Durumlar
Herr Brandt — der Auftrag: Pflegeprozess und ABEDL„Schreib ihm eine Pflegeplanung. Fang heute an.“ Herr Brandt, 76, lag zehn Tage im Bett. Womit fängst du an? Und wo schaust du überall hin?Herr Brandt — das Problem: PÄSR und Ressourcen„Er klingelt alle zwanzig Minuten. Das ist sein größtes Problem.“ Ist es das? Aus Beobachtungen werden Pflegeprobleme nach PÄSR. Und Herr Brandt bringt mehr mit, als im Bogen steht.Herr Brandt — das Ziel: SMART und realistisch„Am Wochenende bin ich wieder zu Hause.“ Herr Brandt hat ein Ziel. Du brauchst eins, das er am Freitag erreichen kann: SMART, und vor allem realistisch.Herr Brandt — die Maßnahme: handlungsleitend„Herrn Brandt mobilisieren“: Die Kollegin im Spätdienst weiß nicht, was du meinst. Maßnahmen nach den W-Fragen, Floskel gegen Handlung, und zu jedem Ziel die Maßnahme, die dorthin führt.Herr Brandt — die ganze Planung: Fehler findenVier ABEDL, alle Felder voll. Und fünf Einträge sind falsch. Ein Problem, das der Kollegin gehört, ein Ziel mit Hilfsverb, eine Floskel als Maßnahme. Findest du sie?Frau Ott — die ganze Kette, mit weniger Hilfe„Die braucht für alles ewig, und nachts klingelt sie dauernd.“ Frau Ott, 83: Du übernimmst ihre Planung, vom ersten Gespräch bis zur Evaluation. Und sie will den Rollator nicht.Herr Brandt — Freitag: die EvaluationFreitag. Im Plan stehen 20 Meter. Herr Brandt schafft zwölf. Ziel senken, Ziel streichen, abhaken? Erst die Gründe. Und einer davon liegt nicht bei ihm.Die ganze Planung — selbst gelegtZwei neue Menschen, kein Hinweis mehr: Frau Yilmaz' Planung in Reihenfolge und in sechs Feldern, Herrn Lindners Planung auf Fehler geprüft. Und Herrn Brandts Abschied.Schreib es selbst — Problem, Ziel, Maßnahme, EvaluationEin leerer Planungsbogen für Herrn Lindner. Diesmal schreibst du jedes Feld selbst. Danach vergleichst du mit vier Möglichkeiten, wie du es schreiben kannst.Okumak için bilgi
İçindekiler · 9 bölüm
Der Pflegeprozess
Der Pflegeprozess ist ein Arbeits- und Problemlösungsprozess, der systematisch und zielgerichtet abläuft. Gemeinsam mit dem Pflegeempfänger erhebst du seine individuellen Pflegebedürfnisse und den Pflegebedarf, der sich daraus ableitet. Und du legst fest, welches Ergebnis die Pflege erreichen soll. Die Gestaltung des Pflegeprozesses ist nach § 4 PflBG eine Vorbehaltstätigkeit: Nur Pflegefachpersonen dürfen sie umsetzen.
Im deutschsprachigen Raum ist das 6-schrittige Modell nach Fiechter und Meier verbreitet. Die Schritte bauen aufeinander auf. Du durchläufst sie nacheinander, als Regelkreis:
- 1 · Informationssammlung
Informationen sammeln: über den Menschen und seinen Pflegebedarf.
- 2 · Pflegediagnosen und Ressourcen
Pflegediagnosen (früher: Pflegeprobleme) und Ressourcen des zu Pflegenden erkennen und erfassen.
- 3 · Pflegeziele
Die Pflegeziele festlegen, im Idealfall zusammen mit dem Menschen, den du pflegst.
- 4 · Pflegemaßnahmen planen
Geeignete Pflegemaßnahmen auswählen, mit denen das Pflegeziel erreicht werden soll.
- 5 · Durchführung
Die geplanten Pflegemaßnahmen durchführen.
- 6 · Evaluation
Beurteilen, wie die Pflegemaßnahmen gewirkt haben, und bei Bedarf neu anpassen.
Die Pflege kann nach dem sechsten Schritt beendet sein. Dafür müssen alle Pflegeprobleme zufriedenstellend gelöst sein, und es besteht kein weiterer Pflegebedarf. In der Praxis ist das eher selten. Häufig bestehen Pflegeprobleme weiter. Deshalb durchläufst du den Pflegeprozess meist mehrfach. Jeder Durchlauf baut auf dem Wissen der vorherigen auf.
Nach Fiechter und Meier hat der Pflegeprozess sechs Schritte. Sie bauen als Regelkreis aufeinander auf: Informationssammlung → Pflegediagnosen und Ressourcen → Pflegeziele → Maßnahmen planen → Durchführung → Evaluation.
Die 13 ABEDL nach Krohwinkel
Monika Krohwinkel hat das „Modell fördernder Prozesspflege“ entwickelt. Ihr ist wichtig: Der pflegerische Blick richtet sich nicht nur auf Probleme und Defizite. Auch die Fähigkeiten und Potenziale des Menschen gehören in den Pflegeprozess. Kern des Modells sind die ABEDL: Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens. Es sind 13, hier im Wortlaut nach Krohwinkel:
- 1 Kommunizieren können
- 2 Sich bewegen können
- 3 Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können
- 4 Sich pflegen können
- 5 Sich kleiden können
- 6 Ausscheiden können
- 7 Essen und trinken können
- 8 Ruhen, schlafen, entspannen können
- 9 Sich beschäftigen, lernen, sich entwickeln können
- 10 Die eigene Sexualität leben können
- 11 Für eine sichere/fördernde Umgebung sorgen können
- 12 Soziale Kontakte und Beziehungen sichern und gestalten können
- 13 Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen und sich dabei entwickeln
Die 13 ABEDL werden vielfach als Strukturierungshilfe genutzt. Mit ihnen erfasst und dokumentierst du den Pflegebedarf in der Informationssammlung. Dabei achtest du darauf, sie nicht checklistenartig abzuhaken. Du erfasst, wie die Bedürfnisse zusammenhängen und aufeinander wirken. Viele Pflegefachpersonen nutzen die Formulierungen der ABEDL als Gedächtnisstütze für die Pflegeplanung. Manche Bildungszentren geben das in der Übungsphase vor.
Die 13 ABEDL nach Krohwinkel sind eine Strukturierungshilfe für die Informationssammlung. Du hakst sie nicht als Checkliste ab, sondern erfasst die Zusammenhänge und Wechselwirkungen der Bedürfnisse. Dabei siehst du nicht nur Probleme, sondern auch Fähigkeiten.
Das Pflegeproblem nach PÄSR
Eine Pflegediagnose (früher: Pflegeproblem) beschreibst du mit dem PÄS(R)-Schema. Es heißt auch PESR-Schema, mit E für Einflussfaktoren. Die Bestandteile sind international definiert. Das gilt, egal ob du mit einer Pflegeklassifikation arbeitest oder mit eigenen Worten formulierst:
- P = Pflegeproblem: eine aktuelle Beeinträchtigung der Person oder eine potenzielle Beeinträchtigung, also ein Risiko. Es hängt mit dem Gesundheitszustand oder der Behandlung zusammen. Die Person kann es nicht eigenständig bewältigen. Es schränkt ihre Unabhängigkeit ein.
- Ä = Ätiologie: die ursächlichen oder beeinflussenden Faktoren. Sie verursachen das Problem oder halten es aufrecht. Beispiele: Krankheiten, Zustände wie eine Bewegungseinschränkung, Wissensdefizite, Motive wie Angst oder Schamgefühl, Gewohnheiten.
- S = Symptome: wahrnehmbare Indikatoren, Merkmale und Äußerungen der Person. Sie bestätigen die Pflegediagnose. Dazu zählen auch verbale Äußerungen zum Problem und Risikofaktoren.
- R = Ressourcen: Fähigkeiten oder Verhaltensweisen der Person und Faktoren in ihrem sozialen Umfeld. Sie helfen, das Problem zu bewältigen.
Formuliere Pflegediagnosen so kurz und präzise wie möglich. Ein festes Schema wie PÄS(R) hilft dabei.
Ein Pflegeproblem gehört immer dem Betroffenen. Was Pflegefachpersonen mit einem pflegebedürftigen Menschen für ein Problem haben, ist kein Pflegeproblem. „Herr D. klingelt alle paar Minuten“ ist ein Problem der Pflegefachperson: Sie hat deswegen viel Arbeit. Bei der Planung geht es aber um Herrn D. Hat er vielleicht Schmerzen? Langeweile? Gesprächsbedarf? Sein Problem könnte lauten: Herr D. hat einen hohen Gesprächsbedarf, weil er ein traumatisches Ereignis erlebt hat. Du erkennst das daran, dass er häufig Kontakt zum Pflegepersonal aufnimmt.
PÄSR (PESR) hat vier Teile:P: PflegeproblemÄ: Ätiologie (Einflussfaktoren)S: SymptomeR: RessourcenDas Problem gehört immer dem Betroffenen, nie der Pflegefachperson.
Ressourcen
Du erfasst die Pflegeprobleme. Ebenso wichtig ist es, die Ressourcen zu erfassen. Erst damit ist eine aktivierende Pflege möglich. Ressourcen sind Fähigkeiten oder Verhaltensweisen der Person und Faktoren in ihrem sozialen Umfeld. Du beziehst sie gezielt in jeden Schritt des Pflegeprozesses ein. Denn sie können entscheidend für die passende Auswahl der Pflegemaßnahmen sein. Ressourcen lassen sich einteilen in:
- körperliche Ressourcen: zum Beispiel im Zimmer allein laufen zu können, die Körperpflege selbst durchzuführen, selbstständig zu trinken, sich allein vom Bett zum Stuhl zu transferieren
- kognitive/psychische Ressourcen: zum Beispiel eine positive Grundhaltung, Motivation, die eigene Gesundheit zu verbessern, ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein
- räumliche Ressourcen: zum Beispiel barrierefreier Wohnraum, ein Hausnotruf
- soziale Ressourcen: zum Beispiel ein Netz aus Bezugspersonen, familiäre Unterstützung
- ökonomische Ressourcen: zum Beispiel die finanziellen Möglichkeiten für pflegeprofessionelle Unterstützung oder Leistungen der Pflegeversicherung, auf die ein Anspruch besteht
- spirituelle Ressourcen: zum Beispiel Kraft und Halt durch Religiosität. Oder eine hohe Resilienz: die Fähigkeit, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit als belastende Lebenssituation auszuhalten und zu bewältigen, indem die Person ihr Verhalten anpasst
Ressourcen sind nicht immer offensichtlich. Oft hilft es, dich in den Betroffenen hineinzuversetzen. Ein eingegipster Arm juckt, schmerzt und macht unbeweglich. Gleichzeitig kann ein junger Patient mit dem anderen, unverletzten Arm vieles kompensieren.
Ressourcen sind Fähigkeiten oder Verhaltensweisen der Person und Faktoren in ihrem sozialen Umfeld. Es gibt sechs Arten:körperlichekognitive/psychischeräumlichesozialeökonomischespirituelleDu beziehst sie in jeden Schritt des Pflegeprozesses ein. Sie können für die Auswahl der Maßnahmen entscheidend sein.
Pflegeziele SMART
Ein Pflegeziel beschreibt einen Zustand: Die zu pflegende Person soll ihn innerhalb einer vorgegebenen Zeit erreichen. Das geschieht durch eine Pflegemaßnahme oder mehrere. Wo immer möglich, legst du es mit dem Pflegeempfänger zusammen fest. Pflegeziele sind die Grundlage für die Auswahl der Maßnahmen. Zugleich sind sie die messbare Größe: An ihnen beurteilst du später die Wirksamkeit der Pflege. Du formulierst sie positiv und SMART:
- S = spezifisch: individuell auf diese Person zugeschnitten
- M = messbar: der Grad der Zielerreichung lässt sich nachweisen, überprüfen oder messen
- A = akzeptiert: die Person ist mit dem Ziel einverstanden, es ist für sie relevant
- R = realisierbar: das Ziel ist überhaupt möglich und erreichbar, also nicht zu anspruchsvoll gesetzt
- T = terminierbar: das Ziel ist bis zu einem festgelegten Tag oder Zeitpunkt erreichbar
Drei Beispiele aus den Lehrbüchern:
Ein Ziel ist kein Eintrag im Pflegebericht: Dort steht Tatsächliches, im Ziel steht der Soll-Zustand. Dass Herr Kaiser das Bett heute noch nicht verlassen kann, darf dich beim Ziel nicht irritieren. Hilfsverben wie „sollen“, „müssen“ oder „können“ sind in der Zielformulierung nicht sinnvoll.
Ein Pflegeziel beschreibt positiv einen Soll-Zustand. Es ist SMART:spezifischmessbarakzeptiertrealisierbarterminierbarEs steht ohne Schlagwörter und ohne „soll“, „muss“, „kann“.
Nahziele und Fernziele
Ziele sollten realistisch formuliert werden, zum Beispiel als Teilschritte. Dafür unterscheidest du zwei Reichweiten:
Nahziele sind die Etappen zum Fernziel. Nahziele sind in absehbarer Zeit erreichbar. Deshalb erkennen Pflegefachperson und zu pflegende Person den Fortschritt leichter und können rasch Erfolge feststellen. Das fördert die Motivation aller Beteiligten. Welche Art von Ziel angebracht ist, entscheidest du je nach Setting und Pflegediagnose, und sofern möglich gemeinsam mit der Person.
Realistisch wird ein Ziel als Teilschritt. Ein Nahziel beschreibt einen konkreten Zustand in einem kurzen Zeitraum, etwa in wenigen Tagen. Hilfsmittel und Begleitung können darin stehen, zum Beispiel ein Rollator. Nahziele sind die Etappen zum Fernziel. Das Fernziel ist über einen längeren Zeitraum gesteckt und eher abstrakt.
Pflegemaßnahmen handlungsleitend formulieren
Pflegemaßnahmen sind alle direkten und indirekten Handlungen, die Pflegefachpersonen für oder mit der zu pflegenden Person im Pflegeprozess durchführen. Du leitest sie aus Pflegediagnose und Pflegeziel ab. Sie sollten die Person näher an das Ziel führen. Alle im Team sollen sie korrekt und einheitlich ausführen können. Deshalb formulierst du sie handlungsleitend, als Antwort auf die W-Fragen:
- Wer führt die Handlung durch?
- Was für eine Pflegemaßnahme?
- Wie bzw. mit welchem Unterstützungsgrad, zum Beispiel: Den Oberkörper wäscht die Person selbst mit Anleitung, den Unterkörper übernimmt die Pflegefachperson vollständig
- Wann, zum Beispiel morgens um 9:00 Uhr
- Wie häufig, zum Beispiel 1 × täglich
- Womit, zum Beispiel sitzend am Waschbecken, Waschlotion sparsam
So knapp wie möglich, so ausführlich wie nötig. Floskeln leiten niemanden an, etwa „psychische Betreuung“ oder „Angst nehmen“. Handlungsleitend ist zum Beispiel: „den Patienten zu jeder Mahlzeit an den Tisch setzen“. Grundsätze, die immer gelten, schreibst du nicht eigens auf. Ein Beispiel ist die Händedesinfektion vor Beginn.
Am Ende prüfst du systematisch drei Dinge: Haben die Pflegemaßnahmen wie gewünscht gewirkt? Sind die Pflegeziele erreicht? Sind neue Pflegediagnosen, Komplikationen oder Abweichungen vom Plan aufgetreten? Die Evaluationszeitpunkte legst du individuell fest. Ein abschließender Blick auf die Planung hilft immer. Dazu stellst du drei Fragen: Passen Ziele und Probleme zusammen? Bearbeiten die Maßnahmen die Probleme, und erreichen sie die Ziele? Bezieht sich jede Maßnahme und jedes Ziel auf das Problem?
Eine Pflegemaßnahme beantwortet die W-Fragen:werwaswie (Unterstützungsgrad)wannwie häufigwomitSo knapp wie möglich, so ausführlich wie nötig. Die Evaluation prüft danach, ob das Ziel erreicht ist.
Schritt 6: Evaluation
Evaluation heißt: Du beurteilst, wertest aus und überprüfst systematisch jeden einzelnen Schritt des Pflegeprozesses. Du prüfst seine Wirksamkeit und ob die Pflegeziele erreicht sind. Dabei erfasst du auch zwei Dinge: Hat sich der Zustand der Person verändert? Gibt es neue Informationen, die eine Anpassung im Pflegeplan erfordern? Zu prüfen ist unter anderem:
- Reaktion: wie die Person auf deine Pflegeinterventionen reagiert
- Wirkung: ob die Pflegemaßnahmen wirken wie gewünscht und die Pflegeziele erreicht sind
- Neues: ob zusätzliche Pflegediagnosen oder Bedürfnisse aufgetreten sind
- Komplikationen: ob Komplikationen aufgetreten sind
- Abweichungen: ob vom ursprünglichen Pflegeplan abgewichen werden musste
- Ressourcen: ob alle Ressourcen der Person und ihres sozialen Umfelds genutzt wurden
Die Evaluationszeitpunkte legst du individuell fest: nach Setting, nach der Situation der Person und nach Veränderungen ihres Pflegebedarfs. Wenn ein Ziel nicht erreicht ist, suchst du die Gründe: War das Ziel realistisch gesetzt? Hat die Person genug Ressourcen eingebracht? Sind alle Pflegemaßnahmen durchgeführt worden, oder gab es häufige Abweichungen? Typische Gründe und die passende Lösung:
Eine einzelne Anpassung betrifft zumeist mehrere Schritte. Wenn du ein Pflegeziel neu formulierst, musst du auch Planung und Durchführung der Pflegemaßnahmen anpassen. Deshalb gilt der Pflegeprozess als spiralförmig. Häufig kann er nicht als abgeschlossen gelten. Die laufende, zum Beispiel tägliche Auswertung heißt formative Evaluation. Der rückblickende Gesamtblick am Ende eines Versorgungsauftrags heißt summative Evaluation.
Zu vorab vereinbarten Zeitpunkten gleichst du regelmäßig ab: Was war als Pflegeziel geplant? Und was hat die zu pflegende Person gemeinsam mit dir tatsächlich erreicht? Wenn sie die Ziele nicht erreicht hat, suchst du nach den Ursachen. Oft führt das Ergebnis der Evaluation zu einer Anpassung des Pflegeplans, etwa zu neuen oder anderen Pflegediagnosen. Mit ihnen passen sich alle folgenden Schritte an. So wird der Pflegeprozess spiralförmig fortgeführt.
Evaluation heißt: In vereinbarten, regelmäßigen Abständen gleichst du das Ziel mit dem Erreichten ab. Wenn das Ziel nicht erreicht ist, suchst du erst die Gründe:zu kurze Zeitzu hohes Zielveränderter Zustandfehlende Informationenabgelehnte oder nicht umgesetzte MaßnahmenOft passt du danach den Plan an.
Strukturmodell
Vor allem in der Langzeitpflege, der Tagespflege und der Kurzzeitpflege spielt das Strukturmodell eine Rolle. Es wurde 2015 eingeführt, zusammen mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II). Der Zweck: den hohen bürokratischen Aufwand bei der Dokumentation senken und mehr Zeit für Pflege und Betreuung gewinnen. Es folgt dem vierphasigen Pflegeprozess der WHO und hat vier Elemente:
- Element 1: Strukturierte Informationssammlung (SIS). Das Kernstück. Sie ist die Basis aller weiteren Schritte
- Element 2: individueller Maßnahmenplan, mit Intervallen und Uhrzeiten, auf Grundlage der SIS
- Element 3: Berichteblatt. Eine Verlaufsdokumentation. Sie konzentriert sich auf Abweichungen von SIS und Maßnahmenplan
- Element 4: Evaluation, aus den Erkenntnissen der Elemente 1 bis 3
Die SIS entsteht in einem gemeinsamen Gespräch von Pflegebedürftigem, Bezugspersonen und Pflegefachperson. Sie hat vier Teile:
- A: allgemeine Daten
- B: die Situation aus Sicht des Betroffenen, wortwörtlich notiert („Was bewegt Sie im Augenblick? Was können wir für Sie tun?“)
- C1: sechs Themenfelder. Sie lehnen sich an das Neue Begutachtungsassessment (NBA) an: 1 Kognition und Kommunikation, 2 Mobilität und Bewegung, 3 krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen, 4 Selbstversorgung, 5 Leben in sozialen Beziehungen, 6 Haushaltsführung
- C2: die Matrix zur Risikoeinschätzung. Sie setzt fünf Themenfelder in Beziehung zu Schmerz, Dekubitus, Sturz, Ernährung und Inkontinenz
Jedes Themenfeld erfasst vier Dinge: Fähigkeiten, Unterstützungsbedarfe, biografische Daten und Gesundheitsrisiken.
Die Evaluation geschieht anlassbezogen, etwa bei veränderter Risikobewertung. Meist passt du einzelne Pflegemaßnahmen an (kleiner Evaluationskreis). Bei gravierenden Veränderungen, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt, kann eine komplette Neuausrichtung der Pflege nötig sein. Dann erstellst du auch eine neue SIS. Das ist der große Evaluationskreis.
Das Strukturmodell ist keine Alternative zum Pflegeprozess. Es ist eine Form, ihn zu dokumentieren. Probleme, Ressourcen und Ziele fallen nicht weg: Sie stehen in der SIS, nicht in eigenen Feldern. Wer PÄSR und SMART beherrscht, liest eine SIS mit demselben Blick: Was kann die Person, was braucht sie, was will sie, welches Risiko besteht?
Das Strukturmodell hat vier Elemente: SIS, Maßnahmenplan, Berichteblatt, Evaluation. Die SIS trägt sechs Themenfelder und die Risikomatrix. Probleme, Ressourcen und Ziele stehen darin, nicht in eigenen Feldern.