Medikamente in der Sterbephase

Im Fall übenLydia Schmidt, 86 — Die letzten Tage
Pflege-Wissen

Medikamente in der Sterbephase

Herr K. kann seine Tabletten nicht mehr schlucken. Auf seinem Medikamentenplan stehen noch neun.

In der Sterbephase richtet sich die Behandlung allein nach dem Therapieziel Lebensqualität und dem (mutmaßlichen) Willen des Patienten. Jedes Medikament und jede Maßnahme wird darauf geprüft, ob es nützt, also Symptome lindert, oder belastet. Jedes braucht eine Indikation.

Weniger kann entlasten. Neu angesetzt oder weitergeführt werden sollen nur Medikamente, die eine bestmögliche Lebensqualität in der Sterbephase fördern. Das sind vor allem Opioide, Antipsychotika, Benzodiazepine und Anticholinergika. Medikamente ohne erreichbares oder sinnvolles Therapieziel sollen abgesetzt werden, tumorspezifische Medikamente und Maßnahmen sollen enden. Verzichten lässt sich in der Sterbephase z. B. auf Antibiotika, Antidepressiva, Antikoagulantien, Diuretika, Insuline, Kardiaka, Kortikosteroide, Laxantien, Sauerstoff oder Blutprodukte. Für viele Sterbende kann schon die kleinere Zahl an Medikamenten eine Entlastung sein.

Wenn Schlucken nicht mehr geht: Notwendige, symptomlindernde Medikamente sollen dann in angepasster Dosierung auf anderem Weg gegeben werden: parenteral (subkutan, intravenös), über die Schleimhaut (nasal, buccal, sublingual) oder rektal. Alle Medikamente, die in der Sterbephase nötig sind, lassen sich subkutan verabreichen. Über einen Zugang im Unterhautfettgewebe an Bauch, Brustkorb, Oberschenkel oder Oberarm sind wiederholte Gaben möglich, ohne öfter stechen zu müssen, auch über eine tragbare Spritzenpumpe. Eine Subkutannadel kann bis zu sieben Tage liegen bleiben. Medikamente und Flüssigkeit sollten nicht über dieselbe Stelle laufen. Ein Schmerzpflaster, das ausreichend wirkt, kann auch in der Sterbephase weitergeführt werden. Der Dosisbedarf kann sich in der Sterbephase ändern, nach oben, nach unten oder gar nicht.

Auch Maßnahmen werden geprüft: Medizinische, pflegerische und physiotherapeutische Maßnahmen, die nicht der bestmöglichen Lebensqualität dienen, sollen in der Sterbephase nicht begonnen werden. Laufen sie schon, sollen sie beendet werden. Beispiele sind Beatmung, Reanimation, Dialyse, intensivmedizinische Maßnahmen oder die Positionierung zur Dekubitus- oder Pneumonieprophylaxe. Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Blutzucker, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur sollen nicht mehr gemessen und dokumentiert werden, wenn das nicht hilft, Symptome zu lindern. Empfohlen ist, den Status zur Reanimation für alle im Team sichtbar zu dokumentieren, besser positiv formuliert als AND (allow natural death) statt DNR. Trägt ein Sterbender einen implantierten Defibrillator (ICD), soll dessen Schockfunktion deaktiviert werden.

Keine Routine

Die Sterbephase allein ist keine Indikation für Medikamente wie Morphin. Viele Sterbende brauchen keine, weil sie keine behandlungsbedürftigen Symptome wie Atemnot oder Schmerzen haben.

Faustregel

In der Sterbephase bleibt nur, was die Lebensqualität fördert. Kann der Mensch nicht mehr schlucken, bekommt er die nötigen Medikamente subkutan oder auf anderem Weg. Ein ausreichend wirksames Schmerzpflaster darf weiterlaufen.

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Welche vier Medikamentengruppen gelten in der Sterbephase als wesentlich?

Opioide, z. B. Morphin; Benzodiazepine, z. B. Midazolam; Neuroleptika, z. B. Haloperidol; muskarinerge Anticholinergika, z. B. Butylscopolamin

Was geschieht mit den Medikamenten, wenn ein Sterbender nicht mehr schlucken kann?

In der Sterbephase bleibt nur, was die Lebensqualität fördert. Kann der Mensch nicht mehr schlucken, bekommt er die nötigen Medikamente subkutan oder auf anderem Weg. Ein ausreichend wirksames Schmerzpflaster darf weiterlaufen.

Im Fall übenLydia Schmidt, 86 — Die letzten Tage