Versorgung Verstorbener in der Pflege
Im Fall übenLydia Schmidt, 86 — AbschiedVersorgung Verstorbener
Direkt nach dem Tod reagieren Bezugspersonen sehr verschieden. Manche weinen laut, schreien oder brechen vor Verzweiflung zusammen, andere scheinen gefasst. Lass ihnen auf jeden Fall erst ein wenig Zeit zum Begreifen. Manche möchten allein beim Verstorbenen sein, anderen tut eine Hand auf der Schulter gut. Hilfreich ist, zunächst abzuwarten, ob Fragen kommen. Kommen keine, erklärst du nach einer angemessenen Zeit, dass du den Verstorbenen versorgen möchtest. Ihr vereinbart einen Zeitpunkt, und du bietest ihnen an, dabei zu sein und mitzuhelfen. Für Zugehörige kann das Mithelfen beim Waschen und Ankleiden ein sehr hilfreiches Ritual für ihre Trauer sein. Möchten sie nicht dabei sein, bittest du sie, kurz draußen vor dem Zimmer zu warten. Wünschen sie ein bestimmtes Kleidungsstück, kommst du dem nach.
Was der Verstorbene für seinen Körper gewünscht hat, etwa zu Obduktion, Organ- oder Gewebespende und Bekleidung, ist zu erfragen und, wenn möglich, zu befolgen. In manchen Religionen regeln Vorschriften den Umgang mit dem Leichnam, z. B. rituelle Waschungen, Distanzgebote, Kleidungsvorschriften oder eine Betreuung durch das gleiche Geschlecht. Ist es nicht vorher geschehen, soll deshalb unmittelbar nach dem Tod die Religionszugehörigkeit bestimmt werden. Auskunftsfähige Angehörige fragst du nach Geboten und Verboten.
Bei einem natürlichen, erwarteten Tod versorgen die Pflegenden den Leichnam:
- Mit dem Verstorbenen gehst du bei allen Maßnahmen würdevoll und achtsam um.
- Zu- und Ableitungen sollten je nach Hausstandard und nach Möglichkeit entfernt werden. Träte beim Entfernen noch viel Flüssigkeit aus, können sie belassen und abgeklebt werden.
- Soweit nötig, sollte der Verstorbene gewaschen und gebettet und bei Bedarf rasiert werden. Angenehm riechen sollte er auch. Verletzungen werden abgedeckt, Blutverkrustungen entfernt. Weil sich Körperflüssigkeiten entleeren können, ist Inkontinenzmaterial häufig sinnvoll.
- Ankleiden solltest du ihn erst nach der Leichenschau, weil der Arzt den Leichnam unbekleidet begutachten muss. Es empfiehlt sich aber, vor dem Eintreten der Leichenstarre anzukleiden, weil es dann wesentlich leichter und sanfter geht.
- Er liegt flach auf dem Rücken, seine Augen werden geschlossen. Bleiben sie nicht zu, kannst du die Lider kurzzeitig mit einem feuchten Tupfer beschweren. Für den letzten Blick der Zugehörigen ist dieses Bild aber nicht geeignet.
- Eine Zahnprothese wird eingesetzt und der Mund geschlossen. Weil die Kiefermuskulatur ausfällt, bleibt der Mund nicht von selbst geschlossen. Für Außenstehende kann ein überweit geöffneter Mund unwürdig oder befremdlich wirken. Das Kinn hochzubinden ist nicht notwendig. Stattdessen stützt du es mit einem Handtuch, das du längs zusammenrollst und unter das Kinn legst. Seine beiden Enden kommen unter den Kopf bzw. das Kopfkissen.
- Die Hände faltest du nicht. Beginnt die Leichenstarre, lassen sie sich zunächst nicht mehr lösen. Leg sie nur locker über Bauch oder Brust übereinander.
- Beim Positionswechsel kann Luft aus der Lunge entweichen und beim Drehen ein Atemgeräusch auslösen.
- Schmuck wird in der Regel entfernt, außer der Zugehörige, der für die Bestattung zuständig ist, verfügt es anders. Am Leichnam bringst du ein Identifikationskärtchen an.
Ziel der Versorgung ist das letzte Bild, das die Zugehörigen von dem Verstorbenen sehen. Nach Möglichkeit räumst du alles weg, was an Krankheit erinnert. Wenn möglich, gibst du den Bezugspersonen so viel Zeit zum Abschied, wie sie brauchen, im Zimmer oder in einem Abschiedsraum. Der Abschied kann mit der Krankenhausseelsorge als Ritual erfolgen, z. B. als Aussegnung. Weise auch darauf hin, dass einzeln Abschied genommen werden kann. Bevor die Angehörigen gehen, informierst du sie, dass ein Beerdigungsinstitut alle weiteren Schritte organisiert und sie sich dorthin wenden sollten. Du gibst ihnen auch die persönlichen Dinge des Verstorbenen mit. Je nach Einrichtung erledigst du auch administrative Aufgaben, z. B. die Sterbefallanzeige.
Angehörige sollen empathisch und zeitnah vom Tod erfahren, besonders wenn sie beim Sterben nicht anwesend sein konnten. Auch nach dem Tod ist der (mutmaßliche) Wille des Verstorbenen zu achten, auch bei der Frage, wer informiert werden soll und darf. Im Team sollte geklärt sein, wer die Todesnachricht überbringt. Auch Therapeuten, Reinigungspersonal und beteiligte Ehrenamtliche sollten zeitnah informiert werden. So werden sie nicht überrascht und haben Gelegenheit, sich zu verabschieden.
Die Sterberituale der verschiedenen Religionen beachtest du bei der Versorgung unbedingt. Was gewünscht ist, erfragst du.
Erst Zeit zum Begreifen, dann die Versorgung, auf Wunsch gemeinsam. Der Verstorbene liegt flach auf dem Rücken, Augen und Mund sind geschlossen, das Kinn ist mit einer Handtuchrolle gestützt, die Hände liegen locker übereinander.
Teste dich selbst
Warum faltest du die Hände eines Verstorbenen nicht?
Mit Beginn der Leichenstarre lassen sie sich zunächst nicht mehr lösen. Deshalb legst du sie nur locker über Bauch oder Brust übereinander.
Wie stützt du das Kinn eines Verstorbenen, und warum faltest du seine Hände nicht?
Erst Zeit zum Begreifen, dann die Versorgung, auf Wunsch gemeinsam. Der Verstorbene liegt flach auf dem Rücken, Augen und Mund sind geschlossen, das Kinn ist mit einer Handtuchrolle gestützt, die Hände liegen locker übereinander.