CE 05

Menschen in kurativen Prozessen pflegerisch unterstützen und Patientensicherheit stärken

Durumlar

Frau Hartmann, 79 — der Sturz im BadNachts um drei rutscht eine 79-Jährige im Bad aus. Das Bein liegt kürzer und nach außen gedreht — „Ist es gebrochen?“ Erst deine Vermutung, dann das Wissen, dann der Fall.Frau Hartmann — Tag 1 nach der Hüft-TEPFrühdienst, 7:30 Uhr, erster Tag nach der Hüft-TEP: „Ich muss mal. Kann ich aufstehen?“ Welche Bewegung die neue Hüfte gefährdet, über welche Seite es aus dem Bett geht — und wann du abbrichst.Herr Becker, 59 — nachts keine LuftKurz vor drei, Innere Station: Ein Mann mit COPD ringt nach Luft. Was bei ihm los ist, was du in den ersten Minuten tust und warum Sauerstoff hier heikel ist.Herr Becker — das Spray hilft nichtAm Morgen nach der Atemnot: „Das Spray hilft gar nicht. Das ist nur mein Raucherhusten.“ Was du ihn fragst, was du bei seinem Spray siehst und wie du die Dusche planst.Herr Becker — fünf am Tag reichenEntlassungstag: „Ich rauche nur noch fünf am Tag. Das reicht doch.“ Ein Gespräch ohne Druck, eine Übergabe, die du selbst schreibst, und eine Frage seiner Frau.Frau Schmidt, 85 — Wasser in den BeinenInnere Station, zweiter Tag: Eine Frau schläft im Sessel, ihre Knöchel sind dick, und die Waage zeigt 1,5 kg mehr als gestern. Was ihre Zeichen sagen und was du jetzt tust.Frau Schmidt — in der NachtKurz nach eins, Innere Station: Eine Frau ringt nach Luft, in ihrer Brust brodelt es. Was sich am Abend schon gezeigt hat, was du in den ersten Minuten tust und worauf du bei der Wassertablette achtest.Frau Schmidt — ich brauche nicht vielEntlassungstag: Die Tochter fragt, ob ihre Mutter weniger trinken soll, und die Mutter lässt an Arzttagen die Wassertablette weg. Was du den beiden erklärst und was du der Weiterversorgung schreibst.Herr Al-Khatib, 47 — die AufnahmeAbends auf der chirurgischen Station: Ein Mann mit starken Bauchschmerzen sagt „Es geht schon“. Wie du Puls, Blutdruck, Temperatur und Atmung richtig misst und was ein auffälliger Wert bedeutet.Herr Al-Khatib — der Morgen nach der OPAm Morgen nach der Bauch-OP: schläfrig, kühle Hände, flache schnelle Atmung, und er sagt „Es geht schon“. Wie wach er ist, was seine Werte zeigen und wann du die Ärztin informierst.Herr Al-Khatib — Schüttelfrost am zweiten TagAm zweiten Tag nach der OP zittert er unter der Decke: „Mir ist so kalt. Ist das normal?“ Welche Fieberphase das ist, was du jetzt tust und woran du nachts eine Krisis erkennst.Herr Russo, 82 — der erste Tag nach der OperationChirurgische Station, Tag 1 nach einer Operation am Oberbauch: Ein 82-Jähriger atmet flach und will kein Schmerzmittel. Ist er pneumoniegefährdet, und was tust du zuerst?Herr Russo — am vierten Tag verändertAm vierten Tag nach der Operation erkennt er dich nicht gleich, Fieber hat er kaum. Was hinter der Verwirrtheit stecken kann und wann du die Ärztin rufst.Herr Russo — Pneumonie, und er will heimFieber, zäher Schleim, die Suppe bleibt stehen, und er will nach Hause. Wie du einen Menschen mit Pneumonie pflegst und was er vor der Entlassung von dir hören muss.Frau Aydın, 75 — der Tag vor der OperationChirurgische Station, morgen bekommt eine 75-Jährige ein künstliches Kniegelenk. Wie hoch ist ihr Thromboserisiko, und braucht sie die Spritze, obwohl sie viel läuft?Frau Aydın — der erste Tag nach der OperationEine Minute vor dem Bett, ein Nicken zu jeder Übung, und dann kribbeln die Zehen im Strumpf. Was am ersten Tag nach einer Knie-TEP wirklich gegen eine Thrombose hilft.Frau Aydın — die Wade am sechsten TagKurz vor der Entlassung ist eine Wade dick, glänzend und warm. Was du sofort tust, worauf du unter Heparin achtest und was die Tochter vor der Entlassung wissen muss.Herr Aydın, 77 — der Morgen mit dem PflegedienstAmbulante Pflege, ein Küchentisch mit Messgerät und Pen. Wo du stichst, wie du rechnest, wohin du spritzt und warum die Wärmflasche nicht ins Bett gehört.Herr Aydın — der Abend, an dem er schwitztEr schwitzt, zittert und kann nicht sagen, was los ist. Wie du eine Hypoglykämie erkennst, warum du erst Zucker gibst und dann misst und was bei einem unklaren Koma gilt.Murat Aydın, 49 — die DiagnoseEin Laborzettel, keine Beschwerden und keine Zeit für Sport. Wie du einem Menschen mit neuem Typ-2-Diabetes erklärst, was der Wert sagt und worauf die Therapie ruht.Herr Al-Khatib, 47 — „Nein, alles gut“Der Tag nach der Blinddarm-OP. Er sagt, alles sei gut, und hält beim Aufsetzen die Luft an. Wie du nach Schmerzen fragst, vor dem ersten Aufstehen vorbeugst und die Wirkung prüfst.Herr Al-Khatib — „Unten drückt es so“Am Abend drückt es unten, anders als an der Wunde. Wann ein Schmerz ein Alarmsignal ist, worauf du nach einem Opioid achtest und was du tust, wenn er nichts mehr nehmen will.Emine Aydın, 75 — „Es ziept halt“Seit Jahren tun ihr die Knie weh. Wie du chronischen Schmerz einordnest, eine Anamnese erhebst, die Risiken der Selbstmedikation erkennst und mit ihr ein eigenes Ziel findest.

Okumak için bilgi

İçindekiler · 166 bölüm
  1. Auffrischer: Hüfte und Oberschenkelknochen
  2. Auffrischer: Knochenauf- und -abbau
  3. Auffrischer: Was eine Fraktur ist
  4. Sichere und unsichere Frakturzeichen
  5. Schenkelhalsfraktur
  6. Präoperative Pflege
  7. DMS-Kontrolle
  8. Operationsverfahren
  9. Luxationsprophylaxe
  10. Erstmobilisation
  11. Komplikationen
  12. Entlassung und Sturzprophylaxe
  13. Atemwege und Lunge
  14. COPD: Definition
  15. Exazerbation
  16. Akute Atemnot
  17. Sauerstoff bei COPD
  18. Die Lippenbremse
  19. Entstehung der COPD
  20. Leitsymptome
  21. Das Dosieraerosol
  22. Mobilisation bei COPD
  23. Der Pulverinhalator
  24. Rauchstopp bei COPD
  25. Schulung, Impfung, Überleitung
  26. Ernährung bei COPD
  27. Aufbau des Herzens
  28. Was eine Herzinsuffizienz ist
  29. Linksherz- und Rechtsherzinsuffizienz
  30. Ödeme
  31. Gewicht und Flüssigkeitsbilanz
  32. Beobachten
  33. Die NYHA-Stadien
  34. Dekompensation erkennen
  35. Akutes Lungenödem
  36. Medikamente und ihre Beobachtung
  37. Körperpflege
  38. Trinkmenge und Salz
  39. Ernährung und Gewicht
  40. Schulung und Selbstmanagement
  41. Medikamentenmanagement
  42. Begleitung und Entlassung
  43. Training und Alltagsaktivität
  44. Pulsmessorte
  45. Puls messen
  46. Blutdruck messen
  47. Blutdruck beurteilen
  48. Körpertemperatur beurteilen
  49. Messorte
  50. Atmung beobachten
  51. Bewusstsein
  52. Orientierung
  53. Atemqualität und Atemrhythmus
  54. Beurteilen des Pulses
  55. Atemfrequenz
  56. Atemgeräusche und Sputum
  57. Sauerstoffsättigung
  58. Fieberphasen
  59. Physiologische Grundlagen der Körpertemperatur
  60. Fiebersenkende Maßnahmen
  61. Fieber bei Kindern und älteren Menschen
  62. Pneumonie
  63. Risikofaktoren
  64. Pneumonierisiko erkennen
  65. Minderbelüftung
  66. Schmerz und Atmung
  67. Das LISA-Prinzip
  68. Atemtrainer
  69. Atemübungen
  70. Mobilisation
  71. Atemunterstützende Positionierung
  72. Symptome
  73. Symptome bei älteren Menschen
  74. Beobachten bei Pneumonie
  75. Einteilung
  76. Lunge abhören
  77. Hygiene
  78. Pflege bei Pneumonie
  79. Diagnostik und Therapie
  80. Schonend abhusten
  81. Sekret und Drainagelagerung
  82. Kontaktatmung
  83. Dehnlagen
  84. Aspiration vermeiden
  85. Atemstimulierende Einreibung
  86. Impfung und Beratung
  87. Muskel-Venen-Pumpe
  88. Expositionelle und dispositionelle Risikofaktoren
  89. Thrombose
  90. Lungenembolie
  91. Virchow-Trias
  92. Thromboserisiko erkennen und einschätzen
  93. Risikogruppen
  94. Maßnahmen nach Risikogruppe
  95. Frühmobilisation
  96. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  97. Hochlagern und Ausstreichen
  98. Bewegungsübungen
  99. Passive Bewegungsübungen
  100. Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe
  101. MTPS anpassen und anziehen
  102. Strumpfarten
  103. Kompression: Warnzeichen und Kontraindikationen
  104. Intermittierende pneumatische Kompression
  105. Tiefe Venenthrombose: Symptome
  106. Antikoagulanzien
  107. Informieren und beraten
  108. Wirksamkeitskontrolle
  109. Lungenembolie erkennen
  110. Inselorgan der Bauchspeicheldrüse
  111. Blutzucker messen
  112. Blutzuckerbestimmung
  113. Die verschiedenen Insuline
  114. Insulin injizieren
  115. Fußpflege
  116. Diabetisches Fußsyndrom
  117. Haut, Mund und Zähne
  118. Insulintherapien
  119. Hypoglykämie
  120. Therapie bei Hypoglykämie
  121. Nächtliche Hypoglykämie
  122. Hyperglykämie
  123. Krank oder nüchtern
  124. Antidiabetika
  125. Beobachten
  126. Ursachen und Formen
  127. Symptome
  128. HbA1c
  129. Therapie
  130. Ernährung
  131. Bewegung
  132. Folgeerkrankungen
  133. Diabetes mellitus
  134. Weitere Formen
  135. Kohlenhydrate
  136. Schulung
  137. Prävention
  138. Entlassung und Alltag
  139. Kinder und Jugendliche
  140. Schmerzleitung
  141. Schmerzscreening
  142. Was Schmerz ist
  143. Einflussfaktoren
  144. Gezielte Beobachtung
  145. Nozizeption
  146. Schmerzprävention
  147. Grundregeln
  148. Expertenstandard
  149. Nicht medikamentöse Schmerztherapie
  150. Schmerzskalen
  151. Schmerzen bei Kindern
  152. Postoperative Schmerzen
  153. Funktion des Schmerzes
  154. Schmerzarten
  155. Opioide
  156. WHO-Stufenschema
  157. Schmerzpflaster und PCA
  158. Information, Schulung, Beratung
  159. Schmerzen im Alter
  160. Akute und chronische Schmerzen
  161. Chronifizierung
  162. Schmerzanamnese
  163. Nichtopioide
  164. Kälte- und Wärmeanwendungen
  165. Ablenkung und Entspannung
  166. Stabile und instabile Schmerzsituation
Bakım bilgisi

Auffrischer: Hüfte und Oberschenkelknochen

„Wo genau ist das gebrochen?“, fragt der Enkel von Frau H. am Telefon. Du zeigst es dir an der eigenen Hüfte: außen, knapp unter dem Gelenk, kannst du einen Knochenvorsprung tasten.
Das obere Ende des Oberschenkelknochens mit drei beschrifteten Punkten: Hüftkopf, Schenkelhals, Trochanter major.HüftkopfSchenkelhalsTrochanter major

Der Oberschenkelknochen (Os femoris, kurz: das Femur) ist der kräftigste und längste Röhrenknochen im menschlichen Körper. Sein oberes Ende ist der Ort, an dem Frau H. gebrochen ist.

  • Hüftkopf (Caput femoris): kugelig. Er bildet zusammen mit dem Acetabulum, der Hüftpfanne des Beckens, das Hüftgelenk.
  • Schenkelhals (Collum femoris): verbindet den Hüftkopf mit dem Femurschaft (Corpus femoris). Der Winkel zwischen beiden heißt CCD-Winkel. Beim Erwachsenen ist er normalerweise 126°, im Alter nimmt er ab.
  • Trochanter major und minor: zwei Knochenvorsprünge am Übergang vom Schenkelhals zum Schaft, außen der große, innen der kleine. Sie sind die Ansatzflächen der Hüftmuskulatur. Den Trochanter major tastest du außen am Oberschenkel knapp unter dem Hüftgelenk.
  • Art. coxae, das Hüftgelenk, ist ein Kugelgelenk. Die tiefe Pfanne umfasst etwa zwei Drittel des Kopfs (Nussgelenk), eine Knorpellippe verstärkt den Rand. So ist der Kopf besser gegen ein Herausgleiten geschützt als im Schultergelenk.
  • Die Gelenkkapsel reicht vom Pfannenrand bis zum Schenkelhals. Drei starke Bänder verstärken sie: das Lig. iliofemorale vorn verhindert die Überstreckung, das Lig. ischiofemorale hinten hemmt die Innenrotation, das Lig. pubofemorale unten begrenzt die Abduktion.
Warum die Prothese luxieren kann

Ein künstliches Hüftgelenk schwächt den Kapselbandapparat operationsbedingt. Kurz nach der Operation ist deshalb die Gefahr groß, dass sich das künstliche Gelenk ausrenkt (luxiert). Das Bein darf nicht rotieren. Die Beine dürfen nicht übereinandergeschlagen und das Hüftgelenk nicht über 90° gebeugt werden.

Pratik kural

Hüftkopf, Schenkelhals, Trochanter major: Der Bruch bei Frau H. liegt am Schenkelhals, zwischen Kopf und großem Rollhügel. Die tiefe Pfanne und drei Bänder halten den Kopf. Genau dieser Halt ist nach der Prothese geschwächt.

Bakım bilgisi

Auffrischer: Knochenauf- und -abbau

„Meine Knochen sind doch nicht aus Zucker“, sagt Frau H. Doch: Knochen ist kein fertiges Material. Er wird jeden Tag ab- und wieder aufgebaut.

Knochengewebe ist das härteste Bindegewebe des Körpers: fest gegen Zug, Druck und Scherkräfte. Zugleich ist es der Kalziumspeicher des Körpers: Rund 99 % allen Kalziums liegen in den Knochen. Seine Festigkeit kommt aus der Extrazellulärmatrix: etwa 45 % anorganische Mineralsalze (vor allem Hydroxylapatit, eine Form des Kalziumphosphats), rund 30 % organische Kollagenfibrillen vom Typ I, dazu Wasser.

Knochen ist nie fertig: Er wird ein Leben lang umgebaut. Dafür sorgen drei Zellarten. Die dritte, die Osteozyten, entsteht aus Osteoblasten. Sie sitzt in kleinen Höhlen (Lakunen) und misst wahrscheinlich die Belastung des Knochens (Mechanosensoren):

Osteoblasten: Aufbau
Osteoklasten: Abbau
Aufgabe
stellen die Grundsubstanz des Knochens her und die Vorstufe des Kollagens. Die Matrix mineralisiert nach etwa zwei Tagen
bauen die verkalkte Interzellularsubstanz ab. Verwandt mit den Makrophagen, bis zu 50 Zellkerne
Was sie steuert
Belastung des Knochens aktiviert sie
ihre Botenstoffe kommen unter anderem von den Osteoblasten. Auf- und Abbau halten sich die Waage
Im Alter
mit steigendem Alter werden sie weniger
der Abbau überwiegt: Osteopenie, bei stärkerem Verlust Osteoporose

Gesteuert wird der Umbau über Hormone: Östrogene hemmen die Bildung von Osteoklasten und aktivieren die Osteoblasten. Glukokortikoide bremsen den Knochenaufbau, weil sie die Bildung von Osteoblasten hemmen.

Osteopenie oder Osteoporose

Im Alter sinkt die Knochendichte, weil mehr Knochen abgebaut als aufgebaut wird. Dieser normale Vorgang heißt Osteopenie. Geht der Verlust über das normale Maß hinaus, heißt das Osteoporose. Vorwiegend trifft es Frauen nach den Wechseljahren (sinkende Östrogenbildung). Auch eine Glukokortikoid-Langzeittherapie (als Nebenwirkung) oder fehlende Belastung, etwa bei Bettlägerigkeit, kann eine Osteoporose auslösen.

Pratik kural

Knochen wird ständig umgebaut: Osteoblasten bauen auf, Osteoklasten ab. Belastung und Östrogene stärken den Aufbau. Alter, Glukokortikoide und Bettlägerigkeit schwächen ihn. Wenn der Abbau überwiegt, sinkt die Knochendichte: Osteopenie, dann Osteoporose.

Bakım bilgisi

Auffrischer: Was eine Fraktur ist

Das Röntgenbild von Frau H. liegt auf dem Bildschirm. Die Ärztin sagt: „Mediale Schenkelhalsfraktur, disloziert.“ Drei Wörter, und jedes entscheidet über die Behandlung.

Eine Fraktur (Knochenbruch) ist eine Kontinuitätsunterbrechung des Knochens: Zwei oder mehr Bruchstücke (Fragmente) sind durch einen Bruchspalt getrennt. Wenn sie gegeneinander verschoben sind, ist die Fraktur disloziert. Wenn die Kontinuität teilweise erhalten bleibt, ist sie inkomplett (Fissur, beim Kind Grünholzfraktur).

Eingeteilt wird nach Merkmalen, die über die Therapie mitentscheiden:

  • Ursache: traumatisch durch Krafteinwirkung (Sturz), pathologisch bei geschwächtem Knochen (Osteoporose, Tumor), Ermüdungsfraktur bei wiederkehrender Belastung.
  • Gewebsbeteiligung: geschlossen oder offen (mit Verbindung zur Außenwelt, also Eintrittspforte für Erreger), mit oder ohne Gelenkbeteiligung.
  • Dislokation: Seitenverschiebung, Verkürzung, Verlängerung, Stauchung, Achsenknick, Rotation.
  • Verlauf der Frakturlinie: Quer-, Schräg-, Spiral-, Längsfraktur, T- oder Y-förmig. Fragmentzahl: einfach oder Mehrfragment-, Stück-, Trümmerfraktur.

Die Diagnose sichert das Röntgenbild in zwei Ebenen. Ziel jeder Behandlung ist, Funktion und Mobilität früh wiederherzustellen. Die Behandlung steht auf drei Pfeilern:

  1. Reposition

    Die Knochenfragmente werden in die korrekte anatomische Position zurückgebracht. Das geschieht so früh wie möglich, damit Nerven, Gefäße, Muskeln und Haut wenig Schaden nehmen. Geschlossen unter Schmerzausschaltung oder offen im OP.

  2. Retention

    Die Fraktur wird in dieser Stellung ruhiggestellt: konservativ von außen (Gips, Schiene, selten Extension) oder operativ von innen (Osteosynthese mit Schrauben, Platte, Nagel oder eine Endoprothese).

  3. Rehabilitation

    Rasche Mobilisation, meist mit Physiotherapie, damit die Folgen längerer Immobilität ausbleiben: Muskel- und Knochenabbau, Thrombose, Kontrakturen.

Pratik kural

Fraktur = Kontinuitätsunterbrechung. Entscheidend sind Ursache (traumatisch, pathologisch, Ermüdung), offen oder geschlossen, disloziert oder nicht. Die Behandlung hat drei Pfeiler: Reposition, Retention, Rehabilitation.

Bakım bilgisi

Sichere und unsichere Frakturzeichen

Frau H., 79, liegt nach dem Sturz im Bad auf den Fliesen. Das rechte Bein wirkt kürzer und ist nach außen gedreht. „Es tut so weh. Ist es gebrochen?“

Die Symptome einer Fraktur teilst du in unsichere und sichere Frakturzeichen ein. Unsichere Zeichen heißen so, weil sie ebenso bei einer Prellung oder einer Entzündung vorkommen. Sichere Zeichen beweisen den Knochenbruch.

  • Unsichere Frakturzeichen: (Druck-)Schmerz, Schwellung, Funktionseinschränkung oder Sensibilitätsstörungen, Hämatom.
  • Sichere Frakturzeichen: Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit, fühl- oder hörbares Knochenreiben, offene Fraktur mit sichtbaren Knochenenden.

Bei Frau H. ist das Bein verkürzt und nach außen gedreht: eine Fehlstellung, also ein sicheres Zeichen. Ihr starker Schmerz allein wäre nur ein unsicheres Zeichen. Gesichert wird die Diagnose radiologisch, mit dem Röntgenbild.

Pratik kural

Schmerz, Schwellung und Hämatom sind unsichere Frakturzeichen. Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit, Knochenreiben und sichtbare Knochenenden sind sichere. Ein verkürztes, außenrotiertes Bein ist eine Fehlstellung.

Bakım bilgisi

Schenkelhalsfraktur

„Ich bin doch nur im Bad ausgerutscht“, sagt Frau H. „Vom Stehen auf den Boden. Davon bricht doch kein Knochen.“

Doch, bei ihr schon. Die Schenkelhalsfraktur (SHF) ist die Fraktur, die für den älteren Menschen mit Osteoporose typisch ist, vor allem bei Frauen. Fast immer geht ihr ein Sturz voraus: auf die Hüfte oder auf das Bein.

  • Wo es bricht: am Schenkelhals, also unterhalb des Hüftkopfs und oberhalb des Trochanter major, des großen Rollhügels am Oberschenkelknochen.
  • Warum ein Sturz aus dem Stand genügt: Bei Osteoporose baut der Knochen mehr Substanz ab, als er neu bildet. Die Knochendichte sinkt, das Frakturrisiko steigt massiv. Dann reicht ein leichter Sturz auf Hüfte oder Bein für den Bruch des osteoporotischen Knochens.
  • Woran du es erkennst: Schmerzen in der Leiste, dazu Druckschmerz am Trochanter. Das Bein ist nicht belastbar, meist verkürzt und außenrotiert.
  • Warum die Lage des Bruchs zählt: Meist liegt der Bruchspalt innerhalb der Gelenkkapsel (mediale Schenkelhalsfraktur). Dort können die Gefäße verletzt werden, die den Hüftkopf versorgen. Dann droht eine Hüftkopfnekrose.
Pratik kural

Osteoporose plus Sturz aus dem Stand genügt für den Schenkelhals: Leistenschmerz, Bein verkürzt, außenrotiert und nicht belastbar. Beim medialen Bruch droht die Hüftkopfnekrose.

Bakım bilgisi

Präoperative Pflege

Notaufnahme, 3:40 Uhr. Frau H. liegt auf der Trage, das Röntgenbild bestätigt die Fraktur. Die OP ist für den Vormittag geplant. Bis dahin bist du zuständig.

Bis zur Operation geht es um vier Dinge: überwachen, Schmerz lindern, Anordnungen einhalten, vorbereiten.

Blutverlust bei geschlossener Fraktur

Bei einer Oberschenkelfraktur können bis zu 2 Liter Blut in den Oberschenkel verloren gehen. Wenn die Fraktur geschlossen ist, zeigt sich der Blutverlust möglicherweise erst spät: als Schwellung und Hämatom. Ein lebensbedrohlicher Volumenmangelschock ist möglich.

  • Vitalzeichen engmaschig: Nach einem Unfall kontrollierst du Blutdruck, Puls und Atmung engmaschig, um einen drohenden Schock zu erkennen. Tachykardie und Hypotonie sind die Zeichen.
  • Schmerz: Du erfragst die Schmerzstärke regelmäßig mit einem Schmerzassessment und gibst die angeordnete Schmerzmedikation.
  • Anordnungen einhalten: Bettruhe und Nichtbelasten des Beins gelten bis zur OP.
  • Thromboembolieprophylaxe beginnt schon präoperativ: medikamentös nach Anordnung. An das Bein, das nicht operiert wird, ziehst du einen medizinischen Thromboseprophylaxestrumpf.
  • Blasenverweilkatheter: Bei Frauen ist vor einer großen Hüftoperation ein transurethraler Blasenverweilkatheter sinnvoll, weil Steckbecken und Toilettengänge schmerzhaft sind.
  • Psychische Begleitung: Patientin und Angehörige stehen nach dem Unfall „unter Schock“ und brauchen Begleitung.
  • Vorbereiten, wenn möglich: Gehen mit Unterarmgehstützen, Drehen und Aufsetzen an den Bettrand übst du idealerweise schon vor der OP.
Pratik kural

Bis zur OP: Vitalzeichen engmaschig (Schockgefahr durch verdeckten Blutverlust bis 2 Liter), Schmerz regelmäßig erfragen, Nichtbelasten einhalten. Die Thromboembolieprophylaxe beginnt präoperativ. Vor einer großen Hüft-OP ist bei Frauen ein Blasenverweilkatheter sinnvoll, weil Steckbecken und Toilettengänge schmerzen.

Bakım bilgisi

DMS-Kontrolle

„Können Sie die Zehen bewegen?“, fragst du Frau H. auf der Trage. Dabei legst du die Hand an ihren Fuß.

Die DMS-Kontrolle beurteilt eine Extremität nach Durchblutung, Motorik und Sensibilität. Sie kann zeigen, wie groß das Ausmaß einer Verletzung ist. Nach der OP ist sie ein wichtiger Beobachtungsaspekt. Dabei solltest du die betroffene mit der gesunden Seite vergleichen.

  • D = Durchblutung: Hautfarbe und Hauttemperatur, Nagelbettprobe, Puls am Fuß tasten.
  • M = Motorik: Kann und darf (ärztliche Anordnung) die Patientin die Extremität bewegen? Zehen und Fuß bewegen lassen, operierte und nicht operierte Seite vergleichen.
  • S = Sensibilität: Streiche mit der flachen Hand über beide Beine: Fühlt sich die betroffene Seite anders an, pelzig oder taub? Berührungs-, Druck- und Schmerzempfinden prüfen.
Alarmzeichen: Arzt informieren

Durchblutung: blasse oder blau-rote Verfärbung, ein deutliches Kälte- oder Wärmegefühl, deutliche Schwellung, der Puls abgeschwächt oder nicht mehr tastbar. Motorik: Zehen oder Finger werden steif, eine Lähmung tritt auf, unvollständig oder vollständig. Sensibilität: Gefühllosigkeit, Kribbeln oder „Ameisenlaufen“, Schmerzen, die neu auftreten oder zunehmen.

Nach einer Reposition und nach jeder Anlage eines Gips- oder Schienenverbands wiederholst du die DMS-Kontrolle.

Pratik kural

DMS heißt Durchblutung, Motorik, Sensibilität: Hautfarbe, Temperatur und Fußpuls · bewegen lassen · Berührung fühlen. Immer im Seitenvergleich. Jedes Alarmzeichen (Puls weg, blau-rot, Lähmung, Taubheit, neuer Schmerz) geht sofort zum Arzt.

Bakım bilgisi

Operationsverfahren

Die Unfallchirurgin sagt zu Frau H.: „Bei Ihnen setzen wir ein künstliches Hüftgelenk ein.“ Später fragt Frau H. dich: „Warum wird der Bruch nicht einfach verschraubt?“

Weil das Alter und der Zustand des Hüftkopfs die Operation bestimmen. Nur Frakturen mit flachem Bruchspalt (Pauwels I) lassen sich konservativ behandeln. Bedingung: Die Patientin kann an Krücken gehen, körperlich und geistig. Die Fraktur darf dann sechs Wochen lang nur teilweise belastet werden (Teilbelastung). Regelmäßige Röntgenkontrollen sind notwendig. Alle anderen Schenkelhalsfrakturen werden operiert:

Hüftkopferhaltend (Osteosynthese)
Endoprothese
Für wen
Patienten unter 65 Jahren
Patienten über 65 Jahren (gemeint ist das biologische Alter): TEP vor allem zwischen 65 und 80, HEP bevorzugt über 80 oder bei Multimorbidität, weil bei der HEP das OP-Risiko kleiner ist
Was eingesetzt wird
Zugschrauben oder eine dynamische Hüftschraube. Der eigene Hüftkopf bleibt
TEP: Hüftkopf und Hüftpfanne werden ersetzt. HEP (etwa die Duokopfprothese): nur der Hüftkopf
Belastung danach
das Bein darf nicht sofort belastet werden
zementiert: in der Regel direkt voll belastbar

Die hüftkopferhaltende Operation ist nur innerhalb von 6 Stunden nach dem Unfall möglich. Später ist der Hüftkopf zu schlecht durchblutet. Sie wird deshalb vor allem bei Patienten unter 65 Jahren angestrebt. Und nur dann, wenn sie das Bein drei Monate entlasten können.

Eine zementierte Endoprothese darf in der Regel gleich nach der OP voll belastet werden, angepasst an die Beschwerden. Deshalb wählt man gerade bei älteren Patienten häufig die zementierte Variante: So beugt man den Komplikationen der Immobilität vor, etwa Thrombosen.

Pratik kural

Unter 65 wird hüftkopferhaltend operiert, wenn es geht: nur innerhalb von 6 Stunden und nur, wer drei Monate entlasten kann. Über 65 meist eine Endoprothese: die TEP vor allem bis 80, bei sehr aktiven Menschen auch darüber; die HEP bevorzugt über 80 oder bei Multimorbidität. Zementiert heißt in der Regel: gleich nach der OP voll belastbar, angepasst an die Beschwerden.

Bakım bilgisi

Luxationsprophylaxe

Tag 1 nach der OP. Frau H. friert und will sich „wie immer“ auf die Seite drehen und die Beine übereinanderlegen.

Genau das darf sie jetzt nicht. Unmittelbar nach der OP ist die Gefahr einer Hüftluxation sehr groß. Durch eine falsche Position oder eine falsche Bewegung kann der Gelenkkopf aus der Pfanne springen.

Drei Bewegungen sind verboten

Die Hüfte nicht über 90° beugen (auch an der Bettkante nicht), das operierte Bein nicht nach innen und nicht nach außen rotieren, die Beine nicht übereinanderschlagen. Und keine kombinierte Bewegung wie Beugung mit Rotation.

So positionierst du sie:

  • Zunächst nur Rückenlage oder Liegen auf der nicht betroffenen Seite. Das operierte Bein liegt in Abduktion, also leicht abgespreizt. Beim Drehen führst du es so mit.
  • Oberkörper höchstens 60° erhöht.
  • Auf die operierte Seite erst, wenn die Drainagen entfernt sind. Dann vorsichtig, zum Beispiel mit einem Kissen, das zwischen den Beinen liegt.
  • Sitzen mit 90° Hüftbeugung erst, wenn der Arzt es erlaubt hat. Bis dahin verhindern Toilettensitzerhöhung oder Arthrodesenstuhl die zu tiefe Beugung.
  • Idealerweise weiß die Patientin das schon aus der Aufklärung vor der OP. Eine Antirotationshose oder -bandage kann helfen.
Pratik kural

Nach der Hüft-TEP: nicht über 90° beugen, nicht rotieren, Beine nicht überschlagen. Zunächst Rückenlage oder gesunde Seite, operiertes Bein in Abduktion, Toilettensitzerhöhung, bis der Arzt das Sitzen mit 90° erlaubt.

Bakım bilgisi

Erstmobilisation

„Ich muss zur Toilette. Kann ich aufstehen?“ Frau H. am Morgen nach der OP. Die Physiotherapeutin kommt erst um zehn.

Die Erstmobilisation nach einer Hüftendoprothese findet meist am ersten Tag nach der OP statt, oft schon ab dem Abend des Operationstags. Das gilt, falls der Operateur nichts anderes festgelegt hat. Häufig hilft die Physiotherapie. Am besten mobilisieren zwei Personen gemeinsam. Wie weit Frau H. das Bein belasten darf, legt der Operateur fest. Bei ihrer zementierten Prothese ist die Vollbelastung erlaubt. Mobilisation ist Therapie: Bewegung fördert die Durchblutung, kräftigt die Muskulatur und beugt Thrombose und Kontrakturen vor.

  1. Vorher

    Blutdruck und Puls messen. Beim ersten Aufstehen droht eine orthostatische Dysregulation.

  2. Vorbereiten

    Bett auf Arbeitshöhe, Kopfteil bis 45° erhöht. Festsitzende Schuhe noch im Liegen anziehen. Drainagen sichern.

  3. Zum Bettrand

    Die Patientin fasst den Bettbügel und stellt das nicht operierte Bein an. Sie rutscht zum Bettrand der operierten Seite. Du führst das operierte Bein unter Knie und Sprunggelenk in leichter Abduktion mit. Keine Innen- oder Außenrotation.

  4. Aufsetzen

    Die Beine über den Bettrand schwenken, bis sie halb sitzt. Die Hüfte der operierten Seite nicht über 90° beugen. Eine Pflegefachperson führt das Bein, die zweite hält von hinten den Oberkörper.

  5. Aufstehen

    Bett senken, bis das nicht operierte Bein sicher auf dem Boden steht. Unterarmgehstützen anreichen. Sie richtet sich mit der Kraft der Arme und des nicht operierten Beins auf.

  6. Gehen

    In kleinen Etappen mit Unterarmgehstützen: erst vor dem Bett stehen, dann kurze Strecken gehen. Auf Teil- oder Vollbelastung nach Anordnung achten.

Orthostatische Reaktion: sofort abbrechen

Achte auf diese Zeichen: Die Patientin wird blass, der Blutdruck fällt, der Puls wird schnell, oder Schweiß bricht aus. Dann brichst du die Mobilisation sofort ab. Du bringst sie kurzzeitig in die Kopf-Tief-Lage (Trendelenburg-Positionierung).

Danach gilt: nicht zu viel abnehmen. Die Aktivierung steht im Vordergrund. Nur so findet Frau H. in ein selbstständiges Leben zurück.

Pratik kural

Erst RR und Puls, dann Schuhe im Liegen. Dann über die operierte Seite mit dem Bein in Abduktion aufsetzen, die Hüfte nie über 90°. Bodenkontakt mit dem gesunden Bein, Gehstützen, kleine Etappen. Bei Blässe, Blutdruckabfall, Tachykardie oder Schweiß: sofort abbrechen, Kopf-Tief-Lage.

Bakım bilgisi

Komplikationen

Am Nachmittag sagt Frau H.: „Der rechte Fuß fühlt sich pelzig an, und heben kann ich ihn nicht.“

Das ist kein Nebeneffekt, das ist ein Warnzeichen. Nach einer Hüftendoprothese beobachtest du gezielt auf diese Komplikationen:

  • Akute Blutung: Hypotonie und Tachykardie sind Zeichen eines Volumenmangelschocks. Auch Bewegungsmangel, Opiate und ein Flüssigkeitsdefizit können den Blutdruck senken. Vitalparameter engmaschig kontrollieren.
  • Hüftluxation: Durch eine falsche Position oder Bewegung kann der Gelenkkopf aus der Pfanne springen.
  • Nervenschädigung: Während der OP können der Nervus ischiadicus und der Nervus femoralis Schaden nehmen. Prüfung: Die Patientin beugt das Bein leicht und drückt es dann durch, hebt den Fuß an und streckt ihn, am besten gegen deine Hand. Geht das nicht, informierst du den Arzt.
  • Wundinfektion: Fieber, Rötung, Überwärmung, Schwellung, Sekret aus der Wunde. Bei einer Hüft-TEP ist die Wundkontrolle besonders wichtig, weil eine Wundinfektion weitreichende Folgen haben kann. Sie ist eine gefürchtete Komplikation. Es gibt die Frühinfektion in den ersten Wochen und die Spätinfektion durch eine Bakteriämie oder durch die Aktivierung ruhender Keime bei Abwehrschwäche. Bei beiden ist neben anderen Maßnahmen immer mindestens eine Operation nötig.
  • Prothesenlockerung: belastungsabhängige Schmerzen als Leitsymptom.
  • Folgen der Immobilität: Thrombose und Pneumonie. Deshalb Prophylaxen und frühe Mobilisation.
  • Schmerz: akut oder bei der Mobilisation? Schonhaltung, Schonatmung? Wirkung der Schmerzmittel prüfen. Bei NSAR auf Magenbeschwerden achten.

Dazu regelmäßig die DMS-Kontrolle im Seitenvergleich: Durchblutung, Motorik, Sensibilität.

Pratik kural

Nach der Hüft-TEP heißt Beobachten: Vitalzeichen (Blutung), Wunde und Temperatur (Infektion), Bein beugen und durchdrücken, Fuß heben (Nerven), DMS im Seitenvergleich, Schmerz bei Belastung (Lockerung). Jede Auffälligkeit geht zum Arzt.

Bakım bilgisi

Entlassung und Sturzprophylaxe

„Und dann komme ich wieder nach Hause, in den dritten Stock?“ fragt Frau H. „Mit Badewanne und den schönen Teppichen?“

Nicht direkt. Nach der Akutversorgung geht es sehr oft zuerst in eine Reha-Einrichtung, die Anschlussheilbehandlung. Das Ziel: Frau H. verbessert ihre Beweglichkeit und kommt im Alltag wieder selbstständig zurecht.

Vor der Entlassung nach Hause klären Arzt und Pflegende die häusliche Situation, zusammen mit den Angehörigen und dem Sozialdienst:

  • Braucht sie Hilfsmittel, etwa Toilettensitzerhöhung oder Rollator?
  • Gibt es Treppen im Haus?
  • Wird zu Hause weitere Betreuung gebraucht?

Und weil der typische Unfallhergang das Ausrutschen im Bad ist, gehört eine lückenlose Sturzprophylaxe dazu:

  • Physiotherapie und regelmäßige körperliche Aktivität für Muskelkraft und Koordination. Bewegungsabläufe möglichst immer gleich ausführen.
  • Die Wohnung anpassen: besseres Licht, Bewegungssensoren, Haltegriffe an der Badewanne, lose Teppiche und andere Stolperfallen entfernen.
  • Geeignetes Schuhwerk. Die Arbeitshöhe des Rollators prüfen.
  • Sehschärfe prüfen. Vielleicht braucht sie eine neue Brille.
  • Kontinenztraining: Harnblase und Beckenboden trainieren, das Herunterziehen der Hose und den Vorlagenwechsel üben. Das gilt besonders, wenn eine Hand zum Festhalten gebraucht wird.
Pratik kural

Nach der Endoprothese erst Anschlussheilbehandlung, dann nach Hause. Vorher Hilfsmittel, Treppen und Betreuung klären. Und die Sturzprophylaxe lückenlos: Kraft und Koordination, Licht und Haltegriffe, Stolperfallen weg, Schuhe, Brille, Kontinenztraining.

Bakım bilgisi

Atemwege und Lunge

Herr Becker fragt: „Wo sitzt das eigentlich, was ich jeden Morgen abhuste?“
Atemwege: links oben der Kopf im Längsschnitt mit Nase und Rachen (obere Atemwege). Gestrichelt verbunden ist die Luftröhre mit ihren Knorpelspangen. Sie teilt sich in zwei Hauptbronchien, die sich in beiden Lungenflügeln in immer kleinere Bronchien verzweigen. Eine Lupe zeigt das Ende einer Bronchiole mit Lungenbläschen. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.123456
  1. 1 obere Atemwege: Nase und Rachen
  2. 2 Luftröhre (Trachea)
  3. 3 Hauptbronchus
  4. 4 Bronchien
  5. 5 Bronchiole
  6. 6 Lungenbläschen (Alveolen)

Das Atmungssystem hat vor allem eine Aufgabe: den Gasaustausch. Dabei tauschen Blut und Atemluft Sauerstoff und Kohlendioxid aus. Ort dafür sind die Lungenbläschen (Alveolen) in der Lunge. Über sie nimmt das Blut Sauerstoff aus der Atemluft auf. Kohlendioxid tritt umgekehrt aus dem Blut in die Atemluft über.

Zur Lunge gelangt die Luft über die Atemwege. Sie werden in zwei Abschnitte eingeteilt:

  • obere Atemwege: der Rachen und die Nase mit ihren Nebenhöhlen
  • untere Atemwege: der Kehlkopf, die Luftröhre (Trachea), die Bronchien und die Bronchioli

So gelangt die Luft bis in die Lungenbläschen:

  1. Luftröhre

    Die Luftröhre (Trachea) beginnt am Kehlkopf. Im Brustkorb teilt sie sich in die beiden Hauptbronchien.

  2. Hauptbronchien

    Der rechte Hauptbronchus tritt in den rechten Lungenflügel ein, der linke in den linken. Dort verzweigen sich die Hauptbronchien in immer kleinere Äste.

  3. Bronchioli

    Die kleinsten Äste sind die Bronchioli. In ihrer Wand gibt es keine Knorpelplatten mehr, dafür eine kräftige Schicht: glatte Muskulatur und elastische Fasern. Deshalb können die Bronchioli eng- und weitgestellt werden.

  4. Lungenbläschen

    Am Ende des Bronchialbaums sitzen die Lungenbläschen (Alveolen). Hier findet der Gasaustausch statt.

Knorpel liegt in der Wand der Luftröhre und in der Wand der größeren Bronchien. Bei der Luftröhre sind es Knorpelspangen. Sie verhindern, dass die Luftröhre beim Einatmen in sich zusammenfällt.

Der obere Teil der Bronchien reinigt vor allem die Atemluft. Das respiratorische Epithel der Bronchien bildet Schleim. Daran bleiben Schmutzpartikel haften. Die Atemwegsschleimhaut ist hier mit vielen Flimmerhärchen bedeckt. Sie schlagen regelmäßig in Richtung Rachen. So gelangen der Schleim und die Schmutzpartikel in den Mund. Dort können sie heruntergeschluckt oder ausgespuckt werden.

Zwischen den Lungenbläschen liegt Bindegewebe, das Lungeninterstitium. Darin liegen viele elastische Fasern. Die Fasern und die Oberflächenspannung der Lungenbläschen sorgen gemeinsam dafür, dass die Lunge sich beim Ausatmen wieder von selbst zusammenzieht. Das sind die Rückstellkräfte der Lunge. Wenn die Atemmuskeln erschlaffen, überwiegen diese Rückstellkräfte. Die Lunge verkleinert sich, und die Luft strömt über die Atemwege nach außen. Bei größerer Atemanstrengung können exspiratorische Hilfsmuskeln die Ausatmung unterstützen. Dazu gehören die Bauchmuskulatur und die inneren Zwischenrippenmuskeln.

Pratik kural

Die Luft fließt über Luftröhre, Hauptbronchien und Bronchioli bis in die Lungenbläschen. Dort findet der Gasaustausch statt. Beim Ausatmen ziehen die elastischen Fasern die Lunge von selbst wieder zusammen.

Bakım bilgisi

COPD: Definition

Herr B. hustet jeden Morgen und spuckt zähen Schleim aus. „Das ist nur mein Raucherhusten“, sagt er. „Den habe ich seit Jahren.“

COPD steht für „chronic obstructive pulmonary disease“, die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung. Sie ist eine chronische Erkrankung der Atemwege und der Lunge und verläuft in der Regel progredient, also voranschreitend. Gekennzeichnet ist sie durch eine Atemwegsobstruktion, die mit Dyspnoe einhergeht. Auch nach der Gabe von Bronchodilatatoren ist diese Obstruktion nicht vollständig reversibel. Zwei Erkrankungen gehören zur COPD:

  • die chronisch-obstruktive Bronchitis
  • das obstruktive Lungenemphysem

Eine chronische Bronchitis zeigt sich durch dauerhaften Husten, in der Regel mit Auswurf, über mindestens ein Jahr. Als Maß gilt: Husten mit Auswurf in jedem der letzten 2 Jahre, jeweils mindestens 3 Monate ohne Unterbrechung.

Unter den chronischen Lungenerkrankungen ist die chronische Bronchitis samt ihren Folgen die häufigste. Mit steigendem Lebensalter nimmt sie zu. Etwa doppelt so häufig wie Frauen sind Männer betroffen. Etwa 10–15 % der Bevölkerung haben eine COPD, sie gilt deshalb als Volkskrankheit. Weltweit ist sie die vierthäufigste Todesursache.

Pratik kural

COPD heißt: Die Atemwege sind dauerhaft verengt, auch Bronchodilatatoren heben das nicht vollständig auf, die Erkrankung schreitet in der Regel voran und geht mit Atemnot einher. Dazu gehören das obstruktive Lungenemphysem und die chronisch-obstruktive Bronchitis.

Bakım bilgisi

Exazerbation

Herr B. hat seit drei Tagen einen Infekt. Heute kann er kaum einen Satz zu Ende sprechen, und sein Auswurf ist gelbgrün.

Eine Exazerbation ist eine akute Verschlechterung der Atemwegssymptome, die mindestens 2 Tage anhält und eine Intensivierung der COPD-Therapie notwendig macht. Zugrunde liegt eine Entzündung: Die Bronchien verengen sich stärker (Bronchokonstriktion) und/oder es entsteht mehr Schleim, die Lunge ist überbläht.

Daran erkennst du sie:

  • Die Dyspnoe nimmt zu, oft stark.
  • Husten und Sputumvolumen nehmen zu.
  • Das Sputum kann eitrig werden (Sputumpurulenz). Bei einer eitrigen Infektion ist es gelbgrün.
  • Fieber kommt dazu, die Betroffenen fühlen sich krank.
  • Der Puls ist meist deutlich erhöht.

Ausgelöst wird eine Exazerbation sehr häufig durch Atemwegsinfekte, auch durch zusätzliche Umweltbelastung wie Smog oder durch feuchte Witterung. Eine Verschlechterung der Atemwegssymptome kann aber auch andere Ursachen haben, die differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen, zum Beispiel eine Pneumonie, eine Lungenembolie oder eine Rechtsherzinsuffizienz.

Eingewiesen werden sollen Menschen mit COPD ins Krankenhaus zum Beispiel bei Verdacht auf eine lebensbedrohliche Exazerbation, bei einer schweren Verschlechterung, die trotz Behandlung anhält oder schnell fortschreitet, und bei einer schweren Infektion der Lunge.

Pratik kural

Exazerbation heißt: mindestens 2 Tage mehr Atemnot, mehr Husten, mehr oder eitriger Auswurf, und die Therapie muss intensiviert werden. Sehr häufig wird sie durch Atemwegsinfekte ausgelöst.

Bakım bilgisi

Akute Atemnot

Nachts klingelt Herr B. Er sitzt im Bett, ringt nach Luft und sagt: „Ich krieg keine Luft mehr.“

Bei Dyspnoe (Atemnot) hungert der Mensch nach Luft. Seine Atmung ist beschleunigt oder erschwert. Wenn jemand trotz maximaler Atmung starke Luftnot hat, hat er Todesangst. Er braucht sofort Hilfe.

Wenn der Mensch nicht mehr tief ein- und ausatmet, sondern nur noch nach Luft schnappt, und zusätzlich bewusstlos und zyanotisch ist, ist ein Herzstillstand eingetreten oder steht unmittelbar bevor. Dann leitest du sofort die kardiopulmonale Reanimation ein.

So gehst du bei Atemnot vor:

  • Frag, wie stark die Atemnot ist. Bei starker Dyspnoe sollte schnellstmöglich die Ärztin informiert werden, oder der Rettungsdienst.
  • Wenn du das Zimmer verlassen musst, um Hilfe zu holen, sagst du es dem Menschen und lässt die Tür offen.
  • Bring ihn in eine aufrecht sitzende Position.
  • Öffne alle beengenden Kleidungsstücke, zum Beispiel einen Gürtel, und öffne das Fenster.
  • Beruhige ihn. Durch Angst steigt der Sauerstoffbedarf, und die Atemnot wird dadurch stärker.
  • Miss Puls, Atemfrequenz und Blutdruck, wenn möglich auch die Sauerstoffsättigung.
  • Wenn für Luftnot schon ärztlich angeordnet ist, dass er Sauerstoff oder ein bestimmtes Medikament bekommt, zum Beispiel einen Bronchodilatator, kannst du die Anordnung ausführen, bevor die Ärztin da ist.

Bei COPD fällt das Ausatmen schwer, weil sich die Bronchien verkrampfen und die Schleimhäute geschwollen sind. Oft hörst du beim Ausatmen ein pfeifendes Geräusch (exspiratorischer Stridor).

  • Als Notfallmedikamente inhaliert der Mensch Wirkstoffe, die bronchienerweiternd oder abschwellend wirken, zum Beispiel Salbutamol oder Kortison.
  • Du leitest den Menschen an, mit der Lippenbremse auszuatmen. Weil der Druck in den Bronchien steigt, bleiben sie dabei offen.
  • Bei schwerer COPD kann Sauerstoff eine CO2-Narkose auslösen, mit Atemstillstand. Sauerstoff gibst du deshalb nur nach Anordnung und unter Beobachtung. Wenn der Mensch dann plötzlich ruhiger wird, kann das für eine bessere Atmung sprechen. Es kann aber auch heißen, dass der pCO2 ansteigt und eine Kohlendioxidnarkose droht.

Bei schweren chronischen Erkrankungen der Atemwege haben manche Menschen dauerhaft Dyspnoe. Wenn deine Maßnahmen die Atemnot dann verbessern, sollte der Mensch gefragt werden, ob eine Ärztin trotzdem kommen soll.

Wenn die Atemnot von einer chronischen Erkrankung kommt, sind der Mensch und seine Angehörigen in der Zeit ohne Atemnot zu atemunterstützenden Körperpositionen und Atemtechniken zu schulen. Wenn er sie gut beherrscht, kann er sie bei beginnender Atemnot automatisch abrufen, und sie können der Atemnot entgegenwirken.

Pratik kural

Atemnot: aufrecht hinsetzen, Enges und Fenster öffnen, beruhigen, messen, Hilfe holen. Bei COPD Lippenbremse anleiten, Sauerstoff nur nach Anordnung.

Bakım bilgisi

Sauerstoff bei COPD

Herr B. ist sehr kurzatmig, seine Lippen sind bläulich. „Dreh doch den Sauerstoff höher“, sagt seine Frau.

Wer konzentrierten Sauerstoff verabreicht, gibt ein Medikament. Deshalb ist eine ärztliche Anordnung notwendig, auch für die Dosis.

Bei COPD gilt besondere Vorsicht. Viele Betroffene haben dauerhaft einen erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut, ihr Körper hat sich daran gewöhnt (Adaptation). Dann kann der Atemantrieb über einen niedrigen Sauerstoffgehalt gesteuert werden, nicht mehr wie normal über einen erhöhten Kohlendioxidgehalt. Die Sauerstoffgabe kann dann vortäuschen, im Blut sei genug Sauerstoff. In manchen Fällen setzt dann der Atemantrieb aus, und es kommt zum Atemstillstand.

Deshalb:

  • Verabreiche Sauerstoff bei COPD nur auf ausdrückliche ärztliche Anordnung und nur niedrig dosiert.
  • Halte die Dosierung genau ein, auch wenn der Mensch darunter eine Zyanose zeigt.
  • Bei COPD im fortgeschrittenen Stadium beobachtest du nach dem Beginn einige Minuten die Atmung. Entwickelt sich unter der Sauerstofftherapie eine Bradypnoe, also eine verringerte Atmung, stellst du den Sauerstoff ab. Dann wartest du, bis die Atemfrequenz wieder ansteigt. Außerdem informierst du einen Arzt. Halte einen Ambu-Beutel bereit.

Diese Gefahr darf aber nicht zu der falschen Annahme führen, Menschen mit COPD dürfe kein Sauerstoff angeboten werden. Bei langjähriger COPD wird ihr Atemantrieb teilweise über den Sauerstoffpartialdruck geregelt, und eine Hypoxie muss in jedem Fall verhindert werden. In der Akutsituation ist unter angemessener Überwachung auf der Intensivstation sogar eine hoch dosierte Sauerstoffgabe möglich.

Pratik kural

Sauerstoff ist ein Medikament: Bei COPD gibst du ihn nur auf ärztliche Anordnung, niedrig dosiert und genau nach Dosis, und du beobachtest die Atmung. Eine Hypoxie muss trotzdem in jedem Fall verhindert werden.

Bakım bilgisi

Die Lippenbremse

Oben an der Treppe schnappt Herr B. hastig nach Luft. Je schneller er atmet, desto enger wird es.

Erschwert eine Obstruktion der Bronchien die Ausatmung, kann die Lippenbremse helfen: Sie wirkt einer Dyspnoe entgegen. Indikationen sind die COPD und der Anfall bei Asthma bronchiale.

So leitest du an:

  • Normal einatmen.
  • Die Luft durch die fast geschlossenen Lippen auspusten.

Warum sie wirken kann: Durch die fast geschlossenen Lippen entsteht ein Widerstand beim Ausatmen. Der Druck in den Bronchien steigt und hält die verengten Atemwege offen. Ein Kollaps der Alveolen kann so verhindert werden. Die Lunge kann weniger überbläht sein, und das wirkt einem Funktionsverlust des Zwerchfells entgegen. Die Ausatemphase wird verlängert.

Vorher bewusst tief einzuatmen, hilft erfahrungsgemäß nicht. Einen wirksamen Widerstand kann auch ein Stück Strohhalm erzeugen, zum Beispiel 10 cm lang und 0,5 cm im Durchmesser. Nicht alle Menschen mit COPD profitieren von solchen Techniken, die Gründe dafür sind unklar.

Bei verengten Bronchien wirkt auch die Gähn- und Schnüffelatmung dem Kollaps der Bronchiolen entgegen, ähnlich wie die dosierte Lippenbremse. Beim langsamen Einatmen zieht der Mensch den Unterkiefer wie beim Gähnen ganz nach unten, die Zunge liegt hinten unten. Nach einer kurzen Atempause atmet er mit der dosierten Lippenbremse aus.

Selbsthilfetechniken bei Atemnot wie die Lippenbremse sollen alle Menschen mit COPD vermittelt bekommen. Atemnot kann als sehr bedrohlich empfunden werden, und ärztliche Hilfe ist oft nicht sofort da. Wer die Techniken gelernt hat, kann sich in Notsituationen erfahrungsgemäß sicherer fühlen, und die Angst kann abnehmen.

Pratik kural

Lippenbremse: normal einatmen, dann mit fast geschlossenen Lippen ausatmen. Die verengten Bronchien hält der Druck offen.

Bakım bilgisi

Entstehung der COPD

„Mein Vater hat auch geraucht und ist 90 geworden“, sagt Herr B. Er raucht seit seiner Jugend, 25 Zigaretten am Tag.

Mit Abstand der wichtigste Risikofaktor für eine chronische Bronchitis und eine COPD ist das Rauchen. Die meisten Betroffenen rauchen oder haben früher geraucht. Das Risiko steigt sogar durch Passivrauchen. Andere Ursachen sind deutlich seltener: Schadstoffe in der Atemluft wie Feinstaub oder Bergbau, eine gestörte Lungenentwicklung in der Fetalzeit, also vor der Geburt, oder häufige virale Atemwegsinfekte in der Kindheit. Eine Rolle spielen können auch genetische Faktoren, etwa ein α1-Antitrypsin-Mangel oder ein IgA-Mangel.

So entsteht die Erkrankung:

  • Chronische Bronchitis: Zunächst reizen und schädigen die Schadstoffe die Schleimhaut, sie ist chronisch entzündet. Die Drüsen bilden vermehrt zähen Schleim. Die Flimmerhärchen verlieren ihre Funktion und können ihn nicht mehr abtransportieren. Typisch ist der „Raucherhusten“ mit Auswurf am Morgen. Wenn jemand das Rauchen in diesem Stadium aufgibt, ist der Zustand reversibel.
  • Chronisch-obstruktive Bronchitis: Wird weitergeraucht, bleiben die Atemwege dauerhaft eng. Bemerkbar macht sich diese Obstruktion vor allem beim Ausatmen.
  • Lungenemphysem: Langjähriges Rauchen inaktiviert zusätzlich die Antiproteasen in der Lunge, zum Beispiel das α1-Antitrypsin. Dann überwiegen eiweißspaltende Enzyme, die Proteasen. Diese Proteasen können irreversibel das Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen zerstören. Es entstehen große Lufträume, die nicht mehr funktionieren, die Emphysemblasen. Die Lunge ist überbläht, die Fläche für den Gasaustausch drastisch vermindert.
Pratik kural

Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor. Wer im Stadium der chronischen Bronchitis aufhört, hat einen reversiblen Zustand. Wer weiterraucht, bekommt dauerhaft enge Atemwege, und es kann ein Lungenemphysem entstehen.

Bakım bilgisi

Leitsymptome

Herr B. muss auf der Treppe ins Obergeschoss zweimal stehen bleiben. Vor einem Jahr ging das noch ohne Pause.

Meist sind die Betroffenen älter als 40 Jahre. Die Leitsymptome heißen auch AHA-Symptome:

  • Atemnot (Dyspnoe): zunächst bei Belastung, im Krankheitsverlauf zunehmend.
  • Husten: chronisch, mit wiederkehrendem Giemen.
  • Auswurf: chronische Sputumproduktion.

Am Anfang kommt die Atemnot vor allem bei körperlicher Betätigung, das ist die Belastungsdyspnoe. Später kommt sie auch in Ruhe oder schon beim Sprechen, das ist die Ruhedyspnoe. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt mit fortschreitender Erkrankung immer mehr ab.

Bei fortgeschrittener COPD kann sich ein Fassthorax ausbilden, weil die Lunge chronisch überbläht ist. Der Brustkorb ist dann starr und in Inspirationsstellung, also in Einatmungsstellung, fixiert. Die Ausatmung, das Exspirium, ist verlängert. Beim Ausatmen hörst du Giemen, Pfeifen und Brummen, also exspiratorisch.

Für die Einschätzung der Symptome werden möglichst Fragebögen verwendet, zum Beispiel der CAT (COPD Assessment Test), der CCQ (COPD Control Questionnaire) oder die MRC-Skala zur Atemnot.

Pratik kural

AHA heißt Atemnot, Husten, Auswurf. Die Atemnot kommt zuerst bei Belastung und später auch in Ruhe oder beim Sprechen.

Bakım bilgisi

Das Dosieraerosol

Herr B. drückt den Sprühstoß, atmet dann hastig ein und gleich wieder aus. „Das Spray hilft gar nicht“, sagt er.

Beim Dosieraerosol löst ein Druck auf den Wirkstoffbehälter einen Sprühstoß aus. Auslösen und Einatmen müssen gleichzeitig geschehen. Das stellt recht hohe Ansprüche an die Koordination. Vor allem Kinder und ältere Menschen tun sich damit schwer.

So leitest du an:

  • Das System schütteln.
  • Tief ausatmen.
  • Das Mundstück an die Lippen führen.
  • Den Auslöser drücken und dabei langsam und tief einatmen. Langsam heißt: Das Einatmen ist nicht zu hören.
  • Das Gerät absetzen und die Luft mindestens 5 Sekunden anhalten, damit sich der Wirkstoff in der Lunge verteilen kann.
  • Danach durch die Nase ausatmen, langsam.

Warum es darauf ankommt: Optimal wirkt eine inhalative Therapie nur mit richtiger Inhalationstechnik. Durch die tiefe Ausatmung vorher kommt das Aerosol beim langsamen, tiefen Einatmen mit allen Teilen des Bronchialbaums in Kontakt. Wer zu schnell einatmet, verliert mehr Wirkstoff in Mund und Rachen. Wenn die Atempause zu kurz ist, wird ein erheblicher Teil der Teilchen wieder ausgeatmet, bevor sie sich ablagern. Das Gerät setzt der Mensch ab, damit er nicht versehentlich hineinatmet.

Ein Spacer wird auf den Inhalator gesetzt und bildet ein zusätzliches Volumen. Er verhindert, dass zu viel Wirkstoff in Mund und Rachen hängen bleibt. Geeignet ist er für Menschen, die wegen der Koordination mit einem anderen Inhalator nicht zurechtkommen. Mit dem Spacer setzt der Mensch die Lippen an das Mundstück und löst den Sprühstoß aus, während er einatmet. Wenn 2 Hübe angeordnet sind, wird der Vorgang nach etwa 1 Minute wiederholt.

Pratik kural

Dosieraerosol: schütteln, tief ausatmen, beim Auslösen langsam und tief einatmen, absetzen, mindestens 5 Sekunden die Luft anhalten.

Bakım bilgisi

Mobilisation bei COPD

Du willst Herrn B. vor dem Frühstück waschen und mobilisieren. Schon beim Aufsetzen ringt er nach Luft.

Für alle Pflegemaßnahmen und vor allem für die Mobilisation solltest du bei COPD ausreichend Zeit einplanen. So kann der Mensch bei Dyspnoe jederzeit kleinere Pausen machen. Wenn er noch nicht stabilisiert ist, solltest du die Tätigkeiten auf ein Mindestmaß reduzieren.

  • Größere Anstrengung vermeidest du.
  • Um Atemnot vorzubeugen, sollten die verordneten COPD-Medikamente möglichst direkt vor den Maßnahmen gegeben werden.
  • Unterstützen können die Atmung auch VATI-Positionen. Das sind Dehnlagen in V-, A-, T- und I-Form.

Nur schonen ist aber ungünstig. Viele Kranke schonen sich, um die Atemnot zu mindern. Dadurch werden die Muskelkraft und die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems geringer, und die Atemnot kommt bei immer geringerer Belastung. Regelmäßige Bewegung, zum Beispiel in Lungensportgruppen, kann den Allgemeinzustand verbessern.

Was die Leitlinie zur Bewegung empfiehlt:

  • Unabhängig vom Krankheitsstadium sollen alle Menschen mit COPD über den hohen Nutzen von körperlicher Aktivität im Alltag und von körperlichem Training aufgeklärt werden, auch über den positiven Einfluss auf den Verlauf. Mögliche Ängste und Barrieren sollen dabei aktiv angesprochen werden, zum Beispiel Angst vor Atemnot bei Belastung, Bewegungsangst, Depression, Übergewicht oder Antriebslosigkeit. Gegebenenfalls werden Lösungen gesucht.
  • Wie viel sich der Mensch bewegt, soll regelmäßig erfragt werden. Gegebenenfalls soll er zu mehr Bewegung motiviert und beraten werden.
  • Empfohlen werden soll ein angeleitetes körperliches Training, das an seine Voraussetzungen angepasst ist. Wenn er nicht selbstständig Sport treiben kann, sollte Rehabilitationssport empfohlen und verordnet werden, zum Beispiel Lungensport.
  • Wenn er zurzeit nicht außerhalb der Wohnung trainieren kann, soll ihm eine häusliche Trainingstherapie angeboten werden. Sie ist individuell angepasst, supervidiert und motivierend. Ziel ist, dass er möglichst eigenständig weitermacht.
Pratik kural

Bei COPD: Zeit einplanen, Pausen ermöglichen, Medikamente möglichst direkt vor der Maßnahme. Aber nicht nur schonen, sonst kommt die Atemnot bei immer geringerer Belastung.

Bakım bilgisi

Der Pulverinhalator

Frau K. hat ein neues Pulvergerät bekommen. Sie atmet daraus so vorsichtig ein wie aus ihrem alten Spray.

Ein Pulverinhalator ist mit Pulver gefüllt. Bei manchen Geräten legt der Mensch für jede Anwendung eine Kapsel ein, die das Gerät dann zerstört. Das Pulver wird durch einen tiefen Atemzug zersprengt. So kann es als Aerosol eingeatmet werden.

Beim Einatmen gilt das Gegenteil vom Dosieraerosol:

  • Dosieraerosol: möglichst langsam einatmen. Das Einatmen ist nicht zu hören.
  • Pulverinhalator: meist kräftig, schnell und tief einatmen (forciert). Das Einatmen ist deutlich zu hören. So gelangt der Wirkstoff am besten in die Lunge.

Für beide gilt: vorher tief ausatmen, danach das Gerät absetzen und mindestens 5 Sekunden die Luft anhalten.

Nicht jeder Mensch atmet kräftig genug ein. Gerade Menschen mit schlechter Lungenfunktion erreichen die hohen Flussraten oft nicht. Geräte mit geringem Widerstand empfinden sie als leicht, auch wenn sie oft schlecht wirken. Geräte mit hohem Widerstand fühlen sich anstrengend an. Sie wirken aber auch bei niedrigem Fluss gut, wenn der Mindestfluss erreicht wird. Atemzuggesteuerte Inhalatoren setzen den Wirkstoff frei, sobald der Mensch Luft ansaugt. Auch Kinder und ältere Menschen können sie nutzen. Der Mensch muss aber einen ausreichenden Unterdruck aufbauen können, und das gelingt manchen nicht.

Was die Leitlinie für die Einweisung fordert:

  • Das Inhalationssystem soll zu den Fähigkeiten des Menschen passen: zum Einatemfluss, zu den kognitiven, visuellen und motorischen Fähigkeiten und zu seinen Vorlieben.
  • Bei der ersten Verordnung und bei einem Wechsel des Systems soll er eingewiesen werden, von der Ärztin, dem Arzt oder einer geschulten Fachkraft, gegebenenfalls zusätzlich in der Apotheke. Er soll die richtige Handhabung vorgeführt und eingeübt haben.
  • Handhabung und Technik sollen regelmäßig überprüft werden, besonders wenn die Beschwerden nicht ausreichend kontrolliert sind.
  • Wird die medikamentöse Therapie fortgeführt und kommt der Mensch mit seinem Gerät gut zurecht, soll es nicht gewechselt werden.
  • Schwierigkeiten mit der Handhabung sind kein Grund, ein Medikament, das es zum Inhalieren gibt, stattdessen oral zu geben.
Pratik kural

Pulverinhalator meist kräftig und schnell einatmen, Dosieraerosol langsam. Der Mensch führt die Handhabung vor, und sie wird regelmäßig überprüft.

Bakım bilgisi

Rauchstopp bei COPD

„Ich rauche nur noch fünf am Tag“, sagt Herr B. „Das reicht doch.“

Ausgelöst wird COPD in erster Linie durch Rauchen. Eine eingeschränkte Lungenfunktion lässt sich in der Regel nicht mehr rückgängig machen. Deshalb ist ein früher Rauchverzicht unbedingt notwendig, um das Fortschreiten aufzuhalten. Die wichtigste Maßnahme ist absolute Nikotinkarenz.

Weniger rauchen reicht nicht. Eine relevante Verbesserung der COPD ist nur mit totaler Abstinenz zu erreichen. Wer nur reduziert, kann keine bessere Lungenfunktion erwarten. Vermutlich gleicht ein verändertes Rauchen, also tieferes und längeres Inhalieren, die geringere Zahl der Zigaretten aus. Rauchenden Menschen mit COPD soll deshalb dringend empfohlen werden, vollständig und dauerhaft aufzuhören.

Die Kurzberatung dauert etwa 1–2 Minuten, bis zu 20 Minuten. Ein Beispiel sind die 5 A:

  • Ask: nach dem Rauchen fragen und den Rauchstatus dokumentieren.
  • Advise: individuell und motivierend zum Rauchstopp raten.
  • Assess: erfassen, ob der Mensch bereit ist, sein Rauchverhalten zu ändern.
  • Assist: Wer aufhören will, wird qualifiziert unterstützt oder an ein anerkanntes Entwöhnungsangebot weitergeleitet.
  • Arrange: Folgekontakte vereinbaren.

Ein Therapieangebot soll jeder rauchende Mensch mit COPD bekommen, auch wer gar nicht aufhören will. Die Basis ist immer eine wertschätzende Kommunikation. Das Angebot darf niemanden stigmatisieren, der noch nicht bereit ist. Wenn die Motivation aufzuhören gering ist, ist die motivierende Gesprächsführung eine zusätzliche Möglichkeit. Sie ist nicht-direktiv: Niemand wird gedrängt. Der Mensch wägt Vor- und Nachteile des Rauchens selbst ab und entwickelt so seine eigene Motivation.

Du informierst darüber, wie wichtig ein früher Rauchverzicht ist. Und du berätst über Hilfen zur Raucherentwöhnung, zum Beispiel Programme der Krankenkassen und Selbsthilfegruppen. Wer bereit ist aufzuhören, soll eine kombinierte Therapie aus Verhaltenstherapie und Medikamenten gegen den Entzug nachdrücklich empfohlen und angeboten bekommen.

Pratik kural

Bei COPD hilft nur der vollständige Rauchstopp, weniger rauchen reicht nicht. Jeder rauchende Mensch bekommt ein Angebot, wertschätzend und ohne Druck.

Bakım bilgisi

Schulung, Impfung, Überleitung

„Wie das Spray geht, hat mir die Ärztin doch gezeigt“, sagt Herr B. „Wozu brauche ich noch eine Schulung?“

Einweisung und Schulung sind zwei verschiedene Dinge. Die Instruktion weist nur in die Inhalationstechnik und in das Gerät ein, das gerade verordnet ist. Sie ersetzt die Schulung nicht.

  • Allen Menschen mit COPD soll ein strukturiertes, evaluiertes und auf ihre Zielgruppe zugeschnittenes Schulungsprogramm empfohlen und vermittelt werden. Die Behandelnden sollen regelhaft zur Teilnahme motivieren.
  • Nachschulungen sollen bei Bedarf angeboten werden. Einen Bedarf zeigen zum Beispiel Fehler bei den Medikamenten, beim Inhalieren oder im Umgang mit Atemnot. Wenn Inhalte nicht regelmäßig aufgefrischt werden, besteht die Gefahr, dass sie wieder vergessen werden.
  • Wichtige Inhalte einer Schulung sind zum Beispiel, die eigene Erkrankung selbst zu kontrollieren und geeignete Selbsthilfemaßnahmen zu erlernen.
  • Dazu gehört auch, schädigende Einflüsse beim Einatmen zu kennen und zu meiden: vor allem das Rauchen, aber auch Kälte, Nebel und trockene Luft. Diese Einflüsse können die Obstruktion verstärken.

Infektionen vorbeugen: Atemwegsinfektionen können die Atmung akut und drastisch verschlechtern. Menschen mit COPD sollen Impfungen nach den aktuellen Empfehlungen der STIKO angeboten werden. Unabhängig vom Schweregrad gehören die Grippe- und die Pneumokokkenimpfung dazu. Du erklärst ihm, dass er sich mit einer regelmäßigen Impfung gegen Grippe vor einer Exazerbation schützen kann.

Peak-Flow und DMP: Regelmäßige Peak-Flow-Messungen helfen bei der Verlaufskontrolle. Der Peak Flow ist der maximale Exspirationsfluss. Unter Umständen zeigt die Messung eine Verschlechterung an, bevor der Mensch sie selbst spürt. Du leitest ihn an, die Werte mehrmals täglich mit einem Peak-Flow-Messgerät zu bestimmen und zu dokumentieren, am besten in einem Tagebuch. Seine Bestwerte hat er vorher mit einem Arzt bestimmt. Weichen die Werte deutlich davon ab, weist das auf eine zunehmende Obstruktion hin. In einem Disease-Management-Programm (DMP), das die Krankenkassen finanzieren, bekommt er unter anderem Informationsbroschüren, telefonische Beratung und Schulungen. An notwendige Arztbesuche wird er automatisch erinnert. Wer teilnehmen möchte, sollte den weiterbehandelnden Arzt darauf ansprechen, zum Beispiel den Hausarzt. Spezielle Schulungen und Selbsthilfegruppen können helfen, die Compliance zu erhöhen.

Vor der Entlassung stellst du die Pflegeüberleitung sicher. So wird der Mensch auch in seiner häuslichen Umgebung angeleitet und geschult.

Pratik kural

Eine Einweisung ins Gerät ersetzt keine Schulung. Grippe- und Pneumokokkenimpfung werden nach STIKO angeboten.

Bakım bilgisi

Ernährung bei COPD

Herr B. hat in drei Monaten fünf Kilo abgenommen. „Beim Essen bekomme ich keine Luft“, sagt er.

Viele Menschen mit COPD entwickeln im Verlauf eine Unterernährung. Ihre Atemmuskulatur verbraucht bis zu 10-mal mehr Energie. Mit dem Gewicht geht auch Atemmuskulatur verloren. Deshalb erfasst und überwachst du den Ernährungszustand regelmäßig, zum Beispiel den Gewichtsverlauf und den BMI.

Als Gewichtsverlust gilt eine ungewollte Abnahme um mehr als 5 % in den letzten 6 Monaten oder um mehr als 10 % über mehr als 6 Monate. Der BMI allein sollte dabei nicht herangezogen werden. Bei ungewolltem Gewichtsverlust ist eine Abklärung der Ursache erforderlich.

  • Krankheitsbedingtes Untergewicht: Eine ausgewogene, hochkalorische Nahrungsergänzung soll empfohlen werden, damit das Körpergewicht steigt. Ein niedriger BMI, der schon vor der Erkrankung bestand, ist dafür kein Grund. Speisen werden mit hochwertigen pflanzlichen Ölen angereichert, dazu kommen Produkte mit viel Fett und energiereiche Zwischenmahlzeiten, zum Beispiel Müsliriegel oder Sahnejoghurt. Du kannst vorschlagen, nicht zum Essen zu trinken, sondern erst die feste Nahrung zu essen.
  • Übergewicht erschwert die Atmung zusätzlich und setzt die Beweglichkeit herab. Deshalb wird es reduziert. Dazu gehören hochwertige Eiweiße, weniger Fett, Zucker nur in Maßen. Obst, Salat und Gemüse kommen 5-mal am Tag auf den Tisch.
  • Untergewichtigen und adipösen Menschen mit COPD soll eine Ernährungsberatung angeboten werden.
  • Blähende Speisen und Getränke mit Kohlensäure werden gemieden. Ein Zwerchfellhochstand beeinträchtigt die Atmung zusätzlich.

Damit beim Essen keine Atemnot entsteht:

  • mit aufgestützten Armen essen
  • das Essen in sehr kleine Stücke schneiden
  • 5–6 kleine Mahlzeiten am Tag, die Hauptmahlzeit mittags
  • langsam und in Ruhe essen
  • gegebenenfalls zwischen den Bissen mit der Lippenbremse ausatmen
  • gegebenenfalls vor dem Essen den Bronchodilatator verwenden

Den Allgemeinzustand können regelmäßige Bewegung, zum Beispiel in einer Lungensportgruppe, und eine hochkalorische Ernährung verbessern.

Pratik kural

Bei COPD Gewicht regelmäßig erfassen: Die Atemmuskulatur braucht viel Energie. Kleine Mahlzeiten, langsam essen, Arme aufstützen.

Bakım bilgisi

Aufbau des Herzens

Olga fragt: „Was heißt das, links und rechts? Mama hat doch nur ein Herz.“
Längsschnitt durch alle vier Räume des Herzens von vorn, daneben oben rechts die Lunge. Im Bild links die rechte Herzhälfte mit rechtem Vorhof und rechter Kammer, im Bild rechts die linke Herzhälfte mit linkem Vorhof und linker Kammer, dazwischen die Herzscheidewand. Blaue Pfeile: aus dem Körper über die obere und untere Hohlvene in den rechten Vorhof, von dort über die Trikuspidalklappe weiter zur rechten Kammer und über die Lungenarterie zur Lunge. Der Weg von der rechten Kammer zur Lungenarterie ist gestrichelt, weil die Pulmonalklappe in diesem Schnitt nicht zu sehen ist. Rote Pfeile: aus der Lunge zum linken Vorhof (über die Lungenvenen), von dort über die Bikuspidalklappe (Mitralklappe) weiter zur linken Kammer und über die Aorta in den Körper. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.12345678910111213
  1. 1 obere Hohlvene
  2. 2 untere Hohlvene
  3. 3 rechter Vorhof
  4. 4 Trikuspidalklappe
  5. 5 rechte Kammer
  6. 6 linke Lungenarterie
  7. 7 Lunge
  8. 8 linke Lungenvenen
  9. 9 linker Vorhof
  10. 10 Bikuspidalklappe (Mitralklappe)
  11. 11 linke Kammer
  12. 12 Aorta
  13. 13 Herzscheidewand (Septum)

Das Herz ist ein kräftiger Muskel. Es arbeitet als Pumpe. Die Herzscheidewand (Septum) teilt das Herz in zwei Hälften, rechts und links. In jeder Hälfte liegen zwei Räume: eine Kammer (Ventrikel) und ein Vorhof (Atrium).

Herzkammern

In den Lungenkreislauf pumpt die rechte Herzkammer das Blut, in den Körperkreislauf die linke.

Im Lungenkreislauf fließt das sauerstoffarme, kohlendioxidreiche Blut zur Lunge. Dort gibt es Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. Dann fließt es zurück zum Herzen. Im Körperkreislauf gelangt das sauerstoffreiche Blut aus dem Herzen zu den Organen. Dort gibt es den Sauerstoff ab und fließt sauerstoffarm zum Herzen zurück.

So fließt das Blut durch das Herz:

  1. rechter Vorhof

    Über die obere und untere Hohlvene kommt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper in den rechten Vorhof.

  2. rechte Herzkammer

    Es fließt durch die Trikuspidalklappe weiter in die rechte Kammer. Durch die Pulmonalklappe pumpt sie es in den Truncus pulmonalis („Lungenstamm“). Über die Lungenarterien gelangt es in die Lunge.

  3. linker Vorhof

    Aus der Lunge kommt das Blut sauerstoffreich zurück. Über die Lungenvenen gelangt es in den linken Vorhof.

  4. linke Herzkammer

    Durch die Bikuspidalklappe (Mitralklappe) fließt es in die linke Kammer. Durch die Aortenklappe pumpt sie es in die Hauptschlagader (Aorta). So gelangt es in den Körperkreislauf.

Die Vorhöfe leiten das Blut weiter in ihre Kammer. Es kommt aus den zuführenden Gefäßen. Oben hat jeder Vorhof eine Ausstülpung, das Herzohr. Die vier Herzklappen haben vor allem eine Aufgabe: Das Blut soll nur in eine Richtung fließen.

Die linke Kammer muss einen hohen Druck aufbauen. Ihre Wand ist deshalb ca. 10–12 mm dick. Im Lungenkreislauf herrscht ein wesentlich geringerer Druck. Mit 3–4 mm ist die Wand der rechten Kammer deshalb deutlich dünner.

Pratik kural

Rechts: Körper → rechter Vorhof → rechte Kammer → Lunge. Links: Lunge → linker Vorhof → linke Kammer → Körper.

Bakım bilgisi

Was eine Herzinsuffizienz ist

Frau S. ist 85. Seit Wochen sind ihre Beine abends dick, und schon auf dem Weg zur Toilette bekommt sie schlecht Luft.

Eine Herzinsuffizienz liegt vor, wenn die Kraft des Herzens nicht mehr genügt, um ausreichend Blut auszuwerfen. Das Blut staut sich dann zurück in die Peripherie. Die Sauerstoffversorgung der nachfolgenden Organe kann dann nicht mehr ausreichen. Eine eigenständige Krankheit ist die Herzinsuffizienz nicht. Sie ist eher ein Syndrom und die Folge verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Herz kann auf zwei Arten versagen:

  • Vorwärtsversagen: Das Herzzeitvolumen ist zu gering. Der Sauerstoffbedarf im Körper kann nicht gedeckt werden.
  • Rückwärtsversagen: Das Blut, das zum Herzen kommt, wird nicht ausreichend weitertransportiert. Es kommt zum Stau vor der jeweiligen Herzhälfte.

Zu einer Herzinsuffizienz können fast alle Herzerkrankungen führen. Einer chronischen Herzinsuffizienz liegen beim Erwachsenen am häufigsten eine arterielle Hypertonie und eine KHK zugrunde, zusammen etwa 70–90 % der Fälle. Oft treten beide zusammen auf. Weitere Ursachen sind zum Beispiel:

  • entzündliche Herzmuskelerkrankungen und Kardiomyopathien
  • Erkrankungen der Herzklappen
  • Herzrhythmusstörungen
  • angeborene Herzfehler
Pratik kural

Bei einer Herzinsuffizienz wirft das Herz nicht mehr genug Blut aus. Das Blut staut sich zurück, und die Organe bekommen zu wenig Sauerstoff. Einer chronischen Herzinsuffizienz liegen beim Erwachsenen am häufigsten eine arterielle Hypertonie und eine KHK zugrunde.

Bakım bilgisi

Ödeme

Beim Waschen drückst du mit dem Finger auf das Schienbein von Frau S. Die Delle bleibt eine Weile stehen.

Ödeme sind pathologische, also krankhafte Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe.

Ödeme

Bei einer Herzinsuffizienz treten häufig kardial bedingte Ödeme auf. Sie sind weich, wenn du sie wegdrückst. Typischerweise bleibt danach eine Delle bestehen. Ödeme durch eine Lymphabflussstörung oder eine Schilddrüsenunterfunktion sind dagegen derber. Sie lassen sich nicht wegdrücken: Ihre ursprüngliche Form nehmen sie sofort wieder an.

Kardial bedingte Ödeme siehst du typischerweise an den Unterschenkeln, vor allem nach längerem Sitzen. Sie entstehen vor allem im Laufe des Tages. Über Nacht gehen sie wieder zurück. Bei starker Ausprägung kann es auch die oberen Extremitäten betreffen. Liegt ein Mensch vorwiegend, sammeln sich die Ödeme der Schwerkraft folgend am tiefsten Punkt des Körpers. Das ist oft die Gesäßgegend, der Rücken oder die Flanken. Das heißt Anasarka.

Durch die eingelagerte Flüssigkeit nimmt das Gewicht zu. Deshalb ist bei einer Herzinsuffizienz die engmaschige Kontrolle des Körpergewichts besonders wichtig.

Pratik kural

Kardial bedingte Ödeme sind weich, eine Delle bleibt stehen. Sie sitzen meist an den Unterschenkeln, bei Menschen, die vorwiegend liegen, am tiefsten Punkt des Körpers.

Bakım bilgisi

Gewicht und Flüssigkeitsbilanz

Frau S. wiegt heute früh 1,5 kg mehr als gestern. „Ich habe doch kaum etwas gegessen“, sagt sie.

Bei einer Herzinsuffizienz kontrollierst du das Gewicht täglich. So erkennst du Wassereinlagerungen (Ödeme) schnell. Eine rasche Gewichtszunahme kommt von einer Wassereinlagerung. Ist die Herzinsuffizienz akut oder chronisch dekompensiert, muss eine genaue Flüssigkeitsbilanz erstellt werden: Einfuhr und Ausfuhr. Alternativ kann der Mensch täglich gewogen werden.

Bei einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz empfiehlt die Leitlinie: Mindestens täglich sollte der Mensch auf Zeichen und Symptome der Volumenbelastung untersucht werden. Auch Körpergewicht und Flüssigkeitsbilanz (Ein- und Ausfuhr, gegebenenfalls mit Blasenkatheter) sollten mindestens täglich kontrolliert werden. Herzfrequenz, Blutdruck, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung sollen bis zur Stabilisierung mehrmals am Tag kontrolliert werden. Die Zeichen selbst zu beobachten ist wichtig, weil die Messung von Gewicht, Einfuhr und Ausfuhr nicht immer zuverlässig ist.

Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz soll empfohlen werden, ihr Gewicht täglich zu messen und zu dokumentieren. Bei einem unüblichen, kurzfristigen Gewichtsanstieg benachrichtigen sie den behandelnden Arzt. Als Orientierung dienen Erfahrungswerte:

  • Zunahme von mehr als 1 kg über Nacht
  • Zunahme von mehr als 2 kg innerhalb von drei Tagen
  • Zunahme von mehr als 2,5 kg in einer Woche

Hilfreich kann ein Herztagebuch sein. Darin trägt der Mensch täglich Gewicht, Puls und Blutdruck ein und kontrolliert Stauungszeichen, zum Beispiel an der Atmung und an Beinödemen. So werden Vitalzeichen und Verhaltensänderungen nachvollziehbar, und Ursachen für eine Verschlechterung lassen sich leichter erfassen.

Pratik kural

Täglich wiegen: Eine rasche Gewichtszunahme ist eingelagertes Wasser. Als Orientierung gilt: Bei mehr als 1 kg über Nacht, mehr als 2 kg in drei Tagen oder mehr als 2,5 kg in einer Woche den Arzt benachrichtigen.

Bakım bilgisi

Beobachten

Vor der Morgenpflege zählst du bei Frau S. den Puls. Er ist unregelmäßig.

Bei Menschen mit Herzerkrankungen kontrollierst und dokumentierst du die Vitalparameter engmaschig. Auffälligkeiten und Veränderungen teilst du dem Arzt mit. Puls und Blutdruck geben dir wichtige Hinweise auf die Pumpfunktion des Herzens. Bei akuten kardialen Erkrankungen sollten sie 2–3-mal täglich kontrolliert werden und zusätzlich während körperlicher Belastung, zum Beispiel bei der morgendlichen Grundpflege. Die Messintervalle in der Langzeitpflege legt der Arzt fest.

Worauf du dabei achtest:

  • Puls: Zähle eine volle Minute lang aus, um Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Eine Tachykardie (über 100 Schläge/min) kann zum Beispiel auf eine Herzrhythmusstörung oder eine Überanstrengung des erkrankten Herzens hinweisen. Eine Bradykardie (unter 60 Schläge/min) kann unter anderem ein akutes Problem anzeigen oder auf eine Nebenwirkung hinweisen, zum Beispiel von Betablockern.
  • Blutdruck: Häufig nehmen Menschen mit einer Herzerkrankung Medikamente, die den Blutdruck senken, zum Beispiel ACE-Hemmer oder Betablocker. Ihre Wirkung solltest du mit regelmäßigen Blutdruckkontrollen überwachen.
  • Atmung: Ein beginnendes Lungenödem kann sich zeigen durch Dyspnoe, schaumigen Auswurf, (Reiz-)Husten, Zyanose und Rasselgeräusche.
  • Haut: zum Beispiel eine Stauungsdermatitis bei Beinödemen.
  • Weiteres: Flüssigkeitsbilanz, Gewicht und Nebenwirkungen der Medikamente.

Vor Beginn jeder Pflegehandlung schätzt du die Belastbarkeit ein. Das ist wichtig. Dazu solltest du den Menschen nach seinem aktuellen Befinden fragen. Während des kurzen Gesprächs beobachtest du ihn und achtest auf Schwäche, Luftnot und weitere Zeichen von Kreislaufbeschwerden. Vor allem vor einer Mobilisation solltest du außerdem Blutdruck und Puls messen. Vor und nach jeder pflegerischen Maßnahme solltest du immer wieder nach dem Befinden fragen und dabei Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung beachten.

Abweichungen

Im Normbereich sollten sich Puls und Blutdruck befinden. Auffälligkeiten wie eine Tachykardie oder eine Hypertonie belasten das Herz. Vor allem wenn sie neu auftreten, solltest du sie dem Arzt mitteilen.

Pratik kural

Den Puls solltest du eine volle Minute auszählen, um Rhythmusstörungen zu erkennen. Neue Auffälligkeiten bei Puls und Blutdruck teilst du dem Arzt mit. Vor jeder Pflegehandlung fragst du nach dem Befinden.

Bakım bilgisi

Die NYHA-Stadien

„Bis zum Bad komme ich noch“, sagt Frau S. „Dann muss ich mich setzen.“ Im Sitzen hat sie kaum Beschwerden.

Die NYHA-Klassifikation (New York Heart Association) teilt die Herzinsuffizienz nach den Symptomen in vier Stadien ein. International gilt sie als bewährter Standard:

  • NYHA I: bei normaler Belastung keine Beschwerden; eine eingeschränkte Pumpfunktion ist aber in Untersuchungen nachgewiesen
  • NYHA II: Beschwerden bei stärkerer körperlicher Belastung, die Leistungsfähigkeit ist leicht eingeschränkt
  • NYHA III: ausgeprägt eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Beschwerden schon bei geringer Belastung, etwa beim einfachen Gehen
  • NYHA IV: Beschwerden, vor allem Dyspnoe, schon in Ruhe

Im klinischen Alltag häufiger anzutreffen ist die Einteilung nach der Ejektionsfraktion (EF). Auch die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie benutzt sie. Die EF ist der prozentuale Anteil an Blut, der pro Herzschlag ausgestoßen wird. Bestimmt wird sie mit der Echokardiografie:

  • HFpEF, Herzinsuffizienz mit erhaltener EF: über 50 %
  • HFmEF, Herzinsuffizienz mit mittelgradig eingeschränkter EF: 41–49 %
  • HFrEF, Herzinsuffizienz mit reduzierter EF: unter 40 %
Pratik kural

NYHA I: bei normaler Belastung keine Beschwerden. NYHA II: Beschwerden bei stärkerer Belastung. NYHA III: schon bei geringer Belastung. NYHA IV: schon in Ruhe.

Bakım bilgisi

Dekompensation erkennen

Olga ruft auf Station an: „Mama schafft seit zwei Tagen nicht mal mehr den Weg ins Bad. Nachts sitzt sie im Bett und keucht.“

Über die Anzeichen einer Dekompensation müssen Menschen mit einer Herzinsuffizienz informiert werden. So lassen sich Komplikationen verhindern oder früh erkennen. Anzeichen sind:

  • geringere Belastbarkeit
  • nächtliche Atemnot
  • zunehmende Ödeme

Siehst du Hinweise auf eine drohende Dekompensation, zum Beispiel zunehmende Beinödeme oder abnehmende Belastbarkeit, informierst du einen Arzt. Zeichen und Symptome einer akuten Herzinsuffizienz setzen rapide ein oder verschlechtern sich rapide, in weniger als 48 Stunden. Menschen mit solchen Zeichen sollen laut Leitlinie unverzüglich stationär eingewiesen werden, sofern keine palliative Situation vorliegt.

Typische Symptome einer dekompensierten Herzinsuffizienz:

  • Atemnot schon bei geringer Belastung, Müdigkeit, Husten
  • periphere Ödeme und eine Zunahme von Gewicht oder Bauchumfang (Aszites)
  • Zeichen einer Minderdurchblutung: kalte Extremitäten, marmorierte Haut, Zyanose, geringe Urinausscheidung, Bewusstseinsstörung wie Verwirrung, Schwindel oder Schläfrigkeit

Für sich allein ist jedes dieser Symptome unspezifisch. Zusammen können sie eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz aber sehr wahrscheinlich machen.

Ausgelöst wird eine Dekompensation häufig durch akute kardiale Ursachen wie eine Ischämie, einen Herzinfarkt oder eine Arrhythmie. Weitere Auslöser sind Infektionen, unkontrollierte Begleiterkrankungen, eine hypertensive Entgleisung, Medikamente wie NSAR und die Nichtadhärenz gegenüber Therapieempfehlungen. Bei älteren Menschen ist die Nichtadhärenz häufig die Ursache. Auch zu viel Flüssigkeit kann eine Dekompensation auslösen.

Pratik kural

Zeichen einer Dekompensation sind nächtliche Atemnot, zunehmende Ödeme und eine geringere Belastbarkeit. Siehst du Hinweise darauf, informierst du einen Arzt.

Bakım bilgisi

Akutes Lungenödem

Nachts klingelt Frau S. Sie sitzt aufrecht und ringt nach Luft. Schon an der Tür hörst du es in ihrer Brust brodeln.

Bei einem akuten Lungenödem sammelt sich seröse Flüssigkeit im Lungeninterstitium und/oder in den Lungenalveolen. Es ist eine lebensbedrohliche Atemstörung. Häufigste Ursache ist die akute Linksherzinsuffizienz, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt: Weil das linke Herz zu schwach pumpt, staut sich das Blut im Lungenkreislauf. Menschen mit einem Lungenödem sind akut lebensbedroht und brauchen sofort intensivmedizinische Betreuung.

So zeigt sich ein Lungenödem:

  • Am Anfang stehen Atemnot und Husten (Asthma cardiale). Rasch nimmt die Atemnot zu.
  • Ohne Stethoskop hörst du brodelnde, feuchte Rasselgeräusche (Distanzrasseln).
  • Der Mensch hustet schaumig-rotes Sputum ab und ist zyanotisch.
  • Bei sinkendem Blutdruck steigt die Herzfrequenz schnell an.
  • Er ist unruhig und hat Todesangst.

Was du sofort tust:

  • Den Menschen möglichst nicht allein lassen, Ruhe vermitteln, Hilfe holen (Kolleginnen, Arzt).
  • In die Herzbettlage bringen, wenn der systolische Blutdruck über 100 mmHg liegt. Beengende Kleidung lockern.
  • Monitor-EKG, Pulsoxymetrie und automatische Blutdruckmessung anlegen; Vitalzeichen kontrollieren, die Atmung beobachten.
  • Sauerstoff nach Anordnung, wenn die Sauerstoffsättigung unter 90 % liegt, bei Ruhedyspnoe oder bei klinischen Zeichen einer Hypoxie wie Zyanose, Verwirrtheit oder Tachypnoe.
  • Einen venösen Zugang legen (lassen).
  • Die ärztlich angeordneten Medikamente vorbereiten, geben und überwachen, beim kardialen Lungenödem zum Beispiel Furosemid intravenös.

Hohe Sauerstoffkonzentrationen können schaden. Eine Hyperoxie ist deshalb zu vermeiden, vor allem, wenn ein akutes Koronarsyndrom als Auslöser vermutet wird.

Danach beobachtest du Blutdruck, Puls und Atmung (Brodeln? Dyspnoe? Sputum?), die Haut (Zyanose? Blässe? Kaltschweißigkeit?), die Sauerstoffsättigung, die Temperatur, die Urinausscheidung mit Flüssigkeitsbilanz und die Bewusstseinslage. Anfangs hält der Mensch Bettruhe, danach wird er nach Arztanordnung mobilisiert. Je nach Grad der Immobilität führst du die erforderlichen Prophylaxen durch. In der Akutphase bleibt er nüchtern, danach bekommt er leicht verdauliche Kost. Nach der Akutphase achtest du auf die angeordnete Trinkmengenbeschränkung und bietest häufiger Mundpflege an. Das Gewicht kontrollierst du regelmäßig: So siehst du, ob das Ausschwemmen wirkt, und erkennst weitere Flüssigkeitsansammlungen rechtzeitig.

Pratik kural

Ein Lungenödem ist lebensbedrohlich. Du lässt den Menschen möglichst nicht allein und holst Hilfe, lagerst ihn bei einem systolischen Blutdruck über 100 mmHg in die Herzbettlage und gibst Sauerstoff nach Anordnung, wenn die Sättigung unter 90 % liegt.

Bakım bilgisi

Medikamente und ihre Beobachtung

Frau S. bekommt seit gestern Furosemid. In der Nacht ist sie dreimal zur Toilette gegangen, beim dritten Mal ohne zu klingeln.

Die Medikamente sollen das Herz entlasten. Die Aktivität des Sympathikus ist hoch. Davor sollen sie das Herz außerdem schützen. So soll die Erkrankung nicht rasch fortschreiten. Meist werden mehrere Wirkstoffgruppen kombiniert. Für jede kennst du, worauf du achten musst:

  • ACE-Hemmer (zum Beispiel Ramipril, Enalapril): Sie weiten die arteriellen Gefäße und senken so die Nachlast. Gefahr: eine Hypotonie, vor allem bei der Ersteinnahme. Deshalb wird der Mensch schrittweise eingestellt, mit engmaschigen Blutdruckkontrollen. Ein Reizhusten ist möglich; belastet er den Menschen, informierst du den Arzt. Bei Nebenwirkungen sind Angiotensinrezeptorblocker eine Alternative.
  • Betablocker (zum Beispiel Bisoprolol, Metoprolol): Vor zu starker Sympathikusaktivierung schützen sie das Herz, und sie senken die Herzfrequenz. Gefahr: eine Bradykardie, deshalb kontrollierst du regelmäßig den Puls. Außerdem besteht die Gefahr eines Asthmaanfalls.
  • Diuretika („Wassertabletten“, zum Beispiel Furosemid, Hydrochlorothiazid): Sie schwemmen Ödeme aus. Das Blutvolumen sinkt, die Vorlast sinkt, das Herz wird entlastet. Gefahr: Stürze beim (nächtlichen) Toilettengang. Sturzgefährdete Menschen forderst du auf, sich für den Toilettengang zu melden. Außerdem können die Elektrolyte entgleisen, besonders das Kalium. Neu auftretende Herzrhythmusstörungen (Pulsarrhythmie!) beachtest du und meldest sie dem Arzt.
  • Aldosteronantagonisten (MRA, zum Beispiel Spironolacton, Eplerenon): Sie kommen zusätzlich dazu, wenn ein Mensch trotz ACE-Hemmern und Betablockern noch Beschwerden hat. Nierenwerte und Kalium werden während der Therapie regelmäßig kontrolliert.
  • Sacubitril/Valsartan: Diese Fixkombination ersetzt den ACE-Hemmer. Mit ACE-Hemmern wird sie nicht kombiniert.
  • SGLT2-Inhibitoren: Die krankhafte Veränderung des Herzmuskels hemmen sie. Günstig wirken sie sich außerdem aus, wenn gleichzeitig ein Diabetes mellitus besteht.
  • Digitalisglykoside (Herzglykoside, zum Beispiel Digoxin, Digitoxin): Heute werden sie nur noch selten gegeben, wegen ihrer geringen therapeutischen Breite. Rasch kommt es zur Überdosierung. Achte auf ihre Zeichen: Übelkeit, Erbrechen, Farbsehstörungen, Bewusstseinsveränderungen, Halluzinationen und eine Bradykardie, die bis zur Asystolie (Herzstillstand) gehen kann.

ACE-Hemmer und Betablocker beginnt der Arzt niedrig dosiert und steigert die Dosis bis zur höchsten verträglichen. Die Elektrolyte sollten vor einer Therapie mit Diuretika bestimmt werden: Eine Hypokaliämie kann die Folge von Diuretika sein, und daraus können gefährliche Herzrhythmusstörungen entstehen.

Pratik kural

Diuretika: Sturzgefahr beim nächtlichen Toilettengang, und das Kalium kann entgleisen, also auf neue Pulsarrhythmien achten. Betablocker: Bradykardie, also Puls kontrollieren. ACE-Hemmer: Hypotonie bei der Ersteinnahme, also Blutdruck kontrollieren.

Bakım bilgisi

Körperpflege

Frau S. möchte duschen. „Aber schön heiß“, sagt sie, „sonst friere ich.“

Wie viel Unterstützung ein Mensch mit einer Herzerkrankung bei der Körperpflege braucht, hängt von seiner individuellen Belastungsgrenze ab. In der Dusche sollte es deshalb eine Sitzmöglichkeit geben, damit er sich bei Bedarf ausruhen kann.

Körperpflege

Von warmem Duschen und von Vollbädern wird grundsätzlich abgeraten. Sie belasten den Herzkreislauf zusätzlich.

Vor und nach der Körperpflege fragst du nach dem Befinden. Achte auf Schwäche, Luftnot und weitere Zeichen von Kreislaufbeschwerden. Muss der Mensch Bettruhe einhalten, unterstützt du ihn bei der Körperpflege und bei der Ausscheidung.

Pratik kural

Bei der Körperpflege richtet sich die Unterstützung nach der Belastungsgrenze. In der Dusche sollte es zum Beispiel einen Sitz geben. Von warmem Duschen und Vollbädern wird abgeraten.

Bakım bilgisi

Trinkmenge und Salz

„Viel trinken ist doch gesund“, sagt Frau S. und schenkt sich das vierte Glas Wasser ein. Auf ihrem Nachttisch liegt der Zettel mit der verordneten Trinkmenge.

Hat der Arzt bei einer chronischen Herzinsuffizienz die Flüssigkeitszufuhr beschränkt, achtest du darauf. Eine Dekompensation der Herzinsuffizienz kann die Folge sein, wenn der Mensch zu viel trinkt. Über den Tag sollte die erlaubte Trinkmenge möglichst gleichmäßig verteilt sein. Bei starkem Durst kannst du zum Beispiel Eiswürfel zum Durstlöschen anbieten.

Eine strenge Beschränkung gilt aber nicht für alle. Bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz soll sich die Trinkmenge laut Leitlinie danach richten, wie sich das Gewicht kurzfristig verändert und wie die Nieren arbeiten. Ungünstig ist nach Erfahrung der Leitliniengruppe lediglich eine exzessive Aufnahme, ungefähr über 3 Liter. Haben Menschen eine schwere Symptomatik, eine Hypervolämie oder eine Hyponatriämie, kann kurzfristig eine Beschränkung auf 1,5–2 Liter am Tag infrage kommen.

Warum nicht einfach immer beschränken? Die frühere Empfehlung beruhte auf einer Annahme: Eine Beschränkung von Flüssigkeit und Salz verringere Atemnot und Ödeme und senke den Blutdruck. Diesen positiven Effekten steht aber ein erhöhtes Risiko gegenüber, unter anderem für Hyponatriämien. Folgen können Verwirrtheit und Delir, Stürze und Krankenhausaufenthalte sein. Dazu kommen eine verschlechterte Nierenfunktion und eine erhöhte Herzfrequenz.

Salzrestriktion

Zum Salz sagt die Leitlinie: Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz sollte keine Salzrestriktion unter 6 g pro Tag empfohlen werden. Für die Allgemeinbevölkerung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Salzverzehr von 6 g am Tag, das sind ungefähr 1,5 Teelöffel. In der Regel essen Menschen in Deutschland mehr.

Pratik kural

Eine ärztlich verordnete Trinkmenge hältst du ein und verteilst sie gleichmäßig über den Tag. Bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz ist nach Erfahrung der Leitliniengruppe nur eine exzessive Menge von ungefähr über 3 Litern ungünstig. Eine Salzrestriktion unter 6 g am Tag sollte nicht empfohlen werden.

Bakım bilgisi

Ernährung und Gewicht

Frau S. isst nur ein paar Löffel Suppe. „Ich habe als Kind gehungert“, sagt sie. „Ich brauche nicht viel.“

Hat der Mensch keinen Appetit, ist Wunschkost ein gutes Angebot. Mehrere kleine, eiweißreiche Mahlzeiten sind besser als üppige. Nahrungsmittel, die blähen, fettreich oder schwer verdaulich sind, meidet er besser. Wie viele Kalorien er braucht, richtet sich nach seinem Ausgangsgewicht. Ungünstig ist nämlich nicht nur Übergewicht, sondern auch Untergewicht.

Eine spezielle Diät gibt es bei Herzinsuffizienz nicht. Für spezifische Diäten fand die Leitlinie keine Evidenz. Sie verweist auf die Ernährungsempfehlungen für die Allgemeinbevölkerung. Herzkranken Menschen wird eine Ernährung empfohlen, die kaloriengerecht und ballaststoffreich ist, mit viel Obst und Gemüse und wenig gesättigten Fetten.

Gewichtsreduktion bei Übergewicht

Eine Diät mit dem Ziel abzunehmen sollte Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz nicht regelhaft empfohlen werden. Bei einer bereits bestehenden Herzinsuffizienz leben Menschen mit Übergewicht oder leichter Adipositas (BMI unter 35) im Vergleich zu Menschen mit normalem BMI sogar länger. Sie müssen auch seltener stationär behandelt werden. Untergewicht und ein ungewollter Gewichtsverlust sind dagegen prognostisch ungünstig. Bei älteren Menschen ist das Risiko einer Gewichtsreduktion unter Umständen vermutlich größer als ihr Nutzen.

Ist die Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt, gehört eine Obstipationsprophylaxe dazu. Wenn nötig, wird die Darmtätigkeit angeregt, zum Beispiel mit Macrogol, Laktulose oder Weizenkleie.

Pratik kural

Bei Appetitlosigkeit helfen Wunschkost und mehrere kleine, eiweißreiche Mahlzeiten. Eine Diät zum Abnehmen sollte nicht regelhaft empfohlen werden, Untergewicht ist ungünstig. Bei eingeschränkter Trinkmenge denkst du an die Obstipationsprophylaxe.

Bakım bilgisi

Schulung und Selbstmanagement

Frau S. soll entlassen werden. Ihre Tochter Olga fragt: „Und woran merke ich, dass es wieder schlimmer wird?“

Menschen mit Herzinsuffizienz sollen nach der Diagnose und wiederholt im Krankheitsverlauf strukturierte Schulungen empfohlen und vermittelt werden. Schulungen, die einmalig und nur in der Klinik stattfinden, scheinen keine nachhaltigen Effekte zu bringen. Positive, wenn auch kleine Effekte hatte dagegen eine langfristige ambulante Nachsorge mit regelmäßigen Kontakten, etwa am Telefon oder bei Hausbesuchen, und wiederholten Schulungen, zum Beispiel durch spezialisierte Pflegefachkräfte.

Wichtige Inhalte einer Schulung:

  • Selbstmanagement: Gewicht, Puls und Blutdruck regelmäßig kontrollieren und dokumentieren; wichtige Symptome selbst beobachten; Warnzeichen kennen, bei denen ein Arzt kontaktiert werden sollte
  • Wissen über die Erkrankung: Ursachen, Symptome, typischer Verlauf, Behandlungsmöglichkeiten
  • Lebensstil: regelmäßige körperliche Aktivität im Alltag, Salz und Flüssigkeit, Rauchverzicht, Alkohol
  • Medikamente: Ziele, Nebenwirkungen, Bedeutung der Therapietreue, Impfempfehlungen

Alle Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz sollen nach der Diagnose und wiederholt im Verlauf zur aktiven Mitwirkung motiviert werden, wenn sie einverstanden sind, auch ihre Angehörigen. Die Einbeziehung der Angehörigen aktiv anzusprechen, ist sinnvoll: Die Betroffenen fragen erfahrungsgemäß oft nicht selbst danach. Bei Information und Schulung sollen kognitive Einschränkungen und möglicherweise vorliegende psychische Probleme berücksichtigt werden. Bei Bedarf sollen auch die Angehörigen einbezogen werden.

Bei Menschen mit Symptomen soll geprüft werden, ob sie anhand ihres Gewichtsprotokolls ihre Diuretikadosis selbstständig anpassen können. Mit Menschen, die das können, können individuelle Grenzwerte festgelegt werden. Die Leitliniengruppe spricht sich dafür aus, sie entsprechend zu schulen und so in ihrer Autonomie gestärkt.

Pratik kural

Schulung gehört wiederholt dazu, nicht nur einmal in der Klinik. Der Mensch lernt, Gewicht, Puls und Blutdruck zu kontrollieren und zu dokumentieren, Warnzeichen zu erkennen und seine Medikamente zu verstehen. Die Einbeziehung von Angehörigen aktiv anzusprechen, ist sinnvoll.

Bakım bilgisi

Medikamentenmanagement

„Die Wassertablette lasse ich weg, wenn wir zum Arzt fahren“, sagt Frau S. „Sonst muss ich unterwegs ständig.“

Viele Herzerkrankungen sind chronisch. Oft muss der Mensch die Medikamente deshalb lebenslang einnehmen. Du sorgst dafür, dass der Mensch sie regelmäßig einnimmt, damit die Herz-Kreislauf-Funktion stabil bleibt. Du überwachst die Therapie und achtest auf mögliche Nebenwirkungen. Dazu solltest du den Wirkmechanismus kennen und die korrekte Einnahme erklären können.

Zu den pflegerischen Aufgaben bei Herzinsuffizienz gehört laut Leitlinie, bei der Medikamenteneinnahme zu unterstützen:

  • Medikamente stellen und verabreichen
  • beobachten und informieren zu Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
  • Probleme bei der Einnahme erkennen und gemeinsam nach Lösungen suchen

Viele Menschen nehmen die verordneten Medikamente nicht so ein, wie es nötig wäre. Wer nicht adhärent ist, wird häufiger wegen einer Dekompensation ins Krankenhaus eingewiesen. Vor der Entlassung solltest du deshalb darüber aufklären, wie wichtig die regelmäßige Einnahme ist, um Komplikationen wie die Dekompensation einer Herzinsuffizienz zu vermeiden. Der Mensch sollte außerdem die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen seiner Medikamente kennen.

Achte bei der Entlassung darauf, dass der Mensch für neu begonnene Medikamente ein Rezept bekommt. Dazu sind die Kliniken nach SGB V verpflichtet. Ist er demenziell erkrankt oder körperlich stark eingeschränkt, muss ihn ein ambulanter Pflegedienst bei der Medikamentengabe unterstützen. Dass er Unterstützung braucht, stellst du fest und gibst es an den behandelnden Arzt weiter. Der Sozialdienst des Krankenhauses übernimmt die Organisation.

Pratik kural

Herzmedikamente sind oft lebenslang nötig. Du sorgst für die regelmäßige Einnahme, überwachst Wirkung und Nebenwirkungen und suchst bei Problemen mit der Einnahme gemeinsam mit dem Menschen nach Lösungen.

Bakım bilgisi

Begleitung und Entlassung

Frau S. singt leise ein Kirchenlied. „Das mache ich, wenn ich Angst habe“, sagt sie. „Wie lange schaffe ich das noch zu Hause?“

Besonders nach der Erstdiagnose, aber auch im Verlauf brauchen Betroffene und ihre Bezugspersonen psychosoziale Begleitung. Sie fragen sich, wie sich die Krankheit in ihr Leben integrieren lässt, welche Komplikationen eintreten können und welche Auswirkungen die Krankheit haben wird. Bei diesen Fragen solltest du versuchen, ihnen zu helfen. Damit Hilfe organisiert werden kann, solltest du bei Bedarf Informationen an Kolleginnen oder den Arzt weitergeben. Grundsätzlich solltest du Gesprächsbereitschaft signalisieren. Gib dem Menschen die Möglichkeit, über seine Sorgen, Ängste und Nöte zu sprechen.

Eine Herzinsuffizienz kann mit depressiven Verstimmungen, Angststörungen oder kognitiver Dysfunktion zusammenhängen. Auch soziale Auswirkungen der Erkrankung spielen eine Rolle, zum Beispiel für Sexualität und Freizeit. Gemeinsam mit dem Menschen suchst du nach Ressourcen, damit er lernt, mit den Veränderungen umzugehen.

Vor der Entlassung wird der Mensch individuell beraten, informiert, geschult oder angeleitet. Der Schwerpunkt liegt auf der Tertiärprävention: Die Folgen der Erkrankung sollen gemildert und Rückfällen soll vorgebeugt werden. Für seine Reintegration in den Alltag muss der Mensch über seine Erkrankung aufgeklärt sein, ärztlich wie pflegerisch. So bereitest du die Entlassung mit vor:

  • Zusammen mit dem Arzt entsteht ein individueller Reintegrationsplan für die Zeit nach der Entlassung. In vielen Krankenhäusern übernimmt das der Sozialdienst, zum Beispiel für Rehabilitationsmaßnahmen und häusliche Hilfen.
  • Der Sozialdienst unterstützt beim Antrag auf eine Anschlussheilbehandlung (AHB). Auch nach einem Krankenhausaufenthalt wegen einer Dekompensation haben Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz Anrecht auf eine stationäre Rehabilitation.
  • Ein Disease-Management-Programm (DMP) bietet einen regelmäßigen ärztlichen Rundumblick. Der Mensch sollte deshalb in ein solches Programm vermittelt werden. Darin sucht er in festen Abständen einen niedergelassenen Facharzt auf. Dieser beobachtet den Verlauf, schult weiter und kann Komplikationen früh erkennen. DMPs gibt es unter anderem für Herzinsuffizienz.
Pratik kural

Gesprächsbereitschaft zeigen und Ängste ernst nehmen. Vor der Entlassung mit Arzt und Sozialdienst planen: Rehabilitation, häusliche Hilfen, Disease-Management-Programm.

Bakım bilgisi

Training und Alltagsaktivität

Die Hausärztin hat Frau S. eine Herzsportgruppe empfohlen. „In meinem Alter?“, fragt sie.

Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz soll empfohlen werden, körperlich aktiv zu sein. Ihnen soll außerdem eine langfristige strukturierte Trainingsintervention empfohlen und gegebenenfalls vermittelt werden. Ein solches Training wirkt sich positiv auf Belastbarkeit und Lebensqualität aus und verringert das Risiko für Krankenhauseinweisungen.

So ist das Training aufgebaut:

  • Es soll auf einem Ausdauertraining basieren. Ein dynamisches Krafttraining kann es ergänzen.
  • Am Anfang stehen kurze, gering bis moderat intensive Einheiten. Erst steigt die Dauer, danach die Intensität („start low – go slow“).
  • Geeignet sind je nach Belastbarkeit zum Beispiel Radfahren, Walking oder ein Stepper. Bei stark eingeschränkten Menschen bieten sich Fahrradergometer oder Laufband an.
  • Körperliche Belastung brichst du bei Atemnot ab.

Regelmäßiges Ausdauertraining, zum Beispiel in speziellen Herzsportgruppen, ist bei kompensierter Herzinsuffizienz sinnvoll. Oft gehen mit einer Herzinsuffizienz Erschöpfung und eine (reaktive) depressive Verstimmung einher. Auch ihnen wirkt das Training entgegen. Für herzkranke Menschen wird grundsätzlich eine Kombination aus Ausdauertraining (3–5-mal pro Woche) und Krafttraining (2–3-mal pro Woche) empfohlen, angepasst an den Allgemeinzustand. Besonders für ältere Menschen steht neben dem angeleiteten Training die aktive Alltagsaktivität im Vordergrund, zum Beispiel selbstständiges Einkaufen.

Je nach Vorliebe kommen auch zum Beispiel Spazierengehen, Schwimmen, Aquagymnastik oder Gartenarbeit infrage. Damit die positiven Effekte bleiben, ist es wichtig, die Aktivitäten lebenslang beizubehalten.

Pratik kural

Bei chronischer Herzinsuffizienz soll körperliche Aktivität empfohlen werden, am besten als langfristiges Ausdauertraining: kurz und leicht beginnen, erst die Dauer, dann die Intensität steigern. Bei Atemnot brichst du die Belastung ab.

Bakım bilgisi

Pulsmessorte

Am Handgelenk von Herrn B. findest du keinen Puls. Die Kollegin sagt: „Versuch es woanders.“
Mann von vorn als 3D-Figur mit sieben Pulstaststellen: Schläfe, Hals seitlich des Kehlkopfs, Innenseite des Oberarms, Handgelenk auf der Daumenseite, Leiste, Innenknöchel und Fußrücken.

Die Pulswelle kannst du dort tasten, wo größere Arterien knapp unter der Haut verlaufen. Damit du die Stellen findest, hilft dir der Weg der Arterien:

  • Arm: Die A. subclavia zieht auf beiden Seiten Richtung Arm und Hand. Ihr Name wechselt unterwegs: Im Bereich der Achsel ist sie die A. axillaris (Achselarterie), am Oberarm die A. brachialis (Oberarmarterie). Die A. brachialis teilt sich kurz nach dem Ellenbogengelenk in zwei Äste. Benannt sind sie nach dem Unterarmknochen, dem sie am nächsten liegen: Daumennah an der Speiche (Radius) liegt die A. radialis (Speichenarterie), die A. ulnaris (Ellenarterie) daumenfern nahe der Elle (Ulna).
  • Hals: Am Hals verlaufen zwei Halsschlagadern, die A. carotis communis rechts und links. In Höhe des 4. Halswirbels teilen sie sich jeweils in zwei Äste: A. carotis externa und A. carotis interna.
  • Bein: Die Bauchaorta teilt sich knapp unterhalb des Bauchnabels in die rechte und linke große Beckenarterie. Ihr äußerer Ast verläuft über die Leiste weiter zum Bein und heißt dort A. femoralis (Oberschenkelarterie). Am Knie trägt sie den Namen A. poplitea. Unterhalb des Kniegelenks teilt sie sich in die hintere und vordere Schienbeinarterie (A. tibialis posterior und A. tibialis anterior).

Die Taststellen:

  • Handgelenk, A. radialis: der häufigste Messort
  • Hals, A. carotis communis: wenige Zentimeter seitlich des Kehlkopfs. Ein Griff an den Hals kann sich für den Menschen unangenehm und bedrohlich anfühlen. Besonders geeignet ist der Messort deshalb bei bewusstlosen Menschen. Vorsicht bei bestehenden Stenosen.
  • Leiste, A. femoralis: Hier ist sie gut zu tasten, du greifst aber in den Intimbereich. Für die standardmäßige Pulskontrolle eignet sie sich deshalb nicht.
  • Fußrücken, A. dorsalis pedis (Fußrückenarterie), und Innenknöchel, A. tibialis posterior: Hier misst du, wenn du die Durchblutung der Beine beurteilen willst.
  • Oberarm, A. brachialis, und Schläfe, A. temporalis (Schläfenarterie): geeignet zur Messung bei Kindern
Halsschlagader

Am Hals tastest du ohne massierende Bewegungen, denn dort sitzen Rezeptoren, die den Blutdruck mitregulieren. Taste nicht auf beiden Seiten gleichzeitig, sonst kann der Blutstrom unterbrochen werden, der zum Gehirn führt. Auch einseitig ist vor allem bei älteren Menschen Vorsicht nötig: Bei arteriosklerotischen Halsgefäßen können sich durch zu festes Drücken Teile von Plaques lösen und im Gehirn einen Schlaganfall auslösen.

Pratik kural

Am häufigsten tastest du die A. radialis daumennah am Handgelenk. Die A. carotis communis liegt wenige Zentimeter seitlich des Kehlkopfs, und du solltest sie nicht auf beiden Seiten gleichzeitig tasten. An Fußrücken und Innenknöchel beurteilst du die Durchblutung der Beine.

Bakım bilgisi

Puls messen

Frau K. wird neu aufgenommen. Deine Praxisanleiterin sagt: „Miss bitte Puls und Blutdruck.“

Wenn sich das Herz in der Systole zusammenzieht, pumpt es ruckartig Blut in die Aorta. Dabei entsteht eine Pulswelle. Sie treibt das Blut in die peripheren Gefäße. An oberflächlichen Arterien kannst du sie als Puls tasten. Der Puls gibt dir also Auskunft über die Herzfrequenz.

Am Puls beobachtest du drei Kriterien:

  • Pulsfrequenz: die Zahl der Pulswellen, die du pro Minute tastest
  • Pulsrhythmus: die Abstände zwischen den Pulswellen. Sind sie gleich lang, ist der Puls rhythmisch (regelmäßig). Sind sie unterschiedlich lang, ist er arrhythmisch (unregelmäßig).
  • Pulsqualität: wie hart die Pulswellen sind, wie schnell sie ansteigen und wie hoch ihre Amplitude ist. In der Praxis spielt sie eine untergeordnete Rolle, weil sie sich oft nicht eindeutig beurteilen lässt.

Den Puls misst du zum Beispiel bei der Aufnahme auf Station: So hast du einen Ausgangswert. Außerdem in der Überwachung nach einer Operation, wenn andere Werte wie Blutdruck oder Temperatur auffällig sind, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert und im Notfall, etwa bei einem Schock.

So misst du am Handgelenk: Der Mensch legt seinen Arm bequem ab. Mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger tastest du an der Daumenseite seines Unterarms, nahe am Handgelenk. Ist der Puls regelmäßig, zählst du 15 Sekunden und nimmst die Zahl mal 4. So erhältst du die Schläge pro Minute. Ist der Puls unregelmäßig, solltest du eine volle Minute auszählen. Das gilt auch, wenn der Mensch neu auf Station aufgenommen wird.

Am häufigsten misst du den Radialispuls am Handgelenk. Dort findest du den Puls meist leicht, auch wenn der Mensch angezogen ist. Und die Messung kann dort keinen Schaden anrichten. Den Puls kannst du aber an jeder Arterie tasten, die nahe an der Körperoberfläche verläuft und sich gegen festes Gewebe drücken lässt.

Am Hals drückst du nicht lange auf die Halsschlagader (A. carotis communis). Das kann die Durchblutung des Gehirns verschlechtern, besonders wenn die Halsarterien schon geschädigt sind. Der Druck kann außerdem den Nervus vagus reizen. Dann verlangsamt sich die Herzfrequenz, bis hin zu Schwindel und Bewusstseinsstörung. Bei Säuglingen eignet sich vor allem die Oberarmarterie (A. brachialis).

Die Messung kann aus diesen Gründen falsch ausfallen:

  • Du tastest mit dem Daumen. Er hat einen Eigenpuls, den du mit dem Puls des Menschen verwechseln kannst.
  • Du drückst zu leicht auf das Gefäß und fühlst die Schläge nicht.
  • Du drückst zu stark und drückst die Schläge ab.
  • Eine Gefäßverengung verändert den Puls auf einer Seite.
  • Der Mensch hat sich gerade körperlich angestrengt. Dann ist der Wert eine Momentaufnahme und eventuell zu hoch.
Pratik kural

Ist der Puls regelmäßig, zählst du 15 Sekunden und nimmst die Zahl mal 4. Ist er unregelmäßig oder wird der Mensch neu aufgenommen, solltest du eine volle Minute auszählen. Du tastest mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger, nicht mit dem Daumen.

Bakım bilgisi

Blutdruck messen

Herr D. hat am linken Arm einen Shunt für die Dialyse. Du sollst seinen Blutdruck messen.

Der gemessene Blutdruck zeigt, mit welcher Kraft das Blut auf die Gefäßwände drückt. Er hängt von der Pumpleistung des Herzens ab und vom Gefäßwiderstand der Arterien. Je enger ein Gefäß ist, desto größer ist sein Widerstand und desto höher der Blutdruck. Ältere Menschen haben zum Beispiel durch Arteriosklerose verengte Arterien. Ihr physiologischer Blutdruck liegt deshalb höher als bei jüngeren Erwachsenen.

Mit „dem Blutdruck“ sind zwei Werte gemeint:

  • systolischer Wert (oberer Wert): der Druck, der in den großen Arterien herrscht, während das Herz Blut auswirft (Systole)
  • diastolischer Wert (unterer Wert): der Druck, der in den großen Arterien herrscht, während das Herz erschlafft (Diastole)

Die Einheit ist mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Statt Blutdruck heißt es oft auch „RR“, nach dem Arzt Scipione Riva-Rocci.

Ohne eine Arterie zu punktieren, misst du den Blutdruck mit einer Manschette. Das geht auf drei Wegen:

  • auskultatorisch: Du hörst mit dem Stethoskop ab. Das ist das gängigste Verfahren.
  • palpatorisch: Du tastest den Radialispuls, während du die Manschette aufpumpst. Ist kein Puls mehr tastbar, pumpst du noch um 30 mmHg weiter und lässt den Druck dann ab. Der systolische Wert ist der Druck, bei dem du den Puls wieder tastest. Einen diastolischen Wert erhältst du so nicht. Du misst so, wenn du mit dem Stethoskop die Strömungsgeräusche nicht ausreichend hörst.
  • oszilloskopisch: Ein elektronisches Gerät misst. Bei Kindern unter 4 Jahren misst du nur so.

Darauf achtest du:

  • Herzhöhe: Die Manschette sitzt immer in Herzhöhe. Unter Herzhöhe steigt der Wert, darüber sinkt er.
  • Shunt: An einem Arm mit Shunt misst du nie den Blutdruck, sonst kann der Shunt zerstört werden.
  • Schädigung: Hat ein Arm eine Verletzung, eine frische Operationswunde oder ein Lymphödem, weil Lymphknoten entfernt wurden, solltest du am gesunden Arm messen. Bei einer Hemiplegie solltest du auf der nicht betroffenen Seite messen.
  • Position und Bedingungen: Ob sitzend, liegend oder stehend, ob in Ruhe oder unter Belastung: Du solltest immer gleich messen. Nur so lassen sich die Werte vergleichen.
  • Manschettengröße: Die Manschette passt zum Arm. Bei Kindern ist das entscheidend.
  • Manschettendruck: Ein hoher Druck ist schmerzhaft. Geben dir die Geräusche beim Aufpumpen keinen Anhalt, solltest du dabei den Puls tasten und nicht unnötig hoch pumpen.

Falsche Werte entstehen zum Beispiel durch:

  • Lärm und Gespräche, die das Hören erschweren
  • körperlichen oder psychischen Stress kurz vor der Messung: Die Werte können falsch hoch sein
  • eine zweite Messung nach weniger als 2 Minuten
  • Kleidung, die oberhalb der Manschette einschnürt: Die Werte können falsch hoch sein
  • zu starken Druck mit dem Stethoskop: Dann kannst du Geräusche hören, obwohl der diastolische Druck schon unterschritten ist
  • den Daumen auf dem Stethoskopkopf: Du hörst eventuell deinen Eigenpuls
Pratik kural

Die Manschette sitzt in Herzhöhe. Am Arm mit Shunt misst du nie, bei einer Schädigung solltest du am gesunden Arm messen. Damit die Werte vergleichbar sind, solltest du immer in derselben Position und unter denselben Bedingungen messen.

Bakım bilgisi

Blutdruck beurteilen

Frau S. hat 168/102 mmHg. Sie ist gerade die Treppe hochgekommen und aufgeregt.

Wie hoch der Blutdruck normalerweise ist, hängt vom Alter ab. Normale Werte in mmHg:

  • 50/30 bei Frühgeborenen
  • 65/45 bei Neugeborenen
  • 80/50 bei Säuglingen
  • 90/60 bei Kleinkindern
  • 100/60 bei Schulkindern
  • 120/80 bei Jugendlichen und Erwachsenen
  • 140/90 bei Menschen über 64 Jahre

Werden die Werte über einen längeren Zeitraum wiederholt gemessen und liegen sie dabei konstant über 140/90 mmHg, ist das eine arterielle Hypertonie. Hohe Werte bei nur einzelnen Messungen heißen hypertone Blutdruckwerte. Eine arterielle Hypertonie ist das noch nicht. Gefährlich ist die dauerhafte Druckerhöhung, nicht eine kurze Blutdruckspitze bei Belastung oder Stress.

Die WHO teilt den Blutdruck so ein:

systolisch (mmHg)
diastolisch (mmHg)
optimal
unter 120
unter 80
normal
120–129
80–84
hochnormal
130–139
85–89
milde Hypertonie (Stufe 1)
140–159
90–99
mittlere Hypertonie (Stufe 2)
160–179
100–109
schwere Hypertonie (Stufe 3)
über 180
über 110

Sinkt der Blutdruck systolisch unter 100 mmHg, liegt eine arterielle Hypotonie vor. Behandelt werden muss sie nur, wenn der Mensch Beschwerden hat und sein Blutdruck dauerhaft unter 100/60 mmHg liegt. Häufig sind das Schwindel, Kollapsneigung, wenig Kältetoleranz und allgemeine Abgeschlagenheit.

Der Blutdruck kann durch körperliche Anstrengung und psychische Aufregung ansteigen. Einen auffälligen Wert solltest du deshalb nach ein paar Minuten immer noch einmal messen. In der Zwischenzeit entspannt sich der Mensch, wenn nötig im Bett. Bei der ersten Kontrolle solltest du bei jedem Menschen an beiden Armen messen. Hinter einer Engstelle in einer Arterie sinkt der Druck. Sind die Werte verschieden, solltest du deshalb immer den höheren beurteilen.

Einen Arzt solltest du informieren,

  • wenn sich der Blutdruck unerwartet ändert,
  • wenn der Blutdruck grenzwertig niedrig ist und der Mensch dazu blass ist, Schwindel hat, schwitzt oder eine Tachykardie hat,
  • wenn mehrere Vitalparameter auffällig sind,
  • bei stark erhöhtem Blutdruck, also bei einer mittleren oder schweren Hypertonie,
  • wenn blutdrucksenkende Medikamente zu schwach oder zu stark wirken,
  • wenn eine milde Hypertonie anhält.
Pratik kural

Bei einer arteriellen Hypertonie liegen wiederholt gemessene Werte über längere Zeit konstant über 140/90 mmHg. Eine Hypotonie beginnt unter 100 mmHg systolisch. Einen auffälligen Wert solltest du nach ein paar Minuten noch einmal messen, nachdem sich der Mensch entspannt hat.

Bakım bilgisi

Körpertemperatur beurteilen

Frau W. kommt aus dem OP zurück. Du misst 35,6 °C.

Normal beträgt die Körperkerntemperatur 36,5–37,5 °C. Liegt sie darüber, ist es Fieber oder eine Überhitzung (Hyperthermie). Liegt sie darunter, ist es eine Unterkühlung (Hypothermie).

Die Körperkerntemperatur schwankt mit den Hormonen über den Tag und bei Frauen über den Monatszyklus, um bis zu 1 Grad. Ihren höchsten Wert hat sie am späten Nachmittag und frühen Abend, bei Frauen außerdem nach dem Eisprung. Zwischen Mitternacht und frühem Morgen ist sie am niedrigsten. Außerdem unterscheiden sich Menschen individuell, und mit zunehmendem Alter sinkt die Temperatur.

Bei rektaler Messung werden diese Fieberhöhen unterschieden:

  • subfebrile Temperatur: 37,5 bis 38,0 °C
  • leichtes Fieber: 38,1 bis 38,5 °C
  • mäßiges Fieber: 38,6 bis 39,0 °C
  • hohes Fieber: 39,1 bis 39,9 °C
  • sehr hohes Fieber: 40,0 bis 42,0 °C

Hypothermie: Gefährdet sind Menschen unter Alkohol- und Drogeneinfluss in kalten Wintern. Gefährdet ist auch, wer eine gestörte Temperaturregulation oder ein gestörtes Wärmeempfinden hat, zum Beispiel während und kurz nach einer Narkose. Dazu kommt die niedrige Temperatur im Operationssaal. Ein großer Teil der Patienten ist nach Operationen unterkühlt. Dass chirurgische Patienten nicht schon unterkühlt im OP ankommen, dafür solltest du deshalb mit warmen Decken sorgen. Nach der Operation solltest du die Körpertemperatur messen und fieberfreie Pflegeempfänger warm zudecken. Kleine Kinder, besonders Früh- und Neugeborene, kühlen schneller aus. Ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zur Körpermasse groß, die subkutane Fettschicht ist dünn, und sie bilden wenig Wärme.

Unter 36 °C Körperkerntemperatur ist das Immunsystem geschwächt. Wundheilungsstörungen treten häufiger auf, und die Blutgerinnung ist beeinträchtigt. Zuerst steigen Atem- und Pulsfrequenz, sinkt die Temperatur weiter, fallen beide. Dazu kommen Bewusstseinsstörungen, und Herzrhythmusstörungen können durch Elektrolytverschiebungen auftreten. Die Einteilung:

  • milde Hypothermie: 32–36 °C
  • mäßige Hypothermie: 28–32 °C
  • schwere Hypothermie: 18–28 °C
  • tiefe Hypothermie: unter 18 °C

In der Literatur gibt es andere Einteilungen. Manche sprechen schon unter 32 °C von schwerer Hypothermie, und „mild“ und „mäßig“ werden oft gleichbedeutend gebraucht.

Information des Arztes

Auch eine milde Hypothermie teilst du dem zuständigen Arzt mit, wenn sich die Temperatur durch warmes Zudecken nicht normalisiert.

Pratik kural

Normal sind 36,5–37,5 °C. Über 38 °C ist Fieber, unter 36 °C beginnt die milde Hypothermie. Nach einer OP solltest du die Temperatur messen und fieberfreie Menschen warm zudecken.

Bakım bilgisi

Messorte

Herr S. wurde gestern operiert. Er hat einen Venenzugang und sagt, ihm sei kalt.

Am sichersten schätzt du den Temperaturhaushalt mit einer Messung ein. Bei jedem Kontakt achtest du aber auch auf Zeichen, die eng mit der Körpertemperatur zusammenhängen:

  • Blässe oder Rötung der Haut
  • Zittern, Gänsehaut, Schüttelfrost
  • Schwitzen
  • verminderte Urinausscheidung
  • Appetitlosigkeit
  • reduzierter Allgemeinzustand
  • Durstgefühl

Bei normaler Zimmertemperatur können Zittern, Gänsehaut und Schüttelfrost zeigen, dass Fieber beginnt oder der Mensch unterkühlt ist. Wahrscheinlich hat der Mensch Fieber, wenn er bei normaler Zimmertemperatur schwitzt, übermäßigen Durst hat oder seine Haut gerötet und warm ist. Kinder sind bei Fieber manchmal quengelig, schläfrig oder verweigern die Nahrung, Säuglinge trinken schlecht. Manche Kinder wirken trotz Fieber aber unauffällig und spielen.

In den meisten klinischen Bereichen misst du bei allen Pflegeempfängern regelmäßig die Temperatur, mindestens einmal, besser zweimal am Tag. Öfter solltest du messen,

  • wenn eine Infektion besteht oder durch Operation, liegende Zugänge oder Abwehrschwäche die Infektionsgefahr erhöht ist,
  • wenn andere Beobachtungen auf eine Temperaturstörung hinweisen,
  • wenn Temperaturregulation oder Wärmeempfinden gestört sind, zum Beispiel bei Bewusstseinsstörungen oder zerebralen Erkrankungen.

Die Temperatur gibst du in Grad Celsius (°C) an. Messorte:

  • rektal (im After): am genauesten
  • vaginal: nach manchen Literaturangaben ähnlich genau, in der Praxis sehr selten
  • aurikulär (im Gehörgang, mit Ohrthermometer): Die Temperatur des Trommelfells entspricht etwa der Körperkerntemperatur. Ohrschmalz, eine Ohrentzündung oder eine ungenaue Position können falsche Werte ergeben.
  • sublingual (unter der Zunge): Der Mensch sollte vorher nichts Kaltes oder Heißes getrunken haben. Die Werte liegen um 0,2 bis 0,5 °C niedriger als rektal.
  • axillar (in der Achselhöhle) oder inguinal (in der Leiste): relativ ungenau, axillar ebenfalls um 0,2 bis 0,5 °C niedriger als rektal
  • an der Stirn: relativ ungenau; subfebrile Temperaturen können hier besonders leicht unbemerkt bleiben

So misst du: Zum Schutz des Geräts und aus hygienischen Gründen solltest du Schutzhüllen oder Schutzkappen verwenden, eventuell Handschuhe. Die Gebrauchsanweisung solltest du beachten. Sublingual schiebst du die Thermometerspitze seitlich unter den Zungenrand, oder der Mensch macht es selbst. Rektal misst du in Seitenlage mit übergestreifter Schutzhülle. Zum leichteren Einführen kannst du sie mit etwas Gleitcreme einreiben oder mit Wasser anfeuchten. Fettende Salben verwendest du nicht: Fett isoliert und kann den Messwert senken. Bei Säuglingen kann sich beim Messen Stuhl entleeren. Du legst deshalb eine Unterlage oder Windel unter das Gesäß.

Messdauer: Ein Infrarot-Ohrthermometer braucht wenige Sekunden, ein digitales Thermometer etwa 2 Minuten, ein analoges etwa 5 Minuten. Ist die Messung fertig, piepen die Geräte meist.

Schnelle Überprüfung

Vermutest du Fieber, kannst du dem Menschen eine Hand auf die Stirn legen, bei Säuglingen und kleinen Kindern auf den Rumpf. Bei Fieber fühlt sich die Haut im Verhältnis zu deiner Hand heiß an. Zuverlässig ist das nicht. Du kontrollierst deshalb mit einer Messung.

Pratik kural

Am genauesten misst du rektal. Sublingual und axillar liegen die Werte 0,2–0,5 °C niedriger, an der Stirn können subfebrile Temperaturen unbemerkt bleiben. Bei Infektionsgefahr, liegenden Zugängen oder nach einer OP misst du öfter als ein- bis zweimal am Tag.

Bakım bilgisi

Atmung beobachten

Nachtdienst, 2 Uhr. Herr L. schläft. Du sollst nach ihm sehen, ohne ihn zu wecken.

Für den Stoffwechsel braucht der Körper ständig frischen Sauerstoff. Beim Stoffwechsel entsteht Kohlenstoffdioxid, das aus dem Körper heraus muss. Das Blut nimmt in der Lunge Sauerstoff aus der Einatemluft auf. Gleichzeitig gibt es Kohlenstoffdioxid an die Umgebungsluft ab. Ort dieses Gasaustauschs sind die Lungenbläschen (Alveolen). Er setzt dreierlei voraus: Die Lunge ist belüftet (Ventilation) und durchblutet (Perfusion), und Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid gelangen durch die Wand der Lungenbläschen und die Gefäßwand (Diffusion).

An der Atmung beobachtest du:

  • Atemfrequenz
  • Atemrhythmus
  • Atemqualität: Hautfarbe, Atemtiefe, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
  • Atemgeräusche
  • Sputum (Auswurf)
  • Atemgeruch

Dazu kommen Körperhaltung und Mimik. Zeigt das Gesicht Schmerzen beim Atmen? Bewegt sich der Brustkorb auf beiden Seiten gleich? Stützt sich der Mensch beim Einatmen auf? Ist der Einsatz der Atemhilfsmuskulatur sichtbar?

Beobachte die Atmung möglichst, ohne dass der Mensch es bemerkt. Weiß er es, verändert er seine Atmung, weil er sich auf sie konzentriert. Ein guter Moment ist direkt nach dem Pulszählen: Du lässt die Finger am Arm liegen, als ob du noch zählst.

So beobachtest du: Bei Erwachsenen siehst du auf den Brustkorb (Thorax). Hebt er sich, atmet der Mensch ein (Inspiration). Senkt er sich, atmet er aus (Exspiration). Eine Ein- und eine Ausatmung zusammen sind ein Atemzyklus. Bei Kindern unter 2 Jahren erkennst du die Bewegung von Thorax und Zwerchfell nicht sicher. Du beobachtest deshalb die Bauchatmung. Oder du legst die Hand vorsichtig unterhalb des Schwertfortsatzes auf den Thorax und fühlst Hebung und Senkung. Die Atemfrequenz solltest du eine volle Minute auszählen.

Die Atmung solltest du unter anderem kontrollieren

  • bei der Aufnahme im Rahmen der Pflegeanamnese,
  • bei Menschen mit Lungen- oder Herzerkrankungen,
  • bei bestimmten Medikamenten, zum Beispiel Opioiden: Sie wirken atemdepressiv,
  • bei bewusstlosen Menschen,
  • wenn der Mensch selbst Atemnot empfindet,
  • bei Schädel-Hirn-Trauma und Erkrankungen des ZNS.
Nächtliche Kontrolle

Im Nachtdienst ist die Atmung in der Regel der einzige Vitalparameter, den du kontrollieren kannst, ohne den Menschen zu wecken.

Pratik kural

Beobachte die Atmung, ohne dass der Mensch es merkt, am besten direkt nach dem Pulszählen mit den Fingern noch am Arm. Die Atemfrequenz solltest du eine volle Minute auszählen.

Bakım bilgisi

Bewusstsein

Herr N. ist heute Morgen kaum wach zu bekommen. Erst als du laut seinen Namen rufst, öffnet er kurz die Augen.

Im Zustand des Bewusstseins sind dir die eigene Person und deine Erlebnisse gegenwärtig. Eine Bewusstseinsstörung ist eine Veränderung dieser Bewusstseinslage. Sie ist Ausdruck einer (akuten) Gesundheitsstörung und kann für den Menschen unter Umständen lebensbedrohlich sein. Reizaufnahme und Steuerungsfunktionen des ZNS sind vermindert, und Schutzreflexe wie der Hustenreflex können ausfallen.

Die Ursachen sind vielfältig, zum Beispiel:

  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Intoxikationen, etwa mit Alkohol
  • Schlaganfall
  • Hirntumoren
  • hypertensive Krise
  • Sonnenstich
  • Exsikkose, häufig bei älteren Menschen
  • Stoffwechselstörungen, etwa Hypo- oder Hyperglykämie

Bewusstseinsstörungen sind quantitativ oder qualitativ. Quantitativ beschreibt den Wachheitsgrad eines Menschen:

  • absolute Wachheit: keine Störung des Bewusstseins
  • Benommenheit: Die Aufmerksamkeit ist vermindert. Der Mensch handelt noch spontan, aber verlangsamt.
  • Somnolenz: Der Mensch ist schläfrig. Du kannst ihn aber mit einfachen Reizen wie lautem Anrufen wecken.
  • Sopor: Der Mensch schläft. Wecken kannst du ihn nur mit starken Reizen, zum Beispiel festem Kneifen. Er reagiert ungezielt, etwa mit Abwehrbewegungen oder Lallen.
  • Koma: Der Mensch ist bewusstlos und zeigt auf Reize keine Reaktion. Bei tiefem Koma sind physiologische Reflexe wie Pupillen- und Hornhautreflex erloschen, und auch Regulationsmechanismen von Atmung und Kreislauf sind gestört.

Bei einer qualitativen Bewusstseinsstörung kann der Mensch Informationen aus der Umwelt inhaltlich nicht richtig deuten (Bewusstseinseintrübung, -einengung, -verschiebung). Sie kommt häufig bei psychiatrischen Erkrankungen vor und tritt akut oder chronisch auf.

Das Bewusstsein beurteilst du mit der Glasgow-Koma-Skala. Mit einem Punktesystem bewertet sie die beste motorische Reaktion, die beste verbale Kommunikation und das Öffnen der Augen. Bei Kindern unter 3 Jahren ist sie nur begrenzt einsetzbar, für sie gibt es eine angepasste Version. Damit du Veränderungen bei einer Bewusstseinsstörung früh erkennst, sind engmaschige Verlaufskontrollen notwendig.

Delir

Das Delir ist eine Sonderform der akuten qualitativen Bewusstseinsstörung. Üblicherweise verschlechtert sich die kognitive Leistungsfähigkeit innerhalb weniger Stunden bis Tage plötzlich, und die Wahrnehmung ist verändert. Seine Ursachen sind organisch, und es ist ein psychiatrischer Notfall. Bei Verdacht informierst du umgehend einen Arzt.

Pratik kural

Somnolent heißt schläfrig, aber mit einfachen Reizen wie lautem Anrufen weckbar. Soporös heißt nur durch starke Reize erweckbar, komatös heißt keine Reaktion auf Reize. Bei Verdacht auf ein Delir informierst du umgehend einen Arzt.

Bakım bilgisi

Orientierung

Frau H. weiß ihren Namen und ihr Alter. Wo sie gerade ist, weiß sie nicht.

Orientierung heißt, Zeit, Ort, die eigene Person und die Umstände zu kennen. Unterschieden werden zeitliche, örtliche und situative Orientierungsstörungen sowie Orientierungsstörungen zur eigenen Person. Meist ist nur ein Teil davon gestört. Ein Mensch weiß zum Beispiel seinen Namen und sein Alter, weiß aber nicht, wo er ist.

Ursachen sind unter anderem:

  • Flüssigkeitsmangel
  • demenzielle Erkrankungen
  • Schlafmangel
  • Medikamente, Drogen und Alkohol
  • Toxine
  • das Gehirn ist mit Glukose oder Sauerstoff unterversorgt, zum Beispiel bei Diabetes mellitus

Prüfen kannst du die Orientierung mit Testfragen:

  • zur Person: Name, Alter, Geburtsdatum (auch von Bezugspersonen), Adresse und Postleitzahl, Telefonnummer, Kinder und Enkel
  • zur Zeit: Uhrzeit, Wochentag, Datum, Monat, Jahreszeit, Jahr
  • zum Ort: Stadt, Klinik oder Heim, Station, Etage, Zimmernummer
  • zur Situation: Warum ist der Mensch hier, unter welchen Umständen und wie lange schon?

So zeigen sich die Störungen:

  • zeitlich: Das praktische Wissen um Tages- und Jahreszeit und Datum fehlt. Eine zeitliche Desorientierung kann schon bei geringer Beeinträchtigung auftreten.
  • örtlich: Sie kann schwanken. Morgens weiß ein Mensch vielleicht, dass er in der Klinik ist, abends nicht mehr. Wie schwer sie wiegt, hängt davon ab, wie vertraut der Ort ist: Ist der Mensch in der eigenen Wohnung örtlich desorientiert, wiegt das schwerer als in der fremden Umgebung einer Klinik.
  • situativ: Der Mensch versteht die Situation nicht, in der er ist. Angemessen handeln kann er dann auch nicht.
  • zur eigenen Person: Er weiß seinen Namen, sein Geburtsdatum, seinen Familienstand oder Wohnort nicht mehr.
Pratik kural

Orientierung prüfst du zu Person, Zeit, Ort und Situation. Meist ist nur ein Teil gestört, und örtliche Desorientierung kann im Tagesverlauf schwanken.

Bakım bilgisi

Atemqualität und Atemrhythmus

Herr D. hatte gestern eine Bauch-OP. Er atmet schnell und flach und hält sich den Bauch.

Atemfrequenz und Atemtiefe bestimmen zusammen, wie viel Luft ein Mensch insgesamt atmet. Bei der Vitalzeichenkontrolle schätzt du an den Atembewegungen ungefähr ab, ob er flach, normal oder besonders tief atmet.

  • Flach und langsam: Bei flacher Atmung erkennst du die Atembewegungen nur mit Mühe. Atmet der Mensch flach und zugleich langsam, wird Kohlenstoffdioxid unter Umständen nicht ausreichend abgeatmet. Dann ist eine Blutgasanalyse notwendig. Bei extrem flacher Atmung wird nur noch der Totraum belüftet, also nur noch der Teil der Atemwege, in dem kein Gasaustausch stattfindet. Atmet der Mensch nur noch in den Totraum, kommt das einem Atemstillstand gleich.
  • Flach und schnell: Das spricht für eine schmerzbedingte Schonatmung, zum Beispiel nach Operationen an Brust oder Bauch, bei Lungenentzündung, Lungenembolie, Rippenverletzungen oder nach Herzdruckmassage. Die Lunge wird dabei nicht ausreichend belüftet. Sie ist deshalb durch Atelektasen und Pneumonie gefährdet. Atemunterstützende Maßnahmen sind hier angezeigt.
  • Vertieft: Bei einer Tachypnoe atmet der Mensch oft auch tiefer. So steigert er das Atemvolumen zusätzlich. Die Kußmaul-Atmung, auch Azidose-Atmung, ist eine Sonderform der vertieften Atmung. Sie tritt auf, wenn das arterielle Blut übersäuert ist (Azidose), zum Beispiel bei einer Ketoazidose bei Diabetes mellitus Typ 1. Der Mensch atmet regelmäßig und sehr tief. So atmet er möglichst viel Kohlenstoffdioxid ab. Seine Atemfrequenz kann dabei normal, leicht erhöht oder erniedrigt sein.
  • Hyperventilation: Der Mensch atmet mehr, als er für den Gasaustausch braucht, zum Beispiel bei einer Panikattacke. Ob es eine Hyperventilation oder eine Azidose-Atmung ist, unterscheidet sicher nur eine Blutgasanalyse.
Flache, langsame Atmung überwachen

In sehr hohen Konzentrationen dämpft Kohlenstoffdioxid das Atemzentrum. Atmet ein Mensch flach und langsam, überwachst du seine Atmung deshalb mindestens, bis sich die Atmung bessert oder die Werte der Blutgasanalyse bekannt sind.

Auch die Hautfarbe sagt etwas über die Atemqualität. Eine bläuliche Verfärbung von Haut (vor allem um den Mund), Schleimhäuten und Nägeln heißt Zyanose. Sie kann ein Hinweis darauf sein, dass der Sauerstoffgehalt im Blut vermindert ist. Den Sauerstoffmangel erkennst du bei Neugeborenen und Säuglingen unter anderem an einem Mund-Nasen-Dreieck, das livide-gräulich ist. Bei Menschen mit dunkler Hautfarbe erkennst du eine Zyanose zum Beispiel an der Mundschleimhaut.

Veränderungen des Atemrhythmus haben meist ein typisches Muster mit Atempausen:

  • Schlafapnoe: Atempausen im Schlaf, die länger als 10 Sekunden dauern. Ursache sind meist verengte Atemwege. Besonders häufig betroffen sind übergewichtige Männer, die schnarchen. Kurze Aufweckreaktionen stören den Schlafrhythmus, tagsüber ist der Mensch müde. Beobachtest du solche Reaktionen, solltest du den Arzt informieren, der zuständig ist.
  • Cheyne-Stokes-Atmung: Die Atemzüge werden immer flacher. Nach einer Atempause, manchmal länger als 10 Sekunden, werden sie wieder tiefer. In der Regel ist sie das Zeichen einer lebensbedrohlichen Störung des Atemzentrums. Viele Sterbende atmen kurz vor dem Tod so, häufig auch Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz.
  • Biot-Atmung: ähnlich wie Cheyne-Stokes, aber die Atempausen sind viel unregelmäßiger und die Atemtiefe schwankt. Auch sie zeigt eine Störung des Atemzentrums an, zum Beispiel bei Frühgeborenen oder bei erhöhtem Hirndruck.
Pratik kural

Flach und schnell spricht für eine Schonatmung: Die Lunge ist dann durch Atelektasen und Pneumonie gefährdet. Flach und langsam braucht eine Blutgasanalyse, und du überwachst die Atmung, bis die Werte bekannt sind oder sie sich bessert.

Bakım bilgisi

Beurteilen des Pulses

Herr P., 80, hat einen Puls von 52 pro Minute. An den Tagen davor war es genauso. Er fühlt sich wohl.

Wie schnell das Herz schlägt, hängt vom Alter ab. Normale Pulsfrequenzen in Schlägen pro Minute:

  • 140–160 bei Frühgeborenen, vor der 37. SSW geboren
  • 120–140 bei Neugeborenen bis 4 Wochen
  • 110–130 bei Säuglingen im ersten Lebensjahr
  • 100–120 bei Kleinkindern von 1 bis 6 Jahren
  • 80–110 bei Schulkindern von 7 bis 12 Jahren
  • 60–80 bei Jugendlichen von 13 bis 18 und bei Erwachsenen von 19 bis 64 Jahren
  • 80–90 bei Menschen über 64 Jahre

Weitere Faktoren beeinflussen die Pulsfrequenz. Frauen haben einen etwas schnelleren Puls als Männer. Das Herz schlägt langsamer, wenn der Mensch schläft, und schneller, wenn er sich bewegt. Sportlich aktive Menschen haben einen niedrigeren Ruhepuls. Auch der Zustand von Herz und Gefäßen wirkt sich aus.

Nicht jede Abweichung ist krankhaft. Du solltest deshalb immer auch den Menschen beobachten und nach seinem Befinden fragen. Und den Wert solltest du immer mit den vorherigen Werten vergleichen, denn auch eine Veränderung kann ein Warnzeichen sein. Eine Abweichung ist ein Warnzeichen, wenn

  • es dem Menschen dabei nicht gut geht,
  • sie neu ist und du keine harmlose Ursache erkennst oder
  • auch andere Vitalparameter nicht im Normbereich liegen.

Fällt dir der Puls auf, solltest du deshalb immer auch Blutdruck, Atemfrequenz und Temperatur messen, wenn möglich auch die Sauerstoffsättigung. Hat der Mensch außerdem Luftnot oder Zeichen eines Schocks, rufst du sofort weitere Hilfe und verständigst einen Arzt.

Bradykardie
Tachykardie
Grenze bei Erwachsenen
unter 60/min
über 100/min
ohne Krankheitswert
bei Leistungssportlern in Ruhe, bei manchen älteren Menschen
bei körperlicher Anstrengung, Schmerzen, Angst oder Schreck, nach koffeinhaltigen Nahrungsmitteln
krankhafte Ursachen, z. B.
Störung der Erregungsbildung oder -überleitung (z. B. nach Herzinfarkt), Hyperkaliämie, Medikamentenüberdosierung, Vergiftung, erhöhter Hirndruck
Herzinfarkt, Fieber, Flüssigkeitsmangel, verminderte Herzpumpleistung, Kaliummangel, Schilddrüsenüberfunktion
Medikamente
senken den Puls, z. B. Betablocker und Digitalispräparate
können eine Tachykardie auslösen, z. B. Bronchodilatatoren und Wehenhemmer
sofort handeln
Puls unter 45/min: immer sofort einen Arzt benachrichtigen
plötzlich ohne erkennbare Ursache, dazu Schwindel, Luftnot, Brustschmerzen, Todesangst oder plötzliche Bewusstseinsstörung: immer zunächst als akut lebensbedrohlich einstufen

Bei Kindern liegen die Grenzen anders. Eine Bradykardie beginnt unter dem unteren Normwert der jeweiligen Altersgruppe. Bei Kleinkindern gilt erst eine Frequenz über 130/min als Tachykardie. Ein Puls von 170/min kann bei Neugeborenen sogar noch normal sein.

Bradykardie als Alarmzeichen

Bei Hirnerkrankungen und Hirnverletzungen ist eine Bradykardie ein Alarmzeichen.

Ein unregelmäßiger Puls heißt Arrhythmie. Tritt sie neu auf, solltest du eine Ärztin informieren. Einen unregelmäßigen Puls haben manche Menschen über Jahre, ohne es zu merken. Misst du einen unregelmäßigen Puls mit normaler Frequenz und hat der Mensch keine Beschwerden, fragst du nach: Ist bei ihm eine Herzrhythmusstörung bekannt? Dann dokumentierst du den Befund, das reicht.

Pratik kural

Bei Erwachsenen sind 60–80 Schläge pro Minute normal. Unter 60 heißt Bradykardie, über 100 Tachykardie. Liegt der Puls unter 45/min, informierst du sofort einen Arzt. Ob eine Abweichung ein Warnzeichen ist, siehst du am Befinden, an den Vorwerten und an den übrigen Vitalparametern.

Bakım bilgisi

Atemfrequenz

Frau B. atmet 26-mal in der Minute. Sie sagt, sie bekomme schlecht Luft.

Atmet ein Mensch normal schnell und normal tief, heißt das Eupnoe. Dyspnoe ist das subjektive Gefühl der Atemnot. Orthopnoe ist stärkste Luftnot: Der Mensch nimmt eine aufrechte Oberkörperhaltung ein, um die Atemhilfsmuskulatur maximal einzusetzen.

Normal atmet ein Mensch unbewusst, entspannt und beschwerdefrei. Die Atemzüge sind regelmäßig und etwa gleich tief. Ein- und Ausatmung stehen im Verhältnis 1:2.

Normale Atemfrequenzen in Atemzügen pro Minute:

  • 30–70 bei Frühgeborenen, vor der 37. SSW geboren
  • 30–50 bei Neugeborenen bis 4 Wochen
  • 20–40 bei Säuglingen im ersten Lebensjahr
  • 20–30 bei Kleinkindern von 1 bis 6 Jahren
  • 18–25 bei Schulkindern von 7 bis 12 Jahren
  • 16–22 bei Jugendlichen von 13 bis 18 Jahren
  • 12–18 bei Erwachsenen, auch über 64 Jahre
Tachypnoe
Bradypnoe
was es heißt
beschleunigte Atmung
verlangsamte Atmung
Grenze bei Erwachsenen
über 20 Atemzüge pro Minute
unter 12 Atemzüge pro Minute
ohne Krankheitswert
bei körperlicher Anstrengung, psychischer Aufregung, bei Aufenthalt in großer Höhe oder großer Hitze
in tiefen Schlafphasen
krankhafte Ursachen, z. B.
Fieber, Atemwegserkrankungen, Herzinsuffizienz, Schock, Anämie
geschädigtes Atemzentrum, etwa bei gesteigertem Hirndruck, Schädel-Hirn-Trauma oder Entzündungen des Gehirns; Überdosierung oder Intoxikation mit zentral dämpfenden Substanzen wie Opiaten
Apnoe und Schnappatmung

Atmet ein Mensch gar nicht mehr, ist das eine Apnoe. Schnappt er nur noch gelegentlich nach Luft, ist das Schnappatmung. Beides zeigt einen Herz-Kreislauf-Stillstand an. Du leitest sofort Notfallmaßnahmen ein.

Pratik kural

Erwachsene atmen normal 12–18-mal pro Minute. Über 20 heißt Tachypnoe, unter 12 Bradypnoe. Atmet der Mensch nicht mehr oder schnappt er nur gelegentlich nach Luft, leitest du sofort Notfallmaßnahmen ein.

Bakım bilgisi

Atemgeräusche und Sputum

Frau M. hustet. In ihrem Taschentuch ist gelb-grüner Schleim.

Atemgeräusche, die du hörst:

  • Inspiratorischer Stridor: ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen. Typisch, wenn die oberen Atemwege verengt oder verlegt sind, zum Beispiel bei einer Kehlkopfentzündung oder einer Fremdkörperaspiration.
  • Exspiratorischer Stridor: Das Pfeifen hörst du beim Ausatmen. Typisch, wenn die unteren Atemwege verengt sind, zum Beispiel bei Asthma bronchiale.
  • Rasseln und Brodeln: beim Ein- und Ausatmen hörbar. Rasselgeräusche kommen bei Pneumonie und nach Aspiration vor. Brodeln deutet zum Beispiel auf ein Lungenödem hin.
  • Schnarchen: Das Gaumensegel flattert, oder die Zunge fällt zurück. Gelegentliches Schnarchen ist harmlos. Ausgeprägtes Schnarchen kann den Schlaf erheblich stören, manchmal auch den der Mitpatienten. Eine andere Lage hilft kurzfristig.

Den Atemgeruch beeinflussen Rauchen, Zahn- und Mundhygiene und Ernährung, ebenso Erkrankungen im Rachen, zum Beispiel eine eitrige Mandelentzündung. Manche Stoffwechselerkrankungen haben einen typischen Geruch:

  • Azetongeruch: wie überreifes Obst oder Apfelessig. Bei anhaltendem Insulinmangel oder strenger Diät stammt die Energie der Zellen aus dem Fettabbau. Ketonkörper wie Azeton entstehen dabei. Sie gelangen auch in die Atemluft.
  • Ammoniakgeruch: stechend bis beißend, bei schweren Lebererkrankungen
  • urinartiger Geruch (Foetor uraemicus): bei Nierenerkrankungen, weil die harnpflichtigen Substanzen im Blut ansteigen
  • Fäulnisgeruch: zum Beispiel bei Tuberkulose und bei Karzinomerkrankungen

Sondert ein Mensch beim Husten Sekret ab, heißt es Sputum. Du achtest auf Menge, Aussehen und Beimengungen. Bestimmte Veränderungen weisen auf Erkrankungen hin:

  • weißer Schleim, zum Beispiel bei chronischer Bronchitis
  • zäh und glasig, zum Beispiel bei Asthma bronchiale
  • eitrig, gelb-grün, zum Beispiel bei einer Pneumonie oder einer anderen bakteriellen Infektion
  • faulig, übel riechend, zum Beispiel bei Bronchialkarzinom; der Geruch kommt vom Gewebezerfall
  • rotbrauner Schleim, zum Beispiel bei Tuberkulose, Pneumonie oder Bronchialkarzinom
  • schaumig und dünnflüssig, zum Beispiel bei Lungenödem
Pratik kural

Pfeift es beim Einatmen, ist das typisch für verengte oder verlegte obere Atemwege. Pfeift es beim Ausatmen, ist es typisch für verengte untere. Beim Sputum achtest du auf Menge, Aussehen und Beimengungen.

Bakım bilgisi

Sauerstoffsättigung

Herr L. hat einen Fingerclip am Zeigefinger. Das Display zeigt 88 %.

Wie groß der Anteil des Hämoglobins ist, der mit Sauerstoff gesättigt ist, gibt die Sauerstoffsättigung (sO₂) an. Du bestimmst sie mit einem Pulsoxymeter über einen Fingerclip. Der Clip hat auf einer Seite einen Lichtsensor und gegenüber eine (Infra-)Rot-Lichtquelle. Je nach Sättigung absorbiert das Blut das durchstrahlende Rotlicht unterschiedlich stark. Das Gerät errechnet daraus die Sauerstoffsättigung und zeigt sie an.

Normalerweise liegt die Sättigung zwischen 92 und 98 %. Ist sie kleiner als 90 %, ist die Sauerstoffversorgung nicht mehr optimal gewährleistet. Wie viel Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff im arteriellen oder kapillaren Blut sind, zeigt die Blutgasanalyse.

Du solltest die Ärztin informieren,

  • wenn eine Tachypnoe, eine Bradypnoe oder eine Veränderung von Atemtiefe oder Atemrhythmus neu auftritt und du keine physiologische Ursache erkennst,
  • wenn ein Stridor oder eine Dyspnoe neu auftritt,
  • wenn der Mensch zusätzlich eine Zyanose oder Zeichen eines Schocks hat,
  • wenn der Mensch zusätzlich Schmerzen oder große Angst hat,
  • wenn sich die veränderte Atmung verschlechtert oder wenn sie sich trotz Therapie nicht wie erwartet bessert,
  • wenn dir ein ungewöhnlicher Atemgeruch auffällt,
  • wenn du bei Kindern Einziehungen oder Nasenflügeln siehst. Bei Neugeborenen können Einziehungen ein Zeichen für ein Atemnotsyndrom (IRDS) sein, wenn Surfactant fehlt.

In diesen Fällen solltest du auch die anderen Vitalparameter immer kontrollieren.

Pratik kural

Normal liegt die Sauerstoffsättigung bei 92–98 %, unter 90 % ist die Versorgung nicht mehr optimal. Tritt eine Veränderung der Atmung neu und ohne physiologische Ursache auf, solltest du die Ärztin informieren und die anderen Vitalparameter kontrollieren.

Bakım bilgisi

Fieberphasen

Herr K. hat Schüttelfrost, eine Stunde später ist sein Gesicht rot und heiß, in der Nacht ist sein Hemd nass.

Fieber ist eine Erhöhung der Körperkerntemperatur auf über 38 °C. Anders als bei einer Überhitzung ist nicht die Wärmeabgabe zu gering. Der Sollwert im Wärmeregulationszentrum ist höher gestellt. Auslöser sind zum Beispiel

  • Infektionen oder große Verletzungen,
  • bestimmte toxische Stoffe,
  • Tumoren,
  • Schädigungen des zentralen Nervensystems,
  • ausgeprägter Flüssigkeitsmangel (Durstfieber). Vor allem bei Säuglingen fehlt dann Wasser zum Schwitzen, der Körper überhitzt. Genau genommen ist das kein Fieber, sondern eine Überhitzung.

Fieber regt das Immunsystem an und dämpft das Wachstum von Krankheitserregern. Es schützt also, es ist aber auch ein Warnsignal und kann selbst zu Komplikationen führen. Der Körper braucht umso mehr Energie und Sauerstoff, je höher die Temperatur ist. Tritt Fieber neu auf oder steigt es stark an, informierst du deshalb immer eine Ärztin oder einen Arzt.

Die Pflege hat drei Ziele: Ursachen erkennen, Komplikationen vermeiden, Wohlbefinden fördern. Die passende Maßnahme hängt von der Fieberphase ab. Wie lange eine Phase dauert, ist verschieden, und Phasen können mehrmals durchlaufen werden. Weil die Phase manchmal schwer zu erkennen ist, solltest du die Temperatur engmaschig kontrollieren und auf die Haut und auf das Wärmeempfinden des Menschen achten. In jeder Phase gilt: Fieber strengt an. Gönn dem Menschen Ruhe.

  1. Fieberanstieg

    Der Mensch friert, die Extremitäten sind meist kühl, die Haut ist kühl und blass. Muskelzittern, Zähneklappern und Schüttelfrost bilden Wärme. Du unterstützt das Erreichen der höheren Temperatur: warme Kleidung oder Decke, die Zimmertemperatur eher höher. Angewärmte Kalt-warm-Kompressen können bei Muskelzittern und Schüttelfrost helfen. Zittert er nicht zu sehr, kannst du warme Getränke anbieten. Wegen der Verbrennungsgefahr verzichten viele Krankenhäuser inzwischen auf Wärmflaschen. Bei unklarem Fieber eignet sich diese Phase zur Abnahme von Blut- oder Urinkulturen.

  2. Fieberhöhe

    Der Sollwert ist erreicht. Die Haut ist warm bis heiß und gerötet, dem Menschen ist jetzt warm. Du vermeidest einen Hitzestau. Zugedeckt sollte der Mensch nur leicht sein. Puls- und Atemfrequenz steigen, die Belastungsgrenze sinkt: Er braucht Ruhe und eventuell Unterstützung, zum Beispiel bei der Körperpflege. Fehlt Flüssigkeit, kann der Puls noch weiter steigen, weil der Blutdruck sinkt, bis zum Kreislaufkollaps. Er sollte deshalb viel trinken, und Puls und Blutdruck solltest du engmaschig überwachen. Oft kommen Kopf- oder Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Übelkeit dazu.

  3. Fieberabfall

    Der Mensch beginnt zu schwitzen. Verdunstender Schweiß entzieht der Haut Wärme, das gelingt aber nur mit genug Flüssigkeit. Eine Exsikkose (Austrocknung) droht bei Fieber immer. Du sorgst deshalb vor allem für viel Flüssigkeit. Bei Herz- oder Nierenschwäche gilt die ärztliche Anordnung, weil zu viel Flüssigkeit Ödeme verursacht. Die Hautdurchblutung steigt stark, der Blutdruck sinkt: Du kontrollierst die Vitalparameter engmaschig. Nasse Wäsche solltest du früh wechseln, damit er nicht friert und das Fieber nicht erneut steigt.

Ein langsamer Fieberabfall über mehrere Tage heißt Lysis. Sinkt das Fieber innerhalb weniger Stunden, ist das eine Krisis.

Krisis

Fällt das Fieber stark und schnell, kann das sehr gefährlich werden. Zeichen sind kleinperliger, kalter Schweiß, erhöhte Pulsfrequenz, starker Blutdruckabfall und starker Temperaturabfall. Dann informierst du einen Arzt, lässt den Menschen möglichst nicht allein und kontrollierst engmaschig die Vitalparameter. Du beendest fiebersenkende Maßnahmen, achtest auf genug Flüssigkeit und lagerst die Beine hoch, wenn der Blutdruck zu niedrig ist. Verschwitzte Kleidung wechselst du möglichst sofort.

Pratik kural

Im Fieberanstieg wärmst du, in der Fieberhöhe solltest du leicht zudecken, und der Mensch sollte viel trinken; im Fieberabfall solltest du für Flüssigkeit sorgen und nasse Wäsche wechseln. Bei einer Krisis informierst du den Arzt und bleibst möglichst beim Menschen.

Bakım bilgisi

Physiologische Grundlagen der Körpertemperatur

Frau T. liegt unter zwei Decken und zittert. Ihre Hände sind kalt.

Lebenswichtig ist eine relativ konstante Körperkerntemperatur von etwa 37 °C. Viele Stoffwechselvorgänge können unter 35 °C und über 41 °C nicht mehr ablaufen. Die Haut und die Extremitäten gehören zur Körperschale. Bei normaler Raumtemperatur ist es dort meist deutlich kühler. In heißer Umgebung kann die Schale aber auch über 37 °C warm werden.

Das Regelzentrum der Thermoregulation ist der Hypothalamus. Thermorezeptoren im ganzen Körper melden ihm die Temperatur. Er vergleicht diesen Istwert mit dem Sollwert. Weichen beide voneinander ab, steuert er gegen. Die Körperkerntemperatur bleibt konstant, wenn Wärmeproduktion und Wärmeaufnahme zusammen genauso groß sind wie die Wärmeabgabe.

  • Istwert unter dem Sollwert: Der Körper produziert mehr Wärme. Er steigert zum Beispiel den Stoffwechsel der inneren Organe, und die Muskeln arbeiten durch Zittern. Gleichzeitig gibt er weniger Wärme ab, zum Beispiel weil die Haut weniger durchblutet wird.
  • Istwert über dem Sollwert: Der Körper gibt mehr Wärme ab, zum Beispiel weil Hautdurchblutung und Schweißproduktion steigen.

Neugeborene haben noch keine voll ausgeprägte Thermoregulation. Durch Kältezittern können sie noch keine Wärme bilden und noch nicht durch Schwitzen Wärme abgeben. Wärme gewinnen sie, indem sie braunes Fettgewebe abbauen, das vor allem an Nacken und Brust liegt. Vor allem bei kleinen Kindern kann bei mangelnder Flüssigkeitszufuhr (Exsikkose) Fieber entstehen, das sogenannte Durstfieber.

Bei älteren Menschen kann die Temperaturregulation öfter gestört sein. Die peripheren Blutgefäße sind weniger elastisch. Außerdem bewegen sie sich weniger und essen weniger, und auch das kann die Thermoregulation beeinflussen.

Fieber

Mit Fieber reagiert der Körper auf Infektions-, Tumor- oder Autoimmunkrankheiten. Der Hypothalamus stellt dabei den Sollwert der Körperkerntemperatur höher. Der Istwert ist dann zu niedrig, und der Körper erhöht ihn durch Wärmeproduktion. Bei höherer Temperatur arbeiten die Zellen des Immunsystems schneller, und die Immunantwort wird dadurch besser.

Pratik kural

Der Hypothalamus vergleicht den Istwert mit dem Sollwert und steuert gegen. Bei Fieber stellt er den Sollwert höher, deshalb friert der Mensch zuerst und bildet Wärme.

Bakım bilgisi

Fiebersenkende Maßnahmen

Frau L. hat 39,4 °C. Ihr ist sehr heiß, Hände und Füße sind warm. Die Ärztin ordnet Wadenwickel an.

Ob Fieber mehr nützt oder mehr schadet, ist umstritten. Es gibt keine klare Grenze, ab der Fieber mehr schadet als nützt, und jeder Mensch reagiert anders. Über Zeitpunkt, Art und Umfang fiebersenkender Maßnahmen entscheidet deshalb der Arzt individuell. Du unterstützt ihn durch gezielte Beobachtung: Grunderkrankungen, Allgemeinzustand, Höhe und Dauer des Fiebers. Ist die Herz- oder Lungenleistung vermindert, geht es dem Menschen unter Fieber in der Regel schlechter. Fiebersenkende Maßnahmen können bei ihnen angebracht sein. Kleine Kinder können Fieberkrämpfe bekommen. Deshalb empfiehlt es sich, bei ihnen schon bei mildem Fieber mit Wadenwickeln die Wärmeabgabe zu unterstützen. Höhere Temperaturen medikamentös zu senken, empfiehlt sich bei ihnen ebenfalls.

Fieber lässt sich auf zwei Wegen senken:

  • Antipyretika wirken auf den Temperaturregler im Gehirn: Sie stellen ihn wieder nach unten. Zu den bekanntesten Wirkstoffen gehören Paracetamol, Ibuprofen, Metamizol und Acetylsalicylsäure.
  • Physikalische Maßnahmen entziehen dem Körper durch Kühlen Wärme.
Nicht im Fieberanstieg kühlen

Solange das Fieber ansteigt, sind kühlende Maßnahmen kontraindiziert. Sie wirken der Temperaturregelung im Gehirn entgegen. Dadurch können sie einen erneuten Fieberanstieg und Schüttelfrost begünstigen. Friert der Mensch oder fühlt sich seine Haut kühl an, kommen nur noch fiebersenkende Medikamente in Betracht, keine Kühlung.

Wadenwickel: Sie sind kontraindiziert bei kalten Händen oder Füßen und bei Durchblutungsstörungen. Unter die Beine legst du einen Nässeschutz. Zwei Tücher tränkst du mit lauwarmem Wasser, nicht kälter als etwa 10 °C unter der Körpertemperatur, und wringst sie aus. Um die Waden wickelst du sie faltenfrei, aber locker, und deckst den Menschen auf Wunsch zu. Die Beine solltest du nicht zu fest einpacken, damit die Flüssigkeit verdunsten kann. Nach einigen Minuten, in der Regel 5–10, haben sich die Tücher erwärmt, und du wechselst sie. Zum Hitzestau darf es auf keinen Fall kommen. Je nach Fieberhöhe kannst du das 2- bis 3-mal wiederholen. Die Wärme leiten die feuchten Tücher direkt ab, und durch die Verdunstung entziehen sie zusätzlich Wärme.

Waschungen: Statt Wadenwickeln kannst du den Menschen mit lauwarmem Wasser waschen. Das passt besonders, wenn ihm subjektiv sehr heiß ist. Du solltest an Beinen und Armen beginnen und danach die wärmere Körpermitte waschen. Du solltest immer nur den Teil aufdecken, den du gerade wäschst, damit er nicht zu schnell abkühlt und der Intimschutz gewahrt bleibt. Wegen der Verdunstungskälte solltest du jede gewaschene Partie kurz an der Luft trocknen lassen.

Zusätze: Ins Wasser kannst du zum Beispiel einen Schuss Zitronensaft oder Pfefferminztee geben. Ihre ätherischen Öle fördern die Durchblutung und verdunsten schnell. Konzentrierte ätherische Öle können die Haut reizen, Vorsicht besonders bei Kindern: niemals unverdünnt, meist reichen 2–4 Tropfen auf eine Waschschüssel, mit einem Emulgator wie 1 EL Milch. Du testest das Wasser zuerst an einer kleinen Hautstelle. Es darf nicht in die Augen kommen. Nur mit Wasser ohne Zusatz wäschst du Gesicht und Intimbereich.

Trockene Kälte: Kühlmatten unter dem Betttuch sind eine Option, wenn andere Maßnahmen das Fieber nicht ausreichend senken. Weil sie großflächig anliegen, können sie aber sehr schnell Wärme ableiten und Schüttelfrost auslösen. Auch lokale Kühlelemente senken Fieber, wenn sie nahe an großen Blutgefäßen liegen, zum Beispiel an den Leisten. Wegen der Erfrierungsgefahr solltest du sie in ein Tuch wickeln, nie direkt auf die Haut legen und ohne Pause höchstens ein paar Minuten liegen lassen. Fühlt sich die Haut darunter deutlich kühl an, solltest du sie spätestens dann wegnehmen oder an eine andere Stelle legen. Die Stelle darfst du erst wieder kühlen, wenn sie sich erwärmt hat. Hat die Maßnahme nach etwa 30 Minuten keine Wirkung gezeigt oder ist das Fieber ausreichend gesenkt, solltest du sie beenden. Die Körperkerntemperatur darf nicht zu schnell sinken.

Pratik kural

Ob Fieber gesenkt wird, entscheidet der Arzt. Kühlende Maßnahmen nie im Fieberanstieg und keine Wadenwickel bei kalten Füßen oder Händen oder Durchblutungsstörungen. Die Tücher sind lauwarm, höchstens etwa 10 °C unter der Körpertemperatur.

Bakım bilgisi

Fieber bei Kindern und älteren Menschen

Die 84-jährige Frau E. hat nur 38,1 °C. Sie ist schläfrig, trinkt nichts und lässt sich schwer wecken.

Kleine Kinder: Ihre Wärmeregulation funktioniert noch nicht optimal. Manchmal bekommen sie hohes Fieber ohne Krankheit dahinter, zum Beispiel beim Zahnen. Leichtes Fieber kann aber auch das Symptom einer ernsten Erkrankung sein, zum Beispiel einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Du beugst den Kopf des Kindes sachte etwas nach vorn: Bleibt der Nacken steif, kann das ein Hinweis auf eine Meningitis sein. Zwingend vorliegen muss sie aber nicht. Ist die Erkrankung ernst, ist das Kind in der Regel teilnahmslos und schläfrig bis apathisch. Fiebernde Kinder dehydrieren schneller. Trinkt das Kind nichts oder nicht genug, informierst du einen Arzt. Kinder neigen außerdem zu Fieberkrämpfen, weil eine hohe Körpertemperatur die Krampfschwelle im Gehirn senken kann.

Ältere Menschen: Ihr Immunsystem reagiert weniger heftig. Mitunter haben sie deshalb nur geringes Fieber, selbst bei einem schweren Infekt wie einer Lungenentzündung. Viele haben ein geschwächtes Herz und weniger elastische Blutgefäße. Fieber führt bei ihnen deshalb viel eher zu Kreislaufproblemen. Ihr Durstgefühl ist schwächer, sie trinken zu wenig, und es droht ein Nierenversagen. Du solltest sie deshalb immer wieder zum Trinken auffordern und ggf. dabei unterstützen. Im ambulanten Setting informierst du die Angehörigen und die Hausärztin oder den Hausarzt.

Begleiterscheinungen können auftreten, besonders wenn das Fieber sehr hoch ist:

  • Schüttelfrost: Der Körper will seine Solltemperatur weit über 37 °C hochfahren. Das Zittern kann so heftig sein, dass sich der Mensch verletzt, dann verständigst du einen Arzt. Du deckst ihn mit warmen Decken zu, stellst eventuell die Heizung höher, polsterst scharfe Kanten in seiner Nähe ab und sprichst ruhig mit ihm: Das Zittern lässt bald nach. In Ausnahmefällen ordnet der Arzt Pethidin an. Es dämpft auch das Atemzentrum, danach kontrollierst du die Atemfrequenz.
  • Fieberkrampf: ein Gelegenheitskrampf bei Kindern mit Fieber, rund 80 % sind generalisiert. Zuerst verkrampft sich der ganze Körper (tonisch), danach folgen rhythmische Zuckungen (klonisch). Blase und Enddarm entleeren sich oft. Du verständigst einen Arzt, bleibst beim Kind und schützt es durch Polsterung vor Verletzungen. Meist endet der Krampf von allein nach wenigen Minuten. Das Fieber senkst du möglichst langsam, denn fällt es zu schnell, kann das wieder einen Krampf auslösen. Denk auch an die Eltern: Ein Krampfanfall macht ihnen meist große Angst.
  • Fieberdelir: Ein hochfiebernder Mensch ist plötzlich unruhig und desorientiert. Ein Delir weist immer auf eine schwere Störung hin. Du informierst schon bei ersten Anzeichen einen Arzt. Besonders sturzgefährdet sind dann alte Menschen. Du achtest auf Zeichen einer Exsikkose, zum Beispiel trockene Schleimhäute und stehende Hautfalten.
Prophylaxen bei Fieber

Dauert das Fieber länger und ist der Allgemeinzustand schlecht, denkst du immer auch an die Prophylaxen. Wegen Immobilität, Flüssigkeitsverlust und starkem Schwitzen sind diese besonders wichtig: Pneumonie-, Thrombose-, Dekubitus-, Intertrigo- und Obstipationsprophylaxe.

Pratik kural

Auch bei einem schweren Infekt haben ältere Menschen mitunter nur geringes Fieber, und Fieber führt bei ihnen eher zu Kreislaufproblemen. Ein fieberndes Kind, das nicht genug trinkt, meldest du dem Arzt. Bei einem Fieberkrampf verständigst du einen Arzt, bleibst beim Kind und schützt es vor Verletzungen.

Bakım bilgisi

Pneumonie

Herr S., 81, liegt seit seiner Hüftoperation viel im Bett. Seit gestern hustet er und hat Fieber.

Bei einer Pneumonie (Lungenentzündung) ist das Lungengewebe entzündet, das Lungenparenchym. Entzündet sind die Lungenbläschen (Alveolen) und/oder das Zwischengewebe der Lunge, das Lungeninterstitium.

Auslösen können die Entzündung:

  • Bakterien. Sie sind die häufigsten Erreger.
  • Viren
  • Pilze
  • Parasiten
  • die Aspiration von Magensaft
  • Gifte, zum Beispiel ätzende Gase

Meist entsteht eine Pneumonie als Tröpfcheninfektion. Hat ein Mensch Kontakt mit Erkrankten, atmet er krankmachende Mikroorganismen ein. Eine Rolle spielen Pilze und Viren eher bei Menschen mit geschwächter Abwehr. Bei der Pneumonie, die außerhalb des Krankenhauses erworben wird, sind Pneumokokken die häufigsten Erreger.

Schätzungsweise bis zu 500 000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an einer Pneumonie, die sie außerhalb des Krankenhauses erworben haben (Stand 2024). Etwa ein Drittel von ihnen muss im Krankenhaus behandelt werden, ein Teil auf der Intensivstation. Rund 20 000 Menschen starben 2023 in Deutschland an einer Pneumonie. Keine Infektionserkrankung führt bei älteren Menschen häufiger zum Tod.

Pratik kural

Eine Pneumonie ist eine Entzündung des Lungengewebes, meist durch Bakterien. Sie entsteht meist als Tröpfcheninfektion. Keine Infektionserkrankung führt bei älteren Menschen häufiger zum Tod.

Bakım bilgisi

Risikofaktoren

Frau M., 75, hat nach 50 Jahren Ehe ihren Mann verloren. Auf dem Friedhof stürzt sie auf Glatteis und bricht sich den Unterarm. Seitdem verlässt sie kaum noch ihre Wohnung und hat keinen Appetit mehr.

Ab 65 Jahren steigt mit jeder Lebensdekade das Risiko einer Pneumonie. Denn im Alter lassen die Reinigungsfunktion der Nase, die Schleimhautbarriere und die spezifische Abwehr der Lunge nach. Ein älterer Mensch ist umso eher pneumoniegefährdet, je gebrechlicher und unselbstständiger er ist.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Diabetes mellitus und zunehmende Erkrankungen an Herz, Lunge, Leber oder Niere
  • bestehende Atemwegserkrankungen. Eine COPD vervielfacht die Gefahr einer Pneumonie.
  • Mangelernährung und ungewollter Gewichtsverlust
  • funktionelle Einschränkungen, fortgeschrittene Demenz, Bettlägerigkeit, Gebrechlichkeit (Frailty)
  • Rauchen
  • Schluckstörungen, Mikro- und Makroaspiration
  • der Gebrauch von Psychopharmaka

Besonders gefährdet sind Menschen auf der Intensivstation. Werden sie maschinell beatmet, ist ihre Pneumonierate 3-mal so hoch wie bei Menschen, die nicht beatmet werden. Auch wer lange im Pflegeheim lebt, ist gefährdet.

Bei Kindern und Jugendlichen kommen weitere Risikofaktoren hinzu: Tabakrauch, aktiv oder passiv, Lungenunreife nach einer Frühgeburt und die Gefahr, einen Fremdkörper zu aspirieren. Säuglinge mit einer nasogastralen Sonde sind gefährdet, weil die Sonde die Nasenatmung beeinträchtigt und die Atemwege verlegt.

Das latente Pneumonierisiko

Viele ältere Menschen tragen ein latentes Pneumonierisiko. Ein Lebensknick, etwa der Tod eines geliebten Menschen oder ein Sturz, verringert die Mobilität. Der Mensch lebt isoliert auf kleinstem Raum. Dadurch wird die Lunge weniger belüftet, die Ernährung ist oft gering oder einseitig, und darunter leidet auch die Immunabwehr.

Pratik kural

Ein älterer Mensch ist umso eher pneumoniegefährdet, je gebrechlicher und unselbstständiger er ist. Gefährdet sind zum Beispiel Menschen, die viel liegen, schlecht schlucken, mangelernährt sind, rauchen oder an Lunge oder Herz erkrankt sind.

Bakım bilgisi

Pneumonierisiko erkennen

Herr S. wird aufgenommen. Deine Praxisanleiterin fragt dich: „Hat er ein Pneumonierisiko?“

Ein standardisiertes Assessmentinstrument, das ein Pneumonierisiko erkennt, kann derzeit nicht empfohlen werden. Ob ein Risiko besteht, stellst du über eine aufmerksame Anamnese und Beobachtung fest. Du fragst und beobachtest zum Beispiel:

  • Mobilität und Sitzhaltung: Sitzt oder liegt er viel? Staucht sich sein Brustkorb im Sitzen in den Bauch, sodass er nicht tief einatmen kann? Ist er durch depressive Verstimmungen antriebslos?
  • Schmerzen und Operationen: Bewegt er sich wegen Schmerzen wenig, und vermeidet er tiefes Einatmen? Wurde er im Thorax- oder Abdominalbereich operiert, mit Intubationsnarkose?
  • Husten und Sputum: Hustet er, wie oft und wie lange? Kann er das Sekret abhusten? Wie sieht das Sputum aus?
  • Lungengeräusche: Hörst du Giemen oder Rasseln?
  • Medikamente: Nimmt er sedierende Medikamente, die den Atemantrieb unterdrücken können, zum Beispiel Antipsychotika oder Opioide?
  • Atemwegserkrankung: Hat er eine Sinusitis, Bronchitis, Pertussis, COPD, Atelektasen, ein Lungenemphysem oder Asthma bronchiale?
  • Aspiration: Hat er eine Dysphagie oder eine quantitative Bewusstseinsstörung (Somnolenz, Sopor, Koma)? Könnte er Magensekret, Essen oder einen Gegenstand aspiriert haben?
  • Rauchen: seit wann und wie viel?
  • Schlaf: Macht er beim Schlafen Geräusche? In welcher Position schläft er?
  • Atemunterstützung: Besitzt er einen Atemtrainer? Kennt er atemunterstützende Maßnahmen?
  • Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz: Wie hoch sind sie? Wird er beatmet?
  • Umfeld und Beruf: Kommt er mit Klima- oder Lüftungsanlagen in Kontakt? Ist er gegen Pneumokokken geimpft?

Die Atmung prüfst du schon, bevor Symptome wie Husten, Atemgeräusche oder Sekretauswurf auftreten. Von Anfang an beobachtest und dokumentierst du Atemfrequenz und Atemtiefe, dazu Atemgeruch, Schmerzen oder begleitende Geräusche. Das gilt vor allem für einen älteren Menschen, der vorher aktiv war und plötzlich im Bett liegen muss. So kannst du bei Veränderungen rechtzeitig gegensteuern.

Das Risiko schätzt du zu Beginn jedes Krankenhausaufenthalts ein und bei allen Veränderungen des Gesundheitszustands, in der Klinik wie in der häuslichen Pflege.

Pratik kural

Für das Pneumonierisiko gibt es kein empfohlenes Assessmentinstrument. Du schätzt es über Anamnese und Beobachtung ein: zu Beginn des Aufenthalts und bei jeder Veränderung des Gesundheitszustands.

Bakım bilgisi

Minderbelüftung

Herr S. liegt seit Tagen fast nur auf dem Rücken. Er atmet flach, weil die Operationswunde schmerzt.

Beim Atmen nimmt die Luft den Weg des geringsten Widerstands. Deshalb sind in Rückenlage die Lungenbezirke auf der Rückseite (dorsal) nur mäßig belüftet. Allgemein gilt: Unten liegende Lungenabschnitte sind schlechter belüftet. Umgekehrt ist es bei der Durchblutung. Der Schwerkraft folgend fließt das Blut vermehrt nach unten in die tiefer liegenden Bezirke.

Belüftung (Ventilation) und Durchblutung (Perfusion) der Lunge hängen zusammen: Ein Lungenabschnitt ist umso schlechter durchblutet, je schlechter er belüftet ist. Denn die Blutgefäße von Lungenbezirken mit wenig Sauerstoff verengen sich automatisch. Das heißt Euler-Liljestrand-Mechanismus.

Auch nachts wechselt ein gesunder Mensch ständig seine Position. So wechseln die besser und schlechter belüfteten Bezirke. Ist er müde, gähnt und seufzt er tief und entfaltet damit noch einmal alle Teile der Lunge. Bei bettlägerigen Menschen sind diese Mechanismen stark eingeschränkt.

Atmet ein Mensch zu flach, zum Beispiel wegen Schmerzen im Brustkorb, werden Teile seiner Lunge nicht ausreichend belüftet:

  1. Minderbelüftung

    In den schlecht belüfteten Abschnitten ist der Gasaustausch eingeschränkt.

  2. Sekret sammelt sich

    Das Sekret sammelt sich an, weil es nicht mehr ausreichend abtransportiert wird.

  3. Atelektasen

    Sekret verlegt Atemwege. Die Alveolen dahinter kollabieren, ihre Wände legen sich aneinander. Das sind Atelektasen.

  4. Pneumonie

    Das Sekret ist ein idealer Nährboden für Krankheitserreger. So steigt die Gefahr einer Pneumonie.

Pratik kural

Wer flach atmet oder lange in derselben Position liegt, belüftet Teile seiner Lunge schlecht. Dort sammelt sich Sekret, Alveolen können kollabieren (Atelektasen), und das Sekret ist ein Nährboden für Krankheitserreger.

Bakım bilgisi

Schmerz und Atmung

Herr S. hält beim Atmen die Luft an. „Das zieht so an der Narbe“, sagt er. Ein Schmerzmittel will er nicht.

Atmet ein Mensch wegen Schmerzen flach, zum Beispiel im Bereich des Brustkorbs, werden Teile seiner Lunge nicht ausreichend belüftet. Hat ein Mensch Schmerzen beim Atmen, solltest du deshalb immer einen Arzt informieren. Ist bei einer Pneumonie das Lungenfell beteiligt, schmerzen Atmen und Husten stark. Der Mensch entwickelt eine Schonatmung. Weil die Lunge dadurch schlechter belüftet wird und er das Abhusten unterdrückt, begünstigt die Schonatmung wiederum die Entzündung in den Atemwegen.

Du solltest deshalb auf Zeichen von schmerzhaftem Husten und Atmen achten. Auf ärztliche Anordnung solltest du ausreichend Schmerzmittel verabreichen. So kann der Mensch ohne Schmerzen tief einatmen und husten. Manche Menschen nehmen nur ungern Schmerzmedikamente ein. Hier kann es aber notwendig sein, um das Pneumonierisiko zu senken. Du solltest ihm erklären, wie wichtig tiefes Durchatmen und ausreichendes Abhusten sind.

Erst schmerzfrei, dann atemunterstützend

Bei atemunterstützenden Maßnahmen soll der Mensch schmerzfrei sein. Hat er Schmerzen ab NRS 3, solltest du auf die Maßnahmen verzichten. Du gibst die verschriebene Bedarfsmedikation und sprichst mit einem Arzt.

Pratik kural

Wer Schmerzen beim Atmen hat, atmet flach und belüftet seine Lunge schlecht. Du informierst einen Arzt und gibst auf Anordnung Schmerzmittel, damit er ohne Schmerzen husten und tief einatmen kann. Ab NRS 3 sollten keine atemunterstützenden Maßnahmen erfolgen.

Bakım bilgisi

Das LISA-Prinzip

Deine Praxisanleiterin sagt: „Für die Pneumonieprophylaxe merk dir einfach LISA.“

Das „LISA“-Prinzip ordnet die Maßnahmen der Pneumonieprophylaxe in vier Bereiche:

  • L = Lungenbelüftung verbessern: Mobilisation, atemunterstützende Positionierung, atemvertiefende Maßnahmen wie Kontaktatmung, Lippenbremse, atemstimulierende Einreibung (ASE) oder Atemtrainer, mit dem Menschen ein Lied singen, für Kinder Pustespiele
  • I = Infektionen vermeiden: hygienisches Arbeiten und eine Mundpflege, die die natürliche Mundflora erhält
  • S = Sekret verflüssigen, mobilisieren, entleeren: die Flüssigkeitszufuhr erhöhen oder anpassen, Inhalation, Huffing, spezielle Drainagelagerungen, Perkussion und Vibration, Atemphysiotherapie, Sekret absaugen
  • A = Aspiration vermeiden: orale Ernährung anstreben, zum Essen aufrecht positionieren, Zeit lassen

Dazu kommen die konsequente Hygiene, vor allem der Hände, die Nies- und Hustenetikette und Impfungen, insbesondere gegen Pneumokokken.

Von großer Bedeutung ist, dass du die Atmung fortlaufend beobachtest und das Pneumonierisiko einschätzt. Nur so erkennst du rechtzeitig, dass prophylaktische Maßnahmen notwendig sind. Erkennst du eine Atembeeinträchtigung und Pneumoniegefährdung, führst du die Maßnahmen konsequent durch. Den Plan erarbeitest du mit dem Menschen gemeinsam, nach dem Grad seiner Atembeeinträchtigung und nach seinen Ressourcen.

Pratik kural

LISA: Lungenbelüftung verbessern, Infektionen vermeiden, Sekret verflüssigen, mobilisieren und entleeren, Aspiration vermeiden. Dazu Händehygiene, Nies- und Hustenetikette und Impfung.

Bakım bilgisi

Atemtrainer

Herr S. bekommt vor seiner Bauchoperation ein Gerät mit drei Säulen und kleinen Bällen.

Atemtrainer erhält der Mensch auf ärztliche Anordnung. Bevor du ihn anleitest, liest du die Gebrauchsanleitung genau. Zumindest bei den ersten Übungen solltest du dabeibleiben, um zu erkennen, ob er sich überanstrengt.

inspiratorischer Atemtrainer
exspiratorischer Atemtrainer
trainiert
eine maximale, tiefe und gleichmäßige Einatmung
die Ausatmung
andere Namen, Beispiele
„incentive Spirometer“, SMI-Atemtrainer, zum Beispiel Triflow
PEP-Atemtherapiegeräte, zum Beispiel Flowball
geeignet für
vor allem Menschen mit Schonatmung nach Operationen im Brust- oder Bauchbereich
Menschen mit COPD oder starker Verschleimung, statt eines inspiratorischen Trainers

So übt er mit dem Triflow: Mehrmals täglich atmet er durch das Gerät ein, jeweils etwa 5–10-mal und möglichst tief. Nach dem Einatmen hält er die Luft einige Sekunden an und atmet dann normal aus. Beim Einatmen heben sich die Bällchen in den Säulen. Für einen guten Trainingseffekt sollten in den ersten beiden Säulen die Bälle bis ans obere Ende steigen und dort einige Sekunden bleiben. Danach kann das Mundstück mit warmem Wasser gereinigt werden. Sein eigenes Gerät bekommt jeder Mensch. Er kann es bei der Entlassung mit nach Hause nehmen.

Inspiratorische Atemtrainer sind kontraindiziert bei einer COPD, weil sich die Lunge durch die erschwerte Ausatmung überblähen kann und das Training die Überblähung noch steigern würde, und bei starker Verschleimung der Bronchien, weil die tiefe Einatmung den Schleim tiefer in die Lunge befördern würde.

Steht eine Operation an, beginnt das Training schon davor. Nach der Operation fällt es einem erschöpften Menschen schwer, eine neue Technik zu lernen. Außerdem kennt er so seinen Ausgangswert und ist motiviert, ihn wieder zu erreichen. Zähes Sekret sollte während des Trainings nicht in den Atemwegen sitzen. Deshalb ist vorher oft eine Inhalation oder gezieltes Abhusten nötig.

Pratik kural

Inspiratorische Atemtrainer trainieren die tiefe Einatmung, vor allem bei Operationen im Bauch- oder Brustbereich, am besten schon vor der OP. Bei COPD und starker Verschleimung sind sie kontraindiziert, dann eignen sich exspiratorische Trainer.

Bakım bilgisi

Atemübungen

Frau M. lacht über einen Witz ihrer Enkelin und muss danach tief durchatmen.

Atemübungen helfen dem Menschen, die Lunge besser zu belüften, Fehlatmungen zu beheben und die Selbstreinigung der Atemwege anzuregen. Schon wirkungsvoll ist einfaches, tiefes Durchatmen. Es fördert das seelische und körperliche Wohlbefinden. Dazu motivierst du den Menschen immer wieder und planst dir dafür Zeit ein.

  • Tief durchatmen: die einfachste Atemübung
  • Recken, Strecken, Lachen, Singen: Auch sie wirken atemfördernd.
  • Spielerisch pusten: einen Luftballon aufblasen, Seifenblasen pusten oder mit einem Strohhalm in einer Wasserflasche „blubbern“. Gerade Kinder, ältere und körperlich geschwächte Menschen sehen hier kleine Erfolge. Wird das zu häufig wiederholt, kann es zu einer Hyperventilation führen, weil es sich schlecht steuern lässt.

Vor den Übungen lüftest du das Zimmer, in Absprache mit dem Menschen, damit er möglichst viel frische Luft einatmen kann. Regelmäßiges Stoßlüften, mindestens 3- bis 4-mal am Tag das Fenster ganz öffnen, kann das Wohlbefinden fördern und Krankheitserreger in der Raumluft verringern. Vor Zugluft und Auskühlung schützt du ihn dabei. Ist zu erwarten, dass er die Übungen wegen Schmerzen nicht richtig ausführen kann, erhält er vorher ausreichend Schmerzmittel.

Atemübungen und Atemtraining gehören zur Pflege und zur Physiotherapie. Deshalb sprecht ihr euch gut ab.

Pratik kural

Schon tiefes Durchatmen belüftet die Lunge und regt die Selbstreinigung der Atemwege an. Auch Recken, Strecken, Lachen, Singen und spielerisches Pusten wirken atemfördernd. Vorher lüftest du, bei Schmerzen bekommt der Mensch vorher ein Schmerzmittel.

Bakım bilgisi

Mobilisation

Herr S. ist am ersten Tag nach der Operation. „Ich bleibe lieber liegen“, sagt er.

Damit alle Lungenpartien ausreichend und gleichmäßig belüftet werden, ist körperliche Aktivität unverzichtbar. Fast jede Mobilisation führt zu einer tieferen Atmung, aktive wie auch passive Bewegung. Unter den Maßnahmen, die die Lunge belüften und Sekret mobilisieren, gelten eine regelmäßige Mobilisation oder häufige Positions- und Lagewechsel als wichtigste Maßnahme.

Deshalb beginnt die Mobilisation so früh wie möglich, auch wenn die Erkrankung schwer ist. Je nach Belastbarkeit soll der Mensch so oft wie möglich Folgendes tun und dabei tief durchatmen:

  • sich im Bett aufsetzen
  • aufstehen, mit Hilfe
  • vor dem Bett auf der Stelle treten
  • im Zimmer oder auf dem Flur umhergehen

Du unterstützt ihn dabei und forderst mobile Menschen auf, so oft wie möglich aufzustehen. Damit er sich bewegt, informierst du ihn gut über die Zusammenhänge. Ein Bewegungsplan sollte für Menschen mit strenger Bettruhe erstellt werden. Er legt fest, welche Positionen in regelmäßigen Abständen zum Einsatz kommen, damit alle Lungenpartien belüftet werden und das Sekret abfließen kann. Physiotherapeutische Übungen werden ärztlich angeordnet.

Damit ältere Menschen keine Pneumonie bekommen, ist es von größter Bedeutung, dass ihre Mobilität erhalten, gefördert oder wiederhergestellt wird.

Pratik kural

Regelmäßige Mobilisation und häufige Positionswechsel gelten als wichtigste Maßnahme, um die Lunge zu belüften und Sekret zu mobilisieren. Je nach Belastbarkeit soll der Mensch so oft wie möglich aufsitzen, aufstehen, auf der Stelle treten und umhergehen, dabei tief durchatmen.

Bakım bilgisi

Atemunterstützende Positionierung

Herr S. ist im Bett zum Fußende gerutscht. Er sitzt zusammengesunken, sein Bauch drückt gegen den Brustkorb.

Grundsätzlich wird die Lunge bei jedem Positionswechsel besser belüftet und durchblutet. Einige Positionierungen unterstützen die Atmung zusätzlich:

  • Oberkörperhochlage: Der Bauch drückt weniger auf den Brustkorb, und das Zwerchfell, der wichtigste Atemmuskel, kann sich leichter nach unten ausdehnen. So fällt das Einatmen leichter. Der Oberkörper sollte in einem Winkel von etwa 30–40° erhöht sein. Du achtest auf den physiologischen Hüftknick und setzt eventuell eine Rutschbremse ein. Die Unterarme unterlagerst du zur Unterstützung der Atemhilfsmuskulatur. Sackt der Mensch im Sitzen zusammen, weil seine Muskelspannung zu gering ist, beendest du die Position, denn dann kann er nicht frei atmen. Kontraindikationen sind Kreislaufstörungen und Krankheiten der Wirbelsäule.
  • Hochschräglage bei Säuglingen: mindestens 10°. Das Herunterrutschen verhinderst du mit einem Lagerungshilfsmittel, zum Beispiel einer Handtuchrolle. Indikationen sind Atemnot und eine erhöhte Aspirationsgefahr.
  • Bauchlage: Darin werden die hinteren (dorsalen) Lungenbereiche belüftet. Sie darf nur unter Monitoring auf der Intensivstation und mit ärztlicher Anordnung durchgeführt werden.

Die Oberkörperhochlage sollte sich möglichst immer mit anderen Positionen abwechseln. Sonst sind die unteren Lungenabschnitte ununterbrochen schlecht belüftet.

Manchmal ist die Oberkörperhochlage nicht möglich, weil eine strikt flache Lage ärztlich verordnet ist, zum Beispiel bei einer Wirbelsäulenverletzung. Dann finden Essen und Pneumonieprophylaxe in Seitenlage statt.

Länger als 30 Minuten hoch

Dauert eine Oberkörperhochlagerung länger als 30 min, ist Vorsicht geboten: Auf Steiß und Sitzbeine wirken dann höhere Spitzendrücke. Dann muss die Dekubitusprophylaxe über Mikrolagerungen erfolgen.

Pratik kural

Die Oberkörperhochlage mit etwa 30–40° und unterlagerten Unterarmen erleichtert das Einatmen. Möglichst solltest du sie nur abwechselnd mit anderen Positionen einsetzen. Du achtest auf den Hüftknick, und ab 30 Minuten sind Mikrolagerungen nötig.

Bakım bilgisi

Symptome

Gestern ging es Herrn K., 58, noch gut. Heute Nacht bekam er Schüttelfrost, hohes Fieber und hustet gelblich-braunen Schleim.

Je nachdem, ob die Alveolen oder das Zwischengewebe (Interstitium) betroffen sind, unterscheidest du eine typische (alveoläre) und eine atypische (interstitielle) Pneumonie:

typische Pneumonie
atypische Pneumonie
Beginn
plötzlich
schleichend
Fieber
hoch, bis 40 °C, dazu Schüttelfrost
leicht erhöht
Husten
produktiv, mit gelblich-bräunlichem Auswurf
trocken
Atemnot
von Beginn an ausgeprägt
langsam zunehmend
Begleitsymptome
Begleitpleuritis
„Grippesymptome“
Allgemeinbefinden
stark beeinträchtigt
mäßig beeinträchtigt

Weitere Zeichen: Viele Kranke atmen schnell und flach, manchmal mit deutlicher Bewegung der Nasenflügel. Sie haben Schmerzen beim Atmen und schonen beim Atmen die erkrankte Seite (Schonatmung). Manche Kranke sind zyanotisch. Rostbraunes Sputum weist zum Beispiel auf eine Pneumokokkenpneumonie hin, eitriger Husten auf einen bakteriellen Infekt. Blut kann mitunter im Sputum enthalten sein. Liegt die Entzündung abseits der großen Bronchien, kann die Pneumonie auch ohne Husten verlaufen.

Kein sicherer Schluss auf den Erreger

Vom Verlauf kannst du nicht zuverlässig auf den Erreger schließen. Eine Pneumokokken-Pneumonie verläuft nicht immer typisch, und Mykoplasmen oder Legionellen können auch das Bild einer typischen Pneumonie zeigen.

Pratik kural

Plötzlich, mit hohem Fieber, Schüttelfrost und Husten mit Auswurf: So beginnt die typische Pneumonie. Die atypische beginnt schleichend mit leichtem Fieber und trockenem Husten. Vom Verlauf kannst du nicht sicher auf den Erreger schließen.

Bakım bilgisi

Symptome bei älteren Menschen

Frau H., 86, hat kaum Fieber und hustet nur leicht. Seit heute Morgen ist sie verwirrt und findet ihr Zimmer nicht mehr.

Ältere Menschen: Bei ihnen können die Symptome einer Pneumonie milder sein. Typischerweise steigt die Temperatur nur gering, und der Husten mit Auswurf ist leicht. Im Alter ist hohes Fieber mit Schüttelfrost selten. Alte Menschen haben oft mehr Allgemein- und weniger Lungenbeschwerden, eventuell sogar nur Allgemeinbeschwerden wie Verwirrtheit oder Schwäche. Zu Verwirrtheitszuständen kann es kommen, wenn ein Flüssigkeitsmangel (Exsikkose) besteht oder die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt.

Ältere Menschen erkranken außerdem leichter, weil ihre Abwehr eingeschränkt und ihr Hustenreflex reduziert ist. Durch altersbedingte Veränderungen ist auch die Ventilation eingeschränkt.

Säuglinge und Kleinkinder: Bei einer typischen Pneumonie zeigen sie weitere Zeichen:

  • Trinkunlust, sie verweigern die Nahrung
  • ein aufgeblähter Bauch
  • schnelle Atmung (Tachypnoe) und schneller Puls (Tachykardie)
  • Nasenflügel, die sich beim Einatmen aufstellen
Zeichen einer schweren Pneumonie

Zeichen einer schweren Pneumonie können Atemnot, Tachypnoe, Tachykardie und Zyanose sein.

Pratik kural

Bei älteren Menschen verläuft eine Pneumonie oft mild: wenig Fieber, leichter Husten, manchmal nur Schwäche oder Verwirrtheit. Zeichen einer schweren Pneumonie können Atemnot, Tachypnoe, Tachykardie und Zyanose sein.

Bakım bilgisi

Beobachten bei Pneumonie

Herr K. hat eine Pneumonie. Sein Puls ist heute 112, seine Atemfrequenz 26 pro Minute.

Die Pflege bei einer Pneumonie hat vier Ziele: Du verbesserst die Lungenbelüftung, sorgst für eine ausreichende Sauerstoffversorgung, verhinderst Atemnot (Dyspnoe) und erkennst Komplikationen früh. Was du beobachtest, ergibt sich unter anderem aus den Komplikationen, die möglich sind. Zu ihnen zählen eine Sepsis, Komplikationen durch Immobilität, septische Embolien, bei denen Erreger in andere Organe streuen, und eine respiratorische Insuffizienz mit mangelnder Sauerstoffversorgung. Auch Nebenwirkungen und allergische Reaktionen unter einer Antibiotikatherapie gehören dazu.

Du beobachtest:

  • Puls und Atmung: Puls- und Atemfrequenz steigen zum Ausgleich, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Fallen sie dir auf, kontrollierst du neben der Körpertemperatur auch die Sauerstoffsättigung.
  • Temperatur: bei einer typischen Pneumonie mindestens 3-mal täglich
  • Sauerstoffsättigung: zu Beginn bei allen Menschen mit Pneumonie und im Verlauf bei jeder Auffälligkeit oder bei Atembeschwerden. Ist sie erniedrigt, informierst du einen Arzt. Dann ist eine Sauerstofftherapie oder eine Anpassung der Dosis notwendig.
  • Flüssigkeitsbilanz: Trinkmenge bzw. Einfuhr, Aussehen und Menge des Urins. Den Flüssigkeitsverlust durch starkes Schwitzen und Fieber schätzt du zusätzlich ab.
  • Husten und Sputum: Beim Husten beobachtest und dokumentierst du Häufigkeit und Art, beim Sputum Menge und Beschaffenheit. Ist der Hustenreiz gestört, können Aspirationen und wiederkehrende Pneumonien die Folge sein.
  • Schmerzen: beim Atmen und Husten
  • Haut: Zyanose, Schweiß, Gänsehaut und Druckstellen. Unter einer Antibiotikatherapie können sich Pilze ansiedeln, zum Beispiel ein Mundsoor oder ein Genitalpilz.
  • Ausscheidung: Diarrhöen können unter einer Antibiotikatherapie auftreten. Eine Obstipation kann durch Flüssigkeits- und Bewegungsmangel entstehen.
Pratik kural

Bei einer Pneumonie beobachtest du Puls, Atmung, Temperatur und Sauerstoffsättigung. Ist die Sättigung erniedrigt, informierst du einen Arzt. Dazu kommen Flüssigkeitsbilanz, Husten und Sputum, Schmerzen, Haut und Ausscheidung.

Bakım bilgisi

Einteilung

Frau T. liegt seit fünf Tagen auf der Station. Jetzt hat sie eine Pneumonie. Die Ärztin sagt: „Das ist eine nosokomiale Pneumonie.“

Pneumonien lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen. In der Praxis zählt vor allem, wo der Mensch die Pneumonie erworben hat. Denn je nach Ort des Erwerbs sind die Erreger häufig unterschiedlich, und entsprechend unterschiedlich wird behandelt.

ambulant erworben (CAP)
nosokomial erworben (HAP)
Ort des Erwerbs
außerhalb des Krankenhauses
im Krankenhaus, mehr als 48 Stunden nach der Aufnahme
Immunstatus
immunkompetent
immunkompetent
typische Erreger
am häufigsten Pneumokokken
Hospitalkeime, zum Beispiel Staphylococcus aureus, Enterokokken, Klebsiellen

Die dritte Gruppe ist die unter Immunsuppression erworbene Pneumonie. Sie entsteht bei einer schweren Immunsuppression, im Krankenhaus oder außerhalb davon. Besonders gefährdet sind stark immunsupprimierte Menschen durch „opportunistische“ Erreger. Das sind Erreger, die bei normaler Abwehrlage keine Infektion auslösen, zum Beispiel Viren wie Herpesviren oder Pilze wie Aspergillus oder Candida.

Weitere Begriffe begegnen dir auf Station:

  • Healthcare-associated pneumonia (HCAP): Betroffen sind Menschen, die regelmäßig eine Gesundheitseinrichtung aufsuchen, zum Beispiel eine Arztpraxis oder ein Dialysezentrum, oder die zeitlich begrenzt ins Krankenhaus kommen, etwa zur Chemotherapie. Eine Sonderform ist die im Pflegeheim erworbene Pneumonie (NHAP).
  • Ventilatorassoziierte Pneumonie (VAP): ein Sonderfall der nosokomialen Pneumonie. Sie tritt binnen 48 Stunden nach einer endotrachealen Intubation und der damit verbundenen maschinellen Beatmung auf.
Die 48-Stunden-Grenze

Nosokomial heißt eine Pneumonie erst, wenn der Mensch mindestens 48 Stunden stationär ist. Erkrankt er vorher, zählt die Pneumonie noch als ambulant erworben.

Pratik kural

Wird die Pneumonie außerhalb des Krankenhauses erworben, heißt sie ambulant erworben (CAP). Tritt sie mehr als 48 Stunden nach der Aufnahme auf, heißt sie nosokomial (HAP). Je nach Ort des Erwerbs sind die Erreger häufig andere.

Bakım bilgisi

Lunge abhören

Deine Praxisanleiterin legt das Stethoskop an Herrn S.' Rücken und sagt: „Hör mal, unten rechts ist es leiser.“

Beim Abhören der Lunge unterscheidest du physiologische und pathologische Atemgeräusche:

  • physiologisch: Im Lungengewebe klingen die Atemgeräusche leise und tieffrequent, nahe der Trachea eher heller und schärfer.
  • pathologisch: Atemgeräusche, die abgeschwächt sind, vor allem basal im Lungengewebe, feuchte, knisternde Geräusche in einem Bereich oder in mehreren, Rasselgeräusche, Giemen (ein schriller Pfeifton) oder ein Stridor beim Ein- oder Ausatmen (Zischen und Pfeifen)

So gehst du beim Abhören vor:

  1. Ruhe

    Du sorgst für eine geräuscharme Umgebung: Fernseher und Radio aus, Fenster und Tür zu, Mess- und Sauerstoffgeräte, soweit möglich, abgestellt.

  2. Position

    Der Mensch setzt sich auf, soweit möglich. Sitzt oder steht er, hörst du vorn (ventral) und hinten (dorsal) ab. Ist er immobil, vorn und seitlich (lateral).

  3. Atmen

    Du legst das Stethoskop mit leichtem Druck an. Der Mensch atmet mit geöffnetem Mund regelmäßig ein und aus. Kann er der Aufforderung nicht folgen, wartest du auf spontane Atemzüge.

  4. Seitenvergleich

    Du hörst wechselseitig von kopfwärts (kranial) nach unten (kaudal) ab. Hinten etwa eine Handbreit neben der Wirbelsäule, in Abständen von etwa 5 cm, und seitlich am Zwerchfell. Vorn unterhalb der Schlüsselbeine und seitlich der Trachea.

Pratik kural

Gesunde Atemgeräusche im Lungengewebe sind leise und tieffrequent. Abgeschwächte Geräusche, Rasseln, Giemen und knisternde, feuchte Geräusche sind pathologisch. Du hörst im Seitenvergleich von oben nach unten ab.

Bakım bilgisi

Hygiene

Deine Kollegin geht mit Handschuhen von Bett zu Bett. „Ich trage doch Handschuhe“, sagt sie.

Hygiene ist äußerst wichtig, um eine Pneumonie zu vermeiden, vor allem die Händedesinfektion. Das gilt zu Hause wie in der Klinik, und es gilt unabhängig davon, ob du Handschuhe trägst. Die Hände sind der Hauptübertragungsweg für eine nosokomiale Infektion.

Auch die Nies- und Hustenetikette verringert das Übertragungsrisiko:

  • in den Ellenbogen husten oder niesen
  • etwa 2 m Abstand halten
  • eventuell eine Atemschutzmaske tragen

Besonders hygienisch arbeitest du bei Sauerstoff- und Inhalationstherapie, bei Intubation und Beatmung und wenn du Atemwegssekret absaugst. Saugst du mit den klassischen Systemen oral oder nasal ab, verwirfst du danach den Absaugkatheter und spülst die Schläuche gründlich mit sterilem Aqua dest. durch. Leitungswasser verwendest du nicht, wenn eine Kontamination mit Legionellen nicht sicher ausgeschlossen ist.

Hat ein Mensch schon eine Pneumonie, reichen meist die üblichen Hygienemaßnahmen. Denn viele Pneumonien verursachen Erreger, die auch auf der Haut gesunder Menschen leben, zum Beispiel Pneumokokken. In Ausnahmefällen werden besondere Hygienemaßnahmen ärztlich angeordnet, etwa wenn MRSA die Pneumonie ausgelöst hat. Bei einigen viralen Pneumonien wird der Mensch isoliert. Bei einer infektiösen Pneumonie informierst du den Menschen und seine Besucher über Schutzmaßnahmen, vor allem im Umgang mit Sputum und beim Husten. Du achtest darauf, dass er dich nicht anhustet.

Pratik kural

Die wichtigste Maßnahme gegen die Übertragung ist die Händedesinfektion, auch wenn du Handschuhe trägst. Dazu kommt die Nies- und Hustenetikette. Bei einer Pneumonie reicht meist die Standardhygiene; bei MRSA ordnet der Arzt besondere Maßnahmen an, bei manchen viralen Pneumonien wird isoliert.

Bakım bilgisi

Pflege bei Pneumonie

Herr K. friert, obwohl er Fieber hat. Er möchte nichts essen und trinkt kaum.

Viele Menschen mit Pneumonie haben ein starkes Krankheitsgefühl: Sie sind müde und schwach und frieren viel. Häufig haben sie Fieber.

  • Positionierung: mit erhöhtem Oberkörper, sodass der Mensch möglichst leicht atmen kann
  • Schonung: Er sollte sich körperlich schonen. Dann kann sein Immunsystem bestmöglich gegen die Krankheit kämpfen, und Muskelarbeit steigert seinen Sauerstoffbedarf nicht unnötig. Wenn nötig, unterstützt du ihn bei den Alltagsaktivitäten.
  • Körperpflege und Kleidung: Er soll bei der Körperpflege nicht frieren. Auch einen Wärmestau vermeidest du. Im Stadium des Fieberanstiegs solltest du auf eine Waschung verzichten. Ob fiebersenkende Maßnahmen angezeigt sind, wägt der Arzt im Einzelfall ab.
  • Trinken: Du bilanzierst den Flüssigkeitshaushalt und achtest auf eine ausreichende Trinkmenge. Ein ausreichendes Durstgefühl fehlt besonders älteren Menschen oft. Dazu kommen Schwäche und eventuell Atemnot. Der Urin sollte bei einem Nierengesunden hell sein.
  • Essen: Hat er keinen Appetit, überredest du ihn nicht zum Essen. Wenn nötig, unterstützt du ihn bei der Nahrungsaufnahme. Bei Bedarf bietest du Wunschkost und Lieblingsgetränke an.
  • Prophylaxen: Ist ein älterer Mensch sehr schwach und verbringt viel Zeit im Bett, führst du Dekubitus-, Thrombose- und Kontrakturenprophylaxe durch.
Schonen und bewegen

Hat der Mensch schon eine Pneumonie, sollte er sich körperlich schonen. Zur Vorbeugung einer Pneumonie ist dagegen regelmäßige Mobilisation eine zentrale Maßnahme.

Pratik kural

Bei einer Pneumonie positionierst du den Menschen mit erhöhtem Oberkörper, er schont sich körperlich und trinkt ausreichend. Er soll nicht frieren, und du überredest ihn nicht zum Essen.

Bakım bilgisi

Diagnostik und Therapie

Herr K. bekommt seit gestern ein Antibiotikum als Infusion. Heute hat er Durchfall und rote Flecken am Bauch.

Für die Diagnose wegweisend sind die körperliche Untersuchung und die Anamnese, außerdem Röntgenthorax, Blutuntersuchungen, Blutgasanalyse und Erregernachweis. Bei schweren und nosokomialen Pneumonien und bei Menschen mit Risikofaktoren wird der Erreger zum Beispiel im Sputum oder in Blutkulturen gesucht.

Eine bakterielle Pneumonie wird im Wesentlichen mit Antibiotika behandelt. Weil das Bakterium anfangs meist unbekannt ist, beginnt die Behandlung kalkuliert: Erfasst werden sollen die wahrscheinlichsten Erreger. Liegt der Erregernachweis vor, sollte sie angepasst werden. Ambulant werden die Antibiotika meist oral gegeben, im Krankenhaus intravenös. Bei Pilzpneumonien kommen in der Regel Antimykotika zum Einsatz, bei viralen Pneumonien Virostatika. Je nach Bedarf erhält der Mensch auch Medikamente, die schleimlösend, hustenreizstillend oder fiebersenkend wirken. Fällt die Sauerstoffsättigung ab, wird Sauerstoff zugeführt, zum Beispiel über eine Nasenbrille.

Antibiotika, Antimykotika und Virostatika können unerwünschte Wirkungen haben. Unter einer Antibiotikatherapie sind Diarrhöen, Hautausschläge oder allergische Reaktionen häufig. Darauf achtest du, und du klärst den Menschen und seine Bezugspersonen auf, wie die Medikamente wirken und welche Nebenwirkungen möglich sind.

Schleimlöser nur, wenn er abhusten kann

Wer zu schwach zum Abhusten ist, darf keine Expektoranzien bekommen: Das Sekret bleibt sonst in den Atemwegen. Hustenstillende Mittel bekommt er nicht, wenn sich Sekret angesammelt hat, denn dann kann sich das Sekret stauen.

Pratik kural

Bakterielle Pneumonien werden mit Antibiotika behandelt. Du achtest auf Nebenwirkungen wie Durchfall, Hautausschlag und allergische Reaktionen. Wer zu schwach zum Abhusten ist, bekommt keine Expektoranzien.

Bakım bilgisi

Schonend abhusten

Herr S. traut sich nicht zu husten. „Dann platzt die Naht“, sagt er.

Viele Menschen wissen nicht, wie sie ihren Schleim, das Bronchialsekret, am besten abhusten. Oft ist es ihnen unangenehm, oder sie haben Angst vor Schmerzen und vermeiden es deshalb. Schmerzt das Abhusten, steht die Schmerzbehandlung an erster Stelle. Bei Wunden an Brustkorb oder Bauch hilft es, wenn er mit den Händen auf der Wunde leichten Gegendruck erzeugt.

Zum schonenden und doch wirkungsvollen Abhusten leitest du ihn so an:

  1. Sekret lösen

    Vorher löst er das Sekret, zum Beispiel mit einer Inhalation, einer Vibrationsbehandlung oder einem oszillierenden PEP-Gerät.

  2. Aufrecht sitzen

    Er sitzt auf einem Stuhl oder im Bett, den Oberkörper aufrecht.

  3. Einatmen

    Er atmet durch die Nase ein.

  4. Hüsteln

    Er hüstelt kurz. Spürt er Schleim in den oberen Luftwegen, drückt er Knie und Gesäß zusammen und hustet ihn mit kurzen, kräftigen Stößen aus.

  5. Pause

    Erneut hustet er erst, wenn sich seine Atmung wieder beruhigt hat.

Häufiges, kräftiges Husten kann die Schleimhaut schädigen. Deshalb forderst du ihn nur zum leichten Husten, zum „Hüsteln“, auf. Wegen möglicher Ansteckung achtest du darauf, dass er dich nicht anhustet.

Pratik kural

Hat der Mensch Schmerzen beim Abhusten, kommt die Schmerzbehandlung zuerst. Bei Wunden an Brustkorb oder Bauch drückt er mit den Händen leicht dagegen. Er hustet aufrecht sitzend, nur leicht (Hüsteln) und erst wieder, wenn sich seine Atmung beruhigt hat.

Bakım bilgisi

Sekret und Drainagelagerung

Herr K. hat zähen Schleim, den er kaum abhusten kann. Er trinkt nur zwei Tassen Tee am Tag.

Ist das Bronchialsekret zäh, das Abhusten schmerzhaft oder fehlt dem Menschen die Kraft, sein Sekret abzuhusten, erleichtern verschiedene Maßnahmen das Abhusten:

  • Ausreichend trinken: Zähes Bronchialsekret kann durch einen Flüssigkeitsmangel entstehen. Erwachsene sollten mindestens 1500 ml am Tag trinken, sofern keine Kontraindikation besteht.
  • Hausmittel: zum Beispiel Einreibungen mit ätherischen Substanzen oder heiße Brustwickel. Bei Früh- und Neugeborenen und bei Säuglingen ist Vorsicht geboten: Ätherische Substanzen können Schleimhautreizungen, Atemnot und Erbrechen auslösen. Du wendest sie bei ihnen nur nach Absprache mit einem Arzt an.
  • Inhalation, Huffing, Drainagelagerungen, Vibration und Perkussion, Atemphysiotherapie

Bei einem trockenen Reizhusten haben sekretmobilisierende Maßnahmen keinen Sinn. Viele ältere Menschen haben beim Husten Probleme, den Urin zu halten. Vor sekretmobilisierenden Maßnahmen solltest du deshalb einen Toilettengang vorschlagen.

Drainagelagerungen: Jede aktive oder passive Positionierung dient der Sekretmobilisation, denn mit der Schwerkraft kann das Sekret abfließen, aus den kleineren Bronchien bis in die Trachea. Die Rückenlage mit leichter Kopftieflage drainiert einen großen Teil der Bronchien. Für die übrigen Segmente eignen sich die Bauchlage und die Seitenlage in leichter Kopftieflage. Ob und welche Drainagelagerungen geeignet sind, besprichst du mit einem Arzt, auch anhand von Lungenbefunden.

  • Vorbereitung: Nach Möglichkeit erhält der Mensch vorher auf ärztliche Anordnung ein Sekretolytikum oder inhaliert.
  • Dauer und Häufigkeit: 10–20 Minuten, 3- bis 4-mal am Tag, aber nie direkt nach dem Essen
  • Kontrolle: Du solltest dich immer vergewissern, dass er die Lagerung gut toleriert, und die Vitalparameter kontrollieren und achtest auf Übelkeit und Luftnot. Du stellst sicher, dass er das gelöste Sekret abhusten kann, sonst könnte es seine Atmung beeinträchtigen. Toleriert er die Lagerung nicht, beendest du sie.
Kopftieflage und Aufsicht

Bei akuter Luftnot, erhöhtem Hirndruck und Übelkeit sind Drainagelagerungen mit Kopftieflage kontraindiziert. Kann der Mensch die Drainagelagerung nicht selbstständig beenden, lässt du ihn währenddessen nicht allein.

Pratik kural

Gegen zähes Sekret ist ausreichendes Trinken eine wichtige Voraussetzung. Drainagelagerungen nutzen die Schwerkraft: 3- bis 4-mal täglich 10–20 Minuten, nie direkt nach dem Essen. Mit Kopftieflage nicht bei akuter Luftnot, Übelkeit oder erhöhtem Hirndruck.

Bakım bilgisi

Kontaktatmung

Frau M. atmet flach und ist unruhig. Du legst deine Hände auf ihren Bauch und sagst: „Atmen Sie meine Hände weg.“

Die Kontaktatmung ist eine atemvertiefende Maßnahme. Indikationen sind COPD und flache Atmung. Auch unruhigen oder angespannten Menschen kann sie helfen.

So gehst du vor: Mehrmals täglich legst du deine Handflächen auf verschiedene Bereiche von Brustkorb und Bauch, jeweils für 4–6 Atemzüge. Du forderst den Menschen auf, tief gegen deine Hände zu atmen, sie also „wegzuatmen“. Drückst du leicht mit den Handflächen, nimmt er seine Atmung besser wahr. So werden diese Bereiche der Lunge besonders gut belüftet, und die vertiefte Atmung hilft ihm, sich zu entspannen. Damit er die Bauchatmung intensiviert, legst du ihm beide Hände auf den Bauch. Sie ist wichtig, damit die unteren Lungenanteile gut belüftet werden.

Du wendest die Kontaktatmung bedarfsgerecht und individuell an:

  • Der Druck, den du ausübst, muss für den Menschen „überwindbar“ sein.
  • Wundgebiete sparst du aus.
  • Treten Schmerzen auf, brichst du ab und passt eventuell die Schmerztherapie an.
Pratik kural

Bei der Kontaktatmung legst du die Hände für 4–6 Atemzüge auf Brustkorb oder Bauch, und der Mensch atmet sie „weg“. Der Druck muss überwindbar sein, Wunden sparst du aus, bei Schmerzen brichst du ab.

Bakım bilgisi

Dehnlagen

Die Physiotherapeutin zeigt Herrn S. eine Position, in der er wie ein Halbmond auf dem Rücken liegt.

Dehnlagen vergrößern die Gasaustauschfläche der Lunge. Gezielt eingesetzt, belüften sie bestimmte Lungenbezirke besser. Außerdem wirken sie entspannend und fördern die Beweglichkeit des Brustkorbs.

  • Drehdehnlage: Der Mensch liegt auf der Seite und dreht seinen Oberkörper möglichst weit zurück, bis seine beiden Schultern auf der Matratze liegen. Die Beine bleiben dabei, wie sie liegen.
  • Halbmondlage: In flacher Rückenlage legt der Mensch eine Hand an sein Ohr oder unter seinen Nacken. Die andere Hand und die Beine bewegt er seitlich aufeinander zu, bis er halbmondförmig liegt.
  • V-Lage: dehnt und belüftet die unteren (kaudalen) Lungenbezirke
  • A-Lage: dehnt und belüftet die oberen (kranialen) Lungenbezirke
  • T-Lage: dehnt und belüftet alle vorderen Lungenbezirke, mit Betonung auf den mittleren
  • I-Lage: dehnt und belüftet alle vorderen Lungenbezirke

Der Mensch sollte die Dehnlagen 2- bis 3-mal täglich durchführen. In jeder Position sollte er 10–20 Minuten bleiben und atmet dabei ruhig in den Bauch, danach wechselt er die Seite. Am besten plant ihr die Dehnlagen gemeinsam mit einer Physiotherapeutin. Weil die Dehnlagen schnell unangenehm werden können, fragst du immer wieder nach seinem Befinden. Die Rufanlage legst du griffbereit.

Kontraindiziert sind Dehnlagen bei Schmerzen durch die Positionierung und bei instabilen Frakturen im Bereich von Thorax oder Wirbelsäule. Ist die Wirbelsäule nur eingeschränkt beweglich, ist die Halbmondlage kontraindiziert.

Pratik kural

Dehnlagen wie Drehdehn-, Halbmond- und V-A-T-I-Lage belüften gezielt bestimmte Lungenbezirke. Der Mensch sollte 2- bis 3-mal täglich je 10–20 Minuten darin bleiben und atmet ruhig in den Bauch. Die Rufanlage liegt griffbereit.

Bakım bilgisi

Aspiration vermeiden

Frau H. isst im Bett halb liegend. Beim Trinken verschluckt sie sich und hustet lange.

Ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit Dysphagie, Menschen mit Bewusstseinseinschränkungen und körperlich geschwächte Menschen: Bei ihnen gelangen Nahrung oder Speichel leichter versehentlich in die Atemwege (Aspiration). Eine „stille Aspiration“ ist besonders gefährlich, zum Beispiel von Magensekret während des Schlafs. Die Aspiration ist ein zentraler Risikofaktor für nosokomiale Pneumonien.

Aspiration vermeiden (A in LISA):

  • Orale Ernährung: Du erhältst sie so lange wie möglich oder beginnst sie so früh wie möglich wieder. Wer oral ernährt wird, ist in der Regel wacher als ein Mensch mit (par)enteraler Ernährung.
  • Aufrecht essen: Zum Essen mobilisierst du ihn in eine aufrechte Position. Deine Zuwendung beim Essen bedeutet mehr Reize, und die fördern das Bewusstsein und zugleich das Atmen.
  • Dysphagie: Bei einer Schluckstörung und Aspirationsrisiko wird abgewogen, ob die orale Ernährung eingestellt wird, dann für möglichst kurze Zeit.
  • Zeit lassen: Du lässt ihm beim Essen Zeit.
  • Unterstützen: Hat er eine Schluckstörung oder eine Bewusstseinseinschränkung, unterstützt du ihn bei der Nahrungs- und der Medikamenteneinnahme.

Infektionen vermeiden (I in LISA): Eine gute Mundhygiene senkt das Pneumonierisiko, das belegen Studien bei älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen. Die Mundpflege soll die natürliche Mundflora erhalten. Für ältere Menschen im Krankenhaus, besonders mit Schlaganfall oder nach einer Operation, werden unter anderem regelmäßige Mundpflege und Schlucktraining empfohlen.

Pratik kural

Gegen Aspiration: so lange wie möglich oral ernähren, zum Essen aufrecht positionieren, Zeit lassen und bei Schluckstörung beim Essen und bei Medikamenten unterstützen. Bei älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen senkt eine gute Mundhygiene das Pneumonierisiko.

Bakım bilgisi

Atemstimulierende Einreibung

Frau M. kann abends nicht einschlafen. Sie atmet schnell und flach.

Die atemstimulierende Einreibung (ASE) hilft dem Menschen, sich zu beruhigen, zu entspannen und seine Atmung bewusst wahrzunehmen. So wird seine Atmung ruhiger und tiefer. Die ASE gehört zur basalen Stimulation.

  • Indikationen: flache Atmung, COPD, Angespanntheit und Unruhe. Auch als Einschlafhilfe und bei Desorientierung kannst du sie anwenden.
  • Kontraindikationen: offene oder schmerzende Hauterkrankungen im Rückenbereich
  • Anordnung: Du brauchst keine ärztliche Anordnung.

So gehst du vor:

  1. Vorbereiten

    Du solltest für eine angenehme Zimmertemperatur und möglichst viel Ruhe sorgen und nimmst dir Zeit. Deine Hände sind warm und sauber, ohne Schmuck.

  2. Position

    Der Mensch sitzt aufrecht mit entblößtem Rücken oder liegt bequem auf der Seite.

  3. Einreiben

    Du trägst eine Lotion oder ein Massageöl auf seinen Rücken auf. Deine warmen Handflächen legst du flach seitlich der Wirbelsäule oben auf den Rücken und reibst in kreisenden Bewegungen nach unten.

  4. Rhythmus

    Damit seine Atmung ruhiger wird, gibst du ihm mit den Bewegungen den Atemrhythmus vor. Den Vorgang wiederholst du einige Male, insgesamt etwa 5–10 Minuten.

  5. Ruhen

    Danach gibst du ihm Zeit zum Ruhen.

Berührung ist individuell

Kontaktatmung und ASE führst du am besten ohne Handschuhe durch, und nur dann, wenn du selbst die Berührung nicht als unangenehm oder unangebracht empfindest. Du achtest auf seine Körpersprache: Wirkt er entspannt, oder stört ihn die Berührung in seiner Intimsphäre?

Pratik kural

Die ASE beruhigt und hilft, die Atmung bewusst wahrzunehmen, sodass der Mensch ruhiger und tiefer atmet. Sie braucht keine ärztliche Anordnung und dauert etwa 5–10 Minuten. Kontraindiziert ist sie bei offenen oder schmerzenden Hauterkrankungen am Rücken.

Bakım bilgisi

Impfung und Beratung

Herr K. wird bald entlassen. Er fragt: „Wie verhindere ich, dass das wieder passiert?“

Die Pneumonierate sinkt, wenn Menschen gegen Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ B und Pertussis geimpft sind. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Menschen ab 60 Jahren, sich gegen Influenza und Pneumokokken impfen zu lassen. Die Impfung schützt allerdings nicht gegen alle Erreger einer Pneumonie.

Menschen mit Pneumonie und ihre Bezugspersonen berätst du zum Beispiel so:

  • Du klärst auf, wie die Medikamente wirken und welche Nebenwirkungen möglich sind.
  • Du leitest zu schonenden Hustentechniken an und eventuell zur Anwendung eines Atemphysiotherapiegeräts.
  • Du informierst ältere und chronisch kranke Menschen, dass sie eine Impfung gegen Grippe und Pneumokokken unter Umständen vor einer erneuten Pneumonie schützen kann.
  • Du erklärst, dass sie eine Erkältung oder eine andere Infektion am besten im Bett auskurieren, statt sie zu „übergehen“. So bleibt der Abwehr möglichst viel Energie.
  • Du klärst über weitere Vorbeugung auf: 2-mal täglich Mundpflege, Aspirationsprophylaxe, vitaminreiche Ernährung mit ausreichend Spurenelementen und Mineralstoffen.
  • Hatte jemand schon eine Pneumonie, motivierst du ihn eventuell zur Raucherentwöhnung.

Ein informierter Mensch, den du in die Planung einbeziehst, nimmt entscheidenden Einfluss auf seine Gesundheit. Deshalb sind Aufklärung über seine persönlichen Risikofaktoren und Anleitung so wichtig.

Pratik kural

Du berätst zu Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe, zu schonenden Hustentechniken, zur Mundpflege und dazu, Infekte auszukurieren. Die Impfung schützt nicht gegen alle Erreger.

Bakım bilgisi

Muskel-Venen-Pumpe

Frau M. wundert sich: „Das Herz pumpt doch das Blut. Wozu soll ich meine Füße bewegen?“
Beinvene zwischen Muskeln, links bei entspanntem, rechts bei angespanntem Muskel. Links sind die Venenklappen geschlossen, das Blut fließt nicht zurück. Rechts drücken die Muskeln die Vene zusammen, die obere Klappe ist offen, das Blut steigt herzwärts, die untere Klappe ist geschlossen. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.12345
  1. 1 Muskel entspannt
  2. 2 Venenklappen geschlossen: kein Rückfluss
  3. 3 Muskel angespannt: drückt die Vene zusammen
  4. 4 Venenklappe offen: Blut fließt herzwärts
  5. 5 Venenklappe geschlossen

Die Venen führen das Blut zurück zum Herzen. Eine Besonderheit ihrer Wand sind die Venenklappen. Sie werden von der Gefäßinnenhaut (Intima) gebildet und verhindern, dass das Blut in Richtung Kapillaren zurückfließt. Besonders zahlreich sind sie in der unteren Körperhälfte, denn in diesen Venen muss das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen zurück.

Fließt das Blut herzwärts, öffnen sich die Klappen. Will es zurückfließen, schließen sie. Damit das Blut fließt, wird die Vene von außen kurz zusammengedrückt:

  • Muskelpumpe: Vor allem in den Beinen drückt die Muskulatur bei jeder Bewegung die Venen zusammen. So fließt das Blut aufwärts, von einer Venenklappe zur nächsten.
  • arteriovenöse Kopplung: Der Druckpuls der Arterie, die direkt neben der Vene verläuft, drückt die Vene zusammen.

In den beiden Hohlvenen helfen außerdem der Sog des rechten Vorhofs und der Unterdruck, der beim Einatmen im Thorax entsteht.

Ohne Bewegung keine Pumpe

In den Beinen ist der Blutfluss schon durch die Schwerkraft langsamer, im Sitzen oder Stehen noch mehr. Bewegungsmangel und eine venöse Insuffizienz beeinträchtigen die Muskel-Venen-Pumpe. Dadurch vermindern sie den venösen Rückfluss.

Pratik kural

Venenklappen lassen das Blut nur herzwärts fließen. In den Beinen drückt die Muskulatur bei jeder Bewegung die Venen zusammen (Muskelpumpe). Ohne Bewegung fehlt diese Pumpe, und der venöse Rückfluss wird langsamer.

Bakım bilgisi

Expositionelle und dispositionelle Risikofaktoren

Frau S., 34, kommt mit einem Gipsverband am Unterschenkel. Sie nimmt die „Pille“ und raucht.

Das individuelle Thromboserisiko setzt sich aus zwei Arten von Risikofaktoren zusammen.

Expositionelle Risikofaktoren sind nur für eine begrenzte Zeit vorhanden. Sie heißen auch akute Risikofaktoren. Sie lassen das Thromboserisiko plötzlich ansteigen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • operative Eingriffe
  • Traumata und akute Erkrankungen, welche die Mobilität beeinträchtigen
  • Immobilisation: jede Verringerung des Mobilitätsgrads, den der Mensch gewohnt ist

Dispositionelle Risikofaktoren sind Basisrisikofaktoren der Person, angeboren oder erworben. Sie erhöhen ein bestehendes Akutrisiko zusätzlich. Dazu gehören zum Beispiel:

  • frühere tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie
  • höheres Lebensalter (> 60 Jahre)
  • familiäre Thromboseprävalenz
  • Zustand nach Herzinfarkt oder chronische Herzinsuffizienz
  • Adipositas (BMI > 30 kg/m²)
  • Immobilisation zusammen mit akuten Infektionen oder entzündlichen Erkrankungen
  • hormonelle Kontrazeption, Rauchen, Hypertonie
  • Schwangerschaft, postpartale Phase („Wochenbett“)
  • nephrotisches Syndrom, ausgeprägte Varikosis
  • Asphyxie oder Lungenversagen (ARDS) unter bzw. nach der Geburt

Das Risiko steigt, wenn Faktoren kombiniert auftreten, zum Beispiel „Pille“ und Rauchen bei Frauen.

Sehr hohes Risiko

Das Thromboserisiko ist sehr hoch, wenn der Mensch schon einmal eine Thrombose hatte, wenn die Blutzusammensetzung Defekte hat oder wenn er Krebs hat.

Pratik kural

Expositionelle Risikofaktoren sind akut und zeitlich begrenzt, etwa eine Operation oder Immobilisation. Dispositionelle liegen in der Person, etwa eine frühere Thrombose oder höheres Alter, und erhöhen das Akutrisiko zusätzlich.

Bakım bilgisi

Thrombose

Frau M. ist am Vortag an der Hüfte operiert worden. Sie fragt: „Warum bekomme ich jeden Abend eine Spritze in den Bauch?“

Bei einer Thrombose verengt ein Blutgerinnsel, der Thrombus, den Innenraum eines Gefäßes. Oder er verschließt ihn komplett. Betroffen sein können Arterien und Venen. Thrombosen entstehen am häufigsten im venösen Gefäßsystem, vor allem in den Beinen.

Betrifft eine Thrombose an den Extremitäten die tiefen Venen, heißt sie tiefe Venenthrombose (TVT) oder auch Phlebothrombose. Zu 90 % sitzt sie in Becken- oder Beinvenen.

Das oberste Ziel

Der Begriff „Thromboseprophylaxe“ beschreibt es nur ungenau: Das oberste Ziel ist, eine tiefe Venenthrombose zu verhindern.

Pratik kural

Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verengt oder verschließt. Die tiefe Venenthrombose (Phlebothrombose) sitzt in den tiefen Venen der Extremitäten, zu 90 % in Becken- oder Beinvenen.

Bakım bilgisi

Lungenembolie

Herr D. hat beim Stuhlgang stark gepresst. Kurz danach ringt er plötzlich nach Luft.

Ein Thrombus kann sich ablösen und mit dem Blut verschleppt werden. Dann heißt er Embolus. Der Vorgang heißt Embolie (auch Thromboembolie).

Der Thrombus löst sich spontan. Oder plötzliche Druckänderungen begünstigen das, zum Beispiel Pressen beim Stuhlgang oder eine plötzliche körperliche Anstrengung. Aus den Beinvenen wandert er über die untere Hohlvene und das rechte Herz in die Lungenarterien. Verschließt er dort eine oder mehrere Lungenarterien, ist das eine Lungenembolie. Sie ist in den allermeisten Fällen eine Komplikation der tiefen Beinvenenthrombose.

Kleinere Embolien bleiben oft unbemerkt. Das körpereigene Fibrinolysesystem baut sie rasch wieder ab. Ein größerer Embolus verlegt einen Lungenarterienast. Wichtige Folgen sind:

  • eine akute Rechtsherzinsuffizienz
  • zu wenig Sauerstoff im Blut (Hypoxämie)
  • Blutdruckabfall und Kreislaufschock, wenn zusätzlich die linke Kammer versagt

Ausgeprägte Embolien können lebensbedrohlich sein.

Gefahr im Frühstadium

Im Frühstadium ist eine Thrombose häufig nicht erkennbar. Gerade in dieser Phase ist es aber am wahrscheinlichsten, dass sich das Gerinnsel von der Gefäßwand löst. Es gelangt in die Lunge und verursacht dort eine Lungenembolie.

Pratik kural

Löst sich ein Thrombus aus einer tiefen Beinvene, wandert er über das rechte Herz in die Lungenarterien: Lungenembolie. Am wahrscheinlichsten löst er sich im Frühstadium, in dem die Thrombose häufig noch nicht erkennbar ist.

Bakım bilgisi

Virchow-Trias

Deine Praxisanleiterin fragt: „Herr D. liegt, ist operiert und trinkt kaum. Wie viele Gründe für eine Thrombose siehst du?“

Wenn eine Thrombose entsteht, spielen drei Faktoren eine wesentliche Rolle. Zusammen heißen sie Virchow-Trias:

  • Kreislauffaktor: verlangsamter Blutstrom, zum Beispiel bei Immobilisierung, Bettlägerigkeit oder Herzinsuffizienz
  • Wandfaktor: Schäden der Gefäßwand, zum Beispiel durch Verletzungen, Operationen, Entzündungen, Arteriosklerose
  • Blutfaktor: Das Blut hat eine erhöhte Gerinnungsneigung (Hyperkoagulabilität), zum Beispiel durch Thrombophilie, Schwangerschaft, hormonelle Kontrazeption, Exsikkose, Tumorerkrankungen

Fließt das Blut langsamer, können sich Thrombozyten leichter an die Venenwand anlagern. Sie können dann die Thrombusbildung in Gang setzen. Das Thromboserisiko wird umso größer, je mehr Faktoren zusammentreffen.

Wo die Pflege ansetzt

Die Ziele der Pflege richten sich vor allem darauf, den venösen Rückfluss zu verbessern. Gerinnungseigenschaften und Venenwandschädigungen kann die Pflege mit ihren Maßnahmen nur schwer beeinflussen.

Pratik kural

Virchow-Trias: Der Blutstrom ist verlangsamt, die Gefäßwand ist geschädigt, die Gerinnungsneigung ist erhöht. Je mehr davon zusammentrifft, desto größer ist das Risiko. Die Pflege setzt vor allem beim venösen Rückfluss an.

Bakım bilgisi

Thromboserisiko erkennen und einschätzen

Du nimmst Herrn D. auf. Auf dem Bogen steht die Zeile „Thromboserisiko“.

Im Pflegeassessment beachtest du immer beide Arten von Risikofaktoren: expositionelle und dispositionelle. Das Gesamtrisiko ergibt sich aus ihrer Kombination. Du addierst die Faktoren aber nicht einfach. Die Zusammenhänge sind komplexer. Und die Instrumente, die in Risikogruppen einteilen, sind nicht ausreichend auf Gültigkeit untersucht. Sie schärfen aber deinen Blick für die einzelnen Risikofaktoren, besonders am Anfang des Berufs.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Gab es schon einmal eine Thrombose?
  • Ist eine Körperhälfte gelähmt? Ist eine Extremität wegen einer Fraktur ruhiggestellt?
  • Besteht ein Infekt, oder raucht der Mensch?
  • Hat der Arzt Bettruhe angeordnet, oder ist er bettlägerig?
  • Ist die Mobilität eingeschränkt?
  • Weicht das Gewicht vom normalen ab, in Richtung Kachexie oder Adipositas per magna?
  • Gehört er zu einer speziellen Risikogruppe, zum Beispiel Schwangere, Varikosis- oder Thrombophiliepatienten?
  • Steht eine Operation an, die länger dauert (≥ 30 min) oder ausgeprägt ist, zum Beispiel Thorax- oder Abdominalchirurgie?

Du inspizierst auch die Beine: Siehst du Varizen, Ödeme, eine livide Verfärbung? Die ärztliche Anamnese liefert Hinweise auf Vorerkrankungen. Risikofaktoren können sich während Pflege und Behandlung verändern. Dann schätzt du das Risiko ggf. erneut ein.

Pratik kural

Du fragst nach beiden Arten von Risikofaktoren und inspizierst die Beine. Du addierst die Faktoren nicht einfach, und du schätzt erneut ein, wenn sich etwas verändert.

Bakım bilgisi

Risikogruppen

Zwei Zimmer weiter liegt Herr B. mit einer Knieprothese, nebenan Frau T. nach einer kleinen Operation an der Hand.

Die expositionellen und dispositionellen Risikofaktoren zusammen sollten zur Einteilung in eine von drei Risikogruppen führen: niedrig, mittel oder hoch. Art und Umfang der Prophylaxe sollen sich nach dieser Einteilung richten. Dabei werden Kontraindikationen und Blutungsrisiken beachtet. Bevor über die Maßnahmen entschieden wird, sollen das Thromboserisiko und das Blutungsrisiko eingeschätzt werden.

Beispiele aus Chirurgie und Innerer:

  • niedriges Risiko: kleine operative Eingriffe · akut-entzündliche Erkrankung oder Infektion, ohne Bettlägerigkeit
  • mittleres Risiko: länger dauernde Operationen · gelenkübergreifende Immobilisation im Hartverband an der unteren Extremität · akute Herzinsuffizienz (NYHA III/IV) · akut-entzündliche Erkrankung oder Infektion, mit strikter Bettlägerigkeit
  • hohes Risiko: größere Eingriffe am Hüft- oder Kniegelenk, an Becken oder Wirbelsäule · größere operative Eingriffe in den Körperhöhlen (Brust-, Bauch- und/oder Beckenregion) · Polytrauma · Schlaganfall mit Beinparese · Sepsis
Eine Gruppe höher

Die Beispiele gelten, wenn kein oder nur ein geringes dispositionelles Risiko dazukommt. Sonst wird der Mensch in eine höhere Risikokategorie eingestuft.

Pratik kural

Das Thromboserisiko wird in drei Gruppen eingeteilt: niedrig, mittel, hoch. Danach richten sich Art und Umfang der Prophylaxe. Kommt ein dispositionelles Risiko dazu, wird eine Gruppe höher eingestuft.

Bakım bilgisi

Maßnahmen nach Risikogruppe

Herr B. hat ein hohes Thromboserisiko. Er sagt: „Ich bewege doch meine Füße. Dann brauche ich die Spritze nicht.“

Die Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe teilen sich in drei Gruppen:

  • Basismaßnahmen: Frühmobilisation, Bewegungsübungen, Anleitung zu Eigenübungen
  • physikalische Maßnahmen: zum Beispiel medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS) und die intermittierende pneumatische Kompression (IPK)
  • medikamentöse Maßnahmen

Basismaßnahmen sollten regelmäßig bei allen Menschen zur Anwendung kommen. Außerdem achtest du auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Nach der Risikogruppe gilt:

  • niedriges Risiko: Basismaßnahmen sollen regelmäßig angewendet werden.
  • mittleres und hohes Risiko: Zusätzlich zu den Basismaßnahmen soll eine medikamentöse Prophylaxe durchgeführt werden.
  • Kontraindikationen gegen die medikamentöse Prophylaxe bei mittlerem oder hohem Risiko: Dann sollen physikalische Maßnahmen zur Anwendung kommen, bevorzugt die IPK.

Physikalische Maßnahmen können ergänzend zu den Basismaßnahmen und/oder der medikamentösen Prophylaxe angewendet werden.

Kein Ersatz

Basismaßnahmen und physikalische Maßnahmen sollen eine angezeigte medikamentöse Prophylaxe nicht ersetzen.

Pratik kural

Basismaßnahmen bekommt jeder. Bei mittlerem und hohem Risiko kommt zusätzlich die medikamentöse Prophylaxe dazu. Physikalische Maßnahmen können ergänzen, ersetzen eine angezeigte medikamentöse Prophylaxe aber nicht.

Bakım bilgisi

Frühmobilisation

Frau M. steht am ersten Tag nach der Operation zwei Minuten vor dem Bett und legt sich wieder hin. „Das war doch Mobilisation, oder?“

Du informierst den Menschen über den Sinn der Mobilisation. Und du unterstützt ihn, damit er möglichst früh und möglichst oft aufsteht. Es reicht dabei nicht, vor dem Bett zu stehen. Erst wenn er umhergeht oder wenigstens auf der Stelle tritt, werden die Muskelpumpe und damit der venöse Rückfluss aktiviert.

Bewegungs- und Gehübungen senken die Rate der tiefen Venenthrombosen. In einer Auswertung von Studien wirkten vor allem:

  • die Mobilisation des ganzen Körpers
  • Bewegungsübungen abseits der Operations- oder Verletzungsstelle

Übungen, die sich nur auf das Operations- oder Verletzungsgebiet bezogen, zeigten keine sichere Wirkung.

Pratik kural

Mobilisieren heißt: so früh und so oft wie möglich aufstehen, und dann umhergehen oder auf der Stelle treten. Vor dem Bett stehen aktiviert die Muskelpumpe nicht.

Bakım bilgisi

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Herr D. trinkt kaum. „Dann muss ich nicht so oft auf die Toilette“, sagt er.

Zu den Basismaßnahmen gehört eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Ein hochgradiger Flüssigkeitsmangel oder Flüssigkeitsverlust kann die Gerinnungsneigung des Blutes erhöhen. Das gilt zum Beispiel bei anhaltendem Erbrechen und Diarrhö, großflächigen Verbrennungen oder unter Diuretika.

Du achtest darauf, dass der Mensch ausreichend trinkt, und sprichst dich mit ihm ab. Kontraindikationen beachtest du dabei.

  • Wird er allein parenteral ernährt, kannst du die Ein- und Ausfuhr leicht über die Infusionen kontrollieren.
  • Trinkt er selbstständig, ist die Bilanzierung viel schwieriger. Dann bist du darauf angewiesen, dass er mit dir zusammenarbeitet.

Er sollte wissen, warum er auf seine Flüssigkeitszufuhr achten soll. Mit diesem Wissen trinkt er auch, wenn niemand von euch da ist und ihn erinnert. Ist die Gedächtnisleistung beeinträchtigt, kann ein Zettel erinnern: „Ich muss etwas trinken!“

Pratik kural

Ausreichend trinken gehört zu den Basismaßnahmen. Ein hochgradiger Flüssigkeitsmangel kann die Gerinnungsneigung erhöhen. Der Mensch sollte wissen, warum er trinkt, damit er es auch ohne Erinnerung tut. Kontraindikationen beachtest du.

Bakım bilgisi

Hochlagern und Ausstreichen

Eine Kollegin legt Herrn D. zwei Kissen unter die Beine und streicht ihm die Waden aus. „Gegen Thrombose“, sagt sie.

Zwei Maßnahmen gehören nicht zu den Basismaßnahmen der Thromboseprophylaxe:

  • Beine hochlagern: Als Basismaßnahme zur Vermeidung einer Thrombose wird das nicht mehr empfohlen. Zur Steigerung des Wohlbefindens kann es angewendet werden. Kontraindiziert ist es bei arteriell bedingten Durchblutungsstörungen, denn es verstärkt die Minderdurchblutung der Extremitäten.
  • Beine ausstreichen: Das ist obsolet. Die Wirksamkeit ist nicht bestätigt. Und ein venöser Thrombus, den niemand bemerkt hat, kann sich dadurch lösen.

Atemübungen dagegen können die Thromboseprophylaxe unterstützen. Tiefes Einatmen erzeugt im Thorax einen Unterdruck und beschleunigt kurz den venösen Blutstrom. Viele thrombosegefährdete Menschen sind zugleich pneumoniegefährdet, zum Beispiel nach Operationen oder bei Immobilität.

Bei bestehender Thrombose

Hat ein Mensch eine tiefe Venenthrombose, verzichtest du komplett darauf, die Beine auszustreichen (Emboliegefahr). Das betroffene Bein legt er im Verlauf dagegen immer wieder hoch — als Teil der Behandlung, nicht als Prophylaxe.

Pratik kural

Beine ausstreichen ist obsolet, weil sich ein unbemerkter Thrombus lösen kann. Beine hochlagern ist keine Basismaßnahme gegen Thrombose mehr und bei arteriellen Durchblutungsstörungen kontraindiziert.

Bakım bilgisi

Bewegungsübungen

Herr D. muss nach einer Bauchoperation noch im Bett bleiben. Er fragt, was er selbst tun kann.

Bewegungsübungen machen die Muskel-Venen-Pumpe in den Beinen aktiv. So fördern sie den venösen Rückstrom zum Herzen. Der venöse Rückfluss kann um mindestens 50 % steigen, wenn der Mensch seine Wadenmuskelpumpe aktiviert. Ein bettlägeriger Mensch sollte mehrfach täglich selbst aktiv werden.

Häufig eingesetzte Geräte sind:

  • das Bettfahrrad
  • ein Fußstepper, auf dem der Mensch im Sitzen tritt
  • zwei Sekretbeutel am Bettende, mittelstark aufgeblasen und miteinander verbunden, gegen die er tritt

Eigenübungen macht der Mensch nach Anleitung selbst und regelmäßig. Sie gehen auch im Bett:

  • Füße kreisen und wippen, Füße beugen und strecken
  • Zehen auseinanderspreizen und einkrallen, mit den Fingern greifen, Schultern kreisen
  • Beine auf- und abstellen, im Kniegelenk beugen und strecken
  • die Oberschenkelmuskulatur anspannen („Kniescheibe hochziehen“)
  • die Fußsohlen gegen das Bettende drücken und dabei die Wadenmuskeln anspannen („Fußsohlendruck“)
  • En-bloc-Mobilisation: schmerzschonend aufsetzen und hinlegen

Leite ihn so an, dass er die Übungen möglichst motiviert, regelmäßig und selbstständig durchführt.

Pratik kural

Die Muskel-Venen-Pumpe wird durch Bewegungsübungen aktiv. Ein bettlägeriger Mensch sollte mehrfach täglich selbst aktiv werden, etwa mit Fußkreisen, Fußwippe und Fußsohlendruck. Du leitest ihn so an, dass er die Übungen selbstständig macht.

Bakım bilgisi

Passive Bewegungsübungen

Frau R. liegt nach einem Schlaganfall bewusstseinsgetrübt im Bett. Sie kann sich nicht selbst bewegen.

Kann sich ein Mensch nicht selbst aktiv bewegen, solltest du passive Bewegungsübungen durchführen. Das gilt zum Beispiel bei Bewusstlosigkeit, tiefer Sedierung oder bei Menschen, die körperlich oder kognitiv stark beeinträchtigt sind. Alle Gelenke kannst du bei jedem Positionswechsel und während der Körperpflege durchbewegen. Dazu kannst du zum Beispiel die Beine mehrmals nacheinander aufstellen. Die Arme kannst du seitlich oder über den Kopf bewegen.

Vorsicht, aber nicht weglassen

Bei Frakturen, Gelenkersatz oder einer Hemiplegie ist Vorsicht geboten, damit zum Beispiel das Schulter- oder Hüftgelenk nicht subluxiert (ausrenkt). Trotzdem bewegst du die entfernteren Gelenke passiv: Füße, Knie, Finger, Handgelenk, Ellenbogen. So beugst du zum Beispiel nach einer Hüft-TEP einer Thrombose in der distalen Wadenregion vor.

Spezifische passive Bewegungstherapie verordnet der Arzt, durchgeführt wird sie von Physiotherapeuten. Hier arbeitest du eng mit den Physiotherapeuten zusammen.

Pratik kural

Wer sich nicht selbst bewegen kann, bekommt passive Bewegungsübungen, zum Beispiel bei jedem Positionswechsel und bei der Körperpflege. Bei Fraktur, Gelenkersatz oder Hemiplegie bewegst du vorsichtig, die entfernteren Gelenke aber trotzdem.

Bakım bilgisi

Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe

Herr B. trägt seit der Operation weiße Strümpfe. Heute geht er schon über den Flur und fragt, ob er sie noch braucht.

Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS) gehören zu den physikalischen Maßnahmen. Es gibt sie als Oberschenkel- oder Wadenstrumpf, vorzugsweise werden wadenlange angewendet. Sie müssen individuell sachgerecht angepasst sein.

Ihr Anpressdruck ist auf liegende Menschen ausgerichtet, deren Mobilität eingeschränkt ist. Ihr Effekt zeigt sich ausschließlich im Liegen. Bei gehenden oder sitzenden Menschen ist ihr Druck zu gering. Wer mobil ist, braucht deshalb einen speziell angepassten medizinischen Kompressionsstrumpf (MKS).

Die Strümpfe müssen einwandfrei passen:

  • Vor dem Anlegen ermittelst du die geeignete Größe, immer an beiden Beinen.
  • Die Strümpfe dürfen nicht einschneiden, und du schlägst sie nicht um.
Ein schlecht sitzender Strumpf schadet

Verrutscht der Strumpf, besonders bei ungenauer Passform, kann er einschnüren. Eine Einschnürung behindert den venösen Rückfluss eher, und das Thromboserisiko nimmt dadurch wieder zu.

Pratik kural

MTPS wirken nur im Liegen. Wer mobil ist, braucht einen medizinischen Kompressionsstrumpf. MTPS müssen einwandfrei passen: Größe an beiden Beinen messen, nicht umschlagen, nicht einschneiden lassen.

Bakım bilgisi

MTPS anpassen und anziehen

Du sollst Frau M. am Morgen Thromboseprophylaxestrümpfe anpassen und anziehen.

Beim Anpassen und Anziehen gehst du so vor:

  1. Zeitpunkt

    Die Beine misst du morgens aus oder nachdem ein Kompressionsverband abgewickelt wurde. Dann sind sie weniger ödembelastet.

  2. Messen

    Der Fuß bildet einen 90°-Winkel zum Bein, die Wadenmuskulatur ist entspannt, das Maßband liegt eng an. Du solltest von unten nach oben messen: erst die Umfangsmaße, dann die Längenmaße.

  3. Entstauen

    Du ziehst die Strümpfe nur bei entstauten Venen an. Der Mensch sollte vorher etwa 15–20 Minuten gelegen haben.

  4. Anziehen

    Du drehst den Strumpf auf links, nur den Fußteil nicht. Dann ziehst du den Fußteil bis zur Ferse über den Fuß. Den restlichen Strumpf ziehst du hoch und streifst ihn glatt.

  5. Kontrollieren

    Danach prüfst du den Sitz: Stimmt die Länge? Gibt es Falten oder Einschnürungen? Sind die Zehen gut durchblutet?

Du beachtest die Herstellerangaben und verwendest nur das Maßband, das zum Produkt gehört. Der Beinumfang kann sich während einer Immobilitätsphase verändern. Dann misst du beide Beine ggf. neu aus. Bei sehr dicken Beinen oder bei Bein- bzw. Fußdeformitäten ist ein Kompressionsverband die Alternative zu gut sitzenden MTPS. Aus hygienischen Gründen wechselst du die Strümpfe etwa alle zwei Tage, zum Beispiel bei der Körperpflege.

Eigene Strümpfe

Besitzt ein Mensch im Krankenhaus bereits perfekt passende medizinische Kompressionsstrümpfe, benutzt er diese tagsüber besser weiter, statt auf MTPS umzusteigen. Abends kann er auf MTPS wechseln, und die eigenen Strümpfe können ausgewaschen werden. Du dokumentierst die eigenen Strümpfe, damit sie nicht aus Versehen in die Krankenhauswäsche kommen.

Pratik kural

MTPS misst du morgens an beiden Beinen, mit dem Fuß im 90°-Winkel, von unten nach oben. Du ziehst sie nur bei entstauten Venen an und prüfst danach den Sitz: keine Falten, keine Einschnürungen, gut durchblutete Zehen.

Bakım bilgisi

Strumpfarten

Frau S. zeigt dir ihre Stützstrumpfhose aus der Drogerie: „Die tut es doch auch, oder?“

Medizinische Kompressionsstrümpfe, medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe und Stützstrümpfe unterscheiden sich:

medizinischer Kompressionsstrumpf (MKS)
medizinischer Thromboseprophylaxestrumpf (MTPS)
für wen
Menschen mit Venen- und Lymphgefäßerkrankung, mobile Menschen
liegende Menschen in Krankenhaus und Pflegeeinrichtung
Druck
genau definierter Druck, 4 Kompressionsklassen
weniger Druck als ein MKS, Effekt nur im Liegen
Anpassung
individuell angepasst, Serien- oder Maßanfertigung, meist im Sanitätshaus
Seriengrößen, nur in Weiß, Schenkelstrümpfe mit Loch am Fußende zur Inspektion

Stützstrümpfe sind frei verkäuflich und nicht qualitätskontrolliert. Ihr Druck ist gering. Sie sind nur für Gefäßgesunde gedacht, etwa auf Interkontinentalflügen oder bei langem Sitzen und Stehen.

Bei mobilen Menschen wird zur Thromboseprophylaxe die medizinische Kompressionstherapie eingesetzt. Richtig wirkt sie erst, wenn die Muskelpumpen regelmäßig aktiv sind (Venensport). Regelmäßig müssen Gehübungen und Fußgymnastik erfolgen. Medizinische Kompressionsstrümpfe gibt es in vier Kompressionsklassen (KKL): I leicht, II mittel, III kräftig, IV sehr kräftig. Bevorzugt wird immer die niedrigste wirksame Klasse. Das unterstützt die Adhärenz.

Pratik kural

MTPS sind für Liegende, medizinische Kompressionsstrümpfe für Mobile und für Menschen mit Venen- oder Lymphgefäßerkrankung. Kompression wirkt nur mit Bewegung (Venensport). Stützstrümpfe sind nur für Gefäßgesunde.

Bakım bilgisi

Kompression: Warnzeichen und Kontraindikationen

Herr D. sagt eine Stunde nach dem Anziehen der Strümpfe: „Meine Zehen kribbeln, und sie sehen so weiß aus.“

Beim und nach dem Anlegen einer Kompression nimmt der Druck normalerweise von distal nach proximal ab. Zu hohe Anpressdrücke oder Strangulationen verursachen Schmerzen. Sie können Nekrosen, Gewebsschäden und Druckschäden an peripheren Nerven hervorrufen, besonders an Knochenvorsprüngen wie dem Fibulaköpfchen.

Sofort entfernen

Du musst das Kompressionsmaterial sofort entfernen, wenn eines davon auftritt: Die Zehen färben sich blau oder weiß. Der Mensch hat Taubheitsgefühle oder Missempfindungen. Die Schmerzen nehmen zu. Er ist kurzatmig oder hat Schweißausbrüche. Seine Beweglichkeit ist akut eingeschränkt.

Bei Venenerkrankungen sind Kontraindikationen für die Kompressionstherapie:

  • fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • dekompensierte Herzinsuffizienz (NYHA III + IV)
  • septische Phlebitis
  • Phlegmasia coerulea dolens, eine Ischämie bei tiefer Venenthrombose

Vorsichtig bist du bei ausgeprägten nässenden Dermatosen, bei Unverträglichkeit auf das Kompressionsmaterial, bei schweren Sensibilitätsstörungen der Extremitäten, bei fortgeschrittenen peripheren Neuropathien (zum Beispiel bei Diabetes mellitus) und bei primär chronischer Polyarthritis. Auch akute oder chronische Wunden können die Anwendung physikalischer Maßnahmen begrenzen. Bei empfindlicher Haut führt das Material mitunter zu Schuppung, Juckreiz und Entzündungszeichen. Eine angemessene Hautpflege ist dann notwendig.

Pratik kural

Kompression sofort entfernen bei: Zehen blau oder weiß, Taubheit, Missempfindungen, zunehmenden Schmerzen, Schweißausbrüchen, Kurzatmigkeit, akuter Bewegungseinschränkung. Fortgeschrittene pAVK und dekompensierte Herzinsuffizienz sind Kontraindikationen.

Bakım bilgisi

Intermittierende pneumatische Kompression

Herr B. blutet nach der Operation nach. Er darf keine Heparinspritze bekommen. Am Abend steht ein Gerät mit Beinmanschetten an seinem Bett.

Für die intermittierende pneumatische Kompression (IPK) werden Manschetten an Fuß oder Bein angelegt. Automatisch werden ihre Luftkammern aufgeblasen und wieder entleert. So imitiert die IPK bei Menschen, die immobil oder gelähmt sind, die Arbeit der Wadenmuskelpumpe, besonders bei Para- und Tetraplegie. Das A-V-Impulssystem arbeitet als Fußmanschette nach einem ähnlichen Prinzip.

Hat ein Mensch ein mittleres oder hohes Thromboserisiko und darf keine Medikamente zur Prophylaxe bekommen, sollen physikalische Maßnahmen angewendet werden, bevorzugt die IPK. Die IPK kann auch zusätzlich zur medikamentösen Prophylaxe zur Anwendung kommen.

Absolute Kontraindikationen der IPK sind:

  • dekompensierte Herzinsuffizienz
  • ausgedehnte Thrombophlebitis, Thrombose oder Thromboseverdacht
  • akutes Erysipel oder akute Phlegmone
  • Kompartmentsyndrom
  • schwere, nicht eingestellte Hypertonie
  • Traumen und Neuropathien

Beim A-V-Impulssystem könnte die Manipulation der Fußsohlenvenen zum Beispiel bei einem diabetischen Fußsyndrom schädlich sein. In Studien wurden unter der IPK Störungen des Schlafmusters, Hautverletzungen und das Risiko von Stürzen berichtet.

Pratik kural

Die IPK imitiert mit aufblasbaren Manschetten die Wadenmuskelpumpe. Sie wird bevorzugt, wenn ein Mensch mit mittlerem oder hohem Risiko keine Medikamente zur Prophylaxe bekommen darf. Bei Thromboseverdacht und dekompensierter Herzinsuffizienz darf sie nicht angewendet werden.

Bakım bilgisi

Tiefe Venenthrombose: Symptome

Beim Waschen fällt dir auf: Das linke Bein von Herrn D. ist dicker als das rechte. „Die Wade zieht“, sagt er.

Damit eine Thrombose früh erkannt wird, achtest du auf typische Zeichen:

  • meist eine einseitige Schwellung des betroffenen Beines (Differenz der Beinumfänge)
  • ziehende Schmerzen (sog. „Berstungsschmerz“), Schweregefühl, an Unter- oder Oberschenkel zunehmend druckempfindlich
  • Druckschmerz an Fußsohle (Frühsymptom), Wade, Kniekehle oder in der Leiste
  • verhärteter Venenstrang am Bein
  • Überwärmung, Rötung oder bläuliche (livide) Verfärbung; die Haut ist glänzend und spannt meist
  • Anstieg von Temperatur oder Puls

Diese typischen Symptome fehlen in etwa der Hälfte der Fälle. Die Thrombose heißt dann „klinisch stumm“.

Schwillt ein Bein einseitig an oder hat der Mensch Schmerzen, solltest du an eine Thrombose denken. Dann informierst du den Arzt. Ab dem ersten Verdacht sollte der Mensch Bettruhe einhalten. Gesichert wird der Verdacht durch die Sonografie. Die Beine streichst du nicht aus (Emboliegefahr).

Mobilisation nach Anordnung

Die Bettruhe kann aufgehoben werden, sobald ein Kompressionsverband angelegt und die Antikoagulation angesetzt ist. Entgegen alten Lehrmeinungen ist dann keine strikte Bettruhe mehr nötig. Das genaue Vorgehen solltest du mit dem Arzt absprechen. Die Mobilisation wird eventuell schriftlich angeordnet.

Pratik kural

Einseitige Schwellung, Schmerzen, glänzende, überwärmte oder livide Haut: an eine Thrombose denken, den Arzt informieren. Ab dem ersten Verdacht Bettruhe, nicht ausstreichen. Die Hälfte der Thrombosen ist klinisch stumm.

Bakım bilgisi

Antikoagulanzien

Frau M. bekommt seit sechs Tagen jeden Abend Heparin. Heute sind um die Einstichstelle am Bauch dunkle Hautstellen zu sehen.

Bei mittlerem und hohem Thromboserisiko soll zusätzlich zu den Basismaßnahmen eine medikamentöse Prophylaxe erfolgen. Dafür stehen Heparine zur Verfügung, also unfraktioniertes Heparin (UFH) und niedermolekulare Heparine (NMH). Weitere Mittel sind Vitamin-K-Antagonisten, Fondaparinux und orale Antikoagulanzien, die nicht von Vitamin K abhängen (NOAK). Zur Prophylaxe können NMH oder UFH in niedriger Dosierung gegeben werden („Low-Dose-Heparinisierung“). NMH werden in der Regel einmal täglich gegeben und haben ein geringeres Nebenwirkungsrisiko als UFH.

Vorher soll das Blutungsrisiko bedacht werden. Bei Auswahl und Anwendung der Medikamente sollen die Nieren- und Leberfunktion berücksichtigt werden. Bei der Gabe solltest du die Nieren- und Leberfunktion beobachten:

  • Urin- und Stuhlfarbe
  • Hautfarbe und die Farbe der Skleren

Weitere unerwünschte Wirkungen sind unter anderem Hämatome und Blutungen.

Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT)

Die schwerwiegendste unerwünschte Wirkung von Heparin ist die HIT. Typischerweise fällt die Thrombozytenzahl zwischen Tag 5 und 14 um mehr als 50 %. Eine HIT kann sich auch durch Hautnekrosen oder entzündliche Reaktionen an den Einstichstellen zeigen. Unter UFH ist sie etwa 10-mal häufiger als unter NMH. Bei hohem HIT-Risiko, zum Beispiel unter UFH, sollen bis zum 14. Tag 2- bis 3-mal pro Woche die Thrombozyten kontrolliert werden.

Pratik kural

Bei mittlerem und hohem Risiko kommen Antikoagulanzien dazu, meist niedermolekulare Heparine. Du beobachtest Urin- und Stuhlfarbe, Haut und Skleren. Hautnekrosen an der Einstichstelle können ein Zeichen einer HIT sein.

Bakım bilgisi

Informieren und beraten

Herr D. wird morgen nach Hause entlassen. Er hatte eine Thrombose und fährt in zwei Wochen mit dem Bus zu seiner Tochter.

Ausführlich über die Thromboseprophylaxe aufzuklären ist Aufgabe des Arztes. Zu allen Maßnahmen der Thromboseprophylaxe informierst und berätst du den Menschen. Studien zeigen: Die Maßnahmen werden häufig nicht korrekt durchgeführt. Günstig ist es, die Informationen auch schriftlich weiterzugeben, zum Beispiel als Informationsblatt. Darauf sollten die Risikofaktoren stehen, außerdem Hinweise zur Kompressionstherapie und einfache gymnastische Übungen. Bei einer Heparintherapie wird der Mensch ggf. zur s. c.-Injektion angeleitet.

Hatte der Mensch eine Thrombose, beugst du mit ihm einem Rezidiv vor:

  • Bewegung: kreisende Fußbewegungen bei langem Sitzen, Spaziergänge. Fällt das in Gemeinschaft leichter, kannst du zum Beispiel auf Gruppen der Krankenkassen für Nordic Walking verweisen.
  • Risikofaktoren: Frauen solltest du auf die thrombosefördernde Wirkung von östrogenbetonten Kontrazeptiva („Pille“) und Nikotin hinweisen.
  • Reisen: Wurde die Antikoagulation abgesetzt, kann der Hausarzt vor langen Bus- oder Flugreisen für kurze Zeit mit Heparin antikoagulieren.
  • Notfallprophylaxe: Der Mensch sollte die typischen Symptome kennen: Schwellung, Rötung, Schmerz, Überwärmung. Bemerkt er sie, muss er sofort zum Hausarzt gehen.
Pratik kural

Du informierst und berätst zu allen Maßnahmen, am besten auch schriftlich. Nach einer Thrombose gehören dazu Bewegung, Risikofaktoren wie Pille und Nikotin und die Zeichen einer neuen Thrombose, bei denen er sofort zum Hausarzt geht.

Bakım bilgisi

Wirksamkeitskontrolle

Am Ende der Schicht schaust du noch einmal nach Herrn B.: Hat die Thromboseprophylaxe heute funktioniert?

Die Thromboseprophylaxe ist erfolgreich, wenn:

  • es keine Stauungszeichen gibt, der venöse Rückfluss also auch im Liegen gewährleistet ist
  • der Mensch die Kompressionsverbände oder -strümpfe toleriert
  • Bindenverbände und Kompressionsstrümpfe so angelegt sind, dass sie nicht stauen und nicht einschnüren
  • der Mensch zur Mitwirkung motiviert ist

Risikofaktoren können sich während Pflege und Behandlung verändern. Dann schätzt du das Thromboserisiko ggf. erneut ein.

Pratik kural

Die Prophylaxe ist erfolgreich, wenn es keine Stauungszeichen gibt, die Kompression vertragen wird und ohne Einschnürung sitzt und der Mensch motiviert mitwirkt.

Bakım bilgisi

Lungenembolie erkennen

Frau M. sitzt plötzlich aufrecht im Bett, atmet schnell und sagt: „Ich krieg so schlecht Luft, und es sticht in der Brust.“

Das erste Zeichen einer Lungenembolie ist oft die plötzliche Atemnot. Weitere Zeichen sind:

  • Luftnot und Kurzatmigkeit
  • Tachykardie (beschleunigter Puls), beschleunigte Atmung
  • atemabhängige Schmerzen im Brustkorb
  • Husten bzw. Hustenreiz, blutiges Sputum
  • Angst, Beklemmung und Schweißausbrüche
  • Blutdruckabfall; bei ausgeprägter Embolie bis zur Bewusstlosigkeit

Nimmst du diese Symptome wahr, verständigst du sofort den Arzt.

Bei alten Menschen leise

Lungenembolien verlaufen bei älteren Menschen oft symptomarm. Sogar die Atemnot kann fehlen. Manchmal besteht nur eine leicht erhöhte Atemfrequenz mit leichter Tachykardie. Auch Synkopen, Schwindel und unklares Sehen können auf eine Lungenembolie hinweisen. Im Alter treten die Risikofaktoren gehäuft auf. Deshalb musst du bei geriatrischen Patienten immer auch eine Lungenembolie in Betracht ziehen.

Pratik kural

Plötzliche Atemnot, schneller Puls, atemabhängiger Brustschmerz, Husten, blutiges Sputum, Angst: Verdacht auf Lungenembolie, sofort den Arzt verständigen. Bei alten Menschen kann sie fast ohne Symptome verlaufen.

Bakım bilgisi

Inselorgan der Bauchspeicheldrüse

Eine Mitschülerin fragt: „Wo wird das Insulin eigentlich gemacht?“
Bauchspeicheldrüse von vorn: Der Kopf liegt im Bogen des Duodenums, der Körper zieht über die großen Gefäße nach links, der Schwanz berührt die Milz. Eine Lupe am Schwanz zeigt eine Langerhans-Insel zwischen Läppchen aus Drüsengewebe. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.1234567
  1. 1 Pankreaskopf, im Bogen des Duodenums
  2. 2 Pankreaskörper
  3. 3 Pankreasschwanz, an der Milz
  4. 4 Duodenum
  5. 5 Milz
  6. 6 Langerhans-Insel
  7. 7 Drüsengewebe für den Verdauungssaft

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt im Oberbauch. Ihr Körper verläuft hinter dem Magen. Sie bildet Verdauungssaft und Hormone. In ihrem Gewebe liegen verstreut Gruppen hormonbildender Zellen, die Langerhans-Inseln. Alle Langerhans-Inseln zusammen heißen Inselorgan. Im Pankreasschwanz liegen besonders viele davon. Ihre Hormone gelangen von den Inseln direkt ins Blut.

Für den Blutzucker sind zwei Zelltypen wichtig:

  • β-Zellen (Beta-Zellen) bilden Insulin. Sie machen 70 % aller Inselzellen aus.
  • α-Zellen (Alpha-Zellen) bilden Glukagon. Sie machen etwa 20 % der Inselzellen aus.

Mit Insulin gelangt der Zucker aus dem Blut in die Zellen. So sinkt der Blutzuckerspiegel. Sein Gegenspieler ist Glukagon.

Basal und prandial

Die gesunde Bauchspeicheldrüse gibt ständig geringe Mengen Insulin ab (basale Sekretion). Mehr Insulin schüttet sie nach einer Mahlzeit aus, damit der Blutzucker wieder auf den Normalwert sinkt (prandiale Sekretion).

Pratik kural

Die β-Zellen der Langerhans-Inseln bilden Insulin. Insulin senkt den Blutzucker, indem es Zucker aus dem Blut in die Zellen bringt. Glukagon aus den α-Zellen ist sein Gegenspieler.

Bakım bilgisi

Blutzucker messen

Herr K. hält dir schon den Zeigefinger hin, mitten auf die Kuppe: „Da, wie immer.“

Den Blutzucker kontrollierst du mit einem Blutzuckermessgerät. So gehst du vor:

  1. Hände und Haut

    Der Mensch wäscht und trocknet seine Hände gründlich. Du desinfizierst deine Hände und die Einstichstelle. Die Einwirkzeit wartest du unbedingt ab.

  2. Gerät

    Du setzt eine neue Lanzette in die Stechhilfe und führst den Teststreifen ins Gerät ein. Du prüfst, ob der Code stimmt. Die meisten Geräte codieren automatisch. Dann ziehst du Handschuhe an.

  3. Einstechen

    Du stellst eine möglichst geringe Einstichtiefe ein. Die Stechhilfe setzt du seitlich an der Fingerbeere auf und drückst den Auslöser. Seitlich schmerzt es weniger als an der Fingerkuppe.

  4. Blutstropfen

    Du drückst den Finger sanft und hältst den Tropfen an den Teststreifen. Er wird automatisch eingesogen.

  5. Abschluss

    Das restliche Blut entfernst du mit einem keimarmen Tupfer. Die Lanzette entsorgst du sicher, zum Beispiel im Kanülenabwurf. Den Wert dokumentierst du in der Patientenakte und evtl. im Blutzuckertagebuch.

Statt an der Fingerbeere kannst du das Blut auch am Ohrläppchen gewinnen. Erscheint dir ein Wert unsicher, wiederholst du die Messung.

Auch kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) gibt es. Ihr kleiner Sensor sitzt 7–14 Tage im Unterhautfettgewebe am Oberarm oder Bauch. Mit einem Auslesegerät oder dem Smartphone lassen sich Glukose und Trend jederzeit ablesen.

Pratik kural

Der Mensch wäscht seine Hände, du desinfizierst deine Hände und die Einstichstelle und wartest die Einwirkzeit ab. Dann seitlich an der Fingerbeere stechen, sanft drücken, Lanzette sicher entsorgen, Wert dokumentieren.

Bakım bilgisi

Blutzuckerbestimmung

Auf dem Laborzettel steht „Nüchternglukose 7,4 mmol/l“. Auf der Station rechnet ihr in mg/dl.

Angegeben wird der Blutzucker in mmol/l (Millimol pro Liter) oder in mg/dl (Milligramm pro Deziliter). 1 mmol/l entspricht 18 mg/dl.

Für die Diagnose sollte venöses Blut im Labor untersucht werden. Der Mensch ist dabei nüchtern. Trinken darf er Wasser und ungesüßte Getränke.

Nüchternglukose:

  • kein Diabetes: unter 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l
  • erhöhtes Risiko für Diabetes: 100–125 mg/dl bzw. 5,6–6,9 mmol/l
  • Diabetes: ab 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l

Eine Gelegenheitsglukose wird zu einem beliebigen Zeitpunkt gemessen. Ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) spricht sie für einen Diabetes.

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Der Mensch trinkt nüchtern eine Lösung mit 75 g Glukose. In den nächsten 2 Stunden darf er sich nicht körperlich anstrengen. Danach wird der Blutzucker erneut bestimmt. Ein 2-Stunden-Wert ab 200 mg/dl spricht für einen Typ-2-Diabetes.

Pratik kural

1 mmol/l sind 18 mg/dl. Nüchtern unter 100 mg/dl ist kein Diabetes. Nüchtern ab 126 mg/dl oder zu einem beliebigen Zeitpunkt ab 200 mg/dl spricht für einen Diabetes.

Bakım bilgisi

Die verschiedenen Insuline

Im Kühlschrank liegen zwei Pens von Frau L., einer mit gelbem Strich, einer mit grünem. Der grüne ist trüb.

Insulin ist ein Eiweißhormon. Im Magen-Darm-Trakt würde es zerstört. Deshalb wird es gespritzt, hauptsächlich subkutan. Dosiert wird in Internationalen Einheiten (IE).

Es gibt drei Insulinarten:

  • Kurzwirksame Insuline (Bolusinsuline): meist zu den Mahlzeiten und um hohe Werte zu korrigieren. Normalinsulin ist gelb markiert. Subkutan gespritzt, wirkt es nach ca. 20–30 Minuten. Diese Zeit bis zum Essen heißt Spritz-Ess-Abstand. Als einziges Insulin kann es auch intravenös gegeben werden. Kurzwirksame Insulinanaloga wirken direkt nach der Injektion und kürzer. Ein Spritz-Ess-Abstand ist nicht nötig.
  • Langwirksame Insuline (Basalinsuline, Verzögerungsinsuline): decken den Grundbedarf. NPH-Insulin ist grün markiert und trüb. Langwirksame Insulinanaloga sind klar und müssen nicht gemischt werden.
  • Mischinsuline: kurz- und langwirksames Insulin gemischt, meist 30 % zu 70 %. Sie sind trüb.

Trübes Insulin (NPH- und Mischinsulin) schwenkst du vor jeder Injektion 20-mal, nicht schütteln. Sonst ist die Wirkung unberechenbar.

Keine Insulinpause bei Typ 1

Bei absolutem Insulinmangel muss rund um die Uhr Insulin wirken. Bei einer Insulinpause droht eine gefährliche Ketoazidose. Auch wenn der Mensch im Krankenhaus nüchtern bleiben muss, wird das langwirksame Basalinsulin immer gespritzt.

Pratik kural

Kurzwirksam (Bolus) meist für Mahlzeiten und Korrektur, Normalinsulin gelb mit Spritz-Ess-Abstand. Langwirksam (Basal) für den Grundbedarf, NPH grün und trüb. Trübes Insulin 20-mal schwenken. Bei Typ 1 nie das Basalinsulin pausieren.

Bakım bilgisi

Insulin injizieren

Frau L. hat sich seit Jahren in dieselbe Stelle am Bauch gespritzt. Dort tastest du eine weiche Verdickung.

Insulin spritzt du mit einem Insulin-Pen oder einer Insulinspritze. Pens enthalten meist U100-Insulin (100 IE/ml). Es gibt auch U200 und U300. Stechampullen für Spritzen gibt es als U40 und U100.

Lagerung: Den Vorrat lagerst du im Kühlschrank bei ca. 2–8 °C. Gefrieren darf Insulin nicht. Mit Namen beschriftet, kann ein Pen in Gebrauch bei Zimmertemperatur liegen, zum Beispiel auf dem Nachtschrank. Er hält dann 4 Wochen. Sinnvoll ist es, auf dem Pen das Anbruchsdatum zu vermerken.

Einstichstellen:

  • Bauch, Oberschenkel oder Gesäß, also Orte mit viel Fettgewebe
  • sinnvoll: in den Bauch das kurzwirksame Insulin, weil es dort schnell aufgenommen wird; in den Oberschenkel das langwirksame, weil es dort langsam aufgenommen wird
  • in den Oberarm sollte nicht gespritzt werden, dort sind hauptsächlich Muskeln
  • in Verhärtungen, Wunden oder Blutergüsse sollte niemals gespritzt werden
  • Einstichstellen regelmäßig wechseln. Sonst können sich Fettgeschwüre (Lipohypertrophien) bilden. Sie behindern die Insulinaufnahme, die Wirkung wird unberechenbar.

Mit dem Pen:

  1. Vorbereiten

    Du beachtest die 10-R-Regel. Du desinfizierst deine Hände und die Einstichstelle und ziehst Handschuhe an. Du prüfst, ob der Pen noch genug Insulin enthält. Trübes Insulin schwenkst du 20-mal.

  2. Kanüle

    Du nimmst die Schutzkappe ab und schraubst eine Kanüle auf. Als Pflegefachperson solltest du Sicherheitskanülen verwenden. So sinkt das Risiko einer Stichverletzung.

  3. Entlüften

    Du stellst 2–4 IE am Drehrad ein. Den Pen hältst du mit der Kanüle nach oben und drückst den Dosierknopf. Dabei sollte Insulin aus der Kanüle austreten.

  4. Dosis

    Du stellst die verordnete Menge Insulin am Drehknopf ein.

  5. Spritzen

    Bei schlanken Menschen bildest du eine Hautfalte. Bei normal- und eher übergewichtigen Menschen ist das nicht nötig. Du stichst senkrecht ein. Mit dem Daumen drückst du den Dosierknopf bis zum Anschlag. Dann wartest du ca. 10 Sekunden, damit kein Insulin aus dem Stichkanal fließt.

  6. Abschluss

    Die Kanüle entsorgst du im Abwurfbehälter. Du dokumentierst die Injektion, die Art des Insulins und die Zahl der Einheiten. Nach Mahlzeiteninsulin muss der Mensch essen: bei Normalinsulin nach 20–30 Minuten, bei kurzwirksamen Insulinanaloga direkt danach.

U40 und U100

Spritzt du mit einer Spritze, nimmst du unbedingt die Spritze, die zur Konzentration passt. U100-Insulin ist im Vergleich zu U40-Insulin 2,5-mal so konzentriert. Bei gleicher Menge ziehst du sonst eine viel höhere Dosis auf und löst eine Hypoglykämie aus.

Pratik kural

Bauch für kurzwirksames, Oberschenkel für langwirksames Insulin, Einstichstellen wechseln, in Verhärtungen, Wunden oder Blutergüsse sollte nie gespritzt werden. Pen: entlüften mit 2–4 IE, Dosis einstellen, senkrecht spritzen, 10 Sekunden warten, dokumentieren.

Bakım bilgisi

Fußpflege

Herr W. hat kalte Füße und fragt nach einer Wärmflasche. Seine Hausschuhe sind eine Nummer zu klein.

Mit sorgfältiger Fußpflege beugst du Fußschäden vor:

  • Waschen: einmal täglich warm abwaschen, mit körperwarmem Wasser. Danach gut abtrocknen, vor allem die Zehenzwischenräume. Häufig verstecken sich gerade dort Pilzinfektionen und Wunden.
  • Kontrollieren: täglich, vor allem Zehen und Ferse. Du achtest auf Blasen, Rötungen, Druckstellen, Hornhaut und Verletzungen. Mit einem Spiegel kann der Mensch seine Fußsohlen selbst ansehen. Dazu leitest du ihn bei Bedarf an.
  • Eincremen: Empfohlen werden bei trockener und schuppender Haut Cremes mit 5–10 % Harnstoff oder Pflegeschaum. Die Zehenzwischenräume cremst du nicht ein.
  • Hornhaut und Nägel: Unter starker Hornhaut (Hyperkeratose) können Druckgeschwüre liegen. Hornhaut entfernt der Podologe fachgerecht. Auch die Fußnagelpflege sollte er durchführen. Hornhauthobel, Hornhautpflaster und spitze Scheren sind tabu. Geeignet sind Bimsstein und Nagelfeile.
  • Schuhe und Socken: Socken sollten nicht einschnüren, und die Schuhe sollten groß genug sein. Menschen mit Neuropathie kaufen Schuhe oft zu klein. Vor dem Anziehen prüfst du sie auf Fremdkörper und Unebenheiten.
Keine Wärmflasche

Bei kalten Füßen verwendest du niemals Wärmflaschen und Wärmedecken. Wegen der Gefühlsstörung droht eine unbemerkte Verbrennung. Besser sind warme Socken.

Pratik kural

Füße täglich warm waschen, Zehenzwischenräume gut trocknen, täglich auf Druckstellen und Wunden kontrollieren. Hornhaut entfernt der Podologe, auch die Nagelpflege sollte er übernehmen. Keine Wärmflasche: Verbrennungsgefahr.

Bakım bilgisi

Diabetisches Fußsyndrom

Beim Waschen siehst du an Herrn W.s Fußballen ein rundes Geschwür unter dicker Hornhaut. Er sagt: „Das tut gar nicht weh.“

Das diabetische Fußsyndrom entsteht durch Durchblutungsstörungen bei pAVK und/oder durch die diabetische Neuropathie. So läuft es ab:

  • Eine kleine Verletzung schmerzt wegen der Neuropathie nicht und wird nicht bemerkt.
  • Sie infiziert sich.
  • Ist die Durchblutung zusätzlich gestört, heilt die Wunde verzögert.
  • Geschwüre bilden sich und greifen Gewebe und Knochen an.
neuropathischer Fuß
ischämischer Fuß
Haut
trocken und warm
blass und kühl
Fußpulse
tastbar
nicht tastbar
Sensibilität
gestört
intakt, nur bei gleichzeitiger Neuropathie reduziert
typisch
Hyperkeratosen; Ulzera an Fußballen oder Ferse, die nicht schmerzen (Mal perforans)
schmerzende Nekrosen an Ferse und Zehen

Kombinierte Formen sind nicht selten. Wunden, die schon bestehen, sollten vermessen, fotografiert und dokumentiert werden. Die Wundbehandlung übernimmt ein Wundmanager, inklusive Wundabstrich. Bei Wunden am Fuß muss der Druck entlastet werden. Anpassen sollte einen Entlastungsschuh der Orthopädieschuhmacher.

Amputationen

Bei Menschen mit Diabetes erfolgen etwa zwei Drittel aller Amputationen. Wesentlich ist die Prophylaxe durch einen sorgsamen Umgang mit den Füßen.

Pratik kural

Beim diabetischen Fußsyndrom bemerkt der Mensch eine kleine Verletzung wegen der Neuropathie nicht. Sie infiziert sich und heilt bei Durchblutungsstörung schlecht. Der neuropathische Fuß ist warm und trocken, der ischämische blass und kühl.

Bakım bilgisi

Haut, Mund und Zähne

Frau P. kratzt sich an den Unterschenkeln. Die Haut ist trocken und schuppig. Im Bad steht eine reine Fettcreme.

Für Infektionen sind Menschen mit Diabetes gefährdeter als andere. Ihre Haut ist oft trocken, durch die autonome Neuropathie und eine fehlende Schweißsekretion. So entstehen leicht Hautrisse. Durch sie können Infektionserreger eindringen.

Haut:

  • nur milde, pH-neutrale Seifen
  • keine langen heißen Bäder, sie trocknen die Haut zu sehr aus
  • Hautfalten sorgfältig abtrocknen, gegen Pilz- und bakterielle Infektionen
  • harnstoffhaltige Cremes (Urea); reine Fettcremes führen zu einer Überwärmung der Haut
  • Bei trockener Haut kann gute Hautpflege gegen Juckreiz helfen.

Mund und Zähne:

  • sehr gute Mund- und Zahnpflege, weil die Gefahr von Karies größer ist
  • Das Risiko für Parodontitis mit Zahnverlust ist 3-fach erhöht.
  • Auf Pilzerkrankungen und Soor im Mund sollte geachtet werden.
  • Regelmäßig zum Zahnarzt; er muss über den Diabetes Bescheid wissen.
Infektionsprophylaxe

Wegen des geschwächten Immunsystems sind Maßnahmen gegen Infektionen besonders wichtig: Pneumonie-, Zystitis-, Soor- und Parotitisprophylaxe. Auch der Pneumonieprophylaxe dient eine gute Mundpflege.

Pratik kural

Haut: pH-neutrale Seife, keine langen heißen Bäder, Hautfalten gut trocknen, Urea-Creme statt reiner Fettcreme. Mund: sehr gute Zahnpflege, auf Soor achten, regelmäßig zum Zahnarzt.

Bakım bilgisi

Insulintherapien

Auf der Station liegen drei Menschen mit Insulin. Einer spritzt zweimal am Tag, einer vor jeder Mahlzeit, einer trägt eine kleine Pumpe am Gürtel.

Welche Insulintherapie ein Mensch bekommt, hängt vom Diabetestyp ab. Es zählen auch sein körperlicher und geistiger Zustand, seine Bedürfnisse, Begleiterkrankungen und Lebensgewohnheiten.

  • Basalunterstützte orale Therapie (BOT): Zusätzlich zu den oralen Antidiabetika wird 1–2-mal täglich ein Basalinsulin gespritzt. Angezeigt ist sie vor allem bei Typ-2-Diabetes, wenn der Nüchternblutzucker erhöht ist. Für die Insulintherapie gilt sie als langsamer Einstieg.
  • Supplementäre Insulintherapie (SIT): Zu den Mahlzeiten spritzt der Mensch zusätzlich zu den oralen Antidiabetika ein kurzwirksames Insulin. Sie passt, wenn der Blutzucker nach dem Essen deutlich erhöht ist.
  • Konventionelle Therapie (CT): 2-mal täglich ein Mischinsulin, vor dem Frühstück und vor dem Abendessen. Die Dosis ist festgelegt. Die Uhrzeiten der Mahlzeiten mit Kohlenhydraten stehen fest. Zwischenmahlzeiten um 10 und 22 Uhr sind nötig. Besonders eignet sie sich für ältere Menschen mit geregeltem Tagesablauf.
  • Intensivierte konventionelle Therapie (ICT): Ein Basalinsulin deckt den Grundbedarf. Ein kurzwirksames Bolusinsulin kommt vor jeder Mahlzeit dazu. Davor misst der Mensch den Blutzucker und berechnet die Kohlenhydrate. Sie ahmt den natürlichen Insulinspiegel am besten nach. So werden fast alle mit Typ-1-Diabetes behandelt.
  • Insulinpumpentherapie: Eine Pumpe gibt über einen Katheter mit Nadel im Unterhautfettgewebe kontinuierlich ein kurzwirksames Insulinanalogon ab. Über eine Bolustaste kann vor den Mahlzeiten zusätzlich Insulin gegeben werden. Nadel und Katheter werden alle 2–3 Tage gewechselt. Die meisten Pumpenträger haben einen Typ-1-Diabetes.
Mehr messen bei ICT

Weitere Blutzuckerkontrollen schützen vor Unterzuckerungen. Nötig sind sie bei Infekten, bei Verdacht auf Unterzucker, bei gesteigerter körperlicher Aktivität und vor der Nachtruhe.

Pratik kural

BOT: Tabletten plus Basalinsulin. SIT: Tabletten plus Mahlzeiteninsulin. CT: 2-mal Mischinsulin, feste Mahlzeiten. ICT: Basalinsulin plus Bolus zu jeder Mahlzeit nach Messung. Pumpe: kontinuierlich kurzwirksames Insulin plus Bolustaste.

Bakım bilgisi

Hypoglykämie

Frau L. hat das Mittagessen kaum angerührt. Um 14 Uhr ist ihre Stirn nass, ihre Hände zittern, und sie ist ungewohnt gereizt.

Eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) liegt vor, wenn der Blutzuckerspiegel unter 50 mg/dl sinkt, das sind 2,8 mmol/l. Schon unter 70 mg/dl, also 3,9 mmol/l, können aber Symptome entstehen und Glukose nötig machen.

Häufige Auslöser sind Dosierungsfehler oder Nachlässigkeiten in der Therapie:

  • eine Mahlzeit ausgelassen
  • die Kohlenhydratmenge falsch berechnet
  • mehr Sport getrieben, ohne die Dosis anzupassen
  • Alkohol: Er behindert in der Leber, dass Glukose bereitgestellt und neu gebildet wird.

Oft entstehen die Zeichen innerhalb weniger Minuten:

  • Frühzeichen: Der Körper versucht zuerst, den Blutzucker gegenzuregulieren, unter anderem mit Adrenalin. Das Adrenalin löst Zittern, starkes Schwitzen und Tachykardie (Herzrasen) aus.
  • Neurologische Zeichen: Sinkt der Blutzucker weiter, fehlt dem Gehirn Glukose. Es kann zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, Seh- und Sprachstörungen, Angst und Unruhe, sogar zu Lähmungen kommen.
  • Schwere Hypoglykämie: Sie kann zu einem Krampfanfall führen und zur Bewusstlosigkeit bis zum Koma. Sehr schnell können dabei Gehirnzellen untergehen.
Wahrnehmungsstörung

Nach häufigen Hypoglykämien oder einem langjährigen Diabetes merken manche Menschen die Unterzuckerung erst bei den Spätsymptomen. Unter Sulfonylharnstoffen ist eine Hypoglykämie besonders gefährlich, weil sie bis zu 72 Stunden andauern kann.

Pratik kural

Hypoglykämie heißt Blutzucker unter 50 mg/dl, Symptome schon unter 70 mg/dl möglich. Frühzeichen sind Schwitzen, Herzrasen und Zittern. Fällt der Blutzucker weiter, folgen neurologische Zeichen. Eine schwere Hypoglykämie kann bis zur Bewusstlosigkeit führen.

Bakım bilgisi

Therapie bei Hypoglykämie

Frau L. schwitzt und zittert. Sie kann dir noch antworten. Das Messgerät liegt im Dienstzimmer.

Eine Hypoglykämie ist potenziell lebensbedrohlich. Ist die Bewusstseinslage unklar, solltest du vor allem bei bekanntem Diabetes immer eine Blutzuckerentgleisung in Betracht ziehen.

Der Mensch ist klar und ansprechbar: Es gilt erst essen, dann messen. Du solltest sofort schnell resorbierbare Kohlenhydrate geben, zum Beispiel:

  • Traubenzucker, 2–4 Plättchen
  • Limonade ohne Süßstoff
  • Apfelsaft oder andere glukosehaltige Getränke, z. B. 100–200 ml

Die Symptome verschwinden dann meist schnell. Danach kannst du in Ruhe den Blutzucker messen.

Der Mensch ist bewusstlos: Du solltest Atmung und Puls kontrollieren und einen Arzt rufen. Er spritzt hochprozentige Glukoselösung intravenös. Danach wird der Blutzucker gemessen.

Der Gegenspieler des Insulins heißt Glukagon. Bei einer Hypoglykämie kann es als Notfallspritze subkutan oder als Nasenspray gegeben werden. Danach sollte der Mensch kohlenhydratreich essen, und der Blutzucker sollte noch einmal gemessen werden. Jede Hypoglykämie dokumentierst du in der Patientenakte.

Nie Insulin bei unklarem Koma

Bei Bewusstlosigkeit unbekannter Ursache misst du immer den Blutzucker. Bei unklarem Koma gehst du von einer Hypoglykämie aus: nie Insulin, immer Glukose. Liegt doch eine Hyperglykämie vor, schaden 10 g Zucker nicht mehr. Bei einer Hypoglykämie kann Insulin dagegen tödlich sein.

Pratik kural

Ansprechbar: erst essen, dann messen, also sofort Traubenzucker oder Limonade ohne Süßstoff. Bewusstlos: Atmung und Puls kontrollieren, Arzt rufen. Bei unklarem Koma nie Insulin, immer Glukose.

Bakım bilgisi

Nächtliche Hypoglykämie

Nachtdienst, 2:30 Uhr. Herr K. schläft. Sein Kissen ist nass geschwitzt, er ist blass und kaltschweißig.

Unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen kann es nachts zu Hypoglykämien kommen, meist zwischen 2 und 3 Uhr. Betroffen sein können auch Menschen, die tagsüber unauffällig sind.

Hinweise auf eine nächtliche Hypoglykämie:

  • unruhiger Schlaf, Angstträume
  • starkes Schwitzen im Schlaf, verändertes Atemgeräusch
  • morgendliche Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit
  • auffällig niedrige Blutzuckerwerte am Morgen
  • aber auch ein erhöhter Morgenwert kann ein Hinweis auf eine nächtliche Hypoglykämie sein, wenn der Körper in der Nacht gegenreguliert hat (Somogyi-Phänomen, auch Somogyi-Effekt).

Menschen mit langjährigem Diabetes schlafen dabei häufig weiter. Dann fällt dir nur das vermehrte Schwitzen auf. Findest du einen Menschen nachts blass und kaltschweißig, weckst du ihn und kontrollierst den Blutzucker. Bei niedrigen Werten gibst du Kohlenhydrate: Schnell wirken Traubenzucker oder Apfelsaft, länger vor hält Brot. Ist er nicht weckbar, benachrichtigst du sofort den Arzt. Danach bestimmst du den Blutzucker und bereitest ggf. eine Glukoseinfusion vor.

Schlafmittel

Möglichst keine Schlafmittel geben: Die Zeichen einer nächtlichen Stoffwechselentgleisung können durch sie verschleiert werden.

Pratik kural

Nachts blass, kaltschweißig, unruhig: wecken und Blutzucker messen. Nicht weckbar: sofort Arzt. Auch hinter einem hohen Morgenwert kann eine nächtliche Hypoglykämie stecken.

Bakım bilgisi

Hyperglykämie

Herr W. hat seit drei Tagen eine Bronchitis. Heute ist er schläfrig, hat großen Durst und war ständig auf der Toilette.

Bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes kann der Stoffwechsel entgleisen. Der Blutzucker steigt dann akut zu hoch an. Auslöser sind zum Beispiel:

  • eine nicht richtig angepasste Insulindosis oder andere Therapiefehler
  • Infekte, Stress oder akute Erkrankungen können den Blutzucker ebenfalls erhöhen.

Zuerst sind die Zeichen meist unspezifisch. Der Mensch fühlt sich schwach und abgeschlagen. Häufig klagt er über Durst und häufiges Wasserlassen. Durch den Flüssigkeitsverlust kann es zu Bewusstseinsstörungen kommen. Im schlimmsten Fall folgt das lebensbedrohliche diabetische Koma (Coma diabeticum). Man unterscheidet zwei Formen:

ketoazidotisches Koma
hyperosmolares Koma
vor allem bei
Typ-1-Diabetes
Typ-2-Diabetes
Blutzucker
über 250 mg/dl (13,9 mmol/l)
über 600 mg/dl (33,5 mmol/l)
Entwicklung
über Stunden bis Tage
über Tage bis Wochen
was passiert
Fette und Proteine werden abgebaut, Ketonkörper entstehen, das Blut wird sauer (Ketoazidose)
keine Ketonkörper; die Osmolarität des Blutes steigt
Zeichen
Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen; vertiefte Kußmaul-Atmung; Atem riecht häufig nach Azeton (obstartig)
Dehydratation, Haut warm und trocken; bei Exsikkose kann ein Blutdruckabfall mit Schocksymptomatik folgen

Eine Ketoazidose kommt bei Kindern und Jugendlichen mit neu aufgetretenem Typ-1-Diabetes nicht selten vor. Als Komplikation kann sich ein Hirnödem bilden. Die Ketoazidose ist bei ihnen die häufigste Todesursache.

Notfall

Das diabetische Koma ist eine Notfallsituation. Der Mensch muss umgehend auf die Intensivstation. Dort wird er behandelt und engmaschig überwacht.

Pratik kural

Durst, häufiges Wasserlassen und Schwäche bei Infekt oder Therapiefehler: an eine Hyperglykämie denken. Kußmaul-Atmung und Azetongeruch sprechen für ein ketoazidotisches Koma, Exsikkose für ein hyperosmolares Koma. Beides ist ein Notfall.

Bakım bilgisi

Krank oder nüchtern

Frau L. hat ihr Insulin gespritzt und gefrühstückt. Eine halbe Stunde später erbricht sie.

Krankheit und Nüchternheit bringen die Therapie durcheinander:

  • Erbrechen: Gefährlich ist es nach einer Insulingabe. Die Dosis passt dann nicht mehr zur Kohlenhydratmenge, es droht eine Hypoglykämie. Ist die Übelkeit überwunden, sollte der Mensch versuchen, Kohlenhydrate über gesüßten Tee aufzunehmen. Engmaschig sollte der Blutzucker kontrolliert werden. Im Krankenhaus kann auch Glukose intravenös gegeben werden.
  • Fieber und Infekte: Vor allem bei Typ-1-Diabetes kann der Stoffwechsel rasch entgleisen. Du kontrollierst die Körpertemperatur regelmäßig und misst bei Fieber häufiger den Blutzucker. In Belastungssituationen wie Fieber und Stress braucht der Körper mehr Insulin.
  • Nüchtern vor Operation oder Untersuchung: Bei Typ 1 wird das Basalinsulin immer weiter gespritzt. Unter konventioneller Therapie wird das Morgeninsulin pausiert, zum Abendessen geht die Therapie weiter. Metformin wird bei Operationen und Kontrastmittel pausiert, Sulfonylharnstoffe bei Nüchternheit.
  • Magenentleerungsstörung: Bei einer Neuropathie im Magen kann das Mahlzeiteninsulin wirken, während das Essen noch im Magen liegt. Es droht eine Hypoglykämie. Bei einer Operation gelten diese Menschen als nicht nüchtern, die Aspirationsgefahr ist hoch.
Azeton im Urin

Findet sich Azeton im Urin, weist das als Alarmsignal immer auf eine Stoffwechselentgleisung hin. Behebt der Mensch sie nicht rasch mit Insulin und reichlich Trinken, muss er zum Arzt.

Pratik kural

Erbrechen nach Insulin: Hypoglykämiegefahr, Kohlenhydrate wieder aufnehmen, engmaschig messen. Fieber: häufiger messen. Nüchtern bei Typ 1: Basalinsulin trotzdem spritzen.

Bakım bilgisi

Antidiabetika

Herr K. soll morgen eine Untersuchung mit Kontrastmittel bekommen. Auf seinem Medikamentenplan steht Metformin.

Beim Typ-2-Diabetes werden verschiedene Antidiabetika eingesetzt. Für dich zählt: Wann wird gegeben, wie hoch ist die Hypoglykämiegefahr, worauf achtest du?

  • Metformin: oral, nach dem Essen. Keine Hypoglykämiegefahr. Übelkeit, Blähungen und Magenbeschwerden sind typische Nebenwirkungen. Sehr selten, aber schwer ist die Laktatazidose. Deshalb werden die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert. Bei Operationen und Untersuchungen mit Kontrastmittel wird es pausiert, in der Regel vom Tag davor bis zum Tag danach. Bei schweren Operationen wird auch länger pausiert, ebenso bei akuten schweren Erkrankungen, zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder Schock.
  • Sulfonylharnstoffe (z. B. Glibenclamid, Glimepirid): oral, vor dem Essen. Die Hypoglykämiegefahr ist sehr hoch und hält lange an. Besonders gefährlich ist sie nachts. Du achtest auf regelmäßige Kohlenhydrataufnahme. Bei Neueinstellung misst du den Blutzucker auch nachts gegen 2 Uhr. Muss der Mensch nüchtern sein, wird pausiert.
  • Gliflozine (SGLT2-Hemmer): Glukose wird über den Urin ausgeschieden. Die Hypoglykämiegefahr ist sehr gering. Es drohen Blasen- und Genitalinfektionen und eine Ketoazidose, auch bei guten Blutzuckerwerten.
  • Inkretinmimetika (z. B. Semaglutid, Liraglutid): Sie werden subkutan gespritzt, manche nur 1-mal wöchentlich. Keine Hypoglykämiegefahr. Typisch sind Übelkeit und Magenbeschwerden. Sie unterstützen eine Gewichtsreduktion.
  • Gliptine (DPP-4-Hemmer): oral, nach dem Essen. Keine Hypoglykämiegefahr. Typisch sind Kopfschmerzen und Schwindel.
Traubenzucker dabei

Wer mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen behandelt wird, sollte immer Traubenzucker bei sich haben. Zeigen sich erste Anzeichen einer Hypoglykämie, kann er ihn nehmen.

Pratik kural

Metformin: keine Hypoglykämie, Pause bei OP und Kontrastmittel. Sulfonylharnstoffe: sehr hohe, lang anhaltende Hypoglykämiegefahr, besonders nachts. Gliflozine: Blasen- und Genitalinfektionen, Ketoazidose.

Bakım bilgisi

Beobachten

Frau P. kommt seit Jahren zum Pflegedienst. Heute sagt sie: „Ich hab zu nichts mehr Lust, nicht mal zum Spazierengehen.“

Im Krankenhaus und besonders im ambulanten Setting solltest du achtsam für Folgeerkrankungen sein. Wichtig sind vor allem:

  • Blutdruck: Ist der Blutdruck gut eingestellt, verbessert das die Blutzuckereinstellung. Das Risiko für Folgeerkrankungen sinkt dadurch deutlich. Gemessen und dokumentiert werden sollte an beiden Armen.
  • Körpergewicht: Kontrolliert und dokumentiert werden sollte es wöchentlich. Lagert der Körper durch eine Herz- oder Niereninsuffizienz Wasser ein, sollte täglich gewogen werden.
  • Haut: An den Füßen achtest du auf kleinste Veränderungen. Veränderungen an den eigenen Füßen bemerken gerade ältere Menschen nicht.
  • Sehstörungen: Starke Blutzuckerschwankungen können sie auslösen. Sehstörungen können auch ein Zeichen einer Hypoglykämie sein. Die Retinopathie zeigt Symptome erst spät. Deshalb sollte der Mensch mindestens jährlich zum Augenarzt gehen.
  • Depression: Unter depressiven Verstimmungen leiden viele Menschen mit Diabetes. Die Folge sind oft Bewegungsmangel und eine vernachlässigte Therapie. Das verschlechtert die Blutzuckereinstellung.
  • Infekte: Das Immunsystem ist bei Diabetes geschwächt. Am häufigsten sind Haut und Harnwege betroffen.
Nicht zu rasch senken

Ein schlecht eingestellter Blutzucker sollte nicht zu rapide gesenkt werden. Starke Schwankungen können am Auge Sehstörungen auslösen.

Pratik kural

Bei Diabetes solltest du auf Zeichen von Folgeerkrankungen achten. Du beobachtest Blutdruck, Gewicht, Haut an den Füßen, Sehen, Stimmung und Zeichen von Infekten.

Bakım bilgisi

Ursachen und Formen

Im Zimmer liegen zwei Menschen mit Diabetes, Lukas (17) und Herr W. (68). Beide messen ihren Blutzucker.

Die zwei häufigsten Typen unterscheiden sich darin, wie der Insulinmangel entsteht:

Typ-1-Diabetes
Typ-2-Diabetes
Ursache
Autoantikörper zerstören die β-Zellen des Pankreas
Gegen Insulin werden die Insulinrezeptoren der Körperzellen zunehmend resistent (Insulinresistenz)
Insulinmangel
absolut
relativ
Beginn
hauptsächlich im Kinder- und Jugendalter; im mittleren Erwachsenenalter heißt er LADA
meist im mittleren oder höheren Alter
Anteil
ca. 5–10 % der Menschen mit Diabetes
95 % der Menschen mit Diabetes

Sehr starke Risikofaktoren für den Typ-2-Diabetes sind neben Erbanlage und Alter: Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung. Inzwischen sind immer mehr jüngere Menschen betroffen, sogar Kinder und Jugendliche.

Pratik kural

Typ 1: Autoantikörper zerstören die β-Zellen, es besteht ein absoluter Insulinmangel. Typ 2: Die Zellen werden resistent gegen Insulin, es besteht ein relativer Insulinmangel. Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel sind dafür sehr starke Risikofaktoren.

Bakım bilgisi

Symptome

Lena, 15, war nachts dreimal auf der Toilette, trinkt literweise Wasser und hat in drei Wochen fünf Kilo abgenommen.

Typ-1-Diabetes: Das Krankheitsbild entwickelt sich oft rasch. Klassische Zeichen des Insulinmangels sind:

  • Polyurie: häufiges Wasserlassen
  • Polydipsie: gesteigertes Durstgefühl

Es können Zeichen eines Flüssigkeitsmangels und ein Gewichtsverlust bestehen. Unspezifisch sind Zeichen wie Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen.

Typ-2-Diabetes: Der Körper hat sich langsam an die erhöhten Werte gewöhnt. Lange Zeit zeigt er nur unspezifische Zeichen wie Müdigkeit und allgemeine Leistungsminderung. Hinzu kommen oft Harnwegsinfekte, Juckreiz und Pilzinfektionen der Haut. Durst und Polyurie kommen erst später dazu. Nicht selten fällt er zufällig bei einer Routineuntersuchung des Blutes auf.

Metabolisches Syndrom

Der Typ-2-Diabetes tritt häufig im Rahmen des metabolischen Syndroms auf. Zusätzlich zum Diabetes bestehen dabei Adipositas, eine arterielle Hypertonie und eine Fettstoffwechselstörung.

Pratik kural

Typ 1 beginnt oft rasch mit Polyurie und Polydipsie, auch ein Gewichtsverlust kann bestehen. Typ 2 zeigt lange nur unspezifische Zeichen wie Müdigkeit und Leistungsminderung.

Bakım bilgisi

HbA1c

Frau P. sagt: „Mein Zucker heute früh war super. Warum will der Arzt dann noch einen Langzeitwert?“

HbA1c ist Hämoglobin, an dem ein Molekül Glukose hängt. Bei hohen Blutzuckerwerten geschieht das verstärkt. Der Wert zeigt den mittleren Blutzucker der letzten 8–12 Wochen. Deshalb heißt er auch Langzeitblutzucker oder Blutzuckergedächtnis. Für die Blutabnahme muss der Mensch nicht nüchtern sein.

  • Bei Gesunden liegt er unter 5,7 %.
  • Ab 6,5 % spricht der Wert für einen Typ-2-Diabetes.
  • Gemessen wird er sinnvollerweise alle 3 Monate.
Das Ziel ist persönlich

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wird das HbA1c-Ziel individuell vereinbart. Der Zielkorridor reicht von 6,5 % bis 8,5 %. Wo das Ziel liegt, hängt zum Beispiel von Lebenserwartung, Begleiterkrankungen, dem Risiko einer Hypoglykämie und den funktionellen und kognitiven Fähigkeiten des Menschen ab.

Pratik kural

Das HbA1c zeigt den mittleren Blutzucker der letzten 8–12 Wochen. Ab 6,5 % spricht er für einen Typ-2-Diabetes. Das Ziel wird individuell vereinbart.

Bakım bilgisi

Therapie

Herr K. sagt: „Ich nehme doch jetzt Tabletten. Dann kann ich ja essen wie vorher.“

Typ 1 und Typ 2 entstehen unterschiedlich und werden deshalb unterschiedlich behandelt. Bei beiden Formen ist das Ziel aber gleich: eine normale Blutzuckerkonzentration.

Die Diabetestherapie ruht auf drei Säulen:

  • Ernährungsumstellung und Bewegung
  • Schulung und Selbstkontrolle
  • medikamentöse Therapie

Typ-1-Diabetes: Weil körpereigenes Insulin völlig fehlt, ist eine Insulintherapie lebenslang absolut notwendig. Rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, muss Insulin zur Verfügung stehen.

Typ-2-Diabetes: Eine Lebensstiländerung kann das Risiko für Folgeerkrankungen vermindern: viel Bewegung, gesunde Ernährung, Gewichtsabnahme, Nichtrauchen und eine gute Blutzuckereinstellung. Die medikamentöse Therapie beginnt in der Regel mit Metformin. Ob die Therapie wirkt, zeigt der HbA1c. Ist er zu hoch, wird die Behandlung individuell angepasst. Kombiniert wird dann mit Insulin oder mit weiteren Antidiabetika.

Alte Menschen

Im Vordergrund soll bei alten und pflegebedürftigen Menschen die Lebensqualität stehen. Stürze, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Demenz werden durch eine Unterzuckerung begünstigt.

Pratik kural

Drei Säulen: Ernährung und Bewegung, Schulung und Selbstkontrolle, Medikamente. Typ 1 braucht lebenslang Insulin. Bei Typ 2 kommt zur Lebensstiländerung meist zuerst Metformin.

Bakım bilgisi

Ernährung

Die Tochter von Herrn W. bringt Diabetiker-Schokolade und Light-Kekse mit: „Damit er auch mal was Süßes hat.“

Früher gab es sehr strenge Ernährungsregeln. Weil sie die Stoffwechsellage nicht verbessert haben, wurden einige davon gelockert. Heute wird eine gesunde Mischkost empfohlen, mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.

  • Lebensmittel „für Diabetiker geeignet“ wurden verboten. Ihre Fruktose wirkte sich negativ auf die Erkrankung aus.
  • Nicht geeignet sind „Diät“- und „Light“-Produkte. Zum Teil haben sie mehr Kalorien.
  • Zuckerhaltige Getränke wie Limonade, Cola und Fruchtsäfte sollten stark reduziert werden. Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee können unbedenklich getrunken werden.
  • Alkohol sollte nur in Maßen getrunken werden: Eine größere Menge blockiert die Glukoseneubildung in der Leber, es droht eine Unterzuckerung.

Die Ernährungsberatung macht in der Regel ein Diabetesberater oder Diätassistent. Er erstellt mit dem Menschen einen individuellen Kostplan. Gewohnheiten und bevorzugte Nahrungsmittel sollten in der Pflegeanamnese erfragt werden, damit sie im Plan berücksichtigt werden. Das gilt vor allem bei Kindern: Mit Anpassungen kommen sie besser zurecht als mit Verboten. Es sollte immer darauf geachtet werden, dass der Mensch satt ist. Vor allem ältere Menschen sollten ausreichend essen, sonst kann ein Muskelabbau (Sarkopenie) entstehen.

Fasten im Ramadan

Kranke Menschen sind von der Pflicht zum Fasten im Ramadan ausgenommen. Möchte ein muslimischer Mensch dennoch fasten, braucht es eine Absprache mit Arzt und Pflegenden. Eine ausgelassene Mahlzeit kann unter Diabetestherapie eine Hypoglykämie auslösen.

Pratik kural

Gesunde Mischkost mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn. Keine Diabetiker-, Diät- oder Light-Produkte, wenig zuckerhaltige Getränke, Alkohol nur in Maßen. Gewohnheiten erfragen, darauf achten, dass der Mensch satt ist.

Bakım bilgisi

Bewegung

Herr K. traut sich nicht in die Sportgruppe: „Was, wenn ich unterzuckere?“

Ebenso wichtig wie gesunde Ernährung ist regelmäßige Bewegung. Der Muskel verbraucht bei jeder Bewegung Glukose. Der Blutzucker sinkt, und die Zellen werden empfindlicher für Insulin. Auch Übergewicht und Bluthochdruck bessern sich durch körperliche Aktivität.

Typ-2-Diabetes: Bewegung, vor allem Ausdauertraining, verbessert die Insulinresistenz und die Stoffwechsellage. Nicht selten haben sie Angst vor Unterzuckerung, in aller Regel ungerechtfertigt. Treibt der Mensch gemeinsam mit anderen Sport, kann seine Motivation deutlich steigen, zum Beispiel in Sportgruppen. Beginnen sollte er vorsichtig, aber regelmäßig, das ist wichtig.

Die Hypoglykämiegefahr bei großer körperlicher Anstrengung sollte bekannt sein. Beim Sport braucht der Körper weniger Insulin.

Typ-1-Diabetes: Diese Menschen sind hypoglykämie- und ketoazidosegefährdet und treffen deshalb Vorsichtsmaßnahmen:

  • Nur durch häufige Blutzuckerkontrollen vor, während und nach dem Sport findet der Mensch heraus, wie sein Blutzucker reagiert. Sport wirkt bis zu 48 Stunden nach.
  • Er sollte immer genug Traubenzucker oder süße Getränke dabeihaben.
  • Über die Erkrankung sollten Begleitpersonen Bescheid wissen.
Kein Sport bei Ketonen

Bei Typ-1-Diabetes gilt: Liegt der Blutzucker über 250 mg/dl, also 13,9 mmol/l, und sind Ketone im Urin positiv, darf kein Sport getrieben werden. Zuerst muss die Stoffwechsellage korrigiert werden.

Pratik kural

Bewegung senkt den Blutzucker und macht die Zellen empfindlicher für Insulin. Typ 1 beim Sport: vorher, währenddessen und danach messen, Traubenzucker dabei. Über 250 mg/dl mit Ketonen im Urin: kein Sport.

Bakım bilgisi

Folgeerkrankungen

Herr W. hat seit 20 Jahren Diabetes. In seiner Akte stehen: Herzinfarkt, Dialyse-Shunt geplant, Laserbehandlung beider Augen.

Je länger und je ausgeprägter der Blutzucker erhöht ist, umso eher treten Folgeerkrankungen auf. Geschädigt werden durch einen chronisch erhöhten Blutzucker vor allem die Nerven sowie die kleinen und großen Arterien:

  • Diabetische Makroangiopathie: Arteriosklerose der großen und mittleren Blutgefäße. Folgen sind koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).
  • Diabetische Retinopathie: Schäden an der Netzhaut, eine häufige Ursache für Erblindung.
  • Diabetische Nephropathie: Schäden an den Nieren. Für Niereninsuffizienz und Nierenversagen sind sie eine häufige Ursache.
  • Diabetische Neuropathie: meist als Polyneuropathie.

Retinopathie und Nephropathie entstehen durch Schäden an den kleinen Blutgefäßen, vor allem an den Kapillaren (Mikroangiopathie).

Bei der Neuropathie zeigen sich Schäden an sensorischen und motorischen Nerven vor allem an den Füßen. Zuerst zeigen sich Taubheitsgefühle, Kribbeln, Kältegefühle und Schmerzen. Später können Lähmungserscheinungen hinzukommen. Auch Fußdeformitäten sind möglich, z. B. Krallenzehen oder ein Charcotfuß (schmerzlose Brüche des Mittelfußes). Schäden an autonomen Nerven stören Organe, z. B. Störungen der Magen- und Blasenentleerung, Blutdruckabfall im Stehen, erhöhte Herzfrequenz in Ruhe, Erektionsprobleme.

Stummer Herzinfarkt

Die koronare Herzkrankheit verläuft bei Menschen mit Diabetes häufig ohne warnende Schmerzen. Bei Übelkeit oder Druckgefühl im Magen solltest du an einen stummen Herzinfarkt denken.

Pratik kural

Ein chronisch erhöhter Blutzucker schädigt große Gefäße (KHK, Schlaganfall, pAVK), kleine Gefäße (Retinopathie, Nephropathie) und Nerven (Polyneuropathie). Je länger und ausgeprägter, desto eher.

Bakım bilgisi

Diabetes mellitus

Herr K. sagt bei der Aufnahme: „Ich hab ein bisschen Zucker, aber nichts Schlimmes.“

Beim Diabetes mellitus ist der Glukosestoffwechsel gestört. Die Erkrankung verläuft chronisch. Der Blutzucker ist zu hoch, weil Insulin fehlt:

  • Beim absoluten Insulinmangel bildet der Körper kein Insulin mehr.
  • Beim relativen Insulinmangel wirkt das Insulin nicht mehr richtig.

Im Volksmund heißt der Diabetes mellitus „Zuckerkrankheit“. Der Fachausdruck kommt aus dem Griechisch-Lateinischen und bedeutet „honigsüßer Durchfluss“. Gemeint ist der hohe Zuckergehalt im Urin.

Folgeerkrankungen

Der Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung. Ein chronisch erhöhter Blutzucker kann bei beiden Diabetes-Typen zu zahlreichen Folgeerkrankungen führen.

Pratik kural

Diabetes mellitus heißt: Der Glukosestoffwechsel ist chronisch gestört. Weil absoluter oder relativer Insulinmangel besteht, ist der Blutzucker zu hoch.

Bakım bilgisi

Weitere Formen

Frau N. ist in der 26. Woche schwanger. Ihr Zuckertest war auffällig. Sie fragt: „Habe ich jetzt für immer Diabetes?“

Neben Typ 1 und Typ 2 gibt es weitere Formen:

  • Gestationsdiabetes: In der Schwangerschaft kann der Blutzucker durch Hormonumstellungen steigen. Die Gefahr, dass das Kind geschädigt wird, ist deutlich erhöht. Jede Schwangere soll nach den deutschen Mutterschaftsrichtlinien darauf getestet werden. Der Stoffwechsel normalisiert sich mit der Geburt wieder. Später ist aber das Risiko für einen Typ-2-Diabetes erhöht.
  • Andere Ursachen: zum Beispiel Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Medikamente (Kortison), ein Morbus Cushing oder eine vererbte Fehlfunktion der β-Zellen (MODY).
Nach der Geburt

6–12 Wochen nach der Geburt bekommt die Mutter erneut einen Glukosetoleranztest. Wegen des erhöhten Risikos für einen späteren Typ-2-Diabetes soll sie ihren Lebensstil dauerhaft umstellen.

Pratik kural

Mit der Geburt normalisiert sich ein Gestationsdiabetes wieder, das spätere Risiko für einen Typ-2-Diabetes ist aber erhöht. Auch Medikamente wie Kortison können einen Diabetes auslösen.

Bakım bilgisi

Kohlenhydrate

Lukas, 17, wiegt sein Brot. „Zwei Scheiben sind 4 BE, mein Faktor morgens ist 2.“

Kohlenhydrate lassen den Blutzucker unterschiedlich schnell steigen:

  • Langsam resorbierbar: Vollkornprodukte bestehen aus komplex aufgebauten Zuckern. Der Blutzucker steigt langsam. Den Großteil der Nahrung sollten sie ausmachen.
  • Schnell resorbierbar: Aus einfachen Zuckern bestehen Süßigkeiten, Kekse oder Eis. Der Blutzucker steigt schnell. In Maßen sollten sie gegessen werden.

Haushaltszucker ist in geringen Mengen erlaubt. Mit Fett oder Eiweiß zusammen gegessen, gelangt die Glukose langsamer ins Blut. Der glykämische Index (GLYX) zeigt, wie schnell ein Lebensmittel den Blutzucker steigen lässt. Glukose hat den Wert 100. Ein niedriger GLYX bedeutet: Der Blutzucker steigt langsamer.

Kohlenhydrate werden in BE (Berechnungs- oder Broteinheiten) oder KE (Kohlenhydrateinheiten) gezählt. 1 BE enthält ca. 12 g Kohlenhydrate, 1 KE ca. 10 g. Wie genau ein Mensch rechnen muss, hängt von seiner Therapie ab:

  • orale Antidiabetika: keine BE berechnen, aber die Wirkung der verschiedenen Kohlenhydrate sollte bekannt sein und berücksichtigt werden
  • konventionelle Insulintherapie: nach dem Spritzen ausreichend Kohlenhydrate essen, die BE berechnen
  • intensivierte Insulintherapie: Die Insulindosis richtet sich nach der Kohlenhydratmenge und dem aktuellen Blutzucker.
BE-Faktor

Der BE-Faktor gibt an, wie viel Insulin für 1 BE nötig ist. Er ist bei jedem Menschen anders und schwankt über den Tag. Beispiel: 2 BE mal BE-Faktor 2 ergibt 4 IE Insulin. Vor dem Spritzen wird außerdem der aktuelle Blutzucker gemessen.

Pratik kural

Vollkorn lässt den Blutzucker langsam steigen, Süßigkeiten schnell. 1 BE sind ca. 12 g, 1 KE ca. 10 g Kohlenhydrate. Unter Insulin müssen Insulindosis und Kohlenhydratmenge übereinstimmen.

Bakım bilgisi

Schulung

Herr K. hat die Diagnose gestern bekommen. Er sitzt still auf dem Bett und hält den neuen Pen in der Hand.

Wird ein Diabetes neu festgestellt, ist die Hauptaufgabe der Pflege begleiten, anleiten und beraten. Die Diagnose ist oft ein Schock. Du nimmst dir Zeit für Gespräche und vermittelst Kontakt zu Informationsstellen, Selbsthilfegruppen oder spezialisierten Fachpraxen und -kliniken. Wer schon lange Diabetes hat, ist oft gut geschult. Dann unterstützt du nur dort, wo er gerade eingeschränkt ist.

Strukturierte Schulungsprogramme finden meist in Kleingruppen statt, durch Diabetesberater oder Diabetesassistenten. Wichtig ist, Bezugspersonen mitzuschulen. Mögliche Schwerpunkte sind:

  • Angst reduzieren, zum Beispiel vor Injektionsnadeln oder vor Entgleisungen
  • Medikamente: selbst den Blutzucker messen und Insulin nach Plan spritzen
  • Zusammenhang einschätzen: Wie wirken Ernährung und Bewegung auf den Blutzucker?
  • Entgleisungen vorbeugen, früh erkennen und richtig reagieren
  • Blutzuckertagebuch führen: Gemessener Blutzucker und gespritztes Insulin sollten dokumentiert werden. So lässt sich die Insulintherapie besser beurteilen.

Auch bei Menschen, die schon lange spritzen („alte Hasen“), ist es sinnvoll, hin und wieder die Insulininjektion auf Fehler zu prüfen.

Den Pen hält der Mensch selbst

Pflegefachpersonen vermitteln alle nötigen Informationen zum korrekten Umgang mit dem Pen, zum Beispiel zum Patronenwechsel, und zur Durchführung der Injektion.

Pratik kural

Neu erkrankt: begleiten, anleiten, beraten, Zeit für Gespräche. Schulung mit Bezugspersonen: Angst nehmen, messen und spritzen, Ernährung und Bewegung, Entgleisungen, Tagebuch. Auch bei erfahrenen Menschen das Spritzen hin und wieder prüfen.

Bakım bilgisi

Prävention

Auf dem Schulhof trinkt Ben, 11, jeden Tag eine große Flasche Cola.

Vorbeugen kann jeder einem Diabetes grundsätzlich mit gesunder Ernährung: viel Gemüse und Obst, weniger Fleisch, weniger Fertiggerichte und Fast Food. Wer ein hohes Diabetesrisiko hat, sollte speziell geschult werden. Mit Ernährung, langsamer Gewichtsreduktion und strukturierten Bewegungsprogrammen lässt sich der Ausbruch ggf. verzögern oder sogar vermeiden.

Mit dem FINDRISK-Test lässt sich das Diabetesrisiko ermitteln. Er fragt nach Alter, Übergewicht, Bluthochdruck und erblicher Belastung.

Der Typ-2-Diabetes tritt immer häufiger schon bei jüngeren Menschen auf. Auch die frühe Prävention im Kindergarten und in der Schule ist deshalb sehr wichtig. Eltern gefährdeter Kinder kannst du diese Informationen geben:

  • Vorsicht bei sog. Kinderlebensmitteln: Sie haben durch viel Zucker und/oder Fett häufig mehr Kalorien.
  • Vorsicht bei zuckerhaltigen Getränken: Täglich 500 ml Cola zusätzlich zur normalen Nahrung ergeben 1 kg Gewichtszunahme im Monat. Eistee, Energydrinks und Fruchtsäfte haben ähnlich viele Kalorien.
  • Bewegung fördern: Viele Kinder bewegen sich zu wenig. Überernährung und Bewegungsmangel führen zu Übergewicht mit erhöhtem Diabetesrisiko.
Pratik kural

Vorbeugen mit gesunder Ernährung und Bewegung. Bei hohem Risiko: Schulung, langsame Gewichtsreduktion, strukturierte Bewegungsprogramme. Bei Kindern: Vorsicht bei Kinderlebensmitteln und zuckerhaltigen Getränken.

Bakım bilgisi

Entlassung und Alltag

Herr K. wird übermorgen entlassen. Zu Hause wartet niemand, und er hat noch nie allein gespritzt.

Vor der Entlassung muss die Weiterbehandlung gesichert sein. Geregelt sein muss:

  • Der Mensch kennt die Risiken des Diabetes und weiß, wie seine Medikamente wirken.
  • Seine Therapie kann er allein durchführen, zum Beispiel Insulin spritzen und Blutzucker messen. Kann er das nicht, übernehmen Angehörige oder ein Pflegedienst.
  • Medikamente und Hilfsmittel sind zu Hause.
  • Ein Termin beim Hausarzt steht.
  • Für Familie und Bezugspersonen sind weiterführende Betreuungsangebote geplant.
  • Er hat eine Telefonnummer für Fragen.
  • Die Versorgung von Wunden ist sichergestellt.

Menschen mit Typ-2-Diabetes können sich bei der Krankenkasse kostenlos für ein Disease-Management-Programm (DMP) einschreiben. Alle 3 Monate werden HbA1c, Blutdruck und Gewicht kontrolliert. In festen Abständen werden Herz, Nieren, Augen und Füße untersucht.

Unterwegs: Einen Notfallausweis sollte der Mensch immer dabeihaben. Auf Reisen sollte er genug Insulin und Medikamente mitnehmen. Im Flugzeug sollte Insulin wegen der Frostgefahr ins Handgepäck. Bei Insulin und Sulfonylharnstoffen sollte er immer Traubenzucker dabeihaben.

Diabetes und Beruf

Menschen mit Diabetes haben keine Einschränkungen bei der Jobausübung. Bei Tätigkeiten mit Eigen- oder Fremdgefährdung, zum Beispiel als Busfahrer oder Dachdecker, braucht es eine stabile Stoffwechsellage. Der Mensch muss Entgleisungen früh erkennen und darauf reagieren können.

Pratik kural

Vor der Entlassung: Wissen über Medikamente und Risiken, selbst messen und spritzen oder Hilfe organisiert, Hilfsmittel zu Hause, Hausarzttermin, Betreuungsangebote für die Familie, Telefonnummer, Wundversorgung. Einen Notfallausweis sollte der Mensch immer dabeihaben.

Bakım bilgisi

Kinder und Jugendliche

Lena, 15, hat seit einer Woche Typ-1-Diabetes. Ihr kleiner Bruder fragt: „Und wer kümmert sich jetzt um mich?“

Bekommt ein Kind die Diagnose, werden die Eltern von Beginn an in Pflege und Therapie einbezogen. Sie sind in einer emotionalen Ausnahmesituation. Je nach Alter übernimmt das Kind selbst mehr Verantwortung:

  • Kindergarten und Vorschule: Das Verständnis für die Krankheit fehlt noch. Einfache Fragen mit eigener Entscheidung fördern die Mitarbeit, zum Beispiel: Welcher Finger wird für die Messung genommen?
  • Grundschule: Nach altersgerechter Anleitung können Kinder Blutzucker messen und Insulin spritzen. Langzeitfolgen sind noch nicht greifbar, deshalb helfen kurzfristige Ziele.
  • Jugendliche: Ihre Therapie können Jugendliche eigenverantwortlich managen. Vernachlässigung und Schummeln kommen vor und sind normal. Immer wieder sollte ihnen vor Augen geführt werden, wie wichtig eine kontinuierliche Therapie ist.

Mitgeschult werden auch Erzieher, Lehrer oder Trainer. Auch diese Menschen müssen Entgleisungen erkennen und wissen, was zu tun ist.

Geschwister

Die veränderte Familiensituation erleben Geschwister oft als Gefahr. Im Mittelpunkt steht das erkrankte Kind. Das kann Wut, Angst und Verunsicherung auslösen. Es besteht die Gefahr des „Schattenkindes“.

Pratik kural

Eltern von Anfang an einbeziehen. Kleine Kinder entscheiden mit, Grundschulkinder können nach Anleitung selbst messen und spritzen, Jugendliche managen eigenverantwortlich. Geschwister nicht vergessen.

Bakım bilgisi

Schmerzleitung

Lina fasst an die heiße Pfanne und zuckt zurück. Eine Sekunde später sagt sie: „Au, das brennt.“
Schema der Schmerzleitung: Ein Nozizeptor, eine freie Nervenendigung in der Haut, nimmt den Reiz auf. Die afferente Faser mit ihrem Zellkörper im Spinalganglion leitet ihn zum Hinterhorn des Rückenmarks. Über den Vorderseitenstrang steigt er zum Thalamus auf und gelangt von dort zur Hirnrinde. Absteigende Bahnen hemmen die Übertragung im Rückenmark. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.12345678
  1. 1 Nozizeptor (freie Nervenendigung)
  2. 2 afferente Nervenfaser
  3. 3 Spinalganglion
  4. 4 Hinterhorn
  5. 5 Vorderseitenstrang
  6. 6 Thalamus
  7. 7 Hirnrinde
  8. 8 absteigende hemmende Bahnen

Vom Gewebe bis ins Gehirn durchläuft ein Schmerzreiz mehrere Stationen:

  • Nozizeptor: Freie Nervenendigungen nehmen den Reiz auf. Auslöser sind zum Beispiel chemische Reize, starker mechanischer Druck oder große Hitze. Ihre Reizschwelle ist vergleichsweise hoch. Sonst würden schon kleine Berührungen der Haut wehtun.
  • Afferente Nervenfaser: Sie bringt den Reiz zum Rückenmark. Die Zellkörper dieser Fasern liegen in den Spinalganglien.
  • Hinterhorn: Im Hinterhorn des Rückenmarks wird vom 1. auf das 2. Neuron umgeschaltet.
  • Vorderseitenstrang: In diesem Strang des Rückenmarks steigt der Reiz auf und erreicht zuerst den Thalamus.
  • Hirnrinde: Vom Thalamus gelangt der Reiz an verschiedene Bereiche der Hirnrinde. Die bewusste Schmerzempfindung entsteht erst hier.
Schmerzhemmsystem

Schon auf dem Weg zum Gehirn wird der Reiz abgeschwächt. Absteigende Nervenbahnen sind ständig aktiv und hemmen die Übertragung auf das 2. Neuron. Dafür schütten sie unter anderem körpereigene Opioide aus. Unter Stress und extremen Belastungen werden diese Bahnen bei gesunden Menschen verstärkt. Bei chronischen Schmerzen nimmt ihre Aktivität ab.

Pratik kural

Nozizeptor, afferente Faser, Hinterhorn, Vorderseitenstrang, Thalamus, Hirnrinde: Über diese Stationen gelangt ein Schmerzreiz ins Gehirn. Bewusst wird der Schmerz erst in der Hirnrinde.

Bakım bilgisi

Schmerzscreening

Bei der Aufnahme fragst du Herrn G., ob er Schmerzen hat. „Nein“, sagt er. Beim Aufsetzen hält er die Luft an.

Viele Betroffene zögern, Pflegenden oder Ärzten von ihren Beschwerden zu erzählen. Deshalb werden Schmerzen häufig nicht erkannt. Das Schmerzmanagement beginnt darum immer mit der Schmerzerkennung: Bei jedem Menschen stellst du aktiv fest, ob er gerade oder grundsätzlich Schmerzen oder schmerzbedingte Probleme hat. Dafür reicht eine einfache Frage, zum Beispiel bei der pflegerischen Anamnese oder wenn du zum ersten Mal die Vitalzeichen erhebst. Dieses Schmerzscreening hieß in früheren Expertenstandards „initiales Schmerzassessment“.

So fragst du:

  • Ruhe und Bewegung getrennt: Möglicherweise hat ein Mensch in Ruhe keine Schmerzen. Bewegt er sich, atmet er tief durch oder hustet er, können sie trotzdem teils stark sein.
  • In seiner Sprache: Statt das abstrakte Wort „Schmerz“ zu benutzen, fragst du manchmal besser, ob „etwas weh tut“.

Mit deiner Frage zeigst du dem Menschen außerdem, dass du auf das Thema achtest. Das kann sein Vertrauen in die Versorgung stärken.

Hat er keine Schmerzen, hältst du das in der Dokumentation fest. Regelmäßig und bei jeder Veränderung der Situation wiederholst du das Screening. Hat ein Mensch starke Schmerzen, sollte sofort gehandelt werden, zum Beispiel indem du die Ärztin informierst und ein Schmerzmittel nach Anordnung gibst. Anschließend folgt ein tiefergehendes Assessment.

Selbst vor fremd

Was der Betroffene selbst einschätzt, hat immer Vorrang. Eine systematische Fremdeinschätzung durch Pflegende ist nur erlaubt, wenn er keine Auskunft über sich geben kann.

Pratik kural

Du fragst jeden Menschen aktiv nach Schmerzen, in Ruhe und bei Bewegung, in Worten, die er versteht. Die Selbsteinschätzung hat immer Vorrang vor der Fremdeinschätzung.

Bakım bilgisi

Was Schmerz ist

Frau B. liegt ruhig im Bett und lächelt dich an. „Mein Bein tut höllisch weh“, sagt sie.

Zwei Definitionen von Schmerz solltest du kennen:

  • Für die IASP, eine internationale Fachgesellschaft der Schmerzforschung, ist Schmerz eine unangenehme Erfahrung, sensorisch und emotional zugleich. Verbunden ist sie mit einem tatsächlichen oder drohenden Gewebsschaden, oder sie ähnelt einem solchen.
  • In der Pflege gilt: Schmerz ist das, was der Betroffene über seine Schmerzen mitteilt. Sagt er, dass er Schmerzen hat, dann sind sie vorhanden.

Mit einer möglichen Schädigung des Körpers, etwa einer Verletzung oder Entzündung, geht Schmerz also einher. Er ist aber auch ein sehr subjektives Empfinden. Nur der Betroffene selbst kann ihn bewerten und beschreiben. Direkt messen lässt sich Schmerz nicht. Deshalb beruht jede Einschätzung auf dem, was der Betroffene mitteilt.

Ernst nehmen

Was ein Betroffener sagt, nimmst du immer ernst. Fühlt sich ein Mensch nicht verstanden, kann die Pflegebeziehung darunter leiden.

Pratik kural

Schmerz ist, was der Betroffene über seine Schmerzen mitteilt. Seine Angaben nimmst du immer ernst und ziehst sie einer gefühlten Fremdeinschätzung vor.

Bakım bilgisi

Einflussfaktoren

Herr T. presst die Lippen zusammen. „Ein Mann jammert nicht“, sagt er. Seine Bettnachbarin klagt bei jeder Bewegung laut.

Nicht nur die verletzte Körperstelle ist von Schmerz betroffen, sondern der ganze Mensch. Die Verletzung oder die Art der Erkrankung bestimmt deshalb nur zum Teil, wie stark er Schmerz empfindet. Eine maßgebliche Rolle spielen auch geistige, kulturelle, soziale und psychische Faktoren:

  • Psychische Komponente: Wie intensiv Schmerz ist, hängt stark von Gefühlen und Sinnen ab. Erträglicher werden Schmerzen durch Lebensfreude, innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Angst, Unruhe und Sorgen können das Schmerzempfinden dagegen verstärken.
  • Kulturelle Komponente: Hört ein Mensch Sätze wie „Jetzt stell dich nicht so an“, hält er Schmerzen vielleicht lieber aus, als um Hilfe zu bitten. In manchen Kulturen ist es dagegen durchaus üblich, Schmerz offen zu zeigen, zum Beispiel durch lautes Klagen.
  • Alter: Ab der 24. Gestationswoche besteht das Schmerzempfinden. Schmerzen denken sich Kinder nicht aus: Wenn sie Schmerzen äußern, dann haben sie diese auch. Ältere Menschen sprechen Schmerzen oft nicht an, weil sie diese schlicht „vergessen“. Manchmal glauben sie, Schmerzen gehörten jetzt einfach dazu. Oder sie behalten sie für sich, um dich und dein Team nicht zu stören, weil ihr ohnehin viel zu tun habt.

Bei deiner Beobachtung berücksichtigst du deshalb die ganze Person: ihre Gefühle und Ängste, ihre Erfahrungen und Erwartungen. Dazu gehören u. a.:

  • Allgemeinzustand und Geschlecht
  • kultureller Hintergrund, Erziehung und Religion
  • wie der Mensch zu seiner Erkrankung steht und wie er sie bewertet
  • Selbstbeherrschung und individuelle Schmerztoleranz
  • welche Möglichkeiten er hat, über seinen Schmerz zu sprechen
Pratik kural

Wie stark ein Mensch Schmerz empfindet, hängt nicht nur von der Verletzung ab. Auch soziale, psychische, geistige und kulturelle Faktoren haben einen maßgeblichen Einfluss.

Bakım bilgisi

Gezielte Beobachtung

Herr F. kann seit seinem Schlaganfall kaum sprechen. Beim Umlagern runzelt er die Stirn, sein Puls steigt.

Von allen im Team verbringst du die meiste Zeit mit den Menschen. Ändert sich ihr Verhalten, merkst du das deshalb in der Regel schnell. Bei jedem Kontakt achtest du auf:

  • Vitalzeichen: Ein Hinweis auf Schmerzen kann ein beschleunigter Puls, eine schnellere Atmung oder ein erhöhter Blutdruck sein.
  • Ernährung und Ausscheidung: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Gewicht und Ernährungszustand, Nahrungsverweigerung
  • Schlaf und Müdigkeit: Wer überwiegend nachts Schmerzen hat, ist tagsüber oft müde.
  • Mimik: ein abwesender Blick, zuckende Mundwinkel, Stirnrunzeln, ein verzerrter, trauriger oder ängstlicher Gesichtsausdruck
  • Gestik und Bewegung: Schonhaltung, ein verändertes Gangbild, schnellere oder langsamere Bewegungen, hoher Muskeltonus, Anspannung
  • Verbale Äußerungen: Weinen, Jammern, Stöhnen
  • Verhalten: Rückzug, will in Ruhe gelassen werden, reagiert abweisend oder aggressiv

Gut beobachten kannst du außerdem nur mit einer empathischen Haltung und einer Beziehung, in der der Mensch dir vertraut.

Vitalzeichen allein reichen nicht

Um Schmerzen zu beurteilen, sind veränderte Vitalzeichen nicht zuverlässig. Sie zeigen vor allem eine kurzfristige Stressreaktion an. Eine Fremdeinschätzung ist nie so zuverlässig wie das, was der Mensch selbst sagt. Auch wenn du kein auffälliges Verhalten beobachtest, kann er Schmerzen haben.

Pratik kural

Bei jedem Kontakt beobachtest du Mimik, Bewegung, Äußerungen, Verhalten, Schlaf, Ernährung und Vitalzeichen. Vitalzeichen können ein Hinweis sein, für die Beurteilung allein sind sie aber nicht zuverlässig.

Bakım bilgisi

Nozizeption

Herr R. hat sich beim Gemüseschneiden in den Finger geschnitten. Sein Puls ist schneller als sonst.

Schmerzreize werden vom Nervensystem aufgenommen, weitergeleitet und verarbeitet. Dieser Prozess heißt Nozizeption.

Freie Nervenendigungen, die Nozizeptoren oder Schmerzrezeptoren, reagieren auf einen Reiz. Sie sitzen zum Beispiel in Haut, Schleimhäuten, Bindegewebe und Muskulatur. Auslöser können sein:

  • mechanische Reize wie Druck oder eine Verletzung
  • thermische Reize wie Hitze oder Kälte
  • chemische Reize wie Entzündungsvorgänge, Krankheitserreger oder toxische Einflüsse
  • elektrische Reize

Die niedrigste Reizstärke, die ein Mensch als schmerzhaft empfindet, ist die Schmerzschwelle. Liegt ein Reiz darüber, setzt der Körper Schmerzsubstanzen frei, zum Beispiel Prostaglandine, Serotonin oder Kinine. Diese Stoffe stimulieren die Schmerzrezeptoren.

Zwei Arten von Nervenfasern bringen den Schmerzimpuls zum Rückenmark: schnelle A-delta-Fasern und etwas langsamere C-Fasern. Aufsteigende Bahnen führen ihn dann zum Mittelhirn. Weil das Mittelhirn Wachheit und Aufmerksamkeit steuert, empfindet ein wacher Mensch Schmerz viel intensiver als ein schlafender. Je nach Stärke des Schmerzes wirkt das Mittelhirn über das vegetative Nervensystem auch auf Kreislauf und Atmung: Herzfrequenz und Atmung beschleunigen sich, der Blutdruck steigt. Hinzu kommen können motorisch eine Schonhaltung, Schwäche und eine verkrampfte oder steife Körperhaltung.

Im Großhirn wird der Schmerz bewusst erkannt und lokalisiert. Zugleich setzen körpereigene Prozesse ein, die Schmerz hemmen: An das Rückenmark gehen Signale, die den Schmerz dämpfen (Schmerzmodulation). Bei Frühgeborenen ist diese Regulierung noch nicht voll ausgeprägt.

Pratik kural

Nozizeption heißt: Schmerzreize werden vom Nervensystem aufgenommen, weitergeleitet und verarbeitet. Liegt ein Reiz über der Schmerzschwelle, werden Schmerzsubstanzen frei, die Nozizeptoren stimulieren. Über das vegetative Nervensystem können Blutdruck, Herzfrequenz und Atmung steigen.

Bakım bilgisi

Schmerzprävention

Frau S. soll zum ersten Mal nach ihrer Bauch-OP aufstehen. Die Physiotherapeutin kommt in einer Stunde.

Schmerzen entstehen nicht nur durch die Krankheit selbst. Auch Maßnahmen und Eingriffe verursachen sie, zum Beispiel Injektionen, Punktionen, Verbands- oder Positionswechsel und die Mobilisation. Sie heißen prozedurale Schmerzen. Wo immer es geht, vermeidest du Schmerzen. Lassen sie sich nicht umgehen, sorgst du dafür, dass sie so gering wie möglich bleiben:

  • Vorausschauend arbeiten: Wenn du Schmerzen erwartest, etwa wenn ein Mensch nach einer Bauch-OP das erste Mal mobilisiert wird, gibst du ihm rechtzeitig vorher ein Schmerzmittel nach Anordnung. Wann, hängt davon ab, wie lange das Mittel braucht, bis es wirkt.
  • Prüfen und bündeln: Ob eine möglicherweise schmerzhafte Maßnahme nötig ist, prüfst du jedes Mal. Schmerzhafte Tätigkeiten fasst du zusammen und planst sie mit dem Menschen gemeinsam. Danach kann er sich in Ruhephasen erholen.
  • Schmerztherapie ohne Schmerz: Wie das Schmerzmittel gegeben wird, sollte nicht selbst wehtun. Eine Gabe über den Mund, unter die Zunge, über die Haut oder rektal ist zum Beispiel besser als eine Injektion.
  • Ambulant: Sind schmerzhafte Maßnahmen geplant, informierst du die Bezugspersonen und leitest sie an, vorzubeugen.

Kindern helfen Geborgenheit, Zuwendung, Ablenkung und eine Umgebung, die zu Kindern passt. Wesentlich ist, dass die Eltern oder eine Bezugsperson dabei sind und Körperkontakt möglich ist. Soll ein i. v. Zugang gelegt werden, sollte an mindestens 2 vorher ausgewählten Stellen ein EMLA-Pflaster geklebt werden. Seine Creme betäubt die Haut. Klebe es früh genug, ideal ist eine Einwirkzeit von mindestens 1 Stunde.

Bei Neugeborenen und Säuglingen helfen bei gering schmerzhaften Maßnahmen zum Beispiel Stillen, Kängurupflege, Einwickeln („swaddling“) und nicht nutritives Saugen. Bei kleineren schmerzhaften Eingriffen lindert es den Schmerz, wenn du 2–3 Minuten vorher Glukose oder Saccharose (20–30 %) in den Mund gibst.

Eltern dabei

Für Kinder, auch für ältere, ist es die wichtigste Hilfe bei Schmerzen, dass ihre Eltern da sind. Von schmerzhaften Pflegemaßnahmen schließt du die Eltern deshalb nicht aus.

Pratik kural

Sind Schmerzen zu erwarten, gibst du rechtzeitig vorher ein Schmerzmittel nach Anordnung. Schmerzhafte Tätigkeiten bündelst du und planst danach Ruhephasen ein.

Bakım bilgisi

Grundregeln

Herr N. bekommt seine Schmerztablette „zum Frühstück“, mal um sieben, mal um halb zehn. Mittags hat er oft starke Schmerzen.

Die behandelnde Ärztin ordnet die Schmerztherapie an: Medikament, Dosierung und Applikationsart. Häufig verabreichen Pflegefachpersonen die Mittel und tragen dabei die Durchführungsverantwortung. An der medikamentösen Schmerztherapie hast du deshalb einen wesentlichen Anteil. Du ermittelst, wie stark die Schmerzen sind, richtest und verabreichst meist die Medikamente, informierst über Wirkungen und Nebenwirkungen, beobachtest den Verlauf und dokumentierst ihn. Diese Grundregeln gelten:

  • Festes Zeitschema: Schmerzmittel gibst du regelmäßig nach festgelegten Zeiten. Grundsätzlich zu den Mahlzeiten sollten sie nicht gegeben werden, denn deren Zeitpunkt kann schwanken. So bleibt genug Wirkstoff im Blut, und einer Chronifizierung wird vorgebeugt. Wie groß die Abstände sind, hängt davon ab, wie lange das Mittel wirkt.
  • Bedarfsmedikation: Zusätzlich sollte für Schmerzspitzen ein Mittel, das schnell wirkt, als Bedarf angeordnet sein.
  • Interventionsgrenzen: Sie bestimmen, ab welcher Schmerzstärke spätestens ein Schmerzmittel gegeben oder die Dosis angepasst wird. Laut aktuellem Expertenstandard werden sie für jeden Menschen einzeln festgelegt, je nachdem, welche Schmerzgrenze er subjektiv akzeptabel findet. Dabei unterscheidest du, ob er in Ruhe Schmerzen hat oder bei Belastung und Bewegung.
  • Nichtinvasiv: Wenn möglich, werden Schmerzmittel nichtinvasiv gegeben, vor allem über den Mund oder über die Haut (transdermal). Bei Kindern und Säuglingen eignen sich Säfte oder Zäpfchen.
  • Wirkung prüfen: Ist ein Schmerzmittel neu oder die Dosis verändert, prüfst du, ob die Schmerzen nachgelassen haben, und dokumentierst das. In der Regel prüfst du nach einer oralen Gabe nach einer Stunde, nach einer i. v. Gabe nach 30 Minuten. Hat der Mensch trotz der verordneten Medikamente weiter Schmerzen, informierst du den Arzt.
  • Zeitnah dokumentieren: Was du gegeben hast, in welcher Dosis und wann, die Skalenwerte und deine Beobachtungen dokumentierst du zeitnah. Nur dann wird die Behandlung nicht unterbrochen.
Keine i. m. Injektion

Intramuskulär sollten Schmerzmittel nicht gespritzt werden. Meist tut das sehr weh, die Wirkung setzt nur verzögert ein, und wird nicht fachgerecht gearbeitet, kann es Infektionen geben.

Pratik kural

Schmerzmittel gibst du nach ärztlicher Anordnung regelmäßig nach einem festen Zeitschema, für Schmerzspitzen nach Bedarf. Die Interventionsgrenze wird individuell festgelegt. Du prüfst die Wirkung und dokumentierst zeitnah.

Bakım bilgisi

Expertenstandard

Im Stationszimmer steht ein Ordner „Expertenstandard Schmerzmanagement“. Deine Praxisanleiterin sagt: „Den setzen wir hier jeden Tag um.“

Fachlich und juristisch stützt sich das Schmerzmanagement in der Pflege auf diesen Expertenstandard: „Schmerzmanagement in der Pflege“. Die Aktualisierung stammt von 2020. Herausgeber ist das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Die früheren getrennten Standards zu akuten und zu chronischen Schmerzen sind darin zusammengeführt. Das Ziel: Wer akute, chronische oder zu erwartende Schmerzen hat, bekommt ein Schmerzmanagement, das an ihn angepasst ist. Es soll verhindern, dass Schmerzen entstehen oder chronisch werden, oder sie beseitigen. Außerdem soll es zu einer akzeptablen Schmerzsituation beitragen und dazu, dass der Mensch seine Funktionsfähigkeit und Lebensqualität bestmöglich erhält oder erreicht.

Der Standard beschreibt, was du als Pflegefachperson tust:

  • Mit einem Screening erhebst du zu Beginn, ob Schmerzen oder schmerzbedingte Einschränkungen bestehen oder zu erwarten sind. In festgelegten Abständen wiederholst du diese Einschätzung.
  • Hat der Mensch Schmerzen, führst du ein Assessment durch. Dabei klärst du, ob die Schmerzen akut, chronisch oder beides sind.
  • Du wirkst an einem individuellen Behandlungsplan mit. Er enthält medikamentöse Maßnahmen, nicht medikamentöse oder beides.
  • Den Menschen und ggf. seine Angehörigen informierst, schulst und berätst du.
  • Du koordinierst, was das interprofessionelle Team tut. Die medikamentösen Maßnahmen stellst du auf Grundlage der ärztlichen Verordnung sicher, die nicht medikamentösen wendest du selbst an.
  • Regelmäßig und bei Anlass beurteilst du, ob die Maßnahmen wirken.

Ist eine Versorgungssituation komplex, holst du eine pflegerische Schmerzexpertin dazu. Auch die Einrichtung hat Pflichten. Sie stellt zum Beispiel Instrumente zur Einschätzung bereit und hat eine Verfahrensregelung zum Schmerzmanagement, die für alle Berufsgruppen gilt.

Schlüsselposition

Pflegefachpersonen kommt eine zentrale Rolle zu. Sie stimmen die Tätigkeiten im interprofessionellen Team ab. Weil sie dem Betroffenen nahe sind, fördern sie die Kommunikation. So sorgen sie für die Kontinuität, auf die es bei Schmerzerfassung und Schmerzbehandlung ankommt.

Pratik kural

Grundlage ist der Expertenstandard des DNQP zum Schmerzmanagement in der Pflege (2020): Screening, Assessment, Behandlungsplan, Information und Beratung, Maßnahmen umsetzen und koordinieren, Wirksamkeit beurteilen.

Bakım bilgisi

Nicht medikamentöse Schmerztherapie

Frau J. hat Bauchkrämpfe und krümmt sich im Bett. Bis die Ärztin kommt, dauert es noch.

Nicht medikamentöse Maßnahmen ergänzen die medikamentöse Therapie auf wichtige Weise. Unverzichtbar sind sie bei chronischen Schmerzen, bei akuten wirken sie oft unterstützend. Auf die Schmerzstärke wirken sie nur zum Teil direkt. Viele Menschen fühlen sich durch sie aber insgesamt besser. Auch ihre Selbstwirksamkeit kann dadurch maßgeblich steigen.

Kann ein Mensch (noch) kein Schmerzmittel bekommen oder will er keins, können bei akuten Schmerzen diese Maßnahmen helfen:

  • ihn ernst nehmen
  • ihm helfen, eine entlastende, angenehme Position einzunehmen
  • ggf. Gegendruck anbieten oder ihn selbst ausüben lassen, zum Beispiel leicht auf den OP-Bereich, wenn er nach einer Bauch-OP hustet
  • ihn beruhigen und ihm, so gut es geht, die Angst nehmen
  • ihn ablenken
  • ggf. Kälte- oder Wärmeanwendungen anbieten
  • ihn möglichst nicht allein lassen, solange der Schmerz akut ist

Weitere Möglichkeiten sind Aromapflege, Wickel und Auflagen, Meditation, Atemübungen und Maßnahmen der Basalen Stimulation (zum Beispiel eine beruhigende Körperwaschung oder die atemstimulierende Einreibung, ASE). Schmerzlindernd wirken können auch Druckreduktion, Bewegung, genug Schlaf und eine ruhige Umgebung.

Viele Menschen haben eigene Erfahrungen mit Hausmitteln wie kalten Auflagen oder Wärmflaschen. Bei der Auswahl berücksichtigst du sie. Vorlieben und Abneigungen klärst du vorher in einer Anamnese. Mit der Ärztin sprichst du die Maßnahmen ab, damit Kontraindikationen ausgeschlossen sind. Während der Anwendung beobachtest du den Menschen genau. Empfindet er sie als unangenehm, brichst du sie sofort ab.

Keine falschen Schlüsse

Wirken Entspannung oder Ablenkung, heißt das nicht, dass die Schmerzen weniger schwer wiegen. Eine medikamentöse Therapie können ergänzende Maßnahmen nicht ersetzen.

Pratik kural

Nicht medikamentöse Maßnahmen ergänzen die Schmerzmittel, ersetzen sie aber nicht. Du klärst vorher Vorlieben, sprichst die Maßnahme mit der Ärztin ab und brichst sie ab, sobald sie unangenehm ist.

Bakım bilgisi

Schmerzskalen

Die vierjährige Lina soll sagen, wie sehr ihr Arm wehtut. Mit „null bis zehn“ kann sie nichts anfangen.

Wie stark ein Schmerz ist, schätzt der Mensch selbst auf einer Skala ein: der Numerischen Ratingskala (NRS), der Visuellen Analogskala (VAS) oder der Verbalen Ratingskala (VRS). Welche Skala passt, entscheidest du für jeden Menschen einzeln. Entscheidend ist, dass er sie versteht und bedienen kann:

  • Viele Menschen verstehen die VRS leichter als VAS oder NRS, vor allem ältere Menschen und Menschen mit Demenz. Dafür ist sie recht grob abgestuft.
  • Manchen fällt die VAS schwer. Wer eine Sehbehinderung hat, kann sie nicht nutzen.
  • Kinder können etwa ab dem 4. Lebensjahr Gesichterskalen verwenden, zum Beispiel die FPS-R (Faces Pain Scale – Revised). Das Kind zeigt auf das Gesicht, das zu seinem Schmerz passt. Du dokumentierst die Ziffer, die zu diesem Gesicht gehört. Skalen, auf denen Gesichter weinen, sollten vermieden werden.
  • Im Schulalter können Kinder je nach Entwicklungsstand oft schon VAS, VRS oder NRS nutzen. Das Alter allein entscheidet nicht, welche Skala passt. Berücksichtige auch, was das Kind lieber mag: Ältere Kinder können sich bei „Kinderskalen“ nicht ernst genommen fühlen.

Die Werte trägst du zeitnah und ohne Lücken in die Akte ein. Über den Verlauf der Schmerzintensität informierst du den behandelnden Arzt regelmäßig, bei Schmerzspitzen sofort.

Vergleichbar

Mit Skalen werden die Angaben immer in derselben, genau festgelegten Form erfasst. Dadurch lassen sich die Einschätzungen verschiedener Untersucher besser vergleichen, und du kannst den Zeitverlauf und den Erfolg der Therapie besser beurteilen.

Pratik kural

Du wählst die Skala, die der Mensch versteht und bedienen kann. Kinder ab etwa vier Jahren nutzen Gesichterskalen. Die Werte dokumentierst du zeitnah, bei Schmerzspitzen informierst du sofort den Arzt.

Bakım bilgisi

Schmerzen bei Kindern

Emil, 8 Monate, weint seit der Blutentnahme immer wieder. Er schläft nur kurz und unruhig.

Klar mit Worten sagen, dass sie Schmerzen haben, können Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder nicht. Weil sie sich nur eingeschränkt ausdrücken können, werden ihre Schmerzen manchmal nicht erkannt oder unterschätzt. Du musst die typischen Zeichen deshalb kennen und genau beobachten:

  • Neugeborene und Säuglinge: Unruhe und Weinen, ein veränderter Schlaf-wach-Rhythmus (z. B. nur kurz und unruhig schlafen), verzerrte Mimik, angespannte Körperhaltung, blasse oder marmorierte Haut, veränderte Vitalzeichen (Tachykardie, Tachypnoe, angestrengte Atmung, Abfall der Sauerstoffsättigung)
  • Kleinkinder und ältere Kinder: Unruhe, Anspannung, Veränderungen von Körperhaltung und Mimik, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, ein schlechterer Allgemeinzustand (Tachykardie, Blutdruckanstieg, Dyspnoe). Wo genau es wehtut, können Kleinkinder meist nicht zeigen. Oft sagen sie, der Bauch tut weh.

Bei Früh- und Neugeborenen schätzt du Schmerzen professionell von außen ein, zum Beispiel mit der Neonatal Infant Pain Scale (NIPS) oder dem Berner Schmerzscore für Neugeborene (BSN). Für Kleinkinder bis etwa vier Jahre gibt es die KUSS (Kindliche Unbehagens- und Schmerzskala). Die Eltern beziehst du eng ein, damit sie dir helfen, die Äußerungen ihres Kindes zu deuten. Bedenke außerdem immer, wie wahrscheinlich Schmerzen in der klinischen Situation sind, zum Beispiel nach einem Eingriff oder bei einer Erkrankung.

Nicht eindeutig

Ein Kind mit Schmerzen kann auch apathisch werden oder sich ablenken lassen, zum Beispiel beim Spielen. Sein Verhalten ist deshalb nicht eindeutig. Was das Kind selbst mit einer anerkannten Skala einschätzt, hat immer Vorrang. Eltern und Pflegende schätzen Schmerzen nämlich oft anders ein als das Kind.

Pratik kural

Kleine Kinder zeigen Schmerz über Weinen, Unruhe, Mimik, Körperhaltung, Schlaf und Vitalzeichen. Du beobachtest intensiv, nutzt Instrumente wie die KUSS und bindest die Eltern ein.

Bakım bilgisi

Postoperative Schmerzen

Herr A. wurde gestern am Bauch operiert. Heute Morgen sagt er: „Der Schmerz ist anders als gestern. Unten drückt es so.“

Direkt nach einer Operation sind die meisten Schmerzen Wundschmerzen. Sie entstehen, weil bei der Operation Gewebe verletzt wurde. Nach drei Tagen klingen sie in der Regel deutlich ab. Behandelt werden sie mit passenden Schmerzmitteln und mit unterstützenden pflegerischen Maßnahmen.

Für das Befinden ist die Schmerzüberwachung nach der Operation zentral. Sie beugt auch Komplikationen vor, die durch Schmerzen entstehen, zum Beispiel Atelektasen, wenn der Mensch zu flach atmet. Wer schmerzfrei ist, kann außerdem früh mobilisiert werden. Lassen die Schmerzen nach, atmet der Mensch tiefer, hustet wirksamer ab und kann bei der Mobilisation besser mithelfen.

Manche Patienten mit Schmerzen melden sich nicht von selbst. Operierte Patienten fragst du deshalb regelmäßig nach Schmerzen, ggf. mit einer passenden Skala. Achte auch auf Zeichen, die Schmerzen begleiten: Unruhe, Schwitzen, Schonhaltung, oberflächliche Atmung, Hypertonie und Tachykardie.

Schmerzen können auch eine andere Ursache als die Wunde haben. Diese musst du unterscheiden:

  • ein zu enger Gips oder ein zu straffer Verband
  • eine einseitige oder falsche Positionierung
  • ein Harnverhalt, Blähungen
  • ein arterieller Verschluss oder eine Minderdurchblutung
  • eine Infektion
  • eine Schädigung von Nerven

Dann wird die Ursache beseitigt. Das klinische Bild würde ein Schmerzmittel nur verschleiern, und es könnte den Patienten sogar gefährden. Der Schmerz ist hier ein Alarmsignal.

Unterstützend wirken oft physikalische Maßnahmen, etwa Eisbeutel oder eine operierte Extremität ruhigzustellen und hochzulagern. Nach Bauchoperationen empfinden viele eine Knierolle als lindernd, weil die Bauchdecke so entspannt. Du vermeidest Zug, Druck und Spannung auf die Drainagen und die OP-Wunde.

Erst Tage später

Beginnen Schmerzen erst einige Tage nach der Operation, ist das oft ein Hinweis auf eine Komplikation, zum Beispiel eine Wundinfektion.

Pratik kural

Wundschmerz nach einer Operation klingt nach drei Tagen in der Regel deutlich ab. Schmerzen durch einen zu straffen Verband, einen Harnverhalt oder eine Infektion sind ein Alarmsignal: Hier wird die Ursache beseitigt, denn ein Schmerzmittel würde das Bild nur verschleiern.

Bakım bilgisi

Funktion des Schmerzes

Mia zieht die Hand von der heißen Herdplatte weg, bevor sie überhaupt merkt, was passiert ist.

Als Warnsignal ist Schmerz lebenswichtig. Erst durch ihn können wir in Gefahr unsere Gesundheit schützen. Berührst du aus Versehen eine heiße Herdplatte, spürst du in wenigen Millisekunden akuten Schmerz. Du ziehst die Hand automatisch zurück, bevor du bewusst wahrnimmst, was passiert ist.

Nach einer Operation oder einer Fraktur sorgen Schmerzen dafür, dass wir uns ruhig verhalten. Auch das gehört zum Heilungsprozess.

Es kann auch umgekehrt sein: Nach einem Unfall spürt ein Mensch vielleicht zunächst keinen Schmerz, solange er noch im Schock oder in der akuten Stresssituation ist. Die Schmerzen kommen erst, wenn die Gefahr vorbei ist. Das ist ebenfalls ein natürlicher Schutzmechanismus, der hilft, Gefahren und Stress zu bewältigen.

Warnsignal

Schmerzen sind Warnsignale des Körpers. Lebenserhaltend sind ihre Melde-, Schutz- und Heilfunktion.

Pratik kural

Schmerzen sind Warnsignale mit Melde-, Schutz- und Heilfunktion. Sie melden Schäden oder drohende Schädigungen, lösen Schutzreaktionen aus und fördern die Heilung durch Ruhigstellung.

Bakım bilgisi

Schmerzarten

Herr P. hat Bauchschmerzen. Zeigen, wo es wehtut, kann er nicht. „Irgendwie hier überall, so dumpf“, sagt er.

Wo ein Schmerz entsteht, bestimmt seine Einordnung. Drei Hauptarten werden unterschieden.

Beim nozizeptiven Schmerz werden Nozizeptoren gereizt, weil einem Gewebe oder Organ eine Schädigung droht oder weil es schon geschädigt ist. Man unterteilt ihn so:

  • Somatischer Schmerz kommt aus der Haut (Oberflächenschmerz) oder aus Knochen, Gelenken, Muskeln und Bindegewebe (Tiefenschmerz). Er ist scharf begrenzt und stechend und lässt sich in der Regel gut lokalisieren, zum Beispiel bei einem Schnitt in den Finger.
  • Viszeraler Schmerz kommt aus den inneren Organen in Brust-, Bauch- und Beckenraum (Eingeweideschmerz). Schmerzrezeptoren gibt es dort deutlich weniger. Deshalb empfindet der Mensch den Schmerz eher dumpf, drückend und ziehend, und er kann ihn oft nur schlecht lokalisieren. Manchmal spürt er ihn auch in einer anderen Körperregion: Schmerzen am Pankreas zum Beispiel können im Bereich der Lendenwirbel auftreten. Fehldiagnosen sind hier deutlich häufiger.

Neuropathische Schmerzen entstehen, wenn das zentrale oder periphere Nervensystem geschädigt oder in seiner Funktion gestört ist. Ursache kann zum Beispiel ein Tumor oder ein Bandscheibenvorfall sein, der auf einen Nerv drückt. Der Schmerz kommt plötzlich und attackenartig, er schießt ein, schneidet und sticht. Hält er dauerhaft an, beschreiben Betroffene ihn eher als bohrend und brennend. Eine Polyneuropathie liegt vor, wenn viele Nerven betroffen sind.

Beim psychogenen Schmerz gibt es keine organische Ursache. Auslöser sind zum Beispiel Stress, Depression, Angst, Konflikte oder psychische Überforderung. Für den Menschen ist der Schmerz real. Oft kann er ihn aber nicht klar beschreiben, und der Schmerz verändert sich weder in Ruhe noch bei Anstrengung. Häufig kommen funktionelle oder vegetative Symptome hinzu, zum Beispiel Schlafstörungen oder Kopfschmerzen. Häufig helfen Schmerzmittel nicht. Eine psychotherapeutische Begleitung ist deshalb besonders wichtig.

Schmerzqualität

Beschreibt ein Mensch seinen Schmerz als stechend, scharf, schneidend und klar lokalisierbar, spricht das für ein akutes Schmerzereignis. Ein länger andauerndes Schmerzgeschehen zeigt sich eher in brennenden, klopfenden oder ziehenden Schmerzen.

Pratik kural

Somatischer Schmerz ist stechend und gut lokalisierbar, viszeraler Schmerz dumpf, ziehend und oft schlecht lokalisierbar. Neuropathischer Schmerz geht direkt vom Nervengewebe aus und tritt attackenartig einschießend auf.

Bakım bilgisi

Opioide

Herr W. bekommt nach seiner Hüft-OP Morphin. Er ist sehr müde, will aber allein zur Toilette gehen.

Zu den zentral wirksamen Analgetika gehören die Opioide. Sie binden an Opioidrezeptoren im zentralen Nervensystem (ZNS) und hemmen so, dass Schmerzen weitergeleitet werden. Unterschieden werden:

  • schwach wirksame Opioide, zum Beispiel Tramadol, Tilidin, Codein
  • stark wirksame Opioide, zum Beispiel Morphin, Oxycodon, Fentanyl, Buprenorphin, Piritramid

Mit wenigen Ausnahmen fallen Opioide unter das Betäubungsmittelgesetz. Sie werden so aufbewahrt, dass niemand sie stehlen kann, und es gibt sie nur auf ein besonderes BtM-Rezept. Wer sie verwendet, trägt das lückenlos im BtM-Buch ein.

Opioide haben viele Nebenwirkungen, und sie hängen von der Dosis ab. Du beobachtest und beugst vor:

  • Atemdepression, unterdrückter Hustenreflex → Pneumonieprophylaxe
  • Müdigkeit, Sedierung, Schwindel, vor allem zu Therapiebeginn → Sturzprophylaxe. Ein sedierter Mensch sollte nicht ohne Begleitung aufstehen.
  • Übelkeit, Erbrechen, vor allem am Anfang der Behandlung → Antiemetika nach Anordnung
  • Obstipation, sie betrifft fast 90 % der Menschen mit Opioidtherapie → Obstipationsprophylaxe vom ersten Tag an (viel trinken, ballaststoffreich essen, Bewegung, ggf. Laxanzien)
  • Harnverhalt → Blasenentleerung überwachen
  • Juckreiz, Mundtrockenheit, enge Pupillen
  • zerebrale Krampfanfälle
  • Abhängigkeit und Missbrauch → auf Anzeichen achten

Regelmäßig kontrollierst du Atmung, Puls und Blutdruck. Eine Überdosierung bemerkst du so schnell, vor allem bei Menschen, die zum ersten Mal ein Opioid erhalten. Bei einer Opioidvergiftung atmet der Mensch stark verlangsamt (weniger als 8 Atemzüge pro Minute, Atemdepression). Sein Bewusstsein ist gestört, bis hin zum Koma, und seine Pupillen sind anfangs eng (Miosis). Als Gegenmittel (Antidot) wird Naloxon gegeben.

Abhängigkeit

Abhängig wird ein Mensch meist nur, wenn er falsch dosiert oder die Mittel unsachgemäß einnimmt. Begleiten Fachleute die Schmerztherapie, ist das Risiko eher als gering einzuschätzen. Beim Ein- und Ausschleichen gilt: „start low, go slow“.

Pratik kural

Opioide wirken zentral und unterliegen fast alle dem Betäubungsmittelgesetz. Du beobachtest auf Atemdepression, Sedierung und Obstipation und beugst von Anfang an vor: Obstipations-, Pneumonie- und Sturzprophylaxe.

Bakım bilgisi

WHO-Stufenschema

Frau O. hat trotz Metamizol noch starke Schmerzen. Die Ärztin ordnet zusätzlich Tramadol an.

Systematisch behandeln lassen sich Schmerzen mit dem WHO-Stufenschema. Es hat drei Stufen und orientiert sich an der Stärke der Schmerzen:

  • Stufe 1 (mäßige Schmerzen): ein Nichtopioid, zum Beispiel Ibuprofen, Metamizol oder Paracetamol
  • Stufe 2 (starke Schmerzen): ein Nichtopioid und dazu ein schwach wirksames Opioid, zum Beispiel Dihydrocodein, Codein oder Tramadol
  • Stufe 3 (stärkste Schmerzen): ein Nichtopioid und dazu ein stark wirksames Opioid, zum Beispiel Oxycodon, Fentanyl oder Morphin

Die Mittel jeder Stufe werden ausdosiert. Wirken sie nicht ausreichend, folgt die nächste Stufe. Ergänzen lässt sich jede Stufe mit Koanalgetika und nicht medikamentösen Maßnahmen, etwa einer Wärme- oder Kälteanwendung. Genügt auch Stufe 3 nicht, gibt es weiterführende invasive Maßnahmen, zum Beispiel Pumpensysteme mit Kathetern oder Verfahren nahe am Rückenmark.

Für Tumorschmerzen ist das Schema etabliert. Genutzt werden kann es auch bei chronischen Schmerzen mit anderer Ursache. Bei vielen chronischen Schmerzen ohne Tumor bringen Medikamente allein aber keinen ausreichenden Erfolg.

Stufe 2 und 3 nicht kombinieren

Stufe 2 und Stufe 3 sollten nicht gemeinsam eingesetzt werden. Die Wirkung würde dadurch nicht stärker, die Nebenwirkungen aber würden zunehmen.

Pratik kural

WHO-Stufenschema: Stufe 1 Nichtopioid, Stufe 2 Nichtopioid plus schwaches Opioid, Stufe 3 Nichtopioid plus starkes Opioid. Stufe 2 und 3 werden nicht kombiniert.

Bakım bilgisi

Schmerzpflaster und PCA

Bei Frau E. klebt ein Fentanylpflaster, heute ist Wechsel. Am Oberarm findest du noch ein zweites, altes Pflaster.

Ein „Schmerzpflaster“ (transdermales therapeutisches System, TTS) speichert den Wirkstoff, zum Beispiel Fentanyl, und gibt ihn gleichmäßig und ohne Unterbrechung über die Haut ab. Grundsätzlich gilt:

  • Wo das Pflaster hinkommt, hängt vom jeweiligen Produkt ab (Beipackzettel). Bevorzugt sind Brust oder Rücken. Die Haut dort ist sauber, trocken, haarfrei und intakt. Auf Hornhaut oder Narben klebst du nicht.
  • Mit Handschuhen klebst du das Pflaster auf, nachdem du die Folie abgezogen hast.
  • Bei jedem Wechsel wählst du einen anderen Applikationsort.
  • Geteilt wird ein Pflaster in der Regel nicht.
  • In der Akte hältst du genau fest, an welchem Tag und um wie viel Uhr der Wechsel war, wie du das alte Pflaster verworfen hast und wo das neue klebt. Schon mussten Menschen auf der Intensivstation behandelt werden, weil aus Versehen mehrere Pflaster zugleich klebten.

Das erste Pflaster wirkt nicht gleich. Je nach Präparat dauert es, bis es „anflutet“: ca. 6–8 Stunden, bei manchen sogar 12–24 Stunden (z. B. Fentanyl). Pflaster wirken lange und lassen sich schlecht steuern. Deshalb eignen sie sich vor allem bei stabilen Schmerzen und nicht bei akuten.

Bei der patientenkontrollierten Analgesie (PCA) bedient der Mensch seine Schmerzpumpe selbst. Per Knopfdruck holt er sich festgelegte Dosen. Meist läuft dazu eine voreingestellte Basisrate. Überdosierungen verhindern eine Höchstdosis pro Stunde und eine einprogrammierte Sperrzeit. Die Pumpe hängt an einem i. v. Zugang oder an einem Schmerzkatheter, etwa einem Periduralkatheter. Du überzeugst dich, dass der Mensch versteht, wie das Verfahren funktioniert, und die Pumpe richtig benutzen kann.

Wärme verstärkt

Viel Wärme, zum Beispiel durch Fieber, ein Vollbad oder Sonne, kann verstärken, wie viel Schmerzmittel aus dem Pflaster über die Haut aufgenommen wird. Du beobachtest den Menschen deshalb gut, etwa auf Wachheit (Vigilanz), Veränderungen des Bewusstseins oder andere Nebenwirkungen, und informierst die Ärztin.

Pratik kural

Ein Schmerzpflaster klebst du auf intakte, saubere, trockene und haarfreie Haut und wechselst bei jedem Wechsel den Ort. Tag, Uhrzeit und Ort dokumentierst du genau, damit nie versehentlich mehrere Pflaster gleichzeitig kleben.

Bakım bilgisi

Information, Schulung, Beratung

Frau Z. lehnt ihr Schmerzmittel ab. „Sonst habe ich keine Reserven mehr, wenn es schlimmer wird“, sagt sie.

Zu deinen wichtigen Aufgaben im Schmerzmanagement gehören Information, Schulung und Beratung. Sie verändern, wie ein Mensch seine Schmerzen gedanklich verarbeitet („Nach der Operation werde ich trotz der Schmerzen wieder laufen können“) und wie er sie gefühlsmäßig bewertet („Ich muss keine Angst haben, auch starke Schmerzen lassen sich behandeln“).

Besonders wichtig ist das Gespräch über Schmerzen, die zu erwarten sind, und darüber, wie sie sich vermeiden und behandeln lassen. Werden Menschen vor einem Eingriff strukturiert geschult, kann das dazu beitragen, dass sie danach weniger Schmerzen haben. Du informierst über die therapeutischen Maßnahmen, leitest bei bestimmten Verfahren an, etwa bei der PCA-Pumpe, und gibst zusätzlich etwas Schriftliches mit. Hilfreich sind Merkblätter, zum Beispiel zur Obstipationsprophylaxe, und Medikamentenpläne.

Bei chronischen Schmerzen geht es darum, die Selbstmanagementkompetenzen des Menschen zu stärken. Schmerzfreiheit lässt sich nicht immer erreichen. Deshalb legst du mit ihm individuelle Ziele fest. Im Mittelpunkt stehen Teilhabe und Lebensqualität. Ist er einverstanden, beziehst du die Angehörigen mit ein.

Manche Menschen möchten trotz Schmerzen kein Schmerzmittel. Dafür gibt es verschiedene Gründe: frühere schlechte Erfahrungen und Unverträglichkeiten, die Befürchtung, als „wehleidig“ zu gelten, die Angst vor Abhängigkeit oder davor, „dass dann keine Reserven mehr sind“. Zusammen mit der Ärztin informierst du über Wirkungen und Nebenwirkungen und darüber, welche Vor- und Nachteile es hat, das Mittel zu nehmen oder nicht zu nehmen. Will der Mensch weiter keine Schmerzmittel, akzeptierst du das. Du gehst aber so mit ihm um, dass er seine Meinung jederzeit ändern kann, ohne das Gesicht zu verlieren.

Vor der Operation üben

Nach einer Operation können Menschen in aller Regel keine neuen Informationen aufnehmen, weil ihre Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit stark vermindert sind. Wie eine PCA-Pumpe bedient wird, sollten Menschen deshalb schon vor der Operation lernen.

Pratik kural

Du informierst über zu erwartende Schmerzen, ihre Vermeidung und Behandlung. Lehnt ein Mensch Schmerzmittel ab, akzeptierst du das. Den Umgang gestaltest du aber so, dass er jederzeit ohne Gesichtsverlust umentscheiden kann.

Bakım bilgisi

Schmerzen im Alter

Frau H., 86, sagt beim Waschen: „Mir ist heute nicht so wohl.“ Als du nachfragst, zeigt sie auf ihre Hüfte.

Viele alte Menschen leiden an Schmerzen. Am häufigsten sind Neuropathien und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats die Ursache. Über ihre Schmerzen reden ältere Menschen aber oft kaum, weil sie glauben, Schmerzen gehörten zum Alter. Deshalb fragst du gezielt nach.

Manchmal umschreiben sie selbst starke Schmerzen nur, zum Beispiel mit „Ziehen“, „Ziepen“, „Wehtun“ oder „Mir geht es nicht so gut“. Darauf hörst du genau. Das sind deine Aufgaben:

  • nach Schmerzen mit Wörtern fragen, die der Mensch kennt
  • ihm in passender Sprache erklären, wie er mit der Schmerzskala umgeht
  • darauf achten, dass er die Skala trotz Seh- oder Hörstörungen gut versteht und nutzen kann

Ist er kognitiv nicht eingeschränkt, kannst du so vorgehen wie bei anderen Erwachsenen und zum Beispiel die NRS nutzen. Selbsteinschätzung vor Fremdeinschätzung gilt auch bei leichter oder mittlerer Demenz. Diese Menschen brauchen dafür manchmal etwas mehr Zeit, und du erklärst ihnen die Skala jedes Mal neu.

Enger Spielraum

Ältere Menschen melden Schmerzen oft spät, und sie halten Schmerzen schlechter aus (herabgesetzte Schmerztoleranz). Für das Schmerzmanagement bleibt dadurch weniger Spielraum. Schmerzspitzen müssen vermieden werden, und sie müssen schnell oder oft schon vorbeugend behandelt werden.

Pratik kural

Ältere Menschen sprechen oft nicht über Schmerzen oder umschreiben sie. Du fragst gezielt mit ihren Worten nach. Auch bei leichter bis mittlerer Demenz gilt Selbsteinschätzung vor Fremdeinschätzung.

Bakım bilgisi

Akute und chronische Schmerzen

Frau K. hat seit vier Monaten Rückenschmerzen. „Die Zerrung ist doch längst verheilt“, sagt ihr Sohn.

Akuter Schmerz beginnt plötzlich und hält nur über einen begrenzten Zeitraum an. Ursache ist eine Gewebeschädigung, die tatsächlich besteht oder droht, etwa durch Frakturen, Quetschungen, Verletzungen oder Verbrennungen. Seine Funktion ist es, zu warnen und zu schützen, und das ist lebenserhaltend. Begleitet wird er u. a. von einem Anstieg von Puls, Blutdruck und Atemfrequenz. In der Regel lässt sich akuter Schmerz gut therapieren, und psychische Folgen bleiben meist nicht zurück. Beispiele sind Zahnschmerzen und Schmerzen nach einer Operation oder Verletzung.

Ein Schmerz ist chronisch, wenn er mindestens drei Monate dauerhaft oder immer wieder besteht und keine akute Warnfunktion mehr hat. Einen exakten Zeitpunkt gibt es dabei nicht, akuter und chronischer Schmerz gehen fließend ineinander über. Chronische Schmerzen lassen sich eher schlecht lokalisieren. Mit der Verletzung oder Organschädigung, mit der sie begonnen haben, hängen sie nicht mehr unbedingt zusammen. Schutz- oder Heilfunktion haben sie keine mehr. Die Schmerzen „verselbstständigen“ sich und werden zu einer eigenen Erkrankung, der chronischen Schmerzkrankheit. Beispiele sind Rückenschmerzen, chronische Wunden, Osteoporose, Rheuma und Arthrose.

Verschiedene Ziele

Akute Schmerzen sollen schnellstmöglich beseitigt oder auf ein Maß reduziert werden, das der Mensch subjektiv akzeptieren kann. Bei chronischen Schmerzen geht es nicht vorrangig um Schmerzfreiheit. Im Vordergrund stehen eine stabile Schmerzsituation und die Selbstmanagementkompetenzen des Betroffenen.

Pratik kural

Akuter Schmerz ist ein Warnsignal und dauert über einen begrenzten Zeitraum. Chronischer Schmerz besteht dauerhaft oder wiederkehrend mindestens drei Monate und hat seine Warnfunktion verloren.

Bakım bilgisi

Chronifizierung

Herr D. zuckt schon zusammen, wenn die Bettdecke sein Knie berührt. Die Operation ist ein halbes Jahr her.

Akute Schmerzen, die nicht ausreichend behandelt werden, können chronisch werden. Bei dieser Chronifizierung spielt das Schmerzgedächtnis die zentrale Rolle:

  • Sind sensible Nervenzellen immer wieder Schmerzreizen ausgesetzt, verändert sich ihre Aktivität.
  • Sie werden mit der Zeit immer empfindlicher. Schon ein leichter Reiz wie eine Berührung reicht dann aus.
  • Irgendwann löst sich der Schmerz ganz ohne Reiz aus. Er hat sich verselbstständigt.

Nicht nur der Körper leidet unter chronischen Schmerzen, sondern auch das soziale und psychische Leben. Wer lange Schmerzen hat, kann Schwäche, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen entwickeln. Häufig ziehen sich Betroffene immer mehr zurück und interessieren sich weniger für ihre Umwelt. Mitmenschen fällt der Umgang damit oft schwer.

Hinter vielen Betroffenen liegt ein langer Leidensweg. Grundlage einer ganzheitlichen, guten Schmerztherapie ist deshalb vor allem eine vertrauensvolle Kommunikation. Sie baut Vorbehalte und Ängste ab und stärkt den Menschen darin, selbst für sich zu sorgen (Selbstpflege).

Vorbeugen

Werden akute Schmerzen frühzeitig behandelt, kann das der Entstehung chronischer Schmerzen vorbeugen.

Pratik kural

Akute Schmerzen, die nicht ausreichend behandelt werden, können chronisch werden. Wer akute Schmerzen frühzeitig behandelt, kann dem vorbeugen.

Bakım bilgisi

Schmerzanamnese

Herr K. hat seit Wochen Schmerzen im Knie. Du willst mehr wissen als nur „Wie stark?“.

Hält ein Schmerzgeschehen länger an, erfasst du die Vorgeschichte und die aktuelle Situation. In einer Schmerzanamnese fragst du umfassend nach, zum Beispiel:

  • Beginn: Seit wann hat der Mensch den Schmerz?
  • Lokalisation: Wo tut es weh? Er zeigt auf die Stelle, oder er markiert sie in einer Körperskizze.
  • Art und Intensität: Ist der Schmerz stechend oder dumpf? Wie stark ist er? Lass den Menschen am besten zuerst selbst beschreiben. Hat er Schwierigkeiten, bietest du ihm Möglichkeiten zur Auswahl an.
  • Zeitlicher Verlauf und Veränderungen: Kommt der Schmerz in Intervallen oder ist er konstant? Ändert er sich bei Belastung oder in Ruhe?
  • Was verstärkt, was lindert: Was hilft? Was tut der Mensch selbst gegen den Schmerz?
  • Folgen für den Alltag: Wie wirkt sich der Schmerz auf den Schlaf aus? Was kann der Mensch nicht mehr, und was bedeutet das für seine Familie?

Daneben sind Begleitsymptome wichtig, Nebenwirkungen der Medikamente, die er nimmt, seine Lebensgewohnheiten und sein soziales Umfeld.

Achte im Gespräch darauf, möglichst wenig vorzugeben, damit du den Menschen nicht aus Versehen beeinflusst. Stell offene Fragen oder W-Fragen (Wann? Wo? Was? Wie oft?), und lass ihn möglichst frei antworten. Nur dann sind seine Aussagen verlässlich.

Häufig führen Menschen mit chronischen Schmerzen ein Schmerztagebuch. Mehrmals am Tag oder je nach Schmerzerleben können sie dort eintragen, wann, wo und wie stark der Schmerz auftritt und ggf. in welchem Zusammenhang, welche Medikamente sie wann genommen haben und ob Begleitsymptome oder Nebenwirkungen aufgetreten sind. Auch Allgemeinbefinden, Verdauung, Schlaf oder Aktivitäten können sie notieren. So lässt sich der Schmerzverlauf systematisch erfassen, und zwar über längere Zeit, meist 14 Tage.

Pratik kural

In der Schmerzanamnese fragst du offen nach Beginn, Ort, Art, Stärke, Verlauf, lindernden und verstärkenden Faktoren und den Folgen für den Alltag. Der Mensch beschreibt zuerst selbst.

Bakım bilgisi

Nichtopioide

Frau M. nimmt seit Wochen jeden Tag Ibuprofen gegen ihre Knieschmerzen. „Das gibt es ja ohne Rezept.“ Jetzt hat sie Magenschmerzen.

Medikamente gegen Schmerzen heißen Analgetika. Je nachdem, wie sie wirken, gehören sie zu einer von zwei Gruppen: Opioidanalgetika (Opioide) und Nichtopioidanalgetika (Nichtopioide).

Nichtopioide sind peripher wirksam. Am Opioidrezeptor setzen sie nicht an. Sie wirken vor allem dort, wo die Nozizeptoren liegen, meist indem sie verhindern, dass die schmerzvermittelnden Prostaglandine gebildet werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ibuprofen
  • Diclofenac
  • Paracetamol
  • Metamizol
  • Acetylsalicylsäure (ASS)

Sie lindern vor allem Schmerzen (analgetisch), senken Fieber (antipyretisch) und/oder hemmen Entzündungen (antiphlogistisch). Für die meisten ist kein Rezept nötig. Viele Menschen nehmen sie deshalb in Selbstmedikation.

Ihre Nebenwirkungen müssen sowohl du als auch die Betroffenen erkennen, u. a.:

  • Schäden der Magenschleimhaut, bis hin zu Blutungen und Magengeschwüren (Ulkus)
  • Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
  • erhöhte Blutungsneigung, zum Beispiel bei ASS, weil sie die Aggregation der Thrombozyten hemmt
  • Störungen der Leber- und Nierenfunktion. Schon eine (mäßige) Überdosis Paracetamol kann die Leber schädigen.
  • Veränderungen des Blutbilds, bei Metamizol sehr selten eine (tödliche) Agranulozytose
  • Bronchospasmus

Bei Kindern und Jugendlichen kann Acetylsalicylsäure das Reye-Syndrom auslösen. Es ist selten, aber lebensbedrohlich. Wenn irgend möglich, wird ASS bei ihnen deshalb vermieden.

Zusätzlich werden manchmal Koanalgetika gegeben, zum Beispiel Glukokortikoide, Bisphosphonate, Antikonvulsiva oder Antidepressiva. Zu den klassischen Schmerzmedikamenten gehören sie nicht. Sie unterstützen aber die Analgesie oder behandeln Nebenwirkungen der Analgetika.

Missbrauch unterschätzt

Bei Nichtopioiden wird das Risiko von Arzneimittelmissbrauch und Arzneimittelabhängigkeit oft unterschätzt, bei Opioiden häufig überschätzt. Wer zu viele Schmerzmittel nimmt, kann u. a. einen Analgetika-Kopfschmerz bekommen: chronische Kopfschmerzen, die das Schmerzmittel selbst verursacht.

Pratik kural

Nichtopioide wie ASS, Paracetamol, Metamizol und Ibuprofen wirken peripher. Sie können u. a. die Magenschleimhaut schädigen, die Blutungsneigung erhöhen und Leber und Nieren schädigen. Ihr Missbrauchsrisiko wird oft unterschätzt.

Bakım bilgisi

Kälte- und Wärmeanwendungen

Frau V. hat sich das Sprunggelenk geprellt, es schwillt an. Ihre Zimmernachbarin hat Menstruationsbeschwerden und möchte eine Wärmflasche.

Kälte lässt die Temperatur sinken. Dadurch verengen sich die Blutgefäße, und der Stoffwechsel vor Ort wird herabgesetzt. Es bilden sich deutlich weniger Ödeme. Außerdem nimmt die Schmerzsensibilität ab. Hilfreich ist Kälte vor allem bei Schwellungen, Prellungen, einem akuten Trauma, entzündlichen Prozessen und nach orthopädischen Operationen. Für die Kältetherapie eignen sich zum Beispiel kalte Umschläge oder Gelpacks mit 15 °C, eingewickelt in ein Tuch. Kälte darf nicht direkt auf eine Wunde.

Eis wirkt noch kälter und deutlich intensiver. Den Eisbeutel oder das Gelpack wickelst du in ein Tuch oder eine dünne Stoffhülle. So legst du ihn für 5–10 Minuten auf die Haut. Achte darauf, dass die Haut dabei rosa bleibt und keine Kälteschäden bekommt.

Wärme um 40–45 °C erweitert die Gefäße (Vasodilatation). Auch das kann die Sensibilität für Schmerz verringern. Außerdem entspannt Wärme die Muskeln. Geeignet ist sie vor allem bei Menstruationsbeschwerden, rheumatischer Arthritis, Koliken, Krämpfen, Muskel- und Rückenschmerzen und Gelenkbeschwerden. Möglich sind Körnerkissen, Bäder, Auflagen oder Wickel. Eine Anwendung dauert 5–10 Minuten, wenn nötig 20–30 Minuten. Kontraindiziert ist Wärme bei Thrombosen, Verletzungen und akuten Entzündungen.

Kälte oder Wärme empfindet nicht jeder als angenehm. Die Stelle, auf der die Auflage liegt, beobachtest du gut. Bei Schmerzen, Veränderungen oder Unbehagen brichst du sofort ab. Bei Säuglingen, Neu- und Frühgeborenen bedenkst du, dass sie auskühlen oder sich verbrühen können.

Nicht bei Lähmung

Ist ein Mensch kognitiv eingeschränkt oder gelähmt, darfst du weder Kälte noch Eis noch Wärme anwenden. Er kann unangenehme Veränderungen nicht bemerken oder mitteilen.

Pratik kural

Kälte bei akutem Trauma, Prellung und Schwellung, nie direkt auf eine Wunde. Wärme bei Muskel- und Rückenschmerzen, Krämpfen und Koliken, nicht bei akuter Entzündung, Verletzung oder Thrombose. Bei kognitiver Einschränkung oder Lähmung keine Kälte- oder Wärmeanwendung.

Bakım bilgisi

Ablenkung und Entspannung

Herr C. liegt seit Tagen nach seiner OP im Bett. „Wenn ich nichts zu tun habe, spüre ich die Schmerzen viel mehr“, sagt er.

Über das Gehirn lässt sich das Schmerzerleben auch mit kognitiven Techniken positiv verändern. Nachweislich hilft gezielte Ablenkung gegen Schmerzen: Der Mensch richtet seine Aufmerksamkeit auf einen anderen Reiz als den Schmerz. Wer aktiv und mobil ist, kann sich selbst ablenken, zum Beispiel mit Fernsehen, Lesen, Sport, Bewegung oder Hobbys. Menschen, die immobil oder kognitiv eingeschränkt sind, brauchen dagegen gezielte Ablenkung von außen. Dafür eignen sich taktile, auditorische und visuelle Reize, zum Beispiel:

  • vorlesen, Geschichten erzählen, Gespräche führen
  • Musik hören: nach der Lieblingsmusik fragen, ggf. mit Kopfhörern, damit Mitpatienten nicht gestört werden
  • Blumen aufstellen, Bilder aufhängen, zum Beispiel Erinnerungsfotos
  • Besuch von Familie oder Freunden

Hilft eine Ablenkungsstrategie, nimmst du sie in den Pflegeplan auf.

Auch Entspannungstechniken lindern Schmerzen. Beispiele sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Meditation und autogenes Training. Bei Jacobson spannt der Mensch bewusst bestimmte Muskelgruppen an und lässt wieder locker. Vor allem verbessern diese Techniken das Wohlbefinden und erhöhen die Schmerztoleranz.

Kinder lenkst du so ab, wie es zu ihrem Alter passt, etwa mit Geschichten, Liedern oder Bilderbüchern. Das Kind sollte dabei wissen, dass du es ablenkst. Du täuschst es nicht über eine schmerzhafte Maßnahme, die gleich kommt.

Ätherische Öle

Bis auf wenige Ausnahmen kommen ätherische Öle nicht pur auf die Haut. Du verdünnst sie mit einem Basisöl und testest vorher am Unterarm, ob sie vertragen werden. Bei Kindern und Säuglingen dürfen sie gar nicht angewendet werden oder nur, nachdem du mit einem Fachexperten Rücksprache gehalten hast. Öle mit Eukalyptol, Menthol oder Kampfer können die Atemwege stark reizen. Das kann bis zum Kehlkopfkrampf und Atemstillstand gehen.

Pratik kural

Gezielte Ablenkung und Entspannung können das Schmerzerleben positiv verändern. Immobile und kognitiv eingeschränkte Menschen brauchen Ablenkung von außen.

Bakım bilgisi

Stabile und instabile Schmerzsituation

Frau L. hat seit Jahren Arthroseschmerzen. Mit Wärmflasche und Tabletten kommt sie gut zurecht. Jetzt wird sie für eine Operation aufgenommen.

Seit der Expertenstandard 2020 aktualisiert wurde, gibt es die Unterscheidung zwischen einer stabilen und einer instabilen Schmerzsituation. Das gilt für chronische und für akute Schmerzen.

Stabil ist die Situation, wenn der Mensch seine Schmerzen subjektiv akzeptabel findet und nichts daran verändern möchte. Woran du das zum Beispiel erkennst:

  • Der Betroffene findet seine Schmerzsituation akzeptabel.
  • Er weiß, was er bei möglichen Komplikationen und Krisen tun kann.
  • Er kann am Alltagsleben teilnehmen und ist mit seiner Situation zufrieden.
  • Bei chronischen Schmerzen hat er eine Therapie, medikamentös und/oder nicht medikamentös.

Instabil ist die Situation vor allem dann, wenn die Schmerzlinderung auf Dauer keine akzeptable Lage schafft und Krisen im Alltag oder bei der Gesundheit auftreten. Der Mensch verliert dann an Lebensqualität, an Funktionalität oder an sozialer Teilhabe. Das kann auch schleichend passieren.

Kommt ein Mensch, dessen chronische Schmerzen stabil sind, ins Krankenhaus, achtest du darauf, dass er seine bewährten Strategien trotz der Akutbehandlung beibehalten kann. So weit wie möglich vermeidest du, dass Krankenhausroutinen oder Eingriffe seine Situation destabilisieren.

Akut heißt instabil

Akuter Schmerz gilt zunächst immer als instabil. Bei beiden Schmerzarten solltest du einschätzen können, wann es eine Schmerzexpertin braucht.

Pratik kural

Akuter Schmerz gilt zunächst immer als instabil. Eine stabile Schmerzsituation erlebt der Mensch als akzeptabel. Kommt er ins Krankenhaus, hältst du seine bewährten Strategien aufrecht.