Ernährung im Alter

Im Fall übenFrau Hartmann — den Ernährungszustand erfassen: Wiegen, Screening, Mangel, Durst
Pflege-Wissen

Ernährung im Alter

Frau B. ist 84. Sie sagt: „Ich habe einfach keinen Hunger mehr, und Durst habe ich auch nie.“ Für ihr Alter ist das nicht ungewöhnlich. Gefährlich werden kann es trotzdem.

Für die Ernährung im Alter gibt es keine allgemeingültigen Empfehlungen. Die Gruppe der Hochbetagten ist sehr heterogen. Sie reicht vom gesunden, rüstigen Rentner bis zum gebrechlichen, multimorbiden Senior. Manche Menschen leben selbstständig und unabhängig und sind körperlich und geistig gesund. Bei ihnen sind keine altersbedingten Veränderungen in der Nährstoffversorgung zu erwarten. Deshalb werden Ernährungszustand und Ernährungsverhalten bei jedem alten Menschen einzeln, also individuell, erfasst. Ab 65 Jahren ist das Risiko für eine Mangelernährung aus vielen Gründen erhöht:

  • soziale Veränderungen, zum Beispiel Isolation
  • physiologische Veränderungen: Sie vergessen zu essen, haben einen schlechten Zahnstatus oder einen trockenen Mund. Geschmacks- und Geruchssinn verändern sich. Der Magen entleert sich verzögert, und die Darmmotilität ist vermindert. Sie sind rascher und länger satt und haben weniger Appetit.
  • psychische Veränderungen wie eine Depression. Sie mögen das Essen weniger und sind weniger motiviert zu essen.
  • akute oder chronische Erkrankungen und Bewegungseinschränkungen, zum Beispiel durch eine Hüftfraktur

Bei älteren Menschen sind die Folgen einer Mangelernährung schwerer zu bekämpfen als bei jüngeren. Deshalb müssen Risiken oder Anzeichen rechtzeitig erkannt werden.

Mit steigendem Alter sind trotzdem einige Faktoren zu berücksichtigen:

  • Weniger Energie, gleich viele Nährstoffe: Meist nehmen der Grundumsatz und die körperliche Aktivität ab. Deshalb sinkt der Energiebedarf. Gleich bleibt oder steigt dagegen der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen. Nährstoffreiche Lebensmittel wie Gemüse und Obst haben deshalb Vorrang vor „leeren“ Kalorienträgern wie Kuchen und Süßigkeiten.
  • Weniger Durst: Medikamente und das steigende Alter vermindern häufig das Durstempfinden. Der Mensch trinkt dann zu wenig. Achte deshalb auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit keine Dehydratation entsteht.
  • Genug Eiweiß: Mit steigendem Alter essen Menschen proteinreiche Lebensmittel häufig seltener. Sie brauchen aber zwischen 0,8 und 1,5 g Protein je kg Körpergewicht. Ein Eiweißmangel führt im Alter zu Schwäche, Muskelabbau, Infektanfälligkeit, Haarausfall und mangelnder Leistungsfähigkeit.
  • Vitamin D: Liegt ein Mensch lange im Bett, fehlt das Sonnenlicht, und die körpereigene Bildung von Vitamin D unterbleibt. Dann ist eine Vitamin-D-Gabe zu überlegen.
  • Kleinere Reserven: Typisch für alte Menschen sind verminderte Funktionsreserven. Deshalb kann sich eine Mangel- oder Fehlernährung schnell auf den ganzen Organismus auswirken. Senioren brauchen außerdem Nährstoffreserven, weil der Körper bei Erkrankungen auf seine Speicher zurückgreifen muss.
  • Mehr Medikamente: Ab dem siebten Lebensjahrzehnt lässt die Funktion einiger Organe häufiger nach. Akute und chronische Krankheiten werden wahrscheinlicher, deshalb bekommen viele mehrere Medikamente (Multimedikation). Dies und weitere Faktoren können dazu führen, dass der Mensch weniger Nahrung aufnimmt, weniger Nährstoffe resorbiert oder mehr Nährstoffe ausscheidet.

Hinzu kommt eine zunächst physiologische Altersanorexie. Sie zeigt sich durch Appetitlosigkeit und ein vermindertes Durstempfinden. Ältere Menschen sind früher und länger satt als jüngere Erwachsene. Unter anderem entleert sich ihr Magen langsamer, und er kann sich vermutlich nicht mehr gut dehnen.

Ab etwa dem 30. Lebensjahr baut der Körper zunehmend Skelettmuskulatur ab. Das heißt Sarkopenie. Besonders häufig betroffen sind Pflegeheimbewohner. Eine Mangelernährung kann die Sarkopenie auslösen oder beschleunigen. Wer weniger Skelettmuskulatur hat, bewegt sich weniger und wird insgesamt schwächer. Beides führt dazu, dass er womöglich weniger isst. So verschärft sich der Abbau.

Mit steigendem Alter entwickeln immer mehr Menschen Schluckstörungen oder eine Demenz. Dass spezielle Nährstoffe einer Demenz vorbeugen oder sie behandeln, ist bislang nicht gesichert. Die Betroffenen sollten ausgewogen und nährstoffreich essen. Noch wichtiger sind Maßnahmen, die für Folgendes sorgen:

  • Es gibt ein ausreichendes Speisenangebot, auch in der Nacht.
  • Die Speisen werden als Speisen erkannt.
  • Sie bekommen Lebensmittel, die ihnen schmecken.
  • Die Lebensmittel lassen sich greifen, zum Beispiel als Fingerfood.
  • Bei Schluckstörungen werden die Lebensmittel schluckfähig gemacht.
Refeeding-Syndrom

Manchmal bekommt ein ausgezehrter Körper in zu kurzer Zeit zu viel Nahrung. Dann kann er sie nicht verstoffwechseln. Es drohen neurologische Ausfälle, Elektrolytentgleisungen und schlimmstenfalls ein Atemstillstand. Dieses Refeeding-Syndrom ist lebensbedrohlich und muss unbedingt vermieden werden. Daran denkst du zum Beispiel bei älteren Menschen, die mit hochkalorischer Trinknahrung substituiert werden. Ein Problem ist es auch bei kritisch kranken Menschen nach einer längeren parenteralen Ernährung.

Faustregel

Im Alter sinkt der Energiebedarf, der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen aber nicht. Deshalb zählen nährstoffreiche Lebensmittel und genug Eiweiß. Alter und Medikamente vermindern das Durstempfinden häufig. Deshalb achtest du auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

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Was ist bei der Ernährung im Alter zu berücksichtigen?

Energiebedarf sinkt, Vitamin- und Mineralstoffbedarf bleibt gleich oder steigt: nährstoffreiche Lebensmittel bevorzugen; Durstempfinden vermindert: auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, sonst droht Dehydratation; Protein 0,8–1,5 g je kg Körpergewicht; bei langer Bettlägerigkeit an Vitamin D denken; Altersanorexie: früher und länger satt; Sarkopenie: Muskelabbau, durch Mangelernährung beschleunigt; Vorsicht Refeeding-Syndrom: ausgezehrter Körper nicht zu schnell mit zu viel Nahrung

Warum braucht ein alter Mensch nährstoffreiche Lebensmittel, obwohl sein Energiebedarf sinkt?

Im Alter sinkt der Energiebedarf, der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen aber nicht. Deshalb zählen nährstoffreiche Lebensmittel und genug Eiweiß. Alter und Medikamente vermindern das Durstempfinden häufig. Deshalb achtest du auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Im Fall übenFrau Hartmann — den Ernährungszustand erfassen: Wiegen, Screening, Mangel, Durst