Angst, Hoffnung und Ambivalenz vor dem Tod

Vakada çalışLydia Schmidt, 86 — Hier will ich bleiben
Bakım bilgisi

Die psychische Dimension

Morgens sagt Herr K.: „Ich will nur noch sterben.“ Mittags isst er seinen Teller leer, „damit ich wieder zu Kräften komme“.

Emotional bleibt das Wissen um den eigenen Tod in den meisten Lebensphasen abstrakt und fern. Es beeinflusst nicht, wie Menschen die Welt sehen. Nach einer infausten Diagnose wird dieser psychologische Schutzwall durchlässig. Der Mensch ist dann konkret mit dem nahen Tod konfrontiert und reagiert auf ganz unterschiedliche Weise. Häufig sind diese emotionalen Reaktionen:

  • Angst: z. B. vor Schmerzen und anderen Symptomen, vor Abhängigkeit, Hilflosigkeit und Pflegebedürftigkeit, nicht zu Hause bleiben zu können, dass das Sterben zu schnell geht oder zu lange dauert, was mit den Angehörigen wird. Angst kann sich körperlich zeigen, etwa als Übelkeit bis hin zu Erbrechen, als Luftnot, Schlaflosigkeit oder Appetitlosigkeit. Maskiert sein kann sie auch, als betonte Heiterkeit, Rationalisierung oder Wut.
  • Trauer: Viele Verluste sind zu betrauern, etwa die Lebensperspektive, soziale Rollen, körperliche Funktionen und Fähigkeiten, Intimsphäre und Privatheit.
  • Verdrängung und Verleugnung: Betroffene zweifeln z. B. die Diagnose an. Oder sie deuten die Auswirkungen der Erkrankung so, dass sie aushaltbar sind: Die Müdigkeit kommt vom Wetter, die Übelkeit vom Essen. In der Auseinandersetzung mit dem Sterben kann Verdrängung eine Pause sein. Sie kann entlasten und die Handlungsfähigkeit bewahren. Für das Umfeld ist sie nicht immer leicht zu akzeptieren, vor allem, wenn sich der Betroffene dadurch schaden kann. Wird z. B. verleugnet, dass der Weg zum Bad allein nicht mehr geht, kann es zu Stürzen kommen.
  • Demoralisation: Sie tritt auf, wenn ein Mensch eine Situation nicht mehr bewältigen kann und das, was bisher geholfen hat, nicht mehr greift, z. B. bei akuter Verschlechterung oder neuen Symptomen. Du hörst dann z. B. den Satz „Ich kann nicht mehr“. In diesem Zusammenhang äußern Menschen auch Todeswünsche.
  • Hoffnung: Als stabilisierender Faktor begleitet sie unheilbar Kranke häufig bis zum Tod. Wird die Hoffnung auf das Überleben enttäuscht, finden Betroffene Neues, worauf sie ihre Hoffnung richten: die Hochzeit der Tochter noch zu erleben, zu Hause sterben zu können, ohne Schmerzen und geborgen zu sterben.
  • Ambivalenz: Einander widersprechende Wünsche und Gefühle treten gleichzeitig auf. Der Wunsch zu leben und der Wunsch zu sterben schließen sich nicht aus. Bei vielen Menschen bleibt dieser Zustand bis zum Schluss erhalten. Er gehört zur Erfahrung des eigenen Sterbens dazu.

Bei spirituellen Fragen geht es häufig um den Sinn: „Warum passiert mir das?“ Auch Schuld, Vergebung und Versöhnung können Themen werden. Diese Fragen zu beantworten, darum geht es in der Begleitung nicht. Wesentlich ist, dass du ihnen Raum gibst und sie mit Aufmerksamkeit würdigst.

Ambivalenz ist kein Rückschritt

Oft wird widersprüchliches Verhalten negativ bewertet, als wäre jemand „noch nicht so weit“. Dabei ist Ambivalenz ein häufiges Phänomen, das zum Sterben dazugehört.

Pratik kural

Angst, Trauer, Verdrängung, Demoralisation, Hoffnung und Ambivalenz sind häufige Reaktionen auf den nahen Tod. Widersprüchliche Wünsche gehören dazu. Spirituelle Fragen musst du nicht beantworten, du gibst ihnen Raum.

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Wie kann sich Angst bei Sterbenden zeigen?

körperlich, z. B. als Übelkeit bis hin zu Erbrechen, als Luftnot, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit; maskiert, als betonte Heiterkeit, Rationalisierung oder Wut

Welche emotionalen Reaktionen auf den nahen Tod sind häufig?

Angst, Trauer, Verdrängung, Demoralisation, Hoffnung und Ambivalenz sind häufige Reaktionen auf den nahen Tod. Widersprüchliche Wünsche gehören dazu. Spirituelle Fragen musst du nicht beantworten, du gibst ihnen Raum.

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