Sichere und unsichere Todeszeichen
Vakada çalışLydia Schmidt, 86 — AbschiedTod und Todeszeichen
Wann genau ein Mensch tot ist, lässt sich nicht immer einfach feststellen. Setzen Herzschlag und Atmung aus, sterben durch den Sauerstoffmangel alle Zellen im Körper ab. Erste Gehirnzellen sterben schon nach wenigen Minuten, bestimmte Funktionen von Muskelzellen können noch Stunden nach einem Kreislaufstillstand erhalten sein. Das Absterben ist also ein Vorgang über einen längeren Zeitraum. Weil die Atmung heute auch maschinell aufrechterhalten werden kann, ist ein Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand nicht mehr einfach mit dem Tod gleichzusetzen. Die Medizin unterscheidet drei Zustände:
- Klinischer Tod: Die Atmung setzt aus, der Kreislauf steht still. Du erkennst ihn daran, dass alle unsicheren Todeszeichen auftreten.
- Hirntod: Alle Gehirnfunktionen fallen irreversibel aus und damit auch die zentrale Regulation von Atmung und Kreislauf. Meist sind Hirnblutungen die Ursache, außerdem Hirninfarkte, Schädel-Hirn-Traumen und Schäden durch Sauerstoffmangel. Halten Beatmung und weitere intensivmedizinische Maßnahmen den Körper eine Zeit lang am Leben, heißt das dissoziierter Hirntod.
- Biologischer Tod: Nach dem klinischen Tod sterben nach und nach alle Zellen ab, bis alle Organe ausfallen. Danach zersetzen sich die Gewebe.
Unsichere Todeszeichen: Der Mensch ist bewusstlos, atmet nicht mehr spontan und hat keinen Puls. Er hat keine Hirnstammreflexe mehr und deshalb weite, lichtstarre Pupillen. Die Muskeln erschlaffen, der Körper wird kalt.
Sichere Todeszeichen:
- Totenflecken (Livores): Das Blut sinkt durch die Schwerkraft ab, in die Hautgefäße, die am tiefsten liegen (Hypostase). Sie entstehen etwa 30–60 Minuten nach dem Kreislaufstillstand und sind anfangs noch wegdrückbar, später nicht mehr.
- Totenstarre (Rigor mortis): Etwa 4–12 Stunden nach dem Tod beginnt sie am Kopf, abhängig von der Temperatur, und breitet sich nach unten aus. Nach ungefähr 1–6 Tagen verschwindet sie in umgekehrter Reihenfolge.
- Autolyse: Das Gewebe wird durch Bakterien und körpereigene Enzyme zersetzt, als Verwesung (mit Sauerstoff) oder als Fäulnis (ohne Sauerstoff).
- Verletzungen oder Zerstörungen, mit denen ein Leben nicht vereinbar ist.
Viele Angehörige sind dann verunsichert: Ist er wirklich tot? Diese Frage bleibt oft unausgesprochen. Es kann helfen, sie trotzdem zu beantworten, z. B. mit „Jetzt hat er es geschafft.“ Nach langen Atempausen kann der Sterbende plötzlich noch einmal nach Luft schnappen (Schnappatmung). Das ist nicht als Lebenszeichen zu bewerten, und darüber klärst du auch die Bezugspersonen auf. Muskelzuckungen kurz vor dem Tod sind möglich. Wegen der Darmrelaxation kann ein Verstorbener Stuhl absetzen. Auf einem EKG-Monitor können nach einer Nulllinie plötzlich, nach vielen Sekunden, wieder einzelne Ausschläge erscheinen. Auf den Monitor zu verzichten, kann deshalb der bessere Weg sein. So verunsicherst du weder dich noch die Angehörigen unnötig.
Feststellen kann den Tod nur der Arzt. Wirksam bescheinigen darf ihn nur ein approbierter Arzt, wenn sichere Todeszeichen vorliegen. Du informierst Arzt und Einrichtung. Für den Arzt dokumentierst du, wann der klinische Tod mutmaßlich eingetreten ist. Ist der Tod plötzlich eingetreten oder geben es die Vorgaben der Einrichtung so vor, darf der Leichnam nicht anders gelegt werden, bis der Arzt eingetroffen ist. Möglichst unmittelbar führt der Arzt am unbekleideten Leichnam die Leichenschau durch. Er stellt dabei anhand sicherer Todeszeichen zweifelsfrei den Tod fest und hält Personalien, Todeszeitpunkt, Todesart und Todesursache in der Todesbescheinigung (Totenschein) fest. Ist die Todesursache unklar oder nicht natürlich, darf der Leichnam vor dem Eintreffen von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht weiter versorgt werden. Mit dem Totenschein stellt das Standesamt die Sterbeurkunde aus. Dorthin bringt ihn je nach Haus die Verwaltung oder der Bestatter.
Wissenschaftlich und juristisch anerkannt als Kriterium für den Tod ist der irreversible Verlust aller Hirnfunktionen.
Unsichere Todeszeichen zeigen den klinischen Tod. Feststellen kann den Tod nur der Arzt, anhand sicherer Todeszeichen: Totenflecken, Totenstarre, Verwesung oder Fäulnis, Verletzungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind.
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Welche Todeszeichen sind sicher?
Totenflecken (Livores); Totenstarre (Rigor mortis); Autolyse: Verwesung oder Fäulnis; Verletzungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind
Woran stellt der Arzt bei der Leichenschau den Tod fest?
Unsichere Todeszeichen zeigen den klinischen Tod. Feststellen kann den Tod nur der Arzt, anhand sicherer Todeszeichen: Totenflecken, Totenstarre, Verwesung oder Fäulnis, Verletzungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind.