Basispflege am Lebensende
Im Fall übenLydia Schmidt, 86 — Die letzten TageBasispflege am Lebensende
In der Palliativpflege und in der Sterbebegleitung steht die Lebensqualität an oberster Stelle. Manche Pflegemaßnahmen belasten einen Sterbenden zu sehr. Deshalb wägst du individuell ab, welche Maßnahmen ihm wirklich nützen, also seine Lebensqualität fördern und für ihn zumutbar sind. Standardisierte Pflegeabläufe passt du an seine momentane Situation an. Die Pflegeziele können sich je nach Krankheitsfortschritt ständig verändern. Es empfiehlt sich, Nahziele festzulegen und sie unter Umständen täglich anzupassen.
Was das für die Basispflege heißt:
- Körperpflege: Eine vollständige Körperpflege würde Sterbende meist zu sehr belasten. Du passt sie an ihre Bedürfnisse an. Ist der Mensch sehr geschwächt, schmerzgeplagt oder leidet er unter Luftnot, sollte die Körperpflege entfallen. Im Vordergrund steht neben der Hygiene das Wohlbefinden. Manche empfinden es als wohltuend, wenn Hände oder Füße eingerieben werden. Angehörige können nach einer Anleitung mithelfen.
- Ausscheiden: In der Sterbephase werden auch bisher kontinente Menschen meist inkontinent. Einen Dauerkatheter zu legen, ist in der Regel nicht angezeigt, denn durch die versiegende Nierenfunktion wird kaum noch Urin produziert. Stattdessen trägt der Mensch eine Schutzhose mit Einlagen. Das Inkontinenzmaterial wechselst du so schonend wie möglich. Bei geringer Ausscheidung lässt sich der Urin oft mit zusammengerollten Binden auffangen. So bleibt ihm der anstrengende Wechsel der Schutzhose erspart.
- Dekubitusprophylaxe: Schon wegen ihrer fehlenden Mobilität haben die meisten Sterbenden ein erhöhtes Dekubitusrisiko. Ein regelmäßiger Positionswechsel ist trotzdem nicht angezeigt, wenn er starke Schmerzen verursacht oder den Menschen zu sehr anstrengt. Sein Wunsch wird berücksichtigt. Positionsveränderungen führst du möglichst schonend durch, Mikrolagerungen können helfen. Beobachte oder erfrage, welche Position er gut aushält oder als angenehm empfindet. Möglichst verzichtet werden sollte auf Wechseldrucksysteme: Die Körperwahrnehmung ist in der Sterbephase oft gestört, und diese Störung kann durch eine Wechseldruckmatratze verstärkt werden. Das kann Unruhe auslösen. Eine umgrenzende Positionierung wie die Nestlage kann ängstlichen Menschen Geborgenheit vermitteln.
- Andere Prophylaxen: In der Sterbephase haben sie eine untergeordnete Bedeutung. Sie sollten individuell besprochen werden, im Team und mit dem Menschen und seinen Bezugspersonen.
Alle medizinischen, pflegerischen und physiotherapeutischen Maßnahmen, die nicht dem Ziel bestmöglicher Lebensqualität dienen, sollen in der Sterbephase nicht begonnen werden. Wurden sie schon vorher begonnen, sollen sie beendet werden. Dazu kann auch die Positionierung zur Dekubitus- oder Pneumonieprophylaxe gehören. Die Messung und Dokumentation von Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Blutzucker, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur sollen beendet werden, wenn sie für die Symptomlinderung keinen Nutzen haben.
In einer palliativen Situation ist ein Dekubitus nicht zwingend ein Pflegefehler. In manchen Fällen ist er unvermeidbar. Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe hält das ausdrücklich fest.
Am Lebensende zählt, was dem Menschen nützt und zumutbar ist. Körperpflege, Positionswechsel und Vitalzeichenkontrollen lässt du weg, wenn sie ihn mehr belasten als nützen. Ein Dekubitus ist dann nicht zwingend ein Pflegefehler.
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Warum wird bei Sterbenden meist kein Dauerkatheter gelegt?
Durch die versiegende Nierenfunktion wird kaum noch Urin produziert. Stattdessen Schutzhose mit Einlagen, schonend gewechselt.
Wann ist ein regelmäßiger Positionswechsel bei einem Sterbenden nicht angezeigt?
Am Lebensende zählt, was dem Menschen nützt und zumutbar ist. Körperpflege, Positionswechsel und Vitalzeichenkontrollen lässt du weg, wenn sie ihn mehr belasten als nützen. Ein Dekubitus ist dann nicht zwingend ein Pflegefehler.