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Schenkelhalsfraktur

Durumlar

Frau Hartmann, 79 — der Sturz im BadNachts um drei rutscht eine 79-Jährige im Bad aus. Das Bein liegt kürzer und nach außen gedreht — „Ist es gebrochen?“ Erst deine Vermutung, dann das Wissen, dann der Fall.Frau Hartmann — Tag 1 nach der Hüft-TEPFrühdienst, 7:30 Uhr, erster Tag nach der Hüft-TEP: „Ich muss mal. Kann ich aufstehen?“ Welche Bewegung die neue Hüfte gefährdet, über welche Seite es aus dem Bett geht — und wann du abbrichst.

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İçindekiler · 12 bölüm
  1. Auffrischer: Hüfte und Oberschenkelknochen
  2. Auffrischer: Knochenauf- und -abbau
  3. Auffrischer: Was eine Fraktur ist
  4. Sichere und unsichere Frakturzeichen
  5. Schenkelhalsfraktur
  6. Präoperative Pflege
  7. DMS-Kontrolle
  8. Operationsverfahren
  9. Luxationsprophylaxe
  10. Erstmobilisation
  11. Komplikationen
  12. Entlassung und Sturzprophylaxe
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Auffrischer: Hüfte und Oberschenkelknochen

„Wo genau ist das gebrochen?“, fragt der Enkel von Frau H. am Telefon. Du zeigst es dir an der eigenen Hüfte: außen, knapp unter dem Gelenk, kannst du einen Knochenvorsprung tasten.
Das obere Ende des Oberschenkelknochens mit drei beschrifteten Punkten: Hüftkopf, Schenkelhals, Trochanter major.HüftkopfSchenkelhalsTrochanter major

Der Oberschenkelknochen (Os femoris, kurz: das Femur) ist der kräftigste und längste Röhrenknochen im menschlichen Körper. Sein oberes Ende ist der Ort, an dem Frau H. gebrochen ist.

  • Hüftkopf (Caput femoris): kugelig. Er bildet zusammen mit dem Acetabulum, der Hüftpfanne des Beckens, das Hüftgelenk.
  • Schenkelhals (Collum femoris): verbindet den Hüftkopf mit dem Femurschaft (Corpus femoris). Der Winkel zwischen beiden heißt CCD-Winkel. Beim Erwachsenen ist er normalerweise 126°, im Alter nimmt er ab.
  • Trochanter major und minor: zwei Knochenvorsprünge am Übergang vom Schenkelhals zum Schaft, außen der große, innen der kleine. Sie sind die Ansatzflächen der Hüftmuskulatur. Den Trochanter major tastest du außen am Oberschenkel knapp unter dem Hüftgelenk.
  • Art. coxae, das Hüftgelenk, ist ein Kugelgelenk. Die tiefe Pfanne umfasst etwa zwei Drittel des Kopfs (Nussgelenk), eine Knorpellippe verstärkt den Rand. So ist der Kopf besser gegen ein Herausgleiten geschützt als im Schultergelenk.
  • Die Gelenkkapsel reicht vom Pfannenrand bis zum Schenkelhals. Drei starke Bänder verstärken sie: das Lig. iliofemorale vorn verhindert die Überstreckung, das Lig. ischiofemorale hinten hemmt die Innenrotation, das Lig. pubofemorale unten begrenzt die Abduktion.
Warum die Prothese luxieren kann

Ein künstliches Hüftgelenk schwächt den Kapselbandapparat operationsbedingt. Kurz nach der Operation ist deshalb die Gefahr groß, dass sich das künstliche Gelenk ausrenkt (luxiert). Das Bein darf nicht rotieren. Die Beine dürfen nicht übereinandergeschlagen und das Hüftgelenk nicht über 90° gebeugt werden.

Pratik kural

Hüftkopf, Schenkelhals, Trochanter major: Der Bruch bei Frau H. liegt am Schenkelhals, zwischen Kopf und großem Rollhügel. Die tiefe Pfanne und drei Bänder halten den Kopf. Genau dieser Halt ist nach der Prothese geschwächt.

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Auffrischer: Knochenauf- und -abbau

„Meine Knochen sind doch nicht aus Zucker“, sagt Frau H. Doch: Knochen ist kein fertiges Material. Er wird jeden Tag ab- und wieder aufgebaut.

Knochengewebe ist das härteste Bindegewebe des Körpers: fest gegen Zug, Druck und Scherkräfte. Zugleich ist es der Kalziumspeicher des Körpers: Rund 99 % allen Kalziums liegen in den Knochen. Seine Festigkeit kommt aus der Extrazellulärmatrix: etwa 45 % anorganische Mineralsalze (vor allem Hydroxylapatit, eine Form des Kalziumphosphats), rund 30 % organische Kollagenfibrillen vom Typ I, dazu Wasser.

Knochen ist nie fertig: Er wird ein Leben lang umgebaut. Dafür sorgen drei Zellarten. Die dritte, die Osteozyten, entsteht aus Osteoblasten. Sie sitzt in kleinen Höhlen (Lakunen) und misst wahrscheinlich die Belastung des Knochens (Mechanosensoren):

Osteoblasten: Aufbau
Osteoklasten: Abbau
Aufgabe
stellen die Grundsubstanz des Knochens her und die Vorstufe des Kollagens. Die Matrix mineralisiert nach etwa zwei Tagen
bauen die verkalkte Interzellularsubstanz ab. Verwandt mit den Makrophagen, bis zu 50 Zellkerne
Was sie steuert
Belastung des Knochens aktiviert sie
ihre Botenstoffe kommen unter anderem von den Osteoblasten. Auf- und Abbau halten sich die Waage
Im Alter
mit steigendem Alter werden sie weniger
der Abbau überwiegt: Osteopenie, bei stärkerem Verlust Osteoporose

Gesteuert wird der Umbau über Hormone: Östrogene hemmen die Bildung von Osteoklasten und aktivieren die Osteoblasten. Glukokortikoide bremsen den Knochenaufbau, weil sie die Bildung von Osteoblasten hemmen.

Osteopenie oder Osteoporose

Im Alter sinkt die Knochendichte, weil mehr Knochen abgebaut als aufgebaut wird. Dieser normale Vorgang heißt Osteopenie. Geht der Verlust über das normale Maß hinaus, heißt das Osteoporose. Vorwiegend trifft es Frauen nach den Wechseljahren (sinkende Östrogenbildung). Auch eine Glukokortikoid-Langzeittherapie (als Nebenwirkung) oder fehlende Belastung, etwa bei Bettlägerigkeit, kann eine Osteoporose auslösen.

Pratik kural

Knochen wird ständig umgebaut: Osteoblasten bauen auf, Osteoklasten ab. Belastung und Östrogene stärken den Aufbau. Alter, Glukokortikoide und Bettlägerigkeit schwächen ihn. Wenn der Abbau überwiegt, sinkt die Knochendichte: Osteopenie, dann Osteoporose.

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Auffrischer: Was eine Fraktur ist

Das Röntgenbild von Frau H. liegt auf dem Bildschirm. Die Ärztin sagt: „Mediale Schenkelhalsfraktur, disloziert.“ Drei Wörter, und jedes entscheidet über die Behandlung.

Eine Fraktur (Knochenbruch) ist eine Kontinuitätsunterbrechung des Knochens: Zwei oder mehr Bruchstücke (Fragmente) sind durch einen Bruchspalt getrennt. Wenn sie gegeneinander verschoben sind, ist die Fraktur disloziert. Wenn die Kontinuität teilweise erhalten bleibt, ist sie inkomplett (Fissur, beim Kind Grünholzfraktur).

Eingeteilt wird nach Merkmalen, die über die Therapie mitentscheiden:

  • Ursache: traumatisch durch Krafteinwirkung (Sturz), pathologisch bei geschwächtem Knochen (Osteoporose, Tumor), Ermüdungsfraktur bei wiederkehrender Belastung.
  • Gewebsbeteiligung: geschlossen oder offen (mit Verbindung zur Außenwelt, also Eintrittspforte für Erreger), mit oder ohne Gelenkbeteiligung.
  • Dislokation: Seitenverschiebung, Verkürzung, Verlängerung, Stauchung, Achsenknick, Rotation.
  • Verlauf der Frakturlinie: Quer-, Schräg-, Spiral-, Längsfraktur, T- oder Y-förmig. Fragmentzahl: einfach oder Mehrfragment-, Stück-, Trümmerfraktur.

Die Diagnose sichert das Röntgenbild in zwei Ebenen. Ziel jeder Behandlung ist, Funktion und Mobilität früh wiederherzustellen. Die Behandlung steht auf drei Pfeilern:

  1. Reposition

    Die Knochenfragmente werden in die korrekte anatomische Position zurückgebracht. Das geschieht so früh wie möglich, damit Nerven, Gefäße, Muskeln und Haut wenig Schaden nehmen. Geschlossen unter Schmerzausschaltung oder offen im OP.

  2. Retention

    Die Fraktur wird in dieser Stellung ruhiggestellt: konservativ von außen (Gips, Schiene, selten Extension) oder operativ von innen (Osteosynthese mit Schrauben, Platte, Nagel oder eine Endoprothese).

  3. Rehabilitation

    Rasche Mobilisation, meist mit Physiotherapie, damit die Folgen längerer Immobilität ausbleiben: Muskel- und Knochenabbau, Thrombose, Kontrakturen.

Pratik kural

Fraktur = Kontinuitätsunterbrechung. Entscheidend sind Ursache (traumatisch, pathologisch, Ermüdung), offen oder geschlossen, disloziert oder nicht. Die Behandlung hat drei Pfeiler: Reposition, Retention, Rehabilitation.

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Sichere und unsichere Frakturzeichen

Frau H., 79, liegt nach dem Sturz im Bad auf den Fliesen. Das rechte Bein wirkt kürzer und ist nach außen gedreht. „Es tut so weh. Ist es gebrochen?“

Die Symptome einer Fraktur teilst du in unsichere und sichere Frakturzeichen ein. Unsichere Zeichen heißen so, weil sie ebenso bei einer Prellung oder einer Entzündung vorkommen. Sichere Zeichen beweisen den Knochenbruch.

  • Unsichere Frakturzeichen: (Druck-)Schmerz, Schwellung, Funktionseinschränkung oder Sensibilitätsstörungen, Hämatom.
  • Sichere Frakturzeichen: Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit, fühl- oder hörbares Knochenreiben, offene Fraktur mit sichtbaren Knochenenden.

Bei Frau H. ist das Bein verkürzt und nach außen gedreht: eine Fehlstellung, also ein sicheres Zeichen. Ihr starker Schmerz allein wäre nur ein unsicheres Zeichen. Gesichert wird die Diagnose radiologisch, mit dem Röntgenbild.

Pratik kural

Schmerz, Schwellung und Hämatom sind unsichere Frakturzeichen. Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit, Knochenreiben und sichtbare Knochenenden sind sichere. Ein verkürztes, außenrotiertes Bein ist eine Fehlstellung.

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Schenkelhalsfraktur

„Ich bin doch nur im Bad ausgerutscht“, sagt Frau H. „Vom Stehen auf den Boden. Davon bricht doch kein Knochen.“

Doch, bei ihr schon. Die Schenkelhalsfraktur (SHF) ist die Fraktur, die für den älteren Menschen mit Osteoporose typisch ist, vor allem bei Frauen. Fast immer geht ihr ein Sturz voraus: auf die Hüfte oder auf das Bein.

  • Wo es bricht: am Schenkelhals, also unterhalb des Hüftkopfs und oberhalb des Trochanter major, des großen Rollhügels am Oberschenkelknochen.
  • Warum ein Sturz aus dem Stand genügt: Bei Osteoporose baut der Knochen mehr Substanz ab, als er neu bildet. Die Knochendichte sinkt, das Frakturrisiko steigt massiv. Dann reicht ein leichter Sturz auf Hüfte oder Bein für den Bruch des osteoporotischen Knochens.
  • Woran du es erkennst: Schmerzen in der Leiste, dazu Druckschmerz am Trochanter. Das Bein ist nicht belastbar, meist verkürzt und außenrotiert.
  • Warum die Lage des Bruchs zählt: Meist liegt der Bruchspalt innerhalb der Gelenkkapsel (mediale Schenkelhalsfraktur). Dort können die Gefäße verletzt werden, die den Hüftkopf versorgen. Dann droht eine Hüftkopfnekrose.
Pratik kural

Osteoporose plus Sturz aus dem Stand genügt für den Schenkelhals: Leistenschmerz, Bein verkürzt, außenrotiert und nicht belastbar. Beim medialen Bruch droht die Hüftkopfnekrose.

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Präoperative Pflege

Notaufnahme, 3:40 Uhr. Frau H. liegt auf der Trage, das Röntgenbild bestätigt die Fraktur. Die OP ist für den Vormittag geplant. Bis dahin bist du zuständig.

Bis zur Operation geht es um vier Dinge: überwachen, Schmerz lindern, Anordnungen einhalten, vorbereiten.

Blutverlust bei geschlossener Fraktur

Bei einer Oberschenkelfraktur können bis zu 2 Liter Blut in den Oberschenkel verloren gehen. Wenn die Fraktur geschlossen ist, zeigt sich der Blutverlust möglicherweise erst spät: als Schwellung und Hämatom. Ein lebensbedrohlicher Volumenmangelschock ist möglich.

  • Vitalzeichen engmaschig: Nach einem Unfall kontrollierst du Blutdruck, Puls und Atmung engmaschig, um einen drohenden Schock zu erkennen. Tachykardie und Hypotonie sind die Zeichen.
  • Schmerz: Du erfragst die Schmerzstärke regelmäßig mit einem Schmerzassessment und gibst die angeordnete Schmerzmedikation.
  • Anordnungen einhalten: Bettruhe und Nichtbelasten des Beins gelten bis zur OP.
  • Thromboembolieprophylaxe beginnt schon präoperativ: medikamentös nach Anordnung. An das Bein, das nicht operiert wird, ziehst du einen medizinischen Thromboseprophylaxestrumpf.
  • Blasenverweilkatheter: Bei Frauen ist vor einer großen Hüftoperation ein transurethraler Blasenverweilkatheter sinnvoll, weil Steckbecken und Toilettengänge schmerzhaft sind.
  • Psychische Begleitung: Patientin und Angehörige stehen nach dem Unfall „unter Schock“ und brauchen Begleitung.
  • Vorbereiten, wenn möglich: Gehen mit Unterarmgehstützen, Drehen und Aufsetzen an den Bettrand übst du idealerweise schon vor der OP.
Pratik kural

Bis zur OP: Vitalzeichen engmaschig (Schockgefahr durch verdeckten Blutverlust bis 2 Liter), Schmerz regelmäßig erfragen, Nichtbelasten einhalten. Die Thromboembolieprophylaxe beginnt präoperativ. Vor einer großen Hüft-OP ist bei Frauen ein Blasenverweilkatheter sinnvoll, weil Steckbecken und Toilettengänge schmerzen.

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DMS-Kontrolle

„Können Sie die Zehen bewegen?“, fragst du Frau H. auf der Trage. Dabei legst du die Hand an ihren Fuß.

Die DMS-Kontrolle beurteilt eine Extremität nach Durchblutung, Motorik und Sensibilität. Sie kann zeigen, wie groß das Ausmaß einer Verletzung ist. Nach der OP ist sie ein wichtiger Beobachtungsaspekt. Dabei solltest du die betroffene mit der gesunden Seite vergleichen.

  • D = Durchblutung: Hautfarbe und Hauttemperatur, Nagelbettprobe, Puls am Fuß tasten.
  • M = Motorik: Kann und darf (ärztliche Anordnung) die Patientin die Extremität bewegen? Zehen und Fuß bewegen lassen, operierte und nicht operierte Seite vergleichen.
  • S = Sensibilität: Streiche mit der flachen Hand über beide Beine: Fühlt sich die betroffene Seite anders an, pelzig oder taub? Berührungs-, Druck- und Schmerzempfinden prüfen.
Alarmzeichen: Arzt informieren

Durchblutung: blasse oder blau-rote Verfärbung, ein deutliches Kälte- oder Wärmegefühl, deutliche Schwellung, der Puls abgeschwächt oder nicht mehr tastbar. Motorik: Zehen oder Finger werden steif, eine Lähmung tritt auf, unvollständig oder vollständig. Sensibilität: Gefühllosigkeit, Kribbeln oder „Ameisenlaufen“, Schmerzen, die neu auftreten oder zunehmen.

Nach einer Reposition und nach jeder Anlage eines Gips- oder Schienenverbands wiederholst du die DMS-Kontrolle.

Pratik kural

DMS heißt Durchblutung, Motorik, Sensibilität: Hautfarbe, Temperatur und Fußpuls · bewegen lassen · Berührung fühlen. Immer im Seitenvergleich. Jedes Alarmzeichen (Puls weg, blau-rot, Lähmung, Taubheit, neuer Schmerz) geht sofort zum Arzt.

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Operationsverfahren

Die Unfallchirurgin sagt zu Frau H.: „Bei Ihnen setzen wir ein künstliches Hüftgelenk ein.“ Später fragt Frau H. dich: „Warum wird der Bruch nicht einfach verschraubt?“

Weil das Alter und der Zustand des Hüftkopfs die Operation bestimmen. Nur Frakturen mit flachem Bruchspalt (Pauwels I) lassen sich konservativ behandeln. Bedingung: Die Patientin kann an Krücken gehen, körperlich und geistig. Die Fraktur darf dann sechs Wochen lang nur teilweise belastet werden (Teilbelastung). Regelmäßige Röntgenkontrollen sind notwendig. Alle anderen Schenkelhalsfrakturen werden operiert:

Hüftkopferhaltend (Osteosynthese)
Endoprothese
Für wen
Patienten unter 65 Jahren
Patienten über 65 Jahren (gemeint ist das biologische Alter): TEP vor allem zwischen 65 und 80, HEP bevorzugt über 80 oder bei Multimorbidität, weil bei der HEP das OP-Risiko kleiner ist
Was eingesetzt wird
Zugschrauben oder eine dynamische Hüftschraube. Der eigene Hüftkopf bleibt
TEP: Hüftkopf und Hüftpfanne werden ersetzt. HEP (etwa die Duokopfprothese): nur der Hüftkopf
Belastung danach
das Bein darf nicht sofort belastet werden
zementiert: in der Regel direkt voll belastbar

Die hüftkopferhaltende Operation ist nur innerhalb von 6 Stunden nach dem Unfall möglich. Später ist der Hüftkopf zu schlecht durchblutet. Sie wird deshalb vor allem bei Patienten unter 65 Jahren angestrebt. Und nur dann, wenn sie das Bein drei Monate entlasten können.

Eine zementierte Endoprothese darf in der Regel gleich nach der OP voll belastet werden, angepasst an die Beschwerden. Deshalb wählt man gerade bei älteren Patienten häufig die zementierte Variante: So beugt man den Komplikationen der Immobilität vor, etwa Thrombosen.

Pratik kural

Unter 65 wird hüftkopferhaltend operiert, wenn es geht: nur innerhalb von 6 Stunden und nur, wer drei Monate entlasten kann. Über 65 meist eine Endoprothese: die TEP vor allem bis 80, bei sehr aktiven Menschen auch darüber; die HEP bevorzugt über 80 oder bei Multimorbidität. Zementiert heißt in der Regel: gleich nach der OP voll belastbar, angepasst an die Beschwerden.

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Luxationsprophylaxe

Tag 1 nach der OP. Frau H. friert und will sich „wie immer“ auf die Seite drehen und die Beine übereinanderlegen.

Genau das darf sie jetzt nicht. Unmittelbar nach der OP ist die Gefahr einer Hüftluxation sehr groß. Durch eine falsche Position oder eine falsche Bewegung kann der Gelenkkopf aus der Pfanne springen.

Drei Bewegungen sind verboten

Die Hüfte nicht über 90° beugen (auch an der Bettkante nicht), das operierte Bein nicht nach innen und nicht nach außen rotieren, die Beine nicht übereinanderschlagen. Und keine kombinierte Bewegung wie Beugung mit Rotation.

So positionierst du sie:

  • Zunächst nur Rückenlage oder Liegen auf der nicht betroffenen Seite. Das operierte Bein liegt in Abduktion, also leicht abgespreizt. Beim Drehen führst du es so mit.
  • Oberkörper höchstens 60° erhöht.
  • Auf die operierte Seite erst, wenn die Drainagen entfernt sind. Dann vorsichtig, zum Beispiel mit einem Kissen, das zwischen den Beinen liegt.
  • Sitzen mit 90° Hüftbeugung erst, wenn der Arzt es erlaubt hat. Bis dahin verhindern Toilettensitzerhöhung oder Arthrodesenstuhl die zu tiefe Beugung.
  • Idealerweise weiß die Patientin das schon aus der Aufklärung vor der OP. Eine Antirotationshose oder -bandage kann helfen.
Pratik kural

Nach der Hüft-TEP: nicht über 90° beugen, nicht rotieren, Beine nicht überschlagen. Zunächst Rückenlage oder gesunde Seite, operiertes Bein in Abduktion, Toilettensitzerhöhung, bis der Arzt das Sitzen mit 90° erlaubt.

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Erstmobilisation

„Ich muss zur Toilette. Kann ich aufstehen?“ Frau H. am Morgen nach der OP. Die Physiotherapeutin kommt erst um zehn.

Die Erstmobilisation nach einer Hüftendoprothese findet meist am ersten Tag nach der OP statt, oft schon ab dem Abend des Operationstags. Das gilt, falls der Operateur nichts anderes festgelegt hat. Häufig hilft die Physiotherapie. Am besten mobilisieren zwei Personen gemeinsam. Wie weit Frau H. das Bein belasten darf, legt der Operateur fest. Bei ihrer zementierten Prothese ist die Vollbelastung erlaubt. Mobilisation ist Therapie: Bewegung fördert die Durchblutung, kräftigt die Muskulatur und beugt Thrombose und Kontrakturen vor.

  1. Vorher

    Blutdruck und Puls messen. Beim ersten Aufstehen droht eine orthostatische Dysregulation.

  2. Vorbereiten

    Bett auf Arbeitshöhe, Kopfteil bis 45° erhöht. Festsitzende Schuhe noch im Liegen anziehen. Drainagen sichern.

  3. Zum Bettrand

    Die Patientin fasst den Bettbügel und stellt das nicht operierte Bein an. Sie rutscht zum Bettrand der operierten Seite. Du führst das operierte Bein unter Knie und Sprunggelenk in leichter Abduktion mit. Keine Innen- oder Außenrotation.

  4. Aufsetzen

    Die Beine über den Bettrand schwenken, bis sie halb sitzt. Die Hüfte der operierten Seite nicht über 90° beugen. Eine Pflegefachperson führt das Bein, die zweite hält von hinten den Oberkörper.

  5. Aufstehen

    Bett senken, bis das nicht operierte Bein sicher auf dem Boden steht. Unterarmgehstützen anreichen. Sie richtet sich mit der Kraft der Arme und des nicht operierten Beins auf.

  6. Gehen

    In kleinen Etappen mit Unterarmgehstützen: erst vor dem Bett stehen, dann kurze Strecken gehen. Auf Teil- oder Vollbelastung nach Anordnung achten.

Orthostatische Reaktion: sofort abbrechen

Achte auf diese Zeichen: Die Patientin wird blass, der Blutdruck fällt, der Puls wird schnell, oder Schweiß bricht aus. Dann brichst du die Mobilisation sofort ab. Du bringst sie kurzzeitig in die Kopf-Tief-Lage (Trendelenburg-Positionierung).

Danach gilt: nicht zu viel abnehmen. Die Aktivierung steht im Vordergrund. Nur so findet Frau H. in ein selbstständiges Leben zurück.

Pratik kural

Erst RR und Puls, dann Schuhe im Liegen. Dann über die operierte Seite mit dem Bein in Abduktion aufsetzen, die Hüfte nie über 90°. Bodenkontakt mit dem gesunden Bein, Gehstützen, kleine Etappen. Bei Blässe, Blutdruckabfall, Tachykardie oder Schweiß: sofort abbrechen, Kopf-Tief-Lage.

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Komplikationen

Am Nachmittag sagt Frau H.: „Der rechte Fuß fühlt sich pelzig an, und heben kann ich ihn nicht.“

Das ist kein Nebeneffekt, das ist ein Warnzeichen. Nach einer Hüftendoprothese beobachtest du gezielt auf diese Komplikationen:

  • Akute Blutung: Hypotonie und Tachykardie sind Zeichen eines Volumenmangelschocks. Auch Bewegungsmangel, Opiate und ein Flüssigkeitsdefizit können den Blutdruck senken. Vitalparameter engmaschig kontrollieren.
  • Hüftluxation: Durch eine falsche Position oder Bewegung kann der Gelenkkopf aus der Pfanne springen.
  • Nervenschädigung: Während der OP können der Nervus ischiadicus und der Nervus femoralis Schaden nehmen. Prüfung: Die Patientin beugt das Bein leicht und drückt es dann durch, hebt den Fuß an und streckt ihn, am besten gegen deine Hand. Geht das nicht, informierst du den Arzt.
  • Wundinfektion: Fieber, Rötung, Überwärmung, Schwellung, Sekret aus der Wunde. Bei einer Hüft-TEP ist die Wundkontrolle besonders wichtig, weil eine Wundinfektion weitreichende Folgen haben kann. Sie ist eine gefürchtete Komplikation. Es gibt die Frühinfektion in den ersten Wochen und die Spätinfektion durch eine Bakteriämie oder durch die Aktivierung ruhender Keime bei Abwehrschwäche. Bei beiden ist neben anderen Maßnahmen immer mindestens eine Operation nötig.
  • Prothesenlockerung: belastungsabhängige Schmerzen als Leitsymptom.
  • Folgen der Immobilität: Thrombose und Pneumonie. Deshalb Prophylaxen und frühe Mobilisation.
  • Schmerz: akut oder bei der Mobilisation? Schonhaltung, Schonatmung? Wirkung der Schmerzmittel prüfen. Bei NSAR auf Magenbeschwerden achten.

Dazu regelmäßig die DMS-Kontrolle im Seitenvergleich: Durchblutung, Motorik, Sensibilität.

Pratik kural

Nach der Hüft-TEP heißt Beobachten: Vitalzeichen (Blutung), Wunde und Temperatur (Infektion), Bein beugen und durchdrücken, Fuß heben (Nerven), DMS im Seitenvergleich, Schmerz bei Belastung (Lockerung). Jede Auffälligkeit geht zum Arzt.

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Entlassung und Sturzprophylaxe

„Und dann komme ich wieder nach Hause, in den dritten Stock?“ fragt Frau H. „Mit Badewanne und den schönen Teppichen?“

Nicht direkt. Nach der Akutversorgung geht es sehr oft zuerst in eine Reha-Einrichtung, die Anschlussheilbehandlung. Das Ziel: Frau H. verbessert ihre Beweglichkeit und kommt im Alltag wieder selbstständig zurecht.

Vor der Entlassung nach Hause klären Arzt und Pflegende die häusliche Situation, zusammen mit den Angehörigen und dem Sozialdienst:

  • Braucht sie Hilfsmittel, etwa Toilettensitzerhöhung oder Rollator?
  • Gibt es Treppen im Haus?
  • Wird zu Hause weitere Betreuung gebraucht?

Und weil der typische Unfallhergang das Ausrutschen im Bad ist, gehört eine lückenlose Sturzprophylaxe dazu:

  • Physiotherapie und regelmäßige körperliche Aktivität für Muskelkraft und Koordination. Bewegungsabläufe möglichst immer gleich ausführen.
  • Die Wohnung anpassen: besseres Licht, Bewegungssensoren, Haltegriffe an der Badewanne, lose Teppiche und andere Stolperfallen entfernen.
  • Geeignetes Schuhwerk. Die Arbeitshöhe des Rollators prüfen.
  • Sehschärfe prüfen. Vielleicht braucht sie eine neue Brille.
  • Kontinenztraining: Harnblase und Beckenboden trainieren, das Herunterziehen der Hose und den Vorlagenwechsel üben. Das gilt besonders, wenn eine Hand zum Festhalten gebraucht wird.
Pratik kural

Nach der Endoprothese erst Anschlussheilbehandlung, dann nach Hause. Vorher Hilfsmittel, Treppen und Betreuung klären. Und die Sturzprophylaxe lückenlos: Kraft und Koordination, Licht und Haltegriffe, Stolperfallen weg, Schuhe, Brille, Kontinenztraining.