مواقف
Herr Becker, 59 — nachts keine LuftKurz vor drei, Innere Station: Ein Mann mit COPD ringt nach Luft. Was bei ihm los ist, was du in den ersten Minuten tust und warum Sauerstoff hier heikel ist.Herr Becker — das Spray hilft nichtAm Morgen nach der Atemnot: „Das Spray hilft gar nicht. Das ist nur mein Raucherhusten.“ Was du ihn fragst, was du bei seinem Spray siehst und wie du die Dusche planst.Herr Becker — fünf am Tag reichenEntlassungstag: „Ich rauche nur noch fünf am Tag. Das reicht doch.“ Ein Gespräch ohne Druck, eine Übergabe, die du selbst schreibst, und eine Frage seiner Frau.Herr Russo, 82 — der erste Tag nach der OperationChirurgische Station, Tag 1 nach einer Operation am Oberbauch: Ein 82-Jähriger atmet flach und will kein Schmerzmittel. Ist er pneumoniegefährdet, und was tust du zuerst?Herr Russo — am vierten Tag verändertAm vierten Tag nach der Operation erkennt er dich nicht gleich, Fieber hat er kaum. Was hinter der Verwirrtheit stecken kann und wann du die Ärztin rufst.معرفة للقراءة
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Atemwege und Lunge
- 1 obere Atemwege: Nase und Rachen
- 2 Luftröhre (Trachea)
- 3 Hauptbronchus
- 4 Bronchien
- 5 Bronchiole
- 6 Lungenbläschen (Alveolen)
Das Atmungssystem hat vor allem eine Aufgabe: den Gasaustausch. Dabei tauschen Blut und Atemluft Sauerstoff und Kohlendioxid aus. Ort dafür sind die Lungenbläschen (Alveolen) in der Lunge. Über sie nimmt das Blut Sauerstoff aus der Atemluft auf. Kohlendioxid tritt umgekehrt aus dem Blut in die Atemluft über.
Zur Lunge gelangt die Luft über die Atemwege. Sie werden in zwei Abschnitte eingeteilt:
- obere Atemwege: der Rachen und die Nase mit ihren Nebenhöhlen
- untere Atemwege: der Kehlkopf, die Luftröhre (Trachea), die Bronchien und die Bronchioli
So gelangt die Luft bis in die Lungenbläschen:
- Luftröhre
Die Luftröhre (Trachea) beginnt am Kehlkopf. Im Brustkorb teilt sie sich in die beiden Hauptbronchien.
- Hauptbronchien
Der rechte Hauptbronchus tritt in den rechten Lungenflügel ein, der linke in den linken. Dort verzweigen sich die Hauptbronchien in immer kleinere Äste.
- Bronchioli
Die kleinsten Äste sind die Bronchioli. In ihrer Wand gibt es keine Knorpelplatten mehr, dafür eine kräftige Schicht: glatte Muskulatur und elastische Fasern. Deshalb können die Bronchioli eng- und weitgestellt werden.
- Lungenbläschen
Am Ende des Bronchialbaums sitzen die Lungenbläschen (Alveolen). Hier findet der Gasaustausch statt.
Knorpel liegt in der Wand der Luftröhre und in der Wand der größeren Bronchien. Bei der Luftröhre sind es Knorpelspangen. Sie verhindern, dass die Luftröhre beim Einatmen in sich zusammenfällt.
Der obere Teil der Bronchien reinigt vor allem die Atemluft. Das respiratorische Epithel der Bronchien bildet Schleim. Daran bleiben Schmutzpartikel haften. Die Atemwegsschleimhaut ist hier mit vielen Flimmerhärchen bedeckt. Sie schlagen regelmäßig in Richtung Rachen. So gelangen der Schleim und die Schmutzpartikel in den Mund. Dort können sie heruntergeschluckt oder ausgespuckt werden.
Zwischen den Lungenbläschen liegt Bindegewebe, das Lungeninterstitium. Darin liegen viele elastische Fasern. Die Fasern und die Oberflächenspannung der Lungenbläschen sorgen gemeinsam dafür, dass die Lunge sich beim Ausatmen wieder von selbst zusammenzieht. Das sind die Rückstellkräfte der Lunge. Wenn die Atemmuskeln erschlaffen, überwiegen diese Rückstellkräfte. Die Lunge verkleinert sich, und die Luft strömt über die Atemwege nach außen. Bei größerer Atemanstrengung können exspiratorische Hilfsmuskeln die Ausatmung unterstützen. Dazu gehören die Bauchmuskulatur und die inneren Zwischenrippenmuskeln.
Die Luft fließt über Luftröhre, Hauptbronchien und Bronchioli bis in die Lungenbläschen. Dort findet der Gasaustausch statt. Beim Ausatmen ziehen die elastischen Fasern die Lunge von selbst wieder zusammen.
COPD: Definition
COPD steht für „chronic obstructive pulmonary disease“, die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung. Sie ist eine chronische Erkrankung der Atemwege und der Lunge und verläuft in der Regel progredient, also voranschreitend. Gekennzeichnet ist sie durch eine Atemwegsobstruktion, die mit Dyspnoe einhergeht. Auch nach der Gabe von Bronchodilatatoren ist diese Obstruktion nicht vollständig reversibel. Zwei Erkrankungen gehören zur COPD:
- die chronisch-obstruktive Bronchitis
- das obstruktive Lungenemphysem
Eine chronische Bronchitis zeigt sich durch dauerhaften Husten, in der Regel mit Auswurf, über mindestens ein Jahr. Als Maß gilt: Husten mit Auswurf in jedem der letzten 2 Jahre, jeweils mindestens 3 Monate ohne Unterbrechung.
Unter den chronischen Lungenerkrankungen ist die chronische Bronchitis samt ihren Folgen die häufigste. Mit steigendem Lebensalter nimmt sie zu. Etwa doppelt so häufig wie Frauen sind Männer betroffen. Etwa 10–15 % der Bevölkerung haben eine COPD, sie gilt deshalb als Volkskrankheit. Weltweit ist sie die vierthäufigste Todesursache.
COPD heißt: Die Atemwege sind dauerhaft verengt, auch Bronchodilatatoren heben das nicht vollständig auf, die Erkrankung schreitet in der Regel voran und geht mit Atemnot einher. Dazu gehören das obstruktive Lungenemphysem und die chronisch-obstruktive Bronchitis.
Exazerbation
Eine Exazerbation ist eine akute Verschlechterung der Atemwegssymptome, die mindestens 2 Tage anhält und eine Intensivierung der COPD-Therapie notwendig macht. Zugrunde liegt eine Entzündung: Die Bronchien verengen sich stärker (Bronchokonstriktion) und/oder es entsteht mehr Schleim, die Lunge ist überbläht.
Daran erkennst du sie:
- Die Dyspnoe nimmt zu, oft stark.
- Husten und Sputumvolumen nehmen zu.
- Das Sputum kann eitrig werden (Sputumpurulenz). Bei einer eitrigen Infektion ist es gelbgrün.
- Fieber kommt dazu, die Betroffenen fühlen sich krank.
- Der Puls ist meist deutlich erhöht.
Ausgelöst wird eine Exazerbation sehr häufig durch Atemwegsinfekte, auch durch zusätzliche Umweltbelastung wie Smog oder durch feuchte Witterung. Eine Verschlechterung der Atemwegssymptome kann aber auch andere Ursachen haben, die differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen, zum Beispiel eine Pneumonie, eine Lungenembolie oder eine Rechtsherzinsuffizienz.
Eingewiesen werden sollen Menschen mit COPD ins Krankenhaus zum Beispiel bei Verdacht auf eine lebensbedrohliche Exazerbation, bei einer schweren Verschlechterung, die trotz Behandlung anhält oder schnell fortschreitet, und bei einer schweren Infektion der Lunge.
Exazerbation heißt: mindestens 2 Tage mehr Atemnot, mehr Husten, mehr oder eitriger Auswurf, und die Therapie muss intensiviert werden. Sehr häufig wird sie durch Atemwegsinfekte ausgelöst.
Akute Atemnot
Bei Dyspnoe (Atemnot) hungert der Mensch nach Luft. Seine Atmung ist beschleunigt oder erschwert. Wenn jemand trotz maximaler Atmung starke Luftnot hat, hat er Todesangst. Er braucht sofort Hilfe.
Wenn der Mensch nicht mehr tief ein- und ausatmet, sondern nur noch nach Luft schnappt, und zusätzlich bewusstlos und zyanotisch ist, ist ein Herzstillstand eingetreten oder steht unmittelbar bevor. Dann leitest du sofort die kardiopulmonale Reanimation ein.
So gehst du bei Atemnot vor:
- Frag, wie stark die Atemnot ist. Bei starker Dyspnoe sollte schnellstmöglich die Ärztin informiert werden, oder der Rettungsdienst.
- Wenn du das Zimmer verlassen musst, um Hilfe zu holen, sagst du es dem Menschen und lässt die Tür offen.
- Bring ihn in eine aufrecht sitzende Position.
- Öffne alle beengenden Kleidungsstücke, zum Beispiel einen Gürtel, und öffne das Fenster.
- Beruhige ihn. Durch Angst steigt der Sauerstoffbedarf, und die Atemnot wird dadurch stärker.
- Miss Puls, Atemfrequenz und Blutdruck, wenn möglich auch die Sauerstoffsättigung.
- Wenn für Luftnot schon ärztlich angeordnet ist, dass er Sauerstoff oder ein bestimmtes Medikament bekommt, zum Beispiel einen Bronchodilatator, kannst du die Anordnung ausführen, bevor die Ärztin da ist.
Bei COPD fällt das Ausatmen schwer, weil sich die Bronchien verkrampfen und die Schleimhäute geschwollen sind. Oft hörst du beim Ausatmen ein pfeifendes Geräusch (exspiratorischer Stridor).
- Als Notfallmedikamente inhaliert der Mensch Wirkstoffe, die bronchienerweiternd oder abschwellend wirken, zum Beispiel Salbutamol oder Kortison.
- Du leitest den Menschen an, mit der Lippenbremse auszuatmen. Weil der Druck in den Bronchien steigt, bleiben sie dabei offen.
- Bei schwerer COPD kann Sauerstoff eine CO2-Narkose auslösen, mit Atemstillstand. Sauerstoff gibst du deshalb nur nach Anordnung und unter Beobachtung. Wenn der Mensch dann plötzlich ruhiger wird, kann das für eine bessere Atmung sprechen. Es kann aber auch heißen, dass der pCO2 ansteigt und eine Kohlendioxidnarkose droht.
Bei schweren chronischen Erkrankungen der Atemwege haben manche Menschen dauerhaft Dyspnoe. Wenn deine Maßnahmen die Atemnot dann verbessern, sollte der Mensch gefragt werden, ob eine Ärztin trotzdem kommen soll.
Wenn die Atemnot von einer chronischen Erkrankung kommt, sind der Mensch und seine Angehörigen in der Zeit ohne Atemnot zu atemunterstützenden Körperpositionen und Atemtechniken zu schulen. Wenn er sie gut beherrscht, kann er sie bei beginnender Atemnot automatisch abrufen, und sie können der Atemnot entgegenwirken.
Atemnot: aufrecht hinsetzen, Enges und Fenster öffnen, beruhigen, messen, Hilfe holen. Bei COPD Lippenbremse anleiten, Sauerstoff nur nach Anordnung.
Sauerstoff bei COPD
Wer konzentrierten Sauerstoff verabreicht, gibt ein Medikament. Deshalb ist eine ärztliche Anordnung notwendig, auch für die Dosis.
Bei COPD gilt besondere Vorsicht. Viele Betroffene haben dauerhaft einen erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut, ihr Körper hat sich daran gewöhnt (Adaptation). Dann kann der Atemantrieb über einen niedrigen Sauerstoffgehalt gesteuert werden, nicht mehr wie normal über einen erhöhten Kohlendioxidgehalt. Die Sauerstoffgabe kann dann vortäuschen, im Blut sei genug Sauerstoff. In manchen Fällen setzt dann der Atemantrieb aus, und es kommt zum Atemstillstand.
Deshalb:
- Verabreiche Sauerstoff bei COPD nur auf ausdrückliche ärztliche Anordnung und nur niedrig dosiert.
- Halte die Dosierung genau ein, auch wenn der Mensch darunter eine Zyanose zeigt.
- Bei COPD im fortgeschrittenen Stadium beobachtest du nach dem Beginn einige Minuten die Atmung. Entwickelt sich unter der Sauerstofftherapie eine Bradypnoe, also eine verringerte Atmung, stellst du den Sauerstoff ab. Dann wartest du, bis die Atemfrequenz wieder ansteigt. Außerdem informierst du einen Arzt. Halte einen Ambu-Beutel bereit.
Diese Gefahr darf aber nicht zu der falschen Annahme führen, Menschen mit COPD dürfe kein Sauerstoff angeboten werden. Bei langjähriger COPD wird ihr Atemantrieb teilweise über den Sauerstoffpartialdruck geregelt, und eine Hypoxie muss in jedem Fall verhindert werden. In der Akutsituation ist unter angemessener Überwachung auf der Intensivstation sogar eine hoch dosierte Sauerstoffgabe möglich.
Sauerstoff ist ein Medikament: Bei COPD gibst du ihn nur auf ärztliche Anordnung, niedrig dosiert und genau nach Dosis, und du beobachtest die Atmung. Eine Hypoxie muss trotzdem in jedem Fall verhindert werden.
Die Lippenbremse
Erschwert eine Obstruktion der Bronchien die Ausatmung, kann die Lippenbremse helfen: Sie wirkt einer Dyspnoe entgegen. Indikationen sind die COPD und der Anfall bei Asthma bronchiale.
So leitest du an:
- Normal einatmen.
- Die Luft durch die fast geschlossenen Lippen auspusten.
Warum sie wirken kann: Durch die fast geschlossenen Lippen entsteht ein Widerstand beim Ausatmen. Der Druck in den Bronchien steigt und hält die verengten Atemwege offen. Ein Kollaps der Alveolen kann so verhindert werden. Die Lunge kann weniger überbläht sein, und das wirkt einem Funktionsverlust des Zwerchfells entgegen. Die Ausatemphase wird verlängert.
Vorher bewusst tief einzuatmen, hilft erfahrungsgemäß nicht. Einen wirksamen Widerstand kann auch ein Stück Strohhalm erzeugen, zum Beispiel 10 cm lang und 0,5 cm im Durchmesser. Nicht alle Menschen mit COPD profitieren von solchen Techniken, die Gründe dafür sind unklar.
Bei verengten Bronchien wirkt auch die Gähn- und Schnüffelatmung dem Kollaps der Bronchiolen entgegen, ähnlich wie die dosierte Lippenbremse. Beim langsamen Einatmen zieht der Mensch den Unterkiefer wie beim Gähnen ganz nach unten, die Zunge liegt hinten unten. Nach einer kurzen Atempause atmet er mit der dosierten Lippenbremse aus.
Selbsthilfetechniken bei Atemnot wie die Lippenbremse sollen alle Menschen mit COPD vermittelt bekommen. Atemnot kann als sehr bedrohlich empfunden werden, und ärztliche Hilfe ist oft nicht sofort da. Wer die Techniken gelernt hat, kann sich in Notsituationen erfahrungsgemäß sicherer fühlen, und die Angst kann abnehmen.
Lippenbremse: normal einatmen, dann mit fast geschlossenen Lippen ausatmen. Die verengten Bronchien hält der Druck offen.
Entstehung der COPD
Mit Abstand der wichtigste Risikofaktor für eine chronische Bronchitis und eine COPD ist das Rauchen. Die meisten Betroffenen rauchen oder haben früher geraucht. Das Risiko steigt sogar durch Passivrauchen. Andere Ursachen sind deutlich seltener: Schadstoffe in der Atemluft wie Feinstaub oder Bergbau, eine gestörte Lungenentwicklung in der Fetalzeit, also vor der Geburt, oder häufige virale Atemwegsinfekte in der Kindheit. Eine Rolle spielen können auch genetische Faktoren, etwa ein α1-Antitrypsin-Mangel oder ein IgA-Mangel.
So entsteht die Erkrankung:
- Chronische Bronchitis: Zunächst reizen und schädigen die Schadstoffe die Schleimhaut, sie ist chronisch entzündet. Die Drüsen bilden vermehrt zähen Schleim. Die Flimmerhärchen verlieren ihre Funktion und können ihn nicht mehr abtransportieren. Typisch ist der „Raucherhusten“ mit Auswurf am Morgen. Wenn jemand das Rauchen in diesem Stadium aufgibt, ist der Zustand reversibel.
- Chronisch-obstruktive Bronchitis: Wird weitergeraucht, bleiben die Atemwege dauerhaft eng. Bemerkbar macht sich diese Obstruktion vor allem beim Ausatmen.
- Lungenemphysem: Langjähriges Rauchen inaktiviert zusätzlich die Antiproteasen in der Lunge, zum Beispiel das α1-Antitrypsin. Dann überwiegen eiweißspaltende Enzyme, die Proteasen. Diese Proteasen können irreversibel das Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen zerstören. Es entstehen große Lufträume, die nicht mehr funktionieren, die Emphysemblasen. Die Lunge ist überbläht, die Fläche für den Gasaustausch drastisch vermindert.
Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor. Wer im Stadium der chronischen Bronchitis aufhört, hat einen reversiblen Zustand. Wer weiterraucht, bekommt dauerhaft enge Atemwege, und es kann ein Lungenemphysem entstehen.
Leitsymptome
Meist sind die Betroffenen älter als 40 Jahre. Die Leitsymptome heißen auch AHA-Symptome:
- Atemnot (Dyspnoe): zunächst bei Belastung, im Krankheitsverlauf zunehmend.
- Husten: chronisch, mit wiederkehrendem Giemen.
- Auswurf: chronische Sputumproduktion.
Am Anfang kommt die Atemnot vor allem bei körperlicher Betätigung, das ist die Belastungsdyspnoe. Später kommt sie auch in Ruhe oder schon beim Sprechen, das ist die Ruhedyspnoe. Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt mit fortschreitender Erkrankung immer mehr ab.
Bei fortgeschrittener COPD kann sich ein Fassthorax ausbilden, weil die Lunge chronisch überbläht ist. Der Brustkorb ist dann starr und in Inspirationsstellung, also in Einatmungsstellung, fixiert. Die Ausatmung, das Exspirium, ist verlängert. Beim Ausatmen hörst du Giemen, Pfeifen und Brummen, also exspiratorisch.
Für die Einschätzung der Symptome werden möglichst Fragebögen verwendet, zum Beispiel der CAT (COPD Assessment Test), der CCQ (COPD Control Questionnaire) oder die MRC-Skala zur Atemnot.
AHA heißt Atemnot, Husten, Auswurf. Die Atemnot kommt zuerst bei Belastung und später auch in Ruhe oder beim Sprechen.
Das Dosieraerosol
Beim Dosieraerosol löst ein Druck auf den Wirkstoffbehälter einen Sprühstoß aus. Auslösen und Einatmen müssen gleichzeitig geschehen. Das stellt recht hohe Ansprüche an die Koordination. Vor allem Kinder und ältere Menschen tun sich damit schwer.
So leitest du an:
- Das System schütteln.
- Tief ausatmen.
- Das Mundstück an die Lippen führen.
- Den Auslöser drücken und dabei langsam und tief einatmen. Langsam heißt: Das Einatmen ist nicht zu hören.
- Das Gerät absetzen und die Luft mindestens 5 Sekunden anhalten, damit sich der Wirkstoff in der Lunge verteilen kann.
- Danach durch die Nase ausatmen, langsam.
Warum es darauf ankommt: Optimal wirkt eine inhalative Therapie nur mit richtiger Inhalationstechnik. Durch die tiefe Ausatmung vorher kommt das Aerosol beim langsamen, tiefen Einatmen mit allen Teilen des Bronchialbaums in Kontakt. Wer zu schnell einatmet, verliert mehr Wirkstoff in Mund und Rachen. Wenn die Atempause zu kurz ist, wird ein erheblicher Teil der Teilchen wieder ausgeatmet, bevor sie sich ablagern. Das Gerät setzt der Mensch ab, damit er nicht versehentlich hineinatmet.
Ein Spacer wird auf den Inhalator gesetzt und bildet ein zusätzliches Volumen. Er verhindert, dass zu viel Wirkstoff in Mund und Rachen hängen bleibt. Geeignet ist er für Menschen, die wegen der Koordination mit einem anderen Inhalator nicht zurechtkommen. Mit dem Spacer setzt der Mensch die Lippen an das Mundstück und löst den Sprühstoß aus, während er einatmet. Wenn 2 Hübe angeordnet sind, wird der Vorgang nach etwa 1 Minute wiederholt.
Dosieraerosol: schütteln, tief ausatmen, beim Auslösen langsam und tief einatmen, absetzen, mindestens 5 Sekunden die Luft anhalten.
Mobilisation bei COPD
Für alle Pflegemaßnahmen und vor allem für die Mobilisation solltest du bei COPD ausreichend Zeit einplanen. So kann der Mensch bei Dyspnoe jederzeit kleinere Pausen machen. Wenn er noch nicht stabilisiert ist, solltest du die Tätigkeiten auf ein Mindestmaß reduzieren.
- Größere Anstrengung vermeidest du.
- Um Atemnot vorzubeugen, sollten die verordneten COPD-Medikamente möglichst direkt vor den Maßnahmen gegeben werden.
- Unterstützen können die Atmung auch VATI-Positionen. Das sind Dehnlagen in V-, A-, T- und I-Form.
Nur schonen ist aber ungünstig. Viele Kranke schonen sich, um die Atemnot zu mindern. Dadurch werden die Muskelkraft und die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems geringer, und die Atemnot kommt bei immer geringerer Belastung. Regelmäßige Bewegung, zum Beispiel in Lungensportgruppen, kann den Allgemeinzustand verbessern.
Was die Leitlinie zur Bewegung empfiehlt:
- Unabhängig vom Krankheitsstadium sollen alle Menschen mit COPD über den hohen Nutzen von körperlicher Aktivität im Alltag und von körperlichem Training aufgeklärt werden, auch über den positiven Einfluss auf den Verlauf. Mögliche Ängste und Barrieren sollen dabei aktiv angesprochen werden, zum Beispiel Angst vor Atemnot bei Belastung, Bewegungsangst, Depression, Übergewicht oder Antriebslosigkeit. Gegebenenfalls werden Lösungen gesucht.
- Wie viel sich der Mensch bewegt, soll regelmäßig erfragt werden. Gegebenenfalls soll er zu mehr Bewegung motiviert und beraten werden.
- Empfohlen werden soll ein angeleitetes körperliches Training, das an seine Voraussetzungen angepasst ist. Wenn er nicht selbstständig Sport treiben kann, sollte Rehabilitationssport empfohlen und verordnet werden, zum Beispiel Lungensport.
- Wenn er zurzeit nicht außerhalb der Wohnung trainieren kann, soll ihm eine häusliche Trainingstherapie angeboten werden. Sie ist individuell angepasst, supervidiert und motivierend. Ziel ist, dass er möglichst eigenständig weitermacht.
Bei COPD: Zeit einplanen, Pausen ermöglichen, Medikamente möglichst direkt vor der Maßnahme. Aber nicht nur schonen, sonst kommt die Atemnot bei immer geringerer Belastung.
Der Pulverinhalator
Ein Pulverinhalator ist mit Pulver gefüllt. Bei manchen Geräten legt der Mensch für jede Anwendung eine Kapsel ein, die das Gerät dann zerstört. Das Pulver wird durch einen tiefen Atemzug zersprengt. So kann es als Aerosol eingeatmet werden.
Beim Einatmen gilt das Gegenteil vom Dosieraerosol:
- Dosieraerosol: möglichst langsam einatmen. Das Einatmen ist nicht zu hören.
- Pulverinhalator: meist kräftig, schnell und tief einatmen (forciert). Das Einatmen ist deutlich zu hören. So gelangt der Wirkstoff am besten in die Lunge.
Für beide gilt: vorher tief ausatmen, danach das Gerät absetzen und mindestens 5 Sekunden die Luft anhalten.
Nicht jeder Mensch atmet kräftig genug ein. Gerade Menschen mit schlechter Lungenfunktion erreichen die hohen Flussraten oft nicht. Geräte mit geringem Widerstand empfinden sie als leicht, auch wenn sie oft schlecht wirken. Geräte mit hohem Widerstand fühlen sich anstrengend an. Sie wirken aber auch bei niedrigem Fluss gut, wenn der Mindestfluss erreicht wird. Atemzuggesteuerte Inhalatoren setzen den Wirkstoff frei, sobald der Mensch Luft ansaugt. Auch Kinder und ältere Menschen können sie nutzen. Der Mensch muss aber einen ausreichenden Unterdruck aufbauen können, und das gelingt manchen nicht.
Was die Leitlinie für die Einweisung fordert:
- Das Inhalationssystem soll zu den Fähigkeiten des Menschen passen: zum Einatemfluss, zu den kognitiven, visuellen und motorischen Fähigkeiten und zu seinen Vorlieben.
- Bei der ersten Verordnung und bei einem Wechsel des Systems soll er eingewiesen werden, von der Ärztin, dem Arzt oder einer geschulten Fachkraft, gegebenenfalls zusätzlich in der Apotheke. Er soll die richtige Handhabung vorgeführt und eingeübt haben.
- Handhabung und Technik sollen regelmäßig überprüft werden, besonders wenn die Beschwerden nicht ausreichend kontrolliert sind.
- Wird die medikamentöse Therapie fortgeführt und kommt der Mensch mit seinem Gerät gut zurecht, soll es nicht gewechselt werden.
- Schwierigkeiten mit der Handhabung sind kein Grund, ein Medikament, das es zum Inhalieren gibt, stattdessen oral zu geben.
Pulverinhalator meist kräftig und schnell einatmen, Dosieraerosol langsam. Der Mensch führt die Handhabung vor, und sie wird regelmäßig überprüft.
Rauchstopp bei COPD
Ausgelöst wird COPD in erster Linie durch Rauchen. Eine eingeschränkte Lungenfunktion lässt sich in der Regel nicht mehr rückgängig machen. Deshalb ist ein früher Rauchverzicht unbedingt notwendig, um das Fortschreiten aufzuhalten. Die wichtigste Maßnahme ist absolute Nikotinkarenz.
Weniger rauchen reicht nicht. Eine relevante Verbesserung der COPD ist nur mit totaler Abstinenz zu erreichen. Wer nur reduziert, kann keine bessere Lungenfunktion erwarten. Vermutlich gleicht ein verändertes Rauchen, also tieferes und längeres Inhalieren, die geringere Zahl der Zigaretten aus. Rauchenden Menschen mit COPD soll deshalb dringend empfohlen werden, vollständig und dauerhaft aufzuhören.
Die Kurzberatung dauert etwa 1–2 Minuten, bis zu 20 Minuten. Ein Beispiel sind die 5 A:
- Ask: nach dem Rauchen fragen und den Rauchstatus dokumentieren.
- Advise: individuell und motivierend zum Rauchstopp raten.
- Assess: erfassen, ob der Mensch bereit ist, sein Rauchverhalten zu ändern.
- Assist: Wer aufhören will, wird qualifiziert unterstützt oder an ein anerkanntes Entwöhnungsangebot weitergeleitet.
- Arrange: Folgekontakte vereinbaren.
Ein Therapieangebot soll jeder rauchende Mensch mit COPD bekommen, auch wer gar nicht aufhören will. Die Basis ist immer eine wertschätzende Kommunikation. Das Angebot darf niemanden stigmatisieren, der noch nicht bereit ist. Wenn die Motivation aufzuhören gering ist, ist die motivierende Gesprächsführung eine zusätzliche Möglichkeit. Sie ist nicht-direktiv: Niemand wird gedrängt. Der Mensch wägt Vor- und Nachteile des Rauchens selbst ab und entwickelt so seine eigene Motivation.
Du informierst darüber, wie wichtig ein früher Rauchverzicht ist. Und du berätst über Hilfen zur Raucherentwöhnung, zum Beispiel Programme der Krankenkassen und Selbsthilfegruppen. Wer bereit ist aufzuhören, soll eine kombinierte Therapie aus Verhaltenstherapie und Medikamenten gegen den Entzug nachdrücklich empfohlen und angeboten bekommen.
Bei COPD hilft nur der vollständige Rauchstopp, weniger rauchen reicht nicht. Jeder rauchende Mensch bekommt ein Angebot, wertschätzend und ohne Druck.
Schulung, Impfung, Überleitung
Einweisung und Schulung sind zwei verschiedene Dinge. Die Instruktion weist nur in die Inhalationstechnik und in das Gerät ein, das gerade verordnet ist. Sie ersetzt die Schulung nicht.
- Allen Menschen mit COPD soll ein strukturiertes, evaluiertes und auf ihre Zielgruppe zugeschnittenes Schulungsprogramm empfohlen und vermittelt werden. Die Behandelnden sollen regelhaft zur Teilnahme motivieren.
- Nachschulungen sollen bei Bedarf angeboten werden. Einen Bedarf zeigen zum Beispiel Fehler bei den Medikamenten, beim Inhalieren oder im Umgang mit Atemnot. Wenn Inhalte nicht regelmäßig aufgefrischt werden, besteht die Gefahr, dass sie wieder vergessen werden.
- Wichtige Inhalte einer Schulung sind zum Beispiel, die eigene Erkrankung selbst zu kontrollieren und geeignete Selbsthilfemaßnahmen zu erlernen.
- Dazu gehört auch, schädigende Einflüsse beim Einatmen zu kennen und zu meiden: vor allem das Rauchen, aber auch Kälte, Nebel und trockene Luft. Diese Einflüsse können die Obstruktion verstärken.
Infektionen vorbeugen: Atemwegsinfektionen können die Atmung akut und drastisch verschlechtern. Menschen mit COPD sollen Impfungen nach den aktuellen Empfehlungen der STIKO angeboten werden. Unabhängig vom Schweregrad gehören die Grippe- und die Pneumokokkenimpfung dazu. Du erklärst ihm, dass er sich mit einer regelmäßigen Impfung gegen Grippe vor einer Exazerbation schützen kann.
Peak-Flow und DMP: Regelmäßige Peak-Flow-Messungen helfen bei der Verlaufskontrolle. Der Peak Flow ist der maximale Exspirationsfluss. Unter Umständen zeigt die Messung eine Verschlechterung an, bevor der Mensch sie selbst spürt. Du leitest ihn an, die Werte mehrmals täglich mit einem Peak-Flow-Messgerät zu bestimmen und zu dokumentieren, am besten in einem Tagebuch. Seine Bestwerte hat er vorher mit einem Arzt bestimmt. Weichen die Werte deutlich davon ab, weist das auf eine zunehmende Obstruktion hin. In einem Disease-Management-Programm (DMP), das die Krankenkassen finanzieren, bekommt er unter anderem Informationsbroschüren, telefonische Beratung und Schulungen. An notwendige Arztbesuche wird er automatisch erinnert. Wer teilnehmen möchte, sollte den weiterbehandelnden Arzt darauf ansprechen, zum Beispiel den Hausarzt. Spezielle Schulungen und Selbsthilfegruppen können helfen, die Compliance zu erhöhen.
Vor der Entlassung stellst du die Pflegeüberleitung sicher. So wird der Mensch auch in seiner häuslichen Umgebung angeleitet und geschult.
Eine Einweisung ins Gerät ersetzt keine Schulung. Grippe- und Pneumokokkenimpfung werden nach STIKO angeboten.
Ernährung bei COPD
Viele Menschen mit COPD entwickeln im Verlauf eine Unterernährung. Ihre Atemmuskulatur verbraucht bis zu 10-mal mehr Energie. Mit dem Gewicht geht auch Atemmuskulatur verloren. Deshalb erfasst und überwachst du den Ernährungszustand regelmäßig, zum Beispiel den Gewichtsverlauf und den BMI.
Als Gewichtsverlust gilt eine ungewollte Abnahme um mehr als 5 % in den letzten 6 Monaten oder um mehr als 10 % über mehr als 6 Monate. Der BMI allein sollte dabei nicht herangezogen werden. Bei ungewolltem Gewichtsverlust ist eine Abklärung der Ursache erforderlich.
- Krankheitsbedingtes Untergewicht: Eine ausgewogene, hochkalorische Nahrungsergänzung soll empfohlen werden, damit das Körpergewicht steigt. Ein niedriger BMI, der schon vor der Erkrankung bestand, ist dafür kein Grund. Speisen werden mit hochwertigen pflanzlichen Ölen angereichert, dazu kommen Produkte mit viel Fett und energiereiche Zwischenmahlzeiten, zum Beispiel Müsliriegel oder Sahnejoghurt. Du kannst vorschlagen, nicht zum Essen zu trinken, sondern erst die feste Nahrung zu essen.
- Übergewicht erschwert die Atmung zusätzlich und setzt die Beweglichkeit herab. Deshalb wird es reduziert. Dazu gehören hochwertige Eiweiße, weniger Fett, Zucker nur in Maßen. Obst, Salat und Gemüse kommen 5-mal am Tag auf den Tisch.
- Untergewichtigen und adipösen Menschen mit COPD soll eine Ernährungsberatung angeboten werden.
- Blähende Speisen und Getränke mit Kohlensäure werden gemieden. Ein Zwerchfellhochstand beeinträchtigt die Atmung zusätzlich.
Damit beim Essen keine Atemnot entsteht:
- mit aufgestützten Armen essen
- das Essen in sehr kleine Stücke schneiden
- 5–6 kleine Mahlzeiten am Tag, die Hauptmahlzeit mittags
- langsam und in Ruhe essen
- gegebenenfalls zwischen den Bissen mit der Lippenbremse ausatmen
- gegebenenfalls vor dem Essen den Bronchodilatator verwenden
Den Allgemeinzustand können regelmäßige Bewegung, zum Beispiel in einer Lungensportgruppe, und eine hochkalorische Ernährung verbessern.
Bei COPD Gewicht regelmäßig erfassen: Die Atemmuskulatur braucht viel Energie. Kleine Mahlzeiten, langsam essen, Arme aufstützen.