Durumlar
Herr Aydın, 77 — der Morgen mit dem PflegedienstAmbulante Pflege, ein Küchentisch mit Messgerät und Pen. Wo du stichst, wie du rechnest, wohin du spritzt und warum die Wärmflasche nicht ins Bett gehört.Herr Aydın — der Abend, an dem er schwitztEr schwitzt, zittert und kann nicht sagen, was los ist. Wie du eine Hypoglykämie erkennst, warum du erst Zucker gibst und dann misst und was bei einem unklaren Koma gilt.Murat Aydın, 49 — die DiagnoseEin Laborzettel, keine Beschwerden und keine Zeit für Sport. Wie du einem Menschen mit neuem Typ-2-Diabetes erklärst, was der Wert sagt und worauf die Therapie ruht.Okumak için bilgi
İçindekiler · 30 bölüm
- Inselorgan der Bauchspeicheldrüse
- Blutzucker messen
- Blutzuckerbestimmung
- Die verschiedenen Insuline
- Insulin injizieren
- Fußpflege
- Diabetisches Fußsyndrom
- Haut, Mund und Zähne
- Insulintherapien
- Hypoglykämie
- Therapie bei Hypoglykämie
- Nächtliche Hypoglykämie
- Hyperglykämie
- Krank oder nüchtern
- Antidiabetika
- Beobachten
- Ursachen und Formen
- Symptome
- HbA1c
- Therapie
- Ernährung
- Bewegung
- Folgeerkrankungen
- Diabetes mellitus
- Weitere Formen
- Kohlenhydrate
- Schulung
- Prävention
- Entlassung und Alltag
- Kinder und Jugendliche
Inselorgan der Bauchspeicheldrüse
- 1 Pankreaskopf, im Bogen des Duodenums
- 2 Pankreaskörper
- 3 Pankreasschwanz, an der Milz
- 4 Duodenum
- 5 Milz
- 6 Langerhans-Insel
- 7 Drüsengewebe für den Verdauungssaft
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt im Oberbauch. Ihr Körper verläuft hinter dem Magen. Sie bildet Verdauungssaft und Hormone. In ihrem Gewebe liegen verstreut Gruppen hormonbildender Zellen, die Langerhans-Inseln. Alle Langerhans-Inseln zusammen heißen Inselorgan. Im Pankreasschwanz liegen besonders viele davon. Ihre Hormone gelangen von den Inseln direkt ins Blut.
Für den Blutzucker sind zwei Zelltypen wichtig:
- β-Zellen (Beta-Zellen) bilden Insulin. Sie machen 70 % aller Inselzellen aus.
- α-Zellen (Alpha-Zellen) bilden Glukagon. Sie machen etwa 20 % der Inselzellen aus.
Mit Insulin gelangt der Zucker aus dem Blut in die Zellen. So sinkt der Blutzuckerspiegel. Sein Gegenspieler ist Glukagon.
Die gesunde Bauchspeicheldrüse gibt ständig geringe Mengen Insulin ab (basale Sekretion). Mehr Insulin schüttet sie nach einer Mahlzeit aus, damit der Blutzucker wieder auf den Normalwert sinkt (prandiale Sekretion).
Die β-Zellen der Langerhans-Inseln bilden Insulin. Insulin senkt den Blutzucker, indem es Zucker aus dem Blut in die Zellen bringt. Glukagon aus den α-Zellen ist sein Gegenspieler.
Blutzucker messen
Den Blutzucker kontrollierst du mit einem Blutzuckermessgerät. So gehst du vor:
- Hände und Haut
Der Mensch wäscht und trocknet seine Hände gründlich. Du desinfizierst deine Hände und die Einstichstelle. Die Einwirkzeit wartest du unbedingt ab.
- Gerät
Du setzt eine neue Lanzette in die Stechhilfe und führst den Teststreifen ins Gerät ein. Du prüfst, ob der Code stimmt. Die meisten Geräte codieren automatisch. Dann ziehst du Handschuhe an.
- Einstechen
Du stellst eine möglichst geringe Einstichtiefe ein. Die Stechhilfe setzt du seitlich an der Fingerbeere auf und drückst den Auslöser. Seitlich schmerzt es weniger als an der Fingerkuppe.
- Blutstropfen
Du drückst den Finger sanft und hältst den Tropfen an den Teststreifen. Er wird automatisch eingesogen.
- Abschluss
Das restliche Blut entfernst du mit einem keimarmen Tupfer. Die Lanzette entsorgst du sicher, zum Beispiel im Kanülenabwurf. Den Wert dokumentierst du in der Patientenakte und evtl. im Blutzuckertagebuch.
Statt an der Fingerbeere kannst du das Blut auch am Ohrläppchen gewinnen. Erscheint dir ein Wert unsicher, wiederholst du die Messung.
Auch kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) gibt es. Ihr kleiner Sensor sitzt 7–14 Tage im Unterhautfettgewebe am Oberarm oder Bauch. Mit einem Auslesegerät oder dem Smartphone lassen sich Glukose und Trend jederzeit ablesen.
Der Mensch wäscht seine Hände, du desinfizierst deine Hände und die Einstichstelle und wartest die Einwirkzeit ab. Dann seitlich an der Fingerbeere stechen, sanft drücken, Lanzette sicher entsorgen, Wert dokumentieren.
Blutzuckerbestimmung
Angegeben wird der Blutzucker in mmol/l (Millimol pro Liter) oder in mg/dl (Milligramm pro Deziliter). 1 mmol/l entspricht 18 mg/dl.
Für die Diagnose sollte venöses Blut im Labor untersucht werden. Der Mensch ist dabei nüchtern. Trinken darf er Wasser und ungesüßte Getränke.
Nüchternglukose:
- kein Diabetes: unter 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l
- erhöhtes Risiko für Diabetes: 100–125 mg/dl bzw. 5,6–6,9 mmol/l
- Diabetes: ab 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l
Eine Gelegenheitsglukose wird zu einem beliebigen Zeitpunkt gemessen. Ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) spricht sie für einen Diabetes.
Der Mensch trinkt nüchtern eine Lösung mit 75 g Glukose. In den nächsten 2 Stunden darf er sich nicht körperlich anstrengen. Danach wird der Blutzucker erneut bestimmt. Ein 2-Stunden-Wert ab 200 mg/dl spricht für einen Typ-2-Diabetes.
1 mmol/l sind 18 mg/dl. Nüchtern unter 100 mg/dl ist kein Diabetes. Nüchtern ab 126 mg/dl oder zu einem beliebigen Zeitpunkt ab 200 mg/dl spricht für einen Diabetes.
Die verschiedenen Insuline
Insulin ist ein Eiweißhormon. Im Magen-Darm-Trakt würde es zerstört. Deshalb wird es gespritzt, hauptsächlich subkutan. Dosiert wird in Internationalen Einheiten (IE).
Es gibt drei Insulinarten:
- Kurzwirksame Insuline (Bolusinsuline): meist zu den Mahlzeiten und um hohe Werte zu korrigieren. Normalinsulin ist gelb markiert. Subkutan gespritzt, wirkt es nach ca. 20–30 Minuten. Diese Zeit bis zum Essen heißt Spritz-Ess-Abstand. Als einziges Insulin kann es auch intravenös gegeben werden. Kurzwirksame Insulinanaloga wirken direkt nach der Injektion und kürzer. Ein Spritz-Ess-Abstand ist nicht nötig.
- Langwirksame Insuline (Basalinsuline, Verzögerungsinsuline): decken den Grundbedarf. NPH-Insulin ist grün markiert und trüb. Langwirksame Insulinanaloga sind klar und müssen nicht gemischt werden.
- Mischinsuline: kurz- und langwirksames Insulin gemischt, meist 30 % zu 70 %. Sie sind trüb.
Trübes Insulin (NPH- und Mischinsulin) schwenkst du vor jeder Injektion 20-mal, nicht schütteln. Sonst ist die Wirkung unberechenbar.
Bei absolutem Insulinmangel muss rund um die Uhr Insulin wirken. Bei einer Insulinpause droht eine gefährliche Ketoazidose. Auch wenn der Mensch im Krankenhaus nüchtern bleiben muss, wird das langwirksame Basalinsulin immer gespritzt.
Kurzwirksam (Bolus) meist für Mahlzeiten und Korrektur, Normalinsulin gelb mit Spritz-Ess-Abstand. Langwirksam (Basal) für den Grundbedarf, NPH grün und trüb. Trübes Insulin 20-mal schwenken. Bei Typ 1 nie das Basalinsulin pausieren.
Insulin injizieren
Insulin spritzt du mit einem Insulin-Pen oder einer Insulinspritze. Pens enthalten meist U100-Insulin (100 IE/ml). Es gibt auch U200 und U300. Stechampullen für Spritzen gibt es als U40 und U100.
Lagerung: Den Vorrat lagerst du im Kühlschrank bei ca. 2–8 °C. Gefrieren darf Insulin nicht. Mit Namen beschriftet, kann ein Pen in Gebrauch bei Zimmertemperatur liegen, zum Beispiel auf dem Nachtschrank. Er hält dann 4 Wochen. Sinnvoll ist es, auf dem Pen das Anbruchsdatum zu vermerken.
Einstichstellen:
- Bauch, Oberschenkel oder Gesäß, also Orte mit viel Fettgewebe
- sinnvoll: in den Bauch das kurzwirksame Insulin, weil es dort schnell aufgenommen wird; in den Oberschenkel das langwirksame, weil es dort langsam aufgenommen wird
- in den Oberarm sollte nicht gespritzt werden, dort sind hauptsächlich Muskeln
- in Verhärtungen, Wunden oder Blutergüsse sollte niemals gespritzt werden
- Einstichstellen regelmäßig wechseln. Sonst können sich Fettgeschwüre (Lipohypertrophien) bilden. Sie behindern die Insulinaufnahme, die Wirkung wird unberechenbar.
Mit dem Pen:
- Vorbereiten
Du beachtest die 10-R-Regel. Du desinfizierst deine Hände und die Einstichstelle und ziehst Handschuhe an. Du prüfst, ob der Pen noch genug Insulin enthält. Trübes Insulin schwenkst du 20-mal.
- Kanüle
Du nimmst die Schutzkappe ab und schraubst eine Kanüle auf. Als Pflegefachperson solltest du Sicherheitskanülen verwenden. So sinkt das Risiko einer Stichverletzung.
- Entlüften
Du stellst 2–4 IE am Drehrad ein. Den Pen hältst du mit der Kanüle nach oben und drückst den Dosierknopf. Dabei sollte Insulin aus der Kanüle austreten.
- Dosis
Du stellst die verordnete Menge Insulin am Drehknopf ein.
- Spritzen
Bei schlanken Menschen bildest du eine Hautfalte. Bei normal- und eher übergewichtigen Menschen ist das nicht nötig. Du stichst senkrecht ein. Mit dem Daumen drückst du den Dosierknopf bis zum Anschlag. Dann wartest du ca. 10 Sekunden, damit kein Insulin aus dem Stichkanal fließt.
- Abschluss
Die Kanüle entsorgst du im Abwurfbehälter. Du dokumentierst die Injektion, die Art des Insulins und die Zahl der Einheiten. Nach Mahlzeiteninsulin muss der Mensch essen: bei Normalinsulin nach 20–30 Minuten, bei kurzwirksamen Insulinanaloga direkt danach.
Spritzt du mit einer Spritze, nimmst du unbedingt die Spritze, die zur Konzentration passt. U100-Insulin ist im Vergleich zu U40-Insulin 2,5-mal so konzentriert. Bei gleicher Menge ziehst du sonst eine viel höhere Dosis auf und löst eine Hypoglykämie aus.
Bauch für kurzwirksames, Oberschenkel für langwirksames Insulin, Einstichstellen wechseln, in Verhärtungen, Wunden oder Blutergüsse sollte nie gespritzt werden. Pen: entlüften mit 2–4 IE, Dosis einstellen, senkrecht spritzen, 10 Sekunden warten, dokumentieren.
Fußpflege
Mit sorgfältiger Fußpflege beugst du Fußschäden vor:
- Waschen: einmal täglich warm abwaschen, mit körperwarmem Wasser. Danach gut abtrocknen, vor allem die Zehenzwischenräume. Häufig verstecken sich gerade dort Pilzinfektionen und Wunden.
- Kontrollieren: täglich, vor allem Zehen und Ferse. Du achtest auf Blasen, Rötungen, Druckstellen, Hornhaut und Verletzungen. Mit einem Spiegel kann der Mensch seine Fußsohlen selbst ansehen. Dazu leitest du ihn bei Bedarf an.
- Eincremen: Empfohlen werden bei trockener und schuppender Haut Cremes mit 5–10 % Harnstoff oder Pflegeschaum. Die Zehenzwischenräume cremst du nicht ein.
- Hornhaut und Nägel: Unter starker Hornhaut (Hyperkeratose) können Druckgeschwüre liegen. Hornhaut entfernt der Podologe fachgerecht. Auch die Fußnagelpflege sollte er durchführen. Hornhauthobel, Hornhautpflaster und spitze Scheren sind tabu. Geeignet sind Bimsstein und Nagelfeile.
- Schuhe und Socken: Socken sollten nicht einschnüren, und die Schuhe sollten groß genug sein. Menschen mit Neuropathie kaufen Schuhe oft zu klein. Vor dem Anziehen prüfst du sie auf Fremdkörper und Unebenheiten.
Bei kalten Füßen verwendest du niemals Wärmflaschen und Wärmedecken. Wegen der Gefühlsstörung droht eine unbemerkte Verbrennung. Besser sind warme Socken.
Füße täglich warm waschen, Zehenzwischenräume gut trocknen, täglich auf Druckstellen und Wunden kontrollieren. Hornhaut entfernt der Podologe, auch die Nagelpflege sollte er übernehmen. Keine Wärmflasche: Verbrennungsgefahr.
Diabetisches Fußsyndrom
Das diabetische Fußsyndrom entsteht durch Durchblutungsstörungen bei pAVK und/oder durch die diabetische Neuropathie. So läuft es ab:
- Eine kleine Verletzung schmerzt wegen der Neuropathie nicht und wird nicht bemerkt.
- Sie infiziert sich.
- Ist die Durchblutung zusätzlich gestört, heilt die Wunde verzögert.
- Geschwüre bilden sich und greifen Gewebe und Knochen an.
Kombinierte Formen sind nicht selten. Wunden, die schon bestehen, sollten vermessen, fotografiert und dokumentiert werden. Die Wundbehandlung übernimmt ein Wundmanager, inklusive Wundabstrich. Bei Wunden am Fuß muss der Druck entlastet werden. Anpassen sollte einen Entlastungsschuh der Orthopädieschuhmacher.
Bei Menschen mit Diabetes erfolgen etwa zwei Drittel aller Amputationen. Wesentlich ist die Prophylaxe durch einen sorgsamen Umgang mit den Füßen.
Beim diabetischen Fußsyndrom bemerkt der Mensch eine kleine Verletzung wegen der Neuropathie nicht. Sie infiziert sich und heilt bei Durchblutungsstörung schlecht. Der neuropathische Fuß ist warm und trocken, der ischämische blass und kühl.
Haut, Mund und Zähne
Für Infektionen sind Menschen mit Diabetes gefährdeter als andere. Ihre Haut ist oft trocken, durch die autonome Neuropathie und eine fehlende Schweißsekretion. So entstehen leicht Hautrisse. Durch sie können Infektionserreger eindringen.
Haut:
- nur milde, pH-neutrale Seifen
- keine langen heißen Bäder, sie trocknen die Haut zu sehr aus
- Hautfalten sorgfältig abtrocknen, gegen Pilz- und bakterielle Infektionen
- harnstoffhaltige Cremes (Urea); reine Fettcremes führen zu einer Überwärmung der Haut
- Bei trockener Haut kann gute Hautpflege gegen Juckreiz helfen.
Mund und Zähne:
- sehr gute Mund- und Zahnpflege, weil die Gefahr von Karies größer ist
- Das Risiko für Parodontitis mit Zahnverlust ist 3-fach erhöht.
- Auf Pilzerkrankungen und Soor im Mund sollte geachtet werden.
- Regelmäßig zum Zahnarzt; er muss über den Diabetes Bescheid wissen.
Wegen des geschwächten Immunsystems sind Maßnahmen gegen Infektionen besonders wichtig: Pneumonie-, Zystitis-, Soor- und Parotitisprophylaxe. Auch der Pneumonieprophylaxe dient eine gute Mundpflege.
Haut: pH-neutrale Seife, keine langen heißen Bäder, Hautfalten gut trocknen, Urea-Creme statt reiner Fettcreme. Mund: sehr gute Zahnpflege, auf Soor achten, regelmäßig zum Zahnarzt.
Insulintherapien
Welche Insulintherapie ein Mensch bekommt, hängt vom Diabetestyp ab. Es zählen auch sein körperlicher und geistiger Zustand, seine Bedürfnisse, Begleiterkrankungen und Lebensgewohnheiten.
- Basalunterstützte orale Therapie (BOT): Zusätzlich zu den oralen Antidiabetika wird 1–2-mal täglich ein Basalinsulin gespritzt. Angezeigt ist sie vor allem bei Typ-2-Diabetes, wenn der Nüchternblutzucker erhöht ist. Für die Insulintherapie gilt sie als langsamer Einstieg.
- Supplementäre Insulintherapie (SIT): Zu den Mahlzeiten spritzt der Mensch zusätzlich zu den oralen Antidiabetika ein kurzwirksames Insulin. Sie passt, wenn der Blutzucker nach dem Essen deutlich erhöht ist.
- Konventionelle Therapie (CT): 2-mal täglich ein Mischinsulin, vor dem Frühstück und vor dem Abendessen. Die Dosis ist festgelegt. Die Uhrzeiten der Mahlzeiten mit Kohlenhydraten stehen fest. Zwischenmahlzeiten um 10 und 22 Uhr sind nötig. Besonders eignet sie sich für ältere Menschen mit geregeltem Tagesablauf.
- Intensivierte konventionelle Therapie (ICT): Ein Basalinsulin deckt den Grundbedarf. Ein kurzwirksames Bolusinsulin kommt vor jeder Mahlzeit dazu. Davor misst der Mensch den Blutzucker und berechnet die Kohlenhydrate. Sie ahmt den natürlichen Insulinspiegel am besten nach. So werden fast alle mit Typ-1-Diabetes behandelt.
- Insulinpumpentherapie: Eine Pumpe gibt über einen Katheter mit Nadel im Unterhautfettgewebe kontinuierlich ein kurzwirksames Insulinanalogon ab. Über eine Bolustaste kann vor den Mahlzeiten zusätzlich Insulin gegeben werden. Nadel und Katheter werden alle 2–3 Tage gewechselt. Die meisten Pumpenträger haben einen Typ-1-Diabetes.
Weitere Blutzuckerkontrollen schützen vor Unterzuckerungen. Nötig sind sie bei Infekten, bei Verdacht auf Unterzucker, bei gesteigerter körperlicher Aktivität und vor der Nachtruhe.
BOT: Tabletten plus Basalinsulin. SIT: Tabletten plus Mahlzeiteninsulin. CT: 2-mal Mischinsulin, feste Mahlzeiten. ICT: Basalinsulin plus Bolus zu jeder Mahlzeit nach Messung. Pumpe: kontinuierlich kurzwirksames Insulin plus Bolustaste.
Hypoglykämie
Eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) liegt vor, wenn der Blutzuckerspiegel unter 50 mg/dl sinkt, das sind 2,8 mmol/l. Schon unter 70 mg/dl, also 3,9 mmol/l, können aber Symptome entstehen und Glukose nötig machen.
Häufige Auslöser sind Dosierungsfehler oder Nachlässigkeiten in der Therapie:
- eine Mahlzeit ausgelassen
- die Kohlenhydratmenge falsch berechnet
- mehr Sport getrieben, ohne die Dosis anzupassen
- Alkohol: Er behindert in der Leber, dass Glukose bereitgestellt und neu gebildet wird.
Oft entstehen die Zeichen innerhalb weniger Minuten:
- Frühzeichen: Der Körper versucht zuerst, den Blutzucker gegenzuregulieren, unter anderem mit Adrenalin. Das Adrenalin löst Zittern, starkes Schwitzen und Tachykardie (Herzrasen) aus.
- Neurologische Zeichen: Sinkt der Blutzucker weiter, fehlt dem Gehirn Glukose. Es kann zu Müdigkeit, Kopfschmerzen, Seh- und Sprachstörungen, Angst und Unruhe, sogar zu Lähmungen kommen.
- Schwere Hypoglykämie: Sie kann zu einem Krampfanfall führen und zur Bewusstlosigkeit bis zum Koma. Sehr schnell können dabei Gehirnzellen untergehen.
Nach häufigen Hypoglykämien oder einem langjährigen Diabetes merken manche Menschen die Unterzuckerung erst bei den Spätsymptomen. Unter Sulfonylharnstoffen ist eine Hypoglykämie besonders gefährlich, weil sie bis zu 72 Stunden andauern kann.
Hypoglykämie heißt Blutzucker unter 50 mg/dl, Symptome schon unter 70 mg/dl möglich. Frühzeichen sind Schwitzen, Herzrasen und Zittern. Fällt der Blutzucker weiter, folgen neurologische Zeichen. Eine schwere Hypoglykämie kann bis zur Bewusstlosigkeit führen.
Therapie bei Hypoglykämie
Eine Hypoglykämie ist potenziell lebensbedrohlich. Ist die Bewusstseinslage unklar, solltest du vor allem bei bekanntem Diabetes immer eine Blutzuckerentgleisung in Betracht ziehen.
Der Mensch ist klar und ansprechbar: Es gilt erst essen, dann messen. Du solltest sofort schnell resorbierbare Kohlenhydrate geben, zum Beispiel:
- Traubenzucker, 2–4 Plättchen
- Limonade ohne Süßstoff
- Apfelsaft oder andere glukosehaltige Getränke, z. B. 100–200 ml
Die Symptome verschwinden dann meist schnell. Danach kannst du in Ruhe den Blutzucker messen.
Der Mensch ist bewusstlos: Du solltest Atmung und Puls kontrollieren und einen Arzt rufen. Er spritzt hochprozentige Glukoselösung intravenös. Danach wird der Blutzucker gemessen.
Der Gegenspieler des Insulins heißt Glukagon. Bei einer Hypoglykämie kann es als Notfallspritze subkutan oder als Nasenspray gegeben werden. Danach sollte der Mensch kohlenhydratreich essen, und der Blutzucker sollte noch einmal gemessen werden. Jede Hypoglykämie dokumentierst du in der Patientenakte.
Bei Bewusstlosigkeit unbekannter Ursache misst du immer den Blutzucker. Bei unklarem Koma gehst du von einer Hypoglykämie aus: nie Insulin, immer Glukose. Liegt doch eine Hyperglykämie vor, schaden 10 g Zucker nicht mehr. Bei einer Hypoglykämie kann Insulin dagegen tödlich sein.
Ansprechbar: erst essen, dann messen, also sofort Traubenzucker oder Limonade ohne Süßstoff. Bewusstlos: Atmung und Puls kontrollieren, Arzt rufen. Bei unklarem Koma nie Insulin, immer Glukose.
Nächtliche Hypoglykämie
Unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen kann es nachts zu Hypoglykämien kommen, meist zwischen 2 und 3 Uhr. Betroffen sein können auch Menschen, die tagsüber unauffällig sind.
Hinweise auf eine nächtliche Hypoglykämie:
- unruhiger Schlaf, Angstträume
- starkes Schwitzen im Schlaf, verändertes Atemgeräusch
- morgendliche Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit
- auffällig niedrige Blutzuckerwerte am Morgen
- aber auch ein erhöhter Morgenwert kann ein Hinweis auf eine nächtliche Hypoglykämie sein, wenn der Körper in der Nacht gegenreguliert hat (Somogyi-Phänomen, auch Somogyi-Effekt).
Menschen mit langjährigem Diabetes schlafen dabei häufig weiter. Dann fällt dir nur das vermehrte Schwitzen auf. Findest du einen Menschen nachts blass und kaltschweißig, weckst du ihn und kontrollierst den Blutzucker. Bei niedrigen Werten gibst du Kohlenhydrate: Schnell wirken Traubenzucker oder Apfelsaft, länger vor hält Brot. Ist er nicht weckbar, benachrichtigst du sofort den Arzt. Danach bestimmst du den Blutzucker und bereitest ggf. eine Glukoseinfusion vor.
Möglichst keine Schlafmittel geben: Die Zeichen einer nächtlichen Stoffwechselentgleisung können durch sie verschleiert werden.
Nachts blass, kaltschweißig, unruhig: wecken und Blutzucker messen. Nicht weckbar: sofort Arzt. Auch hinter einem hohen Morgenwert kann eine nächtliche Hypoglykämie stecken.
Hyperglykämie
Bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes kann der Stoffwechsel entgleisen. Der Blutzucker steigt dann akut zu hoch an. Auslöser sind zum Beispiel:
- eine nicht richtig angepasste Insulindosis oder andere Therapiefehler
- Infekte, Stress oder akute Erkrankungen können den Blutzucker ebenfalls erhöhen.
Zuerst sind die Zeichen meist unspezifisch. Der Mensch fühlt sich schwach und abgeschlagen. Häufig klagt er über Durst und häufiges Wasserlassen. Durch den Flüssigkeitsverlust kann es zu Bewusstseinsstörungen kommen. Im schlimmsten Fall folgt das lebensbedrohliche diabetische Koma (Coma diabeticum). Man unterscheidet zwei Formen:
Eine Ketoazidose kommt bei Kindern und Jugendlichen mit neu aufgetretenem Typ-1-Diabetes nicht selten vor. Als Komplikation kann sich ein Hirnödem bilden. Die Ketoazidose ist bei ihnen die häufigste Todesursache.
Das diabetische Koma ist eine Notfallsituation. Der Mensch muss umgehend auf die Intensivstation. Dort wird er behandelt und engmaschig überwacht.
Durst, häufiges Wasserlassen und Schwäche bei Infekt oder Therapiefehler: an eine Hyperglykämie denken. Kußmaul-Atmung und Azetongeruch sprechen für ein ketoazidotisches Koma, Exsikkose für ein hyperosmolares Koma. Beides ist ein Notfall.
Krank oder nüchtern
Krankheit und Nüchternheit bringen die Therapie durcheinander:
- Erbrechen: Gefährlich ist es nach einer Insulingabe. Die Dosis passt dann nicht mehr zur Kohlenhydratmenge, es droht eine Hypoglykämie. Ist die Übelkeit überwunden, sollte der Mensch versuchen, Kohlenhydrate über gesüßten Tee aufzunehmen. Engmaschig sollte der Blutzucker kontrolliert werden. Im Krankenhaus kann auch Glukose intravenös gegeben werden.
- Fieber und Infekte: Vor allem bei Typ-1-Diabetes kann der Stoffwechsel rasch entgleisen. Du kontrollierst die Körpertemperatur regelmäßig und misst bei Fieber häufiger den Blutzucker. In Belastungssituationen wie Fieber und Stress braucht der Körper mehr Insulin.
- Nüchtern vor Operation oder Untersuchung: Bei Typ 1 wird das Basalinsulin immer weiter gespritzt. Unter konventioneller Therapie wird das Morgeninsulin pausiert, zum Abendessen geht die Therapie weiter. Metformin wird bei Operationen und Kontrastmittel pausiert, Sulfonylharnstoffe bei Nüchternheit.
- Magenentleerungsstörung: Bei einer Neuropathie im Magen kann das Mahlzeiteninsulin wirken, während das Essen noch im Magen liegt. Es droht eine Hypoglykämie. Bei einer Operation gelten diese Menschen als nicht nüchtern, die Aspirationsgefahr ist hoch.
Findet sich Azeton im Urin, weist das als Alarmsignal immer auf eine Stoffwechselentgleisung hin. Behebt der Mensch sie nicht rasch mit Insulin und reichlich Trinken, muss er zum Arzt.
Erbrechen nach Insulin: Hypoglykämiegefahr, Kohlenhydrate wieder aufnehmen, engmaschig messen. Fieber: häufiger messen. Nüchtern bei Typ 1: Basalinsulin trotzdem spritzen.
Antidiabetika
Beim Typ-2-Diabetes werden verschiedene Antidiabetika eingesetzt. Für dich zählt: Wann wird gegeben, wie hoch ist die Hypoglykämiegefahr, worauf achtest du?
- Metformin: oral, nach dem Essen. Keine Hypoglykämiegefahr. Übelkeit, Blähungen und Magenbeschwerden sind typische Nebenwirkungen. Sehr selten, aber schwer ist die Laktatazidose. Deshalb werden die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert. Bei Operationen und Untersuchungen mit Kontrastmittel wird es pausiert, in der Regel vom Tag davor bis zum Tag danach. Bei schweren Operationen wird auch länger pausiert, ebenso bei akuten schweren Erkrankungen, zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder Schock.
- Sulfonylharnstoffe (z. B. Glibenclamid, Glimepirid): oral, vor dem Essen. Die Hypoglykämiegefahr ist sehr hoch und hält lange an. Besonders gefährlich ist sie nachts. Du achtest auf regelmäßige Kohlenhydrataufnahme. Bei Neueinstellung misst du den Blutzucker auch nachts gegen 2 Uhr. Muss der Mensch nüchtern sein, wird pausiert.
- Gliflozine (SGLT2-Hemmer): Glukose wird über den Urin ausgeschieden. Die Hypoglykämiegefahr ist sehr gering. Es drohen Blasen- und Genitalinfektionen und eine Ketoazidose, auch bei guten Blutzuckerwerten.
- Inkretinmimetika (z. B. Semaglutid, Liraglutid): Sie werden subkutan gespritzt, manche nur 1-mal wöchentlich. Keine Hypoglykämiegefahr. Typisch sind Übelkeit und Magenbeschwerden. Sie unterstützen eine Gewichtsreduktion.
- Gliptine (DPP-4-Hemmer): oral, nach dem Essen. Keine Hypoglykämiegefahr. Typisch sind Kopfschmerzen und Schwindel.
Wer mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen behandelt wird, sollte immer Traubenzucker bei sich haben. Zeigen sich erste Anzeichen einer Hypoglykämie, kann er ihn nehmen.
Metformin: keine Hypoglykämie, Pause bei OP und Kontrastmittel. Sulfonylharnstoffe: sehr hohe, lang anhaltende Hypoglykämiegefahr, besonders nachts. Gliflozine: Blasen- und Genitalinfektionen, Ketoazidose.
Beobachten
Im Krankenhaus und besonders im ambulanten Setting solltest du achtsam für Folgeerkrankungen sein. Wichtig sind vor allem:
- Blutdruck: Ist der Blutdruck gut eingestellt, verbessert das die Blutzuckereinstellung. Das Risiko für Folgeerkrankungen sinkt dadurch deutlich. Gemessen und dokumentiert werden sollte an beiden Armen.
- Körpergewicht: Kontrolliert und dokumentiert werden sollte es wöchentlich. Lagert der Körper durch eine Herz- oder Niereninsuffizienz Wasser ein, sollte täglich gewogen werden.
- Haut: An den Füßen achtest du auf kleinste Veränderungen. Veränderungen an den eigenen Füßen bemerken gerade ältere Menschen nicht.
- Sehstörungen: Starke Blutzuckerschwankungen können sie auslösen. Sehstörungen können auch ein Zeichen einer Hypoglykämie sein. Die Retinopathie zeigt Symptome erst spät. Deshalb sollte der Mensch mindestens jährlich zum Augenarzt gehen.
- Depression: Unter depressiven Verstimmungen leiden viele Menschen mit Diabetes. Die Folge sind oft Bewegungsmangel und eine vernachlässigte Therapie. Das verschlechtert die Blutzuckereinstellung.
- Infekte: Das Immunsystem ist bei Diabetes geschwächt. Am häufigsten sind Haut und Harnwege betroffen.
Ein schlecht eingestellter Blutzucker sollte nicht zu rapide gesenkt werden. Starke Schwankungen können am Auge Sehstörungen auslösen.
Bei Diabetes solltest du auf Zeichen von Folgeerkrankungen achten. Du beobachtest Blutdruck, Gewicht, Haut an den Füßen, Sehen, Stimmung und Zeichen von Infekten.
Ursachen und Formen
Die zwei häufigsten Typen unterscheiden sich darin, wie der Insulinmangel entsteht:
Sehr starke Risikofaktoren für den Typ-2-Diabetes sind neben Erbanlage und Alter: Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung. Inzwischen sind immer mehr jüngere Menschen betroffen, sogar Kinder und Jugendliche.
Typ 1: Autoantikörper zerstören die β-Zellen, es besteht ein absoluter Insulinmangel. Typ 2: Die Zellen werden resistent gegen Insulin, es besteht ein relativer Insulinmangel. Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsmangel sind dafür sehr starke Risikofaktoren.
Symptome
Typ-1-Diabetes: Das Krankheitsbild entwickelt sich oft rasch. Klassische Zeichen des Insulinmangels sind:
- Polyurie: häufiges Wasserlassen
- Polydipsie: gesteigertes Durstgefühl
Es können Zeichen eines Flüssigkeitsmangels und ein Gewichtsverlust bestehen. Unspezifisch sind Zeichen wie Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen.
Typ-2-Diabetes: Der Körper hat sich langsam an die erhöhten Werte gewöhnt. Lange Zeit zeigt er nur unspezifische Zeichen wie Müdigkeit und allgemeine Leistungsminderung. Hinzu kommen oft Harnwegsinfekte, Juckreiz und Pilzinfektionen der Haut. Durst und Polyurie kommen erst später dazu. Nicht selten fällt er zufällig bei einer Routineuntersuchung des Blutes auf.
Der Typ-2-Diabetes tritt häufig im Rahmen des metabolischen Syndroms auf. Zusätzlich zum Diabetes bestehen dabei Adipositas, eine arterielle Hypertonie und eine Fettstoffwechselstörung.
Typ 1 beginnt oft rasch mit Polyurie und Polydipsie, auch ein Gewichtsverlust kann bestehen. Typ 2 zeigt lange nur unspezifische Zeichen wie Müdigkeit und Leistungsminderung.
HbA1c
HbA1c ist Hämoglobin, an dem ein Molekül Glukose hängt. Bei hohen Blutzuckerwerten geschieht das verstärkt. Der Wert zeigt den mittleren Blutzucker der letzten 8–12 Wochen. Deshalb heißt er auch Langzeitblutzucker oder Blutzuckergedächtnis. Für die Blutabnahme muss der Mensch nicht nüchtern sein.
- Bei Gesunden liegt er unter 5,7 %.
- Ab 6,5 % spricht der Wert für einen Typ-2-Diabetes.
- Gemessen wird er sinnvollerweise alle 3 Monate.
Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wird das HbA1c-Ziel individuell vereinbart. Der Zielkorridor reicht von 6,5 % bis 8,5 %. Wo das Ziel liegt, hängt zum Beispiel von Lebenserwartung, Begleiterkrankungen, dem Risiko einer Hypoglykämie und den funktionellen und kognitiven Fähigkeiten des Menschen ab.
Das HbA1c zeigt den mittleren Blutzucker der letzten 8–12 Wochen. Ab 6,5 % spricht er für einen Typ-2-Diabetes. Das Ziel wird individuell vereinbart.
Therapie
Typ 1 und Typ 2 entstehen unterschiedlich und werden deshalb unterschiedlich behandelt. Bei beiden Formen ist das Ziel aber gleich: eine normale Blutzuckerkonzentration.
Die Diabetestherapie ruht auf drei Säulen:
- Ernährungsumstellung und Bewegung
- Schulung und Selbstkontrolle
- medikamentöse Therapie
Typ-1-Diabetes: Weil körpereigenes Insulin völlig fehlt, ist eine Insulintherapie lebenslang absolut notwendig. Rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, muss Insulin zur Verfügung stehen.
Typ-2-Diabetes: Eine Lebensstiländerung kann das Risiko für Folgeerkrankungen vermindern: viel Bewegung, gesunde Ernährung, Gewichtsabnahme, Nichtrauchen und eine gute Blutzuckereinstellung. Die medikamentöse Therapie beginnt in der Regel mit Metformin. Ob die Therapie wirkt, zeigt der HbA1c. Ist er zu hoch, wird die Behandlung individuell angepasst. Kombiniert wird dann mit Insulin oder mit weiteren Antidiabetika.
Im Vordergrund soll bei alten und pflegebedürftigen Menschen die Lebensqualität stehen. Stürze, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Demenz werden durch eine Unterzuckerung begünstigt.
Drei Säulen: Ernährung und Bewegung, Schulung und Selbstkontrolle, Medikamente. Typ 1 braucht lebenslang Insulin. Bei Typ 2 kommt zur Lebensstiländerung meist zuerst Metformin.
Ernährung
Früher gab es sehr strenge Ernährungsregeln. Weil sie die Stoffwechsellage nicht verbessert haben, wurden einige davon gelockert. Heute wird eine gesunde Mischkost empfohlen, mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.
- Lebensmittel „für Diabetiker geeignet“ wurden verboten. Ihre Fruktose wirkte sich negativ auf die Erkrankung aus.
- Nicht geeignet sind „Diät“- und „Light“-Produkte. Zum Teil haben sie mehr Kalorien.
- Zuckerhaltige Getränke wie Limonade, Cola und Fruchtsäfte sollten stark reduziert werden. Wasser, ungesüßter Tee und Kaffee können unbedenklich getrunken werden.
- Alkohol sollte nur in Maßen getrunken werden: Eine größere Menge blockiert die Glukoseneubildung in der Leber, es droht eine Unterzuckerung.
Die Ernährungsberatung macht in der Regel ein Diabetesberater oder Diätassistent. Er erstellt mit dem Menschen einen individuellen Kostplan. Gewohnheiten und bevorzugte Nahrungsmittel sollten in der Pflegeanamnese erfragt werden, damit sie im Plan berücksichtigt werden. Das gilt vor allem bei Kindern: Mit Anpassungen kommen sie besser zurecht als mit Verboten. Es sollte immer darauf geachtet werden, dass der Mensch satt ist. Vor allem ältere Menschen sollten ausreichend essen, sonst kann ein Muskelabbau (Sarkopenie) entstehen.
Kranke Menschen sind von der Pflicht zum Fasten im Ramadan ausgenommen. Möchte ein muslimischer Mensch dennoch fasten, braucht es eine Absprache mit Arzt und Pflegenden. Eine ausgelassene Mahlzeit kann unter Diabetestherapie eine Hypoglykämie auslösen.
Gesunde Mischkost mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn. Keine Diabetiker-, Diät- oder Light-Produkte, wenig zuckerhaltige Getränke, Alkohol nur in Maßen. Gewohnheiten erfragen, darauf achten, dass der Mensch satt ist.
Bewegung
Ebenso wichtig wie gesunde Ernährung ist regelmäßige Bewegung. Der Muskel verbraucht bei jeder Bewegung Glukose. Der Blutzucker sinkt, und die Zellen werden empfindlicher für Insulin. Auch Übergewicht und Bluthochdruck bessern sich durch körperliche Aktivität.
Typ-2-Diabetes: Bewegung, vor allem Ausdauertraining, verbessert die Insulinresistenz und die Stoffwechsellage. Nicht selten haben sie Angst vor Unterzuckerung, in aller Regel ungerechtfertigt. Treibt der Mensch gemeinsam mit anderen Sport, kann seine Motivation deutlich steigen, zum Beispiel in Sportgruppen. Beginnen sollte er vorsichtig, aber regelmäßig, das ist wichtig.
Die Hypoglykämiegefahr bei großer körperlicher Anstrengung sollte bekannt sein. Beim Sport braucht der Körper weniger Insulin.
Typ-1-Diabetes: Diese Menschen sind hypoglykämie- und ketoazidosegefährdet und treffen deshalb Vorsichtsmaßnahmen:
- Nur durch häufige Blutzuckerkontrollen vor, während und nach dem Sport findet der Mensch heraus, wie sein Blutzucker reagiert. Sport wirkt bis zu 48 Stunden nach.
- Er sollte immer genug Traubenzucker oder süße Getränke dabeihaben.
- Über die Erkrankung sollten Begleitpersonen Bescheid wissen.
Bei Typ-1-Diabetes gilt: Liegt der Blutzucker über 250 mg/dl, also 13,9 mmol/l, und sind Ketone im Urin positiv, darf kein Sport getrieben werden. Zuerst muss die Stoffwechsellage korrigiert werden.
Bewegung senkt den Blutzucker und macht die Zellen empfindlicher für Insulin. Typ 1 beim Sport: vorher, währenddessen und danach messen, Traubenzucker dabei. Über 250 mg/dl mit Ketonen im Urin: kein Sport.
Folgeerkrankungen
Je länger und je ausgeprägter der Blutzucker erhöht ist, umso eher treten Folgeerkrankungen auf. Geschädigt werden durch einen chronisch erhöhten Blutzucker vor allem die Nerven sowie die kleinen und großen Arterien:
- Diabetische Makroangiopathie: Arteriosklerose der großen und mittleren Blutgefäße. Folgen sind koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).
- Diabetische Retinopathie: Schäden an der Netzhaut, eine häufige Ursache für Erblindung.
- Diabetische Nephropathie: Schäden an den Nieren. Für Niereninsuffizienz und Nierenversagen sind sie eine häufige Ursache.
- Diabetische Neuropathie: meist als Polyneuropathie.
Retinopathie und Nephropathie entstehen durch Schäden an den kleinen Blutgefäßen, vor allem an den Kapillaren (Mikroangiopathie).
Bei der Neuropathie zeigen sich Schäden an sensorischen und motorischen Nerven vor allem an den Füßen. Zuerst zeigen sich Taubheitsgefühle, Kribbeln, Kältegefühle und Schmerzen. Später können Lähmungserscheinungen hinzukommen. Auch Fußdeformitäten sind möglich, z. B. Krallenzehen oder ein Charcotfuß (schmerzlose Brüche des Mittelfußes). Schäden an autonomen Nerven stören Organe, z. B. Störungen der Magen- und Blasenentleerung, Blutdruckabfall im Stehen, erhöhte Herzfrequenz in Ruhe, Erektionsprobleme.
Die koronare Herzkrankheit verläuft bei Menschen mit Diabetes häufig ohne warnende Schmerzen. Bei Übelkeit oder Druckgefühl im Magen solltest du an einen stummen Herzinfarkt denken.
Ein chronisch erhöhter Blutzucker schädigt große Gefäße (KHK, Schlaganfall, pAVK), kleine Gefäße (Retinopathie, Nephropathie) und Nerven (Polyneuropathie). Je länger und ausgeprägter, desto eher.
Diabetes mellitus
Beim Diabetes mellitus ist der Glukosestoffwechsel gestört. Die Erkrankung verläuft chronisch. Der Blutzucker ist zu hoch, weil Insulin fehlt:
- Beim absoluten Insulinmangel bildet der Körper kein Insulin mehr.
- Beim relativen Insulinmangel wirkt das Insulin nicht mehr richtig.
Im Volksmund heißt der Diabetes mellitus „Zuckerkrankheit“. Der Fachausdruck kommt aus dem Griechisch-Lateinischen und bedeutet „honigsüßer Durchfluss“. Gemeint ist der hohe Zuckergehalt im Urin.
Der Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung. Ein chronisch erhöhter Blutzucker kann bei beiden Diabetes-Typen zu zahlreichen Folgeerkrankungen führen.
Diabetes mellitus heißt: Der Glukosestoffwechsel ist chronisch gestört. Weil absoluter oder relativer Insulinmangel besteht, ist der Blutzucker zu hoch.
Weitere Formen
Neben Typ 1 und Typ 2 gibt es weitere Formen:
- Gestationsdiabetes: In der Schwangerschaft kann der Blutzucker durch Hormonumstellungen steigen. Die Gefahr, dass das Kind geschädigt wird, ist deutlich erhöht. Jede Schwangere soll nach den deutschen Mutterschaftsrichtlinien darauf getestet werden. Der Stoffwechsel normalisiert sich mit der Geburt wieder. Später ist aber das Risiko für einen Typ-2-Diabetes erhöht.
- Andere Ursachen: zum Beispiel Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Medikamente (Kortison), ein Morbus Cushing oder eine vererbte Fehlfunktion der β-Zellen (MODY).
6–12 Wochen nach der Geburt bekommt die Mutter erneut einen Glukosetoleranztest. Wegen des erhöhten Risikos für einen späteren Typ-2-Diabetes soll sie ihren Lebensstil dauerhaft umstellen.
Mit der Geburt normalisiert sich ein Gestationsdiabetes wieder, das spätere Risiko für einen Typ-2-Diabetes ist aber erhöht. Auch Medikamente wie Kortison können einen Diabetes auslösen.
Kohlenhydrate
Kohlenhydrate lassen den Blutzucker unterschiedlich schnell steigen:
- Langsam resorbierbar: Vollkornprodukte bestehen aus komplex aufgebauten Zuckern. Der Blutzucker steigt langsam. Den Großteil der Nahrung sollten sie ausmachen.
- Schnell resorbierbar: Aus einfachen Zuckern bestehen Süßigkeiten, Kekse oder Eis. Der Blutzucker steigt schnell. In Maßen sollten sie gegessen werden.
Haushaltszucker ist in geringen Mengen erlaubt. Mit Fett oder Eiweiß zusammen gegessen, gelangt die Glukose langsamer ins Blut. Der glykämische Index (GLYX) zeigt, wie schnell ein Lebensmittel den Blutzucker steigen lässt. Glukose hat den Wert 100. Ein niedriger GLYX bedeutet: Der Blutzucker steigt langsamer.
Kohlenhydrate werden in BE (Berechnungs- oder Broteinheiten) oder KE (Kohlenhydrateinheiten) gezählt. 1 BE enthält ca. 12 g Kohlenhydrate, 1 KE ca. 10 g. Wie genau ein Mensch rechnen muss, hängt von seiner Therapie ab:
- orale Antidiabetika: keine BE berechnen, aber die Wirkung der verschiedenen Kohlenhydrate sollte bekannt sein und berücksichtigt werden
- konventionelle Insulintherapie: nach dem Spritzen ausreichend Kohlenhydrate essen, die BE berechnen
- intensivierte Insulintherapie: Die Insulindosis richtet sich nach der Kohlenhydratmenge und dem aktuellen Blutzucker.
Der BE-Faktor gibt an, wie viel Insulin für 1 BE nötig ist. Er ist bei jedem Menschen anders und schwankt über den Tag. Beispiel: 2 BE mal BE-Faktor 2 ergibt 4 IE Insulin. Vor dem Spritzen wird außerdem der aktuelle Blutzucker gemessen.
Vollkorn lässt den Blutzucker langsam steigen, Süßigkeiten schnell. 1 BE sind ca. 12 g, 1 KE ca. 10 g Kohlenhydrate. Unter Insulin müssen Insulindosis und Kohlenhydratmenge übereinstimmen.
Schulung
Wird ein Diabetes neu festgestellt, ist die Hauptaufgabe der Pflege begleiten, anleiten und beraten. Die Diagnose ist oft ein Schock. Du nimmst dir Zeit für Gespräche und vermittelst Kontakt zu Informationsstellen, Selbsthilfegruppen oder spezialisierten Fachpraxen und -kliniken. Wer schon lange Diabetes hat, ist oft gut geschult. Dann unterstützt du nur dort, wo er gerade eingeschränkt ist.
Strukturierte Schulungsprogramme finden meist in Kleingruppen statt, durch Diabetesberater oder Diabetesassistenten. Wichtig ist, Bezugspersonen mitzuschulen. Mögliche Schwerpunkte sind:
- Angst reduzieren, zum Beispiel vor Injektionsnadeln oder vor Entgleisungen
- Medikamente: selbst den Blutzucker messen und Insulin nach Plan spritzen
- Zusammenhang einschätzen: Wie wirken Ernährung und Bewegung auf den Blutzucker?
- Entgleisungen vorbeugen, früh erkennen und richtig reagieren
- Blutzuckertagebuch führen: Gemessener Blutzucker und gespritztes Insulin sollten dokumentiert werden. So lässt sich die Insulintherapie besser beurteilen.
Auch bei Menschen, die schon lange spritzen („alte Hasen“), ist es sinnvoll, hin und wieder die Insulininjektion auf Fehler zu prüfen.
Pflegefachpersonen vermitteln alle nötigen Informationen zum korrekten Umgang mit dem Pen, zum Beispiel zum Patronenwechsel, und zur Durchführung der Injektion.
Neu erkrankt: begleiten, anleiten, beraten, Zeit für Gespräche. Schulung mit Bezugspersonen: Angst nehmen, messen und spritzen, Ernährung und Bewegung, Entgleisungen, Tagebuch. Auch bei erfahrenen Menschen das Spritzen hin und wieder prüfen.
Prävention
Vorbeugen kann jeder einem Diabetes grundsätzlich mit gesunder Ernährung: viel Gemüse und Obst, weniger Fleisch, weniger Fertiggerichte und Fast Food. Wer ein hohes Diabetesrisiko hat, sollte speziell geschult werden. Mit Ernährung, langsamer Gewichtsreduktion und strukturierten Bewegungsprogrammen lässt sich der Ausbruch ggf. verzögern oder sogar vermeiden.
Mit dem FINDRISK-Test lässt sich das Diabetesrisiko ermitteln. Er fragt nach Alter, Übergewicht, Bluthochdruck und erblicher Belastung.
Der Typ-2-Diabetes tritt immer häufiger schon bei jüngeren Menschen auf. Auch die frühe Prävention im Kindergarten und in der Schule ist deshalb sehr wichtig. Eltern gefährdeter Kinder kannst du diese Informationen geben:
- Vorsicht bei sog. Kinderlebensmitteln: Sie haben durch viel Zucker und/oder Fett häufig mehr Kalorien.
- Vorsicht bei zuckerhaltigen Getränken: Täglich 500 ml Cola zusätzlich zur normalen Nahrung ergeben 1 kg Gewichtszunahme im Monat. Eistee, Energydrinks und Fruchtsäfte haben ähnlich viele Kalorien.
- Bewegung fördern: Viele Kinder bewegen sich zu wenig. Überernährung und Bewegungsmangel führen zu Übergewicht mit erhöhtem Diabetesrisiko.
Vorbeugen mit gesunder Ernährung und Bewegung. Bei hohem Risiko: Schulung, langsame Gewichtsreduktion, strukturierte Bewegungsprogramme. Bei Kindern: Vorsicht bei Kinderlebensmitteln und zuckerhaltigen Getränken.
Entlassung und Alltag
Vor der Entlassung muss die Weiterbehandlung gesichert sein. Geregelt sein muss:
- Der Mensch kennt die Risiken des Diabetes und weiß, wie seine Medikamente wirken.
- Seine Therapie kann er allein durchführen, zum Beispiel Insulin spritzen und Blutzucker messen. Kann er das nicht, übernehmen Angehörige oder ein Pflegedienst.
- Medikamente und Hilfsmittel sind zu Hause.
- Ein Termin beim Hausarzt steht.
- Für Familie und Bezugspersonen sind weiterführende Betreuungsangebote geplant.
- Er hat eine Telefonnummer für Fragen.
- Die Versorgung von Wunden ist sichergestellt.
Menschen mit Typ-2-Diabetes können sich bei der Krankenkasse kostenlos für ein Disease-Management-Programm (DMP) einschreiben. Alle 3 Monate werden HbA1c, Blutdruck und Gewicht kontrolliert. In festen Abständen werden Herz, Nieren, Augen und Füße untersucht.
Unterwegs: Einen Notfallausweis sollte der Mensch immer dabeihaben. Auf Reisen sollte er genug Insulin und Medikamente mitnehmen. Im Flugzeug sollte Insulin wegen der Frostgefahr ins Handgepäck. Bei Insulin und Sulfonylharnstoffen sollte er immer Traubenzucker dabeihaben.
Menschen mit Diabetes haben keine Einschränkungen bei der Jobausübung. Bei Tätigkeiten mit Eigen- oder Fremdgefährdung, zum Beispiel als Busfahrer oder Dachdecker, braucht es eine stabile Stoffwechsellage. Der Mensch muss Entgleisungen früh erkennen und darauf reagieren können.
Vor der Entlassung: Wissen über Medikamente und Risiken, selbst messen und spritzen oder Hilfe organisiert, Hilfsmittel zu Hause, Hausarzttermin, Betreuungsangebote für die Familie, Telefonnummer, Wundversorgung. Einen Notfallausweis sollte der Mensch immer dabeihaben.
Kinder und Jugendliche
Bekommt ein Kind die Diagnose, werden die Eltern von Beginn an in Pflege und Therapie einbezogen. Sie sind in einer emotionalen Ausnahmesituation. Je nach Alter übernimmt das Kind selbst mehr Verantwortung:
- Kindergarten und Vorschule: Das Verständnis für die Krankheit fehlt noch. Einfache Fragen mit eigener Entscheidung fördern die Mitarbeit, zum Beispiel: Welcher Finger wird für die Messung genommen?
- Grundschule: Nach altersgerechter Anleitung können Kinder Blutzucker messen und Insulin spritzen. Langzeitfolgen sind noch nicht greifbar, deshalb helfen kurzfristige Ziele.
- Jugendliche: Ihre Therapie können Jugendliche eigenverantwortlich managen. Vernachlässigung und Schummeln kommen vor und sind normal. Immer wieder sollte ihnen vor Augen geführt werden, wie wichtig eine kontinuierliche Therapie ist.
Mitgeschult werden auch Erzieher, Lehrer oder Trainer. Auch diese Menschen müssen Entgleisungen erkennen und wissen, was zu tun ist.
Die veränderte Familiensituation erleben Geschwister oft als Gefahr. Im Mittelpunkt steht das erkrankte Kind. Das kann Wut, Angst und Verunsicherung auslösen. Es besteht die Gefahr des „Schattenkindes“.
Eltern von Anfang an einbeziehen. Kleine Kinder entscheiden mit, Grundschulkinder können nach Anleitung selbst messen und spritzen, Jugendliche managen eigenverantwortlich. Geschwister nicht vergessen.