Thema

Herzinsuffizienz

Situationen

Frau Schmidt, 85 — Wasser in den BeinenInnere Station, zweiter Tag: Eine Frau schläft im Sessel, ihre Knöchel sind dick, und die Waage zeigt 1,5 kg mehr als gestern. Was ihre Zeichen sagen und was du jetzt tust.Frau Schmidt — in der NachtKurz nach eins, Innere Station: Eine Frau ringt nach Luft, in ihrer Brust brodelt es. Was sich am Abend schon gezeigt hat, was du in den ersten Minuten tust und worauf du bei der Wassertablette achtest.Frau Schmidt — ich brauche nicht vielEntlassungstag: Die Tochter fragt, ob ihre Mutter weniger trinken soll, und die Mutter lässt an Arzttagen die Wassertablette weg. Was du den beiden erklärst und was du der Weiterversorgung schreibst.

Wissen zum Nachlesen

Inhalt · 17 Bausteine
  1. Aufbau des Herzens
  2. Was eine Herzinsuffizienz ist
  3. Linksherz- und Rechtsherzinsuffizienz
  4. Ödeme
  5. Gewicht und Flüssigkeitsbilanz
  6. Beobachten
  7. Die NYHA-Stadien
  8. Dekompensation erkennen
  9. Akutes Lungenödem
  10. Medikamente und ihre Beobachtung
  11. Körperpflege
  12. Trinkmenge und Salz
  13. Ernährung und Gewicht
  14. Schulung und Selbstmanagement
  15. Medikamentenmanagement
  16. Begleitung und Entlassung
  17. Training und Alltagsaktivität
Pflege-Wissen

Aufbau des Herzens

Olga fragt: „Was heißt das, links und rechts? Mama hat doch nur ein Herz.“
Längsschnitt durch alle vier Räume des Herzens von vorn, daneben oben rechts die Lunge. Im Bild links die rechte Herzhälfte mit rechtem Vorhof und rechter Kammer, im Bild rechts die linke Herzhälfte mit linkem Vorhof und linker Kammer, dazwischen die Herzscheidewand. Blaue Pfeile: aus dem Körper über die obere und untere Hohlvene in den rechten Vorhof, von dort über die Trikuspidalklappe weiter zur rechten Kammer und über die Lungenarterie zur Lunge. Der Weg von der rechten Kammer zur Lungenarterie ist gestrichelt, weil die Pulmonalklappe in diesem Schnitt nicht zu sehen ist. Rote Pfeile: aus der Lunge zum linken Vorhof (über die Lungenvenen), von dort über die Bikuspidalklappe (Mitralklappe) weiter zur linken Kammer und über die Aorta in den Körper. Nummerierte Punkte, die Bezeichnungen stehen als Legende darunter.12345678910111213
  1. 1 obere Hohlvene
  2. 2 untere Hohlvene
  3. 3 rechter Vorhof
  4. 4 Trikuspidalklappe
  5. 5 rechte Kammer
  6. 6 linke Lungenarterie
  7. 7 Lunge
  8. 8 linke Lungenvenen
  9. 9 linker Vorhof
  10. 10 Bikuspidalklappe (Mitralklappe)
  11. 11 linke Kammer
  12. 12 Aorta
  13. 13 Herzscheidewand (Septum)

Das Herz ist ein kräftiger Muskel. Es arbeitet als Pumpe. Die Herzscheidewand (Septum) teilt das Herz in zwei Hälften, rechts und links. In jeder Hälfte liegen zwei Räume: eine Kammer (Ventrikel) und ein Vorhof (Atrium).

Herzkammern

In den Lungenkreislauf pumpt die rechte Herzkammer das Blut, in den Körperkreislauf die linke.

Im Lungenkreislauf fließt das sauerstoffarme, kohlendioxidreiche Blut zur Lunge. Dort gibt es Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. Dann fließt es zurück zum Herzen. Im Körperkreislauf gelangt das sauerstoffreiche Blut aus dem Herzen zu den Organen. Dort gibt es den Sauerstoff ab und fließt sauerstoffarm zum Herzen zurück.

So fließt das Blut durch das Herz:

  1. rechter Vorhof

    Über die obere und untere Hohlvene kommt sauerstoffarmes Blut aus dem Körper in den rechten Vorhof.

  2. rechte Herzkammer

    Es fließt durch die Trikuspidalklappe weiter in die rechte Kammer. Durch die Pulmonalklappe pumpt sie es in den Truncus pulmonalis („Lungenstamm“). Über die Lungenarterien gelangt es in die Lunge.

  3. linker Vorhof

    Aus der Lunge kommt das Blut sauerstoffreich zurück. Über die Lungenvenen gelangt es in den linken Vorhof.

  4. linke Herzkammer

    Durch die Bikuspidalklappe (Mitralklappe) fließt es in die linke Kammer. Durch die Aortenklappe pumpt sie es in die Hauptschlagader (Aorta). So gelangt es in den Körperkreislauf.

Die Vorhöfe leiten das Blut weiter in ihre Kammer. Es kommt aus den zuführenden Gefäßen. Oben hat jeder Vorhof eine Ausstülpung, das Herzohr. Die vier Herzklappen haben vor allem eine Aufgabe: Das Blut soll nur in eine Richtung fließen.

Die linke Kammer muss einen hohen Druck aufbauen. Ihre Wand ist deshalb ca. 10–12 mm dick. Im Lungenkreislauf herrscht ein wesentlich geringerer Druck. Mit 3–4 mm ist die Wand der rechten Kammer deshalb deutlich dünner.

Faustregel

Rechts: Körper → rechter Vorhof → rechte Kammer → Lunge. Links: Lunge → linker Vorhof → linke Kammer → Körper.

Pflege-Wissen

Was eine Herzinsuffizienz ist

Frau S. ist 85. Seit Wochen sind ihre Beine abends dick, und schon auf dem Weg zur Toilette bekommt sie schlecht Luft.

Eine Herzinsuffizienz liegt vor, wenn die Kraft des Herzens nicht mehr genügt, um ausreichend Blut auszuwerfen. Das Blut staut sich dann zurück in die Peripherie. Die Sauerstoffversorgung der nachfolgenden Organe kann dann nicht mehr ausreichen. Eine eigenständige Krankheit ist die Herzinsuffizienz nicht. Sie ist eher ein Syndrom und die Folge verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Herz kann auf zwei Arten versagen:

  • Vorwärtsversagen: Das Herzzeitvolumen ist zu gering. Der Sauerstoffbedarf im Körper kann nicht gedeckt werden.
  • Rückwärtsversagen: Das Blut, das zum Herzen kommt, wird nicht ausreichend weitertransportiert. Es kommt zum Stau vor der jeweiligen Herzhälfte.

Zu einer Herzinsuffizienz können fast alle Herzerkrankungen führen. Einer chronischen Herzinsuffizienz liegen beim Erwachsenen am häufigsten eine arterielle Hypertonie und eine KHK zugrunde, zusammen etwa 70–90 % der Fälle. Oft treten beide zusammen auf. Weitere Ursachen sind zum Beispiel:

  • entzündliche Herzmuskelerkrankungen und Kardiomyopathien
  • Erkrankungen der Herzklappen
  • Herzrhythmusstörungen
  • angeborene Herzfehler
Faustregel

Bei einer Herzinsuffizienz wirft das Herz nicht mehr genug Blut aus. Das Blut staut sich zurück, und die Organe bekommen zu wenig Sauerstoff. Einer chronischen Herzinsuffizienz liegen beim Erwachsenen am häufigsten eine arterielle Hypertonie und eine KHK zugrunde.

Pflege-Wissen

Ödeme

Beim Waschen drückst du mit dem Finger auf das Schienbein von Frau S. Die Delle bleibt eine Weile stehen.

Ödeme sind pathologische, also krankhafte Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe.

Ödeme

Bei einer Herzinsuffizienz treten häufig kardial bedingte Ödeme auf. Sie sind weich, wenn du sie wegdrückst. Typischerweise bleibt danach eine Delle bestehen. Ödeme durch eine Lymphabflussstörung oder eine Schilddrüsenunterfunktion sind dagegen derber. Sie lassen sich nicht wegdrücken: Ihre ursprüngliche Form nehmen sie sofort wieder an.

Kardial bedingte Ödeme siehst du typischerweise an den Unterschenkeln, vor allem nach längerem Sitzen. Sie entstehen vor allem im Laufe des Tages. Über Nacht gehen sie wieder zurück. Bei starker Ausprägung kann es auch die oberen Extremitäten betreffen. Liegt ein Mensch vorwiegend, sammeln sich die Ödeme der Schwerkraft folgend am tiefsten Punkt des Körpers. Das ist oft die Gesäßgegend, der Rücken oder die Flanken. Das heißt Anasarka.

Durch die eingelagerte Flüssigkeit nimmt das Gewicht zu. Deshalb ist bei einer Herzinsuffizienz die engmaschige Kontrolle des Körpergewichts besonders wichtig.

Faustregel

Kardial bedingte Ödeme sind weich, eine Delle bleibt stehen. Sie sitzen meist an den Unterschenkeln, bei Menschen, die vorwiegend liegen, am tiefsten Punkt des Körpers.

Pflege-Wissen

Gewicht und Flüssigkeitsbilanz

Frau S. wiegt heute früh 1,5 kg mehr als gestern. „Ich habe doch kaum etwas gegessen“, sagt sie.

Bei einer Herzinsuffizienz kontrollierst du das Gewicht täglich. So erkennst du Wassereinlagerungen (Ödeme) schnell. Eine rasche Gewichtszunahme kommt von einer Wassereinlagerung. Ist die Herzinsuffizienz akut oder chronisch dekompensiert, muss eine genaue Flüssigkeitsbilanz erstellt werden: Einfuhr und Ausfuhr. Alternativ kann der Mensch täglich gewogen werden.

Bei einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz empfiehlt die Leitlinie: Mindestens täglich sollte der Mensch auf Zeichen und Symptome der Volumenbelastung untersucht werden. Auch Körpergewicht und Flüssigkeitsbilanz (Ein- und Ausfuhr, gegebenenfalls mit Blasenkatheter) sollten mindestens täglich kontrolliert werden. Herzfrequenz, Blutdruck, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung sollen bis zur Stabilisierung mehrmals am Tag kontrolliert werden. Die Zeichen selbst zu beobachten ist wichtig, weil die Messung von Gewicht, Einfuhr und Ausfuhr nicht immer zuverlässig ist.

Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz soll empfohlen werden, ihr Gewicht täglich zu messen und zu dokumentieren. Bei einem unüblichen, kurzfristigen Gewichtsanstieg benachrichtigen sie den behandelnden Arzt. Als Orientierung dienen Erfahrungswerte:

  • Zunahme von mehr als 1 kg über Nacht
  • Zunahme von mehr als 2 kg innerhalb von drei Tagen
  • Zunahme von mehr als 2,5 kg in einer Woche

Hilfreich kann ein Herztagebuch sein. Darin trägt der Mensch täglich Gewicht, Puls und Blutdruck ein und kontrolliert Stauungszeichen, zum Beispiel an der Atmung und an Beinödemen. So werden Vitalzeichen und Verhaltensänderungen nachvollziehbar, und Ursachen für eine Verschlechterung lassen sich leichter erfassen.

Faustregel

Täglich wiegen: Eine rasche Gewichtszunahme ist eingelagertes Wasser. Als Orientierung gilt: Bei mehr als 1 kg über Nacht, mehr als 2 kg in drei Tagen oder mehr als 2,5 kg in einer Woche den Arzt benachrichtigen.

Pflege-Wissen

Beobachten

Vor der Morgenpflege zählst du bei Frau S. den Puls. Er ist unregelmäßig.

Bei Menschen mit Herzerkrankungen kontrollierst und dokumentierst du die Vitalparameter engmaschig. Auffälligkeiten und Veränderungen teilst du dem Arzt mit. Puls und Blutdruck geben dir wichtige Hinweise auf die Pumpfunktion des Herzens. Bei akuten kardialen Erkrankungen sollten sie 2–3-mal täglich kontrolliert werden und zusätzlich während körperlicher Belastung, zum Beispiel bei der morgendlichen Grundpflege. Die Messintervalle in der Langzeitpflege legt der Arzt fest.

Worauf du dabei achtest:

  • Puls: Zähle eine volle Minute lang aus, um Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Eine Tachykardie (über 100 Schläge/min) kann zum Beispiel auf eine Herzrhythmusstörung oder eine Überanstrengung des erkrankten Herzens hinweisen. Eine Bradykardie (unter 60 Schläge/min) kann unter anderem ein akutes Problem anzeigen oder auf eine Nebenwirkung hinweisen, zum Beispiel von Betablockern.
  • Blutdruck: Häufig nehmen Menschen mit einer Herzerkrankung Medikamente, die den Blutdruck senken, zum Beispiel ACE-Hemmer oder Betablocker. Ihre Wirkung solltest du mit regelmäßigen Blutdruckkontrollen überwachen.
  • Atmung: Ein beginnendes Lungenödem kann sich zeigen durch Dyspnoe, schaumigen Auswurf, (Reiz-)Husten, Zyanose und Rasselgeräusche.
  • Haut: zum Beispiel eine Stauungsdermatitis bei Beinödemen.
  • Weiteres: Flüssigkeitsbilanz, Gewicht und Nebenwirkungen der Medikamente.

Vor Beginn jeder Pflegehandlung schätzt du die Belastbarkeit ein. Das ist wichtig. Dazu solltest du den Menschen nach seinem aktuellen Befinden fragen. Während des kurzen Gesprächs beobachtest du ihn und achtest auf Schwäche, Luftnot und weitere Zeichen von Kreislaufbeschwerden. Vor allem vor einer Mobilisation solltest du außerdem Blutdruck und Puls messen. Vor und nach jeder pflegerischen Maßnahme solltest du immer wieder nach dem Befinden fragen und dabei Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung beachten.

Abweichungen

Im Normbereich sollten sich Puls und Blutdruck befinden. Auffälligkeiten wie eine Tachykardie oder eine Hypertonie belasten das Herz. Vor allem wenn sie neu auftreten, solltest du sie dem Arzt mitteilen.

Faustregel

Den Puls solltest du eine volle Minute auszählen, um Rhythmusstörungen zu erkennen. Neue Auffälligkeiten bei Puls und Blutdruck teilst du dem Arzt mit. Vor jeder Pflegehandlung fragst du nach dem Befinden.

Pflege-Wissen

Die NYHA-Stadien

„Bis zum Bad komme ich noch“, sagt Frau S. „Dann muss ich mich setzen.“ Im Sitzen hat sie kaum Beschwerden.

Die NYHA-Klassifikation (New York Heart Association) teilt die Herzinsuffizienz nach den Symptomen in vier Stadien ein. International gilt sie als bewährter Standard:

  • NYHA I: bei normaler Belastung keine Beschwerden; eine eingeschränkte Pumpfunktion ist aber in Untersuchungen nachgewiesen
  • NYHA II: Beschwerden bei stärkerer körperlicher Belastung, die Leistungsfähigkeit ist leicht eingeschränkt
  • NYHA III: ausgeprägt eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Beschwerden schon bei geringer Belastung, etwa beim einfachen Gehen
  • NYHA IV: Beschwerden, vor allem Dyspnoe, schon in Ruhe

Im klinischen Alltag häufiger anzutreffen ist die Einteilung nach der Ejektionsfraktion (EF). Auch die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie benutzt sie. Die EF ist der prozentuale Anteil an Blut, der pro Herzschlag ausgestoßen wird. Bestimmt wird sie mit der Echokardiografie:

  • HFpEF, Herzinsuffizienz mit erhaltener EF: über 50 %
  • HFmEF, Herzinsuffizienz mit mittelgradig eingeschränkter EF: 41–49 %
  • HFrEF, Herzinsuffizienz mit reduzierter EF: unter 40 %
Faustregel

NYHA I: bei normaler Belastung keine Beschwerden. NYHA II: Beschwerden bei stärkerer Belastung. NYHA III: schon bei geringer Belastung. NYHA IV: schon in Ruhe.

Pflege-Wissen

Dekompensation erkennen

Olga ruft auf Station an: „Mama schafft seit zwei Tagen nicht mal mehr den Weg ins Bad. Nachts sitzt sie im Bett und keucht.“

Über die Anzeichen einer Dekompensation müssen Menschen mit einer Herzinsuffizienz informiert werden. So lassen sich Komplikationen verhindern oder früh erkennen. Anzeichen sind:

  • geringere Belastbarkeit
  • nächtliche Atemnot
  • zunehmende Ödeme

Siehst du Hinweise auf eine drohende Dekompensation, zum Beispiel zunehmende Beinödeme oder abnehmende Belastbarkeit, informierst du einen Arzt. Zeichen und Symptome einer akuten Herzinsuffizienz setzen rapide ein oder verschlechtern sich rapide, in weniger als 48 Stunden. Menschen mit solchen Zeichen sollen laut Leitlinie unverzüglich stationär eingewiesen werden, sofern keine palliative Situation vorliegt.

Typische Symptome einer dekompensierten Herzinsuffizienz:

  • Atemnot schon bei geringer Belastung, Müdigkeit, Husten
  • periphere Ödeme und eine Zunahme von Gewicht oder Bauchumfang (Aszites)
  • Zeichen einer Minderdurchblutung: kalte Extremitäten, marmorierte Haut, Zyanose, geringe Urinausscheidung, Bewusstseinsstörung wie Verwirrung, Schwindel oder Schläfrigkeit

Für sich allein ist jedes dieser Symptome unspezifisch. Zusammen können sie eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz aber sehr wahrscheinlich machen.

Ausgelöst wird eine Dekompensation häufig durch akute kardiale Ursachen wie eine Ischämie, einen Herzinfarkt oder eine Arrhythmie. Weitere Auslöser sind Infektionen, unkontrollierte Begleiterkrankungen, eine hypertensive Entgleisung, Medikamente wie NSAR und die Nichtadhärenz gegenüber Therapieempfehlungen. Bei älteren Menschen ist die Nichtadhärenz häufig die Ursache. Auch zu viel Flüssigkeit kann eine Dekompensation auslösen.

Faustregel

Zeichen einer Dekompensation sind nächtliche Atemnot, zunehmende Ödeme und eine geringere Belastbarkeit. Siehst du Hinweise darauf, informierst du einen Arzt.

Pflege-Wissen

Akutes Lungenödem

Nachts klingelt Frau S. Sie sitzt aufrecht und ringt nach Luft. Schon an der Tür hörst du es in ihrer Brust brodeln.

Bei einem akuten Lungenödem sammelt sich seröse Flüssigkeit im Lungeninterstitium und/oder in den Lungenalveolen. Es ist eine lebensbedrohliche Atemstörung. Häufigste Ursache ist die akute Linksherzinsuffizienz, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt: Weil das linke Herz zu schwach pumpt, staut sich das Blut im Lungenkreislauf. Menschen mit einem Lungenödem sind akut lebensbedroht und brauchen sofort intensivmedizinische Betreuung.

So zeigt sich ein Lungenödem:

  • Am Anfang stehen Atemnot und Husten (Asthma cardiale). Rasch nimmt die Atemnot zu.
  • Ohne Stethoskop hörst du brodelnde, feuchte Rasselgeräusche (Distanzrasseln).
  • Der Mensch hustet schaumig-rotes Sputum ab und ist zyanotisch.
  • Bei sinkendem Blutdruck steigt die Herzfrequenz schnell an.
  • Er ist unruhig und hat Todesangst.

Was du sofort tust:

  • Den Menschen möglichst nicht allein lassen, Ruhe vermitteln, Hilfe holen (Kolleginnen, Arzt).
  • In die Herzbettlage bringen, wenn der systolische Blutdruck über 100 mmHg liegt. Beengende Kleidung lockern.
  • Monitor-EKG, Pulsoxymetrie und automatische Blutdruckmessung anlegen; Vitalzeichen kontrollieren, die Atmung beobachten.
  • Sauerstoff nach Anordnung, wenn die Sauerstoffsättigung unter 90 % liegt, bei Ruhedyspnoe oder bei klinischen Zeichen einer Hypoxie wie Zyanose, Verwirrtheit oder Tachypnoe.
  • Einen venösen Zugang legen (lassen).
  • Die ärztlich angeordneten Medikamente vorbereiten, geben und überwachen, beim kardialen Lungenödem zum Beispiel Furosemid intravenös.

Hohe Sauerstoffkonzentrationen können schaden. Eine Hyperoxie ist deshalb zu vermeiden, vor allem, wenn ein akutes Koronarsyndrom als Auslöser vermutet wird.

Danach beobachtest du Blutdruck, Puls und Atmung (Brodeln? Dyspnoe? Sputum?), die Haut (Zyanose? Blässe? Kaltschweißigkeit?), die Sauerstoffsättigung, die Temperatur, die Urinausscheidung mit Flüssigkeitsbilanz und die Bewusstseinslage. Anfangs hält der Mensch Bettruhe, danach wird er nach Arztanordnung mobilisiert. Je nach Grad der Immobilität führst du die erforderlichen Prophylaxen durch. In der Akutphase bleibt er nüchtern, danach bekommt er leicht verdauliche Kost. Nach der Akutphase achtest du auf die angeordnete Trinkmengenbeschränkung und bietest häufiger Mundpflege an. Das Gewicht kontrollierst du regelmäßig: So siehst du, ob das Ausschwemmen wirkt, und erkennst weitere Flüssigkeitsansammlungen rechtzeitig.

Faustregel

Ein Lungenödem ist lebensbedrohlich. Du lässt den Menschen möglichst nicht allein und holst Hilfe, lagerst ihn bei einem systolischen Blutdruck über 100 mmHg in die Herzbettlage und gibst Sauerstoff nach Anordnung, wenn die Sättigung unter 90 % liegt.

Pflege-Wissen

Medikamente und ihre Beobachtung

Frau S. bekommt seit gestern Furosemid. In der Nacht ist sie dreimal zur Toilette gegangen, beim dritten Mal ohne zu klingeln.

Die Medikamente sollen das Herz entlasten. Die Aktivität des Sympathikus ist hoch. Davor sollen sie das Herz außerdem schützen. So soll die Erkrankung nicht rasch fortschreiten. Meist werden mehrere Wirkstoffgruppen kombiniert. Für jede kennst du, worauf du achten musst:

  • ACE-Hemmer (zum Beispiel Ramipril, Enalapril): Sie weiten die arteriellen Gefäße und senken so die Nachlast. Gefahr: eine Hypotonie, vor allem bei der Ersteinnahme. Deshalb wird der Mensch schrittweise eingestellt, mit engmaschigen Blutdruckkontrollen. Ein Reizhusten ist möglich; belastet er den Menschen, informierst du den Arzt. Bei Nebenwirkungen sind Angiotensinrezeptorblocker eine Alternative.
  • Betablocker (zum Beispiel Bisoprolol, Metoprolol): Vor zu starker Sympathikusaktivierung schützen sie das Herz, und sie senken die Herzfrequenz. Gefahr: eine Bradykardie, deshalb kontrollierst du regelmäßig den Puls. Außerdem besteht die Gefahr eines Asthmaanfalls.
  • Diuretika („Wassertabletten“, zum Beispiel Furosemid, Hydrochlorothiazid): Sie schwemmen Ödeme aus. Das Blutvolumen sinkt, die Vorlast sinkt, das Herz wird entlastet. Gefahr: Stürze beim (nächtlichen) Toilettengang. Sturzgefährdete Menschen forderst du auf, sich für den Toilettengang zu melden. Außerdem können die Elektrolyte entgleisen, besonders das Kalium. Neu auftretende Herzrhythmusstörungen (Pulsarrhythmie!) beachtest du und meldest sie dem Arzt.
  • Aldosteronantagonisten (MRA, zum Beispiel Spironolacton, Eplerenon): Sie kommen zusätzlich dazu, wenn ein Mensch trotz ACE-Hemmern und Betablockern noch Beschwerden hat. Nierenwerte und Kalium werden während der Therapie regelmäßig kontrolliert.
  • Sacubitril/Valsartan: Diese Fixkombination ersetzt den ACE-Hemmer. Mit ACE-Hemmern wird sie nicht kombiniert.
  • SGLT2-Inhibitoren: Die krankhafte Veränderung des Herzmuskels hemmen sie. Günstig wirken sie sich außerdem aus, wenn gleichzeitig ein Diabetes mellitus besteht.
  • Digitalisglykoside (Herzglykoside, zum Beispiel Digoxin, Digitoxin): Heute werden sie nur noch selten gegeben, wegen ihrer geringen therapeutischen Breite. Rasch kommt es zur Überdosierung. Achte auf ihre Zeichen: Übelkeit, Erbrechen, Farbsehstörungen, Bewusstseinsveränderungen, Halluzinationen und eine Bradykardie, die bis zur Asystolie (Herzstillstand) gehen kann.

ACE-Hemmer und Betablocker beginnt der Arzt niedrig dosiert und steigert die Dosis bis zur höchsten verträglichen. Die Elektrolyte sollten vor einer Therapie mit Diuretika bestimmt werden: Eine Hypokaliämie kann die Folge von Diuretika sein, und daraus können gefährliche Herzrhythmusstörungen entstehen.

Faustregel

Diuretika: Sturzgefahr beim nächtlichen Toilettengang, und das Kalium kann entgleisen, also auf neue Pulsarrhythmien achten. Betablocker: Bradykardie, also Puls kontrollieren. ACE-Hemmer: Hypotonie bei der Ersteinnahme, also Blutdruck kontrollieren.

Pflege-Wissen

Körperpflege

Frau S. möchte duschen. „Aber schön heiß“, sagt sie, „sonst friere ich.“

Wie viel Unterstützung ein Mensch mit einer Herzerkrankung bei der Körperpflege braucht, hängt von seiner individuellen Belastungsgrenze ab. In der Dusche sollte es deshalb eine Sitzmöglichkeit geben, damit er sich bei Bedarf ausruhen kann.

Körperpflege

Von warmem Duschen und von Vollbädern wird grundsätzlich abgeraten. Sie belasten den Herzkreislauf zusätzlich.

Vor und nach der Körperpflege fragst du nach dem Befinden. Achte auf Schwäche, Luftnot und weitere Zeichen von Kreislaufbeschwerden. Muss der Mensch Bettruhe einhalten, unterstützt du ihn bei der Körperpflege und bei der Ausscheidung.

Faustregel

Bei der Körperpflege richtet sich die Unterstützung nach der Belastungsgrenze. In der Dusche sollte es zum Beispiel einen Sitz geben. Von warmem Duschen und Vollbädern wird abgeraten.

Pflege-Wissen

Trinkmenge und Salz

„Viel trinken ist doch gesund“, sagt Frau S. und schenkt sich das vierte Glas Wasser ein. Auf ihrem Nachttisch liegt der Zettel mit der verordneten Trinkmenge.

Hat der Arzt bei einer chronischen Herzinsuffizienz die Flüssigkeitszufuhr beschränkt, achtest du darauf. Eine Dekompensation der Herzinsuffizienz kann die Folge sein, wenn der Mensch zu viel trinkt. Über den Tag sollte die erlaubte Trinkmenge möglichst gleichmäßig verteilt sein. Bei starkem Durst kannst du zum Beispiel Eiswürfel zum Durstlöschen anbieten.

Eine strenge Beschränkung gilt aber nicht für alle. Bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz soll sich die Trinkmenge laut Leitlinie danach richten, wie sich das Gewicht kurzfristig verändert und wie die Nieren arbeiten. Ungünstig ist nach Erfahrung der Leitliniengruppe lediglich eine exzessive Aufnahme, ungefähr über 3 Liter. Haben Menschen eine schwere Symptomatik, eine Hypervolämie oder eine Hyponatriämie, kann kurzfristig eine Beschränkung auf 1,5–2 Liter am Tag infrage kommen.

Warum nicht einfach immer beschränken? Die frühere Empfehlung beruhte auf einer Annahme: Eine Beschränkung von Flüssigkeit und Salz verringere Atemnot und Ödeme und senke den Blutdruck. Diesen positiven Effekten steht aber ein erhöhtes Risiko gegenüber, unter anderem für Hyponatriämien. Folgen können Verwirrtheit und Delir, Stürze und Krankenhausaufenthalte sein. Dazu kommen eine verschlechterte Nierenfunktion und eine erhöhte Herzfrequenz.

Salzrestriktion

Zum Salz sagt die Leitlinie: Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz sollte keine Salzrestriktion unter 6 g pro Tag empfohlen werden. Für die Allgemeinbevölkerung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Salzverzehr von 6 g am Tag, das sind ungefähr 1,5 Teelöffel. In der Regel essen Menschen in Deutschland mehr.

Faustregel

Eine ärztlich verordnete Trinkmenge hältst du ein und verteilst sie gleichmäßig über den Tag. Bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz ist nach Erfahrung der Leitliniengruppe nur eine exzessive Menge von ungefähr über 3 Litern ungünstig. Eine Salzrestriktion unter 6 g am Tag sollte nicht empfohlen werden.

Pflege-Wissen

Ernährung und Gewicht

Frau S. isst nur ein paar Löffel Suppe. „Ich habe als Kind gehungert“, sagt sie. „Ich brauche nicht viel.“

Hat der Mensch keinen Appetit, ist Wunschkost ein gutes Angebot. Mehrere kleine, eiweißreiche Mahlzeiten sind besser als üppige. Nahrungsmittel, die blähen, fettreich oder schwer verdaulich sind, meidet er besser. Wie viele Kalorien er braucht, richtet sich nach seinem Ausgangsgewicht. Ungünstig ist nämlich nicht nur Übergewicht, sondern auch Untergewicht.

Eine spezielle Diät gibt es bei Herzinsuffizienz nicht. Für spezifische Diäten fand die Leitlinie keine Evidenz. Sie verweist auf die Ernährungsempfehlungen für die Allgemeinbevölkerung. Herzkranken Menschen wird eine Ernährung empfohlen, die kaloriengerecht und ballaststoffreich ist, mit viel Obst und Gemüse und wenig gesättigten Fetten.

Gewichtsreduktion bei Übergewicht

Eine Diät mit dem Ziel abzunehmen sollte Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz nicht regelhaft empfohlen werden. Bei einer bereits bestehenden Herzinsuffizienz leben Menschen mit Übergewicht oder leichter Adipositas (BMI unter 35) im Vergleich zu Menschen mit normalem BMI sogar länger. Sie müssen auch seltener stationär behandelt werden. Untergewicht und ein ungewollter Gewichtsverlust sind dagegen prognostisch ungünstig. Bei älteren Menschen ist das Risiko einer Gewichtsreduktion unter Umständen vermutlich größer als ihr Nutzen.

Ist die Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt, gehört eine Obstipationsprophylaxe dazu. Wenn nötig, wird die Darmtätigkeit angeregt, zum Beispiel mit Macrogol, Laktulose oder Weizenkleie.

Faustregel

Bei Appetitlosigkeit helfen Wunschkost und mehrere kleine, eiweißreiche Mahlzeiten. Eine Diät zum Abnehmen sollte nicht regelhaft empfohlen werden, Untergewicht ist ungünstig. Bei eingeschränkter Trinkmenge denkst du an die Obstipationsprophylaxe.

Pflege-Wissen

Schulung und Selbstmanagement

Frau S. soll entlassen werden. Ihre Tochter Olga fragt: „Und woran merke ich, dass es wieder schlimmer wird?“

Menschen mit Herzinsuffizienz sollen nach der Diagnose und wiederholt im Krankheitsverlauf strukturierte Schulungen empfohlen und vermittelt werden. Schulungen, die einmalig und nur in der Klinik stattfinden, scheinen keine nachhaltigen Effekte zu bringen. Positive, wenn auch kleine Effekte hatte dagegen eine langfristige ambulante Nachsorge mit regelmäßigen Kontakten, etwa am Telefon oder bei Hausbesuchen, und wiederholten Schulungen, zum Beispiel durch spezialisierte Pflegefachkräfte.

Wichtige Inhalte einer Schulung:

  • Selbstmanagement: Gewicht, Puls und Blutdruck regelmäßig kontrollieren und dokumentieren; wichtige Symptome selbst beobachten; Warnzeichen kennen, bei denen ein Arzt kontaktiert werden sollte
  • Wissen über die Erkrankung: Ursachen, Symptome, typischer Verlauf, Behandlungsmöglichkeiten
  • Lebensstil: regelmäßige körperliche Aktivität im Alltag, Salz und Flüssigkeit, Rauchverzicht, Alkohol
  • Medikamente: Ziele, Nebenwirkungen, Bedeutung der Therapietreue, Impfempfehlungen

Alle Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz sollen nach der Diagnose und wiederholt im Verlauf zur aktiven Mitwirkung motiviert werden, wenn sie einverstanden sind, auch ihre Angehörigen. Die Einbeziehung der Angehörigen aktiv anzusprechen, ist sinnvoll: Die Betroffenen fragen erfahrungsgemäß oft nicht selbst danach. Bei Information und Schulung sollen kognitive Einschränkungen und möglicherweise vorliegende psychische Probleme berücksichtigt werden. Bei Bedarf sollen auch die Angehörigen einbezogen werden.

Bei Menschen mit Symptomen soll geprüft werden, ob sie anhand ihres Gewichtsprotokolls ihre Diuretikadosis selbstständig anpassen können. Mit Menschen, die das können, können individuelle Grenzwerte festgelegt werden. Die Leitliniengruppe spricht sich dafür aus, sie entsprechend zu schulen und so in ihrer Autonomie gestärkt.

Faustregel

Schulung gehört wiederholt dazu, nicht nur einmal in der Klinik. Der Mensch lernt, Gewicht, Puls und Blutdruck zu kontrollieren und zu dokumentieren, Warnzeichen zu erkennen und seine Medikamente zu verstehen. Die Einbeziehung von Angehörigen aktiv anzusprechen, ist sinnvoll.

Pflege-Wissen

Medikamentenmanagement

„Die Wassertablette lasse ich weg, wenn wir zum Arzt fahren“, sagt Frau S. „Sonst muss ich unterwegs ständig.“

Viele Herzerkrankungen sind chronisch. Oft muss der Mensch die Medikamente deshalb lebenslang einnehmen. Du sorgst dafür, dass der Mensch sie regelmäßig einnimmt, damit die Herz-Kreislauf-Funktion stabil bleibt. Du überwachst die Therapie und achtest auf mögliche Nebenwirkungen. Dazu solltest du den Wirkmechanismus kennen und die korrekte Einnahme erklären können.

Zu den pflegerischen Aufgaben bei Herzinsuffizienz gehört laut Leitlinie, bei der Medikamenteneinnahme zu unterstützen:

  • Medikamente stellen und verabreichen
  • beobachten und informieren zu Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
  • Probleme bei der Einnahme erkennen und gemeinsam nach Lösungen suchen

Viele Menschen nehmen die verordneten Medikamente nicht so ein, wie es nötig wäre. Wer nicht adhärent ist, wird häufiger wegen einer Dekompensation ins Krankenhaus eingewiesen. Vor der Entlassung solltest du deshalb darüber aufklären, wie wichtig die regelmäßige Einnahme ist, um Komplikationen wie die Dekompensation einer Herzinsuffizienz zu vermeiden. Der Mensch sollte außerdem die möglichen unerwünschten Nebenwirkungen seiner Medikamente kennen.

Achte bei der Entlassung darauf, dass der Mensch für neu begonnene Medikamente ein Rezept bekommt. Dazu sind die Kliniken nach SGB V verpflichtet. Ist er demenziell erkrankt oder körperlich stark eingeschränkt, muss ihn ein ambulanter Pflegedienst bei der Medikamentengabe unterstützen. Dass er Unterstützung braucht, stellst du fest und gibst es an den behandelnden Arzt weiter. Der Sozialdienst des Krankenhauses übernimmt die Organisation.

Faustregel

Herzmedikamente sind oft lebenslang nötig. Du sorgst für die regelmäßige Einnahme, überwachst Wirkung und Nebenwirkungen und suchst bei Problemen mit der Einnahme gemeinsam mit dem Menschen nach Lösungen.

Pflege-Wissen

Begleitung und Entlassung

Frau S. singt leise ein Kirchenlied. „Das mache ich, wenn ich Angst habe“, sagt sie. „Wie lange schaffe ich das noch zu Hause?“

Besonders nach der Erstdiagnose, aber auch im Verlauf brauchen Betroffene und ihre Bezugspersonen psychosoziale Begleitung. Sie fragen sich, wie sich die Krankheit in ihr Leben integrieren lässt, welche Komplikationen eintreten können und welche Auswirkungen die Krankheit haben wird. Bei diesen Fragen solltest du versuchen, ihnen zu helfen. Damit Hilfe organisiert werden kann, solltest du bei Bedarf Informationen an Kolleginnen oder den Arzt weitergeben. Grundsätzlich solltest du Gesprächsbereitschaft signalisieren. Gib dem Menschen die Möglichkeit, über seine Sorgen, Ängste und Nöte zu sprechen.

Eine Herzinsuffizienz kann mit depressiven Verstimmungen, Angststörungen oder kognitiver Dysfunktion zusammenhängen. Auch soziale Auswirkungen der Erkrankung spielen eine Rolle, zum Beispiel für Sexualität und Freizeit. Gemeinsam mit dem Menschen suchst du nach Ressourcen, damit er lernt, mit den Veränderungen umzugehen.

Vor der Entlassung wird der Mensch individuell beraten, informiert, geschult oder angeleitet. Der Schwerpunkt liegt auf der Tertiärprävention: Die Folgen der Erkrankung sollen gemildert und Rückfällen soll vorgebeugt werden. Für seine Reintegration in den Alltag muss der Mensch über seine Erkrankung aufgeklärt sein, ärztlich wie pflegerisch. So bereitest du die Entlassung mit vor:

  • Zusammen mit dem Arzt entsteht ein individueller Reintegrationsplan für die Zeit nach der Entlassung. In vielen Krankenhäusern übernimmt das der Sozialdienst, zum Beispiel für Rehabilitationsmaßnahmen und häusliche Hilfen.
  • Der Sozialdienst unterstützt beim Antrag auf eine Anschlussheilbehandlung (AHB). Auch nach einem Krankenhausaufenthalt wegen einer Dekompensation haben Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz Anrecht auf eine stationäre Rehabilitation.
  • Ein Disease-Management-Programm (DMP) bietet einen regelmäßigen ärztlichen Rundumblick. Der Mensch sollte deshalb in ein solches Programm vermittelt werden. Darin sucht er in festen Abständen einen niedergelassenen Facharzt auf. Dieser beobachtet den Verlauf, schult weiter und kann Komplikationen früh erkennen. DMPs gibt es unter anderem für Herzinsuffizienz.
Faustregel

Gesprächsbereitschaft zeigen und Ängste ernst nehmen. Vor der Entlassung mit Arzt und Sozialdienst planen: Rehabilitation, häusliche Hilfen, Disease-Management-Programm.

Pflege-Wissen

Training und Alltagsaktivität

Die Hausärztin hat Frau S. eine Herzsportgruppe empfohlen. „In meinem Alter?“, fragt sie.

Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz soll empfohlen werden, körperlich aktiv zu sein. Ihnen soll außerdem eine langfristige strukturierte Trainingsintervention empfohlen und gegebenenfalls vermittelt werden. Ein solches Training wirkt sich positiv auf Belastbarkeit und Lebensqualität aus und verringert das Risiko für Krankenhauseinweisungen.

So ist das Training aufgebaut:

  • Es soll auf einem Ausdauertraining basieren. Ein dynamisches Krafttraining kann es ergänzen.
  • Am Anfang stehen kurze, gering bis moderat intensive Einheiten. Erst steigt die Dauer, danach die Intensität („start low – go slow“).
  • Geeignet sind je nach Belastbarkeit zum Beispiel Radfahren, Walking oder ein Stepper. Bei stark eingeschränkten Menschen bieten sich Fahrradergometer oder Laufband an.
  • Körperliche Belastung brichst du bei Atemnot ab.

Regelmäßiges Ausdauertraining, zum Beispiel in speziellen Herzsportgruppen, ist bei kompensierter Herzinsuffizienz sinnvoll. Oft gehen mit einer Herzinsuffizienz Erschöpfung und eine (reaktive) depressive Verstimmung einher. Auch ihnen wirkt das Training entgegen. Für herzkranke Menschen wird grundsätzlich eine Kombination aus Ausdauertraining (3–5-mal pro Woche) und Krafttraining (2–3-mal pro Woche) empfohlen, angepasst an den Allgemeinzustand. Besonders für ältere Menschen steht neben dem angeleiteten Training die aktive Alltagsaktivität im Vordergrund, zum Beispiel selbstständiges Einkaufen.

Je nach Vorliebe kommen auch zum Beispiel Spazierengehen, Schwimmen, Aquagymnastik oder Gartenarbeit infrage. Damit die positiven Effekte bleiben, ist es wichtig, die Aktivitäten lebenslang beizubehalten.

Faustregel

Bei chronischer Herzinsuffizienz soll körperliche Aktivität empfohlen werden, am besten als langfristiges Ausdauertraining: kurz und leicht beginnen, erst die Dauer, dann die Intensität steigern. Bei Atemnot brichst du die Belastung ab.