Essen anreichen

Vakada çalışFrau Hartmann — Essen und Trinken am Tisch: wählen, sitzen, anreichen, trinken
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Essen anreichen

Herr K. hatte eine Sepsis. Seine Hände sind so schwer und geschwollen, dass er sie allein nicht anheben kann. Essen möchte er trotzdem selbst.

Braucht ein Mensch Unterstützung beim Essen, ist diese Zeit oft auch Zeit für Kommunikation, nicht nur für die Nahrungsaufnahme. Wie lange das Essen dauert, richtet sich immer nach ihm.

Unterstützungsbedarf erkennen: Hinweise bekommst du aus Gesprächen mit ihm oder seinen Bezugspersonen, aus der Beobachtung beim Essen und aus der Patientenakte, etwa einer Diagnose wie Schluckstörung. Der Hilfebedarf lässt sich in Stufen einteilen:

  • vollständig selbstständig: richtet sein Essen allein an und beschafft es selbst
  • selbstständig: braucht Hilfe beim Beschaffen oder Anrichten, kann zum Beispiel nicht allein zur Cafeteria gehen
  • eingeschränkt selbstständig: braucht Hilfe bei der Vorbereitung, zum Beispiel beim Brotschmieren oder Fleischschneiden
  • selbstständig mit Hilfe: braucht Besteck oder Wasserglas angereicht, Essen und Trinken selbst sind kein Problem
  • hoher Hilfebedarf: kann das Essen nicht mundgerecht verarbeiten, zum Beispiel nicht vom Brot abbeißen oder das Glas zum Mund führen; das Schlucken bereitet kaum oder gar keine Probleme
  • sehr hoher Hilfebedarf: kann auch mit Unterstützung keine Nahrung aufnehmen; die Ernährung lässt sich nur über eine Magensonde, eine PEG oder parenteral sichern

Ergebnisse und jede Änderung werden dokumentiert und im Team weitergegeben.

Aktivierend unterstützen: Auch hier gilt: Unterstütze nur so weit, wie der Mensch es braucht. Du unterstützt den Menschen in seinen Bewegungen, statt sie ihm abzunehmen. Ein Beispiel: Du legst eine Hand unter sein Handgelenk und eine unter seinen Ellenbogen. Die Gelenke umfasst du nicht, sondern du führst und stützt nur. So bestimmt er das Tempo selbst und gibt das Gewicht seiner Hand an dich ab. Wenn er den Löffelstiel nicht greifen kann, verdickst du den Griff, zum Beispiel mit einem darumgewickelten Waschlappen. Den fixierst du mit einem Pflasterstreifen. So kann er leichter greifen. Auch eine verbale und anbahnende Anleitung fördert die Eigenaktivität: Du gibst ihm den Löffel in die Hand und führst ihn gemeinsam mit ihm zum Mund. Erst wenn er die Nahrung nicht selbst zum Mund führen kann, übernimmst du das, in angepasster Geschwindigkeit.

So reichst du Essen an:

  • Das Anreichen soll so natürlich wie möglich sein. Berücksichtige die individuelle Situation: Allergien und Unverträglichkeiten, Ernährungsform, Nährstoffbedarf, Portionsgröße und Häufigkeit.
  • Berücksichtige den medizinischen Zustand, zum Beispiel einen angeordneten Kostaufbau oder Zwischenmahlzeiten bei Diabetes. Bei einer Schluckstörung legt die Logopädie die Konsistenz fest.
  • Alle, die Mahlzeiten zubereiten oder bringen, beachten die Hygienestandards: Händehygiene, Schutzkleidung und Umgebungshygiene.
  • Leg die Hilfsmittel bereit: Zahnprothese, Brille, Hörgerät, eventuell spezielles Besteck.
  • Biete an, vorher die Hände zu waschen und eventuell den Mund zu spülen. Sorge für eine ruhige Atmosphäre, und plane genug Zeit ein. Wenn nötig, lüftest du vor und nach dem Essen kurz, damit unangenehme Gerüche verschwinden.
  • Unterstütze ihn dabei, aufrecht zu sitzen (Aspirationsprophylaxe).
  • Setz dich neben ihn, auf gleicher Höhe, damit du nicht auf ihn herabsiehst. Der Teller steht in seinem Blickfeld. Er sollte Blickkontakt zur Mahlzeit und zu dir haben. Das fördert die soziale Interaktion und sein Wohlbefinden. Besprecht gemeinsam, womit er anfangen möchte und was er vielleicht gar nicht essen will.
  • Lass ihn die Temperatur der Speisen prüfen, und sei vorsichtig bei heißen Speisen. Wenn er das nicht selbst kann, unterstützt du ihn dabei.
  • Führe das Besteck von vorn unten an den Mund, und nimm das Besteck, das er gewohnt ist. Speisen, die sonst mit der Hand gegessen werden, wie Brot, reichst du mit der Gabel an. Nur wenn es anders nicht geht, nimmst du einen kleineren Löffel. Das sollte die Ausnahme sein.
  • Er bestimmt Geschwindigkeit und Reihenfolge. Gib ihm Zeit zum Kauen und Schlucken. Reich erst nach, wenn sein Mund vollständig leer ist, vor allem wenn du zwischendurch Getränke anbietest. Hilfreich kann ein vereinbartes Zeichen sein, mit dem er zeigt: Ich habe geschluckt und bin bereit für den nächsten Bissen.
  • Mische unterschiedliche Konsistenzen nicht (Aspirationsgefahr).
  • Wenn er müde wird, legst du eine Pause ein. Dränge ihn nie.
  • Danach fragst du nach seinem Wohlbefinden, lässt ihn den Mund ausspülen und reinigst eventuell die Prothese. Zur Aspirationsprophylaxe bleibt der Oberkörper noch etwa 30 Minuten erhöht. Die Klingel liegt in Reichweite, und du bietest ein Getränk an.
  • Leite Angehörige an und beziehe sie ein.

Würde wahren: Du bietest eine Serviette an, kein „Lätzchen“. Das Wort „Füttern“ vermeidest du bewusst. Es wird nur für Säuglinge und Tiere verwendet. Veränderte Tischmanieren akzeptierst du. Essplatz vorbereiten: Richte die Speisen so an, dass der Mensch möglichst selbstständig essen kann. Achte auf die passende Tischhöhe: Er kann die Arme aufstützen und hat einen guten Überblick. Am Nachtkästchen stellst du den Ausziehtisch auf die richtige Höhe. Glas und Messer stehen bei Rechtshändern rechts, bei Linkshändern links. Damit nichts umfällt, steht hohes Geschirr hinten und niedriges vorn. Wenn nötig, hilfst du beim Fleischschneiden, beim Brotrichten oder beim Öffnen von Marmeladendöschen. Ess- und Trinkhilfen wählst du nach seinem Wunsch und seinen Ressourcen aus, zum Beispiel:

  • Teller mit erhöhtem Rand oder Telleraufsatz: Speisen werden nicht über den Rand geschoben.
  • Einhandbesteck oder Besteckhalter: Er kann mit einer Hand essen.
  • Klammergabel: Am Tellerrand befestigt, hält sie das Schneidegut fest, zum Beispiel die Wurst.
  • Eierbecher mit Saugfuß und Anti-Rutschmatte: Becher und Teller rutschen nicht weg.
  • Schneidehilfen: Er kann zum Beispiel Brot mit einer Hand schneiden.

Atmosphäre: Rituale wie ein Lied, ein Gebet, ein Gedicht oder sich die Hände reichen geben Kindern wie alten Menschen Orientierung. Sie schaffen ein Gefühl von Gemeinschaft und Sicherheit. Ein schön gedeckter, übersichtlicher Tisch gefällt auch kranken, alten und pflegebedürftigen Menschen. Dazu gehören Tischdecke, Servietten und vollständiges Besteck. Das eigene Frühstücksbrett oder die Lieblingstasse geben Individualität und Sicherheit. Selbstverständlich sollte Porzellangeschirr sein. Unappetitlich sind zum Beispiel ein verschmutzter Tisch, nasse Servietten oder übergelaufene Suppen. Achte auf Sitzmöbel, die bequem und sicher sind, und auf genug Platz für Rollstühle und Gehhilfen. Die Mahlzeit soll in einer angenehmen, entspannten, wenn möglich familienähnlichen Atmosphäre stattfinden. Bei kognitiv beeinträchtigten Menschen helfen wenige, gezielte und kontrastreiche Sinnesangebote, etwa weißes Geschirr mit farbigem Rand auf einer farbigen Tischplatte. Vermeide eine Reizüberflutung: Diese Menschen lassen sich leicht ablenken und wenden sich dann vom Essen ab. Bei Demenz kann entspannende Musik positiv wirken, wenn sie leise und niederfrequent ist. Musik kann aber auch stören und ablenken. Sinne anregen:

  • Hören: Klapperndes Geschirr weckt Aufmerksamkeit und Neugier. Du sagst, was es zu essen gibt, und wünschst einen guten Appetit.
  • Sehen: Die Brille ist sauber geputzt. Die Speisekarte hat eine große Schrift und bekannte Namen für die Speisen. Püriertes Essen soll mit Farben, Soßen und Dekoration appetitlich aussehen. Teilpürierte Kost kann eine Alternative sein.
  • Riechen: Ein leckerer Duft regt den Appetit und die Bildung der Verdauungssekrete an. Geruch nach Urin und Stuhl oder abgestandene Luft verderben den Appetit.

Rolle der Pflege: Damit jeder beim Essen individuell unterstützt wird, braucht es zu den Mahlzeiten genug Personal. Das ist die Voraussetzung. Für die Mahlzeiten sind zusätzliche Pflegende sinnvoll. Auch geschulte Hilfspersonen sind möglich, angeleitet von Pflegefachpersonen.

Besondere Situationen:

  • Eingeschränktes Sehen: Kontrastreiches Geschirr hilft bei der Orientierung, zum Beispiel ein weißer Untergrund, ein blauer Becher und ein roter Teller. Berücksichtige seine Gewohnheiten, etwa wo er sein Glas hinstellt oder sein Besteck ablegt. Wichtig ist: und das Geschirr steht immer ähnlich. Die Lage der Speisen beschreibst du wie auf einem Zifferblatt, zum Beispiel: Fleisch bei 2 Uhr, Gemüse bei 6 Uhr.
  • Hemianopsie oder Neglect: Der Mensch sieht eine Hälfte des Tellers vielleicht nicht, isst nur eine Seite leer und wundert sich über die kleine Portion. Dann drehst du den Teller.
  • Kognitive Beeinträchtigung und Unruhe: Auf das Essverhalten wirken sich Unterbrechungen und Hektik ungünstig aus. Oft stellen die Menschen dann unter großer Unruhe das Essen ganz ein oder lassen sich nur schwer motivieren. Möglichst wenige verschiedene Pflegende betreuen ihn. Wer während der Mahlzeit oft aufsteht und umhergeht, isst an Essstationen (Eat by walking) oft mehr. Auch eine beruhigende Interaktion und weniger Stress und Lärm helfen. Fingerfood, lauwarm und in mundgerechten Portionen, wird meist gut angenommen. Erkennt er Speisen nicht, kann er sie durch Anfassen „begreifen“.
  • Ältere Menschen: Der Geschmackssinn lässt im Alter nach. Speisen werden deshalb kräftig gewürzt, vor allem mit Kräutern, aber nicht gesalzen.
  • Kranke Kinder: Das Kind sieht das Essen, und du sitzt auf Augenhöhe mit ihm. Wie schnell angereicht wird, bestimmt das Kind. Wisch nicht ständig Wangen oder Lippen ab, das irritiert. Die Eltern können eingebunden und angeleitet werden. Druck beim Essen kann zu Protest bis zur Verweigerung führen.

Säuglinge: Für die ersten 6–8 Monate nach der Geburt wird Stillen als optimale Ernährung empfohlen. Muttermilch (Frauenmilch) ist dann die beste Nahrung. Tee oder Wasser braucht ein voll gestilltes Kind nicht zusätzlich. Stillt eine Mutter nicht, weil sie nicht kann oder nicht möchte, gibt es industriell hergestellte Säuglingsnahrung, zum Beispiel „Pre“-Nahrung. Auch dann trinkt der Säugling meist nach Bedarf (ad libitum): Er bestimmt, wann und wie viel er trinkt. Bekommt er die Flasche, prüfst du vorher die Temperatur, indem du etwas Milch auf die Innenseite deines Unterarms tropfst. Du hältst ihn halb sitzend im Arm, sodass ihr Blickkontakt habt. Einen Säugling mit abgestützter Flasche hinzulegen, birgt ein hohes Aspirationsrisiko. Zwischendurch und am Ende der Mahlzeit gibst du ihm Gelegenheit zum Aufstoßen. Milch wird nie in einer Thermosflasche warm gehalten, weil sich Keime darin rasch vermehren. Milchreste verwirfst du nach der Mahlzeit. Leck nie den Schnuller oder Löffel des Kindes ab. Sonst kannst du den Kariesverursacher Streptococcus mutans auf das Kind übertragen.

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Beim Essenanreichen bestimmt der Mensch Tempo und Reihenfolge. Du sitzt auf gleicher Höhe, reichst erst nach, wenn sein Mund leer ist, und unterstützt nur so weit, wie er es braucht.

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Worauf achtest du beim Essenanreichen?

aufrecht sitzen lassen, Hilfsmittel bereitlegen (Prothese, Brille, Hörgerät); auf gleicher Höhe neben ihm sitzen, Teller im Blickfeld; er bestimmt Tempo und Reihenfolge; Besteck von vorn unten, erst nachreichen, wenn der Mund leer ist; Konsistenzen nicht mischen, bei Müdigkeit Pause; Serviette statt Lätzchen, nie „Füttern“ sagen; danach Mund spülen, Oberkörper etwa 30 Minuten erhöht

Wer bestimmt beim Essenanreichen das Tempo, und wann reichst du den nächsten Bissen an?

Beim Essenanreichen bestimmt der Mensch Tempo und Reihenfolge. Du sitzt auf gleicher Höhe, reichst erst nach, wenn sein Mund leer ist, und unterstützt nur so weit, wie er es braucht.

Vakada çalışFrau Hartmann — Essen und Trinken am Tisch: wählen, sitzen, anreichen, trinken