Ernährungszustand: Gewicht und BMI
Im Fall übenFrau Hartmann — den Ernährungszustand erfassen: Wiegen, Screening, Mangel, DurstDen Ernährungszustand einschätzen
Den Ernährungszustand schätzt du über mehrere Beobachtungskriterien ein:
- äußeres Erscheinungsbild und klinische Symptome
- Körpergröße
- Körpergewicht und Gewichtsverlauf
- Body-Mass-Index (BMI)
- Taillenumfang, auch im Verhältnis zum Hüftumfang (Waist-to-Hip-Ratio)
- Ernährungsgewohnheiten und Ernährungsverhalten, die du erfragst
Erscheinungsbild: In einem guten Ernährungszustand ist die Haut intakt, die Schleimhäute sind rosig und die Haare glänzen. Unterhautfettgewebe ist vorhanden, weder zu viel noch zu wenig. Knochenvorsprünge treten nicht auffällig hervor. Die Haut liegt straff über dem Körper. Der Mensch ist vital, kraftvoll und leistungsfähig. Auf einen schlechten Ernährungszustand weisen unter anderem hin:
- zu weite Kleidung, ein ausgezehrter Körper
- schlaffe Hautfalten an Armen, Bauch (Abdomen) und Gesäß
- hervorstehende Knochen, wo sonst Muskeln und Fettpolster sind, etwa im Gesicht, an Wirbelsäule, Becken und Rippen
- eingefallene, tief liegende Augen
- schuppige und trockene Haut, eine blasse Hautfarbe
- Risse oder wunde Stellen im Mund
- Müdigkeit, Mattigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Apathie
Körpergewicht: Mit dem Gewicht schätzt du den Ernährungs- und Gesundheitszustand ein. Das Gewicht ist auch wichtig, um viele Arzneimittel genau zu dosieren, zum Beispiel Narkotika, Antibiotika oder Schmerzmittel. Bei der Aufnahme wird fast jeder Patient gewogen. So gibt es einen Ausgangswert. Je nach Krankheit und Therapie wird er regelmäßig kontrolliert, zum Beispiel bei Herzinsuffizienz. Das betrifft vor allem über- und untergewichtige Menschen und Menschen mit Essstörungen, Diabetes, Tumoren oder Herz- oder Nierenerkrankungen. Auch Kinder und Säuglinge werden regelmäßig gewogen, unter anderem zur Kontrolle ihrer Entwicklung. Wenn keine gravierende Herz- oder Nierenerkrankung vorliegt, sagt der Gewichtsverlauf mehr als eine einzelne Gewichtsangabe. Jede unbeabsichtigte Gewichtsabnahme ist bei älteren Menschen ein wichtiges Warnsignal. Frühere Gewichtsverluste lassen sich oft schwer ermitteln. In der Praxis hilft die Frage, ob Rock oder Hose zuletzt spürbar zu weit geworden sind.
Vergleichbar sind die Werte nur, wenn du immer unter denselben Bedingungen wiegst:
- dieselbe Waage: Sie muss geeicht sein, prüfe deshalb zuerst das Eichdatum. Eine digitale Waage steht vor dem Wiegen auf 0.
- dieselbe Tageszeit: am besten nüchtern am Morgen, mit leerer Harnblase nach dem Toilettengang
- ohne Schuhe, in derselben und in möglichst wenig Kleidung. Säuglinge wiegst du in der Regel unbekleidet.
- Der Untergrund der Waage sollte eben, gerade und fest sein, und sie sollte nicht wackeln. Die Angaben des Herstellers beachtest du immer.
- Ab- und Zuleitungen wie Infusionen und Sekretbeutel hebst du beim Ablesen kurz an.
- Weichen die Bedingungen ab, dokumentierst du das.
Meist gibt es eine Stehwaage, eine Sitzwaage, eine digitale Bettwaage oder einen Patientenlifter mit integrierter Waage. Spezielle Säuglings- und Inkubatorwaagen gibt es für Neugeborene und Säuglinge.
Wenn das Gewicht innerhalb weniger Tage um mehrere Kilogramm schwankt, liegt das in der Regel an einer Störung des Wasserhaushalts, nicht am Körperfett. Bei älteren Menschen berücksichtigst du beim Deuten des Gewichts besonders Ödeme, Aszites (Bauchwassersucht) oder eine Exsikkose, also Störungen im Wasserhaushalt.
Body-Mass-Index (BMI): Für den BMI teilst du das Körpergewicht (in kg) durch das Quadrat der Körperlänge (in m). Laut WHO gilt als normalgewichtig, wer als Erwachsener einen BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m² hat. Unter 18,5 liegt Untergewicht (Dystrophie) vor, ab 25 Übergewicht. Wenn der Kräfteverfall sehr ausgeprägt ist und der BMI unter 15 liegt, liegt eine Kachexie (Auszehrung) vor. Je älter ein Mensch ist, desto höhere BMI-Werte werden akzeptiert. Über 65 Jahren besteht schon bei einem BMI unter 24 ein erhöhtes gesundheitliches Risiko. Bei Kindern hängt der Körperfettanteil stark von Alter und Geschlecht ab. Achte besonders auf das Gewicht eines Kindes, wenn es deutlich unter seine bisherige Perzentilenkurve fällt. Es könnte eine Gedeihstörung vorliegen.
Deine pflegerische Beobachtung ersetzt der BMI nicht. Er gibt nur einen Anhalt. Ödeme durch eine Herz-, Lungen- oder Niereninsuffizienz können ihn verfälschen. Wer viele Muskeln hat, wiegt mehr, denn Muskeln wiegen mehr als Fettgewebe. Ein gutes Mittel ist deshalb auch, die Silhouette einzuschätzen. Bei einer stark verkrümmten Wirbelsäule ist der BMI nicht aussagekräftig, weil sich die Körpergröße nicht exakt bestimmen lässt. Bei einer Amputation wird das Gewicht für die Berechnung korrigiert, bei einem amputierten Bein zum Beispiel um 15 %.
Umfänge: Viel Bauchfett ist ein Risikofaktor, zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus. Den Taillenumfang misst du etwa auf Nabelhöhe, also zwischen oberem Beckenkamm und unterster Rippe, in der Mitte. Bei europäischen Männern sollte er unter 94 cm liegen, bei europäischen Frauen unter 80 cm. Darüber ist das Krankheitsrisiko erhöht. Statt des Taillenumfangs kann auch das Taille-Hüft-Verhältnis (Waist-to-Hip-Ratio) ermittelt werden. Bei Männern sollte es unter 0,9 liegen, bei Frauen unter 0,85. Wenn der Wadenumfang unter 31 cm liegt, kann das zusätzlich auf eine Mangelernährung hinweisen. Der Oberarmumfang ist ein Kriterium im Mini Nutritional Assessment (MNA). Werte über 22 cm gelten dort als normal. Umfangs- und Hautfaltenmessungen eignen sich eher für Aussagen im Verlauf. Um den Ernährungszustand allein zu bestimmen, reichen sie auf keinen Fall aus.
Ohne gravierende Herz- oder Nierenerkrankung sagt der Gewichtsverlauf mehr als ein einzelner Wert. Deshalb wiegst du immer unter gleichen Bedingungen: dieselbe Waage, dieselbe Tageszeit, dieselbe Kleidung, leere Harnblase. Der BMI ist nur ein Anhalt und ersetzt deine Beobachtung nicht.
Teste dich selbst
Unter welchen Bedingungen wiegst du einen Menschen, damit die Werte vergleichbar sind?
dieselbe geeichte Waage (Eichdatum prüfen, digitale Waage auf 0); dieselbe Tageszeit, am besten nüchtern am Morgen, mit leerer Harnblase nach dem Toilettengang; ohne Schuhe, möglichst dieselbe Kleidung; Ab- und Zuleitungen beim Ablesen kurz anheben; abweichende Bedingungen dokumentieren
Warum wiegst du einen Menschen immer unter denselben Bedingungen?
Ohne gravierende Herz- oder Nierenerkrankung sagt der Gewichtsverlauf mehr als ein einzelner Wert. Deshalb wiegst du immer unter gleichen Bedingungen: dieselbe Waage, dieselbe Tageszeit, dieselbe Kleidung, leere Harnblase. Der BMI ist nur ein Anhalt und ersetzt deine Beobachtung nicht.