Sterbephasen nach Kübler-Ross
تدرّب على الحالةLydia Schmidt, 86 — AbschiedSterbephasen nach Kübler-Ross
Elisabeth Kübler-Ross (1926–2004), eine Psychiaterin, führte Interviews mit sterbenden Menschen. Bei vielen sah sie Parallelen im Verhalten. Daraus entwickelte sie ein Modell mit fünf Phasen der bewussten Auseinandersetzung mit Sterben und Tod. Es beschreibt eine Art Reifeprozess. An seinem Ende steht, dass der Mensch den bevorstehenden Tod akzeptiert. Auch Angehörige können diese Phasen in ähnlicher Form durchlaufen.
- Nicht-wahrhaben-Wollen
Die infauste Diagnose will der Mensch nicht wahrhaben, er ist wie in einer Schockphase. Vielleicht spricht er von einer Fehldiagnose oder zieht sich zurück. Du solltest seine Wünsche akzeptieren und darauf eingehen. Zeig ihm, dass du zu einem Gespräch bereit bist, aber dräng es ihm nicht auf. Den Zeitpunkt bestimmt er. Mit Fakten konfrontierst du ihn nicht weiter, solange er dafür nicht bereit ist.
- Zorn
Er begreift die unheilbare Erkrankung. Zorn, Wut und Neid können folgen („Warum ich?“). Mitunter beschwert er sich über das Verhalten seiner Angehörigen, über Mitpatienten, das Essen oder Pflegemaßnahmen. Du solltest das nicht persönlich nehmen und Verständnis aufbringen. Wenn er sich über seine Behandlung beschwert, meint er in Wahrheit nicht das Team. Gib ihm die Möglichkeit, seine Gefühle herauszulassen, indem du zuhörst.
- Verhandeln
Er klammert sich an den kleinsten Hoffnungsschimmer, um Lebenszeit zu gewinnen. Ein bestimmtes Ereignis möchte er vielleicht noch miterleben, etwa einen runden Geburtstag, und macht dafür Versprechungen oder legt ein Gelübde ab. Verhandelt wird eher mit dem Schicksal oder Gott als mit den Ärzten. Du solltest keine unrealistischen Hoffnungen nähren, seine Hoffnungen aber auch nicht zerstören. Hör ihm zu, ohne seine Ideen zu bewerten.
- Depression
Er erkennt sein Schicksal an und trauert um alles, was er verlieren wird. Auch Schuldgefühle können auftreten. Viele machen jetzt ein Testament oder versöhnen sich. Du solltest jede Form von Traurigkeit zulassen, nicht darüber hinwegtrösten und nicht ablenken. Nimm ihn in seiner Trauer ernst, signalisiere Verständnis und sei für ihn da. Zeig ihm, dass du ihn nicht allein lässt und die Traurigkeit mit ihm aushältst. Versuch, ihm mitmenschliche Nähe zu schenken, und unterstütze ihn bei konkreten Wünschen.
- Annahme/Akzeptanz
Er kämpft nicht mehr gegen den Tod an, sondern erwartet ihn ruhig oder bereitet sich vor. Er ist müde und schläft viel. Du solltest dir viel Zeit nehmen. Was er sich jetzt wünscht, besprichst du mit ihm.
Starr in eine Richtung durchlaufen Sterbende die Phasen nicht. Ganz ausfallen können einige Phasen. Manche Menschen fallen in eine vorherige zurück. Es gibt Mischformen mit mehreren Phasen gleichzeitig und langsame Übergänge. Nicht jeder kommt an den Punkt, an dem er den bevorstehenden Tod akzeptiert. Sinnvoller ist es deshalb, im Sterbeprozess statt von Phasen von verschiedenen möglichen Zuständen zu sprechen.
Das Modell ist nur ein Modell. Es veranschaulicht komplexe psychische Vorgänge vereinfacht. Mit seiner Hilfe kannst du die Reaktionen eines Sterbenden besser verstehen und verschlüsselte Signale leichter deuten. Es hat aber Grenzen: Viele Menschen sterben plötzlich und haben keine Zeit für eine Auseinandersetzung mit dem Tod. Bei anderen ist das Bewusstsein durch die Erkrankung oder eine Therapie eingeschränkt. In seiner ursprünglichen Form gilt das Modell heute als überholt. Prozesse menschlichen Erlebens verlaufen nicht in festgelegten Phasen nacheinander.
Erwarte keinen bestimmten Verlauf mit dem Ziel Akzeptanz. Das ist nicht hilfreich und kann alle Beteiligten unter Druck setzen. Wann ein Mensch stirbt, sagt auch dieses Modell nicht. Nimm wahr, was der Mensch gerade empfindet, und hol ihn dort ab, wo er sich gerade befindet.
Die fünf Phasen nach Kübler-Ross sind Nicht-wahrhaben-Wollen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Sie müssen nicht der Reihe nach auftreten, und nicht jeder erreicht die Akzeptanz. Du begleitest den Menschen dort, wo er gerade ist.
اختبر نفسك
Wie verhältst du dich in der Phase des Zorns?
nicht persönlich nehmen, Verständnis aufbringen; zuhören und ihn seine Gefühle herauslassen lassen
Wie lauten die fünf Phasen nach Kübler-Ross, und was ist ihre wichtigste Grenze?
Die fünf Phasen nach Kübler-Ross sind Nicht-wahrhaben-Wollen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Sie müssen nicht der Reihe nach auftreten, und nicht jeder erreicht die Akzeptanz. Du begleitest den Menschen dort, wo er gerade ist.