Inkontinenz: Scham und angemessener Sprachgebrauch

Im Fall übenFrau Hartmann — nachts findet sie den Weg nicht: Scham, Einschätzung, Weg, Profil, Training
Pflege-Wissen

Scham und Sprache

Eine Kollegin ruft über den Flur: „Ich muss noch Herrn Kowalski trockenlegen.“ Herr Kowalski ist 74 und hört gut.

Der Expertenstandard nennt genau diese Wörter beim Namen: „trockenlegen“, „pampern“ und „Windel“ stammen aus der Säuglingspflege. Ein angemessener Sprachgebrauch vermeidet sie, weil du mit erwachsenen Menschen sprichst. Sag Inkontinenzvorlage, Inkontinenzslip, Wechsel. Das ist kein Höflichkeitsdetail. Es gehört zum professionellen Umgang, und der Standard verlangt, das Schamempfinden unter allen Umständen zu schützen. Warum das so schwer wiegt: Inkontinenz berührt einen intimen Bereich, und gesellschaftlich ist sie nach wie vor ein Tabu. Besonders beschämend ist es, die Kontrolle über die eigene Ausscheidung zu verlieren. Betroffene verschweigen ihre Inkontinenz, reagieren aggressiv auf Hilfsangebote oder ziehen sich innerlich zurück. Viele halten das Problem außerdem für einen normalen Teil des Älterwerdens und suchen keine professionelle Hilfe.

Faustregel

Bittet dich jemand um Hilfe beim Ausscheiden, reagierst du unverzüglich.

Teste dich selbst

Eine Kollegin sagt vor Herrn Kowalski „trockenlegen“. Was ist daran falsch — und was sagst du?

Nach dem Expertenstandard vermeidet ein angemessener Sprachgebrauch Begriffe aus der Säuglingspflege („trockenlegen“, „pampern“, „Windel“), weil es um erwachsene Menschen geht. Er verlangt, das Schamempfinden unter allen Umständen zu schützen. Korrekt: Inkontinenzvorlage, Inkontinenzslip, Wechsel. Und P4: Auf die Bitte um Hilfe beim Ausscheiden wird unverzüglich reagiert.

Herr Kowalski klingelt und sagt, er muss dringend. Du bist mitten in der Doku. Was gilt?

Bittet dich jemand um Hilfe beim Ausscheiden, reagierst du unverzüglich.

Im Fall übenFrau Hartmann — nachts findet sie den Weg nicht: Scham, Einschätzung, Weg, Profil, Training