe Kleidung, leere Harnblase. Der BMI ist nur ein Anhalt und ersetzt deine Beobachtung nicht.

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Screening und Assessment

Eine neue Bewohnerin zieht ein. Bei der Aufnahme fragst du sie: „Ist Ihnen in letzter Zeit Ihre Kleidung zu weit geworden?“

Ein Risiko für eine Mangelernährung soll frühzeitig erkannt werden. Das soll Folgeschäden vermeiden oder verringern. Die Einschätzung hat zwei Schritte.

Schritt 1, Screening: Ein Screening ist eine kurze, leicht durchführbare Erhebung. Mit ihr werden bestimmte Symptome und Risikofaktoren erkannt. Ein Screening fordert der Expertenstandard Ernährungsmanagement für jeden Patienten: am Anfang des pflegerischen Auftrags und danach in individuellen Abständen. Erfasst werden:

  • erste Anzeichen für einen Mangel an Nahrung und Flüssigkeit
  • ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust
  • eine auffällig geringe Ess- und Trinkmenge
  • ein erhöhter Energie-, Nährstoff- und Flüssigkeitsbedarf, zum Beispiel bei Erbrechen oder Durchfall, bei chronischer Krankheit oder außergewöhnlicher Mobilität

Alle älteren Menschen sollen routinemäßig auf Unterernährung untersucht werden, und zwar mit einem validierten Instrument. Das gilt auch für adipöse Menschen.

Schritt 2, Assessment: Ein Assessment ist eine ausführliche Erhebung. Es untersucht auch die Faktoren, die die Ernährung beeinflussen. Es folgt, wenn im Screening ein Punkt auffällig ist. In der stationären Altenhilfe hat fast jeder Bewohner ein Risiko. Dort kann in der Regel gleich mit dem Assessment begonnen werden. Ambulante Pflegedienste müssen beim Screening verstärkt auf Risiken aus der Lebenssituation achten. Die vorhandenen Instrumente erfassen diese Risiken noch nicht ausreichend.

Welches Assessmentinstrument genutzt wird, hängt vom Setting ab:

  • Nutritional Risk Screening (NRS 2002) im Krankenhaus: Es erfasst ein metabolisches Risiko, also die Gefahr einer Stoffwechselstörung. Im Krankenhaus gibt es außerdem das Subjective Global Assessment (SGA) und seine verkürzte Variante, das Malnutrition Screening Tool (MST).
  • Mini Nutritional Assessment (MNA), als Kurzform MNA-SF mit 6 Fragen oder als Langfassung MNA-LF, in geriatrischen Einrichtungen
  • PEMU in der stationären Langzeitpflege: ein Instrument, mit dem die Pflege Mangelernährung und ihre Ursachen erfasst
  • Malnutrition Universal Screening Tool (MUST) in der ambulanten Versorgung: Es erfasst die Mangelernährung samt Risiko. Ambulant gibt es außerdem den Short Nutritional Assessment Questionnaire (SNAQ).

Die Instrumente kommen immer zusätzlich zur ausführlichen Pflegeanamnese dazu. Der Grund: Es ist noch nicht ausreichend untersucht, wie genau (Reliabilität) und wie gültig (Validität) sie messen. Auch die Patientengruppen sind in sich unterschiedlich. Aus dem BMI allein lässt sich eine Mangelernährung nicht sicher ableiten. Vorteilhaft ist eine bioelektrische Impedanzanalyse (BIA). Mit ihr wird der Anteil von Fett, Knochen und Muskeln im Körper bestimmt. Statt des BMI ist auch der fettfreie Masse-Index (FFMI) möglich. Er setzt eine BIA voraus. Messbar sind außerdem Waden- und Armumfang, die Trizepshautfaltendicke und laborchemische Parameter. Vor allem bei älteren, aber auch bei normal- oder übergewichtigen Menschen kann ein Nährstoffmangel auftreten, zum Beispiel:

  • Vitamin B12: unter anderem Polyneuropathie, Muskelschwäche, Müdigkeit
  • Eisen: Abgeschlagenheit, Anämie, Infektanfälligkeit
  • Vitamin D: Immunschwäche, Knochenbildungsstörung
  • Eiweiß: unter anderem Wundheilungsstörungen, Ödeme
  • Folsäure: erhöhtes Demenz- und Schlaganfallrisiko

Das PEMU-Screening fragt zum Beispiel: Sieht der Mensch unterernährt aus? Liegt sein BMI unter 20, falls er sich ermitteln lässt? Hat er unbeabsichtigt Gewicht verloren, 5 % in 1 Monat oder 10 % in 6 Monaten? Auch Kleidung, die weit geworden ist, zählt dazu. Auffällig ist auch, wenn er bei zwei Dritteln der Mahlzeiten mehr als ein Viertel übrig lässt. Gefragt wird außerdem nach einem erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf oder nach Verlusten. Beispiele sind Fieber, offene Wunden, Diarrhö oder Erbrechen. Zeichen für Flüssigkeitsmangel sind zum Beispiel eine plötzliche, unerwartete Verwirrtheit, trockene Schleimhäute oder konzentrierter Urin. Auffällig ist auch eine geringe Trinkmenge, zum Beispiel unter 1000 ml am Tag über mehrere Tage. Ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf, etwa bei Fieber oder Sommerhitze, wird ebenfalls erfasst. In der Langzeitpflege wird beim Einzug gescreent und danach alle drei Monate. Bei einem bedenklichen Zustand, etwa einem auffälligen Gewichtsverlust, wird das Gewicht wöchentlich erfasst, wenn nichts anderes festgelegt ist. Das geht so lange, bis sich der Zustand stabilisiert hat oder ein festgelegtes Gewicht erreicht ist. Wenn ein Ereignis eintritt, das den Ernährungszustand verschlechtern könnte, wird das Screening umgehend wiederholt. Ein Beispiel ist eine fieberhafte Infektion.

Ess- und Trinkprotokoll: Ist im Screening ein Punkt auffällig, wird zusätzlich ein Ess- und Trinkprotokoll geführt. Allgemein wird es bei einem auffälligen Ernährungsverhalten oder Screening-Ergebnis 3–5 Tage geführt. Im PEMU läuft es fortlaufend an sieben aufeinanderfolgenden Tagen. Es wird weitergeführt, um zu prüfen, ob Maßnahmen wirken und die Verzehrmengen steigen. Angekreuzt werden die Portionsgröße und die Verzehrmenge: nichts, ein Viertel, die Hälfte, drei Viertel oder alles. Beim Trinken bekommt jedes geleerte Gefäß einen Strich. Am Ende des Tages wird die Trinkmenge zusammengerechnet. Die Daten dafür entstehen beim Abräumen: Dort wird beobachtet und dokumentiert, ob der Mensch gegessen hat und wie viel.

Im Gespräch und bei der Beobachtung geht es außerdem um:

  • Essgewohnheiten: wann, wo und was der Mensch gern isst
  • ob er bestimmte Lebensmittel nicht essen oder schlucken kann, und ob er mit oder ohne Zahnprothese kaut
  • Mund und Zähne: Ist der Mund beim Kauen trocken (Xerostomie)? Fehlen Zähne, sitzt die Prothese locker? Hat er Schmerzen beim Kauen? Blutet das Zahnfleisch? Sind Lippen oder Mundwinkel eingerissen oder schmerzhaft?
  • Zeichen einer Dysphagie, die abgeklärt werden müssen

Bei der Erfassung werden Autonomie und Selbstbestimmung berücksichtigt. Das Bedürfnis nach Ruhe und Passivität hat oberste Priorität. In der Sterbephase kann zum Beispiel auf das Wiegen verzichtet werden. Auch festgelegte Trinkmengen können dann neu bestimmt werden.

قاعدة عملية

Erst Screening, dann Assessment. Das Screening erkennt kurz ein Risiko für Mangelernährung. Wenn ein Punkt auffällig ist, folgen ein Ess- und Trinkprotokoll und ein Assessment, das die Einflussfaktoren ausführlich untersucht.

معرفة تمريضية

Mangelernährung

Ein Bewohner ist übergewichtig. Bei ihm denkt niemand an eine Mangelernährung. Genau deshalb wird sie bei ihm leicht übersehen.

Mangelernährung (Malnutrition) bedeutet: Es besteht anhaltend ein Defizit an Nährstoffen und/oder Energie. Die Aufnahme ist kleiner als der Bedarf, die Bilanz ist also negativ. Das hat Folgen für den Ernährungszustand, für die physiologischen Funktionen und für den Gesundheitszustand.

An dieser Definition sind drei Punkte wichtig:

  • anhaltend: Nicht jede Nahrungskarenz ist eine Mangelernährung. Sie kann aber ein bedeutendes Risiko sein.
  • Bilanz statt Gewicht: Ein Gewicht steht nicht in der Definition. Auch ein normal- oder übergewichtiger Mensch kann mangelernährt sein. Ihm fehlen zum Beispiel Eiweiß, Vitamine, Mengen- oder Spurenelemente. Bei Übergewicht wird eine Mangelernährung nicht selten übersehen.
  • Essen und Trinken: Mit Nahrung sind feste und flüssige Nahrung gemeint.

Eine Mangelernährung entsteht über vier Mechanismen:

  • Die Zufuhr an Nährstoffen ist vermindert.
  • Der Bedarf an Nährstoffen ist erhöht.
  • Die Aufnahme der Nährstoffe im Darm ist gestört (Maldigestion oder Malresorption).
  • Die Verwertung der Nährstoffe ist gestört.

Gefährdet sind unter anderem Menschen mit:

  • Depression, Dekubitusrisiko oder Dekubitus, Diabetes mellitus
  • Infektionen, Krebs, COPD, Magen-Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen, rheumatoider Arthritis oder entzündlichen Darmerkrankungen
  • neurologischen Erkrankungen, die fortschreiten, zum Beispiel Parkinson, Demenz, Multiple Sklerose oder Schlaganfall
  • einer akuten Erkrankung ohne ausreichende Nahrungsaufnahme über mehr als 5 Tage, mit Gebrechlichkeit, Immobilität, höherem Alter oder kurz nach einer Krankenhausentlassung
  • akuten oder chronischen Schmerzen, Wunden, einem schweren Krankheitsverlauf oder in lebensbedrohlichen Zuständen
  • mehrstündigen Operationen, weil die Operation den Eiweißverbrauch erhöht
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie)
  • niedrigem sozioökonomischem Status, schlechten Umweltbedingungen oder wenig Unterstützung. Das gilt vor allem, wenn sie das Haus nicht verlassen und nicht selbst einkaufen oder kochen können.

Ab dem 4. Lebensjahr gilt: Ein Kind kann altersentsprechend selbstständig essen. Ein Kind in diesem Alter kann beim Essen von einer Person abhängig sein. Das ist dann ein Faktor für eine mögliche Mangelernährung.

Bei Frühgeborenen besteht die Gefahr einer Mangelernährung. Der Grund: Ihr Saug- oder Schluckreflex ist noch nicht ausgereift, und bei der Nahrungsaufnahme erschöpfen sie schnell. Säuglinge und Kleinkinder können zum Beispiel Probleme haben, wenn Bei- oder Familienkost eingeführt wird. Sie können auch wegen Vernachlässigung zu wenig Nahrung bekommen. Bei Kindern und Jugendlichen entsteht die Gefahr eher durch eine unausgewogene Ernährung. Ein Beispiel: zu wenig Obst und Gemüse.

Auch Medikamente können eine Mangelernährung begünstigen. Als Nebenwirkung mindern zum Beispiel Digitalispräparate, Theophyllin oder manche Antidepressiva den Appetit. Medikamente können auch das Hungergefühl unterdrücken und Müdigkeit auslösen. Häufige Nebenwirkungen sind außerdem Mundtrockenheit, Somnolenz (krankhafte Schläfrigkeit) und eine Geschmacks- oder Geruchsbeeinträchtigung, unter anderem bei Psychopharmaka. Ältere Menschen haben oft mehrere Erkrankungen (Multimorbidität) und nehmen mehrere Medikamente (Polypharmazie). Dadurch steigt das Risiko für Nährstoffdefizite durch Medikamente.

Unterscheide immer: Kann der Mensch nicht essen, oder will er nicht essen? Manche spüren, dass sie eigentlich essen müssten. Doch etwas hält sie davon ab, zum Beispiel:

  • Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen
  • ein krankhafter Mund- oder Zahnstatus
  • eine Verengung der Speiseröhre (Ösophagusstenose)
  • kognitive Einschränkungen oder Sehstörungen
  • Funktionseinschränkungen der oberen Extremitäten, also der Arme und Hände

Andere, oft chronisch kranke oder ältere Menschen, haben kein Hungergefühl mehr oder unterdrücken es. Ein Grund ist zum Beispiel, dass sie nicht allein essen mögen. Oder sie sollen im Krankenhaus oder Seniorenheim schon um 17 Uhr zu Abend essen. Vielleicht schmeckt ihnen die Mahlzeit dann auch nicht. Manchmal entwöhnt sich ein Mensch bewusst vom Essen, wenn er meint, er sei kein leistungsfähiger Teil der Gesellschaft mehr. Während der Speisezeiten gehen außerdem oft ständig Pflege-, Therapie- und Reinigungspersonal ein und aus. Das verleidet vielen Menschen das Essen. Außerdem tragen Armut, Einsamkeit, soziale Isolation und Depression stark zur Entstehung einer Mangelernährung bei.

Die Folgen sind ernst:

  • Gewichtsverlust und Mangel an Mikronährstoffen
  • weniger Muskelkraft und dadurch körperliche Schwäche und beeinträchtigte Mobilität
  • ein geschwächtes Immunsystem und mehr Infektionen
  • eine geringere Toleranz von Chemotherapien und eine psychosoziale Belastung
  • beeinträchtigte Organfunktionen, zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, eine Atrophie der Darmzotten oder eine schlechtere Lungenventilation
  • mehr Komplikationen nach Operationen und bei Wunden, langsamere Genesung, längerer Krankenhausaufenthalt und häufigere Wiedereinweisung
  • ein höheres Risiko für Stürze, Sarkopenie und Gebrechlichkeit (Frailty) und ein höheres Sterberisiko
  • bei Kindern Gedeihstörungen
  • mehr Hilfs- und Pflegebedürftigkeit und starke Einbußen an Lebensqualität

Mangelernährung ist häufig. Etwa 20 % aller Patienten kommen schon mangelernährt ins Krankenhaus. Im Pflegeheim hängen Dysphagie und Mangelernährung eng zusammen: Mehr als jeder zweite Bewohner hat eine Schluckstörung.

قاعدة عملية

Bei einer Mangelernährung besteht anhaltend ein Defizit an Nährstoffen und/oder Energie: Die Aufnahme deckt den Bedarf nicht. Ein Gewicht steht nicht in der Definition. Auch übergewichtige Menschen können mangelernährt sein.

معرفة تمريضية

Ernährung im Alter

Frau B. ist 84. Sie sagt: „Ich habe einfach keinen Hunger mehr, und Durst habe ich auch nie.“ Für ihr Alter ist das nicht ungewöhnlich. Gefährlich werden kann es trotzdem.

Für die Ernährung im Alter gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen. Die Gruppe der Hochbetagten ist sehr heterogen. Sie reicht vom gesunden, rüstigen Rentner bis zum gebrechlichen, multimorbiden Senior. Manche Menschen leben selbstständig und unabhängig und sind körperlich und geistig gesund. Bei ihnen sind keine altersbedingten Veränderungen in der Nährstoffversorgung zu erwarten. Deshalb werden Ernährungszustand und Ernährungsverhalten bei jedem alten Menschen einzeln, also individuell, erfasst. Ab 65 Jahren ist das Risiko für eine Mangelernährung aus vielen Gründen erhöht:

  • soziale Veränderungen, zum Beispiel Isolation
  • physiologische Veränderungen: Sie vergessen zu essen, haben einen schlechten Zahnstatus oder einen trockenen Mund. Geschmacks- und Geruchssinn verändern sich. Der Magen entleert sich verzögert, und die Darmmotilität ist vermindert. Sie sind rascher und länger satt und haben weniger Appetit.
  • psychische Veränderungen wie eine Depression. Sie mögen das Essen weniger und sind weniger motiviert zu essen.
  • akute oder chronische Erkrankungen und Bewegungseinschränkungen, zum Beispiel durch eine Hüftfraktur

Bei älteren Menschen sind die Folgen einer Mangelernährung schwerer zu bekämpfen als bei jüngeren. Deshalb müssen Risiken oder Anzeichen rechtzeitig erkannt werden.

Mit steigendem Alter sind trotzdem einige Faktoren zu berücksichtigen:

  • Weniger Energie, gleich viele Nährstoffe: Meist nehmen der Grundumsatz und die körperliche Aktivität ab. Deshalb sinkt der Energiebedarf. Gleich bleibt oder steigt dagegen der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen. Nährstoffreiche Lebensmittel wie Gemüse und Obst haben deshalb Vorrang vor „leeren“ Kalorienträgern wie Kuchen und Süßigkeiten.
  • Weniger Durst: Medikamente und das steigende Alter vermindern häufig das Durstempfinden. Der Mensch trinkt dann zu wenig. Achte deshalb auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit keine Dehydratation entsteht.
  • Genug Eiweiß: Mit steigendem Alter essen Menschen proteinreiche Lebensmittel häufig seltener. Sie brauchen aber zwischen 0,8 und 1,5 g Protein je kg Körpergewicht. Ein Eiweißmangel führt im Alter zu Schwäche, Muskelabbau, Infektanfälligkeit, Haarausfall und mangelnder Leistungsfähigkeit.
  • Vitamin D: Liegt ein Mensch lange im Bett, fehlt das Sonnenlicht, und die körpereigene Bildung von Vitamin D unterbleibt. Dann ist eine Vitamin-D-Gabe zu überlegen.
  • Kleinere Reserven: Typisch für alte Menschen sind verminderte Funktionsreserven. Deshalb kann sich eine Mangel- oder Fehlernährung schnell auf den ganzen Organismus auswirken. Senioren brauchen außerdem Nährstoffreserven, weil der Körper bei Erkrankungen auf seine Speicher zurückgreifen muss.
  • Mehr Medikamente: Ab dem siebten Lebensjahrzehnt lässt die Funktion einiger Organe häufiger nach. Akute und chronische Krankheiten werden wahrscheinlicher, deshalb bekommen viele mehrere Medikamente (Multimedikation). Dies und weitere Faktoren können dazu führen, dass der Mensch weniger Nahrung aufnimmt, weniger Nährstoffe resorbiert oder mehr Nährstoffe ausscheidet.

Hinzu kommt eine zunächst physiologische Altersanorexie. Sie zeigt sich durch Appetitlosigkeit und ein vermindertes Durstempfinden. Ältere Menschen sind früher und länger satt als jüngere Erwachsene. Unter anderem entleert sich ihr Magen langsamer, und er kann sich vermutlich nicht mehr gut dehnen.

Ab etwa dem 30. Lebensjahr baut der Körper zunehmend Skelettmuskulatur ab. Das heißt Sarkopenie. Besonders häufig betroffen sind Pflegeheimbewohner. Eine Mangelernährung kann die Sarkopenie auslösen oder beschleunigen. Wer weniger Skelettmuskulatur hat, bewegt sich weniger und wird insgesamt schwächer. Beides führt dazu, dass er womöglich weniger isst. So verschärft sich der Abbau.

Mit steigendem Alter entwickeln immer mehr Menschen Schluckstörungen oder eine Demenz. Dass spezielle Nährstoffe einer Demenz vorbeugen oder sie behandeln, ist bislang nicht gesichert. Die Betroffenen sollten ausgewogen und nährstoffreich essen. Noch wichtiger sind Maßnahmen, die für Folgendes sorgen:

  • Es gibt ein ausreichendes Speisenangebot, auch in der Nacht.
  • Die Speisen werden als Speisen erkannt.
  • Sie bekommen Lebensmittel, die ihnen schmecken.
  • Die Lebensmittel lassen sich greifen, zum Beispiel als Fingerfood.
  • Bei Schluckstörungen werden die Lebensmittel schluckfähig gemacht.
Refeeding-Syndrom

Manchmal bekommt ein ausgezehrter Körper in zu kurzer Zeit zu viel Nahrung. Dann kann er sie nicht verstoffwechseln. Es drohen neurologische Ausfälle, Elektrolytentgleisungen und schlimmstenfalls ein Atemstillstand. Dieses Refeeding-Syndrom ist lebensbedrohlich und muss unbedingt vermieden werden. Daran denkst du zum Beispiel bei älteren Menschen, die mit hochkalorischer Trinknahrung substituiert werden. Ein Problem ist es auch bei kritisch kranken Menschen nach einer längeren parenteralen Ernährung.

قاعدة عملية

Im Alter sinkt der Energiebedarf, der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen aber nicht. Deshalb zählen nährstoffreiche Lebensmittel und genug Eiweiß. Alter und Medikamente vermindern das Durstempfinden häufig. Deshalb achtest du auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

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Dehydratation

Herr K. ist 86. Seit dem Morgen ist er verwirrt, gestern war er noch klar. Seine Tochter sagt: „Er trinkt kaum etwas. Er hat ja nie Durst.“

Eine Dehydratation (Flüssigkeitsmangel, Hypohydratation), auch Exsikkose (Austrocknung) genannt, ist ein Defizit an Natrium und Körperwasser. Als Ursache kommen in Frage: Der Mensch nimmt zu wenig auf, scheidet zu viel aus oder verliert zu viel. Bei älteren Menschen kommen nicht selten zwei Ursachen zusammen: Der Mensch trinkt zu wenig und scheidet gleichzeitig große Mengen Wasser aus. Das geschieht zum Beispiel durch Diuretika oder Abführmittel (Laxanzien).

Ursachen und Risikofaktoren:

  • Flüssigkeitsverluste, zum Beispiel durch Erbrechen, Diarrhö, starkes Schwitzen, Verbrennungen, Blutverlust, Nierenerkrankungen oder Diurese
  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr, meist bei älteren Menschen: Ihr Durstempfinden ist vermindert, sie brauchen Hilfe beim Trinken, oder sie haben kognitive Veränderungen wie eine Demenz
  • sedierende Medikamente oder Diuretika
  • im Seniorenheim zusätzlich eine Dysphagie, eine Hyperhidrose (starkes Schwitzen) oder Immobilität
  • bei älteren Menschen der physiologische Verlust der subkutanen Fettschicht: Über die Haut geht dadurch leichter Flüssigkeit verloren. Dazu kommen zum Beispiel Mundtrockenheit (Xerostomie), eine mangelnde Speichelsekretion, eine veränderte Harnausscheidung und fehlendes Durst- und Hitzegefühl.
  • bei Schwangeren schon Übelkeit und Erbrechen in der häufigsten und leichtesten Ausprägung. Bei einer Hyperemesis gravidarum dehydriert eine Schwangere schwer. Sie braucht sofort ärztliche Unterstützung.
  • bei Kindern (lang anhaltend) hohes Fieber

Im Alter ist das Durstempfinden deutlich reduziert. Der Mensch nimmt seinen Flüssigkeitsbedarf nicht wahr. Er entwickelt eine Abneigung (Aversion) gegen das „Trinken ohne Durst“. Die zu geringe Trinkmenge bleibt oft lange unbemerkt, vom Menschen selbst und von seinen Angehörigen. Die Gefahr wächst mit dem Alter: Von den über 85-Jährigen sind 51 % betroffen.

Schon nach 2–4 Tagen Flüssigkeitsmangel kommt es zu schwerwiegenden gesundheitlichen Einschränkungen. Ein Grund: Harnpflichtige Substanzen werden nicht mehr ausreichend ausgeschieden. Die Folgen können lebensbedrohlich sein. Zeichen sind unter anderem:

  • eine erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie) und ein niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • trockene Schleimhäute und eine trockene Haut, stehende Hautfalten, kollabierte Halsvenen
  • Übelkeit und Krämpfe, in schweren Fällen Benommenheit
  • eine plötzliche, unerklärliche Verwirrtheit; ältere Menschen sind oft verwirrt
  • Durstgefühl, Müdigkeit, Schwäche, Schwindel, Konzentrationsstörungen
  • ein Orthostasesyndrom: Beim raschen Positionswechsel, etwa vom Liegen ins Stehen, fällt der Blutdruck plötzlich ab. Bei älteren Menschen folgen daraus häufig Stürze und Frakturen.
  • Obstipation, dunkler Urin und eine geringe Urinmenge (Oligurie)

Je niedriger der BMI ist, desto empfindlicher reagiert ein Mensch auf Wasserverlust.

Der Flüssigkeitsverlust erhöht Hämatokrit und Blutgerinnung (Hyperkoagulabilität). Dadurch steigt das Risiko für Myokardinfarkt, Apoplex, Phlebothrombosen oder Lungenarterienembolie. Bei älteren Menschen kommen durch die verringerte Diurese Nephrolithiasis oder Harnwegsinfektionen hinzu, also Erkrankungen des renalen Systems. Durch die Obstipation kommen Laxanzienabusus, Ileus und anorektale Insuffizienz hinzu, also Störungen im Verdauungstrakt.

Bei älteren Menschen nicht beurteilen nach

Hautturgor, Mundtrockenheit, Gewichtsveränderung oder Urinfarbe darfst du bei älteren Menschen NICHT zur Beurteilung des Flüssigkeitsstatus verwenden. Bei ihnen sind das keine klaren Zeichen für eine Dehydratation. Auch eine stehende Hautfalte gilt bei Erwachsenen nicht als Zeichen. Alle älteren Menschen gelten als gefährdet, zu wenig zu trinken. Ermutige sie, ausreichend zu trinken.

Oft lässt sich eine Dehydratation nicht sicher diagnostizieren, denn eindeutige Zeichen gibt es nicht. Betrachte deshalb den ganzen Menschen. Führe mehrere Faktoren zusammen, etwa die Flüssigkeitszufuhr und wie Haut und Schleimhäute aussehen. Instrumente, die das Dehydratationsrisiko messen, gibt es derzeit nicht. Hinweise auf ein erhöhtes Risiko gibt es in mehreren Bereichen:

  • körperlich: Schwäche, trockene Schleimhäute, vor allem in Mund, Nase und Augen, eine trockene Haut, eine trockene Zunge
  • kognitiv: Der Mensch hat kein Durstgefühl, er vergisst zu trinken oder vermeidet es.
  • kommunikativ: Sein Bedürfnis zu trinken kann er nicht äußern.
  • finanziell: Das Geld reicht nicht für die nötigen Getränke. Oder es reicht nicht für jemanden, der sie einkauft.
  • edukativ: Der Mensch oder seine Familie weiß nicht, wie wichtig der Ausgleich des Gesamtwasserhaushalts ist. Oder sie wissen nicht, mit welchen Getränken sich der Bedarf decken lässt.
  • strukturell: (Gesunde) Getränkeläden sind zu Fuß nicht erreichbar. Oder die Gemeinde hat keinen oder nur einen unzuverlässigen Zugang zu Trinkwasser.

Ältere Menschen überschätzen ihre tägliche Trinkmenge in der Regel um 10–15 %. Signalfragen helfen, das Risiko zu erfassen, zum Beispiel:

  • „Schwitzen Sie mehr, als Sie trinken?“
  • „Was trinken Sie über den Tag?“
  • „Reicht Ihre Trinkmenge, damit Ihr Stuhlgang klappt?“

Vertiefte Fragen betreffen Medikamente, Alltag und Umwelt, zum Beispiel:

  • „Haben Sie Zugang zu Trinkwasser?“
  • „Erinnert Sie jemand ans Trinken?“
  • „Können Sie nachts im Kühlen schlafen?“

Bei älteren Menschen sollte eine Dehydratation über die direkt gemessene Serumosmolalität im Labor festgestellt werden.

قاعدة عملية

Hautturgor, Mundtrockenheit, Gewichtsveränderung und Urinfarbe darfst du bei älteren Menschen nicht zur Beurteilung des Flüssigkeitsstatus verwenden. Alle älteren Menschen gelten als gefährdet. Achte auf die Trinkmenge, und denke bei plötzlicher Verwirrtheit an einen Flüssigkeitsmangel (Exsikkose).

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Essen anbieten

Mittag auf der Station. Du verteilst die Tabletts. Eines trägt den Namen von Frau T. Sie soll heute aber nüchtern bleiben, weil am Nachmittag eine Untersuchung ansteht.

Wünsche und Vorlieben des Menschen werden beachtet, soweit es medizinisch möglich ist. Grundsätzlich gilt:

  • eine ausgewogene Ernährung anbieten, angepasst an die Lebensphase
  • besondere Ernährungsformen wie vegetarisch oder vegan, Unverträglichkeiten und Allergien beachten
  • kulturelle oder religiöse Anforderungen beachten, zum Beispiel kein Schweinefleisch
  • bei bestimmten medizinischen Zuständen eine spezielle Ernährungstherapie umsetzen, zum Beispiel eine besondere Diät, Flüssigkeitsbeschränkungen oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel
  • bei Bedarf den Ernährungszustand erheben und überwachen
  • den Unterstützungsbedarf ermitteln

Auswählen: Nach Möglichkeit wählt der Mensch seine Speisen immer selbst aus. Das stärkt sein Gefühl von Eigenständigkeit. Auch Menschen mit Demenz können oft noch wählen, wenn du ihnen die Speisen zeigst. Wenn er krankheitsbedingt nicht selbst auswählen kann, unterstützt du ihn. Du achtest auf Vorlieben und fragst nach Abneigungen. Wenn er keine Auskunft geben kann, können Bezugspersonen helfen. Bei der Auswahl helfen Fragen: Was möchte der Mensch essen, und worauf hat er Appetit? Welche gesundheitlichen Einschränkungen beeinflussen die Auswahl? Welche kulturellen oder religiösen Vorlieben hat er? Wenn er wenig oder keinen Appetit hat, sollte sich das Angebot an Speisen nach seinen Wünschen richten und flexibel bleiben. Für die Auswahl gibt es die EDEKA-Regel:

  • Empfindlichkeiten und Unverträglichkeiten, zum Beispiel Laktoseintoleranz
  • Diätetische Kost, zum Beispiel fettarm oder natriumarm
  • Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme, zum Beispiel eine fehlende oder unpassende Zahnprothese, eine Dysphagie, Kieferoperationen oder Operationen im Hals- und Rachenbereich
  • Krankheitsbedingte Kost, zum Beispiel ein erhöhter Energiebedarf bei Fieber, ballaststoffarme Kost nach Darmoperationen oder säurearme Kost bei Sodbrennen
  • Allergien

Eine Diät ist eine Kostform mit bestimmten Zielen und Schwerpunkten. Sie betreffen die Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel, den Energiegehalt und die Zusammensetzung der Nährstoffe. Heute werden standardisierte Diäten nur noch selten verordnet. Im Vordergrund stehen die Erkrankung des Menschen und seine persönlichen Bedürfnisse. Für die Kost gilt generell: Erlaubt ist alles, was der Mensch verträgt. Das heißt Wunschkost. Angepasst wird sie, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt, wenn bestimmte Nährstoffe Unverträglichkeiten oder Allergien auslösen oder wenn das Gewicht angepasst werden muss. Bei ernährungsbedingten Einschränkungen berät eine Diätassistentin. Die Pflege unterstützt den Menschen, während er die Diät lernt. Bei Schluckstörungen brauchen die Speisen eine möglichst einheitliche Konsistenz. Sonst verschluckt sich der Mensch leichter. Nur selten braucht es mehr als eine Vollkost oder eine angepasste Vollkost. Beispiele sind eine angepasste Eiweißzufuhr bei Leberzirrhose oder bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz eine Flüssigkeitsrestriktion. Für besondere Anforderungen gibt es zum Beispiel:

  • eine energiedefinierte Kost, etwa bei Adipositas
  • eine besondere Verpflegung bei Mangelernährung, etwa bei Demenz oder einer malignen Erkrankung
  • spezielle Kostformen bei Kau- oder Schluckstörungen
  • weitere diätetische Kostformen, etwa glutenfreie Kost bei Zöliakie oder ballaststoffreduzierte Kost bei Stenosen im Darm

„Aufbaukost“ heißt nicht überall dasselbe. Auf einer chirurgischen Station ist damit eine Kost für operierte Menschen gemeint: die leichte Vollkost, früher Schonkost genannt. Sie gewöhnt Magen und Darm nach einem Eingriff wieder an die Nahrung, damit zum Beispiel Anastomosen aus der Operation ungestört heilen. In der Onkologie meint „Aufbaukost“ meist eine hochkalorische Ernährung. Sie soll Menschen mit Kachexie oder Appetitlosigkeit nach einer Therapie körperlich „aufbauen“.

Verteilen: Bevor ein Mensch sein Essen bekommt, kontrollierst du:

  • Richtige Person?
  • Richtiges Essen?
  • Richtiger Zeitpunkt? Kommt noch eine Untersuchung, oder muss er nach einer Untersuchung oder Operation nüchtern bleiben?

Beim Servieren sprichst du ihn mit Namen an und nennst die Speise. So kann er dich direkt auf Fehler hinweisen. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder Seheinschränkung weist du auf die Temperatur der Speisen hin und kontrollierst sie. Beim Tablettsystem nimmst du die Abdeckung ab und richtest die Speisen ansprechend an. Im stationären Setting gibt es meist drei Wege, das Essen zu verteilen:

  • Tablettsystem: Auf Tabletts portioniert die Zentralküche die Mahlzeiten. So kann der Mensch überall essen, und die Tabletts lassen sich individuell bestücken.
  • Tischgemeinschaften: Die Speisen stehen in einem Speiseraum auf den Tischen der Gruppen. Das fördert die Kommunikation. Leider sind immobile Menschen davon oft ausgeschlossen.
  • Cafeteria-Line-System: Die Menschen wählen an einer Ausgabetheke selbst und spontan, auch die Portionsgröße. Häufig gibt es das in Rehabilitationskliniken.

Gemeinsam anrichten: Kann der Mensch das Essen nicht selbst anrichten, richtest du es zusammen mit ihm an. Die Brote werden nicht vorher vor dem Zimmer fertig gemacht. Er entscheidet mit: Möchte er Butter aufs Brot, und wie viel? Wurst, Käse oder Süßes? Brotscheiben schneidest du nicht in kleine Stücke, denn die sind schwer zu greifen.

Rahmen: Die Essenszeiten sollten jeden Tag in etwa gleich sein. Das gibt dem Tag Struktur. Neugeborene und Säuglinge sind davon ausgenommen: Sie bekommen ihre Nahrung nach Bedarf (ad libitum). Viele ältere Menschen sind diese Regelmäßigkeit von früher gewohnt. Starr müssen die Zeiten trotzdem nicht sein. Mit Rücksicht auf die Schlafgewohnheiten kann das Frühstück zum Beispiel in einem größeren Zeitfenster angeboten werden. Von der letzten Mahlzeit am Abend bis zur ersten am Morgen sollten höchstens 12 Stunden vergehen. Bei Menschen mit Demenz oder Diabetes sind es höchstens 10 Stunden, zum Beispiel um Unruhezustände oder eine Unterzuckerung zu vermeiden. Visite und Untersuchungen sollten planmäßig nicht während des Essens stattfinden. Zum Essen sollte der Mensch genug Zeit und Ruhe haben. Außerhalb der Essenszeiten bekommt der Mensch auf Wunsch eine Zwischenmahlzeit, etwa Obst oder Quarkspeisen. Getränke stehen ihm ausreichend zur Verfügung, außer es liegt eine Einfuhrbeschränkung vor, zum Beispiel bei Nieren- oder Herzinsuffizienz.

Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen wie einer Schluckstörung sollen beim Essen vor den Blicken und Kommentaren anderer geschützt sein. Sonst meiden sie das Essen vielleicht aus Scham.

Abräumen: Bei Bedarf beobachtest und dokumentierst du, ob der Mensch gegessen hat und wie viel. Dafür eignet sich ein Essprotokoll. Isst er wenig oder nichts, werden die Hintergründe erfragt, und es wird zeitnah eine Lösung gefunden.

Hygiene: Bist du an der Zubereitung beteiligt, wäschst du vorher und nachher gründlich die Hände. Du hältst die Kühlkette ein und lagerst rohes Fleisch getrennt. Lebensmittel garst du ausreichend durch, als Faustregel 70 °C für 2 Minuten. Schneidebretter aus Holz verwendest du nicht, weil sie sich nicht gründlich genug reinigen lassen. Wenn ein offenes Lebensmittel auf den Boden gefallen ist, wird es nicht mehr verwendet. Zusätzlich zur Standardhygiene gilt Folgendes. Wenn du rohe Eier, rohes Fleisch, Geflügel oder Fisch berührt hast, wäschst du die Hände besonders gründlich. Obst und Gemüse unter laufendem Wasser waschen. Nur unverdorbene Lebensmittel verarbeiten. Küchenutensilien mit Spülmittel und heißem Wasser reinigen. Geschirrtücher und Spüllappen regelmäßig austauschen. Bei immunsupprimierten Menschen gelten weitere Besonderheiten, um sie vor Infektionen zu schützen.

Für den Menschen ist das Essen im Krankenhaus oder Heim eine Umstellung: Essenszeiten und Zubereitung entsprechen vielleicht nicht seinen Gewohnheiten. Tischnachbarn, Umgebung und vielleicht die Haltung im Bett sind fremd. Das schränkt seine Selbstbestimmung ein.

قاعدة عملية

Vor dem Servieren prüfst du: Stimmt die Person, stimmt das Essen, stimmt der Zeitpunkt? Der Mensch wählt sein Essen möglichst selbst, und angerichtet wird zusammen mit ihm.

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Position zum Essen

Frau L. sitzt zum Frühstück an der Bettkante. Nach ein paar Minuten krümmt sich ihr Rücken, und ihr Oberkörper fällt nach vorn.

Zum Essen und Trinken setzt sich jeder gesunde Mensch hin. Eine aufrechte Haltung unterstützt den physiologischen Weg der Nahrung durch die Speiseröhre und verhindert ein Verschlucken. Im Bett fällt aufrechtes Sitzen viel schwerer als auf einem Stuhl oder Sessel. Schon deshalb sollten alle Menschen zum Essen das Bett verlassen, wenn keine Bettruhe angeordnet ist.

Grundsätze:

  • Unterstütze den Menschen nur so weit, wie er es braucht.
  • Sag dem Menschen, was du vorhast.
  • Die Position bleibt stabil, durch den Menschen selbst oder mit Hilfsmitteln.
  • Den Tisch oder Nachttisch vorher wischdesinfizieren.
  • Das Essen so hinstellen, dass er es gut sieht und gut herankommt.
  • Danach dokumentieren: Menge, Vorlieben, Essverhalten, Besonderheiten.

Am Tisch: Entferne Stolperfallen auf dem Weg zum Tisch und stelle bei Bedarf Hilfsmittel wie Rollstuhl oder Gehwagen bereit. Die Beine stehen fest auf dem Boden, in einem Winkel von 90°. Das Gesäß sitzt tief im Stuhl, und der Rücken liegt ganz an der Lehne. Der Tisch hat die passende Höhe, sodass er die Arme aufstützen kann. Bevor du das Zimmer verlässt, legst du die Klingel in Reichweite. Sag ihm, dass er sich bei Unwohlsein melden soll.

An der Bettkante: Hier sitzt ein Mensch nur, wenn seine Rumpfmuskulatur ausreichend stabil ist. Eine schwache Rumpfmuskulatur erkennst du daran, dass der Mensch den Rücken stark krümmt und mit dem Rumpf nach vorn fällt. Dann arbeitest du unbedingt mit Sitzwürfeln: einer im Rücken, zwei als Armlehnen. Die Füße haben vollständig Kontakt mit dem Boden. Biete regelmäßig Getränke an, damit er ausreichend Flüssigkeit aufnimmt. Hilf ihm bei Bedarf bei der Mundhygiene. Manche Menschen sind kognitiv beeinträchtigt oder stark bewegungseingeschränkt, zum Beispiel mit fehlender Rumpfkontrolle oder Hemiplegie. Bei ihnen darfst du aus Sicherheitsgründen nicht aus dem Zimmer gehen. Geht das nicht, isst der Mensch sitzend im Bett.

Sitzend im Bett: Hilf ihm zuerst, sich kopfwärts zu bewegen. Bring das Bett in eine aufrechte Sitzposition von etwa 70°. Das senkt das Risiko einer Aspiration und erleichtert die Verdauung. Der Oberkörper knickt im Hüftbereich ab, nicht in Höhe der Brust. Das Hauptgewicht liegt auf den Sitzbeinhöckern und dem Steißbein, nicht auf der Sakralgegend. Ein abgesenktes Fußteil oder ein Kissen unter den Knien unterstützt die Position. Den „Knieknick“ mit abgesenktem Fußteil stellst du ein, wenn es möglich ist: Er kommt dem Sitzen näher und ist angenehmer. Ein Kissen an den Füßen gibt Halt, damit er nicht herunterrutscht. Bei Bedarf nutzt du Lagerungshilfsmittel, damit er stabil und sicher sitzt. Rutscht er herunter, kann ein zusammengerolltes Handtuch um das Gesäß als „Rutschbremse“ dienen. Der Kopf ist leicht nach vorn geneigt.

Liegend: Muss ein Mensch im Liegen essen, ist es auf der linken Seite meist angenehmer. Dort liegt der Magenkorpus. So hat die Speise im Magen Platz, in seiner großen Kurvatur, und drückt nicht auf den unteren Ösophagussphinkter. Deshalb wird dem Menschen seltener übel. Denk an die Händigkeit: Auf der linken Seite kann er fast nur mit der rechten Hand greifen. Für Linkshänder oder Menschen, die rechts bewegungseingeschränkt sind, kann das schwierig werden. Wenn eine strikt flache Lage verordnet ist, etwa bei einer Wirbelsäulenverletzung, isst er in Seitenlage.

Nach dem Essen bleibt der Oberkörper zur Aspirationsprophylaxe noch etwa 30 Minuten erhöht. Das schützt auch vor einem Reflux. Wenn der Oberkörper länger als 30 Minuten hoch bleibt, steigen auf Sitzbeinen und Steiß die Spitzendrücke. Zur Dekubitusprophylaxe braucht es dann Mikrolagerungen.

Nie in Rückenlage

Auf keinen Fall isst oder trinkt ein Mensch auf dem Rücken liegend. Die Aspirationsgefahr ist dabei viel zu hoch.

قاعدة عملية

Zum Essen sitzt der Mensch so aufrecht wie möglich, am besten am Tisch, im Bett mit etwa 70°. An die Bettkante sollte nur, wer eine ausreichend stabile Rumpfmuskulatur hat. In Rückenlage wird nie gegessen. Danach bleibt der Oberkörper noch etwa 30 Minuten erhöht.

معرفة تمريضية

Essen anreichen

Herr K. hatte eine Sepsis. Seine Hände sind so schwer und geschwollen, dass er sie allein nicht anheben kann. Essen möchte er trotzdem selbst.

Braucht ein Mensch Unterstützung beim Essen, ist diese Zeit oft auch Zeit für Kommunikation, nicht nur für die Nahrungsaufnahme. Wie lange das Essen dauert, richtet sich immer nach ihm.

Unterstützungsbedarf erkennen: Hinweise bekommst du aus Gesprächen mit ihm oder seinen Bezugspersonen, aus der Beobachtung beim Essen und aus der Patientenakte, etwa einer Diagnose wie Schluckstörung. Der Hilfebedarf lässt sich in Stufen einteilen:

  • vollständig selbstständig: richtet sein Essen allein an und beschafft es selbst
  • selbstständig: braucht Hilfe beim Beschaffen oder Anrichten, kann zum Beispiel nicht allein zur Cafeteria gehen
  • eingeschränkt selbstständig: braucht Hilfe bei der Vorbereitung, zum Beispiel beim Brotschmieren oder Fleischschneiden
  • selbstständig mit Hilfe: braucht Besteck oder Wasserglas angereicht, Essen und Trinken selbst sind kein Problem
  • hoher Hilfebedarf: kann das Essen nicht mundgerecht verarbeiten, zum Beispiel nicht vom Brot abbeißen oder das Glas zum Mund führen; das Schlucken bereitet kaum oder gar keine Probleme
  • sehr hoher Hilfebedarf: kann auch mit Unterstützung keine Nahrung aufnehmen; die Ernährung lässt sich nur über eine Magensonde, eine PEG oder parenteral sichern

Ergebnisse und jede Änderung werden dokumentiert und im Team weitergegeben.

Aktivierend unterstützen: Auch hier gilt: Unterstütze nur so weit, wie der Mensch es braucht. Du unterstützt den Menschen in seinen Bewegungen, statt sie ihm abzunehmen. Ein Beispiel: Du legst eine Hand unter sein Handgelenk und eine unter seinen Ellenbogen. Die Gelenke umfasst du nicht, sondern du führst und stützt nur. So bestimmt er das Tempo selbst und gibt das Gewicht seiner Hand an dich ab. Wenn er den Löffelstiel nicht greifen kann, verdickst du den Griff, zum Beispiel mit einem darumgewickelten Waschlappen. Den fixierst du mit einem Pflasterstreifen. So kann er leichter greifen. Auch eine verbale und anbahnende Anleitung fördert die Eigenaktivität: Du gibst ihm den Löffel in die Hand und führst ihn gemeinsam mit ihm zum Mund. Erst wenn er die Nahrung nicht selbst zum Mund führen kann, übernimmst du das, in angepasster Geschwindigkeit.

So reichst du Essen an:

  • Das Anreichen soll so natürlich wie möglich sein. Berücksichtige die individuelle Situation: Allergien und Unverträglichkeiten, Ernährungsform, Nährstoffbedarf, Portionsgröße und Häufigkeit.
  • Berücksichtige den medizinischen Zustand, zum Beispiel einen angeordneten Kostaufbau oder Zwischenmahlzeiten bei Diabetes. Bei einer Schluckstörung legt die Logopädie die Konsistenz fest.
  • Alle, die Mahlzeiten zubereiten oder bringen, beachten die Hygienestandards: Händehygiene, Schutzkleidung und Umgebungshygiene.
  • Leg die Hilfsmittel bereit: Zahnprothese, Brille, Hörgerät, eventuell spezielles Besteck.
  • Biete an, vorher die Hände zu waschen und eventuell den Mund zu spülen. Sorge für eine ruhige Atmosphäre, und plane genug Zeit ein. Wenn nötig, lüftest du vor und nach dem Essen kurz, damit unangenehme Gerüche verschwinden.
  • Unterstütze ihn dabei, aufrecht zu sitzen (Aspirationsprophylaxe).
  • Setz dich neben ihn, auf gleicher Höhe, damit du nicht auf ihn herabsiehst. Der Teller steht in seinem Blickfeld. Er sollte Blickkontakt zur Mahlzeit und zu dir haben. Das fördert die soziale Interaktion und sein Wohlbefinden. Besprecht gemeinsam, womit er anfangen möchte und was er vielleicht gar nicht essen will.
  • Lass ihn die Temperatur der Speisen prüfen, und sei vorsichtig bei heißen Speisen. Wenn er das nicht selbst kann, unterstützt du ihn dabei.
  • Führe das Besteck von vorn unten an den Mund, und nimm das Besteck, das er gewohnt ist. Speisen, die sonst mit der Hand gegessen werden, wie Brot, reichst du mit der Gabel an. Nur wenn es anders nicht geht, nimmst du einen kleineren Löffel. Das sollte die Ausnahme sein.
  • Er bestimmt Geschwindigkeit und Reihenfolge. Gib ihm Zeit zum Kauen und Schlucken. Reich erst nach, wenn sein Mund vollständig leer ist, vor allem wenn du zwischendurch Getränke anbietest. Hilfreich kann ein vereinbartes Zeichen sein, mit dem er zeigt: Ich habe geschluckt und bin bereit für den nächsten Bissen.
  • Mische unterschiedliche Konsistenzen nicht (Aspirationsgefahr).
  • Wenn er müde wird, legst du eine Pause ein. Dränge ihn nie.
  • Danach fragst du nach seinem Wohlbefinden, lässt ihn den Mund ausspülen und reinigst eventuell die Prothese. Zur Aspirationsprophylaxe bleibt der Oberkörper noch etwa 30 Minuten erhöht. Die Klingel liegt in Reichweite, und du bietest ein Getränk an.
  • Leite Angehörige an und beziehe sie ein.

Würde wahren: Du bietest eine Serviette an, kein „Lätzchen“. Das Wort „Füttern“ vermeidest du bewusst. Es wird nur für Säuglinge und Tiere verwendet. Veränderte Tischmanieren akzeptierst du. Essplatz vorbereiten: Richte die Speisen so an, dass der Mensch möglichst selbstständig essen kann. Achte auf die passende Tischhöhe: Er kann die Arme aufstützen und hat einen guten Überblick. Am Nachtkästchen stellst du den Ausziehtisch auf die richtige Höhe. Glas und Messer stehen bei Rechtshändern rechts, bei Linkshändern links. Damit nichts umfällt, steht hohes Geschirr hinten und niedriges vorn. Wenn nötig, hilfst du beim Fleischschneiden, beim Brotrichten oder beim Öffnen von Marmeladendöschen. Ess- und Trinkhilfen wählst du nach seinem Wunsch und seinen Ressourcen aus, zum Beispiel:

  • Teller mit erhöhtem Rand oder Telleraufsatz: Speisen werden nicht über den Rand geschoben.
  • Einhandbesteck oder Besteckhalter: Er kann mit einer Hand essen.
  • Klammergabel: Am Tellerrand befestigt, hält sie das Schneidegut fest, zum Beispiel die Wurst.
  • Eierbecher mit Saugfuß und Anti-Rutschmatte: Becher und Teller rutschen nicht weg.
  • Schneidehilfen: Er kann zum Beispiel Brot mit einer Hand schneiden.

Atmosphäre: Rituale wie ein Lied, ein Gebet, ein Gedicht oder sich die Hände reichen geben Kindern wie alten Menschen Orientierung. Sie schaffen ein Gefühl von Gemeinschaft und Sicherheit. Ein schön gedeckter, übersichtlicher Tisch gefällt auch kranken, alten und pflegebedürftigen Menschen. Dazu gehören Tischdecke, Servietten und vollständiges Besteck. Das eigene Frühstücksbrett oder die Lieblingstasse geben Individualität und Sicherheit. Selbstverständlich sollte Porzellangeschirr sein. Unappetitlich sind zum Beispiel ein verschmutzter Tisch, nasse Servietten oder übergelaufene Suppen. Achte auf Sitzmöbel, die bequem und sicher sind, und auf genug Platz für Rollstühle und Gehhilfen. Die Mahlzeit soll in einer angenehmen, entspannten, wenn möglich familienähnlichen Atmosphäre stattfinden. Bei kognitiv beeinträchtigten Menschen helfen wenige, gezielte und kontrastreiche Sinnesangebote, etwa weißes Geschirr mit farbigem Rand auf einer farbigen Tischplatte. Vermeide eine Reizüberflutung: Diese Menschen lassen sich leicht ablenken und wenden sich dann vom Essen ab. Bei Demenz kann entspannende Musik positiv wirken, wenn sie leise und niederfrequent ist. Musik kann aber auch stören und ablenken. Sinne anregen:

  • Hören: Klapperndes Geschirr weckt Aufmerksamkeit und Neugier. Du sagst, was es zu essen gibt, und wünschst einen guten Appetit.
  • Sehen: Die Brille ist sauber geputzt. Die Speisekarte hat eine große Schrift und bekannte Namen für die Speisen. Püriertes Essen soll mit Farben, Soßen und Dekoration appetitlich aussehen. Teilpürierte Kost kann eine Alternative sein.
  • Riechen: Ein leckerer Duft regt den Appetit und die Bildung der Verdauungssekrete an. Geruch nach Urin und Stuhl oder abgestandene Luft verderben den Appetit.

Rolle der Pflege: Damit jeder beim Essen individuell unterstützt wird, braucht es zu den Mahlzeiten genug Personal. Das ist die Voraussetzung. Für die Mahlzeiten sind zusätzliche Pflegende sinnvoll. Auch geschulte Hilfspersonen sind möglich, angeleitet von Pflegefachpersonen.

Besondere Situationen:

  • Eingeschränktes Sehen: Kontrastreiches Geschirr hilft bei der Orientierung, zum Beispiel ein weißer Untergrund, ein blauer Becher und ein roter Teller. Berücksichtige seine Gewohnheiten, etwa wo er sein Glas hinstellt oder sein Besteck ablegt. Wichtig ist: und das Geschirr steht immer ähnlich. Die Lage der Speisen beschreibst du wie auf einem Zifferblatt, zum Beispiel: Fleisch bei 2 Uhr, Gemüse bei 6 Uhr.
  • Hemianopsie oder Neglect: Der Mensch sieht eine Hälfte des Tellers vielleicht nicht, isst nur eine Seite leer und wundert sich über die kleine Portion. Dann drehst du den Teller.
  • Kognitive Beeinträchtigung und Unruhe: Auf das Essverhalten wirken sich Unterbrechungen und Hektik ungünstig aus. Oft stellen die Menschen dann unter großer Unruhe das Essen ganz ein oder lassen sich nur schwer motivieren. Möglichst wenige verschiedene Pflegende betreuen ihn. Wer während der Mahlzeit oft aufsteht und umhergeht, isst an Essstationen (Eat by walking) oft mehr. Auch eine beruhigende Interaktion und weniger Stress und Lärm helfen. Fingerfood, lauwarm und in mundgerechten Portionen, wird meist gut angenommen. Erkennt er Speisen nicht, kann er sie durch Anfassen „begreifen“.
  • Ältere Menschen: Der Geschmackssinn lässt im Alter nach. Speisen werden deshalb kräftig gewürzt, vor allem mit Kräutern, aber nicht gesalzen.
  • Kranke Kinder: Das Kind sieht das Essen, und du sitzt auf Augenhöhe mit ihm. Wie schnell angereicht wird, bestimmt das Kind. Wisch nicht ständig Wangen oder Lippen ab, das irritiert. Die Eltern können eingebunden und angeleitet werden. Druck beim Essen kann zu Protest bis zur Verweigerung führen.

Säuglinge: Für die ersten 6–8 Monate nach der Geburt wird Stillen als optimale Ernährung empfohlen. Muttermilch (Frauenmilch) ist dann die beste Nahrung. Tee oder Wasser braucht ein voll gestilltes Kind nicht zusätzlich. Stillt eine Mutter nicht, weil sie nicht kann oder nicht möchte, gibt es industriell hergestellte Säuglingsnahrung, zum Beispiel „Pre“-Nahrung. Auch dann trinkt der Säugling meist nach Bedarf (ad libitum): Er bestimmt, wann und wie viel er trinkt. Bekommt er die Flasche, prüfst du vorher die Temperatur, indem du etwas Milch auf die Innenseite deines Unterarms tropfst. Du hältst ihn halb sitzend im Arm, sodass ihr Blickkontakt habt. Einen Säugling mit abgestützter Flasche hinzulegen, birgt ein hohes Aspirationsrisiko. Zwischendurch und am Ende der Mahlzeit gibst du ihm Gelegenheit zum Aufstoßen. Milch wird nie in einer Thermosflasche warm gehalten, weil sich Keime darin rasch vermehren. Milchreste verwirfst du nach der Mahlzeit. Leck nie den Schnuller oder Löffel des Kindes ab. Sonst kannst du den Kariesverursacher Streptococcus mutans auf das Kind übertragen.

قاعدة عملية

Beim Essenanreichen bestimmt der Mensch Tempo und Reihenfolge. Du sitzt auf gleicher Höhe, reichst erst nach, wenn sein Mund leer ist, und unterstützt nur so weit, wie er es braucht.

معرفة تمريضية

Trinken anreichen

Auf dem Nachttisch von Frau R. steht ein Schnabelbecher. Damit der Tee herauskommt, muss sie den Kopf weit in den Nacken legen.

Einen Menschen beim Trinken zu unterstützen, kann herausfordernd sein. Das gilt besonders, wenn er sich häufig verschluckt oder schlecht schlucken kann, zum Beispiel nach einem Apoplex.

Als Trinkhilfe ist der Schnabelbecher noch weit verbreitet. Er begünstigt aber ein unphysiologisches Trinkverhalten. Wer durch den „Schnabel“ trinken will, muss den Kopf nach hinten überstrecken. Das erhöht das Risiko einer Aspiration. Das Strecken des Kopfes begünstigt nämlich, dass sich der Kehldeckel öffnet. Die Flüssigkeit kann so leicht in die Luftröhre gelangen. Ungeeignet sind auch Trinkgefäße mit engem Durchmesser, weil der Kopf zum Trinken in den Nacken muss.

Besser geeignet sind:

  • ein Gefäß mit großem Durchmesser oder mit Nasenausschnitt: Damit trinkt er bei gerader Kopfhaltung.
  • Becher mit Henkeln, Griffvorrichtungen oder Rillen für einen sicheren Halt
  • ein Strohhalm: Er ist die beste Trinkhilfe, wenn der Mensch nicht gut aus einem offenen Glas trinken kann. Meist wenden ihn auch Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung sicher an.
  • ein Sicherheitstrinkbecher, der pro Schluck nur eine festgelegte Flüssigkeitsmenge abgibt

Bei einer Dysphagie empfiehlst du nicht von dir aus einen Strohhalm. Welche Trinkhilfe passt, wird mit der Logopädie abgestimmt. Menschen mit starken Schluckstörungen können flüssige Getränke oft nicht trinken, ohne sich zu verschlucken. Dann können sehr flüssige Getränke und Speisen mit speziellen Andickungsmitteln angedickt werden. Das erleichtert das Schlucken und verringert die Gefahr einer Aspiration. Ob und wie angedickt wird, sprichst du mit dem Arzt oder der Logopädie ab. Ein Trinktraining beginnt mit dickflüssigen Getränken wie Buttermilch oder Cremesuppen. Sie reizen die Gaumenbögen stärker und fließen langsamer. So kann der Mensch den Schluckvorgang besser kontrollieren. Bei ängstlichen Menschen oder bei einer erheblichen Aspirationsgefahr gibst du die Flüssigkeit mit einem getränkten Wattestäbchen oder einer Pipette. Lass ihm Zeit, dränge ihn nie, und lege Pausen ein: Das Training kostet ihn Kraft und Konzentration.

Schnabelbecher bleiben im Schrank

Verzichte auf den Schnabelbecher. Die Ausnahme: Er ist an ihn gewöhnt und verlangt ihn deshalb.

قاعدة عملية

Schnabelbecher bleiben im Schrank: Wer durch den Schnabel trinkt, überstreckt den Kopf, und Flüssigkeit gelangt leichter in die Luftröhre. Die Ausnahme: Der Mensch ist an ihn gewöhnt und verlangt ihn. Bei einer Dysphagie stimmst du Trinkhilfe und Andicken mit dem Arzt oder der Logopädie ab.

معرفة تمريضية

Dehydratationsprophylaxe

Hochsommer im Pflegeheim. Frau M. trinkt tagsüber kaum. Abends lehnt sie jedes Glas ab: „Sonst muss ich nachts wieder raus.“

Um einer Dehydratation vorzubeugen, wird der individuelle Flüssigkeitsbedarf bestimmt und eine Flüssigkeitsbilanz erhoben. Die Flüssigkeitszufuhr wird sichergestellt. In leichteren Fällen lässt sich ein Flüssigkeitsdefizit durch ausreichendes Trinken beheben. In schweren Fällen ist eine Infusionstherapie angezeigt. Welche Maßnahme passt, hängt davon ab, warum ein Mensch zu wenig trinkt:

  • Er kann nicht trinken, zum Beispiel wegen Dysphagie, Schmerzen im Mund oder Übelkeit: Zuerst werden nach ärztlicher Anordnung die Symptome gelindert, zum Beispiel mit Antiemetika oder Analgetika. Dann bietest du Getränke an, mit verträglichem Geruch und wenig Kohlensäure. Bei Dysphagie achtest du darauf, ob eingedickte Flüssigkeiten oder eine orale Nahrungskarenz angeordnet sind. Bei Diarrhö wird die Flüssigkeitszufuhr erhöht. Wenn über den Mund keine Aufnahme möglich ist, wird Flüssigkeit nach ärztlicher Anordnung auf anderem Weg zugeführt: (par-)enteral, intravenös oder subkutan. Alle Flüssigkeiten werden zu einem Tageswert addiert, ob oral, (par-)enteral, subkutan oder intravenös. Eine Laborkontrolle, zum Beispiel von Hämatokrit, Natrium und Osmolalität im Serum, gibt nur einen Hinweis auf eine Dehydratation.
  • Er will nicht trinken, zum Beispiel weil das Durstgefühl fehlt oder weil er Toilettengänge vermeiden will: Baue eine Beziehung auf, um die Hinderungsgründe herauszufinden. Kläre über die Gefahren einer geringen Trinkmenge auf und beziehe Bezugspersonen ein. Stelle morgens alle Getränke für den Tag hin, mit Deckel. Oder lass ihn die Getränkemengen aufschreiben, mit einem standardisierten Glas oder Becher. Biete Maßnahmen an, die erfolgreiche Toilettengänge unterstützen. Fordere Angehörige oder Gruppenmitglieder auf, einander zum Trinken zu animieren. Erfrage Lieblingsgetränke und stelle sie bereit, wenn der Hydratisierungsgrad adäquat ist.
  • Er vergisst zu trinken, zum Beispiel bei Verwirrtheit: Stelle Getränke bereit und fordere wiederholt zum Trinken auf. Biete Lieblingsgetränke an. Setze Trink-Partner in der Gruppe ein. Lass aus Gläsern trinken. Strohhalme oder Schnabelbecher regen kaum zum Trinken an.
  • Hitze: Sorge im Freien für kühle Plätze und eine Kopfbedeckung. Lüfte effektiv: Fenster abends auf, morgens zu. Lass Außenjalousien früh herunter. Geräte, die Hitze abgeben, wie Computer oder Fernseher, bleiben aus. Die Raumtemperatur soll 26 °C nicht übersteigen, das ist der kritische Hitzepunkt. Stelle Ventilatoren auf und biete Taschenventilatoren fürs Gesicht an. Achte auf eine ausreichende und ausgewogene Ernährung. Biete Mineralwasser mit wenig Kohlensäure an, auch als Schorle, und bei starker Hitze ein elektrolythaltiges Getränk. Achte auf luftige Kleidung und dünnere Decken. Kühle die Haut mit feuchten Waschlappen, etwa auf der Stirn. Bei Hitze wirken manche Medikamente anders. Wenn der Blutdruck erniedrigt ist (unter 120/80 mmHg), wird mit dem Arzt über eine vorübergehend geringere Dosis von Antihypertensiva, Diuretika und Neuroleptika gesprochen. Neuroleptika erhöhen die Körpertemperatur und vermehren das Schwitzen. Ermuntere Bezugspersonen, im Wechsel jeden Tag da zu sein. Dann helfen sie beim Trinken und bieten feuchte Waschlappen an.

Beim Anbieten hilft:

  • das Getränk griffbereit hinstellen, in einem passenden Trinkgefäß, gern im gewohnten Gefäß von zu Hause
  • Gefäße nicht bis zum Rand füllen
  • keine „Flaschenbatterien“ auf den Tisch stellen, denn sie schrecken eher ab
  • regelmäßig Getränke anbieten und beim Trinken Zeit lassen
  • nicht zum Trinken drängen: Die Getränke können in kleinen Schlucken über eine bestimmte Zeit getrunken werden
  • Hilfsmittel zum Trinken einsetzen, die individuell ausgewählt sind
  • schwachen Menschen einen Strohhalm anbieten. Das soll den Saugreflex erhalten. Bei einer Dysphagie stimmst du die Trinkhilfe mit der Logopädie ab.
  • bei einer isotonen oder hypotonen Dehydratation eher salzhaltige Getränke wie Brühe anbieten, bei einer hypertonen Dehydratation Tee oder Wasser. Das soll den Natriumüberschuss ausgleichen.

Nicht nur Wasser hydriert. Auch Tee, Kaffee, Milch, Säfte und Suppen sind geeignet. Schwarzer oder grüner Tee und Kaffee sind in kleinen Mengen kein Problem, also 3–4 Tassen, auch mehrmals am Tag. In der Flüssigkeitsbilanz zählen sie genauso wie andere Getränke. Milch, Orangensaft und orale Rehydratationslösung (ORS) hydrieren den Körper sogar besser als Wasser. Der Grund: Laktose, Proteine und Fette in diesen Getränken verhindern, dass Flüssigkeit aus dem Körper austritt.

Manchmal wird gemeinsam mit dem Menschen ein Trinkplan erstellt. Getränke werden dann zu festgelegten Zeiten und in festgelegten Mengen angeboten. Mit dem Arzt wird festgelegt, wie viel der Mensch am Tag mindestens trinken soll. Wenn sie unterschritten wird, ist der Arzt zu informieren. Nach seiner Vorgabe wird dann eventuell eine Infusionstherapie durchgeführt. Wenn über den Mund nicht genug aufgenommen wird, ist die subkutane Infusion das Mittel der Wahl. Das gilt vor allem ambulant und in Pflegeeinrichtungen, weil intravenöse Gaben dort kaum möglich sind.

Vorsicht bei Herzinsuffizienz

Bei älteren Menschen kann mehr Flüssigkeit eine Herzschwäche entgleisen lassen, die bis dahin gerade noch kompensiert war. Achte auf die Zeichen einer Herzinsuffizienz, vor allem auf Dyspnoe (Atemnot). Ein Trinklimit bei Herz- oder Niereninsuffizienz wird erst nach Rücksprache mit dem Arzt erhöht.

Und denk an dich selbst: Trink sofort, wenn du aus der Schutzkleidung gestiegen bist und dich desinfiziert hast. So entgehst du selbst einer Dehydratation und kompensierst Hitzestress besser.

قاعدة عملية

Finde zuerst heraus, warum ein Mensch zu wenig trinkt: Kann er nicht, will er nicht, oder vergisst er es? Danach richten sich die Maßnahmen. Biete regelmäßig Lieblingsgetränke im passenden Gefäß an, ohne zu drängen.

معرفة تمريضية

Maßnahmen bei Mangelernährung

Herr P. hat seit Wochen kaum Appetit. Sein Teller kommt halb voll zurück. Die Kollegin sagt: „Lass ihn, er will halt nicht.“

Beim Säugling wie beim Erwachsenen ist die Nahrungsaufnahme über den Mund (oral) die beste Form. Es gilt: oral vor enteral vor parenteral. Der beste Weg ist der normalste. Das gilt auch für die Konsistenz. Je kleiner gehackt, püriert oder gemixt das Essen ist, desto unzureichender ist die Aufnahme von Protein und Energie. Texturveränderte Kost soll bei Kau- oder Schluckbeschwerden eingesetzt werden, zum Beispiel bei einer oropharyngealen Dysphagie. Sie wird aber nur so lange gegeben, wie diese Probleme bestehen oder nicht anders ausgeglichen werden können. Ob die Nahrung breiig bis flüssig sein muss, klärt die Pflege gemeinsam mit Logopädie, Diätassistenz und Arzt. Die Pflege berät den Menschen und seine Bezugspersonen. Themen sind gesunde Nahrungsmittel, eine angemessene Nahrungsaufnahme und das frühe Erkennen eines Mangelernährungsrisikos.

Manchmal ist absehbar, dass ein Mensch länger als 7 Tage nicht mehr als 50 % der empfohlenen Energiemenge über den Mund aufnehmen kann. Gründe können zum Beispiel eine Krankheit oder eine Operation sein. Dann muss er frühzeitig enteral ernährt werden, zeitlich begrenzt. Ermutige ihn, auch über den Mund zu essen, außer es ist kontraindiziert.

Mahlzeiten gestalten:

  • Das Essen muss dem Menschen schmecken. Art, Geschmack, Beschaffenheit und Zeitpunkt passen zu ihm, auch seine gewohnten Essenszeiten.
  • Der Zugang zum Essen ist einfach, zum Beispiel über einen Kühlschrank, durch dessen Glasfront die Snacks zu sehen sind.
  • Im Heim nehmen die Menschen ihre Mahlzeiten möglichst gemeinsam ein. Ambulant ist bei den Mahlzeiten jemand anwesend. Das wirkt vor allem bei Demenz und Depression positiv.
  • Hilfreich kann eventuell Entspannungsmusik beim Essen sein.

Im ambulanten Setting bieten sich an:

  • zum Essen animieren und für eine angenehme Essensumgebung sorgen
  • wenig und oft essen, dazu nahrhaftes Essen und Nahrungsergänzungsmittel
  • neue Lebensmittel wie Soßen oder Marinaden probieren: Ein erweiterter Geschmack hilft, den Ernährungsstatus zu halten.
  • Mahlzeiten an Ruhe- und Wachphasen und an die Lust zum Essen anpassen. Ein Beispiel: schon Herzhaftes zum Frühstück und mittags etwas Kleines, Kaltes.
  • zur wachsten Zeit des Tages kochen und, wenn nötig, portionsweise einfrieren oder über den Tag verteilt essen
  • Ideen für einfache Mahlzeiten sammeln und an Koch- und Essclubs oder anderen sozialen Gruppen teilnehmen
  • Menschen beraten und unterstützen, die beim Einkauf, bei der Zubereitung oder beim Essen unselbstständig sind. Ein Beispiel ist Essen auf Rädern.

Auch ernährungsspezifische Qualitätsverbesserungsprogramme helfen. Mit ihnen ist der Ernährungsstatus gut, wenn Menschen ins Krankenhaus gehen. Nach dem Krankenhaus helfen sie, wieder einen guten Ernährungsstatus zu erreichen.

Den Ernährungsstatus verbessern:

  • Nahrung anreichern, zum Beispiel mit Butter, Sahne, Eiern oder hochwertigen Ölen, und vollfette Milchprodukte verwenden
  • kleine Portionen und energiereiche Zwischenmahlzeiten anbieten, zum Beispiel Snacks und Fingerfood, ergänzt mit Eiweißpulver
  • orale Nahrungssupplemente (ONS) geben: Trinknahrung, die gezielt Energie, Protein und Nährstoffe liefert
  • versetzte Essenszeiten anbieten, wenn der Mensch aufmerksam, konzentriert und schmerzfrei ist
  • eine Ernährungsberatung durch die Pflege oder durch Diätassistenten organisieren
  • Kalzium geben, zum Beispiel über Milch, und Vitamin D3, zum Beispiel über fetten Fisch, Avocado oder als Kapseln

Bei älteren Menschen mit Mangelernährung wird hinterfragt, ob eine diätetische Begrenzung nötig ist, zum Beispiel bei Diabetes mellitus. Die Nahrung sollte auch bei adipösen älteren Menschen nicht begrenzt werden. Möglich ist höchstens eine moderate Beschränkung der Energiezufuhr. Empfohlen wird generell eine Ernährung, die an ältere Menschen angepasst ist. Dadurch bleiben Muskelmasse und Muskelfunktion erhalten. Körperliche Aktivität und Sport tragen ebenfalls dazu bei. Je nach Aktivität bekommt der Mensch, wenn nötig, mehr Energie und Eiweiß. Antibiotika lösen bei bis zu 25 % der Pflegeheimbewohner, die sie bekommen, Diarrhöen aus. Diese haben unter anderem eine Mangelernährung zur Folge. Probiotika, zum Beispiel Lactobacillus oder Enterococcus, reduzieren diese antibiotikaassoziierten Durchfälle. Bei größeren Operationen gehört die Ernährung perioperativ in das therapeutische Gesamtkonzept. Stressfaktoren sollten vermieden werden, damit es nicht zu Muskelabbau und Gastrointestinalstörungen kommt. Nach der OP ist der orale Kostaufbau wichtig, vor allem mit Eiweiß und Spurenelementen wie Eisen, Jod und Zink. Je früher der Mensch feste Nahrung aufnehmen kann, desto besser normalisiert sich sein Stoffwechsel.

Maßnahmen gegen einzelne Risikofaktoren:

  • Kognitive Beeinträchtigung, Überforderung, Apraxie, Kommunikationsbeeinträchtigung: Analysiere zuerst, ob der Mensch kognitiv oder kommunikativ beeinträchtigt ist. Brille, Hörgerät und Zahnprothese reinigen und auf Funktion prüfen. Wenn nötig, beim Einsetzen der Prothese helfen. Sicherstellen, dass das Wunschessen richtig verstanden wurde. Bei schwerer Aphasie (Sprachstörung) zeigst du ihm Nahrungsmittel zur Auswahl. Eine möglichst normale Essumgebung schaffen: Den Menschen möglichst zum Essen an den Tisch mobilisieren. Wenn etwas dagegen spricht, etwa ärztlich verordnete Bettruhe, eine drohende Kreislaufinstabilität oder körperliche Schwäche, sitzt er aufrecht im Bett. Das Essen auf dem Teller ansehnlich anrichten. Die Dauer des Essens an seine Konzentrationsfähigkeit anpassen. Bei schwer konzentrationsgestörten Menschen oder bei einer Apraxie (gestörte Bewegungsabläufe) kontinuierlich anwesend sein und auf einen möglichst gleichen Ablauf achten. Immer nur einen Teller hinstellen, zum Beispiel die Suppe. Ihn danach abräumen und dann den Hauptgang holen. Dabei Kontraste schaffen, etwa farbiges Geschirr auf kontrastierender Tischdecke. Biete Fingerfood oder „Eat by Walking“ an.
  • Unwissen zu bedarfsgerechtem Essen (Bildungsdefizit): Informiere ihn, welchen Energiebedarf und welche Zusammensetzung der Ernährung er in seinem Alter braucht. Dazu kommt der Energiebedarf durch weitere Faktoren wie Fieber oder Wunden. Berufsgruppenübergreifend Einzelberatung und Gruppenprogramme anbieten, mit Ernährungsberatern, Ärzten und Psychotherapeuten. Klären: Kann er kognitiv und körperlich einkaufen? Gibt es Lebensmittelläden in der Nähe? Weiß er, wie er seinen Ernährungsbedarf deckt? Hat er die finanziellen Mittel? Dann gemeinsam Lösungen finden.
  • Hemiparese mit Funktionseinschränkung von Arm und Hand: Das gilt nicht bei einer mechanischen Fixierung, zum Beispiel durch Verbände. Wenn Ressourcen erkennbar sind, den betroffenen Arm in den Ablauf einbinden. Lass ihn zum Beispiel das Brötchen oder den Teller halten. Ein Zeichen für solche Ressourcen: Der Mensch beachtet seine betroffene Seite. Den Arm möglichst so platzieren, dass der Mensch ihn sieht. Mit Ergo- und Physiotherapie zusammenarbeiten.
  • Läsionen im Mund, beeinträchtigter Zahnstatus, drückende oder lose Prothese: Den Mundinnenraum gründlich inspizieren, die Ärztin informieren und dokumentieren. Regelmäßig und vorsichtig Zähne und Zahnstifte reinigen (lassen). Den Menschen motivieren, die Zahnprothese regelmäßig zu tragen, und ihn informieren, was passiert, wenn er es nicht tut. Bei einem schon atrophierten Zahnkamm den Arzt informieren. Sprich das vorher unbedingt mit dem Menschen ab. Oft wollen oder können sich Menschen eine neue Zahnprothese oder eine Reparatur nicht leisten.
  • Mundtrockenheit und Kauschwäche: Speisen mit Kauanreiz oder „feuchte“ Speisen wie Eintöpfe anbieten. Zuckerhaltiges nur zur Hauptmahlzeit, danach den Mund mit Wasser spülen (lassen). Zu Zwischenmahlzeiten Joghurts anbieten. Die Mundhöhle mit neutralem Speiseöl benetzen und an die Soor- und Parotitisprophylaxe denken.
  • Dysphagie, Schmerzen beim Kauen und Schlucken: Die Logopädin zum Dysphagiestatus benachrichtigen. Zum Essen sitzt der Mensch aufrecht. Den Mundboden auf den Schluckakt vorbereiten und den Schluckakt manuell unterstützen. Auf eine möglichst gleichbleibende Konsistenz achten und dazu in Absprache mit der Logopädin Andickungsmittel verwenden. Schmerzmedikation initiieren, nach Arztanordnung verabreichen und den Verlauf kontrollieren. Je nach Ursache, zum Beispiel bei einem Ösophagustumor, interdisziplinär anstoßen, dass er enteral oder parenteral ernährt wird.
  • Operationen des Gastrointestinaltrakts: Informiere ihn je nach Diagnose über Besonderheiten. Ein Beispiel ist die Gastrektomie, die operative Entfernung des Magens. Danach gilt: langsam essen, viel kauen, viele kleine Mahlzeiten und wenig Flüssigkeit zur Mahlzeit. Maßnahmen einsetzen, die den Stuhlgang erhalten oder fördern, etwa Mobilisation und Flüssigkeit.
  • Geruch, Lärm, fehlende soziale Zuwendung: Für frische Luft im Esszimmer sorgen. Ausscheidungshilfsmittel wie Toilettenstuhl, Steckbecken oder kontaminierte Einlagen möglichst entfernen. Informiere Putz- und Arztpersonal über das Essen, und häng wenn nötig ein Schild „Bitte nicht stören“ auf. Während der Mahlzeiten gibt es keine Untersuchungen und keine pflegerischen Maßnahmen. Kontinuierlich anwesend sein. Die Essstimmung soll möglichst normal sein: Es essen mindestens zwei Personen gemeinsam.
  • Kulturelle oder religiöse Besonderheiten werden ignoriert: Frag nach seinen Gepflogenheiten, etwa dem Beten vor dem Essen oder dem Händewaschen unter fließendem Wasser. Handle mit den Bezugspersonen aus, wer was mitbringt. Erkläre, warum eine Nahrung kontraindiziert ist, zum Beispiel Honiggebäck bei Diabetes mellitus.
  • Appetit- und Antriebslosigkeit: Dazu zählen auch Angst vor Vergiftungen oder Allergien und ein fremdbestimmter, restriktiver Speiseplan. Auch Müdigkeit, Fatigue und Erschöpfung nach Fieber gehören dazu. Frag nach seiner Wunschkost und ermögliche sie, auch über die Bezugspersonen oder in Absprache mit dem Menschen und der Küche. Nahrungssupplemente einsetzen oder das Essen anreichern, etwa mit Butter, Eiern oder Sahne. Aromen wie Huhn-, Rind- oder Fischaroma beimischen oder Mahlzeiten in Zitronenbutter kochen. Lieblingsgetränke anbieten. Medikamente auf eine appetithemmende Wirkung prüfen und interdisziplinär abklären. Eine Beziehung aufbauen und Vertrauen schaffen. Motiviere ihn zum Essen, zum Beispiel mit einem „rollenden Buffet“ und einer ansprechenden Tischdekoration. Wenn es passt, selbst mitessen. Viele kleine Mahlzeiten anbieten. Die Nahrung soll leicht kaubar und verdaulich sein. Auf eine bequeme und aufrechte Sitzposition achten.
  • Erhöhter Energiebedarf durch Wunden: Den Energiebedarf berechnen und nach Bedarf addieren. Alternativ eine indirekte Kalorimetrie oder eine bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) durchführen. Darauf achten, dass der tägliche Bedarf an Energie, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen gedeckt wird.
  • Bettlägerigkeit: an die Prophylaxe der Bettlägerigkeit denken.
  • Ungeeignetes Ess- oder Trinkgeschirr: Tassen oder Gläser statt Schnabelbecher, denn mit Schnabelbechern besteht die Gefahr des Verschluckens. Bei eingeschränkten Händen und Armen Besteck und Tassen mit verdickten Griffen und rutschfeste Teller einsetzen.
  • Früh- und Neugeborene mit Trinkschwäche und ineffektivem Saugen: Stillberatung und Anlegehilfe anbieten. Auch alternative Fütterungsmethoden sind möglich, zum Beispiel Finger- oder Brustfeeding.

Ob die Maßnahmen wirken, wird evaluiert, zum Beispiel mit einem Sieben-Tage-Essprotokoll.

Ob ein Mensch seine Ernährungsgewohnheiten umstellt, entscheidet in erster Linie er selbst. Die Pflege berät ihn und stärkt dabei seine Eigenverantwortung.

قاعدة عملية

Oral vor enteral vor parenteral: Essen über den Mund ist der beste Weg. Bei Mangelernährung reicherst du das Essen an und bietest kleine, energiereiche Portionen und Trinknahrung (ONS) an. Du achtest darauf, dass das Essen schmeckt und gemeinsam eingenommen wird.

معرفة تمريضية

Verdauungssystem und Schluckakt

Bei jedem Bissen muss der Körper zwei Wege voneinander trennen: den Speiseweg zum Magen und den Luftweg zur Lunge.
Kopf und Hals im Längsschnitt: Mundhöhle mit Zunge, Gaumen mit Gaumensegel, Nasenhöhle, Rachen, Kehldeckel am Eingang des Kehlkopfs, darunter die Luftröhre. Hinter dem Kehlkopf geht der Rachen in die Speiseröhre über. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.12345678
  1. 1 Zunge
  2. 2 Gaumensegel
  3. 3 Rachen
  4. 4 Kehldeckel
  5. 5 Beginn der Speiseröhre, hinter dem Kehlkopf
  6. 6 Nasenhöhle
  7. 7 Kehlkopf
  8. 8 Luftröhre

Das Verdauungssystem versorgt den Körper mit Nährstoffen. Zuerst zerkleinert es die Nahrung mechanisch. Dann zerlegen Enzyme sie in ihre einzelnen Bestandteile. Diese kleinen Bausteine nimmt die Darmschleimhaut auf. Der Körper nutzt sie für den Stoffwechsel, also zur Energiegewinnung und zum Aufbau körpereigener Stoffe. Die unverdaulichen Bestandteile scheidet er mit dem Stuhl aus.

Im Prinzip sind die Organe des Verdauungssystems ein zusammenhängender Schlauch. Er beginnt an der Mundhöhle und endet am After:

  • Mundhöhle (Cavitas oris) mit Zähnen, Zunge, Gaumen (Palatum) und Speicheldrüsen
  • Speiseröhre (Ösophagus)
  • Magen (Gaster)
  • Darm (Intestinum), unterteilt in Dünndarm (Intestinum tenue) und Dickdarm (Intestinum crassum)
  • zum Dünndarm gehören Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum)
  • zum Dickdarm gehören Blinddarm (Zäkum), Grimmdarm (Kolon) und Mastdarm (Rektum). Am Blinddarm hängt der Wurmfortsatz (Appendix vermiformis).
  • Analkanal (Canalis analis)

Zum oberen Verdauungstrakt zählen Mundhöhle, Speiseröhre, Magen und Duodenum. Zum unteren zählen Jejunum, Ileum, Dickdarm, Rektum und Analkanal. Leber und Bauchspeicheldrüse bilden Verdauungssäfte und geben sie in den Dünndarm ab. Fast alle Stoffe, die der Darm aufnimmt, gelangen zuerst zur Leber.

Gesteuert wird der Schluckvorgang zum Teil willentlich, zum Teil reflektorisch:

  1. Kauen

    Willentlich kaust du den Bissen. Dabei mischt er sich mit Speichel und weicht auf. So wird er schluckfähig. Gegen den harten Gaumen drückt die Zunge die Nahrung, und sie formt den Bissen.

  2. Schluckreflex

    Die Zunge schiebt den Bissen nach hinten in den Rachen. An der Rachenhinterwand berührt er die Triggerareale und löst den Schluckreflex aus. Ab jetzt läuft der Vorgang reflektorisch.

  3. Nase verschließen

    Das Gaumensegel hebt sich. Es wird vom hinteren, weichen Gaumen (Palatum molle) gebildet. Die obere Rachenmuskulatur kontrahiert. So ist der Nasen-Rachen-Raum abgedichtet. Die Schlundschnürer kontrahieren. Das verhindert, dass Nahrung zurück in die Mundhöhle oder in die Nasenhöhle gelangt.

  4. Luftweg verschließen

    Die Mundbodenmuskulatur kontrahiert. Dadurch wandert der Kehlkopf ein wenig nach oben. Das bewirkt, dass sich der Kehldeckel auf den Kehlkopfeingang legt und ihn verschließt. Die Nahrung geht dadurch nicht in die Luftröhre, sondern in die Speiseröhre.

  5. In die Speiseröhre

    Die Zunge zieht sich nach hinten und schiebt den Bissen über den Kehldeckel. Der obere Schließmuskel der Speiseröhre öffnet sich. Die untere Rachenmuskulatur kontrahiert wellenförmig. So gelangt die Nahrung in die Speiseröhre. Sie transportiert die Nahrung weiter zum Magen. Danach schließt sich der Schließmuskel wieder, und der Kehldeckel geht in seine Ausgangsposition zurück.

Der Kehldeckel schützt die Atemwege

Der Kehldeckel steht beim Atmen aufrecht, und Luft strömt in die Luftröhre. Beim Schlucken klappt er nach hinten. Er legt sich über den Kehlkopfeingang und dichtet ihn ab. So kommen Nahrung und Flüssigkeit ausschließlich in die Speiseröhre, nicht in die unteren Atemwege.

قاعدة عملية

Beim Schlucken verschließen Gaumensegel und Kehldeckel den Luftweg: Das Gaumensegel dichtet die Nasenhöhle ab, der Kehldeckel den Kehlkopfeingang. So landet die Nahrung in der Speiseröhre, nicht in den Luftwegen.

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Dysphagie

Beim Mittagessen räuspert sich Herr S. nach jedem Löffel Suppe. Danach klingt seine Stimme gurgelnd.

Bei einer Dysphagie ist der Schluckvorgang gestört. Oft fließen unverdaute Nahrungsbestandteile in den Mund zurück (Regurgitation). Oder Nahrung gelangt beim Verschlucken in die Luftröhre (Aspiration).

Es gibt zwei Formen:

  • oropharyngeale Dysphagie: Der Transport der Nahrung vom Mund in die Speiseröhre ist gestört, zum Beispiel durch Entzündungen, Abszesse oder Tumoren im Mund-Rachen-Raum.
  • ösophageale Dysphagie: Der Transport durch die Speiseröhre ist gestört, weil sie funktionell oder mechanisch eingeengt ist. Bei Erwachsenen ist das Ösophaguskarzinom die häufigste Ursache.

Auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) können die Nervenversorgung der Muskeln stören, die am Schlucken beteiligt sind. Beispiele sind ein Schlaganfall, Multiple Sklerose, eine starke Demenz oder Morbus Parkinson. Schluckstörungen treten außerdem nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder nach längerer Beatmung auf. Weitere Ursachen sind zum Beispiel:

  • Entzündungen wie eine Angina tonsillaris, Mundbodenabszesse oder Stomatitis
  • Verletzungen, etwa Operationen oder Frakturen im Bereich von Mund, Kiefer, Zähnen und HNO
  • Entzündungen und Tumoren im Kehlkopf
  • eine geschädigte Mund- oder Ösophagusschleimhaut, etwa durch Strahlentherapie, Verätzungen oder Verbrühungen
  • ein Zenker-Divertikel, Motilitätsstörungen wie eine Achalasie und Verengungen durch einen Morbus Crohn oder eine Refluxösophagitis
  • Prozesse, die die Speiseröhre von außen einengen, etwa ein Aortenaneurysma, eine stark vergrößerte Schilddrüse oder Tumoren im Mediastinum
  • bestimmte Autoimmunerkrankungen und neuromuskuläre Erkrankungen wie Myasthenia gravis
  • eine Ösophagusatresie

Anzeichen, auf die du achtest:

  • vermehrtes Husten und Räuspern, häufiges Verschlucken, Würgen, Erstickungsanfälle nach dem Essen oder Trinken
  • aus dem Mundwinkel läuft Speichel oder Nahrung
  • Speisereste sammeln sich im Mund oder in den Wangentaschen
  • auffällige Kaubewegungen, ein verzögert wirkender Schluckreflex
  • eine gurgelnde Sprache, eine veränderte Stimme, Heiserkeit, eine Sprachstörung
  • Speisen oder Getränke „bleiben stecken“
  • eine auffällig veränderte Kopfhaltung beim Schlucken, zum Beispiel ein vorgebeugter Kopf
  • Nahrungsverweigerung, kleinere Ess- und Trinkmengen, ungewollter Gewichtsverlust
  • eine chronische Bronchitis oder Pneumonie
  • Der Schluckakt lässt sich willentlich nur schwer oder gar nicht auslösen.

Auch wenn Husten und Würgen ausbleiben, kann eine Schluckstörung vorliegen.

Schnell melden, nur mit Schutzreflexen essen

Wenn ein Mensch ein oder mehrere Anzeichen einer Schluckstörung zeigt, werden so schnell wie möglich eine Logopädin und die Ärztin informiert. Essen und trinken darf er nur, wenn seine Schutzreflexe, also Husten- und Schluckreflex, intakt sind. Sonst droht eine Aspiration, im Extremfall der Erstickungstod.

Folgen: Nahrung oder Speichel kann in die Luftröhre gelangen. Daraus kann sich eine Aspirationspneumonie (Lungenentzündung) entwickeln, und es besteht Erstickungsgefahr. Besonders gefährlich ist die „silent aspiration“, die stille Aspiration: Der Mensch aspiriert ohne Husten, Atemnot oder andere Anzeichen, weil sein Hustenreflex fehlt. Weitere Folgen sind Gewichtsabnahme und Dehydratation, Nahrungsverweigerung, weil der Mensch Angst hat, sich zu verschlucken, sozialer Rückzug und psychische Belastung.

Aspirationsscreening: Bei neurologischen Patienten sollte ein standardisiertes Aspirationsscreening durchgeführt werden. Wenn sie wegen einer akuten neurologischen Erkrankung stationär aufgenommen werden, sollte es so schnell wie möglich geschehen. Das gilt auch bei einer akuten Exazerbation, also Verschlechterung, einer bestehenden neurologischen Grunderkrankung. Dafür gibt es Wasser-Schluck-Tests und Mehr-Konsistenzen-Tests. Die Verfahren sind so angelegt, dass nach einer Schulung verschiedene Berufsgruppen sie durchführen können, auch ohne besondere Vorbildung. In einer Studie senkte ein Screening, das die Pflege durchführte, die Pneumonierate nach Schlaganfall um mehr als 50 %. Ein unauffälliges Screening schließt eine Schluckstörung aber nicht aus. Wenn es weitere Hinweise gibt, folgt trotzdem eine weiterführende Untersuchung. Solche Hinweise sind etwa eine ausgeprägte Dysarthrie oder Aphasie oder eine deutliche faziale Parese (Fazialisparese). Die Pulsoxymetrie soll für das Aspirationsscreening nicht verwendet werden.

قاعدة عملية

Husten, Räuspern, eine gurgelnde Stimme oder Speisereste im Mund nach dem Essen können eine Schluckstörung anzeigen. Dann werden schnellstmöglich Ärztin und Logopädin informiert. Fehlender Husten heißt nicht, dass alles in Ordnung ist: Es gibt die stille Aspiration.

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Aspiration

Herr A. hustet beim Essen plötzlich heftig. Dann kommt kein Ton mehr aus ihm heraus. Er deutet auf seinen Hals.

Bei einer Aspiration gelangen Fremdkörper, Nahrung oder Flüssigkeit über die Trachea in die Lunge. Bei einer Penetration dringen sie in den Kehlkopf ein, bleiben aber oberhalb der Stimmbänder.

Gefährdet sind vor allem:

  • alle Menschen mit einer Schluckstörung
  • körperlich geschwächte Menschen und Menschen mit eingeschränktem Bewusstsein
  • Menschen, die intubiert waren oder länger nichts gegessen haben
  • Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Myasthenia gravis
  • desorientierte, alte Menschen
  • Menschen, die oft erbrechen; auch bei Regurgitation besteht Aspirationsgefahr. Regurgitation heißt: Magensaft strömt in die Mundhöhle zurück.
  • Menschen, deren Mageneingang nicht verschließt oder deren Magen überfüllt ist
  • Menschen ohne Hustenreflex
  • Frühgeborene

Die Aspirationsgefahr wird oft unterschätzt. Wer zu früh wieder isst, dem drohen Ersticken und Aspirationspneumonie als lebensbedrohliche Folgen.

Folgen: Wenn der Hustenreflex erhalten ist, lösen Fremdkörper in den Atemwegen Husten aus. Wenn das Aushusten nicht gelingt, kann ein größerer Fremdkörper die Luftröhre verlegen. Der Mensch bekommt keine Luft, es droht Ersticken. Wenn kleinere Teile bis in die Lunge gelangen, wird das Gewebe dort geschädigt. Es reagiert mit einer Entzündung: einer Aspirationspneumonie. Sie kann bei alten und kranken Menschen schwer verlaufen und endet oft tödlich. Besonders gefährlich ist aspiriertes Erbrochenes. Verdauungsenzyme und Magensäure greifen die Bronchialschleimhaut stark an. Bei einer stillen Aspiration gelangt zum Beispiel Magensekret im Schlaf in die Atemwege, ohne dass es auffällt. Ein anderes Beispiel ist Speichel bei der Narkoseeinleitung oder -ausleitung. Für nosokomiale und ventilatorassoziierte Pneumonien ist die Aspiration ein zentraler Risikofaktor. Wegen der Gefahr einer Aspirationspneumonie kann der Arzt nach einer Fremdkörperaspiration eine Antibiotikatherapie verordnen. Nach einer unerkannten Fremdkörperaspiration können chronisch rezidivierende Pneumonien oder Bronchiektasen entstehen.

Aspirationsprophylaxe heißt: Maßnahmen, die verhindern, dass Nahrung oder andere Fremdkörper in die Luftröhre (Trachea) eindringen.

  • Essen und Trinken immer in sitzender Position, mit erhöhtem Oberkörper. Nach dem Essen bleibt der Oberkörper noch etwa 30 Minuten erhöht.
  • beim Essen und Trinken anwesend sein, den Menschen nicht allein lassen und ihn bei Bedarf anleiten
  • in Ruhe essen lassen, genug Zeit geben, nicht drängen
  • Speisen und Getränke individuell passend auswählen, trockene Speisen vermeiden
  • Mundhygiene vor dem Essen, damit die Mundschleimhaut feucht ist, und danach, um Essensreste zu entfernen
  • ein Absauggerät bereithalten: Vor dem Essen entfernst du damit Sekret aus dem Mund, nach dem Essen eventuell Speisereste. Das soll eine nachträgliche Aspiration verhindern.
  • Säuglinge lässt du in aufrechter Haltung aufstoßen. Das soll eine Aspiration von Nahrung vermeiden.

Die orale Ernährung hält der Mensch so lange wie möglich aufrecht oder beginnt sie so früh wie möglich wieder. Wer oral isst, ist in der Regel wacher. Bei Dysphagie mit Aspirationsrisiko wird abgewogen, ob die orale Ernährung eingestellt wird, dann für möglichst kurze Zeit. Manchmal ist eine strikt flache Lage ärztlich verordnet, zum Beispiel bei Wirbelsäulenverletzungen. Dann isst der Mensch in Seitenlage. Für ältere Menschen im Krankenhaus werden drei Kernelemente empfohlen, vor allem bei Schlaganfall oder nach Operationen. Das sind regelmäßige Mundpflege, Medikamente und Schlucktraining. Die Medikamente sind Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker. Zusammen führen sie zu einer gesünderen Mundflora, zu weniger Aspiration und zu deutlich weniger nosokomialen Pneumonien.

Wenn ein Erwachsener erstickt, gehst du so vor:

  1. Erkennen

    Verdacht auf Ersticken besteht, wenn ein Mensch plötzlich nicht mehr sprechen kann, vor allem beim Essen. Frag ihn: „Ersticken Sie?“ Weitere Zeichen sind Stridor, Zyanose und Unruhe oder Panik. Oft kann sich der Mensch aber mitteilen, zum Beispiel, indem er auf den Hals deutet.

  2. Husten

    Ermutige ihn zu husten.

  3. Rückenschläge

    Wenn er nicht husten kann oder der Husten nichts bringt, gibst du bis zu 5 dosierte Rückenschläge. Dabei ist er nach vorn gebeugt, und du schlägst zwischen die Schulterblätter.

  4. Bauchstöße

    Wenn die Rückenschläge ohne Wirkung bleiben, gibst du bis zu 5 Bauchstöße (Heimlich-Manöver). Dafür umfasst du ihn mit beiden Armen von hinten, unterhalb des Brustbeins auf Höhe des Magens. Dann drückst du ihn ruckartig gegen deinen Körper. Wenn die Verlegung danach nicht gelöst ist, wechselst du zwischen 5 Rückenschlägen und 5 Bauchstößen. Das machst du, bis die Verlegung gelöst ist oder der Mensch nicht mehr reagiert.

  5. Notruf und Reanimation

    Setz den Notruf ab. Wenn der Mensch nicht mehr reagiert, beginnst du mit der Reanimation.

Nie blind mit den Fingern suchen

Such nie blind mit den Fingern nach dem Fremdkörper, es besteht Verletzungsgefahr. Wenn du den Fremdkörper im Rachen siehst, darfst du versuchen, ihn mit der Hand oder einer Magill-Zange zu entfernen.

Nach jeder Aspiration wird der Arzt informiert. Nach Bauchstößen oder Thoraxkompressionen soll der Mensch ärztlich untersucht werden, weil Komplikationen und Verletzungen auftreten können.

قاعدة عملية

Wenn ein Erwachsener erstickt: zum Husten ermutigen, dann bis zu 5 Rückenschläge, dann bis zu 5 Bauchstöße, im Wechsel. Notruf absetzen. Wenn er nicht mehr reagiert, beginnst du mit der Reanimation.

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Bei Dysphagie unterstützen

Frau O. hatte einen Schlaganfall. Die Logopädin hat für sie pürierte Kost und angedickte Getränke festgelegt. Ihre Tochter bringt ihr eine Nudelsuppe mit.

Schluckstörungen zu behandeln, ist Aufgabe der Logopädie. Die Pflege unterstützt diese Therapie und kennt deshalb die Grundlagen. Welche Konsistenz ein Mensch mit Dysphagie sicher schlucken kann, bestimmt eine Fachperson für Dysphagie. Texturmodifizierte Kost und angedickte Flüssigkeiten sollten erst nach einer individuellen Schluckuntersuchung verordnet werden.

Soweit es sicher ist, wird das Essen über den Mund gefördert. Denn es regt die Sinne an, trainiert das Schlucken, verbessert die Lebensqualität und reinigt den Mund-Rachen-Raum.

Konsistenz: Die Speisen haben eine möglichst einheitliche Konsistenz, zum Beispiel passiert, püriert, teilpüriert oder adaptiert und weich. Flüssigkeiten lassen sich meist schlechter kontrollieren als dickflüssige Speisen. Krümelige und trockene Speisen lassen sich meist schlecht schlucken. Konsistenzen werden nicht gemischt, also zum Beispiel keine Nudelsuppe und kein Joghurt mit Früchten. Säurehaltige Speisen regen außerdem die Speichelproduktion an. Durch Milch und Süßes kann sich der Mensch verschleimt fühlen. Deutlich warme oder kalte Speisen lösen den Schluckreflex leichter aus.

Konsistenzen nicht mischen

Mische keine Konsistenzen, zum Beispiel Nudelsuppe oder Joghurt mit Früchten. Uneinheitliche Konsistenzen erhöhen die Gefahr, dass sich der Mensch verschluckt (Aspirationsgefahr).

Andicken: Angedickte Flüssigkeiten senken das Aspirationsrisiko. Je dickflüssiger, desto niedriger ist das Risiko. Mit steigender Dickflüssigkeit bleiben aber eher Reste im Rachen zurück. Außerdem trinken Menschen angedickte Getränke oft schlecht, weil sich Geschmack und Durststillung verändern. Die Trinkmenge steigt durch das Andicken nicht wesentlich. Trotz angepasster Kost haben Menschen mit Dysphagie ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung, Dehydratation und Aspirationspneumonie. Sie werden deshalb auf diese Komplikationen hin überwacht. Kleine Schluck- und Bissenmengen von höchstens 5 ml haben ein niedrigeres Aspirationsrisiko als 10 ml und mehr.

Beim Essen:

  • Der Mensch sitzt aufrecht, der Kopf ist leicht nach vorn geneigt. Bei eingeschränkter Kopfkontrolle stützt du ihn mit einem Kissen, einer Handtuchdoppelrolle auf beiden Seiten oder einer Nackenrolle. Seinen Arm führst du sicher und stabil.
  • Wenn er eine Zahnprothese hat, setzt er sie ein.
  • Du vermeidest Ablenkung, etwa durch Radio, Fernsehen oder Gespräche.
  • Lass ihn die Mahlzeit sehen und riechen, das motiviert.
  • Gib kleine Portionen auf einem Plastiklöffel. Wenn möglich, führst du seine Hand zum Mund. Den Löffel führst du auf das vordere Zungendrittel. Mit dem Löffel drückst du die Zungenspitze etwas hinunter. Das soll verringern, dass die Zunge die Nahrung reflektorisch hinausdrückt.
  • Hilfsmittel wie Plastiklöffel, spezielle Tassen oder Spezialbesteck können unterstützen.
  • Lass ihn in Ruhe schlucken und nachschlucken. Gib eine neue Portion erst, wenn der Mund vollständig leer ist.
  • Nach dem Essen lässt du ihn noch etwa 20 Minuten sitzen, damit kein Reflux entsteht.
  • Nach jeder Mahlzeit folgt eine sorgfältige Mundpflege. In den Wangentaschen sammeln sich leicht Speisereste, die du entfernst.
  • Auffälligkeiten und Veränderungen dokumentierst du und besprichst sie im interprofessionellen Team, mit Logopädie und Ärzten.

Mundhygiene: Bei einer Dysphagie sollte eine gute Mundgesundheit hergestellt und eine konsequente Mundhygiene durchgeführt werden. Das senkt das Risiko einer Pneumonie. Auch ein Mensch, der nichts isst, schluckt jeden Tag mehr als 500 ml Speichel. Eine Aspirationspneumonie entsteht vermutlich vor allem durch die Bakterien im aspirierten Speichel.

Wenn Logopädie oder Pflege eine Schluckstörung vermuten, prüfen sie vor dem Essen, ob der Husten- und der Schluckreflex intakt sind. Für den Schluckreflex legst du leicht Zeige- und Ringfinger auf den Kehlkopf. Dann forderst du den Menschen zum Schlucken auf und fühlst, wie sich der Kehlkopf bewegt. Den Hustenreflex prüfst du, indem du ihn zum Husten aufforderst oder auf spontanes Husten achtest. Ein Schlucktraining beginnt erst, wenn beide Reflexe intakt sind. Dabei muss der Mensch wach und kooperativ sein. Schlucktechniken erarbeitet der Mensch mit der Logopädie. In die richtige Technik lassen sich Pflegende einweisen. Pflegende, die mit der F.O.T.T. (Facio-orale Trakt-Therapie) arbeiten, brauchen dafür eine Fort- oder Weiterbildung.

قاعدة عملية

Die Konsistenz bestimmt eine Fachperson für Dysphagie nach einer Schluckuntersuchung. Du mischst keine Konsistenzen, gibst kleine Portionen und erst dann mehr, wenn der Mund leer ist. Nach jeder Mahlzeit folgt die Mundpflege, auch in den Wangentaschen.

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Medikamente bei der Nahrungsaufnahme

Frau H. hat eine Demenz und will ihre Tabletten heute nicht nehmen. Eine Kollegin sagt: „Rühr sie doch einfach in den Joghurt.“

Medikamente werden meist zum Essen verabreicht. Dabei musst du wissen, wann und wie jede Tablette eingenommen werden darf. Wenn möglich, werden Arzneimittel oral gegeben, und flüssige Formen sind zu bevorzugen. Medikamente gibst du möglichst einzeln. Manche Medikamente werden nüchtern genommen, manche vor dem Essen, andere zu oder nach den Mahlzeiten. Manche vertragen sich nicht mit bestimmten Lebensmitteln. Einige Antibiotika, zum Beispiel Tetrazykline und Fluorchinolone, vertragen sich nicht mit Milchprodukten.

Nie heimlich ins Essen

Ohne dass der Mensch vorher informiert wird, dürfen Medikamente nie verabreicht werden, zum Beispiel versteckt im Joghurt oder Eintopf. Im juristischen Sinn ist das eine Körperverletzung. Vor allem bei kognitiv beeinträchtigten Menschen kann es zu einem Vertrauensverlust führen. Außerdem kann er sich stark verschlucken, weil er im weichen Essen nicht mit etwas Festem rechnet.

Am besten gehst du offen damit um: Du fragst den Menschen, ob er bereit ist, die Tropfen oder Tabletten einzunehmen.

Teilen und mörsern: Wenn ein Mensch große Tabletten schlecht schlucken kann, dürfen sie nur geteilt werden, wenn sie tief gekerbt sind. Außerdem muss die Apotheke bestätigen, dass sie teilbar sind. Auch der Beipackzettel gibt Auskunft. Ob Tabletten, Dragees oder Kapseln gemörsert werden dürfen, wird ebenfalls geprüft, wenn nötig mit dem Apotheker. Dragees und Kapseln mit Überzug dürfen nicht geteilt werden. Magensaftresistente und Retard-Tabletten dürfen weder geteilt noch gemörsert werden. Bei einer magensaftresistenten Tablette wird sonst der Überzug zerstört, und die Magensäure zerstört den Wirkstoff. Bei einer Retard-Tablette wird sonst schnell zu viel Wirkstoff frei, und es droht eine Überdosierung.

Bei erschwertem Schlucken hilft es manchmal, den Kopf nach vorn zu neigen. So kommen Getränk oder Nahrung nicht zu früh in den Rachen. Oft merkt der Mensch dann gar nicht, dass er die Tablette geschluckt hat. Weil diese Haltung beim Schlucken ungewohnt ist, leitest du ihn dabei an.

Ein Mensch mit vielen Erkrankungen bekommt in der Regel auch viele Medikamente. Medikamente können außerdem die Lebensmittelaufnahme beeinträchtigen. Typische Nebenwirkungen sind Appetitverlust, Mundtrockenheit, Geschmacksstörungen, Übelkeit und Durchfall. Auch der Stoffwechsel der Nährstoffe kann durch Medikamente beeinträchtigt sein. Am besten wird regelmäßig im Labor kontrolliert, ob ein Nährstoffmangel besteht. Dann kann individuell supplementiert werden. Nach einer Gastrektomie oder bei Erkrankungen der Magenschleimhaut bildet der Körper manchmal zu wenig Intrinsic Factor. Dann kann er Vitamin B12 aus der Nahrung nicht resorbieren. Vitamin B12 wird dann intramuskulär oder hoch dosiert oral substituiert.

قاعدة عملية

Medikamente werden nie heimlich ins Essen gemischt. Das ist juristisch eine Körperverletzung. Tabletten werden nur geteilt, wenn sie tief gekerbt sind und die Apotheke bestätigt, dass sie teilbar sind. Nicht geteilt werden:DrageesKapseln mit Überzugmagensaftresistente TablettenRetard-TablettenMagensaftresistente und Retard-Tabletten werden auch nicht gemörsert.

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Künstliche Ernährung

Frau K. kann nach einem Schlaganfall nicht sicher schlucken. Die Ärztin plant eine Ernährungssonde.

Wenn Essen und Trinken nicht ausreichen, kommt stufenweise künstliche Ernährung dazu:

  • Trinknahrung, also orale Nahrungssupplemente (ONS)
  • enterale Ernährung: Sondennahrung über eine Magen- oder Dünndarmsonde
  • parenterale Ernährung: Infusion von Nährstofflösungen über einen intravenösen Zugang, also am Magen-Darm-Trakt vorbei

Manche Menschen können nicht essen, zum Beispiel bei Schluckstörung, Speiseröhrenkrebs oder Bewusstlosigkeit. Andere dürfen nicht essen, zum Beispiel vor oder nach einer Operation. Wieder andere wollen nicht essen, zum Beispiel bei Nahrungsverweigerung.

Die Ernährungstherapie hat drei Ziele: Defizite in der Nahrung ausgleichen, Mangelernährung verhindern und einen ausreichenden Ernährungsstatus sicherstellen.

Wenn der Magen-Darm-Trakt funktionsfähig ist, sollte in jedem Fall enteral ernährt werden. Die Ernährung sollte so früh wie möglich wieder auf physiologischem Weg erfolgen. Enterale und parenterale Ernährung werden häufig auch kombiniert.

Sondenarten:

  • naso- oder orogastrale Sonde: wird über Nase oder Mund eingeführt und dient der kurzzeitigen Ernährung über 2–4 Wochen. Weil sie feinlumig ist, verstopft sie leichter. Bei Früh- und Neugeborenen wird sie häufig durch den Mund gelegt, damit die Nasenatmung frei bleibt.
  • naso- oder orojejunale Sonde: Ihr Ende liegt im Jejunum. Sie wird bei erhöhter Aspirationsgefahr gelegt, zum Beispiel wenn der Mageneingang nicht vollständig verschließt oder der Magen sich schlecht entleert.
  • PEG (perkutane endoskopische Gastrostomie): wird durch die Bauchdecke gelegt, ihr Ende liegt im Magen. Sie dient der langfristigen Ernährung über mehr als 4 Wochen. Wenn sie bis ins Jejunum verlängert wird, heißt sie Jet-PEG. Das ist zum Beispiel bei Bewusstseinsstörungen sinnvoll, weil dann die Aspirationsgefahr erhöht ist. In die PEG-Anlage muss der Mensch nach Aufklärung einwilligen.
  • PEJ und FKJ: Das sind die perkutane endoskopische Jejunostomie und die Feinnadelkatheter-Jejunostomie. Ihr Ende liegt im Jejunum, auch sie dienen der langfristigen Ernährung. Die FKJ wird während einer ohnehin geplanten großen Operation gelegt.
  • Gastrotube und Stomabutton: Wenn das Stoma nach etwa vier Wochen ausgeheilt ist, kann darauf umgestellt werden. Statt einer inneren Halteplatte haben sie einen Ballon. Sie sind einfacher zu pflegen, und der Mensch oder die Pflegenden können sie ohne Arzt wechseln.

Eine Sonde für die Kurzzeitanwendung darf nicht dazu dienen, über lange Zeit Sondennahrung zu geben. Aus ihr löst das Fett der Sondenkost den Weichmacher heraus. Innerhalb von etwa 24 Stunden kann sie hart werden und schmerzhafte Druckstellen verursachen, von der Nase bis zum Magen. Sonden für die Langzeitanwendung sind aus Polyurethan oder Silikonkautschuk, ohne Weichmacher. Sie bleiben deshalb flexibel und haben einen röntgendichten Streifen für die Lagekontrolle. Eine nasogastrale Sonde kann auch als Ablaufsonde (Entlastungssonde) dienen. Dann leitet sie Magensaft ab, zum Beispiel nach Magenoperationen. Als Ablaufsonde dient sie außerdem dazu:

  • Magensaft für die Diagnostik zu gewinnen
  • Magensaft oder Blut zur Entlastung abzuleiten
  • vor einer Notfallnarkose den Mageninhalt zu entfernen
  • eine Anastomose zu entlasten, zum Beispiel nach einer Magenresektion

Eine Sonde zu legen, ist grundsätzlich ärztliche Aufgabe. Häufig wird es an Pflegende delegiert, ebenso das Verabreichen der Sondenkost, die Pflege und das Entfernen der Sonde. In der Ausbildung erhebst du die Ernährungssituation von Menschen mit künstlichen Zu- und Abgangssystemen anhand von Assessmentverfahren. Pflegeinterventionen wählst du gemeinsam mit deiner Praxisanleitung aus, führst sie durch und dokumentierst sie. Dabei beziehst du den Menschen und gegebenenfalls seine Bezugspersonen ein.

Bei parenteraler Ernährung bekommt der Mensch Kohlenhydrat-, Aminosäure-, Fett- und Elektrolytlösungen in den Blutkreislauf. Oft sind sie in einem Drei-Kammer-Beutel, dem All-in-one-System (AIO), und werden kurz vor der Gabe gemischt. Medikamente sollten einer AIO-Lösung nicht zugesetzt werden. Die enterale Ernährung hat deutlich weniger Komplikationen als die parenterale.

قاعدة عملية

Wenn der Magen-Darm-Trakt funktioniert, sollte enteral ernährt werden. Eine naso- oder orogastrale Sonde dient der kurzzeitigen Ernährung über 2–4 Wochen. Eine PEG dient der langfristigen Ernährung über mehr als 4 Wochen.

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Sondennahrung verabreichen

Herr M. bekommt seit gestern Sondennahrung über eine PEG. Während der Gabe hustet er und sagt, ihm sei übel.

Applikation: Sondennahrung wird intermittierend oder kontinuierlich gegeben. Intermittierend, auch Bolusapplikation genannt, heißt: mehrmals am Tag portionsweise, mit ernährungsfreien Pausen dazwischen. Das sollte nur bei gastraler Sondenlage geschehen. Die Ernährung läuft so relativ physiologisch ab, und zwischen den Gaben kann sich der Mensch frei bewegen. Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö sind bei der Bolusgabe aber häufiger als bei kontinuierlicher Gabe. Kontinuierlich heißt: mit einer bestimmten Fließgeschwindigkeit, zum Beispiel 100 ml pro Stunde. Man nennt das auch Dauertropfapplikation. Bei allen jejunal liegenden Sonden ist sie angezeigt (indiziert), weil die Speicherfunktion des Magens fehlt. Auch bei gastraler Lage kann sie sinnvoll sein. Kleinere Portionen werden vertragen, je tiefer die Sondenspitze liegt. Die Nahrung läuft entweder über die Schwerkraft (Schwerkraftapplikation) oder über eine Ernährungspumpe. Bei der Schwerkraftapplikation regulierst du die Geschwindigkeit über die Rollklemme. Mit einer Ernährungspumpe lässt sich die Menge sehr genau regulieren. Welche Sondenkost der Mensch bekommt und wie viel, richtet sich nach seinem Nährstoff- und Energiebedarf. Standard ist hochmolekulare Sondenkost. Sie braucht eine weitgehend intakte Verdauung. Niedermolekulare Sondenkost enthält die Nährstoffe schon in resorptionsfähiger Form, zum Beispiel für Menschen mit schweren Resorptionsstörungen. Stoffwechseladaptierte Sondenkost gibt es zum Beispiel bei Diabetes oder Niereninsuffizienz. Selbst hergestellte Sondenkost ist in der Regel nicht zu empfehlen. Für die Menge wird der Energiebedarf durch die Energiedichte der Sondenkost geteilt. Beispiel: Eine Frau mit 60 kg braucht nach der Faustregel 30 kcal je kg, also 1.800 kcal am Tag. Sie bekommt 1.800 ml normokalorische Sondenkost mit 1 kcal/ml.

Bei der Sondenernährung gilt:

  • Vor jeder Nahrungsgabe wird geprüft, ob die Sonde richtig liegt, bei gastralen Sonden zum Beispiel über den pH-Wert des Magensafts mit Indikatorpapier. Bei einer PEG ist das nicht notwendig. Die Markierung auf der Sonde beachtest du immer mit. Weitere Wege sind die Magenauskultation und im Zweifel eine Röntgenkontrolle. Bei jejunal liegenden Sonden geht die Prüfung so nicht. Dann achtest du auf Zeichen, dass die Sonde verrutscht ist, zum Beispiel Regurgitation oder Erbrechen von Sondenkost. Den Arzt informierst du schon bei einem Verdacht. Eventuell wird auch das gastrale Residualvolumen (GRV) kontrolliert, also wie viel nach der Nahrungsgabe noch im Magen ist. Nach Bauchoperationen wird es alle 4–6 Stunden gemessen. Wenn es über 200 ml liegt, sollte die Nahrungsmenge reduziert werden.
  • Die Sondennahrung nimmst du rechtzeitig aus dem Kühlschrank, damit sie Raumtemperatur hat. Muttermilch oder Flaschennahrung wird erwärmt. Du informierst den Menschen über die Maßnahme und dokumentierst sie danach.
  • Der Mensch liegt in einer Oberkörperhochlage von 30°. Während der Gabe wird er beobachtet und aufgefordert, sich bei Unwohlsein zu melden.
  • Vor und nach jeder Nahrungsgabe wird die Sonde mit frischem Trinkwasser gespült, bei Erwachsenen mit 20–40 ml, damit sie nicht verstopft (Okklusion). Bei Säuglingen und Kindern sind es etwa 2–5 ml, bei Früh- und Neugeborenen etwa 0,5 ml. Auch ohne Nahrungsgabe wird die Sonde täglich gespült. Ungeeignet sind Obstsäfte, Früchtetee und schwarzer oder grüner Tee: Ihre Gerbstoffe und Fruchtsäuren können im Kontakt mit der Sondennahrung Eiweiß ausfällen und die Sonde verstopfen. Außerdem können sie das Sondenmaterial stark verfärben. Auch Kräutertee eignet sich wegen seiner ätherischen Öle nicht.
  • Danach bleibt der Oberkörper noch etwa 30 Minuten erhöht, damit kein Reflux entsteht.
  • Die Kost wird langsam aufgebaut, über mindestens 3–5 Tage, um Komplikationen wie Diarrhö zu vermeiden. Wenn gastrointestinale Beschwerden auftreten, sollte wieder die Dosierung vom Vortag gegeben werden. Das ist die Menge, die er noch ohne Beschwerden vertragen hat. Gesteigert werden Gesamtmenge und Menge pro Stunde stufenweise nach einem Kostaufbauschema. Erst wenn die vorige Menge mindestens 24 Stunden gut vertragen wurde, wird gesteigert. Flüssigkeit kann schneller gegeben werden als Sondenkost. Wenn beim Kostaufbau ein Kaloriendefizit entsteht, kann parallel parenteral ernährt werden, um es auszugleichen.
  • Hygiene, damit es zu keiner Kontamination kommt: Händewaschen und Händedesinfektion gehören dazu, ebenso der Blick auf das Haltbarkeitsdatum. Die Anschlussstellen werden nicht berührt. Angebrochene Behältnisse bleiben höchstens 24 Stunden im Kühlschrank. Sondennahrung hängt bei Raumtemperatur nicht länger als 8 Stunden. Überleitsysteme werden nach 24 Stunden gewechselt.
  • Medikamente werden getrennt von der Sondenkost gegeben, weil manche Medikamente die Sondenkost ausflocken lassen und die Sonde verstopfen können.

Auch bei Sondenernährung bleibt es Aufgabe der Pflege, das Essen und Trinken über den Mund zu unterstützen, wenn es keinen Schaden verursacht. Das Wasser in der Sondennahrung zählt in der Flüssigkeitsbilanz mit. Wie viel Wasser sie enthält, steht auf dem Etikett. Beispiel: Ein Mensch mit 75 kg braucht etwa 2.625 ml Flüssigkeit am Tag. Er bekommt 2.000 ml Sondennahrung, je 1.000 ml enthalten 830 ml Wasser. Das sind 1.660 ml. Er braucht also noch 965 ml zusätzlich, zum Beispiel ungesüßten Tee oder Mineralwasser.

Aspiration bei Sondenernährung

Eine Aspiration droht vor allem bei falscher Sondenlage oder durch einen Reflux. Wenn eine Sonde in die Luftröhre gerutscht ist, hustet der Mensch stark und wird zyanotisch. Über eine Aspiration ist in jedem Fall der Arzt zu informieren.

قاعدة عملية

Vor jeder Sondengabe wird die Lage geprüft, außer bei einer PEG. Der Oberkörper ist erhöht und bleibt danach noch etwa 30 Minuten oben. Gespült wird mit Trinkwasser, nicht mit Tee oder Saft. Husten und Zyanose bei liegender Sonde können bedeuten, dass sie in der Luftröhre liegt.

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Bei Sondenernährung beobachten

Frau T. hat seit drei Wochen eine nasogastrale Sonde. Am Naseneingang zeigt sich eine Druckstelle.

Beobachten und melden:

  • Diarrhö, abdominelle Krämpfe und Meteorismus (Blähungen). Mögliche Ursachen sind ein zu schneller Kostaufbau, die Bolusgabe, eine bakterielle Kontamination oder zu kalte Sondenkost. Weitere Ursachen sind eine Hypoalbuminämie, Ballaststoffmangel, Medikamente und eine Dysbiose. Auch eine Chemo- oder Strahlentherapie, eine intestinale Sondenlage oder die Grunderkrankung kommen in Frage. Je nach Ursache wird gegengesteuert. Beispiele sind die Dosierung vom Vortag, kontinuierliche Zufuhr statt Bolus, Sondenkost mit Raumtemperatur oder ein Wechsel von Überleitsystem und Nahrung. Auch an eine osmotische oder infektiöse Diarrhö ist zu denken.
  • Verträglichkeit, Zeichen einer Dehydratation und Ödeme. Dazu kommen Flüssigkeitsbilanz, Gewichtskontrollen, Blutzucker-Tagesprofile und Blutkontrollen. Bei Sondenkost mit niedermolekularen Kohlenhydraten ist eine Hyperglykämie möglich.
  • ausgetrocknete Schleimhäute: Weil der Mensch nichts isst und weniger Speichel bildet, können die Schleimhäute austrocknen. Sie können sich dann auch entzünden. Mund- und Nasenpflege sind wichtig, dazu Soor- und Parotitisprophylaxe. Die Nasenlöcher tupfst du täglich mit Watteträgern und warmem Wasser aus und pflegst sie mit Nasensalbe.
  • Druckstellen am Naseneingang: Die Fixierung wird täglich gewechselt und abwechselnd an verschiedenen Stellen angebracht. Die Sonde darf nicht auf die Nasenflügel drücken. Beim Pflasterwechsel hältst du sie gut fest, damit sie nicht herausrutscht. Säuglinge greifen oft in eine abstehende Sondenschlaufe. Fäustlinge verhindern, dass sie die Sonde herausziehen.
  • Pneumonie: Menschen mit transnasaler Sonde neigen zu einer Schonatmung. Deshalb ist eine Pneumonieprophylaxe sehr wichtig.
  • Wundinfektion: Bei der PEG ist sie die häufigste Komplikation. Deshalb ist ein hygienisch einwandfreier Verbandwechsel sehr wichtig. Nach der Anlage ist er in den ersten Tagen aseptisch, nach der Wundheilung alle 2–3 Tage steril. Nach 2–4 Wochen ist der Stomakanal abgeheilt, dann braucht es nicht mehr zwingend einen Verband. Zu intensive Pflege mit täglicher Desinfektion oder Salben ist nicht ratsam, weil sie Mykosen und Ekzeme begünstigt. Beim Verbandwechsel wird die PEG mobilisiert: um 360° drehen und 2–3 cm hin- und herschieben. Das verhindert, dass die innere Halteplatte in die Magenwand einwächst (Buried-bumper-Syndrom). Eine Jet-PEG wird nicht gedreht, eine FKJ nicht mobilisiert, damit sie nicht verrutschen. An der Eintrittsstelle achtest du auf Entzündungszeichen, Sekretabsonderung und Hypergranulation.
  • nach einer PEG-Anlage: Vitalzeichen, Nachblutung, Entzündungszeichen, Abwehrspannung und Schmerzen im Bauch. Nach 24 Stunden wird die äußere Halteplatte gelockert. Bei einer gastralen PEG gilt 24 Stunden Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz, ärztliche Anordnung einholen.
  • bei einer Entleerungssonde: das Sekret auf Menge, Aussehen, Geruch, Konsistenz und Beimengungen. Der Beutel hängt unter Magenniveau.
  • weitere Komplikationen beim Legen und bei liegender Sonde: Nasenbluten und ein falscher Weg (Via falsa). Ein Vagusreiz kann eine Bradykardie oder einen Herzstillstand auslösen. Die Sonde kann in die Luftröhre verrutschen. Perforationen kommen fast nur bei vorgeschädigten Organen vor. Nach längerer Liegedauer können Ulzerationen in Speiseröhre und Magen entstehen. Wenn die Sonde verstopft oder herausgerutscht ist, wird sie nach Rücksprache mit dem Arzt gewechselt.
قاعدة عملية

Bei Sondenernährung beobachtest du die Verträglichkeit. Eine transnasale Sonde fixierst du täglich neu und abwechselnd an verschiedenen Stellen. An der PEG-Eintrittsstelle achtest du auf Entzündungszeichen, Sekret und Hypergranulation.

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Flüssigkeitsbilanz

Herr D. hat eine Herzinsuffizienz. Der Arzt ordnet eine Flüssigkeitsbilanz an. Ab morgen früh wird jedes Getränk und jede Urinmenge aufgeschrieben.

Das Körpergewicht hängt wesentlich mit dem Flüssigkeitshaushalt zusammen. Ein Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) oder Wassereinlagerungen (Ödeme) wirken sich auf das Gewicht aus. Deshalb wird die Gewichtskontrolle häufig durch eine Flüssigkeitsbilanz ergänzt.

Für die Flüssigkeitsbilanz werden alle Flüssigkeiten zusammengezählt, die der Körper in einem bestimmten Zeitraum bekommt (Einfuhr). Davon werden alle Flüssigkeiten abgezogen, die er im gleichen Zeitraum ausscheidet (Ausfuhr). Meist läuft die Bilanzierung über 24 Stunden. Kürzere Intervalle sind je nach Erkrankung auch möglich. Angezeigt ist sie vor allem bei Herz- oder Nierenerkrankungen. Häufig wird sie auch angeordnet, wenn ein Mensch enteral oder parenteral ernährt wird. Das gilt auch bei einer Stoffwechselentgleisung, etwa einer Blutzuckerentgleisung bei Diabetes mellitus.

  • Zur Einfuhr zählt alles, was oral, enteral oder parenteral in den Körper gelangt: Getränke, die gesamte Nahrung, Sondennahrung und Infusionen, je nach Einrichtung auch Blut und Blutprodukte. Flüssige Nahrungsmittel wie Suppen, Soßen, Kompott oder Joghurt zählen zu 100 %. Bei fester Nahrung muss der Flüssigkeitsgehalt eventuell geschätzt werden.
  • Zur Ausfuhr zählt jede Körperflüssigkeit, die ausgeschieden wird: Urin, Erbrochenes, Stuhl, Schweiß, Punktate, Blut, eventuell auch Atmung und Wundexsudate.

So läuft die Bilanzierung ab:

  1. Vorbereiten

    Informiere den Menschen, seine Bezugspersonen und alle an der Pflege Beteiligten. Beschrifte einen Bilanzbogen mit dem Namen und dem Datum. Lege ihn neben das Bett oder an einen zentralen Ort, an dem sich der Mensch aufhält. Zu Hause ist das zum Beispiel die Küche oder das Wohnzimmer. So können alle dort eintragen. Steckbecken, Urinflasche und Toilettenstuhl bekommen den Namen und den Hinweis „Bilanzierung“.

  2. Beginn

    Meist morgens entleert der Mensch zuerst die Blase. Diesen Urin verwirfst du oder rechnest ihn dem Vortag zu.

  3. Festhalten

    Ab jetzt kommt alles auf den Bilanzbogen, was er an Flüssigkeit aufnimmt oder ausscheidet: Uhrzeit, Menge und Art. Tassen und Gläser füllst du immer ganz. Oder du notierst eine ganze Kanne Tee oder eine ganze Flasche Wasser. Vorher ermittelst du genau, wie viel in jedes Gefäß passt. Urin misst du im Steckbecken oder in der Urinflasche, dokumentierst ihn und verwirfst ihn dann. Bei einem transurethralen Blasenkatheter liest du die Menge am Urinauffangbeutel ab, idealerweise am Urimeter.

  4. Nach 24 Stunden

    Der Mensch entleert noch einmal die Blase. Dieser Urin zählt noch zur Ausfuhr.

  5. Bilanz

    Aus der Differenz zwischen Einfuhr und Ausfuhr errechnest du die Bilanz. Die Werte trägst du mit Datum, Uhrzeit und Handzeichen ins Dokumentationssystem ein.

Dazu kommt der unbemerkte Flüssigkeitsverlust über Haut, Atmung und Stuhl, die Perspiratio insensibilis. Als Faustregel gelten etwa 900 ml am Tag. Über die Atmung gehen 400–600 ml verloren, über die Haut 200–400 ml und über den Stuhl 100 ml. Bei Fieber kommen pro Grad erhöhter Temperatur pauschal etwa 500 ml dazu.

Das Ergebnis kann so aussehen:

  • positive Bilanz: Es wird mehr eingeführt als ausgeführt. Häufig ist das bei Herz- oder Niereninsuffizienz der Fall. Die Flüssigkeit, die nicht ausgeschieden wird, kann sich im Gewebe einlagern, und Ödeme können entstehen.
  • negative Bilanz: Es wird mehr ausgeführt als eingeführt, zum Beispiel wenn Ödeme mit Diuretika ausgeschwemmt werden, oder wenn der Mensch erbricht, stark schwitzt oder Durchfall hat.
  • ausgeglichene Bilanz: Einfuhr und Ausfuhr stimmen überein.

Über das Ergebnis wird der Arzt informiert.

Fehlerquellen

Fehlerhafte oder lückenhafte Dokumentation verfälscht eine Bilanz leicht. Typisch ist: Getränke werden nicht aufgeschrieben. Gründe sind zum Beispiel fehlende Information, Vergessen oder dass der Mensch oder seine Bezugspersonen nicht mitarbeiten wollen. Ein Glas wird mit 200 ml dokumentiert, aber nur zur Hälfte getrunken und wieder aufgefüllt. Verluste durch Schwitzen, Fieber, Erbrechen oder Inkontinenz werden falsch geschätzt. Medikamente, Blutabnahmen oder Wundexsudate werden gar nicht mitgerechnet.

قاعدة عملية

Bilanz heißt: Einfuhr minus Ausfuhr, meist über 24 Stunden. Bei einer positiven Bilanz ist die Einfuhr höher, und es können Ödeme entstehen. Bei einer negativen Bilanz ist die Ausfuhr höher. Über das Ergebnis wird der Arzt informiert.

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Kultur und Religion

Herr Y. ist Muslim, und es ist Ramadan. Er hat Fieber, möchte aber tagsüber trotzdem nichts essen und nichts trinken.

Wie, wann und was ein Mensch isst, hängt auch von gesellschaftlichen und religiösen Bräuchen ab. Nicht alle Gläubigen halten die Vorschriften gleich streng ein. Welche religiösen Regeln er lebt, besprichst du deshalb schon bei der Aufnahme im Pflegeanamnesegespräch. Erfrage seine Gepflogenheiten, zum Beispiel ob er sich vor dem Essen die Hände unter fließendem Wasser waschen oder beten möchte. Im Zweifel kannst du vegetarische Kost anbieten. Mit den Angehörigen wird ausgehandelt, wer was mitbringt. Dabei wird auch erklärt, warum welche Nahrung kontraindiziert ist, zum Beispiel Honiggebäck bei Diabetes mellitus.

Islam:

  • Verboten (haram) sind Schweinefleisch und alle Nahrungsmittel, die aus dem Schwein hergestellt sind. Dazu gehören auch Lebensmittel mit Geliermitteln aus dem Schwein, zum Beispiel Gummibärchen, Pudding, Joghurt oder Kuchen. Erlaubt heißt halal.
  • Viele gängige Käsesorten enthalten Kälberlab, zum Beispiel Gouda und Edamer, oder Gelatine, zum Beispiel Frischkäse. Auf der Packung steht das nicht eigens.
  • Fleisch ist nur erlaubt, wenn das Tier geschächtet wurde.
  • Alkohol ist verboten, auch in Soßen oder Kefir. In vielen flüssigen Medikamenten ist Alkohol als Lösungsmittel enthalten. Kläre mit dem Menschen, ob er dann eine Ausnahme machen kann. Schließlich soll die Therapie seiner Gesundheit dienen. Wenn es nötig ist, nehmen viele Muslime alkoholhaltige Medikamente.
  • Die Hauptmahlzeit essen viele gern am Abend.
  • Wichtig ist das Händewaschen vor dem Essen. Nach dem Essen spülen sich viele Muslime den Mund aus.
  • Im Fastenmonat Ramadan essen und trinken Gläubige erst nach Sonnenuntergang und nur bis Sonnenaufgang. Auch Genussmittel wie Kaffee und Tee sind tagsüber verboten. Gläubige essen dann zweimal am Tag. Der Ramadan dauert 30 Tage, an seinem Ende steht das Fastenbrechen (Zuckerfest). In nördlichen Breiten ist das Fasten schwer einzuhalten. Manche unterbrechen es deshalb zwischen 23 und 3 Uhr, andere richten sich nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in Mekka. Vom Fasten ausgenommen sind unter anderem Kinder bis zur Pubertät, Kranke, Schwangere, menstruierende Frauen, alte und schwache Menschen und Reisende. Wenn ein kranker Muslim trotzdem fasten möchte, wird das mit Arzt und Pflegenden abgesprochen. Schwere gesundheitliche Folgen kann vor allem das Trinkverbot am Tag haben, etwa eine Dehydrierung und Kreislaufschwäche. Die Klinik versucht, den Speiseplan anzupassen, und oft springen auch die Angehörigen ein.

Judentum: Strenggläubige Juden essen koscher, also nach den jüdischen Speisegesetzen. Blut zu verzehren ist verboten. Deshalb schächtet ein Schächter (Schochet) die Tiere, sodass sie vollständig ausbluten. Gekauftes Fleisch wird außerdem gewässert und gesalzen, damit die letzten Reste Blut herausgehen. Erst dann ist es koscher. Nur bestimmte Tiere sind erlaubt: Säugetiere mit gespaltenen Hufen, die Wiederkäuer sind, zum Beispiel Rinder, Schafe und Ziegen. Auch Wild ist erlaubt, wenn es geschächtet und nicht geschossen wurde. Erlaubt sind außerdem Vögel außer Raubvögeln und Fische mit Schuppen und Flossen. Schweinefleisch, Krebse, Krabben und Muscheln gehören nicht dazu. Fleisch und Milchprodukte werden strikt getrennt, bei der Lagerung, der Zubereitung, beim Verzehr und beim Geschirr. Wer Fleisch gegessen hat, wartet einige Stunden, bevor er etwas Milchiges isst. Umgekehrt reicht eine halbe Stunde. Fisch, Eier, Gemüse und Früchte sind neutral (parve) und passen zu allem. Das Händewaschen hat eine rituelle Bedeutung. Biete es bettlägerigen Menschen möglichst oft an, besonders vor jeder Mahlzeit.

Christentum: Christen essen an Sonn- und Feiertagen meist festlich. Viele Christen verzichten am Freitag auf Fleisch und essen zum Beispiel Fisch. Jesus soll an einem Freitag gestorben sein, das ist der Hintergrund. In der Fastenzeit, die 40 Tage vor Ostern beginnt, verzichten sie zum Beispiel auf Genussmittel. Eine strenge Fastenphase wie den Ramadan gibt es im Christentum nicht.

Hinduismus: Fast alle Hindus lehnen Rindfleisch und alle Produkte daraus ab, denn Kühe gelten als heilig. Viele Hindus essen vegetarisch. Das ist kein Dogma, gilt aber wegen der angestrebten Gewaltlosigkeit als ideal. Je nach religiöser Strömung fasten Hindus regelmäßig. Die Zeiten sind individuell, im Zweifel fragst du nach.

Buddhismus: Speisevorschriften gibt es nicht. Viele Buddhisten bevorzugen aber vegetarische Kost. Dahinter steht der Grundsatz „Du sollst nicht töten.“

قاعدة عملية

Religiöse Speiseregeln erfragst und beachtest du. Muslime essen kein Schweinefleisch, auch keine Gelatine aus dem Schwein, und trinken keinen Alkohol. Bei Medikamenten mit Alkohol klärst du mit dem Menschen, ob er eine Ausnahme macht. Kranke sind vom Fasten im Ramadan ausgenommen. Wenn ein kranker Mensch trotzdem fasten will, wird das mit Arzt und Pflege abgesprochen.

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Ablehnung, Nahrungskarenz, Sterbephase

Frau W. lebt im Hospiz. Seit zwei Tagen lehnt sie jedes Essen ab, und sie hat keinen Durst. Ihr Sohn fragt: „Muss sie nicht wenigstens eine Infusion bekommen?“

Ablehnung hat einen Grund: Wenn ein Mensch die Nahrung verweigert, hat das immer einen Grund. Versuche ihn herauszufinden, damit du passend handeln kannst. Oft ist es ratsam, die Angehörigen einzubeziehen. Von ihnen bekommst du wertvolle Hinweise auf Lieblingsspeisen und Gewohnheiten. Manche Menschen, besonders Kinder, essen lieber, wenn ihre Familie dabei ist. Unterscheide auch hier, ob der Mensch nicht essen kann oder nicht essen will. Gesunde Säuglinge haben in aller Regel Hunger, wenn eine Mahlzeit ansteht. Wenn ein Säugling mehr als eine Mahlzeit ablehnt, nimmst du das immer ernst. Dasselbe gilt, wenn er mehrere Mahlzeiten lang schlecht trinkt, also langsam und nur geringe Mengen. Es kann auf eine Erkrankung hinweisen, zum Beispiel auf eine Infektion. Bulimie und Anorexia nervosa sind schwere psychosomatische Essstörungen. Bei ihnen steht für den Menschen im Zentrum, Gewicht abzunehmen oder sein stark erniedrigtes Körpergewicht zu halten. Dafür verweigert er die Nahrung, führt häufig Erbrechen herbei und missbraucht Abführmittel (Laxanzien) und Diuretika. Der Gewichtsverlust hat körperliche Folgen, zum Beispiel eine erniedrigte Körpertemperatur, Bradykardie und Hypotonie. Zum Teil sind diese Zustände lebensbedrohlich.

Selbstbestimmung: Im Krankenhaus oder Heim entsprechen Essenszeiten und Zubereitung oft nicht den Gewohnheiten des Menschen. Tischnachbarn und Umgebung sind fremd, oft auch die Esshaltung, zum Beispiel im Bett. Der Mensch muss deshalb seinen Lebensrhythmus umstellen, und seine Selbstbestimmung ist eingeschränkt. Wenn die Ernährungssituation erfasst wird, werden Autonomie und Selbstbestimmung berücksichtigt.

Nahrungskarenz: Manchmal darf ein Mensch nicht essen und trinken, am häufigsten weil eine Operation oder Untersuchung ansteht. Nüchterne Menschen haben oft starken Hunger und Durst. Mund, Zunge und Lippen sind trocken. Deshalb sagst du ihnen immer, warum und wie lange sie nüchtern bleiben müssen. So können sie den Zustand besser aushalten. Nüchterne Menschen gehen zuerst zur Untersuchung, und ihre Mahlzeit wird aufbewahrt. Mundpflege ist meist erlaubt. Am Operationstag ist nur Mundspülen mit klarem Wasser erlaubt, keine Zitronenstäbchen und kein Kaugummi. Säuglinge, die vor einer Operation nüchtern bleiben müssen, lassen sich oft sehr schwer beruhigen. Deshalb bekommen sie in der Nacht davor oft noch eine zusätzliche Still- oder Flaschenmahlzeit. Sie kommen möglichst früh in den OP-Plan und bekommen eventuell eine Infusion. Der Körperkontakt zur Bezugsperson kann einen hungrigen Säugling beruhigen. Deshalb ist gerade bei nüchternen Säuglingen wichtig, dass die Bezugsperson mit aufgenommen wird. Nach Operationen am Bauch soll eine Nahrungskarenz den Darm oder die Nähte entlasten. Bei Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn und Pankreatitis soll sie den Darm entlasten. Dann bietest du häufig Mundpflege an und achtest auf Soor- und Parotitisprophylaxe. Eventuell bekommt der Mensch eine parenterale Ernährung.

Sterbephase: In den letzten Lebenswochen steht das Wohlbefinden im Mittelpunkt. Den Nährstoffbedarf zu decken, ist weniger wichtig. Statt enteraler Ernährung sollen Menschen in der Sterbephase Komfortnahrung bekommen. Wichtig ist:

  • herausfinden, ob Essen für den sterbenden Menschen wirklich wichtig ist oder ob Interventionen besser ruhen sollten
  • die Zeiten der enteralen Nahrungsaufnahme auf andere Aktivitäten abstimmen
  • kleinere Mengen sichtbar auf einem kleinen Teller servieren, damit es nicht überfordert. Das geht zum Beispiel in kleinen Schälchen, als Zwischenmahlzeit oder im Buffet-Stil.
  • ihn dabei unterstützen, eine genussvolle Beziehung zum Essen aufzubauen
  • dem Bedürfnis nach Ruhe und Passivität oberste Priorität geben. Auf das Wiegen kann verzichtet werden. Festgelegte Trinkmengen können neu bestimmt werden.
Terminalphase: ohne Durstgefühl keine künstliche Flüssigkeit

Wenn ein Mensch in der Terminalphase einer Erkrankung ist und kein Durstgefühl äußert, sollte ihm keine Flüssigkeit künstlich zugeführt werden. Abgeraten wird von einer parenteralen Flüssigkeitsgabe, denn sie verstärkt das „Todesrasseln“. In der Sterbephase belastet dieses Rasseln alle Beteiligten erheblich. Trockene Schleimhäute lassen sich mit einer minimalen Flüssigkeitszufuhr über den Mund lindern, wenn er es wünscht.

قاعدة عملية

Wenn ein Mensch Essen ablehnt, hat das immer einen Grund. Den suchst du, oft gemeinsam mit den Angehörigen. In der Sterbephase zählt das Wohlbefinden mehr als der Nährstoffbedarf. Wenn ein Mensch in der Terminalphase kein Durstgefühl äußert, sollte ihm keine Flüssigkeit künstlich zugeführt werden. Eine parenterale Flüssigkeitsgabe verstärkt das Todesrasseln.

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Harnwege und Kontinenz

Frau Hartmann sagt: „Früher konnte ich das immer halten.“
Ableitende Harnwege von vorn, links bei der Frau, rechts beim Mann, im selben Maßstab: zwei Nieren, eine davon aufgeschnitten mit dem Nierenbecken, die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre. Bei der Frau tritt die kurze Harnröhre direkt unter der Blase durch den Beckenboden. Beim Mann zieht die lange Harnröhre durch die Prostata und den Beckenboden in den Penis. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.12345678
  1. 1 Niere
  2. 2 Nierenbecken
  3. 3 Harnleiter
  4. 4 Harnblase
  5. 5 Harnröhre der Frau: 4–5 cm, gerade
  6. 6 Prostata
  7. 7 Harnröhre des Mannes: ca. 20 cm
  8. 8 Beckenboden

Den Urin bildet die Niere. Über die ableitenden Harnwege verlässt er den Körper:

  1. Nierenbecken

    Das Nierenbecken (Pelvis renalis) liegt zentral in der Niere. Es fängt den Harn auf. Am Nierenhilum geht es in den Harnleiter über.

  2. Harnleiter

    Die Harnleiter (Ureteren) ziehen von der rechten und der linken Niere zur Harnblase. Ein Harnleiter ist jeweils ca. 25–30 cm lang.

  3. Harnblase

    Im kleinen Becken liegt die Harnblase (Vesica urinaria). Hinter der Schambeinfuge (Symphyse) liegt sie, wenn sie leer oder mäßig gefüllt ist. Wenn sie stärker gefüllt ist, ragt sie in Richtung Nabel über die Schambeinfuge hinaus.

  4. Harnröhre

    Am Blasenhals beginnt die Harnröhre (Urethra), an der äußeren Harnröhrenöffnung endet sie. Bei der Frau verläuft sie gerade und ist nur 4–5 cm lang. Beim Mann ist sie mit ca. 20 cm deutlich länger und verläuft in 2 Krümmungen.

Damit sich die Blasenwand dehnen kann, liegt die Schleimhaut der leeren Blase in vielen Falten. Bei Füllung verstreichen sie. Die Muskelschicht der Blasenwand heißt M. detrusor vesicae.

Den Urin in der Blase zurückhalten können, das ist Kontinenz. Dafür sind drei Strukturen verantwortlich:

  • der innere Harnröhrensphinkter (Schließmuskel) im Blasenhals
  • der äußere Harnröhrensphinkter: Er liegt am Durchtritt der Harnröhre durch den Beckenboden und kann willentlich gesteuert werden.
  • die Beckenbodenmuskulatur

Schon bei 150–300 ml Urin in der Blase setzt der Harndrang ein. Bei der Harnblasenentleerung (Miktion) zieht sich der M. detrusor vesicae zusammen. Der innere Harnröhrensphinkter erschlafft, und der äußere Harnröhrensphinkter wird weit gestellt.

Etwa ab dem 3. Lebensjahr lässt sich die Entleerung der Blase steuern. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Miktionszentrum im Gehirn. Der Harndrang wird dort bewusst wahrgenommen, und es wird entschieden: Kontinenz oder Miktion. Bei Säuglingen, Kleinkindern oder Menschen, die die Miktion nicht beeinflussen können, steuert ein Reflex die Urinabgabe.

Harnwegsinfektionen

Die Harnröhre der Frau ist deutlich kürzer, und ihre Öffnung liegt nahe am After. Deshalb bekommen Frauen deutlich häufiger einen Harnwegsinfekt als Männer.

قاعدة عملية

Der Urin fließt von der Niere über Nierenbecken, Harnleiter und Harnblase in die Harnröhre. In der Blase halten ihn der innere und der äußere Harnröhrensphinkter und die Beckenbodenmuskulatur zurück.

معرفة تمريضية

Scham und Sprache

Eine Kollegin ruft über den Flur: „Ich muss noch Herrn Kowalski trockenlegen.“ Herr Kowalski ist 74 und hört gut.

Der Expertenstandard nennt genau diese Wörter beim Namen: „trockenlegen“, „pampern“ und „Windel“ stammen aus der Säuglingspflege. Ein angemessener Sprachgebrauch vermeidet sie, weil du mit erwachsenen Menschen sprichst. Sag Inkontinenzvorlage, Inkontinenzslip, Wechsel. Das ist kein Höflichkeitsdetail. Es gehört zum professionellen Umgang, und der Standard verlangt, das Schamempfinden unter allen Umständen zu schützen. Warum das so schwer wiegt: Inkontinenz berührt einen intimen Bereich, und gesellschaftlich ist sie nach wie vor ein Tabu. Besonders beschämend ist es, die Kontrolle über die eigene Ausscheidung zu verlieren. Betroffene verschweigen ihre Inkontinenz, reagieren aggressiv auf Hilfsangebote oder ziehen sich innerlich zurück. Viele halten das Problem außerdem für einen normalen Teil des Älterwerdens und suchen keine professionelle Hilfe.

قاعدة عملية

Bittet dich jemand um Hilfe beim Ausscheiden, reagierst du unverzüglich.

معرفة تمريضية

Die Kontinenzsituation einschätzen

Frau Baumgart zieht neu ein. Beim Aufnahmegespräch sitzt ihre Tochter dabei, die Zimmernachbarin schaut fern. Du sollst die Kontinenzsituation einschätzen.

Erst der Rahmen, dann die Frage. Dieses Erstgespräch ist die Anamnese zur Kontinenzsituation — und weil Inkontinenz ein sensibles Thema ist, solltest du sie besonders empathisch führen. Das Gespräch braucht eine ruhige Umgebung, in der keine ungebetenen Dritten mithören — in einem geschützten Raum öffnet sich jemand eher als im vollen Zimmer. Der Expertenstandard verlangt eine erste Einschätzung zu Beginn des pflegerischen Auftrags, wiederholt, sobald sich an der Pflegesituation etwas ändert, und in Abständen, die individuell festgelegt werden. Drei Fragen führen hinein: Verlieren Sie ungewollt Urin? Benutzen Sie Vorlagen oder etwas anderes, das Urin auffängt? Fällt es Ihnen schwer, die Harnblase zu kontrollieren oder zu entleeren? Kommt einmal ein Ja, fragst du behutsam weiter.

قاعدة عملية

Zur Einschätzung brauchst du das Gespräch — und Augen, Ohren und Nase.

معرفة تمريضية

Den Toilettengang möglich machen

Frau Özdemir trägt eine Hose mit sechs kleinen Knöpfen. Bis sie offen ist, ist es zu spät. In der Doku steht seit gestern „inkontinent“.

Hier ist die Hose das Problem. Funktionelle Harninkontinenz heißt: Ein Mensch, der eigentlich kontinent ist, kommt zu spät zur Toilette. Rahmenbedingungen können ihr vorbeugen, und genau da kannst du eingreifen. Passende Kleidung heißt: wenige Knöpfe und die groß, ein Gummibund statt Verschluss an der Hose, gut sitzende Unterwäsche. Die Toilette muss schnell und ohne Stolperfallen erreichbar sein, gut beleuchtet und groß genug zum Drehen. Hilfsmittel wie Toilettengriffe, Sitzerhöhung, Gehhilfen oder ein Toilettenstuhl sollen den Gang so weit wie möglich selbstständig machen. Und du wartest nicht auf die Klingel: Wer Unterstützung braucht, bekommt sie in regelmäßigen Abständen aktiv angeboten.

قاعدة عملية

Bevor du „inkontinent“ schreibst, prüf die Knöpfe, den Weg und das Licht. Gute Rahmenbedingungen beugen der funktionellen Harninkontinenz vor.

معرفة تمريضية

Miktionsprotokoll und Kontinenzprofil

Deine Anleiterin sagt: „Frau Özdemir ist abhängig erreichte Kontinenz.“ Du nickst und hast keine Ahnung, was das heißt.

Es ist ihr Kontinenzprofil. Der Expertenstandard kennt sechs Stufen — ihr Fachname: Harnkontinenzprofile. Sie beschreiben, wie groß das Ausmaß der Inkontinenz ist und wie weit der Mensch sie eigenständig kompensieren kann. Ganz oben steht die Kontinenz. Darunter folgen zwei Stufen, auf denen kein Urin verlorengeht — die unabhängig und die abhängig erreichte Kontinenz. Darunter zwei, auf denen Urin verlorengeht und ausgeglichen wird: die unabhängig und die abhängig kompensierte Inkontinenz. Ganz unten steht die nicht kompensierte Inkontinenz. Du ordnest über drei Fragen ein: Ist unwillkürlich Urin abgegangen? Hat die Person selbst etwas getan, um kontinent zu bleiben oder die Inkontinenz auszugleichen? Und hat sie das Drumherum selbst organisiert, also Vorlagen besorgt und gewechselt? Bei Frau Özdemir heißt es: Sie kann den Urin halten, erreicht die Toilette aber nicht allein. Die Profile gab es zuerst nur für den Harn; mit der Aktualisierung 2024 hat die Expertengruppe sie ausdrücklich auf die Stuhlkontinenz erweitert.

قاعدة عملية

Die Form sagt, was medizinisch los ist. Das Profil sagt, wie gut der Mensch die Auswirkungen kompensieren kann, allein oder mit Unterstützung.

معرفة تمريضية

Toiletten- und Blasentraining

Nach vier Tagen Miktionsprotokoll steht fest: Frau Özdemir muss etwa alle 90 Minuten. Du willst sie auf drei Stunden bringen — am liebsten diese Woche.

Nicht so schnell — und vor allem nicht irgendein Training. Es gibt drei Arten, und sie wirken unterschiedlich. Der Toilettengang zu festen Zeiten ist in Pflegeheimen der häufigste, und ausgerechnet für ihn ist ein positiver Effekt in Studien nicht nachweisbar: Der Mensch bekommt keine Rückmeldung, also wird auch nichts gefördert. Wirksam sind die beiden anderen. Beim angebotenen Toilettengang fragst du zu festen Zeiten aktiv nach, prüfst die Antwort und gibst bei Richtigkeit eine verbale Rückmeldung — eine verhaltenstherapeutische Maßnahme, die über positive Verstärkung arbeitet und auch bei kognitiven Einschränkungen funktioniert. Beim Toilettengang zu individuellen Entleerungszeiten bietest du ihn immer kurz VOR den Uhrzeiten an, zu denen laut Miktionsprotokoll etwas danebengeht. Für beide Wege braucht es Adhärenz — die Bereitschaft des Menschen, sich an das zu halten, was ihr gemeinsam vereinbart habt.

قاعدة عملية

Ein Toilettengang ohne Rückmeldung ist nur ein Termin. Erst die Rückmeldung macht daraus ein Training.

معرفة تمريضية

Aufsaugende Hilfsmittel

Im Nachtdienst legt eine Kollegin Herrn Kowalski zusätzlich zur Vorlage noch eine Binde ein. „Damit es sicher hält.“

Das gehört nicht zur Versorgung: Doppelversorgungen werden nicht durchgeführt, also kein zusätzliches Einlegen von Binden. Das aufsaugende Hilfsmittel wird nach Stärke der Inkontinenz und Menge des abgehenden Urins ausgewählt — dafür gibt es gestufte Saugstärken — und mit einer Fixierhose in der passenden Größe befestigt. So verrutscht die Vorlage nicht, und weil sie dicht anliegt, kühlt die aufgesaugte Flüssigkeit nicht ab. Wechseln solltest du:

  • nach der Stuhlausscheidung immer direkt
  • bei Bedarf
  • auf seinen Wunsch

Dabei schaust du dir die Haut genau an und machst Haut- und Intimpflege. Zum Schutz des Bettes gibt es Betteinlagen — die gehören unter den Menschen, nicht zusätzlich an ihn.

قاعدة عملية

Eine Vorlage, richtig fixiert. Eine Doppelversorgung wird nicht durchgeführt.

معرفة تمريضية

Haut unter der Vorlage

Beim Wechseln der Vorlage siehst du bei Herrn Kowalski eine flächige Rötung genau dort, wo das Material auflag. In der Doku steht nichts davon.

Das hat einen Namen: Inkontinenz-assoziierte Dermatitis, kurz IAD. Das ist eine Entzündung der Haut, die durch längeren Kontakt mit Urin oder Stuhl entsteht. Die Haut wird gereizt und weicht auf, durch die Feuchtigkeit und durch die Zersetzungsprodukte von Urin und Stuhl. Den Säureschutz der Haut zerstört das Ammoniak, weil es alkalisch ist. Drei Dinge fördern das:

  • Wärme unter einer geschlossenen Versorgung
  • häufiges Waschen
  • schlecht sitzende Kleidung

Genau deshalb gehört die Hautbeobachtung zu jedem Wechsel. Wichtig ist der Zusammenhang dahinter: Intertrigo, also die Entzündung in Hautfalten durch Reibung und Feuchtigkeit, ist oft mit einer IAD verbunden. Die IAD wiederum ist mit einem Dekubitus verbunden. Die Maßnahmen zur Hautpflege lassen sich deshalb oft nicht voneinander abgrenzen. Was du siehst, meldest und dokumentierst du, statt nur die Vorlage zu wechseln.

قاعدة عملية

Nasse Haut ist keine Nebensache. Feuchtigkeit weicht die Haut auf, und daraus kann eine IAD werden.

معرفة تمريضية

Selbstbestimmung

Frau Baumgart geht zweimal täglich für eine halbe Stunde mit dem Tablet auf die Toilette. Eine Kollegin will das abstellen: „Das ist doch keine Art.“

Jeder Mensch ist Experte seiner eigenen Defäkation. Er weiß, was er für eine regelmäßige Ausscheidung braucht, und er bestimmt selbst, welche Defäkationsfrequenz und welches Defäkationsverhalten für ihn normal sind. Die Regel dazu ist kurz: Solange das Eigenverhalten gesundheitserhaltend erscheint, änderst du so wenig wie möglich daran. Genauso beim Einbeziehen von Angehörigen:

  • Das geschieht erst nach Rücksprache mit dem betroffenen Menschen.
  • Und wenn er nein sagt, gilt das, auch wenn die Umsetzung dadurch schwieriger wird.

Der Expertenstandard sagt das ausdrücklich so.

قاعدة عملية

Was gesundheitserhaltend erscheint, änderst du so wenig wie möglich.

معرفة تمريضية

Ziele und Evaluation

Seit sechs Wochen läuft für Frau Özdemir ein Toilettenplan. Niemand hat seitdem geprüft, ob er etwas bringt. In der Doku steht dasselbe Ziel wie am ersten Tag: „Kontinenz erhalten.“

Damit fehlt die zweite Hälfte des Pflegeprozesses. Ein Ziel in der Kontinenzförderung sollte immer zweierlei anstreben: Kompensation und Unabhängigkeit. Weil das nicht immer erreichbar ist, trennst du Nahziele von Fernzielen. So kann eine schrittweise Verbesserung erreicht werden. Und die Überprüfung hat kein Standardintervall: Wann evaluiert wird, richtet sich nach vier Dingen:

  • den persönlichen Fähigkeiten und Ressourcen
  • dem Schweregrad
  • der Kooperationsfähigkeit
  • den Wünschen des Menschen selbst

Bei der Evaluation schätzt du auch das aktuelle Kontinenzprofil ein und legst es fest. Das Profil spielt eine entscheidende Rolle, wenn Ziele festgelegt und Maßnahmen evaluiert werden.

قاعدة عملية

Trenn Nahziel und Fernziel. So kann die Verbesserung Schritt für Schritt erreicht werden.

معرفة تمريضية

Ekel

Dritte Woche Orientierungseinsatz. Herr Kowalski hat sich übergeben, es riecht scharf, und du merkst, wie es dir selbst hochkommt. Dein erster Impuls ist, rauszugehen.

Dieser Impuls ist normal. Ekel entsteht meist über die Sinne und löst genau das aus: sofortiges Sichabwenden. Gerade am Ausbildungsanfang ist das eine Herausforderung, auch weil dir die Erfahrung fehlt. Zwei Dinge gelten trotzdem:

  • Zeigen solltest du ihn nicht, aus Rücksicht auf den anderen: Er ist in einer schambehafteten Situation. Dieses Auseinanderfallen von Fühlen und Zeigen heißt emotionale Dissonanz. Versuchst du, den Ekel zu unterdrücken, verstärkt das die Stressbelastung.
  • Wenn du würgen musst, solltest du dich entschuldigen; schämen musst du dich nicht, das ist eine körperliche Reaktion.

Und jetzt kommt das Entscheidende: Genau in diesem Moment darfst du nicht gehen. Lass niemanden allein, während er sich übergibt.

قاعدة عملية

Dein Ekel darf da sein. Während er sich übergibt, gehst du nicht weg.

معرفة تمريضية

Hilfe beim Erbrechen

Du bleibst bei Herrn Kowalski. Jetzt zählt, wie du stehst, was du in der Hand hast und was danach kommt.
  • Positioniere den Oberkörper erhöht — das schützt vor Aspiration, also davor, dass Erbrochenes in die Atemwege gerät. Leicht vorgebeugt kommt es besser heraus.
  • Nierenschale und Zellstoff stellst du so hin, dass du sie sofort greifen kannst — und so, dass er sie nicht sieht.
  • Erbrochenes entsorgst du so schnell wie möglich und lüftest.
  • Einen Zahnersatz nimmst du bei Bedarf heraus, reinigst ihn und setzt ihn erst auf seinen Wunsch wieder ein, denn Hantieren in Mund und Rachen kann erneutes Erbrechen auslösen.
  • Danach solltest du immer Mundhygiene anbieten.
قاعدة عملية

Oberkörper erhöht positionieren, Nierenschale in Reichweite, aber außer Sicht, danach Mundpflege anbieten — und beim ersten Aufstehen bleibst du dabei.

معرفة تمريضية

Diarrhö

Herr Neuhaus hatte seit gestern Abend sechsmal dünnflüssigen Stuhl. Er bekommt seit drei Tagen ein Antibiotikum. Heute Morgen wirkt er verwirrt.

Das ist eine Diarrhö: Mehr als dreimal am Tag wird dünnflüssiger Stuhl ausgeschieden. Meist gehören Bauchkrämpfe und eine Dehydratation dazu, Letztere vor allem bei alten Menschen und Kindern, außerdem Schwäche, Appetitlosigkeit und Elektrolytverlust. Der Körper verliert viel Flüssigkeit, und das kann zu einer Exsikkose führen. Bei älteren Menschen, Säuglingen und Kleinkindern kann der Flüssigkeitsverlust akute Wesensveränderungen und Verwirrtheit auslösen. Er kann auch Kreislaufprobleme und trockene, rissige Schleimhäute an Mund und Lippen verursachen. Auch eine vorübergehende Stuhlinkontinenz ist möglich.

Mögliche Ursachen sind:

  • Darminfektionen und Lebensmittelvergiftungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, z. B. von Antibiotika oder Zytostatika
  • Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten, z. B. Zöliakie oder Laktoseintoleranz
  • unzureichende Kautätigkeit, z. B. wegen fehlender Zähne oder einer schlecht sitzenden Zahnprothese
  • Abführmittel, die unkontrolliert eingenommen werden
  • psychische Reize wie Angst, Schrecken oder Aufregung
  • krankhafte Veränderungen des Darms, z. B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa

Jede Äußerung über Probleme beim Stuhlgang musst du ernst nehmen. Zu den Stuhlentleerungsstörungen gehören neben der Diarrhö die Stuhlinkontinenz, die Obstipation und der Tenesmus, ein schmerzhafter Stuhldrang.

قاعدة عملية

Bei Diarrhö bilanzierst du die Flüssigkeit und achtest auf Zeichen einer Exsikkose.

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Stuhl beobachten

Frau Baumgart hatte seit vier Tagen keinen Stuhlgang. Ihre Tochter ist beunruhigt: „Das kann doch nicht gesund sein.“ Herr Neuhaus dagegen hatte heute schwarzen, glänzenden Stuhl.

Bei Frau Baumgart musst du nicht alarmiert sein. Normal ist eine Stuhlentleerung ein- bis zweimal täglich — oder mindestens zweimal wöchentlich. Diese Spanne ist der Punkt: Einmal am Tag muss es nicht sein. Normaler Stuhl ist:

  • weich und geformt
  • hell- bis dunkelbraun
  • 120 bis 300 Gramm am Tag

Die Entleerung geht ohne große Anstrengung und ohne Schmerzen. Bei Herrn Neuhaus ist es anders: Schwarzer, glänzender Stuhl heißt Teerstuhl und bedeutet verdautes Blut aus Magen oder oberem Darm — meist bei einer massiven Blutung. Davon nimmst du eine Probe und zeigst sie dem behandelnden Arzt.

قاعدة عملية

Zweimal pro Woche ist noch normal. Auffällig wird Stuhl an Farbe, Geruch, Form und Beimengungen.

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Stuhlinkontinenz behandeln

Herr Kowalski hält den Stuhl nicht mehr. Auf der Station gilt das als erledigt: Vorlage rein, fertig. Nach seinem Stuhlgang fragt niemand mehr.

Das ist zu wenig. Stuhlinkontinenz hat unterschiedliche Ursachen, und deshalb gibt es verschiedene Behandlungsansätze. Abklären sollte das ein Proktologe. Stuhlinkontinenz heißt: Der Stuhl kann nicht mehr willentlich zurückgehalten werden. Fünf Formen unterscheidet die Quelle:

  • die muskuläre — der Schließmuskel ist z. B. durch eine Operation beschädigt oder zu schwach, häufig bei älteren Menschen
  • die neurogene — Nerven sind geschädigt, etwa bei Multipler Sklerose, Schlaganfall oder Querschnittlähmung, nach einer Geburt am Nervus pudendus, bei Diabetes mellitus oder bei angeborenen Erkrankungen wie Spina bifida
  • die sensorische — der Stuhldrang wird nicht gespürt, weil die sensiblen Nerven im Analkanal geschädigt sind, z. B. bei einer neurogenen Erkrankung oder einem Hämorrhoidalleiden
  • die konsistenzbedingte — heftiger Durchfall überfordert auch einen intakten Schließmuskel
  • die Überlauf-Stuhlinkontinenz an Kotsteinen vorbei, deren Prinzip du von der paradoxen Diarrhö kennst

Meist steckt eine Obstipation dahinter, und dann sind rektale Abführmaßnahmen nötig. Pflegerisch gibt es drei Linien. Erstens das Darmtraining: Herr Kowalski geht jeden Tag zur gleichen festen Uhrzeit auf die Toilette — nach dem Frühstück etwa —, auch wenn er gerade keinen Stuhldrang spürt. So lernt der Darm, sich regelmäßig und zu einem vorhersehbaren Zeitpunkt zu entleeren. Zweitens das Schließmuskeltraining: mehrmals täglich die Schließmuskulatur willkürlich zusammenkneifen, dazu Beckenbodengymnastik. Drittens Hautpflege und passende Hilfsmittel.

قاعدة عملية

Auch ohne Drang zur festen Zeit auf die Toilette — so lernt der Darm den Takt.

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Beim Katheterlegen assistieren

Herr Neuhaus bekommt einen transurethralen Blasenkatheter. Deine Anleiterin sagt: „Du assistierst.“ Du weißt nicht, was das heißt — und was du auf keinen Fall anfassen darfst.

Zuerst der Rahmen: Zuständig für das Legen ist grundsätzlich der Arzt. Delegieren darf er es an Pflegefachpersonen, deren fachliche Kompetenz gesichert ist; es braucht immer eine medizinische Begründung und sollte zu zweit erfolgen. Daher die zwei Rollen. Wer den Katheter legt, führt eine erneute Händedesinfektion durch und streift danach sterile Handschuhe über. Du als assistierende Person:

  • tränkst die sterilen Tupfer mit Schleimhautdesinfektionsmittel, mit sicherem Abstand zwischen Flasche und Tupfern
  • reichst den sterilen Katheter in der Peel-off-Methode an
  • blockst ihn anschließend
قاعدة عملية

Sobald die sterile Hand den Körper berührt, ist sie unsteril. Ab da hält sie nur noch Penis oder Vulvalippen, und alles Sterile greift die andere Hand.

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Blasenkatheter: Grundlagen

Bei Herrn Neuhaus wird ein Dauerkatheter gelegt, der mehrere Wochen liegen soll. Im Schrank liegen ein Latexkatheter und ein Silikonkatheter.

Für mehrere Wochen passt Latex nicht. Ein transurethraler Blasenkatheter leitet den Harn vorübergehend künstlich ab. Er liegt durch die Harnröhre (Urethra) hindurch in der Blase. Die Anlage muss immer ärztlich angeordnet sein. Welcher Katheter genommen wird, ergibt sich aus der Indikation. Wie lange er liegen darf, hängt vom Material ab, dafür gelten die Vorgaben des Robert Koch-Instituts und des Herstellers.

  • Einmalkatheter aus PVC verhärten mit der Zeit und lassen sich nicht blocken. Sie dienen nur der einmaligen Harngewinnung oder dem kurzen Ablassen von Urin.
  • Latexkatheter sind sehr weich, verkrusten aber schnell und können dann verstopfen. Eine Liegezeit von höchstens einer Woche sollte nicht überschritten werden. Bei einer Latexallergie darf er nicht verwendet werden.
  • Katheter aus Polyurethan oder Silikon sind latexfrei, Silikon gilt als besonders gut verträglich. Sie können in der Regel 4–6 Wochen liegen.
  • Spülkatheter haben drei Lumen, zum Ableiten, zum Spülen und zum Blocken, und sind aus Silikon.

Dauerkatheter haben zwei Lumen. Durch eines fließt der Harn ab, über das andere wird ein Ballon gefüllt, mit sterilem Aqua dest. oder vorzugsweise einer 8–10%igen Glyzerin-Wasser-Lösung. So bleibt der Katheter in der Blase. Die Füllmenge steht auf dem Anschluss und beträgt i. d. R. 8–10 ml.

قاعدة عملية

Latex höchstens eine Woche, Polyurethan und Silikon in der Regel 4–6 Wochen.

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Abbruch und 500-ml-Regel

Der Katheter liegt, Urin läuft. Nach zehn Minuten sind schon fast 600 Milliliter im Beutel, und es läuft weiter.

Jetzt abklemmen. In einer Stunde sollten nicht mehr als 500 Milliliter ablaufen. Der Grund ist die plötzliche Druckentlastung: Sie kann Blutungen der Blasenschleimhaut auslösen — von Mikroblutungen bis zu Makroblutungen. Sind 500 Milliliter gelaufen, sollte der Katheterschlauch abgeklemmt und etwa eine halbe bis eine Stunde gewartet werden, bevor weiter abgelassen wird. Die zweite harte Regel gilt beim Einführen. Abgebrochen und der Arzt informiert wird:

  • sobald Schmerzen auftreten
  • sobald sich etwas dem Vorschieben in den Weg stellt

Mit mehr Kraft weiterversucht wird nicht.

قاعدة عملية

Nicht mehr als 500 Milliliter pro Stunde, dann Pause. Abbrechen bei Schmerzen — oder wenn ein Hindernis das Vorschieben verhindert; der erwartbare Widerstand beim Mann ist kein Abbruchgrund, er wird behutsam überbrückt.

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Harnwegsinfekt und Katheterpflege

Herr Neuhaus hat einen Dauerkatheter. Beim Transfer in den Rollstuhl hängt eine Kollegin den Urinbeutel kurz an die Armlehne — auf Bauchhöhe.

Das ist der klassische Fehler mit direkter Folge. Der Urinbeutel darf nie über Blasenniveau hängen, sonst fließt Urin zurück in die Blase. Ein Harnwegsinfekt steigt nämlich auf: Die Erreger nehmen den Weg über die Harnröhrenöffnung nach oben, durch die Harnröhre bis in die Blase, manchmal bis in die Niere. Entzündet sich die Harnröhre, heißt das Urethritis; entzündet sich die Harnblase, Zystitis. Frauen trifft es wegen der kürzeren Harnröhre häufiger. Drei weitere Regeln bei liegendem Katheter:

  • Immer wenn du am Katheter etwas tust, desinfizierst du davor und danach die Hände und trägst unsterile Handschuhe.
  • Das geschlossene System sollte nicht diskonnektiert werden — bei jeder Unterbrechung könnten Keime hineingelangen.
  • Für eine Urinprobe gibt es eine eigene Probenentnahmestelle — nur dort wird entnommen, und vorher wischdesinfiziert.
قاعدة عملية

Der Beutel hängt immer tiefer als die Blase — beim Liegen, beim Sitzen, beim Transfer.

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Katheter entfernen und Alternativen

Herr Neuhaus' Katheter wird gezogen. Am Abend hat er noch nicht spontan Wasser gelassen, und niemand hat es gemerkt.

Genau das ist der Punkt, auf den es nach dem Entfernen ankommt: In den nächsten Stunden solltest du darauf achten, dass er spontan Wasser lässt, und den Zeitpunkt dokumentieren. Das Entfernen selbst ist unspektakulär:

  • Der Katheter wird über den Blockungsanschluss entblockt, bis nichts mehr kommt.
  • Dann wird er vorsichtig gezogen.
  • Die Spitze wickelst du in Zellstoff, ziehst den Handschuh darüber und entsorgst alles zusammen.

Wichtig danach: Für einige Tage kann es durch die Reizung von Blase und Harnröhre zu Inkontinenzproblemen kommen. Darauf bereitest du mit einem uhrzeitenbasierten Toilettentraining vor.

قاعدة عملية

Wegen der Inkontinenz nach dem Ziehen wird auf keinen Fall ein neuer Katheter gelegt.

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Bewegungsmangel

Herr B. liegt seit seiner Bauch-OP fast unbewegt im Bett. Wegen der Schmerzen hält er seit zwei Tagen dieselbe Schonhaltung.

Wer gesund ist, legt sich automatisch so hin, wie es angenehm ist — auf den Rücken, die Seite oder den Bauch. Im Krankenhaus schränken Erkrankung, Schmerzen oder therapeutische Maßnahmen die Bewegung oft ein. Dann droht eine Zwangs- oder Schonhaltung: Der Mensch bewegt sich nur noch wenig.

Das ist kein Komfortproblem. Eine solche Haltung kann die Körperwahrnehmung verändern und fünf Risiken erhöhen:

  • das Dekubitusrisiko
  • das Pneumonierisiko
  • das Thromboserisiko
  • das Kontrakturrisiko
  • das Sturzrisiko

Deine Aufgabe ist, Folgeschäden zu vermeiden und den Pflegeempfänger bei der Mobilisation nach Bedarf zu unterstützen und zu fördern. Dafür musst du wissen, wie menschliche Bewegung funktioniert.

قاعدة عملية

Eine Zwangs- oder Schonhaltung kann die Körperwahrnehmung verändern und Dekubitus-, Pneumonie-, Thrombose-, Kontraktur- und Sturzrisiko erhöhen. Sie ist kein Komfortproblem.

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Die Leitfrage der Kinästhetik

„Holst du Frau S. aus dem Bett?“ Du überlegst schon, wie du sie am besten hochziehst — und merkst nicht, dass die Frage falsch gestellt ist.

Wie „man“ sich richtig bewegt, lehrt Kinästhetik nicht — ureigene Bewegungsmuster hat jeder Mensch, erlernt oder erworben durch ein Handicap. Die Leitfrage ist deshalb nicht, wie du jemanden von A nach B bekommst. Sie lautet: Mit welchen vorhandenen Ressourcen erreichst du das gesetzte Ziel? Du unterstützt die Aktivität des Pflegeempfängers — und hemmst sie nicht.

Die Ziele:

  • Bewegung anbahnen, indem Ressourcen erfasst und genutzt werden.
  • Wahrnehmung und Selbstständigkeit fördern — initiieren und kontrollieren soll der Pflegeempfänger selbst.
  • Körperbewusstsein und Lernangebote im Alltag.
  • Physiologische, also natürliche, Bewegungsabläufe — sie schonen Rücken und Gelenke auf beiden Seiten.
  • Nonverbale Kommunikation, wenn Sprachverstehen und Sprechen eingeschränkt sind.
قاعدة عملية

Die Leitfrage der Kinästhetik ist nicht, wie du jemanden von A nach B bekommst, sondern: Mit welchen vorhandenen Ressourcen erreichst du das gesetzte Ziel?

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Massen und Zwischenräume

Deine Kollegin fasst Herrn L. beim Aufsetzen unter die Achseln — und wundert sich, dass er sich versteift, statt mitzumachen.

Sieben Massen, sechs Zwischenräume — so gliedert das Konzept Funktionale Anatomie den Körper.

  • Massen sind die knöchernen, stabilen Strukturen: Kopf, Brustkorb, Becken sowie Arme und Beine.
  • Die Zwischenräume — Hals, Taille, Achselhöhlen und Leisten — verbinden die Massen und machen Bewegung und Interaktion erst möglich.

Die Regel heißt: „Massen fassen, Zwischenräume spielen lassen.“ Greifst du in die Zwischenräume, blockierst du den Menschen: Sämtliche Eigenbewegung wird verhindert. Denn Berührung an den Massen gibt eine differenzierte Bewegungsanleitung; Kontakt an den Zwischenräumen dagegen blockiert die Beweglichkeit, weil er nur diffuse Signale vermittelt.

Verlagere darum „Masse für Masse“, statt den Menschen im Ganzen zu bewegen: Wandert das Gewicht schrittweise von einer Körpermasse zur nächsten, setzt der Patient eigene Ressourcen ein — und dich kostet es weniger Anstrengung.

قاعدة عملية

„Massen fassen, Zwischenräume spielen lassen“: 7 Massen — Kopf, Brustkorb, Becken, Arme, Beine; 6 Zwischenräume — Hals, Taille, Achselhöhlen, Leisten.

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Anleiten mit Sprache

„Rutschen Sie bitte nach oben“, sagst du. Frau G. schaut zur Zimmerdecke.

Bevor ihr gemeinsam eine Aktivität startet, solltest du sicherstellen:

  • Beiden ist das Ziel klar.
  • Mögliche Zwischenschritte sind besprochen, und die Hilfsmittel stehen bereit.

Sprich eindeutig. Wer im Bett liegt, versteht unter „oben“ die Zimmerdecke — eindeutiger ist: „Bewegen Sie sich bitte Richtung Kopfende des Bettes.“ Gib Anweisungen Schritt für Schritt: Vier Aufforderungen auf einmal — Bein aufstellen, nach links kippen, Gesäß nachziehen, drehen — überfordern jeden. Und Zeit muss sein: Ein Pflegeempfänger sollte genug Zeit bekommen, um auf eine Ansage zu reagieren. Je nach Zustand kann das durchaus ein paar Sekunden dauern.

Frage dich bei jeder Anleitung außerdem nach den anatomischen Grundlagen: Welche Bewegungen lässt ein Gelenk, ein Zwischenraum zu? Wo sind die Massen in dieser Position — und welche Körperteile sind beweglich?

قاعدة عملية

Eindeutig, Schritt für Schritt, mit Zeit: „Zum Kopfende des Bettes“ statt „nach oben“ — denn oben ist für Liegende die Zimmerdecke.

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Gehen über Gewichtsverlagerung

Herr R. soll im Bett Richtung Kopfende. Statt ihn zu heben, lässt du ihn „gehen“ — im Liegen.

Komplexe Funktionen bauen auf den einfachen auf. Dazu zählen:

  • Bewegungen am Ort: Atmen, An- und Auskleiden, Essen und Trinken
  • die Fortbewegung, etwa Gehen und Positionswechsel

Gehen funktioniert über Gewichtsverlagerung: Das Körpergewicht wird auf ein Bein verlagert, das entlastete Bein macht einen Schritt, dann wandert das Gewicht zurück. Gewichtsverlagerung und Vorwärtsbewegung überlagern sich zur fließenden Fortbewegung. Dabei wird das Gewicht von der Unterstützungsfläche niemals komplett gehoben.

Dieses Prinzip überträgst du auf andere Positionen — zum Beispiel auf die „gehende“ Fortbewegung im Bett: das Gewicht über eine Seitwärtsdrehung verlagern, mit dem entlasteten Körperteil bewegen, das Gewicht auf den neuen Ort zurückverlagern. So bewegt sich der Patient selbst, ohne dass jemand hebt.

قاعدة عملية

Das Gewicht wird von der Unterstützungsfläche niemals komplett gehoben — dasselbe Prinzip trägt die „gehende“ Fortbewegung im Bett: verlagern, bewegen, zurückverlagern.

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Funktionale Anatomie

Frau W. hat nach Wochen im Bett kaum noch Muskelkraft. Trotzdem steht sie heute — die Knie durchgestreckt, den Oberkörper aufgerichtet: Ihre Knochen halten das Gewicht.

Das Konzept Funktionale Anatomie nutzt eine Arbeitsteilung:

  • Knochen sind robust und fest. Ohne dafür Kraft aufzubringen, können sie Gewicht tragen.
  • Muskeln — mit Sehnen und Faszien — sind weich, veränderbar zwischen Anspannung und Entspannung, und verbinden die Knochen, halten sie in ihrer korrekten Position und bewegen sie.

Daraus folgt das kinästhetische Prinzip: Führe das Körpergewicht möglichst über knöcherne Strukturen, statt es zu tragen.

Genau davon profitiert, wer durch lange Immobilität und Krankheit viel Muskelkraft verloren hat: Die Kraftübertragung über die Knochen lässt sich für die Mobilisation nutzen: Ihr könnt die Bewegung gemeinsam so führen, dass das Gewicht vor allem von den Knochen gehalten wird. Im Stand: Knie durchstrecken, Oberkörper aufrichten, alle Gelenke übereinander.

Und beim Aufstehen: Füße an den Boden, Oberkörper etwas nach vorn — der Schwerpunkt wandert auf die Füße. Ohne Gewichtsverlagerung kommt niemand aus dem Sitz in den Stand.

قاعدة عملية

Funktionale Anatomie: Führe das Körpergewicht möglichst über knöcherne Strukturen, statt es zu tragen — Knochen tragen ohne Kraftaufwand, Muskeln bewegen.

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Die Umgebung

Frau N. sitzt auf der Bettkante, das Bett steht hoch — ihre Füße baumeln in der Luft. Zum Aufstehen müsste sie sich fallen lassen.

Raum und Umgebung können die Bewegung fördern, sie können sie aber auch behindern. Ebenso können Hilfsmittel helfen oder bremsen. Das ist der Blick des Konzepts Umgebung. Schau dir deshalb beide Umgebungen genau an — die des Pflegeempfängers und deine eigene.

  • Bett: Bettgitter schneiden einem Menschen auf der Bettkante oft in den Oberschenkel — entferne sie für die Mobilisation. Stelle das Bett so hoch, dass die Füße im Sitzen den Boden erreichen: Darüber stabilisiert und balanciert er sich aus.
  • Matratze: Auf einer sehr weichen Matratze sind Bewegungen schwieriger, und sie beeinflusst die Körperwahrnehmung negativ; eine harte animiert eher, sich zu bewegen. Liegt jemand auf einer Anti-Dekubitus-Matratze, die sehr weich ist, solltest du regelmäßig prüfen, ob er sie wirklich noch braucht. Bedenke: Eine weiche Unterlage ist ein Bewegungs-Handicap.
قاعدة عملية

Füße brauchen im Sitzen Bodenkontakt, und eine weiche Unterlage ist ein Bewegungs-Handicap. Ist die Anti-Dekubitus-Matratze sehr weich, solltest du regelmäßig prüfen, ob der Mensch sie noch braucht.

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Hilfsmittel

Herr M. greift beim Aufstehen nach dem Nachtschrank. Die Kollegin rollt ihn weg, weil er zu unsicher ist — richtig. Aber eine Alternative bekommt Herr M. nicht.

Für Hilfsmittel zur Positionierung gilt: nur so viel wie wirklich nötig.

  • In sehr weiche Kissen sinkt der Pflegeempfänger ein — sie schränken die Mobilität ein und bieten zu wenig Widerstand, um sich zum Bewegen abzustoßen.
  • Eingerollte Handtücher sind oft die besseren Hilfsmittel: Sie sind hart, ihr Widerstand lässt sich zum Abdrücken nutzen — und initiiert so eigene Bewegung.

Und wenn du eine unsichere Stütze wegnimmst — wie den rollenden Nachtschrank bei Herrn M. —, dann solltest du immer eine geeignete Alternative bereitstellen: die gewohnte Gehhilfe oder die Lehne eines stabilen Stuhls. Gewohnte Hilfsmittel landen im Klinikalltag oft im Schrank und werden vergessen.

قاعدة عملية

Hilfsmittel nur so viel wie nötig: Eingerollte Handtücher sind oft bessere Hilfsmittel als sehr weiche Kissen — und wer eine unsichere Stütze wegnimmt, stellt eine Alternative bereit.

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Führen und Folgen

Die Mobilisation von Frau E. stockt. Deine Praxisanleiterin legt sich auf das freie, frisch bezogene Nachbarbett und probiert selbst aus, wie sie aus dieser Position herauskäme.

Kinästhetik heißt, die eigene und die fremde Bewegung zu erforschen. Führen und Folgen lässt gemeinsames Bewegen entstehen: Eine der beiden Personen gibt die Impulse — du oder der Pflegeempfänger —, die andere greift die Aktivität auf und folgt ihr. Klappt es nicht, solltest du nach Ursachen und Lösungen suchen. Dabei ist Kreativität jederzeit erlaubt. Im Zweifel solltest du ausprobieren und dabei aufmerksam bleiben. Wenn du nicht weiterweißt, nimm selbst die Position des Pflegeempfängers ein (auf einem freien, sauberen Bett) und probiere aus, wie du dich mobilisieren würdest.

  • Frag immer zuerst: Was kann der Pflegeempfänger? Die Grundlage jeder Bewegung sind seine Ressourcen — auch Muskeln und Knochen sind Ressourcen, zum Beispiel bei komatösen Pflegeempfängern.
  • Unterstützen, nicht übernehmen. Bewegt sich das Bein auf deine Aufforderung kaum, legst du eine Hand an den Unterschenkel und unterstützt die Bewegung in die Richtung — du bevormundest den Pflegeempfänger nicht, du gibst nur Hilfestellung.
قاعدة عملية

Führen und Folgen: Einer gibt die Impulse, der andere folgt. Frag zuerst — was kann der Pflegeempfänger selbst?

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Selbstschutz

In der Rückenschule hieß es: Rücken gerade! Deine Praxisanleiterin beugt sich beim Mobilisieren trotzdem — und bleibt dabei beschwerdefrei.

Kinästhetik schützt auch dich. Ein eigenes Ziel des Konzepts ist die Gesundheitsprophylaxe der Pflegenden: unphysiologisches Heben und Tragen wird vermieden.

  • Ruckartige Gewichtsverlagerungen sowie Heben und Tragen sind die schädlichen Bewegungen — sie widersprechen dem körperschonenden Prinzip und machen eine aufeinander bezogene, kontrollierte Bewegung unmöglich.
  • Nimm dir bei der Anleitung Zeit, damit der Patient Bewegungen in Ruhe ausführen kann.

Bleibt der scheinbare Widerspruch zur Rückenschule: Du bewegst dich anstrengungsarm und vielfältig und beugst dabei mitunter den Rücken — das klingt nach einem Verstoß gegen rückengerechte Arbeitsweise. Er löst sich auf, weil das Gewicht verlagert statt getragen wird: Es wandert langsam über die knöchernen Strukturen und wird an die Unterstützungsflächen abgegeben. Kinästhetik steht deshalb nicht im Widerspruch zur Rückenschule — und beugt als kräfteschonendes, sehr physiologisches Konzept Rückenproblemen wie Bandscheibenschäden vor.

قاعدة عملية

Heben, Tragen und ruckartige Gewichtsverlagerungen sind die schädlichen Bewegungen — Kinästhetik verlagert Gewicht über knöcherne Strukturen, statt es zu tragen.

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Gewohnheiten erfragen

Herr Yılmaz lehnt den Waschlappen ab. In der Übergabe steht: „verweigert die Grundpflege“.

Vielleicht verweigert er gar nichts. Für die Körperpflege bevorzugen Musliminnen und Muslime fließendes Wasser; die Pflege mit einem Waschlappen entspricht dieser Praxis nicht. Bei bettlägerigen Menschen genügen dafür eine Waschschüssel und ein Krug oder Messbecher.

Auch sonst kann die Gewohnheit anders sein, als du sie kennst. Vor dem Gebet wäscht sich ein gläubiger Mensch rituell — unterschieden werden die kleine Waschung von Gesicht, Händen, Armen und Füßen und die große Waschung des ganzen Körpers. Nach dem Toilettengang wird mit Wasser gereinigt. Im Judentum sind Waschungen ebenfalls ein religiöses Ritual, und die Hände werden häufig gewaschen: vor dem Essen, morgens, vor dem Gebet.

Zwei Dinge ändern deine Handgriffe unmittelbar:

  • Der Intimbereich ist weiter gefasst, als du vielleicht denkst: bei Frauen vom Hals bis zu den Oberschenkeln, bei Männern zwischen Nabel und Knien. Diese Bereiche bleiben bei der Grundpflege bedeckt.
  • Möglichst übernimmt eine gleichgeschlechtliche Pflegeperson — und wenn Angehörige die Körperpflege übernehmen wollen, passt du dich an und bestehst nicht darauf, dass sie direkt morgens stattfindet.
قاعدة عملية

Du fragst, wie er es gewohnt ist — du nimmst es nicht an.

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Würde und Initialberührung

Du legst einer Bewohnerin mit fortgeschrittener Demenz den nassen Waschlappen ins Gesicht. Sie zuckt zusammen und schlägt die Hand weg.

Sich nicht selbst waschen können, von anderen abhängig sein — das kann das Selbstwertgefühl treffen und Hilflosigkeit auslösen. Der Mensch hat ein Recht auf Selbstbestimmung. Deine Aufgabe ist, seine Selbstständigkeit und sein Selbstvertrauen zu erhalten und zu fördern.

  • Vor jeder Maßnahme holst du das Einverständnis ein.
  • Du sagst an, welche Körperstelle du berührst, und erklärst dein Vorgehen. Dabei nutzt du die korrekten Begriffe — zum Beispiel Vulva bei der Intimpflege.
  • Du schließt Türen, Vorhänge oder Jalousien, damit niemand von außen hineinsehen kann.
  • Wenn möglich, übernimmt eine gleichgeschlechtliche Pflegefachperson die Körperpflege.

Kann sich jemand nicht mehr zu seinen Wünschen äußern, kündigst du jede Körperstelle zuerst mit einer Berührung an — zum Beispiel führst du seine eigene Hand zum Gesicht, bevor der Waschlappen kommt. Das ist die Initialberührung.

قاعدة عملية

Kann sich jemand nicht mehr äußern, kündigst du jede Berührung zuerst mit der Hand an — die Initialberührung —, bevor der Waschlappen kommt.

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Augen, Ohren, Nase

Auf dem Nachttisch liegen Wattestäbchen. Ein Angehöriger meint es gut und reinigt damit die Ohren seines Vaters.

Bei gesunden Menschen genügen klares Wasser und ein sauberer Waschlappen: Wimpern, Tränenflüssigkeit und Augenlider schützen und reinigen die Augen selbst; das Ohr reinigt sich durch das Ohrenschmalz; die Nase säubert sich, wenn die Schleimhäute feucht genug bleiben. Spezielle Pflege brauchen die Sinnesorgane erst unter bestimmten Bedingungen.

Augen — spezielle Augenpflege, wenn der Lidschlag fehlt: bei Sedierung, Bewusstlosigkeit, Fazialislähmung oder unter einem Uhrglasverband; sonst trocknet die Hornhaut aus. Du reinigst das geschlossene Auge von außen nach innen — das ist die physiologische Fließrichtung der Sekrete — mit Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %, raumwarm) und weichen, sterilen Kompressen, ohne zu reiben; jede Kompresse benutzt du nur einmal und für jedes Auge eine frische, damit keine Infektion vom einen Auge aufs andere wandert. Jede Entzündung des Auges gehört augenärztlich abgeklärt: Unbehandelt können einige zum Verlust des Augenlichts führen.

Ohren — Ohrmuschel und äußeren Gehörgang wäschst du mit Waschlappen und klarem, warmem Wasser; weder Wasser noch Seife dürfen ins Ohr. Ohrenschmalz (Zerumen) entfernst du vorsichtig am Gehörgang, pro Ohrmuschel ein eigenes Wattestäbchen; den gestreckten Mittelfinger stützt du dabei am Kopf ab — so kann das Stäbchen höchstens bis zum Finger geraten. Hartnäckige Ceruminalpfropfen werden nur nach ärztlicher Anordnung aufgelöst und ausgespült. Für Säuglinge nimmst du gezwirbelte Zellstofftupfer oder Sicherheits-Wattestäbchen.

Nase — Neugeborene und Säuglinge sind Nasenatmer, eine freie Nase ist für sie besonders wichtig; ihr Sekret entfernst du mit einem gedrehten Zellstofftupfer mit NaCl 0,9 %, denn ein Watteträger würde das kleine Nasenloch ausfüllen und das Sekret nur weiter hineinschieben. Bei Sauerstofftherapie trocknet die Nasenschleimhaut aus und das Flimmerepithel wird geschädigt — deshalb reinigst und befeuchtest du mit steriler Kochsalzlösung und Nasensalbe und kontrollierst bei Sauerstoffbrille oder Nasensonde regelmäßig auf Druckstellen. Borken weichst du mit NaCl 0,9 % auf und reinigst jedes Nasenloch mit einem Watteträger: in der Mitte leicht drehend hinein, an der Nasenwand entlang leicht drehend heraus.

Nie — und sofort

Ein Wattestäbchen darf nie in den Gehörgang: Es drückt das Zerumen nur tiefer hinein, verschlechtert auf Dauer das Hörvermögen, und die Verletzungsgefahr für Gehörgang und Trommelfell ist groß. Fließt aus dem Ohr Blut, Eiter oder eine klare Flüssigkeit — das kann Liquor sein —, deckst du es steril mit Kompressen ab und benachrichtigst sofort den Arzt.

قاعدة عملية

Augen von außen nach innen, bei einer Infektion oder einem sedierten Menschen eine frische Kompresse pro Auge; nie ein Wattestäbchen in den Gehörgang; die Nase unter Sauerstoff feucht halten — Blut, Eiter oder klare Flüssigkeit aus dem Ohr sind sofort ein Arztfall.

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Teilwäsche am Waschbecken

Frau B. wurde vorgestern operiert. Heute fragt sie, ob sie sich am Waschbecken waschen darf.

Meist ist die Körperpflege am Waschbecken möglich — und sie ist mehr als Hygiene: Für den Menschen ist das Waschen am Waschbecken ein Zeichen, dass es ihm wieder besser geht. Deshalb unterstützt du ihn, so früh wie möglich dorthin zu kommen; Mobilisation und Körperpflege werden so sinnvoll verknüpft. Diese Hilfe für teilweise selbstständige Menschen heißt Teilwäsche. Sie ist häufig bei älteren Menschen und in der postoperativen Phase nötig.

Vor dem Weg ins Bad:

  • ggf. die Vitalzeichen kontrollieren.
  • an die Bettkante mobilisieren, die Beine berühren den Boden — dann nach dem Befinden fragen (Schwindel?).
  • rutschfestes Schuhwerk anziehen, Hilfsmittel wie Rollator oder Toilettenstuhl bereitstellen.
  • im Bad anbieten, Blase und Darm zu entleeren.

Bei der Mobilisation beobachtest du auf Zeichen der Kreislaufschwäche: Blässe, kalter Schweiß, Schwindelgefühl. Am Waschbecken bekommt der Mensch einen stabilen Stuhl mit Armlehnen, abgedeckt mit Handtuch oder Einmalunterlage. Du prüfst, dass Sonden, Drainagen und Kathetersysteme sicher angebracht sind und dass er alle Utensilien erreicht — ist der Spiegel einsehbar? Er wäscht sich so weit wie möglich selbst; viele brauchen Unterstützung nur beim Rücken, beim Waschen wie beim Abtrocknen. Hautfalten prüfst du dabei auf Rötungen.

Allein lassen

Du darfst den Menschen am Waschbecken nur allein lassen, wenn er kreislaufstabil und orientiert ist und keine Sturzgefahr besteht — und die Patientenrufanlage in Reichweite liegt.

Für die Intimpflege am Waschbecken sollte der Mensch sicher stehen können; spätestens für Gesäß, Anus und Analfalte sollte er sich hinstellen können. Sonst machst du sie in Absprache mit ihm vorher im Bett. Du stellst dich seitlich neben ihn — das mindert das Schamgefühl. Vorher wechselst du die Handschuhe, desinfizierst dazwischen die Hände und befeuchtest mit fließendem Wasser — so verschleppst du keine Keime.

Zum Schluss: Der Boden ist trocken (Rutschgefahr), Stolperfallen sind weg, du fragst nach dem Befinden. Bei Unwohlsein reagierst du je nach Situation: den Blutdruck messen, zurück ins Bett mobilisieren oder einen Arzt verständigen. Teilwaschung heißt auch: nur einen Teil des Körpers waschen. Das kann sinnvoll sein, wenn ein Mensch zu müde oder erschöpft ist — eine pflegerische Förderung wird dann schnell sinnlos.

قاعدة عملية

Ans Waschbecken, sobald es geht — das ist ein Zeichen der Besserung; allein bleibt dort nur, wer kreislaufstabil und orientiert ist und die Rufanlage erreicht, und die Intimpflege nur, wer sicher steht.

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Haut beobachten

Beim Waschen fällt dir auf, dass die Haut deiner Patientin sich anders anfühlt als gestern. Trocken, wenig elastisch. Du willst wissen, ob das etwas bedeutet.

So sieht gesunde Haut aus:

  • rosig
  • gut durchblutet und damit warm
  • elastisch
  • trocken
  • intakt

Eine regelmäßige, sorgfältige Hautbeobachtung sorgt dafür, dass dir Veränderungen früh auffallen und du angemessen darauf reagieren kannst.

Die Spannung der Haut heißt Hautturgor. Am Handrücken kannst du sie einfach prüfen: Hebst du eine Falte an und bleibt sie stehen, ist das bei jüngeren Menschen ein Zeichen für Austrocknung, eine Dehydratation.

Bei alten Menschen trägt dieser Test nicht — ihre Haut bleibt oft auch ohne Austrocknung in Falten stehen. Den Hautturgor darfst du bei älteren Menschen nicht zur Beurteilung des Flüssigkeitsstatus verwenden.

قاعدة عملية

Rosig, warm, elastisch, trocken, intakt — das ist gesunde Haut. Ihre Spannung, den Hautturgor, prüfst du am Handrücken. Bei alten Menschen verwendest du ihn nicht zur Beurteilung des Flüssigkeitsstatus.

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Zähneputzen

Ein Bewohner hält dir die Zahnbürste hin. Du putzt kurz über die Vorderseite, spülst nach und bist in 30 Sekunden fertig. Drei Handgriffe davon waren falsch.

Die Zähne solltest du zweimal täglich putzen — nach dem Frühstück und vor dem Schlafengehen —, jeweils mindestens 2 Minuten, mit einer Zahnbürste (elektrisch ist besser) und fluoridhaltiger Zahnpasta.

Du putzt mit leichten rüttelnden oder kreisenden Bewegungen, von Rot nach Weiß, je 1 bis 2 Zähne auf einmal, mit leichtem Druck. Die KAI-Systematik gibt dir die Reihenfolge vor:

  • erst die Kauflächen,
  • dann die Außenflächen,
  • dann die Innenflächen.

Nach dem Putzen ausspucken lassen — aber nicht den Mund ausspülen. Nur so bleibt die schützende Wirkung des Fluorids erhalten.

Zahnpflege ist meist etwas unangenehm — deshalb solltest du vor allem sanft und dabei zügig vorgehen. Dabei solltest du fortwährend erklären, was gerade passiert. Trotzdem lässt du so viel wie möglich selbst machen: Das fördert seine Ressourcen.

قاعدة عملية

Zweimal täglich, zwei Minuten, nach der KAI-Systematik: erst Kauflächen, dann außen, dann innen. Ausspucken, Ausspülen ist nicht nötig.

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Die Putztechnik

„Fester schrubben bringt mehr“, sagt ein Bewohner und drückt die Bürste ins Zahnfleisch. Es blutet.
  • Du putzt im 45°-Winkel nach der Rot-Weiß-Technik — Zahninnenseiten, Zahnaußenseiten, Zahnhälse und Kauflächen — mit einer weichen Bürste; sie verhindert Zahnfleischbluten. Die Zahnbürste drückst du dabei nur mit etwa 150 Gramm an.
  • Die Zahnpasta sollte einen RDA-Wert zwischen 40 und 80 haben. RDA steht für Radioactive Dentin Abrasion und ist ein Maß für die Abriebstärke.
  • Die Zunge reinigst du von hinten nach vorne, von dorsal nach ventral.
قاعدة عملية

45 Grad, 150 Gramm Druck — mehr braucht die Zahnbürste nicht.

معرفة تمريضية

Den Mund beobachten

Du hältst die Taschenlampe in den Mund einer Bewohnerin. Auf der Zunge liegt ein weißlicher Belag, der sich nicht wegwischen lässt.
  • Rosa, feucht und glänzend — so sieht eine gesunde Mundschleimhaut aus — ohne Aphthen, Risse, Blutungen oder Druckstellen, zum Beispiel durch eine Zahnprothese.
  • Eine gesunde Zunge ist feucht und leicht matt, ohne Beläge oder Borken. Ein weißlicher Belag kann ein Hinweis auf Soor sein, einen Befall der Schleimhaut mit Hefepilzen — Candida-Mykosen.
  • Gesunde Zähne sind glatt und hellgelb bis weiß. Das Zahnfleisch ist intakt, blutet nicht und bedeckt die Zahnwurzel vollständig. Gesunde Lippen sind rosig und feucht, in den Mundwinkeln ohne Rhagaden, also ohne Risse.
قاعدة عملية

Rosa, feucht, glänzend, ohne Risse — das ist ein gesunder Mund.

معرفة تمريضية

An- und Auskleiden

Ein Patient kommt zur Aufnahme. Im Schrank hängt seine eigene Kleidung — trotzdem greift jemand zum Patientenhemd.

Die eigene Kleidung bevorzugst du, wenn es geht — auch im Krankenhaus wählt der Mensch sie selbst: Nachthemd, Schlafanzug, Jogginganzug oder Alltagskleidung. Ein offenes Patientenhemd ist für Bettlägerige keine Routine; angebracht ist es bei pflegeintensiven Menschen, unmittelbar vor Operationen und Untersuchungen und bei akut Eingelieferten, denen noch niemand Kleidung bringen konnte. Sein Nachteil: Man fühlt sich nicht vollständig bekleidet, das Krankheitsgefühl kann sich verstärken. Auch bettlägerige Menschen tragen eine Unterhose — sie wahrt die Intimsphäre. Schuhe geben sicheren Halt, denn bei der Mobilisation droht ein Sturz.

Den Unterstützungsbedarf beim An- und Auskleiden schätzt du täglich neu ein und stimmst ihn mit dem Menschen ab. Die Reihenfolge bestimmt er. Leichter geht es mit weiter Kleidung, Klettverschlüssen statt Knöpfen und Schuhen mit Reiß- oder Klettverschluss statt Schnürsenkeln.

Worauf du bei der Kleidung achtest:

  • Risiken für Druckstellen vermeiden — Knöpfe, Reißverschlüsse.
  • an die Temperatur anpassen, hautfreundlich.
  • leichte Zugangsmöglichkeiten, zum Beispiel bei dauerhafter Harnableitung oder PEG.
  • Intimsphäre wahren — etwa eine weite Hose, die den Beinbeutel verbirgt.
  • hygienische Anforderungen, zum Beispiel bei infektiösen Hauterkrankungen.
Anziehen
Ausziehen
Betroffene Seite
an der stärker betroffenen Seite beginnen — bei einseitiger Erkrankung, Gipsverband oder Infusion
an der gesunden Seite beginnen, der weniger betroffenen
Oberteil
möglichst aufrecht sitzen lassen; Hals- und Ärmelöffnung weiten
vorne offen: erst einen Arm aus dem Ärmel, hinter dem Rücken durchschieben, dann der zweite Arm; über den Kopf: Oberteil hochschieben, Kopf und Brust beugen lassen, über den Kopf und dann über die Arme
Hose
Becken ein Stück anheben lassen und die Hose unter dem Gesäß durchziehen; geht das nicht, drehst du ihn erst auf die eine, dann auf die andere Seite
genauso — Becken anheben oder auf die Seiten drehen

Beim Ärmel fährst du mit dem eigenen Arm hinein und kommst der Hand des Menschen entgegen — Vorsicht mit intravenösen Zugängen. Du ziehst nie an Fingern oder Zehen; du fasst stattdessen distal am Unterarm oder Unterschenkel an oder umfasst die ganze Hand. Verschlüsse öffnest du zuerst alle, damit du den erkrankten Körperteil möglichst nicht berührst — und nimmst das Öffnen dem Menschen nicht vorschnell ab, es trainiert seine Feinmotorik. Falten in der Kleidung streichst du glatt, sie drücken auf die Haut. Du arbeitest gelenkschonend: Vor allem das Schultergelenk ist bei Fehlbelastung verletzungsgefährdet. Bei Säuglingen und Kindern verzichtest du auf Reißverschlüsse und Knöpfe und weitest Hals- und Ärmelöffnung vorher mit der eigenen Hand.

قاعدة عملية

Eigene Kleidung, der Mensch bestimmt die Reihenfolge; Anziehen an der betroffenen Seite zuerst, Ausziehen an ihr zuletzt — nie an Fingern oder Zehen ziehen.