Durumlar
Herr Russo, 82 — der erste Tag nach der OperationChirurgische Station, Tag 1 nach einer Operation am Oberbauch: Ein 82-Jähriger atmet flach und will kein Schmerzmittel. Ist er pneumoniegefährdet, und was tust du zuerst?Herr Russo — am vierten Tag verändertAm vierten Tag nach der Operation erkennt er dich nicht gleich, Fieber hat er kaum. Was hinter der Verwirrtheit stecken kann und wann du die Ärztin rufst.Herr Russo — Pneumonie, und er will heimFieber, zäher Schleim, die Suppe bleibt stehen, und er will nach Hause. Wie du einen Menschen mit Pneumonie pflegst und was er vor der Entlassung von dir hören muss.Okumak için bilgi
İçindekiler · 25 bölüm
- Pneumonie
- Risikofaktoren
- Pneumonierisiko erkennen
- Minderbelüftung
- Schmerz und Atmung
- Das LISA-Prinzip
- Atemtrainer
- Atemübungen
- Mobilisation
- Atemunterstützende Positionierung
- Symptome
- Symptome bei älteren Menschen
- Beobachten bei Pneumonie
- Einteilung
- Lunge abhören
- Hygiene
- Pflege bei Pneumonie
- Diagnostik und Therapie
- Schonend abhusten
- Sekret und Drainagelagerung
- Kontaktatmung
- Dehnlagen
- Aspiration vermeiden
- Atemstimulierende Einreibung
- Impfung und Beratung
Pneumonie
Bei einer Pneumonie (Lungenentzündung) ist das Lungengewebe entzündet, das Lungenparenchym. Entzündet sind die Lungenbläschen (Alveolen) und/oder das Zwischengewebe der Lunge, das Lungeninterstitium.
Auslösen können die Entzündung:
- Bakterien. Sie sind die häufigsten Erreger.
- Viren
- Pilze
- Parasiten
- die Aspiration von Magensaft
- Gifte, zum Beispiel ätzende Gase
Meist entsteht eine Pneumonie als Tröpfcheninfektion. Hat ein Mensch Kontakt mit Erkrankten, atmet er krankmachende Mikroorganismen ein. Eine Rolle spielen Pilze und Viren eher bei Menschen mit geschwächter Abwehr. Bei der Pneumonie, die außerhalb des Krankenhauses erworben wird, sind Pneumokokken die häufigsten Erreger.
Schätzungsweise bis zu 500 000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an einer Pneumonie, die sie außerhalb des Krankenhauses erworben haben (Stand 2024). Etwa ein Drittel von ihnen muss im Krankenhaus behandelt werden, ein Teil auf der Intensivstation. Rund 20 000 Menschen starben 2023 in Deutschland an einer Pneumonie. Keine Infektionserkrankung führt bei älteren Menschen häufiger zum Tod.
Eine Pneumonie ist eine Entzündung des Lungengewebes, meist durch Bakterien. Sie entsteht meist als Tröpfcheninfektion. Keine Infektionserkrankung führt bei älteren Menschen häufiger zum Tod.
Risikofaktoren
Ab 65 Jahren steigt mit jeder Lebensdekade das Risiko einer Pneumonie. Denn im Alter lassen die Reinigungsfunktion der Nase, die Schleimhautbarriere und die spezifische Abwehr der Lunge nach. Ein älterer Mensch ist umso eher pneumoniegefährdet, je gebrechlicher und unselbstständiger er ist.
Weitere Risikofaktoren sind:
- Diabetes mellitus und zunehmende Erkrankungen an Herz, Lunge, Leber oder Niere
- bestehende Atemwegserkrankungen. Eine COPD vervielfacht die Gefahr einer Pneumonie.
- Mangelernährung und ungewollter Gewichtsverlust
- funktionelle Einschränkungen, fortgeschrittene Demenz, Bettlägerigkeit, Gebrechlichkeit (Frailty)
- Rauchen
- Schluckstörungen, Mikro- und Makroaspiration
- der Gebrauch von Psychopharmaka
Besonders gefährdet sind Menschen auf der Intensivstation. Werden sie maschinell beatmet, ist ihre Pneumonierate 3-mal so hoch wie bei Menschen, die nicht beatmet werden. Auch wer lange im Pflegeheim lebt, ist gefährdet.
Bei Kindern und Jugendlichen kommen weitere Risikofaktoren hinzu: Tabakrauch, aktiv oder passiv, Lungenunreife nach einer Frühgeburt und die Gefahr, einen Fremdkörper zu aspirieren. Säuglinge mit einer nasogastralen Sonde sind gefährdet, weil die Sonde die Nasenatmung beeinträchtigt und die Atemwege verlegt.
Viele ältere Menschen tragen ein latentes Pneumonierisiko. Ein Lebensknick, etwa der Tod eines geliebten Menschen oder ein Sturz, verringert die Mobilität. Der Mensch lebt isoliert auf kleinstem Raum. Dadurch wird die Lunge weniger belüftet, die Ernährung ist oft gering oder einseitig, und darunter leidet auch die Immunabwehr.
Ein älterer Mensch ist umso eher pneumoniegefährdet, je gebrechlicher und unselbstständiger er ist. Gefährdet sind zum Beispiel Menschen, die viel liegen, schlecht schlucken, mangelernährt sind, rauchen oder an Lunge oder Herz erkrankt sind.
Pneumonierisiko erkennen
Ein standardisiertes Assessmentinstrument, das ein Pneumonierisiko erkennt, kann derzeit nicht empfohlen werden. Ob ein Risiko besteht, stellst du über eine aufmerksame Anamnese und Beobachtung fest. Du fragst und beobachtest zum Beispiel:
- Mobilität und Sitzhaltung: Sitzt oder liegt er viel? Staucht sich sein Brustkorb im Sitzen in den Bauch, sodass er nicht tief einatmen kann? Ist er durch depressive Verstimmungen antriebslos?
- Schmerzen und Operationen: Bewegt er sich wegen Schmerzen wenig, und vermeidet er tiefes Einatmen? Wurde er im Thorax- oder Abdominalbereich operiert, mit Intubationsnarkose?
- Husten und Sputum: Hustet er, wie oft und wie lange? Kann er das Sekret abhusten? Wie sieht das Sputum aus?
- Lungengeräusche: Hörst du Giemen oder Rasseln?
- Medikamente: Nimmt er sedierende Medikamente, die den Atemantrieb unterdrücken können, zum Beispiel Antipsychotika oder Opioide?
- Atemwegserkrankung: Hat er eine Sinusitis, Bronchitis, Pertussis, COPD, Atelektasen, ein Lungenemphysem oder Asthma bronchiale?
- Aspiration: Hat er eine Dysphagie oder eine quantitative Bewusstseinsstörung (Somnolenz, Sopor, Koma)? Könnte er Magensekret, Essen oder einen Gegenstand aspiriert haben?
- Rauchen: seit wann und wie viel?
- Schlaf: Macht er beim Schlafen Geräusche? In welcher Position schläft er?
- Atemunterstützung: Besitzt er einen Atemtrainer? Kennt er atemunterstützende Maßnahmen?
- Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz: Wie hoch sind sie? Wird er beatmet?
- Umfeld und Beruf: Kommt er mit Klima- oder Lüftungsanlagen in Kontakt? Ist er gegen Pneumokokken geimpft?
Die Atmung prüfst du schon, bevor Symptome wie Husten, Atemgeräusche oder Sekretauswurf auftreten. Von Anfang an beobachtest und dokumentierst du Atemfrequenz und Atemtiefe, dazu Atemgeruch, Schmerzen oder begleitende Geräusche. Das gilt vor allem für einen älteren Menschen, der vorher aktiv war und plötzlich im Bett liegen muss. So kannst du bei Veränderungen rechtzeitig gegensteuern.
Das Risiko schätzt du zu Beginn jedes Krankenhausaufenthalts ein und bei allen Veränderungen des Gesundheitszustands, in der Klinik wie in der häuslichen Pflege.
Für das Pneumonierisiko gibt es kein empfohlenes Assessmentinstrument. Du schätzt es über Anamnese und Beobachtung ein: zu Beginn des Aufenthalts und bei jeder Veränderung des Gesundheitszustands.
Minderbelüftung
Beim Atmen nimmt die Luft den Weg des geringsten Widerstands. Deshalb sind in Rückenlage die Lungenbezirke auf der Rückseite (dorsal) nur mäßig belüftet. Allgemein gilt: Unten liegende Lungenabschnitte sind schlechter belüftet. Umgekehrt ist es bei der Durchblutung. Der Schwerkraft folgend fließt das Blut vermehrt nach unten in die tiefer liegenden Bezirke.
Belüftung (Ventilation) und Durchblutung (Perfusion) der Lunge hängen zusammen: Ein Lungenabschnitt ist umso schlechter durchblutet, je schlechter er belüftet ist. Denn die Blutgefäße von Lungenbezirken mit wenig Sauerstoff verengen sich automatisch. Das heißt Euler-Liljestrand-Mechanismus.
Auch nachts wechselt ein gesunder Mensch ständig seine Position. So wechseln die besser und schlechter belüfteten Bezirke. Ist er müde, gähnt und seufzt er tief und entfaltet damit noch einmal alle Teile der Lunge. Bei bettlägerigen Menschen sind diese Mechanismen stark eingeschränkt.
Atmet ein Mensch zu flach, zum Beispiel wegen Schmerzen im Brustkorb, werden Teile seiner Lunge nicht ausreichend belüftet:
- Minderbelüftung
In den schlecht belüfteten Abschnitten ist der Gasaustausch eingeschränkt.
- Sekret sammelt sich
Das Sekret sammelt sich an, weil es nicht mehr ausreichend abtransportiert wird.
- Atelektasen
Sekret verlegt Atemwege. Die Alveolen dahinter kollabieren, ihre Wände legen sich aneinander. Das sind Atelektasen.
- Pneumonie
Das Sekret ist ein idealer Nährboden für Krankheitserreger. So steigt die Gefahr einer Pneumonie.
Wer flach atmet oder lange in derselben Position liegt, belüftet Teile seiner Lunge schlecht. Dort sammelt sich Sekret, Alveolen können kollabieren (Atelektasen), und das Sekret ist ein Nährboden für Krankheitserreger.
Schmerz und Atmung
Atmet ein Mensch wegen Schmerzen flach, zum Beispiel im Bereich des Brustkorbs, werden Teile seiner Lunge nicht ausreichend belüftet. Hat ein Mensch Schmerzen beim Atmen, solltest du deshalb immer einen Arzt informieren. Ist bei einer Pneumonie das Lungenfell beteiligt, schmerzen Atmen und Husten stark. Der Mensch entwickelt eine Schonatmung. Weil die Lunge dadurch schlechter belüftet wird und er das Abhusten unterdrückt, begünstigt die Schonatmung wiederum die Entzündung in den Atemwegen.
Du solltest deshalb auf Zeichen von schmerzhaftem Husten und Atmen achten. Auf ärztliche Anordnung solltest du ausreichend Schmerzmittel verabreichen. So kann der Mensch ohne Schmerzen tief einatmen und husten. Manche Menschen nehmen nur ungern Schmerzmedikamente ein. Hier kann es aber notwendig sein, um das Pneumonierisiko zu senken. Du solltest ihm erklären, wie wichtig tiefes Durchatmen und ausreichendes Abhusten sind.
Bei atemunterstützenden Maßnahmen soll der Mensch schmerzfrei sein. Hat er Schmerzen ab NRS 3, solltest du auf die Maßnahmen verzichten. Du gibst die verschriebene Bedarfsmedikation und sprichst mit einem Arzt.
Wer Schmerzen beim Atmen hat, atmet flach und belüftet seine Lunge schlecht. Du informierst einen Arzt und gibst auf Anordnung Schmerzmittel, damit er ohne Schmerzen husten und tief einatmen kann. Ab NRS 3 sollten keine atemunterstützenden Maßnahmen erfolgen.
Das LISA-Prinzip
Das „LISA“-Prinzip ordnet die Maßnahmen der Pneumonieprophylaxe in vier Bereiche:
- L = Lungenbelüftung verbessern: Mobilisation, atemunterstützende Positionierung, atemvertiefende Maßnahmen wie Kontaktatmung, Lippenbremse, atemstimulierende Einreibung (ASE) oder Atemtrainer, mit dem Menschen ein Lied singen, für Kinder Pustespiele
- I = Infektionen vermeiden: hygienisches Arbeiten und eine Mundpflege, die die natürliche Mundflora erhält
- S = Sekret verflüssigen, mobilisieren, entleeren: die Flüssigkeitszufuhr erhöhen oder anpassen, Inhalation, Huffing, spezielle Drainagelagerungen, Perkussion und Vibration, Atemphysiotherapie, Sekret absaugen
- A = Aspiration vermeiden: orale Ernährung anstreben, zum Essen aufrecht positionieren, Zeit lassen
Dazu kommen die konsequente Hygiene, vor allem der Hände, die Nies- und Hustenetikette und Impfungen, insbesondere gegen Pneumokokken.
Von großer Bedeutung ist, dass du die Atmung fortlaufend beobachtest und das Pneumonierisiko einschätzt. Nur so erkennst du rechtzeitig, dass prophylaktische Maßnahmen notwendig sind. Erkennst du eine Atembeeinträchtigung und Pneumoniegefährdung, führst du die Maßnahmen konsequent durch. Den Plan erarbeitest du mit dem Menschen gemeinsam, nach dem Grad seiner Atembeeinträchtigung und nach seinen Ressourcen.
LISA: Lungenbelüftung verbessern, Infektionen vermeiden, Sekret verflüssigen, mobilisieren und entleeren, Aspiration vermeiden. Dazu Händehygiene, Nies- und Hustenetikette und Impfung.
Atemtrainer
Atemtrainer erhält der Mensch auf ärztliche Anordnung. Bevor du ihn anleitest, liest du die Gebrauchsanleitung genau. Zumindest bei den ersten Übungen solltest du dabeibleiben, um zu erkennen, ob er sich überanstrengt.
So übt er mit dem Triflow: Mehrmals täglich atmet er durch das Gerät ein, jeweils etwa 5–10-mal und möglichst tief. Nach dem Einatmen hält er die Luft einige Sekunden an und atmet dann normal aus. Beim Einatmen heben sich die Bällchen in den Säulen. Für einen guten Trainingseffekt sollten in den ersten beiden Säulen die Bälle bis ans obere Ende steigen und dort einige Sekunden bleiben. Danach kann das Mundstück mit warmem Wasser gereinigt werden. Sein eigenes Gerät bekommt jeder Mensch. Er kann es bei der Entlassung mit nach Hause nehmen.
Inspiratorische Atemtrainer sind kontraindiziert bei einer COPD, weil sich die Lunge durch die erschwerte Ausatmung überblähen kann und das Training die Überblähung noch steigern würde, und bei starker Verschleimung der Bronchien, weil die tiefe Einatmung den Schleim tiefer in die Lunge befördern würde.
Steht eine Operation an, beginnt das Training schon davor. Nach der Operation fällt es einem erschöpften Menschen schwer, eine neue Technik zu lernen. Außerdem kennt er so seinen Ausgangswert und ist motiviert, ihn wieder zu erreichen. Zähes Sekret sollte während des Trainings nicht in den Atemwegen sitzen. Deshalb ist vorher oft eine Inhalation oder gezieltes Abhusten nötig.
Inspiratorische Atemtrainer trainieren die tiefe Einatmung, vor allem bei Operationen im Bauch- oder Brustbereich, am besten schon vor der OP. Bei COPD und starker Verschleimung sind sie kontraindiziert, dann eignen sich exspiratorische Trainer.
Atemübungen
Atemübungen helfen dem Menschen, die Lunge besser zu belüften, Fehlatmungen zu beheben und die Selbstreinigung der Atemwege anzuregen. Schon wirkungsvoll ist einfaches, tiefes Durchatmen. Es fördert das seelische und körperliche Wohlbefinden. Dazu motivierst du den Menschen immer wieder und planst dir dafür Zeit ein.
- Tief durchatmen: die einfachste Atemübung
- Recken, Strecken, Lachen, Singen: Auch sie wirken atemfördernd.
- Spielerisch pusten: einen Luftballon aufblasen, Seifenblasen pusten oder mit einem Strohhalm in einer Wasserflasche „blubbern“. Gerade Kinder, ältere und körperlich geschwächte Menschen sehen hier kleine Erfolge. Wird das zu häufig wiederholt, kann es zu einer Hyperventilation führen, weil es sich schlecht steuern lässt.
Vor den Übungen lüftest du das Zimmer, in Absprache mit dem Menschen, damit er möglichst viel frische Luft einatmen kann. Regelmäßiges Stoßlüften, mindestens 3- bis 4-mal am Tag das Fenster ganz öffnen, kann das Wohlbefinden fördern und Krankheitserreger in der Raumluft verringern. Vor Zugluft und Auskühlung schützt du ihn dabei. Ist zu erwarten, dass er die Übungen wegen Schmerzen nicht richtig ausführen kann, erhält er vorher ausreichend Schmerzmittel.
Atemübungen und Atemtraining gehören zur Pflege und zur Physiotherapie. Deshalb sprecht ihr euch gut ab.
Schon tiefes Durchatmen belüftet die Lunge und regt die Selbstreinigung der Atemwege an. Auch Recken, Strecken, Lachen, Singen und spielerisches Pusten wirken atemfördernd. Vorher lüftest du, bei Schmerzen bekommt der Mensch vorher ein Schmerzmittel.
Mobilisation
Damit alle Lungenpartien ausreichend und gleichmäßig belüftet werden, ist körperliche Aktivität unverzichtbar. Fast jede Mobilisation führt zu einer tieferen Atmung, aktive wie auch passive Bewegung. Unter den Maßnahmen, die die Lunge belüften und Sekret mobilisieren, gelten eine regelmäßige Mobilisation oder häufige Positions- und Lagewechsel als wichtigste Maßnahme.
Deshalb beginnt die Mobilisation so früh wie möglich, auch wenn die Erkrankung schwer ist. Je nach Belastbarkeit soll der Mensch so oft wie möglich Folgendes tun und dabei tief durchatmen:
- sich im Bett aufsetzen
- aufstehen, mit Hilfe
- vor dem Bett auf der Stelle treten
- im Zimmer oder auf dem Flur umhergehen
Du unterstützt ihn dabei und forderst mobile Menschen auf, so oft wie möglich aufzustehen. Damit er sich bewegt, informierst du ihn gut über die Zusammenhänge. Ein Bewegungsplan sollte für Menschen mit strenger Bettruhe erstellt werden. Er legt fest, welche Positionen in regelmäßigen Abständen zum Einsatz kommen, damit alle Lungenpartien belüftet werden und das Sekret abfließen kann. Physiotherapeutische Übungen werden ärztlich angeordnet.
Damit ältere Menschen keine Pneumonie bekommen, ist es von größter Bedeutung, dass ihre Mobilität erhalten, gefördert oder wiederhergestellt wird.
Regelmäßige Mobilisation und häufige Positionswechsel gelten als wichtigste Maßnahme, um die Lunge zu belüften und Sekret zu mobilisieren. Je nach Belastbarkeit soll der Mensch so oft wie möglich aufsitzen, aufstehen, auf der Stelle treten und umhergehen, dabei tief durchatmen.
Atemunterstützende Positionierung
Grundsätzlich wird die Lunge bei jedem Positionswechsel besser belüftet und durchblutet. Einige Positionierungen unterstützen die Atmung zusätzlich:
- Oberkörperhochlage: Der Bauch drückt weniger auf den Brustkorb, und das Zwerchfell, der wichtigste Atemmuskel, kann sich leichter nach unten ausdehnen. So fällt das Einatmen leichter. Der Oberkörper sollte in einem Winkel von etwa 30–40° erhöht sein. Du achtest auf den physiologischen Hüftknick und setzt eventuell eine Rutschbremse ein. Die Unterarme unterlagerst du zur Unterstützung der Atemhilfsmuskulatur. Sackt der Mensch im Sitzen zusammen, weil seine Muskelspannung zu gering ist, beendest du die Position, denn dann kann er nicht frei atmen. Kontraindikationen sind Kreislaufstörungen und Krankheiten der Wirbelsäule.
- Hochschräglage bei Säuglingen: mindestens 10°. Das Herunterrutschen verhinderst du mit einem Lagerungshilfsmittel, zum Beispiel einer Handtuchrolle. Indikationen sind Atemnot und eine erhöhte Aspirationsgefahr.
- Bauchlage: Darin werden die hinteren (dorsalen) Lungenbereiche belüftet. Sie darf nur unter Monitoring auf der Intensivstation und mit ärztlicher Anordnung durchgeführt werden.
Die Oberkörperhochlage sollte sich möglichst immer mit anderen Positionen abwechseln. Sonst sind die unteren Lungenabschnitte ununterbrochen schlecht belüftet.
Manchmal ist die Oberkörperhochlage nicht möglich, weil eine strikt flache Lage ärztlich verordnet ist, zum Beispiel bei einer Wirbelsäulenverletzung. Dann finden Essen und Pneumonieprophylaxe in Seitenlage statt.
Dauert eine Oberkörperhochlagerung länger als 30 min, ist Vorsicht geboten: Auf Steiß und Sitzbeine wirken dann höhere Spitzendrücke. Dann muss die Dekubitusprophylaxe über Mikrolagerungen erfolgen.
Die Oberkörperhochlage mit etwa 30–40° und unterlagerten Unterarmen erleichtert das Einatmen. Möglichst solltest du sie nur abwechselnd mit anderen Positionen einsetzen. Du achtest auf den Hüftknick, und ab 30 Minuten sind Mikrolagerungen nötig.
Symptome
Je nachdem, ob die Alveolen oder das Zwischengewebe (Interstitium) betroffen sind, unterscheidest du eine typische (alveoläre) und eine atypische (interstitielle) Pneumonie:
Weitere Zeichen: Viele Kranke atmen schnell und flach, manchmal mit deutlicher Bewegung der Nasenflügel. Sie haben Schmerzen beim Atmen und schonen beim Atmen die erkrankte Seite (Schonatmung). Manche Kranke sind zyanotisch. Rostbraunes Sputum weist zum Beispiel auf eine Pneumokokkenpneumonie hin, eitriger Husten auf einen bakteriellen Infekt. Blut kann mitunter im Sputum enthalten sein. Liegt die Entzündung abseits der großen Bronchien, kann die Pneumonie auch ohne Husten verlaufen.
Vom Verlauf kannst du nicht zuverlässig auf den Erreger schließen. Eine Pneumokokken-Pneumonie verläuft nicht immer typisch, und Mykoplasmen oder Legionellen können auch das Bild einer typischen Pneumonie zeigen.
Plötzlich, mit hohem Fieber, Schüttelfrost und Husten mit Auswurf: So beginnt die typische Pneumonie. Die atypische beginnt schleichend mit leichtem Fieber und trockenem Husten. Vom Verlauf kannst du nicht sicher auf den Erreger schließen.
Symptome bei älteren Menschen
Ältere Menschen: Bei ihnen können die Symptome einer Pneumonie milder sein. Typischerweise steigt die Temperatur nur gering, und der Husten mit Auswurf ist leicht. Im Alter ist hohes Fieber mit Schüttelfrost selten. Alte Menschen haben oft mehr Allgemein- und weniger Lungenbeschwerden, eventuell sogar nur Allgemeinbeschwerden wie Verwirrtheit oder Schwäche. Zu Verwirrtheitszuständen kann es kommen, wenn ein Flüssigkeitsmangel (Exsikkose) besteht oder die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt.
Ältere Menschen erkranken außerdem leichter, weil ihre Abwehr eingeschränkt und ihr Hustenreflex reduziert ist. Durch altersbedingte Veränderungen ist auch die Ventilation eingeschränkt.
Säuglinge und Kleinkinder: Bei einer typischen Pneumonie zeigen sie weitere Zeichen:
- Trinkunlust, sie verweigern die Nahrung
- ein aufgeblähter Bauch
- schnelle Atmung (Tachypnoe) und schneller Puls (Tachykardie)
- Nasenflügel, die sich beim Einatmen aufstellen
Zeichen einer schweren Pneumonie können Atemnot, Tachypnoe, Tachykardie und Zyanose sein.
Bei älteren Menschen verläuft eine Pneumonie oft mild: wenig Fieber, leichter Husten, manchmal nur Schwäche oder Verwirrtheit. Zeichen einer schweren Pneumonie können Atemnot, Tachypnoe, Tachykardie und Zyanose sein.
Beobachten bei Pneumonie
Die Pflege bei einer Pneumonie hat vier Ziele: Du verbesserst die Lungenbelüftung, sorgst für eine ausreichende Sauerstoffversorgung, verhinderst Atemnot (Dyspnoe) und erkennst Komplikationen früh. Was du beobachtest, ergibt sich unter anderem aus den Komplikationen, die möglich sind. Zu ihnen zählen eine Sepsis, Komplikationen durch Immobilität, septische Embolien, bei denen Erreger in andere Organe streuen, und eine respiratorische Insuffizienz mit mangelnder Sauerstoffversorgung. Auch Nebenwirkungen und allergische Reaktionen unter einer Antibiotikatherapie gehören dazu.
Du beobachtest:
- Puls und Atmung: Puls- und Atemfrequenz steigen zum Ausgleich, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Fallen sie dir auf, kontrollierst du neben der Körpertemperatur auch die Sauerstoffsättigung.
- Temperatur: bei einer typischen Pneumonie mindestens 3-mal täglich
- Sauerstoffsättigung: zu Beginn bei allen Menschen mit Pneumonie und im Verlauf bei jeder Auffälligkeit oder bei Atembeschwerden. Ist sie erniedrigt, informierst du einen Arzt. Dann ist eine Sauerstofftherapie oder eine Anpassung der Dosis notwendig.
- Flüssigkeitsbilanz: Trinkmenge bzw. Einfuhr, Aussehen und Menge des Urins. Den Flüssigkeitsverlust durch starkes Schwitzen und Fieber schätzt du zusätzlich ab.
- Husten und Sputum: Beim Husten beobachtest und dokumentierst du Häufigkeit und Art, beim Sputum Menge und Beschaffenheit. Ist der Hustenreiz gestört, können Aspirationen und wiederkehrende Pneumonien die Folge sein.
- Schmerzen: beim Atmen und Husten
- Haut: Zyanose, Schweiß, Gänsehaut und Druckstellen. Unter einer Antibiotikatherapie können sich Pilze ansiedeln, zum Beispiel ein Mundsoor oder ein Genitalpilz.
- Ausscheidung: Diarrhöen können unter einer Antibiotikatherapie auftreten. Eine Obstipation kann durch Flüssigkeits- und Bewegungsmangel entstehen.
Bei einer Pneumonie beobachtest du Puls, Atmung, Temperatur und Sauerstoffsättigung. Ist die Sättigung erniedrigt, informierst du einen Arzt. Dazu kommen Flüssigkeitsbilanz, Husten und Sputum, Schmerzen, Haut und Ausscheidung.
Einteilung
Pneumonien lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen. In der Praxis zählt vor allem, wo der Mensch die Pneumonie erworben hat. Denn je nach Ort des Erwerbs sind die Erreger häufig unterschiedlich, und entsprechend unterschiedlich wird behandelt.
Die dritte Gruppe ist die unter Immunsuppression erworbene Pneumonie. Sie entsteht bei einer schweren Immunsuppression, im Krankenhaus oder außerhalb davon. Besonders gefährdet sind stark immunsupprimierte Menschen durch „opportunistische“ Erreger. Das sind Erreger, die bei normaler Abwehrlage keine Infektion auslösen, zum Beispiel Viren wie Herpesviren oder Pilze wie Aspergillus oder Candida.
Weitere Begriffe begegnen dir auf Station:
- Healthcare-associated pneumonia (HCAP): Betroffen sind Menschen, die regelmäßig eine Gesundheitseinrichtung aufsuchen, zum Beispiel eine Arztpraxis oder ein Dialysezentrum, oder die zeitlich begrenzt ins Krankenhaus kommen, etwa zur Chemotherapie. Eine Sonderform ist die im Pflegeheim erworbene Pneumonie (NHAP).
- Ventilatorassoziierte Pneumonie (VAP): ein Sonderfall der nosokomialen Pneumonie. Sie tritt binnen 48 Stunden nach einer endotrachealen Intubation und der damit verbundenen maschinellen Beatmung auf.
Nosokomial heißt eine Pneumonie erst, wenn der Mensch mindestens 48 Stunden stationär ist. Erkrankt er vorher, zählt die Pneumonie noch als ambulant erworben.
Wird die Pneumonie außerhalb des Krankenhauses erworben, heißt sie ambulant erworben (CAP). Tritt sie mehr als 48 Stunden nach der Aufnahme auf, heißt sie nosokomial (HAP). Je nach Ort des Erwerbs sind die Erreger häufig andere.
Lunge abhören
Beim Abhören der Lunge unterscheidest du physiologische und pathologische Atemgeräusche:
- physiologisch: Im Lungengewebe klingen die Atemgeräusche leise und tieffrequent, nahe der Trachea eher heller und schärfer.
- pathologisch: Atemgeräusche, die abgeschwächt sind, vor allem basal im Lungengewebe, feuchte, knisternde Geräusche in einem Bereich oder in mehreren, Rasselgeräusche, Giemen (ein schriller Pfeifton) oder ein Stridor beim Ein- oder Ausatmen (Zischen und Pfeifen)
So gehst du beim Abhören vor:
- Ruhe
Du sorgst für eine geräuscharme Umgebung: Fernseher und Radio aus, Fenster und Tür zu, Mess- und Sauerstoffgeräte, soweit möglich, abgestellt.
- Position
Der Mensch setzt sich auf, soweit möglich. Sitzt oder steht er, hörst du vorn (ventral) und hinten (dorsal) ab. Ist er immobil, vorn und seitlich (lateral).
- Atmen
Du legst das Stethoskop mit leichtem Druck an. Der Mensch atmet mit geöffnetem Mund regelmäßig ein und aus. Kann er der Aufforderung nicht folgen, wartest du auf spontane Atemzüge.
- Seitenvergleich
Du hörst wechselseitig von kopfwärts (kranial) nach unten (kaudal) ab. Hinten etwa eine Handbreit neben der Wirbelsäule, in Abständen von etwa 5 cm, und seitlich am Zwerchfell. Vorn unterhalb der Schlüsselbeine und seitlich der Trachea.
Gesunde Atemgeräusche im Lungengewebe sind leise und tieffrequent. Abgeschwächte Geräusche, Rasseln, Giemen und knisternde, feuchte Geräusche sind pathologisch. Du hörst im Seitenvergleich von oben nach unten ab.
Hygiene
Hygiene ist äußerst wichtig, um eine Pneumonie zu vermeiden, vor allem die Händedesinfektion. Das gilt zu Hause wie in der Klinik, und es gilt unabhängig davon, ob du Handschuhe trägst. Die Hände sind der Hauptübertragungsweg für eine nosokomiale Infektion.
Auch die Nies- und Hustenetikette verringert das Übertragungsrisiko:
- in den Ellenbogen husten oder niesen
- etwa 2 m Abstand halten
- eventuell eine Atemschutzmaske tragen
Besonders hygienisch arbeitest du bei Sauerstoff- und Inhalationstherapie, bei Intubation und Beatmung und wenn du Atemwegssekret absaugst. Saugst du mit den klassischen Systemen oral oder nasal ab, verwirfst du danach den Absaugkatheter und spülst die Schläuche gründlich mit sterilem Aqua dest. durch. Leitungswasser verwendest du nicht, wenn eine Kontamination mit Legionellen nicht sicher ausgeschlossen ist.
Hat ein Mensch schon eine Pneumonie, reichen meist die üblichen Hygienemaßnahmen. Denn viele Pneumonien verursachen Erreger, die auch auf der Haut gesunder Menschen leben, zum Beispiel Pneumokokken. In Ausnahmefällen werden besondere Hygienemaßnahmen ärztlich angeordnet, etwa wenn MRSA die Pneumonie ausgelöst hat. Bei einigen viralen Pneumonien wird der Mensch isoliert. Bei einer infektiösen Pneumonie informierst du den Menschen und seine Besucher über Schutzmaßnahmen, vor allem im Umgang mit Sputum und beim Husten. Du achtest darauf, dass er dich nicht anhustet.
Die wichtigste Maßnahme gegen die Übertragung ist die Händedesinfektion, auch wenn du Handschuhe trägst. Dazu kommt die Nies- und Hustenetikette. Bei einer Pneumonie reicht meist die Standardhygiene; bei MRSA ordnet der Arzt besondere Maßnahmen an, bei manchen viralen Pneumonien wird isoliert.
Pflege bei Pneumonie
Viele Menschen mit Pneumonie haben ein starkes Krankheitsgefühl: Sie sind müde und schwach und frieren viel. Häufig haben sie Fieber.
- Positionierung: mit erhöhtem Oberkörper, sodass der Mensch möglichst leicht atmen kann
- Schonung: Er sollte sich körperlich schonen. Dann kann sein Immunsystem bestmöglich gegen die Krankheit kämpfen, und Muskelarbeit steigert seinen Sauerstoffbedarf nicht unnötig. Wenn nötig, unterstützt du ihn bei den Alltagsaktivitäten.
- Körperpflege und Kleidung: Er soll bei der Körperpflege nicht frieren. Auch einen Wärmestau vermeidest du. Im Stadium des Fieberanstiegs solltest du auf eine Waschung verzichten. Ob fiebersenkende Maßnahmen angezeigt sind, wägt der Arzt im Einzelfall ab.
- Trinken: Du bilanzierst den Flüssigkeitshaushalt und achtest auf eine ausreichende Trinkmenge. Ein ausreichendes Durstgefühl fehlt besonders älteren Menschen oft. Dazu kommen Schwäche und eventuell Atemnot. Der Urin sollte bei einem Nierengesunden hell sein.
- Essen: Hat er keinen Appetit, überredest du ihn nicht zum Essen. Wenn nötig, unterstützt du ihn bei der Nahrungsaufnahme. Bei Bedarf bietest du Wunschkost und Lieblingsgetränke an.
- Prophylaxen: Ist ein älterer Mensch sehr schwach und verbringt viel Zeit im Bett, führst du Dekubitus-, Thrombose- und Kontrakturenprophylaxe durch.
Hat der Mensch schon eine Pneumonie, sollte er sich körperlich schonen. Zur Vorbeugung einer Pneumonie ist dagegen regelmäßige Mobilisation eine zentrale Maßnahme.
Bei einer Pneumonie positionierst du den Menschen mit erhöhtem Oberkörper, er schont sich körperlich und trinkt ausreichend. Er soll nicht frieren, und du überredest ihn nicht zum Essen.
Diagnostik und Therapie
Für die Diagnose wegweisend sind die körperliche Untersuchung und die Anamnese, außerdem Röntgenthorax, Blutuntersuchungen, Blutgasanalyse und Erregernachweis. Bei schweren und nosokomialen Pneumonien und bei Menschen mit Risikofaktoren wird der Erreger zum Beispiel im Sputum oder in Blutkulturen gesucht.
Eine bakterielle Pneumonie wird im Wesentlichen mit Antibiotika behandelt. Weil das Bakterium anfangs meist unbekannt ist, beginnt die Behandlung kalkuliert: Erfasst werden sollen die wahrscheinlichsten Erreger. Liegt der Erregernachweis vor, sollte sie angepasst werden. Ambulant werden die Antibiotika meist oral gegeben, im Krankenhaus intravenös. Bei Pilzpneumonien kommen in der Regel Antimykotika zum Einsatz, bei viralen Pneumonien Virostatika. Je nach Bedarf erhält der Mensch auch Medikamente, die schleimlösend, hustenreizstillend oder fiebersenkend wirken. Fällt die Sauerstoffsättigung ab, wird Sauerstoff zugeführt, zum Beispiel über eine Nasenbrille.
Antibiotika, Antimykotika und Virostatika können unerwünschte Wirkungen haben. Unter einer Antibiotikatherapie sind Diarrhöen, Hautausschläge oder allergische Reaktionen häufig. Darauf achtest du, und du klärst den Menschen und seine Bezugspersonen auf, wie die Medikamente wirken und welche Nebenwirkungen möglich sind.
Wer zu schwach zum Abhusten ist, darf keine Expektoranzien bekommen: Das Sekret bleibt sonst in den Atemwegen. Hustenstillende Mittel bekommt er nicht, wenn sich Sekret angesammelt hat, denn dann kann sich das Sekret stauen.
Bakterielle Pneumonien werden mit Antibiotika behandelt. Du achtest auf Nebenwirkungen wie Durchfall, Hautausschlag und allergische Reaktionen. Wer zu schwach zum Abhusten ist, bekommt keine Expektoranzien.
Schonend abhusten
Viele Menschen wissen nicht, wie sie ihren Schleim, das Bronchialsekret, am besten abhusten. Oft ist es ihnen unangenehm, oder sie haben Angst vor Schmerzen und vermeiden es deshalb. Schmerzt das Abhusten, steht die Schmerzbehandlung an erster Stelle. Bei Wunden an Brustkorb oder Bauch hilft es, wenn er mit den Händen auf der Wunde leichten Gegendruck erzeugt.
Zum schonenden und doch wirkungsvollen Abhusten leitest du ihn so an:
- Sekret lösen
Vorher löst er das Sekret, zum Beispiel mit einer Inhalation, einer Vibrationsbehandlung oder einem oszillierenden PEP-Gerät.
- Aufrecht sitzen
Er sitzt auf einem Stuhl oder im Bett, den Oberkörper aufrecht.
- Einatmen
Er atmet durch die Nase ein.
- Hüsteln
Er hüstelt kurz. Spürt er Schleim in den oberen Luftwegen, drückt er Knie und Gesäß zusammen und hustet ihn mit kurzen, kräftigen Stößen aus.
- Pause
Erneut hustet er erst, wenn sich seine Atmung wieder beruhigt hat.
Häufiges, kräftiges Husten kann die Schleimhaut schädigen. Deshalb forderst du ihn nur zum leichten Husten, zum „Hüsteln“, auf. Wegen möglicher Ansteckung achtest du darauf, dass er dich nicht anhustet.
Hat der Mensch Schmerzen beim Abhusten, kommt die Schmerzbehandlung zuerst. Bei Wunden an Brustkorb oder Bauch drückt er mit den Händen leicht dagegen. Er hustet aufrecht sitzend, nur leicht (Hüsteln) und erst wieder, wenn sich seine Atmung beruhigt hat.
Sekret und Drainagelagerung
Ist das Bronchialsekret zäh, das Abhusten schmerzhaft oder fehlt dem Menschen die Kraft, sein Sekret abzuhusten, erleichtern verschiedene Maßnahmen das Abhusten:
- Ausreichend trinken: Zähes Bronchialsekret kann durch einen Flüssigkeitsmangel entstehen. Erwachsene sollten mindestens 1500 ml am Tag trinken, sofern keine Kontraindikation besteht.
- Hausmittel: zum Beispiel Einreibungen mit ätherischen Substanzen oder heiße Brustwickel. Bei Früh- und Neugeborenen und bei Säuglingen ist Vorsicht geboten: Ätherische Substanzen können Schleimhautreizungen, Atemnot und Erbrechen auslösen. Du wendest sie bei ihnen nur nach Absprache mit einem Arzt an.
- Inhalation, Huffing, Drainagelagerungen, Vibration und Perkussion, Atemphysiotherapie
Bei einem trockenen Reizhusten haben sekretmobilisierende Maßnahmen keinen Sinn. Viele ältere Menschen haben beim Husten Probleme, den Urin zu halten. Vor sekretmobilisierenden Maßnahmen solltest du deshalb einen Toilettengang vorschlagen.
Drainagelagerungen: Jede aktive oder passive Positionierung dient der Sekretmobilisation, denn mit der Schwerkraft kann das Sekret abfließen, aus den kleineren Bronchien bis in die Trachea. Die Rückenlage mit leichter Kopftieflage drainiert einen großen Teil der Bronchien. Für die übrigen Segmente eignen sich die Bauchlage und die Seitenlage in leichter Kopftieflage. Ob und welche Drainagelagerungen geeignet sind, besprichst du mit einem Arzt, auch anhand von Lungenbefunden.
- Vorbereitung: Nach Möglichkeit erhält der Mensch vorher auf ärztliche Anordnung ein Sekretolytikum oder inhaliert.
- Dauer und Häufigkeit: 10–20 Minuten, 3- bis 4-mal am Tag, aber nie direkt nach dem Essen
- Kontrolle: Du solltest dich immer vergewissern, dass er die Lagerung gut toleriert, und die Vitalparameter kontrollieren und achtest auf Übelkeit und Luftnot. Du stellst sicher, dass er das gelöste Sekret abhusten kann, sonst könnte es seine Atmung beeinträchtigen. Toleriert er die Lagerung nicht, beendest du sie.
Bei akuter Luftnot, erhöhtem Hirndruck und Übelkeit sind Drainagelagerungen mit Kopftieflage kontraindiziert. Kann der Mensch die Drainagelagerung nicht selbstständig beenden, lässt du ihn währenddessen nicht allein.
Gegen zähes Sekret ist ausreichendes Trinken eine wichtige Voraussetzung. Drainagelagerungen nutzen die Schwerkraft: 3- bis 4-mal täglich 10–20 Minuten, nie direkt nach dem Essen. Mit Kopftieflage nicht bei akuter Luftnot, Übelkeit oder erhöhtem Hirndruck.
Kontaktatmung
Die Kontaktatmung ist eine atemvertiefende Maßnahme. Indikationen sind COPD und flache Atmung. Auch unruhigen oder angespannten Menschen kann sie helfen.
So gehst du vor: Mehrmals täglich legst du deine Handflächen auf verschiedene Bereiche von Brustkorb und Bauch, jeweils für 4–6 Atemzüge. Du forderst den Menschen auf, tief gegen deine Hände zu atmen, sie also „wegzuatmen“. Drückst du leicht mit den Handflächen, nimmt er seine Atmung besser wahr. So werden diese Bereiche der Lunge besonders gut belüftet, und die vertiefte Atmung hilft ihm, sich zu entspannen. Damit er die Bauchatmung intensiviert, legst du ihm beide Hände auf den Bauch. Sie ist wichtig, damit die unteren Lungenanteile gut belüftet werden.
Du wendest die Kontaktatmung bedarfsgerecht und individuell an:
- Der Druck, den du ausübst, muss für den Menschen „überwindbar“ sein.
- Wundgebiete sparst du aus.
- Treten Schmerzen auf, brichst du ab und passt eventuell die Schmerztherapie an.
Bei der Kontaktatmung legst du die Hände für 4–6 Atemzüge auf Brustkorb oder Bauch, und der Mensch atmet sie „weg“. Der Druck muss überwindbar sein, Wunden sparst du aus, bei Schmerzen brichst du ab.
Dehnlagen
Dehnlagen vergrößern die Gasaustauschfläche der Lunge. Gezielt eingesetzt, belüften sie bestimmte Lungenbezirke besser. Außerdem wirken sie entspannend und fördern die Beweglichkeit des Brustkorbs.
- Drehdehnlage: Der Mensch liegt auf der Seite und dreht seinen Oberkörper möglichst weit zurück, bis seine beiden Schultern auf der Matratze liegen. Die Beine bleiben dabei, wie sie liegen.
- Halbmondlage: In flacher Rückenlage legt der Mensch eine Hand an sein Ohr oder unter seinen Nacken. Die andere Hand und die Beine bewegt er seitlich aufeinander zu, bis er halbmondförmig liegt.
- V-Lage: dehnt und belüftet die unteren (kaudalen) Lungenbezirke
- A-Lage: dehnt und belüftet die oberen (kranialen) Lungenbezirke
- T-Lage: dehnt und belüftet alle vorderen Lungenbezirke, mit Betonung auf den mittleren
- I-Lage: dehnt und belüftet alle vorderen Lungenbezirke
Der Mensch sollte die Dehnlagen 2- bis 3-mal täglich durchführen. In jeder Position sollte er 10–20 Minuten bleiben und atmet dabei ruhig in den Bauch, danach wechselt er die Seite. Am besten plant ihr die Dehnlagen gemeinsam mit einer Physiotherapeutin. Weil die Dehnlagen schnell unangenehm werden können, fragst du immer wieder nach seinem Befinden. Die Rufanlage legst du griffbereit.
Kontraindiziert sind Dehnlagen bei Schmerzen durch die Positionierung und bei instabilen Frakturen im Bereich von Thorax oder Wirbelsäule. Ist die Wirbelsäule nur eingeschränkt beweglich, ist die Halbmondlage kontraindiziert.
Dehnlagen wie Drehdehn-, Halbmond- und V-A-T-I-Lage belüften gezielt bestimmte Lungenbezirke. Der Mensch sollte 2- bis 3-mal täglich je 10–20 Minuten darin bleiben und atmet ruhig in den Bauch. Die Rufanlage liegt griffbereit.
Aspiration vermeiden
Ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit Dysphagie, Menschen mit Bewusstseinseinschränkungen und körperlich geschwächte Menschen: Bei ihnen gelangen Nahrung oder Speichel leichter versehentlich in die Atemwege (Aspiration). Eine „stille Aspiration“ ist besonders gefährlich, zum Beispiel von Magensekret während des Schlafs. Die Aspiration ist ein zentraler Risikofaktor für nosokomiale Pneumonien.
Aspiration vermeiden (A in LISA):
- Orale Ernährung: Du erhältst sie so lange wie möglich oder beginnst sie so früh wie möglich wieder. Wer oral ernährt wird, ist in der Regel wacher als ein Mensch mit (par)enteraler Ernährung.
- Aufrecht essen: Zum Essen mobilisierst du ihn in eine aufrechte Position. Deine Zuwendung beim Essen bedeutet mehr Reize, und die fördern das Bewusstsein und zugleich das Atmen.
- Dysphagie: Bei einer Schluckstörung und Aspirationsrisiko wird abgewogen, ob die orale Ernährung eingestellt wird, dann für möglichst kurze Zeit.
- Zeit lassen: Du lässt ihm beim Essen Zeit.
- Unterstützen: Hat er eine Schluckstörung oder eine Bewusstseinseinschränkung, unterstützt du ihn bei der Nahrungs- und der Medikamenteneinnahme.
Infektionen vermeiden (I in LISA): Eine gute Mundhygiene senkt das Pneumonierisiko, das belegen Studien bei älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen. Die Mundpflege soll die natürliche Mundflora erhalten. Für ältere Menschen im Krankenhaus, besonders mit Schlaganfall oder nach einer Operation, werden unter anderem regelmäßige Mundpflege und Schlucktraining empfohlen.
Gegen Aspiration: so lange wie möglich oral ernähren, zum Essen aufrecht positionieren, Zeit lassen und bei Schluckstörung beim Essen und bei Medikamenten unterstützen. Bei älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen senkt eine gute Mundhygiene das Pneumonierisiko.
Atemstimulierende Einreibung
Die atemstimulierende Einreibung (ASE) hilft dem Menschen, sich zu beruhigen, zu entspannen und seine Atmung bewusst wahrzunehmen. So wird seine Atmung ruhiger und tiefer. Die ASE gehört zur basalen Stimulation.
- Indikationen: flache Atmung, COPD, Angespanntheit und Unruhe. Auch als Einschlafhilfe und bei Desorientierung kannst du sie anwenden.
- Kontraindikationen: offene oder schmerzende Hauterkrankungen im Rückenbereich
- Anordnung: Du brauchst keine ärztliche Anordnung.
So gehst du vor:
- Vorbereiten
Du solltest für eine angenehme Zimmertemperatur und möglichst viel Ruhe sorgen und nimmst dir Zeit. Deine Hände sind warm und sauber, ohne Schmuck.
- Position
Der Mensch sitzt aufrecht mit entblößtem Rücken oder liegt bequem auf der Seite.
- Einreiben
Du trägst eine Lotion oder ein Massageöl auf seinen Rücken auf. Deine warmen Handflächen legst du flach seitlich der Wirbelsäule oben auf den Rücken und reibst in kreisenden Bewegungen nach unten.
- Rhythmus
Damit seine Atmung ruhiger wird, gibst du ihm mit den Bewegungen den Atemrhythmus vor. Den Vorgang wiederholst du einige Male, insgesamt etwa 5–10 Minuten.
- Ruhen
Danach gibst du ihm Zeit zum Ruhen.
Kontaktatmung und ASE führst du am besten ohne Handschuhe durch, und nur dann, wenn du selbst die Berührung nicht als unangenehm oder unangebracht empfindest. Du achtest auf seine Körpersprache: Wirkt er entspannt, oder stört ihn die Berührung in seiner Intimsphäre?
Die ASE beruhigt und hilft, die Atmung bewusst wahrzunehmen, sodass der Mensch ruhiger und tiefer atmet. Sie braucht keine ärztliche Anordnung und dauert etwa 5–10 Minuten. Kontraindiziert ist sie bei offenen oder schmerzenden Hauterkrankungen am Rücken.
Impfung und Beratung
Die Pneumonierate sinkt, wenn Menschen gegen Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ B und Pertussis geimpft sind. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Menschen ab 60 Jahren, sich gegen Influenza und Pneumokokken impfen zu lassen. Die Impfung schützt allerdings nicht gegen alle Erreger einer Pneumonie.
Menschen mit Pneumonie und ihre Bezugspersonen berätst du zum Beispiel so:
- Du klärst auf, wie die Medikamente wirken und welche Nebenwirkungen möglich sind.
- Du leitest zu schonenden Hustentechniken an und eventuell zur Anwendung eines Atemphysiotherapiegeräts.
- Du informierst ältere und chronisch kranke Menschen, dass sie eine Impfung gegen Grippe und Pneumokokken unter Umständen vor einer erneuten Pneumonie schützen kann.
- Du erklärst, dass sie eine Erkältung oder eine andere Infektion am besten im Bett auskurieren, statt sie zu „übergehen“. So bleibt der Abwehr möglichst viel Energie.
- Du klärst über weitere Vorbeugung auf: 2-mal täglich Mundpflege, Aspirationsprophylaxe, vitaminreiche Ernährung mit ausreichend Spurenelementen und Mineralstoffen.
- Hatte jemand schon eine Pneumonie, motivierst du ihn eventuell zur Raucherentwöhnung.
Ein informierter Mensch, den du in die Planung einbeziehst, nimmt entscheidenden Einfluss auf seine Gesundheit. Deshalb sind Aufklärung über seine persönlichen Risikofaktoren und Anleitung so wichtig.
Du berätst zu Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe, zu schonenden Hustentechniken, zur Mundpflege und dazu, Infekte auszukurieren. Die Impfung schützt nicht gegen alle Erreger.