Dysphagie: Konsistenz und Mundpflege

Im Fall übenHerr Aydın — das Schlucken: erkennen, helfen, unterstützen
Pflege-Wissen

Bei Dysphagie unterstützen

Frau O. hatte einen Schlaganfall. Die Logopädin hat für sie pürierte Kost und angedickte Getränke festgelegt. Ihre Tochter bringt ihr eine Nudelsuppe mit.

Schluckstörungen zu behandeln, ist Aufgabe der Logopädie. Die Pflege unterstützt diese Therapie und kennt deshalb die Grundlagen. Welche Konsistenz ein Mensch mit Dysphagie sicher schlucken kann, bestimmt eine Fachperson für Dysphagie. Texturmodifizierte Kost und angedickte Flüssigkeiten sollten erst nach einer individuellen Schluckuntersuchung verordnet werden.

Soweit es sicher ist, wird das Essen über den Mund gefördert. Denn es regt die Sinne an, trainiert das Schlucken, verbessert die Lebensqualität und reinigt den Mund-Rachen-Raum.

Konsistenz: Die Speisen haben eine möglichst einheitliche Konsistenz, zum Beispiel passiert, püriert, teilpüriert oder adaptiert und weich. Flüssigkeiten lassen sich meist schlechter kontrollieren als dickflüssige Speisen. Krümelige und trockene Speisen lassen sich meist schlecht schlucken. Konsistenzen werden nicht gemischt, also zum Beispiel keine Nudelsuppe und kein Joghurt mit Früchten. Säurehaltige Speisen regen außerdem die Speichelproduktion an. Durch Milch und Süßes kann sich der Mensch verschleimt fühlen. Deutlich warme oder kalte Speisen lösen den Schluckreflex leichter aus.

Konsistenzen nicht mischen

Mische keine Konsistenzen, zum Beispiel Nudelsuppe oder Joghurt mit Früchten. Uneinheitliche Konsistenzen erhöhen die Gefahr, dass sich der Mensch verschluckt (Aspirationsgefahr).

Andicken: Angedickte Flüssigkeiten senken das Aspirationsrisiko. Je dickflüssiger, desto niedriger ist das Risiko. Mit steigender Dickflüssigkeit bleiben aber eher Reste im Rachen zurück. Außerdem trinken Menschen angedickte Getränke oft schlecht, weil sich Geschmack und Durststillung verändern. Die Trinkmenge steigt durch das Andicken nicht wesentlich. Trotz angepasster Kost haben Menschen mit Dysphagie ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung, Dehydratation und Aspirationspneumonie. Sie werden deshalb auf diese Komplikationen hin überwacht. Kleine Schluck- und Bissenmengen von höchstens 5 ml haben ein niedrigeres Aspirationsrisiko als 10 ml und mehr.

Beim Essen:

  • Der Mensch sitzt aufrecht, der Kopf ist leicht nach vorn geneigt. Bei eingeschränkter Kopfkontrolle stützt du ihn mit einem Kissen, einer Handtuchdoppelrolle auf beiden Seiten oder einer Nackenrolle. Seinen Arm führst du sicher und stabil.
  • Wenn er eine Zahnprothese hat, setzt er sie ein.
  • Du vermeidest Ablenkung, etwa durch Radio, Fernsehen oder Gespräche.
  • Lass ihn die Mahlzeit sehen und riechen, das motiviert.
  • Gib kleine Portionen auf einem Plastiklöffel. Wenn möglich, führst du seine Hand zum Mund. Den Löffel führst du auf das vordere Zungendrittel. Mit dem Löffel drückst du die Zungenspitze etwas hinunter. Das soll verringern, dass die Zunge die Nahrung reflektorisch hinausdrückt.
  • Hilfsmittel wie Plastiklöffel, spezielle Tassen oder Spezialbesteck können unterstützen.
  • Lass ihn in Ruhe schlucken und nachschlucken. Gib eine neue Portion erst, wenn der Mund vollständig leer ist.
  • Nach dem Essen lässt du ihn noch etwa 20 Minuten sitzen, damit kein Reflux entsteht.
  • Nach jeder Mahlzeit folgt eine sorgfältige Mundpflege. In den Wangentaschen sammeln sich leicht Speisereste, die du entfernst.
  • Auffälligkeiten und Veränderungen dokumentierst du und besprichst sie im interprofessionellen Team, mit Logopädie und Ärzten.

Mundhygiene: Bei einer Dysphagie sollte eine gute Mundgesundheit hergestellt und eine konsequente Mundhygiene durchgeführt werden. Das senkt das Risiko einer Pneumonie. Auch ein Mensch, der nichts isst, schluckt jeden Tag mehr als 500 ml Speichel. Eine Aspirationspneumonie entsteht vermutlich vor allem durch die Bakterien im aspirierten Speichel.

Wenn Logopädie oder Pflege eine Schluckstörung vermuten, prüfen sie vor dem Essen, ob der Husten- und der Schluckreflex intakt sind. Für den Schluckreflex legst du leicht Zeige- und Ringfinger auf den Kehlkopf. Dann forderst du den Menschen zum Schlucken auf und fühlst, wie sich der Kehlkopf bewegt. Den Hustenreflex prüfst du, indem du ihn zum Husten aufforderst oder auf spontanes Husten achtest. Ein Schlucktraining beginnt erst, wenn beide Reflexe intakt sind. Dabei muss der Mensch wach und kooperativ sein. Schlucktechniken erarbeitet der Mensch mit der Logopädie. In die richtige Technik lassen sich Pflegende einweisen. Pflegende, die mit der F.O.T.T. (Facio-orale Trakt-Therapie) arbeiten, brauchen dafür eine Fort- oder Weiterbildung.

Faustregel

Die Konsistenz bestimmt eine Fachperson für Dysphagie nach einer Schluckuntersuchung. Du mischst keine Konsistenzen, gibst kleine Portionen und erst dann mehr, wenn der Mund leer ist. Nach jeder Mahlzeit folgt die Mundpflege, auch in den Wangentaschen.

Teste dich selbst

Wie unterstützt du einen Menschen mit Dysphagie beim Essen?

Konsistenz nach Vorgabe der Logopädie, möglichst einheitlich, nie mischen; aufrecht sitzen, Kopf leicht nach vorn, Zahnprothese einsetzen; keine Ablenkung, Mahlzeit sehen und riechen lassen; kleine Portionen, erst nachreichen, wenn der Mund leer ist; danach sorgfältige Mundpflege, Wangentaschen leeren; trotz Andicken auf Trinkmenge, Gewicht und Pneumoniezeichen achten

Warum mischst du bei einer Schluckstörung keine Konsistenzen?

Die Konsistenz bestimmt eine Fachperson für Dysphagie nach einer Schluckuntersuchung. Du mischst keine Konsistenzen, gibst kleine Portionen und erst dann mehr, wenn der Mund leer ist. Nach jeder Mahlzeit folgt die Mundpflege, auch in den Wangentaschen.

Im Fall übenHerr Aydın — das Schlucken: erkennen, helfen, unterstützen