مواقف
Herr Al-Khatib, 47 — die AufnahmeAbends auf der chirurgischen Station: Ein Mann mit starken Bauchschmerzen sagt „Es geht schon“. Wie du Puls, Blutdruck, Temperatur und Atmung richtig misst und was ein auffälliger Wert bedeutet.Herr Al-Khatib — der Morgen nach der OPAm Morgen nach der Bauch-OP: schläfrig, kühle Hände, flache schnelle Atmung, und er sagt „Es geht schon“. Wie wach er ist, was seine Werte zeigen und wann du die Ärztin informierst.Herr Al-Khatib — Schüttelfrost am zweiten TagAm zweiten Tag nach der OP zittert er unter der Decke: „Mir ist so kalt. Ist das normal?“ Welche Fieberphase das ist, was du jetzt tust und woran du nachts eine Krisis erkennst.Herr Russo — am vierten Tag verändertAm vierten Tag nach der Operation erkennt er dich nicht gleich, Fieber hat er kaum. Was hinter der Verwirrtheit stecken kann und wann du die Ärztin rufst.معرفة للقراءة
المحتوى · 18 وحدات
- Pulsmessorte
- Puls messen
- Blutdruck messen
- Blutdruck beurteilen
- Körpertemperatur beurteilen
- Messorte
- Atmung beobachten
- Bewusstsein
- Orientierung
- Atemqualität und Atemrhythmus
- Beurteilen des Pulses
- Atemfrequenz
- Atemgeräusche und Sputum
- Sauerstoffsättigung
- Fieberphasen
- Physiologische Grundlagen der Körpertemperatur
- Fiebersenkende Maßnahmen
- Fieber bei Kindern und älteren Menschen
Pulsmessorte
Die Pulswelle kannst du dort tasten, wo größere Arterien knapp unter der Haut verlaufen. Damit du die Stellen findest, hilft dir der Weg der Arterien:
- Arm: Die A. subclavia zieht auf beiden Seiten Richtung Arm und Hand. Ihr Name wechselt unterwegs: Im Bereich der Achsel ist sie die A. axillaris (Achselarterie), am Oberarm die A. brachialis (Oberarmarterie). Die A. brachialis teilt sich kurz nach dem Ellenbogengelenk in zwei Äste. Benannt sind sie nach dem Unterarmknochen, dem sie am nächsten liegen: Daumennah an der Speiche (Radius) liegt die A. radialis (Speichenarterie), die A. ulnaris (Ellenarterie) daumenfern nahe der Elle (Ulna).
- Hals: Am Hals verlaufen zwei Halsschlagadern, die A. carotis communis rechts und links. In Höhe des 4. Halswirbels teilen sie sich jeweils in zwei Äste: A. carotis externa und A. carotis interna.
- Bein: Die Bauchaorta teilt sich knapp unterhalb des Bauchnabels in die rechte und linke große Beckenarterie. Ihr äußerer Ast verläuft über die Leiste weiter zum Bein und heißt dort A. femoralis (Oberschenkelarterie). Am Knie trägt sie den Namen A. poplitea. Unterhalb des Kniegelenks teilt sie sich in die hintere und vordere Schienbeinarterie (A. tibialis posterior und A. tibialis anterior).
Die Taststellen:
- Handgelenk, A. radialis: der häufigste Messort
- Hals, A. carotis communis: wenige Zentimeter seitlich des Kehlkopfs. Ein Griff an den Hals kann sich für den Menschen unangenehm und bedrohlich anfühlen. Besonders geeignet ist der Messort deshalb bei bewusstlosen Menschen. Vorsicht bei bestehenden Stenosen.
- Leiste, A. femoralis: Hier ist sie gut zu tasten, du greifst aber in den Intimbereich. Für die standardmäßige Pulskontrolle eignet sie sich deshalb nicht.
- Fußrücken, A. dorsalis pedis (Fußrückenarterie), und Innenknöchel, A. tibialis posterior: Hier misst du, wenn du die Durchblutung der Beine beurteilen willst.
- Oberarm, A. brachialis, und Schläfe, A. temporalis (Schläfenarterie): geeignet zur Messung bei Kindern
Am Hals tastest du ohne massierende Bewegungen, denn dort sitzen Rezeptoren, die den Blutdruck mitregulieren. Taste nicht auf beiden Seiten gleichzeitig, sonst kann der Blutstrom unterbrochen werden, der zum Gehirn führt. Auch einseitig ist vor allem bei älteren Menschen Vorsicht nötig: Bei arteriosklerotischen Halsgefäßen können sich durch zu festes Drücken Teile von Plaques lösen und im Gehirn einen Schlaganfall auslösen.
Am häufigsten tastest du die A. radialis daumennah am Handgelenk. Die A. carotis communis liegt wenige Zentimeter seitlich des Kehlkopfs, und du solltest sie nicht auf beiden Seiten gleichzeitig tasten. An Fußrücken und Innenknöchel beurteilst du die Durchblutung der Beine.
Puls messen
Wenn sich das Herz in der Systole zusammenzieht, pumpt es ruckartig Blut in die Aorta. Dabei entsteht eine Pulswelle. Sie treibt das Blut in die peripheren Gefäße. An oberflächlichen Arterien kannst du sie als Puls tasten. Der Puls gibt dir also Auskunft über die Herzfrequenz.
Am Puls beobachtest du drei Kriterien:
- Pulsfrequenz: die Zahl der Pulswellen, die du pro Minute tastest
- Pulsrhythmus: die Abstände zwischen den Pulswellen. Sind sie gleich lang, ist der Puls rhythmisch (regelmäßig). Sind sie unterschiedlich lang, ist er arrhythmisch (unregelmäßig).
- Pulsqualität: wie hart die Pulswellen sind, wie schnell sie ansteigen und wie hoch ihre Amplitude ist. In der Praxis spielt sie eine untergeordnete Rolle, weil sie sich oft nicht eindeutig beurteilen lässt.
Den Puls misst du zum Beispiel bei der Aufnahme auf Station: So hast du einen Ausgangswert. Außerdem in der Überwachung nach einer Operation, wenn andere Werte wie Blutdruck oder Temperatur auffällig sind, wenn sich der Allgemeinzustand verschlechtert und im Notfall, etwa bei einem Schock.
So misst du am Handgelenk: Der Mensch legt seinen Arm bequem ab. Mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger tastest du an der Daumenseite seines Unterarms, nahe am Handgelenk. Ist der Puls regelmäßig, zählst du 15 Sekunden und nimmst die Zahl mal 4. So erhältst du die Schläge pro Minute. Ist der Puls unregelmäßig, solltest du eine volle Minute auszählen. Das gilt auch, wenn der Mensch neu auf Station aufgenommen wird.
Am häufigsten misst du den Radialispuls am Handgelenk. Dort findest du den Puls meist leicht, auch wenn der Mensch angezogen ist. Und die Messung kann dort keinen Schaden anrichten. Den Puls kannst du aber an jeder Arterie tasten, die nahe an der Körperoberfläche verläuft und sich gegen festes Gewebe drücken lässt.
Am Hals drückst du nicht lange auf die Halsschlagader (A. carotis communis). Das kann die Durchblutung des Gehirns verschlechtern, besonders wenn die Halsarterien schon geschädigt sind. Der Druck kann außerdem den Nervus vagus reizen. Dann verlangsamt sich die Herzfrequenz, bis hin zu Schwindel und Bewusstseinsstörung. Bei Säuglingen eignet sich vor allem die Oberarmarterie (A. brachialis).
Die Messung kann aus diesen Gründen falsch ausfallen:
- Du tastest mit dem Daumen. Er hat einen Eigenpuls, den du mit dem Puls des Menschen verwechseln kannst.
- Du drückst zu leicht auf das Gefäß und fühlst die Schläge nicht.
- Du drückst zu stark und drückst die Schläge ab.
- Eine Gefäßverengung verändert den Puls auf einer Seite.
- Der Mensch hat sich gerade körperlich angestrengt. Dann ist der Wert eine Momentaufnahme und eventuell zu hoch.
Ist der Puls regelmäßig, zählst du 15 Sekunden und nimmst die Zahl mal 4. Ist er unregelmäßig oder wird der Mensch neu aufgenommen, solltest du eine volle Minute auszählen. Du tastest mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger, nicht mit dem Daumen.
Blutdruck messen
Der gemessene Blutdruck zeigt, mit welcher Kraft das Blut auf die Gefäßwände drückt. Er hängt von der Pumpleistung des Herzens ab und vom Gefäßwiderstand der Arterien. Je enger ein Gefäß ist, desto größer ist sein Widerstand und desto höher der Blutdruck. Ältere Menschen haben zum Beispiel durch Arteriosklerose verengte Arterien. Ihr physiologischer Blutdruck liegt deshalb höher als bei jüngeren Erwachsenen.
Mit „dem Blutdruck“ sind zwei Werte gemeint:
- systolischer Wert (oberer Wert): der Druck, der in den großen Arterien herrscht, während das Herz Blut auswirft (Systole)
- diastolischer Wert (unterer Wert): der Druck, der in den großen Arterien herrscht, während das Herz erschlafft (Diastole)
Die Einheit ist mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Statt Blutdruck heißt es oft auch „RR“, nach dem Arzt Scipione Riva-Rocci.
Ohne eine Arterie zu punktieren, misst du den Blutdruck mit einer Manschette. Das geht auf drei Wegen:
- auskultatorisch: Du hörst mit dem Stethoskop ab. Das ist das gängigste Verfahren.
- palpatorisch: Du tastest den Radialispuls, während du die Manschette aufpumpst. Ist kein Puls mehr tastbar, pumpst du noch um 30 mmHg weiter und lässt den Druck dann ab. Der systolische Wert ist der Druck, bei dem du den Puls wieder tastest. Einen diastolischen Wert erhältst du so nicht. Du misst so, wenn du mit dem Stethoskop die Strömungsgeräusche nicht ausreichend hörst.
- oszilloskopisch: Ein elektronisches Gerät misst. Bei Kindern unter 4 Jahren misst du nur so.
Darauf achtest du:
- Herzhöhe: Die Manschette sitzt immer in Herzhöhe. Unter Herzhöhe steigt der Wert, darüber sinkt er.
- Shunt: An einem Arm mit Shunt misst du nie den Blutdruck, sonst kann der Shunt zerstört werden.
- Schädigung: Hat ein Arm eine Verletzung, eine frische Operationswunde oder ein Lymphödem, weil Lymphknoten entfernt wurden, solltest du am gesunden Arm messen. Bei einer Hemiplegie solltest du auf der nicht betroffenen Seite messen.
- Position und Bedingungen: Ob sitzend, liegend oder stehend, ob in Ruhe oder unter Belastung: Du solltest immer gleich messen. Nur so lassen sich die Werte vergleichen.
- Manschettengröße: Die Manschette passt zum Arm. Bei Kindern ist das entscheidend.
- Manschettendruck: Ein hoher Druck ist schmerzhaft. Geben dir die Geräusche beim Aufpumpen keinen Anhalt, solltest du dabei den Puls tasten und nicht unnötig hoch pumpen.
Falsche Werte entstehen zum Beispiel durch:
- Lärm und Gespräche, die das Hören erschweren
- körperlichen oder psychischen Stress kurz vor der Messung: Die Werte können falsch hoch sein
- eine zweite Messung nach weniger als 2 Minuten
- Kleidung, die oberhalb der Manschette einschnürt: Die Werte können falsch hoch sein
- zu starken Druck mit dem Stethoskop: Dann kannst du Geräusche hören, obwohl der diastolische Druck schon unterschritten ist
- den Daumen auf dem Stethoskopkopf: Du hörst eventuell deinen Eigenpuls
Die Manschette sitzt in Herzhöhe. Am Arm mit Shunt misst du nie, bei einer Schädigung solltest du am gesunden Arm messen. Damit die Werte vergleichbar sind, solltest du immer in derselben Position und unter denselben Bedingungen messen.
Blutdruck beurteilen
Wie hoch der Blutdruck normalerweise ist, hängt vom Alter ab. Normale Werte in mmHg:
- 50/30 bei Frühgeborenen
- 65/45 bei Neugeborenen
- 80/50 bei Säuglingen
- 90/60 bei Kleinkindern
- 100/60 bei Schulkindern
- 120/80 bei Jugendlichen und Erwachsenen
- 140/90 bei Menschen über 64 Jahre
Werden die Werte über einen längeren Zeitraum wiederholt gemessen und liegen sie dabei konstant über 140/90 mmHg, ist das eine arterielle Hypertonie. Hohe Werte bei nur einzelnen Messungen heißen hypertone Blutdruckwerte. Eine arterielle Hypertonie ist das noch nicht. Gefährlich ist die dauerhafte Druckerhöhung, nicht eine kurze Blutdruckspitze bei Belastung oder Stress.
Die WHO teilt den Blutdruck so ein:
Sinkt der Blutdruck systolisch unter 100 mmHg, liegt eine arterielle Hypotonie vor. Behandelt werden muss sie nur, wenn der Mensch Beschwerden hat und sein Blutdruck dauerhaft unter 100/60 mmHg liegt. Häufig sind das Schwindel, Kollapsneigung, wenig Kältetoleranz und allgemeine Abgeschlagenheit.
Der Blutdruck kann durch körperliche Anstrengung und psychische Aufregung ansteigen. Einen auffälligen Wert solltest du deshalb nach ein paar Minuten immer noch einmal messen. In der Zwischenzeit entspannt sich der Mensch, wenn nötig im Bett. Bei der ersten Kontrolle solltest du bei jedem Menschen an beiden Armen messen. Hinter einer Engstelle in einer Arterie sinkt der Druck. Sind die Werte verschieden, solltest du deshalb immer den höheren beurteilen.
Einen Arzt solltest du informieren,
- wenn sich der Blutdruck unerwartet ändert,
- wenn der Blutdruck grenzwertig niedrig ist und der Mensch dazu blass ist, Schwindel hat, schwitzt oder eine Tachykardie hat,
- wenn mehrere Vitalparameter auffällig sind,
- bei stark erhöhtem Blutdruck, also bei einer mittleren oder schweren Hypertonie,
- wenn blutdrucksenkende Medikamente zu schwach oder zu stark wirken,
- wenn eine milde Hypertonie anhält.
Bei einer arteriellen Hypertonie liegen wiederholt gemessene Werte über längere Zeit konstant über 140/90 mmHg. Eine Hypotonie beginnt unter 100 mmHg systolisch. Einen auffälligen Wert solltest du nach ein paar Minuten noch einmal messen, nachdem sich der Mensch entspannt hat.
Körpertemperatur beurteilen
Normal beträgt die Körperkerntemperatur 36,5–37,5 °C. Liegt sie darüber, ist es Fieber oder eine Überhitzung (Hyperthermie). Liegt sie darunter, ist es eine Unterkühlung (Hypothermie).
Die Körperkerntemperatur schwankt mit den Hormonen über den Tag und bei Frauen über den Monatszyklus, um bis zu 1 Grad. Ihren höchsten Wert hat sie am späten Nachmittag und frühen Abend, bei Frauen außerdem nach dem Eisprung. Zwischen Mitternacht und frühem Morgen ist sie am niedrigsten. Außerdem unterscheiden sich Menschen individuell, und mit zunehmendem Alter sinkt die Temperatur.
Bei rektaler Messung werden diese Fieberhöhen unterschieden:
- subfebrile Temperatur: 37,5 bis 38,0 °C
- leichtes Fieber: 38,1 bis 38,5 °C
- mäßiges Fieber: 38,6 bis 39,0 °C
- hohes Fieber: 39,1 bis 39,9 °C
- sehr hohes Fieber: 40,0 bis 42,0 °C
Hypothermie: Gefährdet sind Menschen unter Alkohol- und Drogeneinfluss in kalten Wintern. Gefährdet ist auch, wer eine gestörte Temperaturregulation oder ein gestörtes Wärmeempfinden hat, zum Beispiel während und kurz nach einer Narkose. Dazu kommt die niedrige Temperatur im Operationssaal. Ein großer Teil der Patienten ist nach Operationen unterkühlt. Dass chirurgische Patienten nicht schon unterkühlt im OP ankommen, dafür solltest du deshalb mit warmen Decken sorgen. Nach der Operation solltest du die Körpertemperatur messen und fieberfreie Pflegeempfänger warm zudecken. Kleine Kinder, besonders Früh- und Neugeborene, kühlen schneller aus. Ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zur Körpermasse groß, die subkutane Fettschicht ist dünn, und sie bilden wenig Wärme.
Unter 36 °C Körperkerntemperatur ist das Immunsystem geschwächt. Wundheilungsstörungen treten häufiger auf, und die Blutgerinnung ist beeinträchtigt. Zuerst steigen Atem- und Pulsfrequenz, sinkt die Temperatur weiter, fallen beide. Dazu kommen Bewusstseinsstörungen, und Herzrhythmusstörungen können durch Elektrolytverschiebungen auftreten. Die Einteilung:
- milde Hypothermie: 32–36 °C
- mäßige Hypothermie: 28–32 °C
- schwere Hypothermie: 18–28 °C
- tiefe Hypothermie: unter 18 °C
In der Literatur gibt es andere Einteilungen. Manche sprechen schon unter 32 °C von schwerer Hypothermie, und „mild“ und „mäßig“ werden oft gleichbedeutend gebraucht.
Auch eine milde Hypothermie teilst du dem zuständigen Arzt mit, wenn sich die Temperatur durch warmes Zudecken nicht normalisiert.
Normal sind 36,5–37,5 °C. Über 38 °C ist Fieber, unter 36 °C beginnt die milde Hypothermie. Nach einer OP solltest du die Temperatur messen und fieberfreie Menschen warm zudecken.
Messorte
Am sichersten schätzt du den Temperaturhaushalt mit einer Messung ein. Bei jedem Kontakt achtest du aber auch auf Zeichen, die eng mit der Körpertemperatur zusammenhängen:
- Blässe oder Rötung der Haut
- Zittern, Gänsehaut, Schüttelfrost
- Schwitzen
- verminderte Urinausscheidung
- Appetitlosigkeit
- reduzierter Allgemeinzustand
- Durstgefühl
Bei normaler Zimmertemperatur können Zittern, Gänsehaut und Schüttelfrost zeigen, dass Fieber beginnt oder der Mensch unterkühlt ist. Wahrscheinlich hat der Mensch Fieber, wenn er bei normaler Zimmertemperatur schwitzt, übermäßigen Durst hat oder seine Haut gerötet und warm ist. Kinder sind bei Fieber manchmal quengelig, schläfrig oder verweigern die Nahrung, Säuglinge trinken schlecht. Manche Kinder wirken trotz Fieber aber unauffällig und spielen.
In den meisten klinischen Bereichen misst du bei allen Pflegeempfängern regelmäßig die Temperatur, mindestens einmal, besser zweimal am Tag. Öfter solltest du messen,
- wenn eine Infektion besteht oder durch Operation, liegende Zugänge oder Abwehrschwäche die Infektionsgefahr erhöht ist,
- wenn andere Beobachtungen auf eine Temperaturstörung hinweisen,
- wenn Temperaturregulation oder Wärmeempfinden gestört sind, zum Beispiel bei Bewusstseinsstörungen oder zerebralen Erkrankungen.
Die Temperatur gibst du in Grad Celsius (°C) an. Messorte:
- rektal (im After): am genauesten
- vaginal: nach manchen Literaturangaben ähnlich genau, in der Praxis sehr selten
- aurikulär (im Gehörgang, mit Ohrthermometer): Die Temperatur des Trommelfells entspricht etwa der Körperkerntemperatur. Ohrschmalz, eine Ohrentzündung oder eine ungenaue Position können falsche Werte ergeben.
- sublingual (unter der Zunge): Der Mensch sollte vorher nichts Kaltes oder Heißes getrunken haben. Die Werte liegen um 0,2 bis 0,5 °C niedriger als rektal.
- axillar (in der Achselhöhle) oder inguinal (in der Leiste): relativ ungenau, axillar ebenfalls um 0,2 bis 0,5 °C niedriger als rektal
- an der Stirn: relativ ungenau; subfebrile Temperaturen können hier besonders leicht unbemerkt bleiben
So misst du: Zum Schutz des Geräts und aus hygienischen Gründen solltest du Schutzhüllen oder Schutzkappen verwenden, eventuell Handschuhe. Die Gebrauchsanweisung solltest du beachten. Sublingual schiebst du die Thermometerspitze seitlich unter den Zungenrand, oder der Mensch macht es selbst. Rektal misst du in Seitenlage mit übergestreifter Schutzhülle. Zum leichteren Einführen kannst du sie mit etwas Gleitcreme einreiben oder mit Wasser anfeuchten. Fettende Salben verwendest du nicht: Fett isoliert und kann den Messwert senken. Bei Säuglingen kann sich beim Messen Stuhl entleeren. Du legst deshalb eine Unterlage oder Windel unter das Gesäß.
Messdauer: Ein Infrarot-Ohrthermometer braucht wenige Sekunden, ein digitales Thermometer etwa 2 Minuten, ein analoges etwa 5 Minuten. Ist die Messung fertig, piepen die Geräte meist.
Vermutest du Fieber, kannst du dem Menschen eine Hand auf die Stirn legen, bei Säuglingen und kleinen Kindern auf den Rumpf. Bei Fieber fühlt sich die Haut im Verhältnis zu deiner Hand heiß an. Zuverlässig ist das nicht. Du kontrollierst deshalb mit einer Messung.
Am genauesten misst du rektal. Sublingual und axillar liegen die Werte 0,2–0,5 °C niedriger, an der Stirn können subfebrile Temperaturen unbemerkt bleiben. Bei Infektionsgefahr, liegenden Zugängen oder nach einer OP misst du öfter als ein- bis zweimal am Tag.
Atmung beobachten
Für den Stoffwechsel braucht der Körper ständig frischen Sauerstoff. Beim Stoffwechsel entsteht Kohlenstoffdioxid, das aus dem Körper heraus muss. Das Blut nimmt in der Lunge Sauerstoff aus der Einatemluft auf. Gleichzeitig gibt es Kohlenstoffdioxid an die Umgebungsluft ab. Ort dieses Gasaustauschs sind die Lungenbläschen (Alveolen). Er setzt dreierlei voraus: Die Lunge ist belüftet (Ventilation) und durchblutet (Perfusion), und Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid gelangen durch die Wand der Lungenbläschen und die Gefäßwand (Diffusion).
An der Atmung beobachtest du:
- Atemfrequenz
- Atemrhythmus
- Atemqualität: Hautfarbe, Atemtiefe, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
- Atemgeräusche
- Sputum (Auswurf)
- Atemgeruch
Dazu kommen Körperhaltung und Mimik. Zeigt das Gesicht Schmerzen beim Atmen? Bewegt sich der Brustkorb auf beiden Seiten gleich? Stützt sich der Mensch beim Einatmen auf? Ist der Einsatz der Atemhilfsmuskulatur sichtbar?
Beobachte die Atmung möglichst, ohne dass der Mensch es bemerkt. Weiß er es, verändert er seine Atmung, weil er sich auf sie konzentriert. Ein guter Moment ist direkt nach dem Pulszählen: Du lässt die Finger am Arm liegen, als ob du noch zählst.
So beobachtest du: Bei Erwachsenen siehst du auf den Brustkorb (Thorax). Hebt er sich, atmet der Mensch ein (Inspiration). Senkt er sich, atmet er aus (Exspiration). Eine Ein- und eine Ausatmung zusammen sind ein Atemzyklus. Bei Kindern unter 2 Jahren erkennst du die Bewegung von Thorax und Zwerchfell nicht sicher. Du beobachtest deshalb die Bauchatmung. Oder du legst die Hand vorsichtig unterhalb des Schwertfortsatzes auf den Thorax und fühlst Hebung und Senkung. Die Atemfrequenz solltest du eine volle Minute auszählen.
Die Atmung solltest du unter anderem kontrollieren
- bei der Aufnahme im Rahmen der Pflegeanamnese,
- bei Menschen mit Lungen- oder Herzerkrankungen,
- bei bestimmten Medikamenten, zum Beispiel Opioiden: Sie wirken atemdepressiv,
- bei bewusstlosen Menschen,
- wenn der Mensch selbst Atemnot empfindet,
- bei Schädel-Hirn-Trauma und Erkrankungen des ZNS.
Im Nachtdienst ist die Atmung in der Regel der einzige Vitalparameter, den du kontrollieren kannst, ohne den Menschen zu wecken.
Beobachte die Atmung, ohne dass der Mensch es merkt, am besten direkt nach dem Pulszählen mit den Fingern noch am Arm. Die Atemfrequenz solltest du eine volle Minute auszählen.
Bewusstsein
Im Zustand des Bewusstseins sind dir die eigene Person und deine Erlebnisse gegenwärtig. Eine Bewusstseinsstörung ist eine Veränderung dieser Bewusstseinslage. Sie ist Ausdruck einer (akuten) Gesundheitsstörung und kann für den Menschen unter Umständen lebensbedrohlich sein. Reizaufnahme und Steuerungsfunktionen des ZNS sind vermindert, und Schutzreflexe wie der Hustenreflex können ausfallen.
Die Ursachen sind vielfältig, zum Beispiel:
- Schädel-Hirn-Trauma
- Intoxikationen, etwa mit Alkohol
- Schlaganfall
- Hirntumoren
- hypertensive Krise
- Sonnenstich
- Exsikkose, häufig bei älteren Menschen
- Stoffwechselstörungen, etwa Hypo- oder Hyperglykämie
Bewusstseinsstörungen sind quantitativ oder qualitativ. Quantitativ beschreibt den Wachheitsgrad eines Menschen:
- absolute Wachheit: keine Störung des Bewusstseins
- Benommenheit: Die Aufmerksamkeit ist vermindert. Der Mensch handelt noch spontan, aber verlangsamt.
- Somnolenz: Der Mensch ist schläfrig. Du kannst ihn aber mit einfachen Reizen wie lautem Anrufen wecken.
- Sopor: Der Mensch schläft. Wecken kannst du ihn nur mit starken Reizen, zum Beispiel festem Kneifen. Er reagiert ungezielt, etwa mit Abwehrbewegungen oder Lallen.
- Koma: Der Mensch ist bewusstlos und zeigt auf Reize keine Reaktion. Bei tiefem Koma sind physiologische Reflexe wie Pupillen- und Hornhautreflex erloschen, und auch Regulationsmechanismen von Atmung und Kreislauf sind gestört.
Bei einer qualitativen Bewusstseinsstörung kann der Mensch Informationen aus der Umwelt inhaltlich nicht richtig deuten (Bewusstseinseintrübung, -einengung, -verschiebung). Sie kommt häufig bei psychiatrischen Erkrankungen vor und tritt akut oder chronisch auf.
Das Bewusstsein beurteilst du mit der Glasgow-Koma-Skala. Mit einem Punktesystem bewertet sie die beste motorische Reaktion, die beste verbale Kommunikation und das Öffnen der Augen. Bei Kindern unter 3 Jahren ist sie nur begrenzt einsetzbar, für sie gibt es eine angepasste Version. Damit du Veränderungen bei einer Bewusstseinsstörung früh erkennst, sind engmaschige Verlaufskontrollen notwendig.
Das Delir ist eine Sonderform der akuten qualitativen Bewusstseinsstörung. Üblicherweise verschlechtert sich die kognitive Leistungsfähigkeit innerhalb weniger Stunden bis Tage plötzlich, und die Wahrnehmung ist verändert. Seine Ursachen sind organisch, und es ist ein psychiatrischer Notfall. Bei Verdacht informierst du umgehend einen Arzt.
Somnolent heißt schläfrig, aber mit einfachen Reizen wie lautem Anrufen weckbar. Soporös heißt nur durch starke Reize erweckbar, komatös heißt keine Reaktion auf Reize. Bei Verdacht auf ein Delir informierst du umgehend einen Arzt.
Orientierung
Orientierung heißt, Zeit, Ort, die eigene Person und die Umstände zu kennen. Unterschieden werden zeitliche, örtliche und situative Orientierungsstörungen sowie Orientierungsstörungen zur eigenen Person. Meist ist nur ein Teil davon gestört. Ein Mensch weiß zum Beispiel seinen Namen und sein Alter, weiß aber nicht, wo er ist.
Ursachen sind unter anderem:
- Flüssigkeitsmangel
- demenzielle Erkrankungen
- Schlafmangel
- Medikamente, Drogen und Alkohol
- Toxine
- das Gehirn ist mit Glukose oder Sauerstoff unterversorgt, zum Beispiel bei Diabetes mellitus
Prüfen kannst du die Orientierung mit Testfragen:
- zur Person: Name, Alter, Geburtsdatum (auch von Bezugspersonen), Adresse und Postleitzahl, Telefonnummer, Kinder und Enkel
- zur Zeit: Uhrzeit, Wochentag, Datum, Monat, Jahreszeit, Jahr
- zum Ort: Stadt, Klinik oder Heim, Station, Etage, Zimmernummer
- zur Situation: Warum ist der Mensch hier, unter welchen Umständen und wie lange schon?
So zeigen sich die Störungen:
- zeitlich: Das praktische Wissen um Tages- und Jahreszeit und Datum fehlt. Eine zeitliche Desorientierung kann schon bei geringer Beeinträchtigung auftreten.
- örtlich: Sie kann schwanken. Morgens weiß ein Mensch vielleicht, dass er in der Klinik ist, abends nicht mehr. Wie schwer sie wiegt, hängt davon ab, wie vertraut der Ort ist: Ist der Mensch in der eigenen Wohnung örtlich desorientiert, wiegt das schwerer als in der fremden Umgebung einer Klinik.
- situativ: Der Mensch versteht die Situation nicht, in der er ist. Angemessen handeln kann er dann auch nicht.
- zur eigenen Person: Er weiß seinen Namen, sein Geburtsdatum, seinen Familienstand oder Wohnort nicht mehr.
Orientierung prüfst du zu Person, Zeit, Ort und Situation. Meist ist nur ein Teil gestört, und örtliche Desorientierung kann im Tagesverlauf schwanken.
Atemqualität und Atemrhythmus
Atemfrequenz und Atemtiefe bestimmen zusammen, wie viel Luft ein Mensch insgesamt atmet. Bei der Vitalzeichenkontrolle schätzt du an den Atembewegungen ungefähr ab, ob er flach, normal oder besonders tief atmet.
- Flach und langsam: Bei flacher Atmung erkennst du die Atembewegungen nur mit Mühe. Atmet der Mensch flach und zugleich langsam, wird Kohlenstoffdioxid unter Umständen nicht ausreichend abgeatmet. Dann ist eine Blutgasanalyse notwendig. Bei extrem flacher Atmung wird nur noch der Totraum belüftet, also nur noch der Teil der Atemwege, in dem kein Gasaustausch stattfindet. Atmet der Mensch nur noch in den Totraum, kommt das einem Atemstillstand gleich.
- Flach und schnell: Das spricht für eine schmerzbedingte Schonatmung, zum Beispiel nach Operationen an Brust oder Bauch, bei Lungenentzündung, Lungenembolie, Rippenverletzungen oder nach Herzdruckmassage. Die Lunge wird dabei nicht ausreichend belüftet. Sie ist deshalb durch Atelektasen und Pneumonie gefährdet. Atemunterstützende Maßnahmen sind hier angezeigt.
- Vertieft: Bei einer Tachypnoe atmet der Mensch oft auch tiefer. So steigert er das Atemvolumen zusätzlich. Die Kußmaul-Atmung, auch Azidose-Atmung, ist eine Sonderform der vertieften Atmung. Sie tritt auf, wenn das arterielle Blut übersäuert ist (Azidose), zum Beispiel bei einer Ketoazidose bei Diabetes mellitus Typ 1. Der Mensch atmet regelmäßig und sehr tief. So atmet er möglichst viel Kohlenstoffdioxid ab. Seine Atemfrequenz kann dabei normal, leicht erhöht oder erniedrigt sein.
- Hyperventilation: Der Mensch atmet mehr, als er für den Gasaustausch braucht, zum Beispiel bei einer Panikattacke. Ob es eine Hyperventilation oder eine Azidose-Atmung ist, unterscheidet sicher nur eine Blutgasanalyse.
In sehr hohen Konzentrationen dämpft Kohlenstoffdioxid das Atemzentrum. Atmet ein Mensch flach und langsam, überwachst du seine Atmung deshalb mindestens, bis sich die Atmung bessert oder die Werte der Blutgasanalyse bekannt sind.
Auch die Hautfarbe sagt etwas über die Atemqualität. Eine bläuliche Verfärbung von Haut (vor allem um den Mund), Schleimhäuten und Nägeln heißt Zyanose. Sie kann ein Hinweis darauf sein, dass der Sauerstoffgehalt im Blut vermindert ist. Den Sauerstoffmangel erkennst du bei Neugeborenen und Säuglingen unter anderem an einem Mund-Nasen-Dreieck, das livide-gräulich ist. Bei Menschen mit dunkler Hautfarbe erkennst du eine Zyanose zum Beispiel an der Mundschleimhaut.
Veränderungen des Atemrhythmus haben meist ein typisches Muster mit Atempausen:
- Schlafapnoe: Atempausen im Schlaf, die länger als 10 Sekunden dauern. Ursache sind meist verengte Atemwege. Besonders häufig betroffen sind übergewichtige Männer, die schnarchen. Kurze Aufweckreaktionen stören den Schlafrhythmus, tagsüber ist der Mensch müde. Beobachtest du solche Reaktionen, solltest du den Arzt informieren, der zuständig ist.
- Cheyne-Stokes-Atmung: Die Atemzüge werden immer flacher. Nach einer Atempause, manchmal länger als 10 Sekunden, werden sie wieder tiefer. In der Regel ist sie das Zeichen einer lebensbedrohlichen Störung des Atemzentrums. Viele Sterbende atmen kurz vor dem Tod so, häufig auch Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz.
- Biot-Atmung: ähnlich wie Cheyne-Stokes, aber die Atempausen sind viel unregelmäßiger und die Atemtiefe schwankt. Auch sie zeigt eine Störung des Atemzentrums an, zum Beispiel bei Frühgeborenen oder bei erhöhtem Hirndruck.
Flach und schnell spricht für eine Schonatmung: Die Lunge ist dann durch Atelektasen und Pneumonie gefährdet. Flach und langsam braucht eine Blutgasanalyse, und du überwachst die Atmung, bis die Werte bekannt sind oder sie sich bessert.
Beurteilen des Pulses
Wie schnell das Herz schlägt, hängt vom Alter ab. Normale Pulsfrequenzen in Schlägen pro Minute:
- 140–160 bei Frühgeborenen, vor der 37. SSW geboren
- 120–140 bei Neugeborenen bis 4 Wochen
- 110–130 bei Säuglingen im ersten Lebensjahr
- 100–120 bei Kleinkindern von 1 bis 6 Jahren
- 80–110 bei Schulkindern von 7 bis 12 Jahren
- 60–80 bei Jugendlichen von 13 bis 18 und bei Erwachsenen von 19 bis 64 Jahren
- 80–90 bei Menschen über 64 Jahre
Weitere Faktoren beeinflussen die Pulsfrequenz. Frauen haben einen etwas schnelleren Puls als Männer. Das Herz schlägt langsamer, wenn der Mensch schläft, und schneller, wenn er sich bewegt. Sportlich aktive Menschen haben einen niedrigeren Ruhepuls. Auch der Zustand von Herz und Gefäßen wirkt sich aus.
Nicht jede Abweichung ist krankhaft. Du solltest deshalb immer auch den Menschen beobachten und nach seinem Befinden fragen. Und den Wert solltest du immer mit den vorherigen Werten vergleichen, denn auch eine Veränderung kann ein Warnzeichen sein. Eine Abweichung ist ein Warnzeichen, wenn
- es dem Menschen dabei nicht gut geht,
- sie neu ist und du keine harmlose Ursache erkennst oder
- auch andere Vitalparameter nicht im Normbereich liegen.
Fällt dir der Puls auf, solltest du deshalb immer auch Blutdruck, Atemfrequenz und Temperatur messen, wenn möglich auch die Sauerstoffsättigung. Hat der Mensch außerdem Luftnot oder Zeichen eines Schocks, rufst du sofort weitere Hilfe und verständigst einen Arzt.
Bei Kindern liegen die Grenzen anders. Eine Bradykardie beginnt unter dem unteren Normwert der jeweiligen Altersgruppe. Bei Kleinkindern gilt erst eine Frequenz über 130/min als Tachykardie. Ein Puls von 170/min kann bei Neugeborenen sogar noch normal sein.
Bei Hirnerkrankungen und Hirnverletzungen ist eine Bradykardie ein Alarmzeichen.
Ein unregelmäßiger Puls heißt Arrhythmie. Tritt sie neu auf, solltest du eine Ärztin informieren. Einen unregelmäßigen Puls haben manche Menschen über Jahre, ohne es zu merken. Misst du einen unregelmäßigen Puls mit normaler Frequenz und hat der Mensch keine Beschwerden, fragst du nach: Ist bei ihm eine Herzrhythmusstörung bekannt? Dann dokumentierst du den Befund, das reicht.
Bei Erwachsenen sind 60–80 Schläge pro Minute normal. Unter 60 heißt Bradykardie, über 100 Tachykardie. Liegt der Puls unter 45/min, informierst du sofort einen Arzt. Ob eine Abweichung ein Warnzeichen ist, siehst du am Befinden, an den Vorwerten und an den übrigen Vitalparametern.
Atemfrequenz
Atmet ein Mensch normal schnell und normal tief, heißt das Eupnoe. Dyspnoe ist das subjektive Gefühl der Atemnot. Orthopnoe ist stärkste Luftnot: Der Mensch nimmt eine aufrechte Oberkörperhaltung ein, um die Atemhilfsmuskulatur maximal einzusetzen.
Normal atmet ein Mensch unbewusst, entspannt und beschwerdefrei. Die Atemzüge sind regelmäßig und etwa gleich tief. Ein- und Ausatmung stehen im Verhältnis 1:2.
Normale Atemfrequenzen in Atemzügen pro Minute:
- 30–70 bei Frühgeborenen, vor der 37. SSW geboren
- 30–50 bei Neugeborenen bis 4 Wochen
- 20–40 bei Säuglingen im ersten Lebensjahr
- 20–30 bei Kleinkindern von 1 bis 6 Jahren
- 18–25 bei Schulkindern von 7 bis 12 Jahren
- 16–22 bei Jugendlichen von 13 bis 18 Jahren
- 12–18 bei Erwachsenen, auch über 64 Jahre
Atmet ein Mensch gar nicht mehr, ist das eine Apnoe. Schnappt er nur noch gelegentlich nach Luft, ist das Schnappatmung. Beides zeigt einen Herz-Kreislauf-Stillstand an. Du leitest sofort Notfallmaßnahmen ein.
Erwachsene atmen normal 12–18-mal pro Minute. Über 20 heißt Tachypnoe, unter 12 Bradypnoe. Atmet der Mensch nicht mehr oder schnappt er nur gelegentlich nach Luft, leitest du sofort Notfallmaßnahmen ein.
Atemgeräusche und Sputum
Atemgeräusche, die du hörst:
- Inspiratorischer Stridor: ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen. Typisch, wenn die oberen Atemwege verengt oder verlegt sind, zum Beispiel bei einer Kehlkopfentzündung oder einer Fremdkörperaspiration.
- Exspiratorischer Stridor: Das Pfeifen hörst du beim Ausatmen. Typisch, wenn die unteren Atemwege verengt sind, zum Beispiel bei Asthma bronchiale.
- Rasseln und Brodeln: beim Ein- und Ausatmen hörbar. Rasselgeräusche kommen bei Pneumonie und nach Aspiration vor. Brodeln deutet zum Beispiel auf ein Lungenödem hin.
- Schnarchen: Das Gaumensegel flattert, oder die Zunge fällt zurück. Gelegentliches Schnarchen ist harmlos. Ausgeprägtes Schnarchen kann den Schlaf erheblich stören, manchmal auch den der Mitpatienten. Eine andere Lage hilft kurzfristig.
Den Atemgeruch beeinflussen Rauchen, Zahn- und Mundhygiene und Ernährung, ebenso Erkrankungen im Rachen, zum Beispiel eine eitrige Mandelentzündung. Manche Stoffwechselerkrankungen haben einen typischen Geruch:
- Azetongeruch: wie überreifes Obst oder Apfelessig. Bei anhaltendem Insulinmangel oder strenger Diät stammt die Energie der Zellen aus dem Fettabbau. Ketonkörper wie Azeton entstehen dabei. Sie gelangen auch in die Atemluft.
- Ammoniakgeruch: stechend bis beißend, bei schweren Lebererkrankungen
- urinartiger Geruch (Foetor uraemicus): bei Nierenerkrankungen, weil die harnpflichtigen Substanzen im Blut ansteigen
- Fäulnisgeruch: zum Beispiel bei Tuberkulose und bei Karzinomerkrankungen
Sondert ein Mensch beim Husten Sekret ab, heißt es Sputum. Du achtest auf Menge, Aussehen und Beimengungen. Bestimmte Veränderungen weisen auf Erkrankungen hin:
- weißer Schleim, zum Beispiel bei chronischer Bronchitis
- zäh und glasig, zum Beispiel bei Asthma bronchiale
- eitrig, gelb-grün, zum Beispiel bei einer Pneumonie oder einer anderen bakteriellen Infektion
- faulig, übel riechend, zum Beispiel bei Bronchialkarzinom; der Geruch kommt vom Gewebezerfall
- rotbrauner Schleim, zum Beispiel bei Tuberkulose, Pneumonie oder Bronchialkarzinom
- schaumig und dünnflüssig, zum Beispiel bei Lungenödem
Pfeift es beim Einatmen, ist das typisch für verengte oder verlegte obere Atemwege. Pfeift es beim Ausatmen, ist es typisch für verengte untere. Beim Sputum achtest du auf Menge, Aussehen und Beimengungen.
Sauerstoffsättigung
Wie groß der Anteil des Hämoglobins ist, der mit Sauerstoff gesättigt ist, gibt die Sauerstoffsättigung (sO₂) an. Du bestimmst sie mit einem Pulsoxymeter über einen Fingerclip. Der Clip hat auf einer Seite einen Lichtsensor und gegenüber eine (Infra-)Rot-Lichtquelle. Je nach Sättigung absorbiert das Blut das durchstrahlende Rotlicht unterschiedlich stark. Das Gerät errechnet daraus die Sauerstoffsättigung und zeigt sie an.
Normalerweise liegt die Sättigung zwischen 92 und 98 %. Ist sie kleiner als 90 %, ist die Sauerstoffversorgung nicht mehr optimal gewährleistet. Wie viel Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff im arteriellen oder kapillaren Blut sind, zeigt die Blutgasanalyse.
Du solltest die Ärztin informieren,
- wenn eine Tachypnoe, eine Bradypnoe oder eine Veränderung von Atemtiefe oder Atemrhythmus neu auftritt und du keine physiologische Ursache erkennst,
- wenn ein Stridor oder eine Dyspnoe neu auftritt,
- wenn der Mensch zusätzlich eine Zyanose oder Zeichen eines Schocks hat,
- wenn der Mensch zusätzlich Schmerzen oder große Angst hat,
- wenn sich die veränderte Atmung verschlechtert oder wenn sie sich trotz Therapie nicht wie erwartet bessert,
- wenn dir ein ungewöhnlicher Atemgeruch auffällt,
- wenn du bei Kindern Einziehungen oder Nasenflügeln siehst. Bei Neugeborenen können Einziehungen ein Zeichen für ein Atemnotsyndrom (IRDS) sein, wenn Surfactant fehlt.
In diesen Fällen solltest du auch die anderen Vitalparameter immer kontrollieren.
Normal liegt die Sauerstoffsättigung bei 92–98 %, unter 90 % ist die Versorgung nicht mehr optimal. Tritt eine Veränderung der Atmung neu und ohne physiologische Ursache auf, solltest du die Ärztin informieren und die anderen Vitalparameter kontrollieren.
Fieberphasen
Fieber ist eine Erhöhung der Körperkerntemperatur auf über 38 °C. Anders als bei einer Überhitzung ist nicht die Wärmeabgabe zu gering. Der Sollwert im Wärmeregulationszentrum ist höher gestellt. Auslöser sind zum Beispiel
- Infektionen oder große Verletzungen,
- bestimmte toxische Stoffe,
- Tumoren,
- Schädigungen des zentralen Nervensystems,
- ausgeprägter Flüssigkeitsmangel (Durstfieber). Vor allem bei Säuglingen fehlt dann Wasser zum Schwitzen, der Körper überhitzt. Genau genommen ist das kein Fieber, sondern eine Überhitzung.
Fieber regt das Immunsystem an und dämpft das Wachstum von Krankheitserregern. Es schützt also, es ist aber auch ein Warnsignal und kann selbst zu Komplikationen führen. Der Körper braucht umso mehr Energie und Sauerstoff, je höher die Temperatur ist. Tritt Fieber neu auf oder steigt es stark an, informierst du deshalb immer eine Ärztin oder einen Arzt.
Die Pflege hat drei Ziele: Ursachen erkennen, Komplikationen vermeiden, Wohlbefinden fördern. Die passende Maßnahme hängt von der Fieberphase ab. Wie lange eine Phase dauert, ist verschieden, und Phasen können mehrmals durchlaufen werden. Weil die Phase manchmal schwer zu erkennen ist, solltest du die Temperatur engmaschig kontrollieren und auf die Haut und auf das Wärmeempfinden des Menschen achten. In jeder Phase gilt: Fieber strengt an. Gönn dem Menschen Ruhe.
- Fieberanstieg
Der Mensch friert, die Extremitäten sind meist kühl, die Haut ist kühl und blass. Muskelzittern, Zähneklappern und Schüttelfrost bilden Wärme. Du unterstützt das Erreichen der höheren Temperatur: warme Kleidung oder Decke, die Zimmertemperatur eher höher. Angewärmte Kalt-warm-Kompressen können bei Muskelzittern und Schüttelfrost helfen. Zittert er nicht zu sehr, kannst du warme Getränke anbieten. Wegen der Verbrennungsgefahr verzichten viele Krankenhäuser inzwischen auf Wärmflaschen. Bei unklarem Fieber eignet sich diese Phase zur Abnahme von Blut- oder Urinkulturen.
- Fieberhöhe
Der Sollwert ist erreicht. Die Haut ist warm bis heiß und gerötet, dem Menschen ist jetzt warm. Du vermeidest einen Hitzestau. Zugedeckt sollte der Mensch nur leicht sein. Puls- und Atemfrequenz steigen, die Belastungsgrenze sinkt: Er braucht Ruhe und eventuell Unterstützung, zum Beispiel bei der Körperpflege. Fehlt Flüssigkeit, kann der Puls noch weiter steigen, weil der Blutdruck sinkt, bis zum Kreislaufkollaps. Er sollte deshalb viel trinken, und Puls und Blutdruck solltest du engmaschig überwachen. Oft kommen Kopf- oder Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Übelkeit dazu.
- Fieberabfall
Der Mensch beginnt zu schwitzen. Verdunstender Schweiß entzieht der Haut Wärme, das gelingt aber nur mit genug Flüssigkeit. Eine Exsikkose (Austrocknung) droht bei Fieber immer. Du sorgst deshalb vor allem für viel Flüssigkeit. Bei Herz- oder Nierenschwäche gilt die ärztliche Anordnung, weil zu viel Flüssigkeit Ödeme verursacht. Die Hautdurchblutung steigt stark, der Blutdruck sinkt: Du kontrollierst die Vitalparameter engmaschig. Nasse Wäsche solltest du früh wechseln, damit er nicht friert und das Fieber nicht erneut steigt.
Ein langsamer Fieberabfall über mehrere Tage heißt Lysis. Sinkt das Fieber innerhalb weniger Stunden, ist das eine Krisis.
Fällt das Fieber stark und schnell, kann das sehr gefährlich werden. Zeichen sind kleinperliger, kalter Schweiß, erhöhte Pulsfrequenz, starker Blutdruckabfall und starker Temperaturabfall. Dann informierst du einen Arzt, lässt den Menschen möglichst nicht allein und kontrollierst engmaschig die Vitalparameter. Du beendest fiebersenkende Maßnahmen, achtest auf genug Flüssigkeit und lagerst die Beine hoch, wenn der Blutdruck zu niedrig ist. Verschwitzte Kleidung wechselst du möglichst sofort.
Im Fieberanstieg wärmst du, in der Fieberhöhe solltest du leicht zudecken, und der Mensch sollte viel trinken; im Fieberabfall solltest du für Flüssigkeit sorgen und nasse Wäsche wechseln. Bei einer Krisis informierst du den Arzt und bleibst möglichst beim Menschen.
Physiologische Grundlagen der Körpertemperatur
Lebenswichtig ist eine relativ konstante Körperkerntemperatur von etwa 37 °C. Viele Stoffwechselvorgänge können unter 35 °C und über 41 °C nicht mehr ablaufen. Die Haut und die Extremitäten gehören zur Körperschale. Bei normaler Raumtemperatur ist es dort meist deutlich kühler. In heißer Umgebung kann die Schale aber auch über 37 °C warm werden.
Das Regelzentrum der Thermoregulation ist der Hypothalamus. Thermorezeptoren im ganzen Körper melden ihm die Temperatur. Er vergleicht diesen Istwert mit dem Sollwert. Weichen beide voneinander ab, steuert er gegen. Die Körperkerntemperatur bleibt konstant, wenn Wärmeproduktion und Wärmeaufnahme zusammen genauso groß sind wie die Wärmeabgabe.
- Istwert unter dem Sollwert: Der Körper produziert mehr Wärme. Er steigert zum Beispiel den Stoffwechsel der inneren Organe, und die Muskeln arbeiten durch Zittern. Gleichzeitig gibt er weniger Wärme ab, zum Beispiel weil die Haut weniger durchblutet wird.
- Istwert über dem Sollwert: Der Körper gibt mehr Wärme ab, zum Beispiel weil Hautdurchblutung und Schweißproduktion steigen.
Neugeborene haben noch keine voll ausgeprägte Thermoregulation. Durch Kältezittern können sie noch keine Wärme bilden und noch nicht durch Schwitzen Wärme abgeben. Wärme gewinnen sie, indem sie braunes Fettgewebe abbauen, das vor allem an Nacken und Brust liegt. Vor allem bei kleinen Kindern kann bei mangelnder Flüssigkeitszufuhr (Exsikkose) Fieber entstehen, das sogenannte Durstfieber.
Bei älteren Menschen kann die Temperaturregulation öfter gestört sein. Die peripheren Blutgefäße sind weniger elastisch. Außerdem bewegen sie sich weniger und essen weniger, und auch das kann die Thermoregulation beeinflussen.
Mit Fieber reagiert der Körper auf Infektions-, Tumor- oder Autoimmunkrankheiten. Der Hypothalamus stellt dabei den Sollwert der Körperkerntemperatur höher. Der Istwert ist dann zu niedrig, und der Körper erhöht ihn durch Wärmeproduktion. Bei höherer Temperatur arbeiten die Zellen des Immunsystems schneller, und die Immunantwort wird dadurch besser.
Der Hypothalamus vergleicht den Istwert mit dem Sollwert und steuert gegen. Bei Fieber stellt er den Sollwert höher, deshalb friert der Mensch zuerst und bildet Wärme.
Fiebersenkende Maßnahmen
Ob Fieber mehr nützt oder mehr schadet, ist umstritten. Es gibt keine klare Grenze, ab der Fieber mehr schadet als nützt, und jeder Mensch reagiert anders. Über Zeitpunkt, Art und Umfang fiebersenkender Maßnahmen entscheidet deshalb der Arzt individuell. Du unterstützt ihn durch gezielte Beobachtung: Grunderkrankungen, Allgemeinzustand, Höhe und Dauer des Fiebers. Ist die Herz- oder Lungenleistung vermindert, geht es dem Menschen unter Fieber in der Regel schlechter. Fiebersenkende Maßnahmen können bei ihnen angebracht sein. Kleine Kinder können Fieberkrämpfe bekommen. Deshalb empfiehlt es sich, bei ihnen schon bei mildem Fieber mit Wadenwickeln die Wärmeabgabe zu unterstützen. Höhere Temperaturen medikamentös zu senken, empfiehlt sich bei ihnen ebenfalls.
Fieber lässt sich auf zwei Wegen senken:
- Antipyretika wirken auf den Temperaturregler im Gehirn: Sie stellen ihn wieder nach unten. Zu den bekanntesten Wirkstoffen gehören Paracetamol, Ibuprofen, Metamizol und Acetylsalicylsäure.
- Physikalische Maßnahmen entziehen dem Körper durch Kühlen Wärme.
Solange das Fieber ansteigt, sind kühlende Maßnahmen kontraindiziert. Sie wirken der Temperaturregelung im Gehirn entgegen. Dadurch können sie einen erneuten Fieberanstieg und Schüttelfrost begünstigen. Friert der Mensch oder fühlt sich seine Haut kühl an, kommen nur noch fiebersenkende Medikamente in Betracht, keine Kühlung.
Wadenwickel: Sie sind kontraindiziert bei kalten Händen oder Füßen und bei Durchblutungsstörungen. Unter die Beine legst du einen Nässeschutz. Zwei Tücher tränkst du mit lauwarmem Wasser, nicht kälter als etwa 10 °C unter der Körpertemperatur, und wringst sie aus. Um die Waden wickelst du sie faltenfrei, aber locker, und deckst den Menschen auf Wunsch zu. Die Beine solltest du nicht zu fest einpacken, damit die Flüssigkeit verdunsten kann. Nach einigen Minuten, in der Regel 5–10, haben sich die Tücher erwärmt, und du wechselst sie. Zum Hitzestau darf es auf keinen Fall kommen. Je nach Fieberhöhe kannst du das 2- bis 3-mal wiederholen. Die Wärme leiten die feuchten Tücher direkt ab, und durch die Verdunstung entziehen sie zusätzlich Wärme.
Waschungen: Statt Wadenwickeln kannst du den Menschen mit lauwarmem Wasser waschen. Das passt besonders, wenn ihm subjektiv sehr heiß ist. Du solltest an Beinen und Armen beginnen und danach die wärmere Körpermitte waschen. Du solltest immer nur den Teil aufdecken, den du gerade wäschst, damit er nicht zu schnell abkühlt und der Intimschutz gewahrt bleibt. Wegen der Verdunstungskälte solltest du jede gewaschene Partie kurz an der Luft trocknen lassen.
Zusätze: Ins Wasser kannst du zum Beispiel einen Schuss Zitronensaft oder Pfefferminztee geben. Ihre ätherischen Öle fördern die Durchblutung und verdunsten schnell. Konzentrierte ätherische Öle können die Haut reizen, Vorsicht besonders bei Kindern: niemals unverdünnt, meist reichen 2–4 Tropfen auf eine Waschschüssel, mit einem Emulgator wie 1 EL Milch. Du testest das Wasser zuerst an einer kleinen Hautstelle. Es darf nicht in die Augen kommen. Nur mit Wasser ohne Zusatz wäschst du Gesicht und Intimbereich.
Trockene Kälte: Kühlmatten unter dem Betttuch sind eine Option, wenn andere Maßnahmen das Fieber nicht ausreichend senken. Weil sie großflächig anliegen, können sie aber sehr schnell Wärme ableiten und Schüttelfrost auslösen. Auch lokale Kühlelemente senken Fieber, wenn sie nahe an großen Blutgefäßen liegen, zum Beispiel an den Leisten. Wegen der Erfrierungsgefahr solltest du sie in ein Tuch wickeln, nie direkt auf die Haut legen und ohne Pause höchstens ein paar Minuten liegen lassen. Fühlt sich die Haut darunter deutlich kühl an, solltest du sie spätestens dann wegnehmen oder an eine andere Stelle legen. Die Stelle darfst du erst wieder kühlen, wenn sie sich erwärmt hat. Hat die Maßnahme nach etwa 30 Minuten keine Wirkung gezeigt oder ist das Fieber ausreichend gesenkt, solltest du sie beenden. Die Körperkerntemperatur darf nicht zu schnell sinken.
Ob Fieber gesenkt wird, entscheidet der Arzt. Kühlende Maßnahmen nie im Fieberanstieg und keine Wadenwickel bei kalten Füßen oder Händen oder Durchblutungsstörungen. Die Tücher sind lauwarm, höchstens etwa 10 °C unter der Körpertemperatur.
Fieber bei Kindern und älteren Menschen
Kleine Kinder: Ihre Wärmeregulation funktioniert noch nicht optimal. Manchmal bekommen sie hohes Fieber ohne Krankheit dahinter, zum Beispiel beim Zahnen. Leichtes Fieber kann aber auch das Symptom einer ernsten Erkrankung sein, zum Beispiel einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Du beugst den Kopf des Kindes sachte etwas nach vorn: Bleibt der Nacken steif, kann das ein Hinweis auf eine Meningitis sein. Zwingend vorliegen muss sie aber nicht. Ist die Erkrankung ernst, ist das Kind in der Regel teilnahmslos und schläfrig bis apathisch. Fiebernde Kinder dehydrieren schneller. Trinkt das Kind nichts oder nicht genug, informierst du einen Arzt. Kinder neigen außerdem zu Fieberkrämpfen, weil eine hohe Körpertemperatur die Krampfschwelle im Gehirn senken kann.
Ältere Menschen: Ihr Immunsystem reagiert weniger heftig. Mitunter haben sie deshalb nur geringes Fieber, selbst bei einem schweren Infekt wie einer Lungenentzündung. Viele haben ein geschwächtes Herz und weniger elastische Blutgefäße. Fieber führt bei ihnen deshalb viel eher zu Kreislaufproblemen. Ihr Durstgefühl ist schwächer, sie trinken zu wenig, und es droht ein Nierenversagen. Du solltest sie deshalb immer wieder zum Trinken auffordern und ggf. dabei unterstützen. Im ambulanten Setting informierst du die Angehörigen und die Hausärztin oder den Hausarzt.
Begleiterscheinungen können auftreten, besonders wenn das Fieber sehr hoch ist:
- Schüttelfrost: Der Körper will seine Solltemperatur weit über 37 °C hochfahren. Das Zittern kann so heftig sein, dass sich der Mensch verletzt, dann verständigst du einen Arzt. Du deckst ihn mit warmen Decken zu, stellst eventuell die Heizung höher, polsterst scharfe Kanten in seiner Nähe ab und sprichst ruhig mit ihm: Das Zittern lässt bald nach. In Ausnahmefällen ordnet der Arzt Pethidin an. Es dämpft auch das Atemzentrum, danach kontrollierst du die Atemfrequenz.
- Fieberkrampf: ein Gelegenheitskrampf bei Kindern mit Fieber, rund 80 % sind generalisiert. Zuerst verkrampft sich der ganze Körper (tonisch), danach folgen rhythmische Zuckungen (klonisch). Blase und Enddarm entleeren sich oft. Du verständigst einen Arzt, bleibst beim Kind und schützt es durch Polsterung vor Verletzungen. Meist endet der Krampf von allein nach wenigen Minuten. Das Fieber senkst du möglichst langsam, denn fällt es zu schnell, kann das wieder einen Krampf auslösen. Denk auch an die Eltern: Ein Krampfanfall macht ihnen meist große Angst.
- Fieberdelir: Ein hochfiebernder Mensch ist plötzlich unruhig und desorientiert. Ein Delir weist immer auf eine schwere Störung hin. Du informierst schon bei ersten Anzeichen einen Arzt. Besonders sturzgefährdet sind dann alte Menschen. Du achtest auf Zeichen einer Exsikkose, zum Beispiel trockene Schleimhäute und stehende Hautfalten.
Dauert das Fieber länger und ist der Allgemeinzustand schlecht, denkst du immer auch an die Prophylaxen. Wegen Immobilität, Flüssigkeitsverlust und starkem Schwitzen sind diese besonders wichtig: Pneumonie-, Thrombose-, Dekubitus-, Intertrigo- und Obstipationsprophylaxe.
Auch bei einem schweren Infekt haben ältere Menschen mitunter nur geringes Fieber, und Fieber führt bei ihnen eher zu Kreislaufproblemen. Ein fieberndes Kind, das nicht genug trinkt, meldest du dem Arzt. Bei einem Fieberkrampf verständigst du einen Arzt, bleibst beim Kind und schützt es vor Verletzungen.