Angst und Unruhe in der Sterbephase

Im Fall übenLydia Schmidt, 86 — Die letzten Tage
Pflege-Wissen

Angst und Unruhe

Frau N. nestelt an der Bettdecke und will immer wieder aufstehen. „Ich muss los“, sagt sie. Es ist zwei Uhr nachts.

Die Angst vor dem Tod kann einem Sterbenden niemand nehmen, auch das beste Palliative-Care-Team nicht. Was mit oder nach dem Tod kommt, weiß niemand sicher. Trotzdem kann es helfen, wenn du ihm beistehst und mögliche Ängste offen ansprichst. Unausgesprochenes kann Unsicherheit verstärken und Furcht auslösen. Im Gespräch lassen sich manche Ängste reduzieren, z. B. die Angst vor Luftnot oder Schmerz. Diese Symptome sollen palliativmedizinische Maßnahmen so weit lindern, dass sich der Mensch nicht quälen muss. Schon diese Gewissheit kann ihn und seine Familie beruhigen.

Sterbende mit Angst, mit oder ohne Unruhe, sollen durch Allgemeinmaßnahmen unterstützt werden, z. B. durch eine ruhige Umgebung, vertrauensfördernde Kommunikation und Kontinuität in der Betreuung. Außerdem gilt:

  • Den Besuch eines Seelsorgers solltest du einem sterbenden Menschen immer auch anbieten. Ein Gespräch mit einem Geistlichen kann helfen und erwünscht sein, wenn das Lebensende unmittelbar bevorsteht, auch wenn er früher nicht religiös war. Ebenso können vertraute Menschen aus seiner Glaubensgemeinschaft kommen, unabhängig von der Religionszugehörigkeit.
  • Bei Bedarf schlägst du vor, einen Hospizdienst oder Psychoonkologen hinzuzuziehen.
  • Medikamentös können Angstlöser (Anxiolytika) helfen, z. B. Benzodiazepine. Sie können müde machen. In der finalen Phase empfinden viele Sterbende ihre Wirkung aber sogar als positiv.

Unruhe tritt meist in der finalen Phase auf. Der Sterbende ist dann nicht mehr klar orientiert. Er nestelt herum, verändert besonders häufig seine Lage im Bett, will immer wieder aufstehen, stöhnt ständig laut oder ruft nach Hilfe oder entkleidet sich. Versuch herauszufinden, ob die Unruhe einen Grund hat, z. B. Stuhl- oder Urindrang oder Schmerzen durch das lange Liegen. Oft ist das nicht möglich. Häufig gehört Unruhe zum Sterbeprozess und entsteht vielleicht aus Angst vor dem, was ungewiss und unbekannt ist. Nimm dir Zeit: Halte vielleicht seine Hand, setz dich an die Bettkante, sprich beruhigend mit ihm oder summ ein Lied. Wirkt der Mensch unruhig, fühlt er sich nicht in jedem Fall unwohl. Er stöhnt vielleicht laut, scheint dabei aber zu schlafen. Für die Bezugspersonen kann das trotzdem belastend sein.

Lässt sich die Ursache nicht beseitigen, sind unter Umständen beruhigende Medikamente (Sedativa) nach ärztlicher Verordnung angezeigt. Sie können müde machen, beschleunigen den Eintritt des Todes aber nicht.

Unruhe oder Delir?

Eine finale Unruhe und eine geistige Verwirrung unterscheidest du immer sorgfältig. Bei Unruhe im Rahmen eines Delirs in der Sterbephase soll primär das Delir behandelt werden.

Faustregel

Ängste sprichst du offen an und bietest einen Seelsorger an. Bei Unruhe suchst du zuerst einen Grund, etwa Harndrang oder Schmerzen. Du bleibst da, hältst die Hand und unterscheidest Unruhe von einem Delir.

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Woran erkennst du Unruhe in der finalen Phase?

nesteln, häufig die Lage wechseln; immer wieder aufstehen wollen; ständig laut stöhnen oder nach Hilfe rufen; sich entkleiden

Welche Gründe für Unruhe prüfst du bei einem Sterbenden zuerst?

Ängste sprichst du offen an und bietest einen Seelsorger an. Bei Unruhe suchst du zuerst einen Grund, etwa Harndrang oder Schmerzen. Du bleibst da, hältst die Hand und unterscheidest Unruhe von einem Delir.

Im Fall übenLydia Schmidt, 86 — Die letzten Tage