Evaluation im Pflegeprozess

Im Fall übenHerr Brandt — Freitag: die Evaluation
Pflege-Wissen

Schritt 6: Evaluation

Freitag. Im Plan steht: „Herr B. geht am Freitag mit Rollator und Begleitung 20 Meter über den Flur.“ Er schafft zwölf. Was heißt das für den Plan? Und was heißt es nicht?

Evaluation heißt: Du beurteilst, wertest aus und überprüfst systematisch jeden einzelnen Schritt des Pflegeprozesses. Du prüfst seine Wirksamkeit und ob die Pflegeziele erreicht sind. Dabei erfasst du auch zwei Dinge: Hat sich der Zustand der Person verändert? Gibt es neue Informationen, die eine Anpassung im Pflegeplan erfordern? Zu prüfen ist unter anderem:

  • Reaktion: wie die Person auf deine Pflegeinterventionen reagiert
  • Wirkung: ob die Pflegemaßnahmen wirken wie gewünscht und die Pflegeziele erreicht sind
  • Neues: ob zusätzliche Pflegediagnosen oder Bedürfnisse aufgetreten sind
  • Komplikationen: ob Komplikationen aufgetreten sind
  • Abweichungen: ob vom ursprünglichen Pflegeplan abgewichen werden musste
  • Ressourcen: ob alle Ressourcen der Person und ihres sozialen Umfelds genutzt wurden

Die Evaluationszeitpunkte legst du individuell fest: nach Setting, nach der Situation der Person und nach Veränderungen ihres Pflegebedarfs. Wenn ein Ziel nicht erreicht ist, suchst du die Gründe: War das Ziel realistisch gesetzt? Hat die Person genug Ressourcen eingebracht? Sind alle Pflegemaßnahmen durchgeführt worden, oder gab es häufige Abweichungen? Typische Gründe und die passende Lösung:

Grund für den Misserfolg
Lösung
Informationen
Nicht alle Informationen lagen vor.
Wiederhole und aktualisiere die Informationssammlung.
Zeit
Für die Zielerreichung war zu wenig Zeit angesetzt.
Führe die Maßnahme wie geplant weiter, über längere Zeit.
Zielhöhe
Das Ziel war von Anfang an zu hoch.
Setze ein realistischeres Nahziel.
Zustand
Der Zustand des Pflegeempfängers ist plötzlich anders: schlechter oder besser.
Setze ein anderes Ziel, das zum neuen Zustand passt.
Strukturen
Die Strukturen lassen keine kontinuierliche Durchführung der Maßnahmen zu.
Plane andere Maßnahmen, die in die vorhandenen Strukturen passen.
Umsetzung
Die geplanten Maßnahmen wurden nicht umgesetzt: Es blieb keine Zeit, oder der Pflegeempfänger lehnte sie ab.
Verändere den Zeitplan. Wenn der Pflegeempfänger ablehnt, finde die Gründe heraus.

Eine einzelne Anpassung betrifft zumeist mehrere Schritte. Wenn du ein Pflegeziel neu formulierst, musst du auch Planung und Durchführung der Pflegemaßnahmen anpassen. Deshalb gilt der Pflegeprozess als spiralförmig. Häufig kann er nicht als abgeschlossen gelten. Die laufende, zum Beispiel tägliche Auswertung heißt formative Evaluation. Der rückblickende Gesamtblick am Ende eines Versorgungsauftrags heißt summative Evaluation.

Schritt 6: Evaluation

Zu vorab vereinbarten Zeitpunkten gleichst du regelmäßig ab: Was war als Pflegeziel geplant? Und was hat die zu pflegende Person gemeinsam mit dir tatsächlich erreicht? Wenn sie die Ziele nicht erreicht hat, suchst du nach den Ursachen. Oft führt das Ergebnis der Evaluation zu einer Anpassung des Pflegeplans, etwa zu neuen oder anderen Pflegediagnosen. Mit ihnen passen sich alle folgenden Schritte an. So wird der Pflegeprozess spiralförmig fortgeführt.

Faustregel

Evaluation heißt: In vereinbarten, regelmäßigen Abständen gleichst du das Ziel mit dem Erreichten ab. Wenn das Ziel nicht erreicht ist, suchst du erst die Gründe:zu kurze Zeitzu hohes Zielveränderter Zustandfehlende Informationenabgelehnte oder nicht umgesetzte MaßnahmenOft passt du danach den Plan an.

Teste dich selbst

Herr B. sollte am Freitag 20 Meter gehen, er schafft zwölf. Welche drei Fragen stellst du, bevor du den Plan änderst?

War das Ziel realistisch gesetzt? Hat er genug Ressourcen eingebracht? Sind alle Pflegemaßnahmen durchgeführt worden, oder gab es häufige Abweichungen? Erst die Antwort sagt, ob ein realistischeres Nahziel nötig ist. Oder ob die Maßnahme nur länger laufen muss.

Was tust du in der Evaluation, wenn ein Pflegeziel nicht erreicht ist? In welcher Reihenfolge?

Evaluation heißt: In vereinbarten, regelmäßigen Abständen gleichst du das Ziel mit dem Erreichten ab. Wenn das Ziel nicht erreicht ist, suchst du erst die Gründe: zu kurze Zeit; zu hohes Ziel; veränderter Zustand; fehlende Informationen; abgelehnte oder nicht umgesetzte Maßnahmen Oft passt du danach den Plan an.

Im Fall übenHerr Brandt — Freitag: die Evaluation