Religiöse Speiseregeln erfragen
تدرّب على الحالةHerr Aydın — wenn es über den Mund nicht reicht: Sonde, Beobachtung, BilanzKultur und Religion
Wie, wann und was ein Mensch isst, hängt auch von gesellschaftlichen und religiösen Bräuchen ab. Nicht alle Gläubigen halten die Vorschriften gleich streng ein. Welche religiösen Regeln er lebt, besprichst du deshalb schon bei der Aufnahme im Pflegeanamnesegespräch. Erfrage seine Gepflogenheiten, zum Beispiel ob er sich vor dem Essen die Hände unter fließendem Wasser waschen oder beten möchte. Im Zweifel kannst du vegetarische Kost anbieten. Mit den Angehörigen wird ausgehandelt, wer was mitbringt. Dabei wird auch erklärt, warum welche Nahrung kontraindiziert ist, zum Beispiel Honiggebäck bei Diabetes mellitus.
Islam:
- Verboten (haram) sind Schweinefleisch und alle Nahrungsmittel, die aus dem Schwein hergestellt sind. Dazu gehören auch Lebensmittel mit Geliermitteln aus dem Schwein, zum Beispiel Gummibärchen, Pudding, Joghurt oder Kuchen. Erlaubt heißt halal.
- Viele gängige Käsesorten enthalten Kälberlab, zum Beispiel Gouda und Edamer, oder Gelatine, zum Beispiel Frischkäse. Auf der Packung steht das nicht eigens.
- Fleisch ist nur erlaubt, wenn das Tier geschächtet wurde.
- Alkohol ist verboten, auch in Soßen oder Kefir. In vielen flüssigen Medikamenten ist Alkohol als Lösungsmittel enthalten. Kläre mit dem Menschen, ob er dann eine Ausnahme machen kann. Schließlich soll die Therapie seiner Gesundheit dienen. Wenn es nötig ist, nehmen viele Muslime alkoholhaltige Medikamente.
- Die Hauptmahlzeit essen viele gern am Abend.
- Wichtig ist das Händewaschen vor dem Essen. Nach dem Essen spülen sich viele Muslime den Mund aus.
- Im Fastenmonat Ramadan essen und trinken Gläubige erst nach Sonnenuntergang und nur bis Sonnenaufgang. Auch Genussmittel wie Kaffee und Tee sind tagsüber verboten. Gläubige essen dann zweimal am Tag. Der Ramadan dauert 30 Tage, an seinem Ende steht das Fastenbrechen (Zuckerfest). In nördlichen Breiten ist das Fasten schwer einzuhalten. Manche unterbrechen es deshalb zwischen 23 und 3 Uhr, andere richten sich nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in Mekka. Vom Fasten ausgenommen sind unter anderem Kinder bis zur Pubertät, Kranke, Schwangere, menstruierende Frauen, alte und schwache Menschen und Reisende. Wenn ein kranker Muslim trotzdem fasten möchte, wird das mit Arzt und Pflegenden abgesprochen. Schwere gesundheitliche Folgen kann vor allem das Trinkverbot am Tag haben, etwa eine Dehydrierung und Kreislaufschwäche. Die Klinik versucht, den Speiseplan anzupassen, und oft springen auch die Angehörigen ein.
Judentum: Strenggläubige Juden essen koscher, also nach den jüdischen Speisegesetzen. Blut zu verzehren ist verboten. Deshalb schächtet ein Schächter (Schochet) die Tiere, sodass sie vollständig ausbluten. Gekauftes Fleisch wird außerdem gewässert und gesalzen, damit die letzten Reste Blut herausgehen. Erst dann ist es koscher. Nur bestimmte Tiere sind erlaubt: Säugetiere mit gespaltenen Hufen, die Wiederkäuer sind, zum Beispiel Rinder, Schafe und Ziegen. Auch Wild ist erlaubt, wenn es geschächtet und nicht geschossen wurde. Erlaubt sind außerdem Vögel außer Raubvögeln und Fische mit Schuppen und Flossen. Schweinefleisch, Krebse, Krabben und Muscheln gehören nicht dazu. Fleisch und Milchprodukte werden strikt getrennt, bei der Lagerung, der Zubereitung, beim Verzehr und beim Geschirr. Wer Fleisch gegessen hat, wartet einige Stunden, bevor er etwas Milchiges isst. Umgekehrt reicht eine halbe Stunde. Fisch, Eier, Gemüse und Früchte sind neutral (parve) und passen zu allem. Das Händewaschen hat eine rituelle Bedeutung. Biete es bettlägerigen Menschen möglichst oft an, besonders vor jeder Mahlzeit.
Christentum: Christen essen an Sonn- und Feiertagen meist festlich. Viele Christen verzichten am Freitag auf Fleisch und essen zum Beispiel Fisch. Jesus soll an einem Freitag gestorben sein, das ist der Hintergrund. In der Fastenzeit, die 40 Tage vor Ostern beginnt, verzichten sie zum Beispiel auf Genussmittel. Eine strenge Fastenphase wie den Ramadan gibt es im Christentum nicht.
Hinduismus: Fast alle Hindus lehnen Rindfleisch und alle Produkte daraus ab, denn Kühe gelten als heilig. Viele Hindus essen vegetarisch. Das ist kein Dogma, gilt aber wegen der angestrebten Gewaltlosigkeit als ideal. Je nach religiöser Strömung fasten Hindus regelmäßig. Die Zeiten sind individuell, im Zweifel fragst du nach.
Buddhismus: Speisevorschriften gibt es nicht. Viele Buddhisten bevorzugen aber vegetarische Kost. Dahinter steht der Grundsatz „Du sollst nicht töten.“
Religiöse Speiseregeln erfragst und beachtest du. Muslime essen kein Schweinefleisch, auch keine Gelatine aus dem Schwein, und trinken keinen Alkohol. Bei Medikamenten mit Alkohol klärst du mit dem Menschen, ob er eine Ausnahme macht. Kranke sind vom Fasten im Ramadan ausgenommen. Wenn ein kranker Mensch trotzdem fasten will, wird das mit Arzt und Pflege abgesprochen.
اختبر نفسك
Welche Speiseregeln gelten im Islam, und was ist im Ramadan zu beachten?
verboten (haram): Schweinefleisch und alles aus dem Schwein, auch Gelatine (z. B. Gummibärchen, Pudding); Fleisch nur von geschächteten Tieren; kein Alkohol, auch in Soßen; bei Medikamenten mit Alkohol eine Ausnahme mit dem Menschen klären; Ramadan: essen und trinken nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang; vom Fasten ausgenommen: Kinder bis zur Pubertät, Kranke, Schwangere, Menstruierende, Alte, Schwache, Reisende; will ein Kranker trotzdem fasten: Absprache mit Arzt und Pflege, Gefahr der Dehydrierung
Worauf achtest du beim Essen eines muslimischen Patienten, der im Ramadan fasten möchte?
Religiöse Speiseregeln erfragst und beachtest du. Muslime essen kein Schweinefleisch, auch keine Gelatine aus dem Schwein, und trinken keinen Alkohol. Bei Medikamenten mit Alkohol klärst du mit dem Menschen, ob er eine Ausnahme macht. Kranke sind vom Fasten im Ramadan ausgenommen. Wenn ein kranker Mensch trotzdem fasten will, wird das mit Arzt und Pflege abgesprochen.