Essen und Trinken in der Sterbephase
Im Fall übenLydia Schmidt, 86 — Die letzten TageEssen und Trinken am Lebensende
Viele Angehörige fürchten, ein Sterbender könnte verhungern oder verdursten. Doch in der Sterbephase lassen Hunger- und Durstgefühl nach. Mit dem Körper eines Gesunden lässt sich der Körper eines Sterbenden nicht vergleichen. Manche nehmen über Monate kaum Nahrung und Flüssigkeit zu sich, scheinbar ohne negative Folgen. Im Gegenteil erleben sie dadurch mehr Lebensqualität. Bekommt ein Sterbender zu viel Nahrung und Flüssigkeit, kann das umgekehrt oft schwere Symptome hervorrufen, z. B. Übelkeit, Erbrechen, Wassereinlagerungen und Atemnot.
Für die Mengen, die ein Sterbender braucht, gibt es keine Regel. Gemeinsam mit ihm, den Zugehörigen und dem Team wird unter Umständen täglich neu entschieden. Maßgeblich sind sein Wunsch, die empfundene Lebensqualität und sein Hunger- und Durstgefühl. Die Indikation für künstliche Ernährung und Flüssigkeit wird kritisch geprüft. Nach sorgfältiger Abwägung im Einzelfall, z. B. zum Stillen von Hunger und Durst, sollten sie bei Sterbenden nicht fortgeführt oder begonnen werden.
Zwei Begriffe solltest du kennen:
- Terminale Dehydratation: Ein sterbender Mensch verliert langsam Flüssigkeit und Salze. Dieser Verlust kann als physiologisch angesehen werden. Viele Sterbende haben ein vermindertes Durstgefühl, und wenn der Körper langsam dehydriert, werden Symptome oft gelindert. Toleriert wird das, solange es keine anderen Symptome auslöst, die die Lebensqualität einschränken. Unruhe oder Verwirrtheit können ein Hinweis darauf sein, dass der Körper noch nicht so weit ist. Beobachte den Menschen auf negative Folgen und halte gegebenenfalls Rücksprache mit dem Arzt, ob eine vorsichtige Flüssigkeitszufuhr sinnvoll ist.
- Kachexie: Der Körper magert sehr stark ab, weil er massiv Fett- und Muskelmasse verliert. Mit der Kachexie geht Appetitlosigkeit einher. Ein qualvolles Verhungern ist deshalb nicht möglich.
So begleitest du:
- Mundtrockenheit und Durst werden oft verwechselt. Befeuchte deshalb zuerst die Mundschleimhaut und frag danach nach dem Durst. Häufig reicht das Befeuchten aus.
- Für ein angenehmes Geschmackserlebnis bietest du Häppchen, appetitlich angerichtet, oder kleine Schlucke Tee an. Schon ein einziger Löffel Essen ist ein Erfolg. Wird Essen nicht zur Pflicht, sondern ist es positiv besetzt, nehmen viele wieder mehr Nahrung auf.
- Ist dem Menschen nicht danach, solltest du nicht versuchen, ihn zum Essen oder Trinken zu bewegen. Die Portionen passt du seinem Appetit an.
- Kläre die Angehörigen auf und steh ihnen bei. Gib ihnen Tipps, wie sie ihm etwas Gutes tun können, z. B. mit einer kleinen Portion seines Lieblingsessens von zu Hause.
Wie viel ein sterbender Mensch isst, bestimmt sein Hungergefühl. Auch Getränke wie Cola, Säfte oder Bier zählen dabei als Nahrung und Kalorienzufuhr.
In der Sterbephase lassen Hunger und Durst nach. Wie viel ein Mensch isst und trinkt, bestimmt sein eigenes Gefühl. Du befeuchtest zuerst den Mund, überredest nicht und klärst die Angehörigen auf.
Teste dich selbst
Warum kann ein kachektischer Mensch nicht qualvoll verhungern?
Mit der Kachexie geht Appetitlosigkeit einher. Der Mensch leidet also nicht unter einem Hungergefühl.
Was bestimmt, wie viel ein sterbender Mensch isst und trinkt?
In der Sterbephase lassen Hunger und Durst nach. Wie viel ein Mensch isst und trinkt, bestimmt sein eigenes Gefühl. Du befeuchtest zuerst den Mund, überredest nicht und klärst die Angehörigen auf.